Titel: Flüchtigkeit des Eisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276/Miszelle 3 (S. 574–575)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/mi276mi12_3

Flüchtigkeit des Eisens.

Zu sehr bemerkenswerthen und wichtigen Ergebnissen über die Flüchtigkeit des Eisens und die Wanderfähigkeit seiner Atome gelangte Fleitmann bei Untersuchungen über das Schweiſsen von Eisen mit Nickel. Werden Eisen und Nickel zusammengeschweiſst, so ist es unmöglich, die Schweiſsung auf mechanischem Wege wieder aufzuheben. Die chemische Untersuchung zeigt, daſs sich bei diesem Prozeſs eine wirkliche Legirung von Eisen und Nickel bildet. Es findet also eine sehr innige Durchdringung der beiden Metalle statt, obwohl das Zusammenschweiſsen ohne bedeutende Erweichung und bei Temperaturen erfolgt, welche noch 500 bis 600° vom Schmelzpunkte beider Metalle entfernt sind. Weitere Versuche bestätigen, daſs das Eisen schon bei mäſsiger Rothglühhitze flüchtig ist. Werden nämlich Eisenbleche und Nickelbleche bloſs zusammengelegt und anhaltend zur Rothgluth erhitzt, so geht das Eisen in beträchtlicher Menge zum Nickel über, ohne daſs dabei ein Schweiſsen oder auch nur Zusammenkleben der Oberfläche stattfände. Es bildet sich auf der ganzen Fläche des Nickelbleches eine Legirung von Nickel mit Eisen, die bei Blechen von etwa 1mm bis auf 0,05 der Dicke des Bleches in die Masse des Nickels hineinreicht und im Mittel bis zu 24 Proc. Eisen enthält, natürlich an der Oberfläche reicher an Eisen ist, als weiter nach dem Inneren zu. Auffallenderweise ist dieser Uebergang des Eisens zum Nickel nicht von einem gleichzeitigen Uebergang des Nickels zum Eisen begleitet. Die Eisenplatten sind nach dem Versuche unverändert. Der einseitige Uebergang des Eisens zum Nickel zeigt sich schon in dem Aussehen |575| der Platten. Die Nickelplatten erhalten nach dem Glühen unter den genannten Bedingungen ein silberweiſses Aussehen, entsprechend einer etwa 50 Proc. Nickel enthaltenden Eisenlegirung, während die Eisenplatten ganz das dunkle Aussehen wie alle für sich allein geglühten Platten zeigen. Auch konnte der einseitige Uebergang leicht durch die Wage nachgewiesen werden. Worauf die Flüchtigkeit des Eisens in diesen Fällen beruht, ob Spuren von Chlor- oder Cyan- oder Kohlenstoffverbindungen des Eisens dieselbe bewirken, ist noch nicht bekannt; jedenfalls scheint aber die im Vergleich zu anderen Metallen beim Eisen so auſserordentlich hervortretende Eigenschaft der Schweiſsbarkeit vornehmlich auf der theilweisen Flüchtigkeit bei einer Temperatur, die beträchtlich unter dem Schmelzpunkte liegt, zu beruhen. (Eisenzeitung, 1890 Nr. 22.)

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