Titel: Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 279 (S. 177–182)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj279/ar279066

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.1)

(Patentklasse 15. Fortsetzung des Berichtes S. 131 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

29) Wm. Stanley jun. gibt seiner Wechselstrommaschine für eine bei verschiedener Belastung gleichbleibende Stromstärke feststehende Magnete mit abwechselnder Polarität, welche, wie Fig. 60 zeigt, am inneren Umfange eines gusseisernen Ringes radial befestigt sind; zwischen diesen Magnetkernen, welche für sich erregt werden, läuft der Anker, welcher mit einer ebensolchen Anzahl polförmiger Hervorragungen versehen ist, die ausserdem noch querstehende Verbreiterungslappen tragen. Hiernach weicht die allgemeine Anordnung wenig von derjenigen anderer Wechselstrommaschinen ab; die Haupteigenthümlichkeit der Maschine liegt in der Bewickelung der Ankerpole. Diese Spulen bestehen jede aus vielen Windungen, so dass eine geringe Veränderung des durch sie fliessenden Stromes eine beträchtliche Veränderung in den Ampère-Windungen erzeugt.

Textabbildung Bd. 279, S. 177

Nach den Angaben des Erfinders sind, wenn die Maschine in Thätigkeit ist, die starken Feldmagnete bestrebt, eine grosse Anzahl von Kraftlinien zu entwickeln, während der erzeugte Wechselstrom Kraftlinien im Ankerkerne zu bilden sucht, die einem Theil der in dem Feldmagnetpole, hinter welchem er sich bewegt, entwickelten Linien entgegengesetzt sind, so dass nur ein verhältnissmässig kleiner Theil derselben auf Erzeugung der elektromotorischen Kraft in den Ankerspulen verwendet wird. Diese beiden Bestrebungen, Kraftlinien zu erzeugen, können als magnetische Potentiale des Feldes bezieh. des Ankers betrachtet werden. Der Ueberschuss des magnetischen Potentials des Feldes über das Potential des Ankers während derjenigen Zeit, in welcher die Feldpole wirksam sind und Kraftlinien durch den Ankerkern senden, ist auch der wirksame, die elektromotorische Kraft in den Ankerspulen erzeugende Theil. Die Zahl der aus dem Unterschiede der beiden Potentiale sich ergebenden Kraftlinien, welche also zur Erzeugung des Stromes im Ankerkerne nutzbar wird, bleibt annähernd dieselbe, solange der im Arbeitsstromkreise vorhandene Widerstand der gleiche bleibt. Nimmt aber dieser Widerstand zu, so wird durch das hierbei auftretende Bestreben, den Ankerstrom zu verringern, die Möglichkeit gegeben, dass eine grössere Zahl von Kraftlinien in die Ankerspulen treten kann, so dass die elektromotorische Kraft so weit zunimmt, um den Strom annähernd auf einem vorher bestimmten Werthe zu erhalten.

In Wirklichkeit findet eine geringe Stromverminderung im Anker statt, wenn nicht eine Ausgleichung durch andere Mittel herbeigeführt wird. Die durch Wechsel im Widerstände des Ankerstromkreises verursachte Verschiebung der Zeit der Erzeugung der maximalen Polarisation des Ankers mit Bezug auf den Vorübergang der Ankerpole vor den Feldpolen vermag die Ausgleichung hervorzubringen, und diese Verschiebung kann |178| genügend gross gemacht werden, um den Strom in fast unveränderter Stärke zu erhalten.

Um den entgegenwirkenden Einfluss des Zeitwechsels des Maximums des Potentials des Ankers voll nutzbar zu machen, sind die oben erwähnten querstehenden Verbreiterungslappen angebracht. Diese erstrecken sich über einen solchen Theil des Ankerumfanges, dass ein mehr oder weniger vollkommener Uebergang der Kraftlinien der Feldmagnete von einem Pole zu dem benachbarten stattfindet, wenn sich der Anker in der in Fig. 61 gezeichneten Stellung befindet. Bei dieser Anordnung ist eine geringere Verschiebung der Phasen der Ankermagnetisirung erforderlich, um die verlangte Gegenwirkung gegen das magnetische Potential des Feldes zur Zurückdrängung der Kraftlinien hervorzubringen.

Textabbildung Bd. 279, S. 178

Wm. Stanley jun. erzielte nach dem Londoner Electrical Engineer vom 31. Januar 1890 * S. 93 sehr gute Ergebnisse mit acht Feldmagnetpolen, mit 395 mm innerer Oeffnung, 279 mm Länge; die Kerne haben 91 mm Stärke und sind jeder mit 588 Windungen von Draht Nr. 11 belegt. Der Anker hat gleichfalls acht Pole, 260 mm Länge, 390 mm Durchmesser. Die Breite der Pole ist 76 mm, die Verbreiterungen stehen auf jeder Seite 25 mm vor. Die Pole sind mit Draht Nr. 16 in 7 Lagen von je 23 Windungen bewickelt. Bei 1425 Umdrehungen in der Minute und einem Strome von 5,5 bis 6 Ampère in den Feldmagneten wurden 9 oder 9,5 Ampère bei einer elektromotorischen Kraft von 3800 Volt erzielt.

30) Crompton und Co. in Chelmsford haben bereits mehrfach Dynamomaschinen für das elektrische Schmelzverfahren geliefert und verwenden für diesen Zweck in neuerer Zeit eine solche mit vier Polen und Trommelanker, welche in Fig. 62 abgebildet ist. Die vierpoligen Maschinen weisen manche Vortheile gegenüber den zweipoligen Maschinen auf. Besonders sind die Endverbindungen der vierpoligen Maschinen einfacher als diejenigen der zweipoligen, da sie nur den vierten Theil des Ankers umfassen; ferner sind dieselben leichter zugänglich, daher Ausbesserungen leichter auszuführen. Hat die vierpolige Maschine dieselbe Anzahl wirksamer Leiter, so ist der Verlust im Anker annähernd derselbe, wie bei einer zweipoligen Dynamo, denn obgleich das Eisen doppelt so oft ummagnetisirt wird, so ist nur die Hälfte des Volumens vorhanden; andererseits ist, wenn die radiale Tiefe dieselbe bleibt, die Induction eine geringere. Für starke Ströme ist die vierpolige Trommelmaschine besonders geeignet, weil der Strom in jedem Leiter nur den vierten Theil des Gesammtstromes ausmacht, auch sind entsprechend mehr Abtheilungen im Stromsammler vorhanden als in der zweipoligen Maschine.

Die abgebildete Maschine leistet 50 Volt und 2500 Ampère bei 400 Umdrehungen in der Minute. Der Anker hat 48 äussere Leiter von 185 Stücken Draht Nr. 16 (B. W. G.), welche zusammengedreht und zu einem rechteckigen Querschnitt zusammengepresst sind. Der mit einem aus Scheiben aufgebauten Kern versehene Anker hat 559 mm Durchmesser, seine Welle ist mit der Antriebswelle, welche eine Seilscheibe trägt, unmittelbar gekuppelt und ruht in drei Lagern, deren Unterschalen mit Weissmetall ausgegossen sind. – Die Magnete sind mit einem Kupferstreifen von 4,83 × 6,1 mm Querschnitt in 13 Lagen bewickelt, sind hinter einander geschaltet, haben 660 × 292 mm Querschnitt und kalt 0,9 Ohm Widerstand.

Jeder der vier Bürstensätze enthält sechs Bürsten von je 51 mm Breite. Die gegenüberstehenden Bürsten sind parallel zu einander geschaltet.

Textabbildung Bd. 279, S. 178

Die Leiter des Ankers sind an den Enden abgeschrägt und mittels Stahlbolzen mit Muttern zusammengeschraubt, wodurch eine sehr einfache Verbindung erzielt ist, die ein verhältnissmässig schnelles Auseinandernehmen und Zusammensetzen des ganzen Ankers gestattet. – Wie die Abbildung erkennen lässt, ruht die Maschine auf gewalzten Trägern, zwischen welche die Magnetträger und Lagerböcke |179| eingeschraubt sind. (Industries vom 25. April 1890 * S. 396.)

Textabbildung Bd. 279, S. 179

31) H. Austin in Armley bei Leeds verfertigt die in Fig. 63 abgebildete kleine Dynamo (Infant-Dynamo) und führt dieselbe für Leistungen von 1000 Watt bis herab zu 100 und selbst 50 Watt aus. Die aus der Abbildung ersichtliche Anordnung dieser Maschine ist sehr einfach; die Magnete sind aus ausgeglühtem schwedischen Eisen hergestellt und mittels sehr feinen Gewindes in die Polstücke eingeschraubt, wodurch eine möglichst innige Berührung aller Theile erzielt werden soll. Der Querschnitt der Jochstücke ist dreimal so gross als derjenige der Magnetstäbe. Der Anker besteht aus Scheiben von Holzkohleneisenblech (Nr. 18), die Naben sind auf die Wellen aufgeschliffen, auf beiden Seiten mit Schellack und Gyps isolirt. Wie die Abbildung zeigt, ist die Ankerwelle so gelagert, dass sie leicht herausgenommen und nachgesehen werden kann. (Industries vom 13. Juni 1890 * S. 572.)

32) John C. Wray in Peoria, Ill., patentirte den Anker einer Dynamomaschine, den er aus einzelnen Blechscheiben von der in Fig. 64 dargestellten Form so zusammensetzt, dass zwischen je zwei derselben eine kreisförmige Scheibe von kleinerem Durchmesser liegt, während die grösseren Scheiben so gestellt sind, dass die tiefen Einschnitte derselben in einer zur Achse parallelen geraden Linie liegen, wodurch innere und äussere Luftkanäle gebildet werden, die eine gute Ventilation des Ankers ermöglichen. Die Wickelungsdrähte liegen, wie Fig. 65 zeigt, parallel zur Achse in den flachen Aussparungen am äusseren Umfange der Scheiben.

Textabbildung Bd. 279, S. 179

33) Arthur H. Eddy gibt seinen von der Eddy Electric Manufacturing Company in Windsor, Conn., gebauten neueren Elektromotoren die in Fig. 66 nach Modern Light and Heat vom 6. Februar 1890 * S. 154 in ihrer Verwendung an einem Sicherheitsaufzug der Eisenwerke in Holyoke, Mass., abgebildete Form, bei welcher der hufeisenförmige Magnet aus einem Stücke besteht und in der nach oben oder unten gerichteten Oeffnung eine Bohrung zur Aufnahme des Ankers besitzt. Diese Motoren finden auch vielfach Verwendung zum Betriebe von Personenfahrstühlen, von Winden u. dgl. für die verschiedensten Zwecke. – Bei der abgebildeten Aufzugmaschine, welche doppeltes Rädervorgelege besitzt, ist die Ankerwelle des Motors unmittelbar mit der ersten Vorgelegewelle gekuppelt, auf welcher die Seiltrommel mit dem angegossenen Rade des zweiten Vorgeleges lose läuft. Der Motor kann sowohl nach rechts als auch nach links umlaufen. Die Anordnung bietet den Vortheil geringen Raumbedarfs und thunlichst verminderter Reibung.

34) Ueber die Elektromotoren der Thomson-Houston Electric Company zu Lynn (vgl. 1890 276 * 494. * 497) bringt Modern Light and Heat vom 13. März 1890 * S. 363 ausführliche Mittheilungen. Danach werden die Motoren immer nach denselben, durch die Abbildung Fig. 67 veranschaulichten Grundzügen ausgeführt, wodurch erreicht wird, dass alle Theile gleichstarker Motoren gegen einander auswechselbar sind. Alle Motoren haben Nebenschlusswickelung und werden für Stromkreise mit unveränderlichem Potential von 110, 220 und 500 Volt gebaut. Die beiden ersten Gattungen sind für solche Fälle bestimmt, wo sie in Verbindung mit Zwei- oder Drei-Leitersystem der Glühlichtbeleuchtung Verwendung finden sollen, während die dritte Art für den Gebrauch in Eisenbahnstromkreisen oder für solche Fälle bestimmt ist, wo entweder die Kraft auf sehr grosse Entfernungen zu übertragen ist, oder wo so bedeutende Kräfte verlangt werden, dass eine geringere Spannung unökonomisch sein würde. Motoren von abweichender Grundform und Motoren für Stromkreise mit gleichbleibendem Strome, oder für andere Spannungen als die angegebenen in Stromkreisen mit gleichbleibendem Potential, baut die Gesellschaft nur in Ausnahmefällen, weil dann einerseits die Kosten der ersten Ausführung steigen, andererseits die Kosten und Schwierigkeiten der Herstellung genauer Ersatztheile beträchtlich wachsen. Motoren mit gleichbleibendem Strome werden, da sie einen besonderen mechanischen Geschwindigkeitsregulator erfordern, nicht gern gebaut. – Bei allen normalen Thomson-Houston-Motoren wird durch die einfache, in geeignetem Verhältnisse gewählte Nebenschlusswickelung eine selbsthätige Regulirung der Geschwindigkeit, innerhalb 2 Proc. der normalen, erreicht.

Die gusseisernen Grundplatten sind bei allen Motoren sehr schwer im Verhältniss zum Gesammtgewicht der Maschinen. Bei den Maschinen bis zu Klasse 40 (siehe Tabelle am Ende) und einschliesslich dieser Klasse bildet das die |180| beiden Magnetschenkel verbindende Joch einen Theil der Grundplatte, mit der es im Ganzen gegossen ist. Bei den Maschinen der folgenden Klassen ist das Jochstück für sich gegossen und wird in eine entsprechende Vertiefung der Grundplatte eingesetzt. Die Auflagerflächen der Magnetkerne, sowie diejenigen für die Lagerständer werden auf bestimmte Höhe gehobelt. Für gewöhnlich wird der Motor unmittelbar auf das Fundament gesetzt und mit demselben verankert, doch wird auf Verlangen auch eine besondere Platte geliefert, auf welcher die Maschine behufs Regulirung der Riemenspannung verstellbar ist.

Die gusseisernen Lagerständer sind sehr kräftig gehalten, auf genaue Höhe gehobelt und durch je vier Schraubenbolzen auf der Grundplatte befestigt, von denen zwei als Mutterschrauben, die anderen aber als Kopfschrauben ausgeführt sind und gleichzeitig dazu dienen, dem Ständer die richtige Stellung zu geben.

Textabbildung Bd. 279, S. 180

Die Lager der Ankerwelle bestehen bei allen Maschinen bis einschliesslich Klasse 30 aus Metall, bei den grösseren Maschinen aber aus Gusseisen mit Schalen von Babbitmetall. Die gusseisernen Lager ruhen mit einem kugeligen Ansätze in einer entsprechenden Vertiefung des Lagerständers, damit sich die Lager jederzeit genau nach der Achse einstellen können. Sie sind mit zwei seitlich angebrachten losen Ringen versehen, welche in passende Oelbehälter tauchen und eine sehr zuverlässige Selbstölung des Lagers geben. Die Metalllager sind mit gewöhnlichen Oelgefässen versehen.

Die Magnete haben die einfache Hufeisenform mit nach aufwärts gerichteten Schenkeln; das Joch derselben bildet, wie erwähnt, bei den Maschinen bis einschliesslich Klasse 40 einen Theil der gusseisernen Grundplatte, während es bei den grösseren Maschinen aus Schmiedeeisen hergestellt ist. Bei den Maschinen bis einschliesslich Klasse 30 ist jeder Magnetschenkel mit seinem Polstücke aus dem Ganzen gegossen; die grösseren Maschinen erhalten schmiedeeiserne Kerne und gusseiserne Polstücke. Diese Theile des magnetischen Kreises sind sorgfältigst zusammengesetzt, um einen möglichst ununterbrochenen Kreis zu erhalten. Damit der Spielraum zwischen Anker und Polstücken möglichst gering und überall gleich gross ausfällt, werden die Polstücke, nachdem sie nebst den Schenkeln und Lagern der Ankerwelle auf der Grundplatte befestigt sind, mittels einer in diesen Lagern laufenden Bohrstange ausgebohrt. Ist das Polstück mit der Grundplatte nicht aus einem Stücke hergestellt, so wird es mittels Bolzen auf derselben befestigt, deren nach oben gerichtete Verlängerung gleichzeitig zur Befestigung des Kernes und, wo dieser vom Polstücke getrennt ist, auch zur Befestigung des letzteren dient. Der Querschnitt des Joches und der Pole ist stets grösser als der der Kerne, und ebenso hat der Ankerkern, dessen Endflächen bündig mit den Flächen der Polstücke sind, einen grösseren Querschnitt als die Magnetkerne. Die Polstücke bedecken etwa 275° des ganzen Ankerumfanges.

Die Feldspulen werden für alle Maschinengattungen auf besonderen cylindrischen Spulen oder Hülsen von galvanisirtem Eisenbleche mit Messingköpfen besonders gewickelt. Hierdurch wird erreicht, dass zunächst die Magnetkerne für sich allein behandelt werden können, und dann sind alle Spulen derselben Maschinengattung unter sich auswechselbar. Die Wickelung selbst besteht aus Kupferdraht mit doppelter Bespinnung von Baumwolle. Da alle Motoren einfache Nebenschlusswickelung haben, so besteht jede Drahtspule nur aus einer einzigen Bewickelung.

Die Anker aller Motoren erhalten stets Stahlwellen, welche bei den kleineren Maschinen durchweg von gleicher Stärke, bei den grösseren Maschinen aber in der Mitte stärker sind. Die Lagerstellen sind nicht eingedreht, sondern werden durch warm aufgezogene Ringe begrenzt, welche gleichzeitig eine Beschädigung des Stromsammlers durch das der Ankerwelle in ihren Lagern gestattete geringe, aber gute Oelung noch ermöglichende Seitenspiel verhüten.

Der trommelförmige Ankerkern ist aus kreisrunden Scheiben von schwachem Holzkohlenblech bester Gattung zusammengesetzt, die von einander isolirt sind. Diese Scheiben werden, nachdem an jedem Ende eine guss- oder schmiedeeiserne Platte vorgelegt ist, durch hydraulischen Druck zusammengepresst und dann durch drei durch sie hindurchgehende Schraubenbolzen zusammengehalten, deren Köpfe bezieh. Muttern in den erwähnten Endplatten versenkt sind. Diese Endplatten bestehen bei den kleineren Maschinen aus Gusseisen mit nach innen gekehrter Nabe, bei den grösseren Maschinen aus Schmiedeeisen mit nach aussen gerichteter Nabe; mittels dieser Endscheiben wird der Kern auf der Welle befestigt. Jeder Kern wird auf seiner Welle auf einen bestimmten Durchmesser abgedreht und ein diametraler Längenschnitt durch denselben bildet nahezu ein Quadrat.

Der Stromsammler erhält stets eine verhältnissmässig grosse Anzahl von Stäben, wodurch der Potentialunterschied zwischen zwei benachbarten Stäben und dadurch das Funkengeben möglichst vermindert, die Dauer des Sammlers also erhöht wird. Die Stäbe selbst bestehen aus hart gezogenem Kupfer, sind an den Enden abgeschrägt und werden durch schmiedeeiserne entsprechend ausgedrehte Ringe an beiden Enden zusammengehalten. Sie sind sowohl gegen diese Ringe, als auch unter sich durch Glimmer isolirt. Um die Abnutzung zu verringern, sind sowohl die Breite, als auch der Durchmesser des Sammlers gross gewählt; letzterer beträgt mehr als ⅔ des Ankerdurchmessers. |181| An dem inneren Ende ist in jede Sammlerstange ein Schlitz eingefräst, in welchen ein radial nach aussen vorstehender Metallarm eingelöthet und vernietet ist, an dessen freiem Ende eine Ankerspule angeschlossen wird.

Textabbildung Bd. 279, S. 181

Die Ankerwickelung ist eine abgeänderte Siemens-Wickelung und besteht aus mit Baumwolle übersponnenem Kupferdraht, der gegen den Kern durch Glimmer isolirt ist. Dasselbe Material wird auch besonders da verwendet, wo sich die Drähte zweier verschiedener Spulen kreuzen, sowie an den Uebergangsstellen an den Stirnflächen des Kernes. Die Spulen werden durch Neusilberdraht, welcher auf Glimmerstreifen liegt, festgehalten. Die Enden des Ankers werden mit Cannevas, welcher durch Schellack wasserdicht gemacht ist, bedeckt. Die Enden der Spulen werden an die Stromsammlerarme angelöthet. Der fertige Anker wird in einem Ofen sorgfältig getrocknet. Um einer sorgfältigen Ausführung, besonders der Isolirungen, gewiss zu sein, werden die betreffenden Arbeiter für jeden Fehler, welcher sich bei der sehr genauen Untersuchung ergibt, verantwortlich gemacht.

Der Bürstenträger sitzt auf einer zur Ankerwelle concentrischen Hervorragung des betreffenden Lagerständers und besteht aus zwei durch Flügelmuttern zusammengehaltenen Theilen, so dass der Träger in beliebiger Stellung befestigt werden kann.

Die Bürstenhalter bestehen aus Messing. Die Spindel, welche den beweglichen Theil des Halters trägt, ist gegen den Träger durch eine Hartgummibüchse und ebensolche Ringe isolirt. Der auf dieser Spindel sitzende eigentliche Bürstenhalter besteht aus einem auf der Spindel festen und einem um dieselbe in gewissen Grenzen beweglichen Theil, welch letzterer die Bürste aufnimmt und dazu dient, die Bürsten vom Stromsammler abzuheben. Der Druck der Bürste gegen den Sammler wird durch eine regulir-bare Feder geregelt und die Bürste selbst wird durch eine Stellschraube in ihrer Stellung erhalten.

Die Bürsten bestehen bei den Motoren für 110 oder 220 Volt aus hart gezogenem Kupferdraht. Die sorgfältig gerichteten und genau auf Länge geschnittenen Drähte werden in der Breite der Bürste neben einander gelegt und an einem Ende auf etwa 25 mm Länge verlöthet. Je nach der Grösse der Maschine werden mehrere derartige Lagen auf einander gelegt und wieder zusammengelöthet, um eine Bürste zu geben.

Die Bürsten der Motoren für 500 Volt Spannung werden aus Kohle hergestellt und erhalten entweder eine lothrechte oder eine geneigte Lage, in welcher sie auf dem Stromsammler schleifen.

Die Motoren ein und derselben Klasse mit verschiedener Voltzahl unterscheiden sich von einander nur durch die Wickelung der Feldspulen und des Ankers; die übrigen Verhältnisse bleiben dieselben. Durch Hinzufügung einer Reihe von Spulen in gemischter Wickelung ist der Motor auch als Dynamo für Stromkreise mit gleichbleibendem Potential zu benutzen.

Die folgende Tabelle gibt die Eintheilung der Motoren der Thomson-Houston-Gesellschaft.




Klasse



Pferde-
stärken


Durchmesser der
Riemenscheibe in
Millimeter und
Riemenbreite

Riemen-
geschwin-
digkeit in
Meter für
1 Minute
Ange-
näherte Um-
fangsge-
schwindig-
keit des
Ankers in
Meter für
1 Minute



Gewicht des
Motors in
Kilo
2 1 102 25,4 734,55 710,00 65,77
3 1,5 102 25,4 710,00 670,55 136,08
6 3 127 51 798,55 609,59 217,72
10 5 152 76 862,56 548,36 317,51
15 7,5 203 102 1021,06 487,67 489,88
20 10 203 127 1021,06 487,67 618,71
30 15 254 152 1118,60 426,71 884,52
40 20 343 203 1402,10 396,23 1433,37
70 35 368 229 1354,53 356,61
90 45 394 254 1392,93 342,89 2880,36
120 60 432 279 1383,79 310,89 3197,88
150 75 483 305 1365,48 274,32 4535,90

35) Dr. Louis Duncan, an der John Hopkins-Universität, hat nach dem New Yorker Electrical Engineer, 1890 Bd. 10 * S. 362, einen bei geringem Gewichte und langsamem Laufe sehr leistungsfähigen vielpoligen Motor hergestellt, welcher in Fig. 68 zum Theil im Schnitt abgebildet ist. Der Anker C ist concentrisch zur Achse A; er steht fest und wird von aussen durch die Magnete B inducirt; er besteht aus einem, dem wohlbekannten Pacinotti-Ringe sehr ähnlichen Ringe c, der jedoch anders bewickelt ist, indem neben einander liegende Spulen (d und d1 in Fig. 70) nach entgegengesetzter Richtung gewickelt sind, wie Fig. 69 sehen lässt. Die Form der Magnete B zeigt Fig. 69 deutlich; dieselben bestehen aus einem auf der Achse A festgezogenen Mittelstücke und umfassen mit ihren Polstücken den Anker C. In Fig. 68 sind 28 Polvorsprünge vorhanden, 14 auf jeder Seite; die Vorsprünge auf der einen Seite liegen in den Zwischenräumen zwischen den Vorsprüngen auf der anderen Seite. Die Zahl der Vorsprünge ist stets um eine gerade Zahl kleiner als die Zahl der Spulen d, d1 (Fig. 70) des Ankers. In einem Motor mit 28 Polvorsprüngen z.B. beträgt die Spulenzahl des Ankers 30.

Die Bewickelung des Feldes ist in zwei Spulen abgetheilt, welche das Feld in gleichem Sinne magnetisiren. Der Stromsammler steht entweder (wie in Fig. 68) fest und dann werden die Bürstenhalter durch Zahnradübersetzung derart getrieben, dass sie während jeder Umdrehung der Magnete 14mal umlaufen; oder der Stromsammler läuft gleich schnell mit der Welle A um und besitzt 420 Abtheilungen, die in 28 Gruppen zu je 15 abgetheilt sind, also sind halb so viel Abtheilungen vorhanden, als sich aus der Multiplication der Polvorsprünge mit den Ankerspulen ergibt.

Die beiden umlaufenden Elektromagnete B sind warm auf die Welle aufgezogen und gleichen denen der Mordey'schen Wechselstrommaschine (1888 270 * 52. 114. 1891 279 |182| * 101) mit dem Unterschiede jedoch, dass bei diesem Motor die Polvorsprünge in beiden Elektromagneten um Zahnbreite versetzt sind.

Fliesst nun ein Strom durch den Motor, so werden alle Zähne des Ankers magnetisirt mit Ausnahme der beiden zwischen den Spulenpaaren, welche auf diametralen Punkten mit den Bürsten in Verbindung stehen.

Die magnetischen Zähne stehen nun den Polvorsprüngen der Feldmagnete gegenüber und nach 1/420 Umdrehung des Stromsammlers decken sie sich mit den folgenden Vorsprüngen, während gleichzeitig die Bürsten auf den angrenzenden Sammlerabtheilungen schleifen; es treten also bei jeder Umdrehung des Sammlers 28 Stromwechsel ein.

Vgl. Otis' elektrischer Aufzug 1891 279 * 163.

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