Titel: Bemerkenswerthe Hochbauausführungen aus Stampfbeton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 279/Miszelle 3 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj279/mi279mi04_3

Bemerkenswerthe Hochbauausführungen aus Stampfbeton.

Zu welcher Bedeutung die Stampfbeton-Arbeiten in der Neuzeit im Bauwesen gelangt sind, darüber liefert nach Nr. 2 der Deutschen Bauzeitung vom 7. Januar 1891 eine Ausführung einen Beweis, welche bei den Neuanlagen der Gera-Greizer Kammgarnspinnerei vorliegt.

Dieser Bau musste, um ihn der Gefährdung durch Hochwasser zu entziehen, durchschnittlich 1,60 m über Geländehöhe gelegt werden, so dass man genöthigt war, den Arbeitsboden entsprechend hoch aus Gewölben herzustellen. Im Hauptspinnsaal ruht dieser Boden auf 950 Pfeilern nebst 480 Gurtbögen und hat eine Fläche von rund 12000 qm. Die Spannweite ist 3,0 m, Pfeilhöhe 0,3 m, Stärke im Scheitel 0,15 m. Sämmtliche Theile des Arbeitsbodens sind aus Cementbeton hergestellt und ebenso die Gewölbe der eisernen Dachconstruction. Der Bedarf an Beton belief sich auf rund 6000 cbm. Insgesammt wurden in dem verflossenen Baujahr rund 14000 qm Erdgeschossgewölbe und rund 17200 qm Dachgewölbe nach diesen Constructionen ausgeführt.

Die Herstellung des Betons geschah mittels Betonmaschine, wodurch es möglich war, die Ausführungen in der kurzen Zeit von nur vier Monaten zu bewirken.

Textabbildung Bd. 279, S. 96

Eine zweite Ausführung in Cementbeton liegt bei den neuen umfangreichen Kelleranlagen des bürgerlichen Brauhauses in Hamburg vor (s. Fig.). Die zwischen Mauerbögen ausgeführten Gewölbe von 6,30 m Spannweite haben nur 0,14 m Stärke und sind aus der Mischung von 9 Th. Kies zu 2 Th. Cement (Alsener Portland) zur Ausführung gekommen, und zwar ohne Moniereinlage. Mehrere einseitige Probebelastungen bis zu 9000 k auf 1 qm (vierfache Sicherheit) liessen die Gewölbe vollständig unversehrt. Dieselben sind von 2½ zu 2½ m mit starken Verankerungen versehen, welche vollständig einbetonirt sind, sodass die Unteransichten ganz frei blieben.

Die Vortheile dieser Anlagen aus Stampfbeton bestehen: in der Vermeidung von Eisenträgern, in Gewinn an Constructionshöhe, unmittelbarer Befestigung der Hängeeisen für die Kühlanlage, endlich in Raschheit der Fertigstellung. Die hier in Rede befindlichen fünf Kellergewölbe von je 142 qm Ausdehnung sind innerhalb zehn Tagen angefertigt worden.

Beide Anlagen sind von der Firma J. Diss in Düsseldorf ausgeführt.

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