Titel: Colloidale Cellulose.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 277/Miszelle 5 (S. 575–576)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj277/mi277mi12_5

Colloidale Cellulose.

Unter diesem Namen wird in der Papierzeitung, 1890 Nr. 33 S. 778, nach französischer Quelle eine Substanz beschrieben, welche man durch Tränken von getrockneter Cellulose mit Schwefelsäure von 50° B. erhält. Diese colloidale Cellulose ist eine gelatinöse, durchscheinende Masse, welche ihre Beschaffenheit unbeschränkte Zeit bewahrt, selbst bei Gegenwart eines Säureüberschusses, wenn keine Erwärmung stattfindet. Bei 100° geht die Umwandlung in Dextrin sehr rasch vor sich. Die colloidale Cellulose wird mit Wasser und Weingeist von der Säure befreit und bei niederer Temperatur getrocknet. Mit Wasser gibt sie dann eine milchähnliche Flüssigkeit, die leicht filtrirt werden kann und selbst bei mehrtägigem Stehen nichts absetzt. Durch Kochen wird die Flüssigkeit nicht verändert. Die colloidale Cellulose ist in heiſsem Wasser etwas leichter löslich als in kaltem. In durchfallendem Licht erscheint die Lösung orangegelb; in 10cm dichter Schicht dreht sie etwa ¾° nach rechts. Durch Zusatz von sehr kleinen Mengen fremder Stoffe, wie Schwefelsäure, Salpetersäure, Kochsalz, Bleiacetat und gröſserer Mengen Alkohol wird die Lösung gefällt; Kupferlösung wird durch sie nicht reducirt, durch Jod wird sie nicht gefärbt. Durch Eintrocknen der Lösung erhält man glänzende Häutchen, die in Wasser aufquellen und sich darin auflösen. Durch Eintauchen in Schwefelsäure von 60° (oder auch 55° bei längerer Einwirkung) wird die colloidale Cellulose in wenigen Augenblicken in Wasser unlöslich; gleichzeitig wird hierbei etwas Dextrin gebildet. Die gut getrocknete colloidale Cellulose verwandelt sich unter denselben Bedingungen wie gewöhnliche Cellulose in Nitrocellulose, sie bewahrt dabei fast dasselbe Aussehen und wird nur etwas weniger durchsichtig.

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Die Eigenschaften der colloidalen Cellulose erklären verschiedene Umstände der Pergamentpapier-Fabrikation. Gewisse dünne Pergamentpapiere geben an kochendes Wasser colloidale Cellulose ab, während die starken Sorten bei gleicher Behandlung nicht angegriffen werden; ohne Zweifel wurde bei der Bereitung der letzteren eine concentrirtere Säure verwendet, wodurch die anfänglich gebildete colloidale Cellulose in unlösliche Cellulose verwandelt wurde. Pergamentpapier stellt gewissermaſsen ein Gewebe von gewöhnlicher Cellulose dar, dessen Poren mit colloidaler Cellulose angefüllt sind. Man kann dies leicht dadurch beweisen, daſs man gewöhnliches Filtrirpapier auf beiden Seiten mit colloidaler Cellulose bestreicht, langsam trocknet und dann durk Zinkwalzen satinirt. Man erhält dann ein dem satinirten Pergamentpapier ganz ähnliches Erzeugniſs.

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