Titel: Berlier's Plan zu einer unterirdischen elektrischen Bahn für Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276/Miszelle 7 (S. 526–527)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/mi276mi11_7

Berlier's Plan zu einer unterirdischen elektrischen Bahn für Paris.

In dem verflossenen Jahre hat der Ingenieur J. B. Berlier einen Plan für eine quer durch Paris anzulegende unterirdische elektrische Eisenbahn entworfen, welcher in dem Bulletin de la Société d'Encouragement, 1889 Bd. 4 * S. 369, mitgetheilt und besprochen worden ist. Die Bahn soll aus drei aneinander stoſsenden Zweigen bestehen; der erste Zweig mit 5 Stationen hat etwa 3km,5 Länge und reicht von dem Bois de Boulogne bis zur Place de la Concorde; der zweite Zweig mit 11 Stationen bei etwa 5km Länge läuft von der Place de la Concorde durch die groſsen Boulevards zur Place de la Bastille; der dritte, 12 Stationen enthaltende Zweig miſst etwa 7km,5, geht auch von der Place de la Concorde aus, überschreitet die Place de la Bastille auf einer oberirdischen Brücke und geht dann unterirdisch weiter bis zur Porte de Vincennes, |527| in der Nähe der Station der Gürtel-Eisenbahn. Der unterirdische Kanal soll durch ein unter den Straſsen laufendes Guſseisenrohr mit kreisförmigem Querschnitt von 5m,6 inneren Durchmesser gebildet werden, in dessen Inneren zwei Geleise von je 1m,1 Spurweite liegen sollen. In der Mitte jedes Geleises soll eine isolirte Mittelschiene angeordnet werden, welche den Strom einem hinreichend kräftigen Motor auf dem Wagen zuführt; diesen Strom und zugleich den für die elektrische Beleuchtung des Tunnels und der unterirdischen Stationen liefern Maschinenstationen, welche etwa in Mitte der Bahn angelegt werden. Die Züge sollen nur aus je zwei Wagen bestehen; jeder Wagen besitzt einen Motor von solcher Stärke, daſs er beide Wagen fortbewegen kann; der Motor des zweiten Wagens bleibt also in Bereitschaft und vermag nöthigenfalls einen angehängten zweiten Zug fortzuschaffen. In Abständen von 1m,5 sollen getränkte Querbalken aus Holz gelegt werden, welche mit ihren Enden auf an dem Rohre angebrachten Lagern und in der Mitte auf Mauerwerk ruhen und die Schienen tragen; die Laufschienen sind mit Fuſs versehen und wiegen 25k für den laufenden Meter. Das Rohr wird aus aneinander gereihten Ringen bestehen, jeder Ring aber wird aus mehreren Stücken zusammengeschraubt, die alle gleiche Bogenlänge besitzen; das Rohr kann daher ganz und gar unterirdisch, mindestens Im tief unter der Straſse, verlegt werden, ohne daſs der Straſsenverkehr durch Aufgrabungen gestört wird. Auſsen ist das Rohr ganz glatt; die Rippen zum Zusammenschrauben sind innerlich angebracht; zwischen die Rippen wird ein Dichtungsmittel (z.B. Blei) gelegt und durch festes Zusammenschrauben eine vollkommene Wasserdichte erzielt, was aus Gesundheitsrücksichten nöthig ist. Den Luftwechsel gestatten kleine säulenförmige Röhren, welche in entsprechender Höhe über dem Pflaster enden und mit einem Gitter verschlossen sind. Die Züge sollen mit 20km in der Stunde fahren und in Zwischenräumen von 1 Minute (im zweiten Zweige) bezieh. von 2 Minuten (im ersten und dritten Zweige) abgelassen werden, so daſs sie 300 bis 600m Abstand haben. Jeder Wagen soll 30 Fahrende erster oder zweiter Klasse fassen, die 30 bezieh. 15 Cent. bezahlen sollen. Die gesammten Baukosten werden auf 54000000 Fr. veranschlagt. Die Betriebskosten werden auf 2400000 Fr. jährlich geschätzt, die Zahl der Fahrgäste aber auf 30000000, von denen ⅓ in erster, ⅔ in zweiter Klasse fahren. Es würde somit ein reiner Ueberschuſs von 3600000 Fr. verbleiben, was eine Verzinsung zu 6,48 Proc. ergeben würde.

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