Titel: Fortschritte in der Thonindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 277 (S. 33–43)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj277/ar277004

Fortschritte in der Thonindustrie.

(Schluſs des Berichtes Bd. 276 S. 578.)

Neue Massen.

Verfahren zur Herstellung von widerstandsfähigen Blöcken aus Kieselsäure im Tridymitzustand von B. L. Mosely und Cr. Chambers (D. R. P. Nr. 49670 vom 18. December 1888). Schwere Kieselerden werden erhitzt, bis keine Ausdehnung mehr stattfindet; es ist dann die Kieselsäure in den Tridymitzustand übergegangen. Das erhaltene Product in |34| Pulverform wird mit so viel kieselhaltigem Wasser gemischt, daſs eine cohärente oder plastische Masse entsteht. Letztere wird in Formen gebracht, stark comprimirt und nach dem Trocknen der Glühhitze des Porzellanofens ausgesetzt, bis die in Wasser gelöste Kieselsäure ebenfalls in den Tridymitzustand übergeführt ist. Das kieselhaltige Wasser wird durch Lösen von Kieselsäure in einer kleinen Menge von Natron erhalten. Eine Lösung von 1 Th. NaHO in 10000 Th. H2O genügt, um 200 Th. gallertige Kieselsäure in Lösung zu bringen; das kieselhaltige Wasser besteht demnach aus einer Lösung von freiem Kieselsäurehydrat in einer ganz geringen Menge von Alkalisilicat. Die nach diesem Verfahren hergestellten Massen finden eine vortheilhafte Verwendung als künstlicher Marmor u.s.w.

Diqby und Lycet empfehlen eine neue Masse für Schmelztiegel, Glashäfen u.s.w., welche erhalten wird durch Mengen von 3 Th. Granit, 3 Th. Thonschiefer, 4 Th. plastischem Thon und 4 Th. Lehm. Die Materialien werden gekollert, mit Wasser zu einem Brei eingesumpft und auf einer Mühle oder im Thonschneider gemengt, geformt und gebrannt (Moniteur de la céramique et verrerie, Bd. 20 S. 227).

Als feuerfestes Material für viele Zwecke eignet sich nach dem Englischen Patente Nr. 1549 vom 2. Februar 1888 ein Gemisch von Thonerde und Asbest, mit oder ohne Kalk, Kieselsäure, gebrannten Thon u.s.w. und dient besonders zur Herstellung von Gasretorten und von Brennkapseln für die Thonwaarenindustrie, sowie zum Füttern von Oefen und Feuerungen. Ein hoch thonerdehaltiger Asbest, der zu Natal gefunden wird, ist vorzugsweise anwendbar.

Als neues Material für Bauornamente und Gefäſse wird von Gillet neuerdings die Lava in der Art verwendet, daſs dieselbe gepulvert und mit Hilfe von Bindemitteln aus Thon oder Klebestoffen in eine plastische Masse verwandelt wird, welche ein Modelliren gestattet und wegen des geringen Schwindens nicht so leicht reiſst, wie die stark schwindenden Thongegenstände. Vermöge ihrer groſsen Härte eignet sich die Masse auch zu vielen anderen technischen Zwecken. Die Malerei mit Emaillen geschieht auf diesen Producten in derselben Weise wie auf anderen Thonwaaren (Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, 1889 Bd. 20 S. 783).

Künstlich polirter Marmor aus Cement wird nach der Baugewerbe-Zeitung aus gutem Portland-Cement und cementechten Farben hergestellt. Die Stoffe werden gemengt, mit Wasser zu einem Teige angemacht. Die verschiedenfarbigen Teige werden lagenweise auf einander gelegt, und von allen Seiten zusammengeklopft und breit geschlagen. Die aus dem Cementkuchen geschnittenen Scheiben werden in Formen gepreſst und die fertigen Gegenstände nach 12 Tagen herausgenommen. Das Schleifen und Poliren geschieht unter Verwendung von Wasserglas.

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Rohmaterialien.

Ueber ein Kaolinlager in Nassau berichtet A. Kiesewalter (Sprechsaal, Jahrg. 21 Nr. 15.). Dasselbe hat eine Durchschnittsmächtigkeit von 15 bis 20m bei einem Umfange von 500 Morgen. In pyrometrischer Beziehung variirt der Rohthon von 10 bis 50 Proc. nach Bischof's Feuerfestigkeitsscala. Die Analysen besserer Schichten sprechen für das Material:

geschlämmt
SiO2 53,2 52,6
Al2O3 39,5 45,2
Fe2O3 2,2 0,7
CaO 0,7 0,3
MgO
K2O 3,9 1,3
–––––––––––––––
Der Glühverlust beträgt 13,3 14,72.

Analysen von feuerfesten Materialien der Vereinigten Staaten hat Barnes ausgeführt (United States Geol. Survey):

Quarzfels vom
Oberen See
Westpennsylv.
Mischung
Düsenmaterial
daselbst
Lehm
SiO2 96,3 91,0 57,2 78,9
Al2O3 1,9 5,3 41,3 9,5
Fe2O3 0,9 1,5 0,4 3,9
CaO 0,5 1,1 1,2
MgO 0,2 1,4
K2O 0,7 3,2
H2O 1,7 1,9.

Feuerfeste Thone von Briesen und Lettowitz in Mähren von H. Hecht (Thonindustrie-Zeitung, Jahrg. 12 S. 261). Die Analyse der aus dem Ferdinandsschachte stammenden Marke T. I stimmt mit der von Bischof im J. 1886 ausgeführten Analyse überein, ein Beweis der unveränderlichen Beschaffenheit des Materials. Die rationelle Analyse ergab:

Thonsubstanz 99,07 Proc.
Quarz 0,32
Feldspathreste 0,62

Das vom Antonsschachte entstammende Material setzt sich folgendermaſsen zusammen:

In verd. H2SO4
unlöslich
Thonsubstanz
berechnet Theorie
SiO2 45,6 0,2 45,56 46,3
Al2O3 39,3 0,06 39,37 39,7
Fe2O3 1,1 1,13
CaO 0,4 0,37
MgO
K2O 0,7 0,05 0,61
Glühverlust 13,2 13,29 13,9
––––––
100,33.

Rationelle Analyse:

Thonsubstanz 99,67 Proc.
Quarz
Feldspathreste 0,33

Beide Marken sind etwas schwerer schmelzbar als der frühere Normalthon II von Bischof. – Ein ebenso hoch feuerfestes Material ist |36| der Thon von Lettowitz, dessen Analyse und pyrometrisches Verhalten in genannter Abhandlung mitgetheilt werden.

Ueber Kohlensandstein und Thonschiefer aus dem Johnsdorf-Briesener Bezirk bei Krönau in Mähren berichtet H. Hecht in der Thonindustrie-Zeitung, 1889 Nr. 26. Die Zusammensetzung des ziemlich festen, weiſslich grauen Kohlensandsteines aus dem Werner-Stollen ist die folgende:

SiO2 73,42 Proc.
Al2O3 19,60
Fe2O3 0,55
CaO
MgO Spur
K2O 0,21
Glühverlust 6,66
––––––––––
100,44 Proc.

Derselbe enthält viele etwa erbsengroſse weiſse Quarzkörner und brennt im Gutbrande des Porzellanofens zu einer völlig weiſsen, von wenig gelben und braunen Eisenpünktchen durchsetzten porösen Masse, in welcher die Quarzkörner besonders deutlich zu erkennen sind. Der Schmelzpunkt des Sandsteines liegt zwischen den Kegeln 33 und 34 der Seger'schen Scala.

Die beiden aus dem Antonsschachte entstammenden Thonschiefer sind hochbasischer Natur. Die chemische Analyse ergab:

Thonschiefer Nr. 1. Thonschiefer Nr. 2.
in verd. H2SO4 unlösl: in verd. H2SO4 unlösl.:
43,48
Proc.
SiO2
TiO2
0,09
0,25
0,34 SiO2 46,13
0,16
Proc.
SiO2
TiO2
2,82
1,61
4,43 SiO2
39,43 Al2O3 0,07 Al2O3 36,24 Al2O3 0,64 Al2O3
1,61 Fe2O3 1,26 Fe2O3
0,22 CaO 0,60 CaO
MgO 0,12 MgO
0,34 K2O 0,06 K2O 0,85 K2O 0,58 K2O
15,26 Glühverlust 14,68 Glühverlust
––––––––––– –––––––––––
100,34 Proc. 100,04 Proc.

In der rationellen Analyse wurde das Verhältniſs zwischen Thonsubstanz, Quarz und Feldspath gefunden:

Thonschiefer Nr. 1. Thonschiefer Nr. 2.
99,53 Proc. Thonsubstanz 93,72 Proc. Thonsubstanz.
0,09 Quarz 2,82 Quarz
0,38 Feldspath 3,46 Feldspath
–––––––––––– ––––––––––––
100,00 Proc. 100,00 Proc.

Danach berechnet sich die Zusammensetzung der Thonsubstanz, wie folgt:

Im Thonschiefer Nr. 1. Im Thonschiefer Nr. 2.
43,20 Proc. SiO2 44,34 Proc. SiO2
39,41 Al2O3 37,70 Al2O3
1,62 Fe2O3 1,35 Fe2O3
0,22 CaO 0,63 CaO
MgO 0,12 MgO
0,28 K2O 0,26 K2O
15,27 H2O 15,55 H2O
–––––––––––– ––––––––––––
99,93 Proc. 99,95 Proc.
|37|

Die Thonsubstanz, welche, theoretisch betrachtet, als chemisch reines kieselsaures Thonerdehydrat von der Formel Al2O3 2SiO2 2H2O gedacht werden muſs, ist in dem vorliegenden Falle nur durch geringe Spuren von Eisenoxyd, Kalk, Magnesia, Alkalien verunreinigt.

Thonschiefer Nr. 1 ist ein blauschwarzes, Thonschiefer Nr. 2 ein dunkelgraues Material; der Bruch muschelig, von feinem Korn. Beide sind auſserordentlich hart und nur mit dem Meiſsel zu zerkleinern. Faustgroſse Stücke, mit Wasser übergössen, waren nach einer Viertelstunde durch und durch erweicht, ohne harte Rückstände zu hinterlassen. Sie waren dabei vollkommen plastisch und leicht knetbar. Die Feuerfestigkeit beider Materialien steht derjenigen des besten geschlämmten Zettlitzer Kaolins sehr nahe, sie sind also fast unschmelzbar. Nr. 2 steht Nr. 34 der Seherischen Scala (vgl. 1889 272 522) gleich, Nr. 1 zwischen 34 und 35. (Der Probekegel Nr. 35 ist reiner, geschlämmter, für die Versuchsanstalt der königl. Porzellan-Manufactur besonders ausgesuchter Kaolin von Grünstadt, dem besten Zettlitzer Kaolin gleich, wenn nicht etwas höher als dieses.) Die Verwendbarkeit dieser Thonschiefer aus dem Antonsschacht, im Besitze der Herren Pohl, Geſsner und Co., dürfte wie die der darunter stehenden, hoch feuerfesten Thone für alle Industriezweige werthvoll sein, welche auſserordentlich widerstandsfähige feuerfeste Materialien basischer Natur für ihren Betrieb oder ihre Fabrikation nothwendig haben.

Ueber das Schieferthonvorkommen in den Steinkohlenschichten Böhmens, seine historische Entwickelung und technische, sowie wissenschaftliche Bedeutung schreibt Dr. C. Bischof in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen. Verfasser hat das groſse Verdienst, als erster auf das Vorkommen und die hohe Bedeutung des Schieferthons für die Industrie auf dem Continente aufmerksam gemacht, mit unermüdlicher Ausdauer nach neuen Fundorten gesucht und die nutzbringende Verwendung dieses werthvollen Materials zuwege gebracht zu haben. Es gelang dem Verfasser, 1852 den Schieferthon von Saarbrücken zu entdecken und dessen industrielle Verwerthung zu veranlassen, 1859 die Fundgruben im Waldenburgischen. Im darauf folgenden Jahre wurden mit bestem Erfolge die Steinkohlengruben in Böhmen untersucht. In groſser Fülle wurde der Schieferthon im Kladnoer Bezirke (dort unter dem Namen Opuka bekannt) aufgefunden. Es ist charakteristisch für die österreichischen Industriellen, daſs die Gewinnung dieses Materials erst dann mit Energie aufgenommen wurde, als eine deutsche Actiengesellschaft sich für die Anwerbung desselben interessirte, und das war volle 20 Jahre, nachdem Bischof auf seinen Werth aufmerksam gemacht hatte.

Man trifft den Schieferthon in den Steinkohlengruben folgender Bezirke an: 1) im Pilsner Becken, 2) bei Kladno und Schlan, 3) bei Rakonitz und 4) bei Liebau.

|38|

1) Pilsen. Auf den nachgenannten Gruben findet sich der Schieferthon: bei Pankratius (hornartig), Lazarus (theils eigenthümlich rogenartiges Aussehen), Klein'sche Schächte bei Blattnitz (hornartig), Concordia (eigenthümlich basaltähnlich und hornartig), auch theils auf Mantau und Sulkow, auf Humboldt (stärker kohlehaltig), Zieglerschacht (stark kohlehaltig), dann bei Tremoschna als fingerdicke Streifen, in geringster Qualität bei Kasnau. Das Material aus den Gruben Lazarus, Klein'sche Schächte und Concordia ist kobalthaltig.

2) Kladno. Zu nennen sind die Schächte Bresson, Engerth, Prouhou, Thinfeld und Barre; dann Amalia, Franz, Wenzel, Leyer, Wittowka, Mayrau; ferner Procopi, Franz-Josef, Antonia und Ferdinandi. Unter den angeführten Kohlengruben, bei welchen allen ein vorherrschend körniger Schieferthon nachzuweisen ist, begegnet man demselben ziemlich häufig, in theils guter Qualität bei den fünf erstgenannten Punkten. In gröſseren Mengen findet sich der Thon bei Wittowka und Mayrau.

3) Rakonitz, Lubna, Hostokrej, Moravia und Woller'sche Kohlengrube. Ueberall stöſst man auf den Schiefer; gewonnen wird er aber nur in Lubna und der Woller'schen Grube. Das bis zu 0m,5 mächtige Material gehört zu den kohlenreichsten (enthält bis 50 Proc. Kohle). Auf Lubna finden sich verschiedene Varietäten, welche in der Mächtigkeit (16 bis 30cm) wie in der Qualität stark wechseln. Die Production ist bis jetzt in dem Rakonitzer Bezirke die bedeutendste.

4) Liebau. Angetroffen wird der Schieferthon in den Kohlengruben bei Schatzlar (mit Kobalt) und Schwadowitz; bei ersteren als schmaler und bei letzteren als noch schwächerer Streifen, in guter und bei stärkerem Auftreten in geringerer Qualität.

In einer Tabelle (Thonindustrie-Zeitung, 1889 S. 276) stellte der Verfasser die Analysen des Schieferthons von Altwasser, des Thonsteins von Wellersweiler, des Schiefers von Garnkirk, des Schieferthons vom Engerthschacht (Kladnoer Becken), von Lubna (Rakonitzer Becken), Blattnitz, Sulkow (Becken bei Nürschan), Thinfeld (Becken bei Kladno), Tremoschna (Becken daselbst) zusammen, nebst Angabe der chemischen Formel und des Feuerfestigkeits-Quotienten. Aus den Analysen geht hervor, daſs sich der Schieferthon in seiner Zusammensetzung den Kaolinen anschlieſst, wie dies schon von Richters und Kosmann dargelegt worden ist (Thonindustrie-Zeitung, 1889 Nr. 40).

Verfasser vergleicht den Schieferthon mit dem Kaolin in chemischer, physikalischer und pyrometrischer Hinsicht. Kaolin zeichnet sich durch Lockerheit, Feinkörnigkeit, Voluminosität aus, er erscheint mehr staubig, matt, trocken, mager, als plastisch; aus diesen Umständen erklärt sich das starke Schwinden der Kaoline beim Brennen. Die lockere Beschaffenheit des Kaolins ist beim Schieferthon nicht wahrzunehmen, dagegen gibt sich die groſse Feinkörnigkeit durch den zarten muscheligen Bruch sofort zu erkennen. Trotz des groſsen Wassergehaltes schwindet |39| der Schiefer nicht so stark wie Kaolin in Folge seiner dichteren Beschaffenheit. Um die ganze Schwindung hervorzurufen, ist wie beim Kaolin eine wesentlich höhere Erhitzung erforderlich; in hohen Temperaturen brennt der Schiefer rein weiſs und zeigt einen eigenartigen porzellanartigen Bruch. Man erkennt hieraus eine groſse Uebereinstimmung der Grundmasse des Schieferthons mit der des Kaolins, wenn das Grundmaterial des ersteren auch kein primäres ist.

Für die natürliche Reinigung dürfte das Zusammentreffen mehrfacher günstiger Umstände von wesentlicher Bedeutung sein: Eine üppige tropische Vegetation brachte Kalk, Magnesia, Alkalien und Eisen in Lösung und bewirkte deren Entfernung. Dazu gesellen sich noch andere Prozesse, die während immenser geologischer Zeiträume andauernd, jetzt als vollendet betrachtet werden können, so die Umwandelung des im Thone enthaltenen Eisenoxyds in lösliches doppeltkohlensaures Eisenoxydul, die reinigende Wirkung der Kohle, welche daraus hervorgeht, daſs nicht mit Kohle in Berührung stehende Schiefer aus weniger reinem Thon bestehen u.a.m.

Das jetzige Förderungsquantum an Schieferthon aus sämmtlichen böhmischen Steinkohlengruben läſst sich auf etwa 500 Doppelwaggons im Jahr veranschlagen, wovon der gröſste Theil ins Ausland geht. Die Gewinnung zerfällt in eine solche des Rohmaterials und des gebrannten, welch erstere wegen Mangels einer zuverlässigen Qualitätsbestimmung und deren Controlirung, sowie ferner wegen der gröſseren Frachtkosten sich nicht bewährt und fast ganz aufgehört hat. Das Brennen geschieht entweder in Meilern oder besser in Oefen. Als maſsgebenden Preis hat man an dem für die bessere Kohle festgehalten, und bei dem gebrannten Material die Brennkosten noch darauf geschlagen. Selbstverständlich wird der Preis in erster Linie durch die Frachtkosten bestimmt (Thonindustrie-Zeitung, 1889 S. 259. 275. 291. 305. 319).

Nach Wiggert gehört die Ablagerung feuerbeständiger Thone in der Nähe von Groſsalmerode dem Tertiär an, welches von Flötzgebirgsschichten unterteuft wird. Man unterscheidet drei Arten von Thon: Ober- oder Töpferthon, der die Decke des Hauptlagers von feuerfestem Thon bildet, sowie im Hauptlager selbst Tiegelthon und Glashafenthon. Der Tiegelthon ist davon der wichtigste, weil er der feuerbeständigste ist und den gröſsten Zusatz von Magerungsmitteln verträgt, ohne seine Bildsamkeit einzubüſsen. Derselbe zeigt auf dem Bruche eine gelblich- bis bläulichweiſse Farbe und Wachsglanz und wird zur Herstellung von feuerfesten Tiegeln, von Schreibstiften für Schneider u.s.w. verwendet.

Der im Bruche uneben erdige Glashafenthon mit weniger glänzendem Striche knirscht zwischen den Zähnen und dient hauptsächlich zur Herstellung von Glashäfen und Wannenöfen, auch zu Chamottesteinen und irdenen Pfeifen. Der Töpferthon unterscheidet sich nach der technischen Verwendbarkeit in drei ziemlich regelmäſsig über einander gelagerte |40| Arten: a) Krüge- und Röhrenthon, in den verschiedensten Färbungen, ziemlich feuerbeständig, fett, ist besonders geeignet für feuerfeste Steine, Wasserröhren, Krüge u.s.w. b) Ziegelthon, sehr unrein, bräunlich und gelblich, würfelig brechend, mager, wenig feuerbeständig, zur Darstellung vorzüglicher Dachziegel geeignet, c) Gemeiner Töpferthon, gelblich-weiſs, fett, wenig feuerbeständig, zu gemeinen Kochgeschirren verarbeitet.

Der Glashafenthon ist räumlich am meisten ausgebreitet, und hat dem zu Folge die gröſste Bedeutung; seine Zusammensetzung ist – verglichen mit anderen Thonen:

a b c d
Al2O3 34,52 31,63 33,68 19
SiO2 chemisch geb.
SiO2 mech. beigem.
43,38
6,53
34,44
21,03
49,90 70
MgO 0,37 0,25 0,44
CaO 0,76 0,15 0,48
Fe2O3 1,66 0,70 1,90 3
K2O 1,51 0,38 1,81
S 0,26 0,08 0,036
Glühverlust 11,04 11,40 11,63 7

a Groſsalmerode. b Löthain bei Meiſsen. c Klingenberg a. M. d Stourbridge.

Im J. 1885 betrug die Förderung an gutem, feuerbeständigem Thon 654000 Centner, an Töpferthon 70000 Centner; ⅓ des Glashafenthones geht nach Amerika. Roher Glashafenthon kostet 100 bis 160 M, für 200 Centner, gebrannt 200 M. Töpferthon nur 20 bis 30 M. Wascherde 115 bis 130 M.

Während die Pfeifen- und Röhrenfabrikation fast vollständig erloschen ist, werden jährlich 50000 Centner hessische Tiegel in den Handel gebracht. Die Graphittiegel bestehen aus einem Gemenge besten Tiegelthones mit reinstem Ceylon-Graphit. (Früher wurde Passauer Graphit verwendet.)

Als Brennmaterial dient für Schmelztiegel und mit Blei glasirte Waare Buchenspaltholz, welches zunächst auf den Rost gebracht und dann durch Oeffnungen im Gewölbe nachgesetzt wird. Alle übrigen Waaren brennt man mit Braunkohle. Gewöhnliche Kochgeschirre brennen in 24 Stunden gar, Schmelztiegel in 3 Tagen.

Zur Herstellung von Schneider- und Billardkreide und von Farbstiften wird der fetteste Thon geschlämmt, zur Syrupconsistenz eingedampft und nöthigenfalls mit Farbzusatz in Formen gepreſst.

Bei der gesammten Thonwaarenindustrie von Groſsalmerode und Umgegend wurden 284 Arbeiter beschäftigt. Im J. 1885 wurden fabricirt: 153760 Centner Chamottesteine, 7200 Centner Graphittiegel, 51500 Centner Schmelztiegel, 13100 Centner Dachziegel u.s.w. Der Geldwerth der Production vom Jahre 1885 an Thon und Thonwaaren berechnete sich auf 930000 M. (Preuſsische Zeitschrift, Bd. 35. Berg- und Hüttenmännische Zeitung, 1889 S. 198).

|41|

Thon von Coatbridge. Die Analyse des gebrannten Thones, von E. Riley ausgeführt, ergab:

SiO2 65,4
TiO2 1,3
Al2O3 30,5
Fe2O3 1,7
CaO 0,7
MgO 0,6
K2O, Na2O 0,6
–––––
100,9.

Aus diesem Materiale werden von der Glenboing union fire Clay Cie. Gasretorten und höchst feuerfeste Steine hergestellt (Stahl und Eisen, 1889).

Thon von Forges les Eaux und Kaolin von Breteul. Analysen derselben in Thonindustrie-Zeitung, 1890 S. 4.

Die in folgender Tabelle zusammengestellten Analysen feuerfester Steine wurden von Prof. Abel im Arsenal von Woolwich ausgeführt:


Bezeichnung

SiO2

Al2O3

Fe2O3
Alkali und
Verlust
Kilmarnak 59,1 35,7 2,5 2,6
Stourbridge 65,6 26,6 5,7 2,0
67,0 25,8 4,9 2,3
66,5 26,7 6,3 0,6
58,5 35,7 3,0 0,7
63,4 31,7 3,0 1,9
Newcastle 59,8 27,3 6,9 6,0
63,5 27,6 6,4 6,5
Glenboig 62,5 34,0 2,7 0,8

Die Zusammensetzung der Gesteine, welche in China zur Porzellanfabrikation verwendet werden, haben schon 1850 Ebelmen und Salvétat studirt. G. Vogt, Chemiker in Sèvres, hat von Neuem die im Besitze der Sèvres-Manufactur befindlichen Gesteinsarten einer Untersuchung unterzogen und fand im Gegensatze zu den Erfahrungen der genannten Forscher, daſs die chinesischen Rohmaterialien den europäischen nicht analog zusammengesetzt sind.

Der Yeou-Ko (von Koui-Ki), eine leichter schmelzende Abart des Petun-tse, schmilzt bei etwa 1550° C. Die Bauschanalyse ergab Werthe, welche den von Ebelmen und Salvéat für das gleiche Mineral und den Pegmatit von Limousin gefundenen annähernd gleich kamen, nicht aber die rationelle Analyse. Behandelt man beide Mineralien mit heiſser, concentrirter Schwefelsäure, so lösen sich vom Pegmatit 3,3 Proc. vom chinesischen Gestein dagegen 34,15 Proc. Die folgende Tabelle gibt die Zusammensetzung des in Schwefelsäure löslichen und unlöslichen Theiles von Yeou-Ko:

Löslich in
H2SO4
Unlöslich von
H2SO4
Lösliche Kieselsäure 1,01
SiO2 14,20 62,11
Al2O3 11,28 2,61
––––––– –––––––
26,49 64,72
|42|
Löslich in
H2SO4
Unlöslich von
H2SO4
Uebertrag 26,49 64,72
Fe2O3 0,46
CaO 1,14
K2O 2,97 0,08
Na2O 0,39 1,56
CO2 0,90
Glühverlust (H2O) 1,80
––––– –––––
34,15 66,36.

Der in Säure unlösliche Theil besteht aus 52,9 Th. Quarz und 13,4 Th. Natronfeldspath, während der französische Pegmatit 75 Proc. Feldspath enthält. Aus dem löslichen Theile läſst sich nach Abzug der 1,01 Proc. löslichen Kieselsäure und der 2,04 Proc. CaCO3 die Formel des Muscovits (6SiO2 3Al2O31K2O 2H2O) berechnen.

Der Yeou-Ko ist demnach zusammengesetzt aus:

Quarz 52,9
Glimmer 31,3
Feldspath 13,4
Calcit 2,0
Kieselsäurehydrat 1,0
–––––
100,6

während der Pegmatit von Limousin besteht aus:

Quarz 23,8
Feldspath 72,8
Löslichen Bestandtheilen 3,3.

Auch die chinesischen Kaoline enthalten eine bedeutende Menge Muscovit, dessen Vorkommen in beiden Fällen durch die mikroskopische Untersuchung bestätigt wurde. Dem zu Folge enthält die chinesische Porzellanmasse häufig mehr als 20 Proc. Kaliglimmer, eine Quantität, die einen nicht unbedeutenden Einfluſs auf die Eigenschaften des so zusammengesetzten Porzellans ausüben kann.

Verfasser führt noch den Glimmergehalt der folgenden Rohmaterialien an:

Petunse von
Cheo-Ki Yu-Kan Ki-Men Sang-Pao-Pong
40,6 37,3 31,1 18,6 Proc.

(Comptes rendus des séances de l'académie des sciences, 1890 Bd. 110 S. 43).

Ueber Beziehungen zwischen Plasticität und Feuerfestigkeit der Thone sprach Prof. Seger im Verein deutscher Fabrikanten feuerfester Producte. Die Bildsamkeit der Thone steht im Zusammenhange mit der gröſseren oder geringeren Festigkeit, welche dieselben beim Trocknen erlangen. Redner vergleicht das Verhalten von Zettlitzer Kaolin mit dem Thon von Mülheim bei Koblenz. Beide enthalten nur geringe Verunreinigungen von Quarzstein und zeigen bloſs im Eisengehalte kleine Abweichungen von etwa 1 Proc. Im Uebrigen sind sie nahezu reine Thonsubstanz. Nach dem Aufweichen und Trocknen erscheinen die Körper aus Zettlitzer Kaolin locker, zerreiblich, haben einen Porenraum von etwa |43| 42 Proc., während die Körper aus Mülheimer Thon sehr fest sind und einen Porenraum von 28 Proc. aufweisen. Beim Glühen verhalten sich beide Thone ganz verschieden: Während Kaolin bis zu hoher Hitze hinauf porös bleibt, verdichtet sich der Thon von Mülheim schon wenig über Goldschmelzhitze bei etwa 1100 bis 1500° C. vollständig. Das Dichterwerden des plastischen Thones ist keineswegs als beginnende Schmelzung anzusehen, da der Schmelzpunkt dieses sehr reinen Materiales viel höher liegt, ist vielmehr als Folge einer dichteren molekularen Lagerung der Masse aufzufassen und steht jedenfalls im Zusammenhange mit der ursprünglichen Verdichtung des Materials beim Trocknen. Dem Mülheimer Thon ähnlich verhalten sich andere plastische, hart trocknende Thone. Die beschriebene Erscheinung ist sehr wohl zu beachten, wenn es sich um Erzeugung feuerfester Materialien handelt, die bei hoher Temperatur gewissen chemischen Agentien Widerstand leisten sollen. Es ist klar, daſs in solchen Fällen der dichter brennende Thon den Vorzug verdient. Bei Industrien, welche es mit flüchtigen Alkalien, Kochsalzdämpfen, schmelzenden Silicaten u.s.w. zu thun haben, wird sich daher die Anwendung einer festen, dicht gebrannten Chamotte aus plastischem Thon empfehlen (Thonindustrie-Zeitung, 1890 S. 201).

Dr. R. Zsigmondy.

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