Titel: Neue Verfahren zum Härten des Stahles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276/Miszelle 3 (S. 525–526)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/mi276mi11_3

Neue Verfahren zum Härten des Stahles.

Dem von dem russischen Marine- und Arsenal-Aufseher C. Feodosieff angegebenen Verfahren liegt nach Watson Smith, Professor am University College, London (Iron Bd. 35 S. 188), die Verwendung von Glycerin zu Grunde, welches zum Härten, Ausglühen und Anlassen von Stahl, Guſsstahl oder Guſseisen dient. Das Glycerin wird durch Zusatz von Wasser auf eine specifische Dichte zwischen 1,08 bis 1,26 bei 15° C. gebracht und je nach der Zusammensetzung des Stahles und der gewünschten Wirkung verwendet. Die zu härtenden Stücke werden in die ein- bis sechsfache Menge ihres Gewichtes an Glycerin getaucht, deren Temperatur 15 bis 200° C. beträgt, und zwar wird eine höhere Temperatur für härtere, eine niedere Temperatur für welche Stahlsorten angewendet. Dem Glycerinbade werden für härteres Anlassen 1 bis 24 Proc. Mangansulfat oder 0,25 bis 4 Proc. Kaliumsulfat, für weicheres Anlassen 1 bis 10 Proc. Manganchlorid oder 1 bis 4 Proc. Chlorkalium zugesetzt. – Ein anderes Verfahren der Stahlhärtung, welches nach dem Patent Ervard durch Eintauchen der Stahlstücke in ein Bleibad ausgeführt wird, hat in seinen Wirkungen Namentlich für das Härten von Panzerplatten Aufsehen erregt. Das Tempern im Bleibade erhöht die Zugfestigkeit, vermeidet den Fehler des Werfens, welchen groſse Stücke beim Härten in Wasser oder Oel erleiden, und hat sogar eine Vermehrung des Kohlenstoffes zur Folge, wodurch die Härte erhöht wird, ohne daſs sich die Sprödigkeit vermehrt. Panzerplatten aus hartem und weichem Fluſseisen wurden unter Anwendung des Bleibades so hart, daſs sie, mit Geschossen aus Hartguſs oder Chromstahl aus einer 9cm,5-Kanone beworfen, keine Risse zeigten, vielmehr die Geschosse brachen. Das Metallbad wird mit dem Stahlstück bis zu der für die Umwandlung des Gefüges des letzteren erforderlichen |526| Temperatur erwärmt, worauf das Stück mit dem Bade abkühlt. Die Compagnie de Chatillon et Commentry hatte mehrere solcher gehärteten Platten auf der Pariser Ausstellung ausgestellt.

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