Titel: Neuerungen in der Gasindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 279 (S. 64–69)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj279/ar279021

Neuerungen in der Gasindustrie.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 278 * S. 176.)

Ueber Gasreinigungsmassen; von E. Schilling jun.

Bekanntlich gibt die Analyse der Gasreinigungsmassen keinen Anhalt über deren Wirkungswerth in der Aufnahme von Schwefelwasserstoff; Knublauch1) arbeitete deshalb eine Methode der Werthbestimmung aus, bei welcher er nach mehrmaliger Sättigung der Masse mit Rohgas und Regenerirung den Schwefelgehalt bestimmte und so vergleichbare Zahlen erhielt. Die Factoren, welche die Wirkungsweise von Massen beeinflussen, sind chemischer und physikalischer Natur, von ersteren hauptsächlich der Gehalt an wirksamen Bestandtheilen, von letzteren Gewicht, Korngrösse, Feuchtigkeit der Masse, Auflockerung, Schichtenhöhe, Geschwindigkeit des Gases, Druckdifferenz vor und nach dem Reiniger. Verf. stellte nun Versuche an in Bezug auf die Maximalaufnahmsfähigkeit von Massen, wobei die physikalischen Verhältnisse in allen Fällen dieselben blieben. Leitet man über feingepulverte Masse trockenen Schwefelwasserstoff, so bildet sich Schwefeleisen und Wasser (Fe2(OH) + 3H2S = 2FeS + S + 6H2O), welches letztere in Phosphorsäureanhydrid zurückgehalten wird. Es lässt sich so die Schwefelaufnahme durch direkte Wägung ermitteln; wird die Sättigung bis zur Gewichtsconstanz fortgesetzt, so ist dies die Maximalaufnahmefähigkeit der Masse bei einmaliger Sättigung. Der verwandte Schwefelwasserstoff wird aus reinem Schwefeleisen mit Salzsäure hergestellt mit folgender Reinigung durch Phosphor, sowie Waschflaschen mit Wasser und alkalischer Pyrogalluslösung nebst folgendem Trocknen in Chlorcalciumrohren und mit Phosphorsäureanhydrid. Die Behandlung der Masse geschieht mit feinem Glaspulver gemischt in Glasröhren mit Hahnen auf beiden Seiten. Nach etwa drei Stunden dauernder Einwirkung des Schwefelwasserstoffes war bei Anwendung von etwa 1,7 g Substanz die eigentliche Sättigung beendet; allerdings zeigte sich bei weiterer Einwirkung |65| stets noch eine geringe Zunahme. Es wurden bei Anwendung verschiedener Reinigungsmassen für die erste Sättigung folgende Zahlen erhalten: A. 17,87 Proc. Schwefel und 18,35 Proc.; B. 28,81 und 28,51 Proc.; C. 14,02 und 14,09 Proc.; D. 9,07 und 9,42 Proc.; E. 11,2 Proc.; reines Eisenoxydhydrat (vier Versuche im Mittel) 31,03 Proc. Schwefelgehalt. Procentmässig verringert sich nach jeder Sättigung der Gehalt der Masse an Eisenoxydhydrat; nimmt man an, dass bei der Regenerirung nicht bisher unwirksames Eisenoxyd aufgeschlossen wird, sondern stets die gleiche Art von Sättigung eintritt, so kann man nach jeder Regeneration die aufzunehmende Menge Schwefel berechnen. Die Versuche in dieser Hinsicht ergeben gute Uebereinstimmung mit den Berechnungen.

Dass die Massen durchaus nicht voll ausgenutzt werden, zeigt folgende Tabelle, in welcher der Eisenoxydgehalt der trockenen Substanz, die dementsprechend berechnete Menge Schwefel, sowie die Maximalaufnahmsfähigkeit nebst Knublauch's Probe bei einmaliger Sättigung neben einander gestellt sind:


Eisenoxyd
Proc.
Entsprech.
berechneter
Schwefel
Proc.
Gefundener Schwefel
Maximal-
Aufnahme
nach
Knublauch
Künstliches Eisen-
oxydhydrat, feucht

71,16

42,69

30,77

Masse A trocken 59,8 35,88 18,11 9,0
„ B „ 57,4 34,44 28,41
„ C „ 51,1 30,66 14,06 14,0
„ D „ 66,3 39,78 9,25 4,7
„ E „ 30,1 18,06 11,2 10,3

Man sieht, dass in keinem Falle, selbst bei reinem Eisenoxydhydrat, das Maximalaufnahmsvermögen der theoretischen Schwefelaufnahme gleich kommt; ferner dass zwischen Eisengehalt und Schwefelabscheidung kein bestimmtes Verhältniss zu finden ist. Die Maximal aufnähme liefert natürlich stets höhere Werthe als Knublauch's Methode; auffallend ist, wie wenig Eisen in manchen Massen wirklich wirkungsfähig ist. Es zeigte sich auch im Grossbetriebe, dass die Aufnahme von Schwefel durch Massen sehr schwankte, indem z.B. bei fünf solchen die Schwefelabscheidung zwischen 7,13 und 16,47 Proc. sich bewegte.

Unter den verschiedenen physikalischen Einflüssen, welche auf die Verwendung von Reinigungsmassen von Einfluss sind, wurde der Druckwiderstand herausgegriffen und in einem kleinen Reinigerkasten darüber Versuche angestellt, indem die Masse mittels durchlochtem Bleche verschieden stark zusammengedrückt wurde. Dabei mass Verf. das durchtretende Gasquantum und den Druckwiderstand. Es zeigte sich, dass die Steigerung des Druckes nahezu proportional dem Gasdurchgange wächst, und zwar ist die absolute Zunahme eine um so höhere, je mehr die Masse zusammen gepresst wird. Mit zunehmendem Schwefelgehalte der Masse nimmt die Drucksteigerung zu, so dass dieselbe nach achtmaligem Gebrauche fast dreimal so gross war als bei frischer Masse; ebenso nimmt auch das Gewicht eines gleichen Volumens der Masse zu.

Mit der Drucksteigerung ist stets eine geringere Aufnahmsfähigkeit der Massen verbunden; es schliessen sich die Zwischenräume und die Oberfläche wird in Folge dessen eine geringere. Deshalb ist die Auflockerung von Massen sehr wichtig, da sie oft die Benutzung einer solchen ermöglicht, welche im reinen Zustande nicht zu gebrauchen wäre. Die steigernde Verdünnung der Masse mit Sägespänen gab aber durchaus nicht eine proportionale Druckabnahme. (Journal für Gasbeleuchtung, 1890 Bd. 33 S. 322.)

Cyan in der Gasfabrikation; von W. Leybold.

In neuerer Zeit hat die Gewinnung von Cyansalzen eine sehr grosse Bedeutung erlangt und es ist die Gasfabrikation der Hauptlieferant der erforderlichen Rohproducte. Es werden in Deutschland und Oesterreich zusammen jährlich etwa 30000 Centner gelbes Blutlaugensalz hergestellt, im Auslande noch etwa 20000 Centner; ausserdem werden enorme Quantitäten Berlinerblau direct aus Rohlaugen von alten Reinigungsmassen ausgefällt. Das für Photographie und Galvanoplastik so wichtige Cyankalium wird jährlich zu etwa 80 bis 100 t aus Blutlaugensalz fabricirt.

Der Stickstoffgehalt der in Deutschland gebräuchlichen Gaskohlen ist gering; er wechselt nach Untersuchungen von G. Schilling2) zwischen 1,06 und 1,50 Proc., dieser Stickstoff zerfällt bei der Destillation der Kohlen in flüchtigen und nichtflüchtigen, welch letzterer vollständig im Koks zurückbleibt. Der Gehalt des Koks wechselt zwischen 1,22 und 1,39 Proc. so dass die Menge des flüchtigen Stickstoffes nur 20 bis 43 Proc. des Gesammtstickstoffes beträgt. Aber auch dieser flüchtige Stickstoff, wecher mit dem Rohgase vorwärts geht, wird nicht vollständig gewonnen, etwa die Hälfte geht gasförmig ins Leuchtgas, ein geringer Theil bleibt im Theer, ein weiterer Theil destillirt als Ammoniak über, nur eine kleine Menge wird in Cyan umgebildet. Ist dessen Menge auch procentmässig nur gering, so summirt es sich in grossen Betrieben doch bedeutend, und empfiehlt sich schon deshalb zur Gewinnung, weil Stickstoff im Cyan viel werthvoller ist als im Ammoniak; 1 k im Blutlaugensalz ist werth etwa 6 M., im Ammoniumsulfat dagegen nur 90 Pf.

Das Cyan entsteht hier aus Ammoniak, wie sich im kleinen Versuch leicht zeigen lässt. Leitet man mit Hilfe von Wasserstoff Ammoniakgas über glühenden Koks, so findet eine Zersetzung statt, es bildet sich eine grosse Menge freier Stickstoff und Wasserstoff, aber nur wenig Cyan; letzteres kann in Natronlauge und Eisenvitriol aufgefangen und bestimmt werden. Bei kleinen Versuchen fanden sich 0,5 bis 0,8 Proc. des angewandten Ammoniaks in Cyan umgewandelt; im grossen Betriebe der Gasanstalt ist die Ausbeute eine bessere, je nach dem Grade der Ofentemperatur; es ist hier die Berührung des Ammoniaks mit der glühenden Kohle in den Retorten eine innigere als im kleinen Versuche. Weissglut zersetzt auch schon gebildetes Cyan wieder. Im grossen Betriebe geht das wie angegeben gebildete Cyan mit dem Rohgase in die Vorlage und weiter in die Apparate. Um zu sehen, wo das Cyan im Betriebe verbleibt, wurden nach jedem Apparate Bestimmungen angestellt, indem wenigstens 100 l Gas durch eine Mischung von Natronlauge und Eisenvitriol in drei Woulff'schen Flaschen geleitet wurden; es bildet sich Ferrocyannatrium neben Schwefeleisen. Nach kurzem Kochen wurde filtrirt, das Filtrat auf 500 cc gebracht; in einem Theil davon wurde nach dem Ansäuern mit Eisenchlorid Blau gefällt, dies mit Natron zersetzt und schliesslich nach den Angaben von Moldenhauer und Leybold3) Cyan bestimmt. |66| Die Absorption in den drei Flaschen ist eine vollständige, indem sich in der ersten 95 Proc., in der zweiten 5 Proc. des Cyans, in der dritten nichts vorfand. – Im Rohgase findet sich der Cyangehalt als Cyanammonium; dasselbe ist schon bei 36° C. flüchtig und kann deshalb nicht in der heissen Vorlage bleiben, es wird vom Gase mit fort gerissen. Nur ein geringer Theil, welcher sich mit dem condensirten Wasser niederschlug, bleibt hier in Verbindung mit Schwefel als Rhodanammonium, neben viel Chlorammonium. Nun löst Cyanammonium wie freie Blausäure Eisen auf und so findet sich im Gaswasser auch etwas Ferrocyanammonium. Fast alles Cyan wird in die Kühlung getrieben; auch hier setzt sich wenig Cyan ab unter Aufnahme von Schwefel zu Schwefelcyanammonium und Bildung von wenig Ferrocyan. Das Gas gelangt durch Exhaustor und Pelouze-Theerabscheider zu den Scrubbern, noch mit dem grössten Theil des Cyangehaltes. Auch hier wird merkwürdig wenig Cyan absorbirt, obwohl Cyanammonium in Wasser leicht löslich ist; dieses wird durch die Kohlensäure des Gases zersetzt in kohlensaures Ammoniak und freie Blausäure, welch letztere mit dem ammoniakfreien Gase in die Reinigung wandert. Im Scrubberwasser bleibt neben viel kohlensaurem Ammoniak und Schwefelammonium wenig Rhodan-, Ferrocyan- und Cyanammonium. In der Eisenreinigung bleibt der grösste Theil des Cyanwasserstoffes hängen, während noch eine geringe Menge in das Behältergas gelangt, zum Theil auch im Uhrwasser und Behälterwasser verbleibt.4)

Vor und nach jedem Apparate wurden Cyan-, Ammoniak- und Schwefelwasserstoffbestimmungen angestellt, welche in den drei folgenden Tabellen verzeichnet sind, nebst der procentmässigen Vertheilung in den verschiedenen Apparaten: Vergast wurden schottische Woodville, englische Silkworth, australische Shale-Boghead nebst wenig Saar- und Ruhrkohle, jede Sorte in getrennten Retorten, wobei das Gas sich in der Vorlage mischt.

Cyan im Gase.



Gasprobe
g Cyan-
wasserstoff
in 100 cbm
Gas
Vol.-Proc.
Cyan-
wasserstoff
d.i. g Ber-
linerblau
auf 100 cbm
Gas
Vertheilung des
Cyanwasserstoffes.
Es sind abgeschieden
aus
100 cbm
g

in Proc.
aus der Vorlage
nach der Kühlung
265,9
255,9
0,217
0,209
470,5
452,8
10,0
4,3
3,76
1,62
„ dem Scrubber
„ „ 1. Reiniger
„ „ 2. „
251,6
131,7
83,3
0,205
0,107
0,067
445,2
233,1
147,4
119,9
48,4
21,7
45,09
18,20
8,16
Reinigung
71,45 Proc.
„ „ 3. „
im Behältergas
61,6
41,2
0,050
0,033
109,0
72,9
20,4
41,2
7,67
15,50
Summe 265,9 100

Ammoniak im Gase.

g NH3 in
100 cbm
g Differenz Proc. Differenz
in der Vorlage 396,6
nach der Kühlung 325,7 70,9 17,88
„ dem Scrubber 3,8 321,9 81,16
„ der Reinigung Spur 3,8 0,96
Behältergas Spur
––––––––––––
100.

Schwefelwasserstoff im Gase.

Vol.-Proc.
H2S
Differenz
Vol.-Proc.
Proc. Differenz
in der Vorlage 1,38
nach der Kühlung 1,10 0,28 20,29
„ dem Scrubber 1,05 0,05 3,62
„ „ 1. Reiniger Spur 1,05 76,09
„ „ 2. „
––––––––––
100.

Der Cyangehalt des Gases ist ausser in Gramm und Volum-Procent auch noch in einem allgemein bekannten, im Handel gehenden Körper, Berlinerblau, angegeben, das ja aus dem aus Gas gewonnenen Cyan hergestellt wird. Gewonnen wird von dem Cyangehalte nur, was in der Reinigung bleibt, hier also 71 Proc. während 29 Proc. im Gaswasser, Uhrwasser, Behälterwasser verloren gehen. Die Hauptmenge des Cyans bleibt im ersten Reinigungskasten, nämlich 45 Proc., während der zweite noch 18, der dritte 8 Proc. aufnimmt. Je mehr Kästen mit Reinigungsmasse man hinter einander schaltet, um so besser ist die Gewinnung von Cyan; auch wenn Schwefelwasserstoff nicht mehr im Gase ist, wird doch Cyan noch herausgenommen. Vortheilhaft ist es, einen ersten Kasten sehr lange als solchen zu belassen und die übrigen Kästen zu gebrauchen wie gewöhnlich; derselbe nimmt dann längere Zeit Cyan auf und bekommt einen hohen Gehalt an Berlinerblau. Selbstverständlich ist die Gasgeschwindigkeit in den Kästen auf die Cyanaufnahme von grösstem Einfluss. – Um also auf trockenem Weg eine möglichst hohe Ausbeute aus dem noch zur Reinigung gelangenden Cyan zu erzielen, sind die wichtigsten Factoren, die ja zum Theil auch für Schwefelwasserstoff Gültigkeit haben: Grosse Kästen, also geringe Gasgeschwindigkeit, wenigstens 3 oder 4 Kästen nach einander geschaltet, längeres Stehenlassen eines ersten Kastens nur zur Aufnahme von Cyan.

Was wird nun aus dem Cyanwasserstoff, welcher in die Reinigungsmasse gelangt? Frische, ungebrauchte Masse nimmt denselben nicht auf, wohl aber mit Schwefelwasserstoff gesättigte und auch regenerirte Masse. Es bildet sich Cyaneisen, welches sich, besonders bei Luftzutritt, in verschiedene Arten Berlinerblau umwandelt. Es wurde aus Cyankali mit Schwefelsäure Blausäure entwickelt und diese mit Hilfe von Wasserstoff oder Wassergas 1) in mit Schwefelwasserstoff gesättigte und regenerirte Reinigungsmasse, 2) in nicht regenerirte Masse geleitet, im zweiten Fall mit grösserer Geschwindigkeit als im ersten; die erhaltenen Massen hatten nach Verdunsten von überschüssiger Blausäure folgende Zusammensetzung:

I II
Wasser 36,17 Proc. 23,42 Proc.
Berlinerblau (Fe7Cy18) 6,57 „ 3,01 „
Rhodan Spur Spur
Schwefel 15,70 „ 13,01 „

Dies sind die Verhältnisse, welche in den Reinigungskästen herrschen sollten; aber häufig ist die Entfernung des Ammoniaks aus dem Gase eine unvollständige, so dass auch dieses Gas in die Masse gelangt. Dieser Fall wurde nachgeahmt durch Einleiten von Cyanwasserstoff und Ammoniak |67| in die Versuchsmasse. Es wurden folgende Zahlen erhalten:

Wasser 26,62 Proc. 32,33 Proc.
Berlinerblau 1,71 3,57
Rhodanammonium * 3,03 6,25
Ammoniak 2,05 2,08
Schwefel 24,98 18,98

* Rhodan auf Rhodanammonium berechnet.

Hier überwiegt die Rhodanbildung über die Blaubildung. Die Gegenwart von Ammoniak hat also zur Folge, dass sich mehr Schwefelcyan, weniger Ferrocyan bildet; ersteres bleibt beim Verkauf von alten Massen ganz ausser Betracht, da dieselben nur nach dem Berlinerblaugehalt bezahlt werden. Ungenügende Scrubberung hat also weniger werthvolle Massen zur Folge.

Als statt Ammoniak Schwefelammonium eingeblasen wurde, um den wirklichen Verhältnissen näher zu kommen, ergab sich ebenfalls starke Rhodanbildung. Dasselbe zeigte sich, als die Masse mit 10 Proc. Eisenvitriol getränkt wurde, also von schwach saurer Reaction war. Es lag nahe, Massen mit einem Gehalt an fixem Alkali, wie Luxmasse, zu versuchen, und auch hier trat Rhodanbildung ein, wobei auch der Vorgang noch complicirter wurde. Die erhaltene Masse enthielt:

Wasser 32,52 Proc.
Schwefel 6,39
Berlinerblau 0,93
Rhodannatrium 0,73
Cyannatrium 1,13
Kllst. Ferrocyannatrium 0,89

Tritt zu solcher Masse noch Ammoniak, so bilden sich stark rhodanhaltige Reinigungsmassen von fast gar keinem Verkaufswerth.

Alle Proben zeigten, dass für die Erhöhung des Berlinerblaugehalts und damit des Werths alter Massen die günstigste Reaction die neutrale ist. Ammoniak und fixes Alkali erniedrigt den Blaugehalt, bildet Rhodan. Es fand sich Gelegenheit, in einer Gasanstalt die Einführung eines neuen Scrubbersystems zu empfehlen; die Reinigungsmasse veränderte sich hierdurch wie folgt:

mit dem alten
Scrubbersystem
mit dem neuen
Scrubbersystem
auf gleichen
Wassergehalt
berechnet
Wasser 19,90 29,44 19,90
Schwefel 28,51 29,37 32,46
Berlinerblau 3,00 5,64 6,23
Rhodanammonium 5,96 2,92 3,22
Ammoniak 2,86 0,43 0,47.

Es folgen noch einige Analysen ausgebrauchter Gasreinigungsmassen, welche ebenfalls die Rhodanzunahme bei hohem Ammoniakgehalt zeigen:

Alte
Lux-Masse1
Dauber-
Masse
Dauber-
Masse2
Schröder
und
Stadelmann
Mattoni-
Masse
Gutes
Basenerz3
Wasser 26,52 24,72 29,84 16,48 26,36 26,00
Schwefel 29,95 27,82 29,58 28,48 28,26 25,04
Berlinerblau 2,27 2,70 4,86 4,26 5,40 10,32
Rhodanammonium4 3,78 8,06 7,19 6,58 2,41 2,24
Ammoniak 1,66 2,82 1,01 2,84 0,41 0,38

1 Sehr kleine Reinigungskästen, sehr grosse Gasgeschwindigkeit. 2 Im Kasten regenerirt. 3 Sehr grosse Reinigung. 4 Rhodan als Rhodanammonium berechnet.

Wie aus der früher angegebenen Tabelle ersichtlich, wird in diesem Fall nur 71 Proc. des erzeugten Cyans gewonnen, und auch das zur Eisenreinigung tretende nicht einmal vollständig; Knublauch versucht (D. R. P. Kl. 12 Nr. 41930) das Cyan auf nassem Weg zu gewinnen mittels Durchleiten des Gases durch Natronlauge und Eisenvitriol. Die richtige Stelle wäre hierfür noch die Vorlage, allein der Theer würde das Eisensalz einhüllen, auch die hohe Temperatur wie der Ammoniakgehalt eine Rhodanbildung hervorrufen. Demnach muss der Apparat nach dem Scrubbern aufgestellt und auf das vorher abgeschiedene Cyan verzichtet werden. (Journal für Gasbeleuchtung, 1890 33. 239.)

Ueber einen violetten Farbstoff aus Gasreinigungsmasse oder Leuchtgas; von R. Gasch.

Verf. schied aus den genannten Substanzen einen schönen violetten Farbstoff ab, der wegen seiner Ausgiebigkeit und seinem festen Anhaften an Papierfaser Anwendung finden dürfte. Derselbe wurde schon früher von Mahla5) aus den Mutterlaugen von Blutlaugensalz aus alten Reinigungsmassen hergestellt. Aus Leuchtgas stellt Verf. das Violett her, indem man Gas zwischen den Reinigern und dem Gasbehältereingange entnimmt und durch alkalische Eisenoxydullösung saugt, in der filtrirten, angesäuerten Lösung mit Zinksulfat oder Eisensulfat das Ferrocyan fällt und filtrirt. Das Filtrat gibt mit verdünntem Eisenchlorid den violetten Farbstoff, bevor die Rhodanreaction eintritt. Ist nur wenig Violett vorhanden, so tritt erst die rothe Rhodanfarbe ein, die sich später in Violett umsetzt. Der Farbstoff ist wasserlöslich, gallertartig und kann mit Kochsalz ausgefällt werden. Reichhaltige Gasreinigungsmasse extrahirt man mit schwacher Natron- oder stärkerer Ammoniaklauge und fällt in der filtrirten und angesäuerten Lauge mit Zinkvitriol oder Eisenvitriol, im Filtrate mit Eisenoxydsalzlösung das Violett. Versuche mit dem Violett zeigten, dass dasselbe einen rein rothen Farbstoff enthält und ein Gemisch von Roth und Blau ist.6)

Ueber Füllung von Gasmessern mit Chlormagnesium; von W. Leybold.

Der Inhalt eines Gasmessers mit Trommel aus Britanniametall, der mehrere Jahre in Betrieb gewesen war, wurde untersucht; die Lösung hatte, wie vorschriftsmässig, 22° B., da das Nachfüllen mit derselben Flüssigkeit geschehen war; ein Ammoniakgehalt war nur in Spuren nachzuweisen. Aus der Flüssigkeit setzte sich ein schwerer, bräunlicher Schlamm ab, bestehend aus Schwefelzink, Schwefeleisen, Cyaneisen, Bleioxydhydrat und Zinnoxyd. Es ergab sich, dass der Zinkgehalt nicht der Uhr entstammte, sondern dem Zinkgefässe, in welchem das geschmolzene Chlormagnesium gelöst und aufbewahrt wurde. Spuren von Schwefelwasserstoff im Gase hatten dasselbe aus der Lösung gefällt, ebenso den geringen Eisengehalt, der im festen Chlormagnesium sich findet und in Lösung geht. Ein Theil des Eisens war auch durch den Cyangehalt des Gases niedergeschlagen worden. Zinn und Blei dagegen mussten aus der Uhr stammen. Die Trommel war unversehrt, dagegen das bleierne U-Rohr, sowie der Ablauf aus dem Vorderkasten in den Ueberlaufbehälter angegriffen. Ebenso waren die Löthstellen am mittleren Theile der Trommel etwas angegriffen; es zeigte sich, dass dieselben nicht mit reinem Zinn, sondern mit bleihaltigem Löthzinn gelöthet waren. Alle Löthstellen mit reinem Zinn waren unversehrt. Aus diesem Loth kam Blei und Zinn in den |68| Schlamm. – Der grösste Feind des Chlormagnesiums ist ein bedeutender Ammoniakgehalt des Gases, da sich in diesem Falle kohlensaure Magnesia absetzt in den Uhren, manchmal in dem Masse, dass man Hände voll herausnehmen kann. Für Gasanstalten, welche gute Ammoniakreinigung haben, ist dagegen Chlormagnesium sehr zu empfehlen. (Journal für Gasbeleuchtung, 1890 Bd. 38 S. 424.)

Bericht der Lichtmesscommission des deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern; von S. Schiele.

Es handelt sich um den Ersatz der Kerzen durch die v. Hefner-Alteneck'sche Amylacetatlampe7) und um die Festsetzung des Lichtwerthes derselben gegenüber den verschiedenen Kerzen. Die Commission liess seiner Zeit sechs gleiche Photometerbänke bauen, sechs Beobachter stellten mehrere Tausend Beobachtungen an, und zwar mit der deutschen Vereins-Paraffinkerze, sowie der von den städtischen Gasprüfern in London gebrauchten englischen Parlamentswallrathkerze, letztere in einer langen und einer kurzen Sorte. Es ergaben sich nun folgende Zahlen für die Leuchtkraft:

1 deutsche Vereins-Paraffinkerze = 1,224 Hefnerlampen
1 lange englische Wallrathkerze = 1,145 „ „
1 kurze „ „ = 1,148 „ „
1 ungetrennt geprüfte englische
Wallrathkerze

= 1,160

„ „
1 durchschnittliche englische
Wallrathkerze

= 1,151

„ „

oder umgekehrt.

1 Hefnerlampe ist gleich

0,808 deutsche Vereins-Paraffinkerze,
0,879 lange englische Wallrathkerze,
0,875 kurze „ „
0,862 ungetrennt geprüfte englische Wallrathkerze,
0,870 durchschnittliche

Danach stellt sich das Verhältniss der deutschen Vereinskerze zur durchschnittlichen englischen Kerze wie 1,065 : 1. Die Flammenhöhe der ersteren betrug 50 mm, der letzteren 45 mm. Die genannten Zahlen können aber nur als annähernde betrachtet werden, da sich bei den Einzelmessungen Unterschiede in den einzelnen Apparaten zeigten. Ausser den Verschiedenheiten, welche die einzelnen Kerzen zeigten, fanden sich Fehlerquellen in der Verschiedenheit der Hefnerlampen, sowie der Photometerpapiere unter einander. Ferner fand sich nach Versuchen von Nichols8), dass die Beobachtung mit einem Auge bedeutend genauer ist als mit beiden Augen, und es wurde eine dementsprechende Vorrichtung am Photometer angebracht. Bei den photometrischen Messungen zeigte sich, dass das Umdrehen des Papieres häufig eine grosse Differenz in den Ablesungen hervorrief. Aus diesem Grunde wurden die vier Schirme, welche jedem der sechs Photometer beigegeben sind, einzeln geprüft. Statt der Kerze und Hefnerlampe wurde beiderseits am Apparate ein Spiegel aufgestellt und hinter dem Photometerkopfe eine constant bleibende Flamme angebracht. Nun wurde eingestellt wie gewöhnlich, dann der Schirm umgedreht und abermals gemessen, jede Seite mit zehn Messungen. Aus deren Mittel wurde die Helligkeit berechnet, sowie die Differenz der gemessenen Leuchtkraft rechts und links am Schirme festgestellt. Das Umdrehen hatte an den 27 Schirmen eine Differenz der Leuchtkraft von 0,09 bis 6,03 Proc. zur Folge; sieben Schirme zeigten sich als brauchbar, indem die Differenz beim Umdrehen unter 2 Proc. lag, 20 als unbrauchbar. Diese Schirme waren geliefert von A. Krüss in Hamburg. Nun wurden 40 Schirme von S. Elster in Berlin geprüft und 35 als brauchbar gefunden, indem die Abweichung zwischen 0 und 1,94 Proc. im Mittel 0,725 Proc. betrug; nur acht waren unbrauchbar. Von weiteren vier Krüss'schen Schirmen war einer unbrauchbar, drei hatten Abweichungen von 0,485 bis 1,94 Proc., im Mittel 0,97 Proc. Alle Papiere von Krüss hatten runde Flecken, die Elster'schen theilweise runden Fleck, andere drei Flecken, andere drei wagerechte Streifen, andere einen breiten senkrechten oder wagerechten Streifen.

Die besten Schirme wurden nun ausgelesen und an die einzelnen Mitglieder der Commission zum abermaligen Vergleiche der Kerzen und der Hefnerlampe geschickt. Die Untersuchung der Schirme zeigte auch, dass man als oberste Grenze für die Zulassung von solchen unbedenklich 1 Proc. Abweichung beim Umdrehen verlangen kann. Am besten erwiesen sich die Schirme mit drei in der Mitte einander parallel gestellten, oben und unten abgerundeten Stäbchen; am schlimmsten die Schirme mit einem runden Fleck. Drei gleich breite wagerechte Streifen erwiesen sich als unbrauchbar, ebenso ein breiter wagerechter Streifen; ein solcher, senkrecht gestellt, wurde als sicher und gut ablesbar gefunden. Selbst zwei Schirme, aus dem gleichen Papier geschnitten, gaben Abweichung von einander. Aus allen Versuchen geht hervor, wie nothwendig ein sorgfältiges Herstellen der Schirme ist, besonders für Gasanstalten, in welchen beim Photometriren kein Umdrehen des Papieres erfolgt, so dass die Abweichung eine möglichst geringe wird.

Statt des üblichen Bunsen'schen Photometerkopfes mit Papier wurden auch zwei Apparate von Lummer und Brodhun9) angewandt. Der erste ergab in drei Versuchsreihen + 0,489, + 0,098, + 2,604 Proc. Abweichung beim Umdrehen, der zweite – 1,814 und – 0,283 Proc. in zwei Reihen. Jeder Versuch verlangte vier Einstellungen und Ablesungen; jeder wurde von mehreren Beobachtern je zehnmal gemacht. Zwischen dem völligen Verschwinden des hellen und Erscheinen des dunklen Fleckes liegt ein gewisser Raum, innerhalb dessen der Fleck völlig verschwunden bleibt, gerade wie bei vielen Photometerpapieren. Es muss also der Anfang des Verschwindens des hellen Fleckes und derselbe des dunklen Fleckes festgestellt werden, und zwar für die rechte und linke Beobachtung. Das Mittel aus den vier Messungen gibt den richtigen Stand. Ein dritter Photometerkopf gab nach den Messungen von sechs Beobachtern 2,15 Proc. Abweichung zwischen rechts und links.

Es wurden nun mit dem gleichen Schirme die sechs zu den Photometern gehörigen Hefnerlampen gegen die von der Physikalisch-technischen Reichsanstalt benutzte und als beste befundene Hefnerlampe Nr. 216 verglichen und dieselbe zu 0,987, 0,993, 0,993, 0,965, 1,016, 0,981 befunden, so dass also Abweichungen von + 1,6 bis – 3,5 Proc. vorkamen. Alle Messungen wurden von drei Beobachtern angestellt. Eine von Siemens hergestellte Hefnerlampe wurde mit einer solchen von Krüss hergestellten mit dünnem Dochtröhrchen verglichen und letztere um 2,9 Proc. höher in der Helligkeit gefunden, ebenso |69| letztere mit der früher von Krüss hergestellten Hefnerlampe, zum Vereinsphotometer Nr. 4 gehörig, erstere um 1,6 Proc. höher gefunden. Verschiedene Siemens'sche und Krüss'sche Lampen kamen noch zum Vergleiche unter einander und gegen die Lampe der Reichsanstalt; es ergaben sich Abweichungen bis zu + 8,9 Proc. und – 3,2 Proc.

Verf. entwickelt aus drei Versuchsreihen, an welchen alle Mitglieder der Kerzencommission Theil genommen hatten, den persönlichen Fehler; derselbe sollte bei den einzelnen Beobachtern stets nach derselben Richtung hin liegen, leider ist dies aber nicht der Fall. Die Mittelzahlen aus den drei Reihen liegen von – 1,98 bis + 1,71 Proc. Im Mittel aller Einzelmessungen hebt sich der Fehler fast genau auf, wahrscheinlich zufällig.

Aus allen neueren Messungen ergab sich:

1 Vereinskerze = 1,223 Hefnerlampe
0,818 „ = 1 „
1 englische Kerze = 1,129 „
0,886 „ „ = 1 „

Die schliesslich angenommenen Anträge des Verf. enthalten den Vorschlag, die Amylacetatlampe künftig „Hefnerlicht“ zu nennen und das Verhältniss der Leuchtkraft der Hefnerlampe, wie im Journal für Gasbeleuchtung, 1884 S. 7410), beschrieben, bei 40 mm Flammenhöhe zu der Vereinskerze wie 1 : 1,20 festzusetzen, mit einer Abweichung von ± 0,05. (Journal für Gasbeleuchtung, 1890 S. 33.)

(Fortsetzung folgt.)

|64|

Journal für Gasbeleuchtung, 1881 S. 450.

|65|

D. p. J. 1887 265 218.

|65|

D. p. J. 1889 273 565.

|66|

Es sei hier bemerkt, dass in England, wo die Gasindustrie am höchsten entwickelt ist, kein Cyan gewonnen wird; die Reinigung geschieht dort fast ausschliesslich mit Kalk, in wenigen Fällen noch zuletzt mit Eisenmasse. Der ausgenutzte Kalk hält das Cyan als Rhodan, welches neben Kalk und Schwefelverbindungen schwierig zu gewinnen ist, ausserdem auch nicht in bedeutenden Mengen. Gewonnen wird nur der Schwefel, so z.B. wird in den Beckton Works, London, alte Eisenmasse auf Schwefelsäure verbrannt.

|67|

Journal für Gasbeleuchtung, 1889 S. 313.

|67|

Journal für Gasbeleuchtung, 1890 S. 304.

|68|

1889 274 * 540.

|68|

1889 274 * 542.

|68|

1889 272 * 179.

|69|

1884 252 474.

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