Titel: Vergleichsschieſsen zwischen Kruppschen und Bange'schen Geschützen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 277/Miszelle 3 (S. 142–143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj277/mi277mi03_3

Vergleichsschieſsen zwischen Kruppschen und Bange'schen Geschützen.

Ueber ein solches ist nach dem chilenischen Blatte „Ferrocarril“ folgendes zu berichten: Zuerst wurden mit Feldgeschützen auf 1000m Entfernung von jedem Geschütz 25 Schuſs abgegeben. Von der Bange-Kanone trafen 16 das Ziel sehr zerstreut über die ganze Fläche, während von der Krupp-Kanone 19 Treffer mit bedeutend weniger Streuung waren. Beim Probeschieſsen mit Berggeschützen wurden aus jedem Geschütz 20 Granaten und 20 Shrapnels in einer Entfernung von 1500m auf drei Ziele von 20m Breite und 2m,70 Höhe, die je 20m hintereinander entfernt standen, abgefeuert. Das Feuern begann auf Commando aus beiden Geschützen zugleich. Die Krupp-Kanone gebrauchte zum Abfeuern der 20 Granaten 17½ Minuten, während bei der Bange-Kanone 24 Minuten nöthig waren. Das Ergebniſs war folgendes: erstes Ziel Krupp 180 Punkte, Bange 101; zweites Ziel Krupp 132, Bange 34; drittes Krupp 45, Bange 11. Gesammtwirkung: Krupp 357 Punkte, Bange 146. Zum Abfeuern der Shrapnels gebrauchte Krupp 24 Minuten und Bange 62 Minuten. Die Wirkung war folgende: erstes Ziel Krupp 327 Punkte, Bange 134; zweites Krupp 215, Bange 82; drittes Krupp 120, Bange 35. Gesammtwirkung also Krupp 662 Punkte, Bange 251. Es muſs noch bemerkt werden, daſs verschiedene Shrapnels in der Bange-Kanone platzten, ein Beweis, daſs das Schieſsmaterial sowohl als das System bei Bange schwerwiegende Uebelstände aufweist. Ein weiteres Probeschieſsen fand einige Tage später mit Feldgeschützen und Granaten statt. Die Krupp-Kanone gebrauchte, um 20 Granaten abzufeuern, 28 Minuten, während die Bange-Kanone sogar 1 Stunde und 32 Minuten bedurfte. Die Ziele und Entfernungen waren dieselben wie früher und die Wirkung folgende; erstes Ziel Krupp 692 Punkte, Bange 359; zweites Krupp 643, Bange 514; drittes Krupp 304, Bange 519. Gesammtwirkung: Krupp 1639 Punkte und Bange 1392. Von den Geschossen der Krupp-Kanone auf das erste Ziel platzten 4 Granaten im Ziel, zerstörten es in groſser Ausdehnung und schlugen 4 groſse Löcher hinein, während dies bei der Bange-Kanone nur bei einem Schuſs vorkam. Nach den europäischen Regeln werden für jeden Schuſs, der ein solches Loch in das Ziel schlägt, 100 Punkte gerechnet. So ergaben sich für Krupp noch 400 Punkte und für Bange 100, was zu obiger Gesammtwirkung gezählt für Krupp 2039 Punkte und für Bange 1492 Punkte, also 547 Punkte zu Gunsten Krupp's ergab. Hierauf sollte ein Probeschieſsen mit je 20 Shrapnels aus jeder Kanone erfolgen. Nachdem jedoch aus der Krupp-Kanone 10 Schüsse in 14 Minuten abgefeuert worden waren, welche auf dem Ziel 645 Punkte ergaben, wurde auf Befehl des Vorsitzenden der Commission, Generals Gana, das Schieſsen eingestellt, |143| weil von den sieben Schüssen der Bange-Kanone nur zwei das Ziel getroffen hatten, da fünf Schüsse in der Kanone selbst geplatzt waren. Darauf trat die Commission zusammen und erklärte einstimmig, daſs eine Probe bei Schieſsmaterialien von solcher Verschiedenheit unnütz sei. Der Vertreter Krupp's stellte der chilenischen Regierung sein ganzes noch übriges Schieſsmaterial zu weiteren Versuchen zur Verfügung. (Durch Uhland's techn. Rundschau.)

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