Titel: Die Körting'schen Streudüsen in Condensationsanlagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276/Miszelle 2 (S. 430–431)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/mi276mi09_2

Die Körting'schen Streudüsen in Condensationsanlagen.

Die Körting'schen Streudüsen besitzen im Innern des Theiles, in welchem die Verengung stattfindet, eine auf einem mittleren Dorne angebrachte Metallspirale, welche unbeweglich auf ihrem Sitze festgehalten wird, die aber der vorbeistreichenden Flüssigkeit eine drehende Bewegung ertheilt, durch welche bewirkt wird, daſs die Flüssigkeit nicht als voller Strahl, sondern als ein Kegel von sehr kleinen Tropfen austritt.

Neben vielen anderen Zwecken haben in der neueren Zeit die Streudüsen zur Erzielung einer wirksamen Condensation gedient; so vor allem in Oberschlesien, wo sie in drei verschiedenen Anlagen zur Verwendung gekommen sind, und sich hier gut bewähren.

Die hauptsächlichste derselben arbeitet auf der Julienhütte bei Bobrek und besteht aus 22 Stück Patent-Streudüsen von 15mm Durchmesser, durch welche mit einem Drucke von 15at insgesammt ungefähr 220000l stündlich |431| aufgespritzt und gekühlt werden. Ueber den Grad der erreichten Kühlung ergaben die Versuche Folgendes:

An einem Tage, an welchem die Luft 20° C. hatte, verlieſs das Wasser die Düsen mit 43° C. Auf dem Wege durch die Luft nahm die Wärme des Wassers um 21° C. ab, so daſs die Wärme des zurückgefallenen Wassers also 22° betrug.

Auch dann, wenn das Wasser anfangs noch wärmer war, ergab sich bei den Versuchen stets eine Kühlung bis nahezu auf die Wärme der umgebenden Luft.

Selbstverständlich gebrauchen die einzelnen Streudüsen einen bestimmten Raum, in welchem das Wasser frei aufgespritzt werden kann; dieser Raum wird für jede Düse ungefähr 5 bis 6qm betragen. Wenn man indessen bedenkt, daſs man eine solche Anlage mitunter unmittelbar auf das Dach der Fabrik legen oder an irgend einem abgelegenen Raum anbringen kann, so wird diese Frage wenig Bedeutung haben, und die in Wettbewerb tretenden Gradirwerke haben jedenfalls auch gröſsere Räumlichkeiten nöthig.

Insbesondere dürften diese Streudüsen gegenüber den jetzt sehr häufig empfohlenen Apparaten zur Ersparniſs von Kühlwasser ins Feld treten können, und zwar deshalb, weil die Anschaffungskosten einer Streudüsenanlage bei weitem geringer sind, als die Apparate, welche gleiche Zwecke verfolgen. Streudüsen der obigen Weite kosten, einschlieſslich der Patentgebühr, 90 M. Dazu bedarf es dann einer Kreiselpumpe und natürlich eines Condensators an den Dampfmaschinen.

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