Titel: Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 279 (S. 101–107)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj279/ar279038

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.

(Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes S. 49 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

7) W. M. Mordey in London (vgl. 1888 270 * 52) gibt in dem englischen Patent Nr. 5162 vom 7. April 1888 eine Dynamomaschine an, welche nur eine einfache Ankerwindung oder Spule anstatt zahlreicher Windungen oder Spulen besitzt. Der Leiter des Ankers besteht hiernach aus einer einfachen ringförmigen Spule A von grossem Durchmesser und geringer radialer Ausdehnung (Fig. 13 und 14). Um dieselbe sind aus dünnen Blechen oder Draht hergestellte Eisentheile J von U-förmigem Querschnitt in gewissen Abständen angeordnet, deren beide Schenkel radial nach innen gerichtet sind. Zwischen je zwei derselben ist innerhalb der Ankerspule ein ähnlicher, in gleicher Weise hergestellter Theil K angeordnet, dessen Schenkel aber radial nach aussen gerichtet sind. Dieser Anker kann mit irgend einem geeigneten Feldmagnete angewendet werden, am besten aber besteht das Feld aus einem Eisenkern C (Fig. 14) welcher auf der, durch die Mitte des Ankers gehenden Welle S befestigt ist und an seinen beiden Stirnenden eine Anzahl radialer Arme w, s besitzt, die sich den Schenkeln der Theile J und K möglichst nähern. Die Zahl dieser Arme ist gleich der Anzahl der Eisenkörper J oder K.

Textabbildung Bd. 279, S. 101

Die Feldspule F ist, wie Fig. 14 zeigt, im Innern des Eisenkernes C concentrisch zur Spule A angebracht. Sie ist entweder fest auf C gewickelt und nimmt an dessen Umdrehung theil, oder sie ist lieber stehend und wird in diesem Falle fest gehalten durch einen besonderen, gleichzeitig die Ankerspule A mit ihrem Zubehör tragenden Rahmen, so dass nur der Magnetkern C umläuft und Stromsammler oder Reibcontacte entbehrlich sind.

Bei Umkehrung der Anordnung, bei welcher der Feldmagnet C mit seinen Polen n und s und der Wickelung F nicht innerhalb des Ankers, sondern ausserhalb desselben concentrisch angebracht ist, wird die Spule F mit ihren |102| Theilen J und K von der Welle getragen, wobei entweder das Feld oder der Anker in Umdrehung versetzt werden.

Eine neuere, von der Anglo-American Brush Electric Light Company ausgeführte Mordey-Wechselstrommaschine (vgl. 1888 270 * 114) ist nach Industries, 1889 * S. 140, in Fig. 15 abgebildet. Dieselbe ist für eine Leistung von 37500 Watt oder 50 elektrische gebaut. An Stelle des früher angewendeten Kupferschildes über dem umlaufenden Magnete ist ein eisernes, mit dem Magnetkern zusammengegossenes Schild angeordnet. Mit der Dynamo unmittelbar gekuppelt ist eine kleine, als Erreger dienende Victoria-Dynamo, die für zwei Stromerzeuger genügt. Die Umdrehungszahl ist 650 in der Minute und bei voller Belastung werden 500 Watt zur Erregung gebraucht. Als besonderer Vorzug dieser Maschine wird der geringe Kraftverlust hervorgehoben, welcher bei geringer Leistung der Maschine eintritt; wenn die Maschine zum Geben der vollen elektromotorischen Kraft bei voller Geschwindigkeit, aber ohne Belastung der Maschine im äussern Stromkreis erregt wird, so sind, um sie zu treiben, nur 3 erforderlich. Es ist dies besonders für Beleuchtungsanlagen wichtig, wo bei Tage und im Anfange des Abends nur geringe Leistung verlangt wird.

Textabbildung Bd. 279, S. 102

8) G. Kapp in Wimbledon (Surrey) stellt nach seinem englischen Patent Nr. 9910 vom 7. Juli 1888 den Kern des ringförmigen Ankers C (Fig. 16) einer Gleichstromdynamo aus Bandeisen her, welches auf den mit der Welle verbundenen Tragring R aufgespult wird. Während dieser Arbeit werden breite Streifen a von Metall oder isolirendem Material, z.B. Fiber, zwischen die Windungen gelegt. Die ganze Wickelung wird ausserdem durch radiale Bolzen B zusammengehalten. Die breiten Bänder a werden dann so weit fortgenommen, dass nur die Theile A verbleiben, welche der Wickelung einen Halt bieten. Die Feldmagnetkerne M sind in der gewöhnlichen Art angeordnet.

Textabbildung Bd. 279, S. 102

Das Verbindungsstück S (Fig. 17) bildet halbe Ringstücke und ist spiralförmig gebogen; die Enden T1 und T2 sind rechtwinklig zur Ebene des Ringes nach rechts und links abgebogen. Der Lappen T1 ist in einer Nuth der Stange B1 gesichert, während der andere Lappen T2 mit der gegenüberliegenden Stange B2 verbunden ist, welche etwas weniger über den Ankerkern hervortritt als B1. Der Stromsammler Fig. 18 wird von einem cylindrischen Ansätze der Endplatte F getragen, welche gleichzeitig dazu dient, die dünnen Eisenplatten des Ankers mit Hilfe der Mutter G zusammen zu pressen. Die Platte F ist mit Rippen F1 und mittlerer Nabe F2 versehen; durch den Zwischenraum zwischen der ersteren kann Luft in den Anker treten, der noch zur bessern Ventilation in radialer Richtung mit Platten D versehen ist, die durch Zwischenstücke in bestimmter Entfernung geh alten werden; auch sind die Platten D mit Hervorragungen A versehen, welche als Mitnehmer wirken.

Textabbildung Bd. 279, S. 102

Eine Wechselstromdynamo dieser Bauart ist nach Industries, 1889 * S. 137, in Fig. 19 abgebildet, wie deren zwei Stück von der Gesellschaft Oerlikon für die Centralstation des Städtchens Schio in Norditalien kürzlich ausgeführt wurden. Der Ankerkern ist in der beschriebenen Art hergestellt und mit den die Wickelungsspulen unterstützenden Vorsprüngen der isolirenden Zwischenlagen versehen. Die schmiedeeisernen Kerne der Feldmagnete sind cylindrisch, haben 105 mm Durchmesser, sind mit ihren äusseren Enden an gusseisernen Polringen befestigt, an ihren inneren Enden aber mit rechteckigen Polschuhen versehen, zwischen denen der Anker rotirt. Der Anker besitzt 14 Spulen, deren jede mit 80 Windungen von 3 mm (0,120 Zoll)-Draht in zwei Lagen bewickelt ist; der Gesammtwiderstand des |103| Ankers beträgt 1,8 Ohm. Jeder der 28 Magnete hat eine Wickelung von 186 Windungen, der Gesammtwiderstand derselben ist 1,76 Ohm. Die Maschine soll bei 600 Umdrehungen in der Minute 30 Ampère mit 2000 Volt Klemmenspannung geben, ist aber auf 40 Ampère geprüft. Wie die Abbildung zeigt, ist mit dieser Maschine ein besonderer Erreger verbunden, dessen Magnete auf einer Verlängerung der Grundplatte der Hauptmaschine stehen, während sein Anker unmittelbar auf der Welle der letzteren befestigt ist. Dieser Erreger liefert gleichzeitig den Strom für die Beleuchtung der Station.

Textabbildung Bd. 279, S. 103

Nach den von C. E. L. Brown, dem Ingenieur der Oerlikon-Werke, angestellten Versuchen ergeben sich folgende Werthe, wobei die Umdrehungszahl beständig auf 600 in der Minute erhalten und die Maschine verschieden stark erregt wurde, aber kein Strom in den Anker der Hauptmaschine treten konnte:

Erregender Strom 9 14,5 17 18 21 Ampère.
Erregende Kraft 142 368 510 573 775 Watt.
Klemmenspannung 1000 1700 2000 2100 2400 Volt.

Konnte ein Strom von 30 Ampère durch den Anker gehen, so wurde die Klemmenspannung von 2000 Volt bei einem erregenden Strom von 21 Ampère erhalten. Hiernach wurden etwa 775 Watt, etwa 1,3 Proc. der Gesammtleistung, auf die Erregung verwendet, während der Verlust durch den Widerstand des Ankers 2,7 Proc. beträgt.

Textabbildung Bd. 279, S. 103

9) Der Elektromotor von W. Aldred in London besteht nach dem englischen Patent Nr. 18091 vom 11. December 1888 aus zwei in den Lagern b der Ständer a umlaufenden Wellen c (Fig. 20), welche ausserhalb der Ständer die Schwungräder c2, innerhalb dagegen die Scheiben d tragen, auf welchen die Magnete d2 befestigt sind, die entweder Hufeisenform haben, wie in der Zeichnung, oder Ringbögen bilden. Der Strom tritt durch die auf den Wellen c befestigten Zuführer e in die Magnete ein und wird zu gegebener Zeit von einer Seite unterbrochen. Die an den Vorderseiten der Magnete angebrachten Ebonit- oder Messingplatten dienen zum Festhalten der Magnetwickelung auf den Kernen d3. Der abgebildete Motor besteht aus zwei Hufeisenmagneten. Die Pole der Magnete auf der rechten Seite wechseln ihre Polarität nicht, während die der linken Seite dieselbe mit Hilfe des Zuführers e wechseln, sobald sie den Polen des andern gegenüberkommen. Damit die beiden Magnete nicht verschiedene Umdrehungszahlen annehmen, ist ein Rädervorgelege eingeschaltet. Da die beiden Magnete entgegengesetzte Drehungsrichtung haben, so ist die Verbindung ihrer Achsen mit der kraftabgebenden Scheibe g3 auf der Welle g auf der einen Seite durch ein einfaches Räderpaar, auf der anderen Seite durch ein solches mit Zwischenrad hergestellt.

10) A. M. Taylor in Baroda (Indien) hat auf die in Fig. 21 und 22 skizzirte Anordnung von Dynamos bezieh. Motoren das englische Patent Nr. 17964 vom 8. December 1888 erhalten. Auf der Welle A, der Maschine sind zwei, mit einer geraden Anzahl von äusseren radialen Armen T versehene Seitenscheiben B befestigt, welche durch die isolirten Bolzen J und K zusammengehalten und gegen den aus Eisendraht oder dünnen Eisenblechscheiben hergestellten Ring H gepresst werden, der zwischen je zwei Armen T mit einer Spule C von isolirtem Draht bewickelt ist. Dieser so zusammengesetzte Feldmagnet dreht sich innerhalb eines, in gleicher Weise hergestellten feststehenden Ankers, dessen Seitenscheiben F feststehend und mit den nach innen vorstehenden radialen Ansätzen S versehen sind, die ebenfalls durch Bolzen L und M gegen einen Ring G gepresst werden, der zwischen den Armen S mit den Spulen D versehen ist. Anker und Magnet haben gleichviel Spulen. Auf die Bolzen K des Magnetes sind innerhalb der Seiten Scheiben eine Anzahl von Scheiben P von solcher Breite aufgesetzt, dass sie den äusseren Zwischenraum zwischen je zwei benachbarten Spulen C ausfüllen; ebenso sind auf die Bolzen M des Ankers entsprechende Scheiben Q aufgesetzt. Die Scheiben P gehen bei der Umdrehung des Magnetes möglichst dicht an den Scheiben Q vorüber, ohne dieselben zu berühren. Auf der Welle A ist ein Stromsammler bezieh. Stromzuführer gewöhnlicher Anordnung befestigt, dessen Contactplatten mit den Drähten der Spulen C verbunden sind. Ausserhalb des Sammlers sitzen isolirt auf der Welle zwei Ringe, von denen der eine mit den Platten gerader Ordnungszahl, der andere mit denen von ungerader Ordnungszahl verbunden ist. Der Sammler hat zwei und jeder der beiden Ringe eine Bürste. Diese vier Bürsten sind mit vier Polklemmen verbunden, welche paarweise an die Hauptleitungen in verschiedener Weise angeschlossen werden können, je nachdem die Maschine als Stromerzeuger, oder als Motor mit Gleichstrom, oder mit Wechselströmen arbeiten soll.

Textabbildung Bd. 279, S. 103

11) Die durch das engl. Patent Nr. 11780 vom 24. Juli 1889 geschützte Erfindung von C. E. Buell in Newark, N. Y., bezieht sich auf solche Dynamomaschinen, welche eine bestimmte Ladung anhäufen sollen, die zur Zündung einer Mine oder für andere Zwecke dienen soll, bei denen eine starke Entladung von kurzer Dauer verlangt wird. Die Dynamomaschine A (Fig. 23 und 24) steht mittels eines isolirenden Untersatzes J auf der Grundplatte; unter diesem Untersatze ist eine Welle gelagert, auf welcher der |104| Zahnbogen C und ein Kerbrad D befestigt sind; an das letztere ist eine Spiralfeder angeschlossen, deren anderes Ende von der Grundplatte des Apparats festgehalten wird. Auf der Welle sitzt drehbar der Handhebel h, dessen durch eine Feder belasteter Sperrkegel in die Kerbe des Rades D eingreift, wenn Hebel h die gezeichnete Stellung einnimmt. Der Zahnbogen C ist in dieser Lage ausser elektrischer Verbindung mit dem Anker der Dynamo; wird der Hebel h aber nach rechts bewegt, so nimmt er das Rad D und den Zahnbogen C mit, dessen Zähne nun mit denen eines kleinen auf der Ankerwelle sitzenden Getriebes B in Eingriff kommen, wobei Trieb- und Zahnbogen elektrisch verbunden werden und Theile eines den Strom verstärkenden Stromkreises bilden.

Die Wirkung des Apparates ist folgende: Der Hebel h wird so weit nach rechts bewegt, bis der Sperrkegel e durch Anstossen an den Zapfen f aus der Kerbe des Rades D ausgehoben wird; in diesem Augenblicke wird der bisher von h mitgenommene Zahnbogen C vom Hebel h frei, so dass er durch die Wirkung der bei der Rechtsdrehung gespannten Spiralfeder plötzlich wieder in die gezeichnete Stellung zurückkehrt, wobei dem Anker der Dynamo eine sehr schnelle Umdrehung ertheilt wird. Die Dynamo wird hierdurch bei dem ganz geringen Widerstände im Verstärkungsstromkreise sehr kräftig in Thätigkeit gesetzt und die Feldmagnete sehr stark erregt, so lange, bis der Zahnbogen das Getriebe B verlässt, wobei der Stromkreis unterbrochen und der Extrastrom in den äussern Stromkreis entladen wird.

12) J. A. Timmis in London (vgl. 1889 272 125) gibt in seinem englischen Patent Nr. 1535 vom 28. Januar 1889 eine Anordnung zur Regulirung der Geschwindigkeit von Dynamomaschinen mit irgend welcher Wickelung behufs Erzeugung eines gleichmässigen Stromes, und wendet zu diesem Zwecke Widerstände von beliebiger Form an, welche im gegebenen Augenblick selbsthätig eingeschaltet werden, also dann, wenn die elektromotorische Kraft der Dynamo eine solche Höhe erreicht hat, dass der Strom im äusseren Stromkreise den Lampen gefährlich werden könnte. Zur Einschaltung dieser Widerstände wird am liebsten ein Zugmagnet von beliebiger Form verwendet, dessen Wickelung entweder im Nebenschluss zu den Spulen des magnetischen Feldes liegt, oder in Hintereinanderschaltung mit diesen, oder auch mit den Widerständen.

Textabbildung Bd. 279, S. 104

18) A. Poleschko in Petersburg versieht nach dem englischen Patent Nr. 85 vom 2. Januar 1889 seine neue Dynamo mit einem Scheibenanker, der aus einer grossen Anzahl von schmalen Bögen zusammengesetzt ist. Diese eiserne Scheibe D (Fig. 25 und 26) ist aus dem Ganzen hergestellt und dann in 60 bis 100 Bögen zerlegt, die elektrisch leitend mit der Bronzenabe H verlöthet sind, welche auf der aus Aluminiumbronze hergestellten Welle sitzt. Letztere läuft in Stahllagern F, welche von Bronzestücken umgeben sind und von den Armen des Elektromagnetes getragen werden. Die Anwendung von Bronze für die Welle verhindert die Zerstreuung der magnetischen Kraftlinien in letztere und ebenso isoliren die Bronzeträger die Welle gegen den Magnet. Die Scheibe D läuft zwischen den Polstücken des Elektromagnetes A, welche von weichem Stahl gegossen und nach der Scheibe hin zugeschärft sind (Fig. 27). An den Spitzen der Polstücke befinden sich die Bürsten, welche zu beiden Seiten auf dem Umfang der Scheibe liegen. Die nach der Scheibe hin keilförmige Gestalt der Polstücke soll den Uebertritt der magnetischen Linien aus dem Anker erleichtern, während ihr äusserer stärkerer Theil genügenden Querschnitt für den magnetischen Strom bietet.

Textabbildung Bd. 279, S. 104

14) Alex. William Meston in St. Louis hat sich unter D. R. P. Nr. 47072 vom 7. August 1888 den in Fig. 28 bis 30 skizzirten Ringanker patentiren lassen. Derselbe besteht aus abwechselnd längeren und kürzeren, mit einander vernieteten isolirten Blechscheiben B, welche, zinkenförmig in einander greifend, einen zusammenhängenden Kranz bilden. An den Verbindungsstellen dieser Scheiben sind zu beiden Seiten Polstücke P radial angeordnet und durch Schrauben h mit dem Kern verbunden. Diese Polstücke P sind nach innen verlängert und isolirt an einer Nabe N (oder auch an zwei neben einander stehenden) befestigt. Zwischen den Polstücken ist die Wickelung des Kernes angebracht (Fig. 30), die am äusseren und inneren Umfange durch Schutzbleche M, an den Seiten durch Bleche f gesichert werden.

Textabbildung Bd. 279, S. 104

15) Zur Vervollständigung der 1890 276 * 499 bereits gemachten Mittheilungen über die von den Oerlikon-Werken in Paris ausgestellt gewesenen Dynamomaschinen geben wir nach Engineering, 1889 Bd. 48 * S. 106, in Fig. 31 eine Abbildung der vierpoligen, zur Kraftübertragung benutzten Dynamo. Dieselbe hat 200 (nicht 250 wie 1890 276 501 angegeben) und 150 wurden nach der schweizerischen |105| Abtheilung der Maschinenhalle übertragen, woselbst ein Motor von gleicher Anordnung wie die hier abgebildete Dynamo aufgestellt war. Dynamo und Motor unterscheiden sich in der Wickelung, welche im Motor derart verändert ist, dass derselbe trotz der Spannungsverluste in den Leitungen mit derselben Geschwindigkeit läuft, wie die Dynamo. Beide Maschinen haben Ringanker, die etwa 480 Umdrehungen in der Minute machen, der Unterschied in der Geschwindigkeit zwischen Leerlauf und voller Belastung soll nur 2 Proc. betragen.

Textabbildung Bd. 279, S. 105

Der Dynamoanker ist mit 400 Windungen eines Kabels, welches aus 19 Drähten von 1,3 mm Durchmesser besteht, bewickelt, während beim Motor nur 368 Windungen ausgeführt sind. Der Stromsammler der Dynamo hat 200 Abtheilungen, der des Motors nur 184. Die Ankerkerne bestehen aus 0,6 mm starken, weichen Eisenblechscheiben, die durch Papier unter sich isolirt sind. Die Wickelung der Magnetkerne, welche mit den Rahmentheilen zusammengegossen sind, besteht für jeden Kern aus 60 Lagen von 1 mm starkem, 300 mm breitem Bandkupfer; die Spulen sind parallel mit dem Anker geschaltet.

Textabbildung Bd. 279, S. 105

16) Die von Sautier und Lemonnier (vgl. 1890 278 112) auf der Pariser Ausstellung von 1889 vorgeführten Dynamo hatten sämmtlich Grammeringe, während der Siemens'sche Trommelanker nur sehr selten angewendet war. Die Anker bestehen aus Eisenblechscheiben, deren Stärke nach der Umdrehungszahl verschieden ist und bei der grössten Geschwindigkeit nur etwa 0,4 mm beträgt. Die Feldmagnete sind zwei-, vier-, sechs-, aber höchstens achtpolig; die Polstücke bestehen aus Gusseisen, die übrigen Theile aus Schmiedeeisen. Fig. 32 ist die Abbildung einer zweipoligen Dynamo, Fig. 33 die Anordnung der mehrpoligen Maschine; bei letzterer sind die entgegengesetzten Spulen mit einander verbunden.

In dem Centralblatt für Elektrotechnik, Bd. 12 * S. 66, findet sich eine Tabelle, worin die Stromstärke, die elektromotorische Kraft, die Leistung u.s.w. der hauptsächlichen, theils für Glühlicht, theils für Bogenlicht gebauten Dynamo angegeben sind. Die für 100 Volt angegebenen Maschinen werden in gleicher Weise auch für 70 Volt mit entsprechend höherer Ampèrezahl zur Erreichung der gleichen Leistung gebaut. Das Güteverhältniss schwankt zwischen 84 und 89 Proc. Die Maschinen für Glühlichtbeleuchtung haben gemischte und Hypercompound-Wickelung, diejenigen für Bogenlicht umfassen solche für Reihenschaltung und Nebenschlussmaschinen.

Textabbildung Bd. 279, S. 105

Sautter und Lemonnier beschäftigen sich auch mit dem Bau der zum Betrieb der Dynamomaschinen nothwendigen Dampfmaschinen (1890 277 * 289); der Engineer, 1889 Bd. 68 * S. 346, gibt die Abbildung einer zweicylindrigen 30-Verbundmaschine mit unmittelbar angekuppelter zweipoliger Dynamo. Die Dampfmaschine arbeitet mit etwa 5 at Spannung und 380 Umdrehungen in der Minute und verbraucht nach angestellten Brems versuchen 10 k Dampf in der Stunde und für 1 . Der Hochdruckcylinder von 206 mm Durchmesser hat Schiebersteuerung; der Expansionsschieber wird von dem im Schwungrade angebrachten Centrifugalregulator beeinflusst; der grosse Cylinder hat 310 mm Durchmesser und einfachen Schieber; beide Kolben haben 170 mm Hub.

17) Die von der Westinghouse Electric Company in Pittsburg, Pennsylvanien (vgl. 1889 272 118) in dem englischen Patent Nr. 3272 vom 23. Februar 1889 angegebene Neuerung an Elektromotoren bezieht sich auf solche, welche |106| mit Wechselströmen betrieben werden sollen, und bezweckt, die Geschwindigkeit des angehenden Motors allmählich bis zu einem Maximum zu steigern, welches von der Anzahl der Stromwechsel in der Minute abhängig ist. In Fig. 34 bezeichnet A1 eine geeignete Quelle eines Wechselstromes, von dessen beiden Polen die Leiter L1 und L2 ausgehen.

Textabbildung Bd. 279, S. 106

In den diese beiden Leitungen verbindenden Leiter a1 ist die primäre Spule p1 eines Stromumsetzers C1 eingeschaltet, dessen secundäre Wickelung s1 an einem Ende mit einem Leiter a2 verbunden ist, welcher zu den Feldmagnetspulen des Motors führt. Dieser Leiter a2 theilt sich an dem Punkte a3 in die beiden Zweigleitungen a4 und a5, von denen a4 durch die Spulen e1, e3, e5 und e8 geht, welche mit den in a5 liegenden Spulen e2, e4, e6 und e8 abwechseln; letztere sind auf die abwechselnden Pole f des Feldmagnetes des Motors E gelegt. Der mit den Feldmagneten verbundene Leiter a4 ist an eine Bürste k1 angeschlossen, welche auf dem den Stromkreis verändernden Umschalter H ruht, der auf der Welle des Ankers K des Motors sitzt. Mit der auf demselben Umschalter schleifenden Bürste k2 ist der zu den Feldmagneten führende Leiter a5 verbunden. Eine dritte Bürste k auf demselben Umschalter H macht abwechselnd Contact mit den Abtheilungen desselben, auf welchen die Bürsten k1 und k2 ruhen. Diese Bürste k ist durch einen Leiter a6, durch die secundäre Wickelung s2 eines Stromumsetzers C2 und dann zurück nach dem noch freien Ende der secundären Wickelung des Umsetzers C1 geführt. Es sind also die secundären Stromkreise der beiden Stromumsetzer C1 und C2 abwechselnd geschlossen durch die Leiter a4 und a5, wodurch die Pole der Feldmagnete abwechselnd erregt werden. Der primäre Stromkreis des Umsetzers C2 ist als Nebenschluss mit einem Widerstände R verbunden, welcher in einen Leiter b2 eingeschaltet ist; b2 stellt die Verbindung zwischen der Linie L2 und einer Contactbürste n2 her, welche auf dem auf der Ankerwelle des Motors sitzenden Contactring m2 schleift. Ein zweiter Ring m1 auf derselben Welle ist mit einer zweiten Bürste n1 versehen, welche durch den Draht b1 mit der Linie L1 verbunden ist. Die Ringe m1 und m2 sind bezieh. verbunden mit den Enden 1 und 2 der Ankerspulen. Der Widerstand B kann mit Hilfe eines Hebels r ganz oder theilweise zwischen die Enden der primären Wickelung p2 des Umsetzers C2 eingeschaltet werden. Wenn die Maschine in Gang gesetzt werden soll, so wird der Widerstand R als Nebenschluss zum Umsetzer C2 hinzugefügt, so dass das Maximum der Potentialdifferenz auf die Spule p2 wirkt. Der in der secundären Wickelung s2 inducirte Strom summirt sich mit dem gleichzeitig in der secundären Wickelung s1 des Umsetzers C1 inducirten Strom und dieser vereinigte Strom ertheilt den Feldmagneten E einen hohen Sättigungsgrad. Der Anker wird inzwischen durch die Leiter b1 und b2 mit Strom versorgt. Mit zunehmender Umdrehungsgeschwindigkeit des Ankers kann der Widerstand allmählich ausgeschaltet werden, wodurch die Potentialdifferenz an den Enden der primären Wickelung p2 vermindert wird, und demgemäss wird auch die Wirkung der Spule vermindert, bis schliesslich, wenn der Widerstand R vollständig kurz geschlossen ist, der Umsetzer eine weitere Wirkung nicht ausübt. Der Umsetzer C1 erhält dann allein mit einer entsprechenden elektromotorischen Kraft das magnetische Feld auf entsprechender Höhe. Die Geschwindigkeit des Ankers hat inzwischen so lange zugenommen, bis sie synchron ist mit den Stromwechseln im Stromkreis, in Folge dessen haben die auf einander folgenden Ströme in den wechselnden Feldmagnetspulen dieselbe Richtung und der Motor arbeitet unter günstigen Bedingungen.

In Fig. 35 ist die primäre Wickelung des Stromumsetzers C1 durch die Leiter 1 und 2 mit den Leitungen L1 und L2 verbunden. Die secundäre Wickelung von C1 ist an einem Ende mit dem Leiter 4 verbunden, welcher durch einen den Strom berichtigenden Apparat H zu den Feldmagnetspulen e1, e2 des Motors geführt ist. Ein gleichfalls mit H verbundener Leiter 3 kann mit Hilfe des Umschalters S1 an verschiedenen Punkten der Länge mit der secundären Wickelung von C1 in Verbindung gebracht werden, und zwar kann diese Verbindung mit Hilfe der Contactstücke t1, t2, t3, t4, welche mit verschiedenen Stellen der secundären Wickelung verbunden sind, hergestellt werden.

Textabbildung Bd. 279, S. 106

Die Ströme vom Anker K des Motors werden durch einen zweiten Umsetzer C2 beschafft, dessen primäre Wickelung durch die Drähte 5 und 6 mit den Leitern L1 und L2 verbunden ist. Die secundäre Wickelung dieses Umsetzers, deren wirksame Länge mit Hilfe des die Contacte u1, u2, u3 enthaltenden Umschalters S2 regulirt werden kann, ist mit ihren jeweiligen Enden an die Bürsten n1 und n2 angeschlossen, welche auf den Contactringen m1 und m2 schleifen, die ihrerseits wieder mit den Enden der Ankerspulen verbunden sind. Es werden demnach beständig Wechselströme den Ankerspulen zugeführt. Ströme, deren Potentiale von einander unabhängig sind, werden so dem Anker, sowie den Feldmagnetspulen zugeführt und lassen sich unabhängig von einander controliren. Der Umsetzer C2 ist zu dem |107| Zwecke eingefügt, um einerseits das Potential des Stromes, welcher dem äusseren Stromkreis zufliesst, zu verkleinern, falls es für die sichere und bequeme Handhabung zu hoch sein sollte, andererseits aber um das Potential des dem Anker zugeführten Stromes zu reguliren. Der Umsetzer C1, durch welchen der Strom den Feldmagneten zugeführt wird, ist so gewählt, dass die niedrigste elektromotorische Kraft, welche er erzeugen kann, noch dann für die Thätigkeit der Maschine genügt, wenn der Anker seine richtige Geschwindigkeit erlangt hat und der Feldmagnetstrom anfängt, in seiner Richtung unveränderlich zu werden. Der Strom im Felde ist, ebenso wie der im Anker, bei allen Geschwindigkeiten ein Wechselstrom, mit Ausnahme der synchronen Geschwindigkeit; der Umschalter H dient einfach nur dazu, die jeweilige Richtung der beiden Ströme zur gegebenen Zeit umzukehren, bis die richtige Geschwindigkeit erreicht ist.

Textabbildung Bd. 279, S. 107

18) W. T. Goolden und H. W. Ravenshaw in London (vgl. 1889 272 * 121) geben in dem englischen Patent Nr. 16710 vom 22. October 1889 eine Verbesserung in der Anordnung der Ankerspulen, durch welche etwaige Nachhilfen an denselben leicht und ohne Auseinandernahme der ganzen Maschine ausführbar gemacht werden. Fig. 36 und 37 stellen die Dynamo und Fig. 38 und 39 die Verbindung der Ankerwickelung mit den Abtheilungen oder Stäben des Stromsammlers dar. Ein scheibenförmiger Anker ist auf der in gewöhnlicher Weise gelagerten und getriebenen Ankerwelle A befestigt und wird zu beiden Seiten von den Polstücken D der Feldmagnete C umfasst, welche an einem seitlich des Ankers angebrachten Rahmen B befestigt sind. Der Stromsammler F ist so angeordnet, dass seine Streifen f in oder hinter der Ebene liegen, welche durch die dem Stromsammler zunächst gelegene Fläche des Ankers geht. Die Stäbe f des Sammlers sind auf der dieser Ebene zunächst liegenden Seite mit Gabelstücken f2 versehen, an welchen die ebenfalls gegabelten Enden der Ankerwickelungsdrähte e mittels Schrauben oder in sonst leicht lösbarer Weise befestigt sind, wie Fig. 38 und 39 sehen lassen. In den Figuren ist der Anker als mit weichem Bandeisen e2 bewickelt gedacht, welches über einen Kern oder Nabe e3 gewickelt und mit einem isolirenden Ringe g umgeben ist, in dem sich Vertiefungen g2 befinden, welche zur Aufnahme der Spulendrähte dienen. Die Polstücke der beiden oberen Magnete sind durch einen Deckel H verbunden, der leicht abnehmbar ist und das Hineinfallen fremder Gegenstände auf den Stromsammler verhindert.

19) A. Föppl in Leipzig gibt in dem englischen Patent Nr. 18997 vom 26. November 1889 eine Verbesserung in der Verbindung zwischen der Speicherbatterie a (Fig. 40 und 41) und den Leitungen b und c einer Wechselstromdynamo an, durch welche einerseits das Laden dieser Batterie durch den Wechselstrom, andererseits die Erhaltung des Wechselstromes im Hauptstromkreise durch diese Batterie ermöglicht wird, falls die elektromotorische Kraft der Wechselstromdynamo abnimmt oder ganz aufhört. Die Batterie ist daher in irgend einem gegebenen Augenblick in Parallelschaltung mit dem Wechselstrommotor und steht in derselben Beziehung zu der Wechselstromanlage wie eine Batterie, welche zu einer Gleichstromanlage parallel geschaltet ist. Der angedeutete Zweck wird mit Hilfe von Speicherzellen durch eine aus zwei Haupttheilen bestehende Anordnung erreicht. Der eine Haupttheil besteht aus einem feststehenden cylindrischen Umschalter d, dessen gegen einander isolirte Abtheilungen durch Drähte mit verschiedenen Punkten der Batterie verbunden sind. Unabhängig von den Endelektroden 1 und 9 der Batterie ist jeder Punkt der letzteren mit wenigstens zwei Platten des Umschalters d verbunden. Zwischen je zwei solchen Verbindungspunkten sind eine oder mehrere Speicherzellen eingeschaltet.

Textabbildung Bd. 279, S. 107

Den anderen Haupttheil dieser Anordnung bildet ein Bürstenträger f, welcher auf eine Welle g aufgekeilt ist, die entweder von der Welle der Dynamo, oder mit Hilfe eines besonderen kleinen Wechselstrommotors mit geeigneter Geschwindigkeit angetrieben wird. Er trägt zwei, einander beinahe im Durchmesser gegenüberstehende Bürsten h, welche im Contact mit den feststehenden Umschalterplatten sind. Auf der Welle g befinden sich noch zwei gegen einander isolirte Platten i und k, jede verbunden mit einer Bürste h und ausserdem in Verbindung mit jeder der beiden Hauptleitungen durch die feststehenden Bürsten l und m. Um einen etwaigen Kurzschluss in einigen Zellen zu verhüten, sowie um Veränderungen in der Stromstärke auszugleichen, welche sich beim Fortschreiten der Bürsten von einer auf die andere Umschalterplatte ergeben würden, besteht jede Bürste h aus zwei getrennten Bürsten, die derart angeordnet sind, dass die Contactpunkte derselben um einen kleinen Bogen von einander entfernt sind, der etwas grösser ist als der isolirende Streifen zwischen zwei Umschalterplatten. Die eine halbe Bürste h4 ist daher um einen kleinen Winkel versetzt gegen die andere Hälfte h2 der Bürste. Zwischen den am weitesten vom Umschalter entfernten Enden g und r der Bürsten ist eine Spule von starkem Kupferdraht eingeschaltet, in deren Innerem sich ein eiserner Kern befindet; in der Mitte dieser Spule ist der nach auswärts führende Leiter u angeschlossen. Die während des Fortschreitens der Bürsten in den Wickelungen dieser Spule inducirte elektromotorische Kraft verhindert die Folgen von Kurzschluss, sowie die Stromschwankungen.

(Fortsetzung folgt.)

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