Titel: Prüfung von Oelen von Holde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276/Miszelle 6 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/mi276mi08_6

Prüfung von Oelen von Holde.

1) Flammpunktsprüfungen von Oelen.

Zur Aufstellung eines neuen einheitlichen Prüfungsverfahrens schlägt Holde einen von Prof. Martens etwas modificirten Pensky'schen Apparat (vgl. Schädler's Technologie der Fette und Oele der Fossilien S. 443) vor unter Beobachtung folgender Versuchsausführung:

Das zu prüfende Oel ist zunächst auf seinen Wassergehalt zu untersuchen, eventuell durch Schütteln mit Chlorcalcium und eintägiges Stehenlassen zu entwässern. Gar nicht oder nur sehr wenig schäumende Oele oder solche, bei denen das Schäumen nur von Luftblasen herrührt, können direkt benutzt werden.

Die mit dem Pensky'schen Apparate bestimmten Flammpunkte weichen jedoch bedeutend von denen im offenen Tiegel ab, in den man früher das Oel brachte, dann auf dem Sandbade erhitzte und unter Beobachtung an einem eingetauchten Thermometer durch zeitweiliges Annähern einer Löthrohrflamme das Entflammen beobachtete.

Die mit Erdölgemischen angestellten Versuche zeigen nun, daſs die Unterschiede |383| der nach beiden Verfahren erhaltenen Flammpunkte um so gröſser werden, je gröſser die Menge der leicht flüchtigen Oele ist, und daſs durch Zusatz der letzteren der Flammpunkt im geschlossenen Apparat bedeutend tiefer herunter gebracht wird als im offenen Tiegel. Ein raffinirtes Rüböl zeigte im Pensky'schen Apparate einen unter 80° C. liegenden Flammpunkt, während es im Tiegel noch nicht bei 230° C. entflammte. Durch eine mit 2l Oel angestellte Destillationsprobe konnten deutliche Mengen eines niedrig siedenden Bestandtheiles nicht erhalten werden, mithin konnte in diesem Falle die Veranlassung zu dem äuſserst niedrigen Flammpunkte im Pensky'schen Apparate nur in der Gegenwart leicht entflammbarer Gase zu suchen sein, welche beim Erhitzen im offenen Tiegel durch die Luftströmungen von der Oberfläche entfernt waren. Nach 2stündigem Durchleiten von Luft stieg der Flammpunkt des Oeles im Pensky'schen Apparate von 80° auf 98° C. und ein ander Mal bei gleichzeitigem Erwärmen auf 80° bei 10 Minuten langem Durchleiten von Luft bis auf 191° C. Während durch die Gegenwart von 0,4 Proc. Benzin ein Oel (welches in reinem Zustande im Pensky'schen Apparate bei 172° C, im offenen Riegel bei 186° C. entflammte) im Pensky'schen Apparate schon unter 90° C. entflammte, war der Flammpunkt im offenen Tiegel 184° C.

Unter Berücksichtigung dieser Versuche ist für alle Fälle, für welche ein hoher Flammpunkt Erforderniſs ist, – Maschinen mit comprimirter Luft, Bremsen, Torpedomaschinen u.s.w. – die Prüfung im offenen Tiegel unzugänglich. (Heft 2 S. 64 und Heft 4 S. 153.)

2) Ueber den Nachweis von Wasser in zähflüssigen Oelen.

Die Anwesenheit von Wasser in zähflüssigen Oelen läſst sich mit Sicherheit dadurch feststellen, daſs es beim Erwärmen zu Schaumbildung und Stoſsen Anlaſs gibt und mit einer dünnen Oelschicht eine weiſse Emulsion bildet. Verfasser taucht eine Probe des zu untersuchenden Oeles, in ein Reagensglas gebracht, in Leinöl ein und erwärmt es. Bei Gegenwart von Wasser tritt schon unter 100° C. Schäumen und Stoſsen ein, vor Allem bildet sich aber an den fanden des Reagensglases auf dem anhaftenden Oel eine deutlich sichtbare Emulsion von niederschlagendem Wasser und Oel. (Heft 2 S. 74.)

3) Nachweis von Mineralöl in fetten Oelen.

Verfasser führt den Nachweis von Mineralöl in fetten Oelen, indem er unter Erwärmen ein erbsengroſses Stück Kalihydrat im Reagensglas in absolutem Alkohol löst, hierauf 3 bis 4 Tropfen des zu prüfenden Oeles zur Alkalilösung gibt, 1 Minute lang kocht und dann 3 bis 4cc destillirtes Wasser einträgt. Bleibt die Lösung klar, so ist reines fettes Oel vorhanden. Geringe vor dem Zusatz des Wassers in der Lösung vertheilte Flocken verschwinden nach dem hinzufügen desselben, wenn reine fette Oele vorliegen, ebenfalls. Bei Gegenwart von geringen Mengen Mineralöl (bis zu 1 Proc.) findet eine deutliche Trübung der ganzen Flüssigkeit statt; bei Anwesenheit gröſserer Mengen desselben tritt die Trübung schon nach Zusatz weniger Tropfen Wasser ein. (Heft 2 S. 75.)

4) Bestimmung des Säuregehalts von Oelen.

Zur Bestimmung des Säuregehaltes benutzt Verfasser das etwas veränderte Geißler'sche Verfahren; 10cc Oel, mittels einer Pipette entnommen, werden mit etwa 50cm Aether in einen kleinen Glaskolben gespült. Nach Hinzugabe weniger Tropfen alkoholischen Phenolphtaleïns wird mit alkoholischer 1/10 Normalnatronlauge bis zur Rothfärbung titrirt. – Um in dunklen Oelen die freie Säure zu bestimmen, schüttelt man etwa 20g Oel mit 50cc absolutem Alkohol, nimmt nach der Scheidung der beiden Flüssigkeiten von dem Alkohol 25cc heraus und titrirt. Der Rest des im Cylinder befindlichen Alkohols wird abgössen und eine nochmalige Ausschüttelung und Titrirung vorgenommen. Die Summe der jedesmal gebrauchten Kubikcentimeter-Natronlauge mit 2 multiplicirt, gibt die ganze für die Neutralisation nöthige Natronlauge an. (Heft 3 S. 116.)

H.

(Aus den Mittheilungen der Königl. techn. Versuchsanstalten zu Berlin 1889, 7. Jahrg.)

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