Titel: Neues über die Druckluft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 25–32)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281012

Neues über die Druckluft.

(Fortsetzung des Berichtes S. 7 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Seither wurden die kleineren rotirenden Motoren von 1 und darunter mit wesentlichen Verbesserungen und selbsthätiger Regulirung der Expansion, die an jedem bestehenden Motor angebracht werden kann, ausgeführt. Der Einfluss dieser Verbesserungen ergibt sich aus den in Tabelle VII aus grösseren Versuchsreihen angegebenen Resultaten. Demnach arbeiten selbst die alten Rotationsmotoren, ohne jede Expansion, mit wesentlich geringerem Luftverbrauch, als seiner Zeit die Radinger'schen Versuche für viel grössere Maschinen ergaben.

Die Rotationsmotoren mit selbsthätiger Expansionsregulirung erreichen ohne Vorwärmung bei Betrieb für Kaltluft 30 cbm Luftverbrauch für die gebremste Stunden-; mit geringer Vorwärmung, um etwa 50°, einen Luftverbrauch von 24 cbm für 1 Brems-.

Der gesammte Wirkungsgrad, der gegenwärtig mit diesen einfachen Kleinmotoren, bei Vorwärmung um 50°, erzielt werden kann, beträgt bis zu 43 Proc.

Tabelle VIII.

Kleinmotoren mit Kurbelbetrieb. (Nach Gutermuth.)


Um-
drehungen
in der
Minute

Brems-
leistung

Lufttemperatur
an der Maschine
Luftverbraucht
für 1 Brems-HP und
Stunde

Eintritt

Austritt
ohne Vorw.
cbm
mit Vorw.
cbm
Maschinen mit Kurbelbetrieb
2pferdige Maschine „Tangye“ 242 3,77 25° – 37° 33,6
„ „ „ 229 3,56 150° 27,2
„ „ „Journaux“ 169 2,1 10° 34,1
„ „ „ 148 2,27 150° 19,7
1 pferdige „ „Journaux“ 283 1,035 150° 34° 24,2
„ „ „Boulet“ 149 4,1 165° 18° 23,13

Tabelle IX.

Luftverbrauch für eine alte 80pferdige Farcot-Maschine.


Um-
drehungen
minutlich

Indicirte
Leistung
Lufttemperatur
an der Maschine
Luftverbrauch in der
Stunde

Eintritt

Austritt
für
1 Dampf-HP
cbm
für
1 Brems-HP
cbm

Eincylindrige 80 pferdekräftige
Farcot-Maschine
54,3
54,3
54,0
40
72,3
72,3
72,3
65,0
129
152
160
170
21
29
35
49
13,29
12,38
12,02
12,41
14,45
13,45
13,16
13,50

Zu Tabelle VIII ist zu bemerken, dass die untersuchten 1- bis 2pferdigen Maschinen, alte, als Marktware hergestellte Dampfmaschinen, sehr mittelmässiger Ausführung waren. Der Leergangs widerstand war ein sehr grosser. So z.B. ergab die untersuchte 2pferdige Journaux-Maschine je nach Betriebsart nur 65 bis 75 Proc. mechanischen Wirkungsgrad, also ungewöhnlichen Kraftverlust. Trotzdem sind die Ergebnisse günstiger als mit der von Radinger untersuchten 10pferdigen Maschine.

Bei guter Ausführung wurde bei besseren Luftmaschinen ein mechanischer Wirkungsgrad von 90 bis 92 Proc. nachgewiesen; selbst eine alte 80pferdige Farcot-Dampfmaschine hat als Luftmaschine einen mechanischen Wirkungsgrad von 91 Proc. ergeben. (Tab. IX.)

Es arbeiten somit die kleinsten Motoren unter 1 bei sehr geringer Vorwärmung, um etwa 50°, mit fast 50 Proc. Gesammtwirkungsgrad, während andererseits grössere mangelhafte Motoren, wie die als Beispiel hervorgehobene alte Farcot-Dampfmaschine mit massiger Vorwärmung mit einem Gesammtwirkungsgrad von mindestens 80 Proc. arbeiten.

Die Aufspeicherung von Druckluft war ursprünglich in Paris in grossem Maassstabe geplant und zwar durch einen unterirdischen grossen Behälter. Die Ausführung ist unterblieben, weil die Erfahrung lehrte, dass selbst nach Ingangsetzung der Neuanlage der 2000pferdigen Cockerill-Maschinen, ohne eigene Luftbehälter, die Aufspeicherung der Druckluft in der städtischen Leitung selbst für den Betrieb vollkommen ausreicht. Die Luftbehälter in der Centralstation dienen überwiegend nur für die Entwässerung der Luft, nicht für deren Aufspeicherung. Gegenwärtig ist die Frage der Kraftaufspeicherung in Paris noch weniger wichtig, weil seither fast das ganze neue Rohrnetz für die 10000pferdige neue Centralanlage fertiggestellt ist und dieses Rohrnetz, bei 500 mm Lichtweite, einen so grossen Luftvorrath bietet, dass alle Betriebsschwankungen ausgeglichen werden können.

Die neue Rohrleitung für die 10000pferdige Centralanlage wird als Erdleitung hergestellt. Es ist unmöglich, in die Pariser Abzugskanäle Röhren von so grossem Durchmesser überhaupt unterzubringen. Die Mehrzahl der bestehenden Abzugskanäle ist durch Rohrpost, Telephon- und Telegraphenleitungen und Abzweigungen der Wasserleitung vollständig in Anspruch genommen. Die Annahme ist überhaupt irrig, dass durch die Rohrverlegung in den Abzugskanälen wesentliche Vortheile für den Unternehmer erzielt werden. Der Vortheil besteht fast ausschliesslich |26| in dem, für den städtischen Verkehr störungsfreien Legen der Rohre. Für den Unternehmer bietet diese Art Rohrverlegung keine wesentlichen Vortheile. Es muss berücksichtigt werden, dass die Abzugskanäle keineswegs regelmässig sind, dass die Rohrleitung bei sehr beschränktem Raum gezwungen ist, allen Gefällsbrüchen, Krümmungen und den oft sehr schwierigen örtlichen Verhältnissen zu folgen und mit zahlreichen Krümmungen bestehenden Rohrleitungen auszuweichen.

Verluste in der Fernleitung treten bei jeder Kraftübertragung in doppelter Hinsicht auf: Erstens durch Undichtheit, das ist unmittelbaren Verlust an motorischem Kraftmittel, und zweitens durch Widerstand in der Leitung und demselben entsprechenden Spannungsverlust. Dies gilt für jede Art von Fernleitung, so z.B. bei Dampfleitungen ist der erstere unmittelbare Verlust der Wärmeverlust, durch Strahlung und Undichtheit; der Widerstand in der Rohrleitung hat den Spannungsverlust zur Folge.

Die Pariser Druckluftleitung hat sich bei wiederholten Beobachtungen als praktisch dicht erwiesen; absolute Dichtheit gibt es nicht, aber die Verluste sind unwesentlich. Wiederholte Untersuchungen von längeren Theilstrecken haben dies nachgewiesen. Neue Leitungen waren unbedingt dicht und ältere Leitungen fast dicht.

Um aber auch über die Dichtheit des gesammten Rohrnetzes mit allen ihren Abzweigungen ein richtiges Urtheil zu gewinnen, haben Riedler und Gutermuth eine Reihe von umfassenden Versuchen durchgeführt. (Tab. X.)

Für diese Versuche wurden unter anderen benutzt die 300 mm Hauptleitungen:

Centralstation St. Fargeau, südliche Leitung, bis Place de la Concorde 9,142 km (3 Versuche);

gesammte städtische Leitung 16,5 km (3 Versuche);

Centralstation St. Fargeau, nördliche Leitung, bis Rue de Belleville 1,4 km;

Centralstation St. Fargeau, nördliche Leitung, bis Rue des Pyrénées 6,5 km.

Die Angaben sind: der Luftverlust mit allen Abzweigungen, einschliesslich undichter schlechter Rohrstrecken in der Rue de Belleville (welche mit alten Rohrdichtungen versehen ist), deren Undichtheit bekannt war, und einschliesslich der über 10 Jahre alten Rohrleitung, welche von der früheren Centralstation, in der Rue St. Anne abzweigt und einschliesslich des Luftverbrauches in denjenigen Anlagen, welche während der Versuche nicht abgestellt werden konnten oder deren Betrieb und Verbrauch nicht bekannt war.

Der wirkliche Verlust für die eigentliche currente Rohrleitung ist ein ganz verschwindender.

Dieses günstige Ergebniss ist in erster Linie zurückzuführen auf die sehr zweckmässige, in Paris durchgeführte elastische Rohrverbindung. Die Verbindung ist genügend sicher, dabei aber so weit nachgiebig, dass Verschiebungen der Rohrleitung keine Störung bewirken können. Nur die Theilstrecke in der Rue de Belleville ist nicht mit dieser Dichtung ausgeführt, und diese ist es, welche fortlaufend zu Undichtheiten Anlass gab und gegenwärtig verlegt und mit der bewährten Dichtung versehen wird.

Die angegebenen Verluste sind Maximalwerthe, welche nur zur Zeit der höchsten Spannung eintreten.

Die wichtigste Frage der Fernleitung betrifft den Widerstand der Leitung.

Für die Bestimmung des Widerstandes in den Luftleitungen wurden vielfach ältere Angaben, selbst die von Weissbach herangezogen. Letztere haben aber hierfür nicht die geringste Gültigkeit. Weissbach hat überhaupt keine Versuche über den Widerstand von Luftleitungen durchgeführt. Seine Versuche beziehen sich nur auf die Ausströmung von Luft und wurden nur mit Rohrstücken von einigen Centimetern Durchmesser und einigen Metern Länge durchgeführt. Aus diesen Weissbach'schen Versuchen irgend welche Schlussfolgerungen über den Widerstand langer Rohrleitungen zu ziehen, ist eine Verkennung der Versuche selbst. Einigermassen brauchbare Versuche in dieser Hinsicht wurden bisher, aber in unzureichender Art und Ausdehnung, von Stokalper, an der Luftleitung am St. Gotthard und von Devillez auf Levant du Flenu durchgeführt. Bei Stokalper ist die Zahl der Versuche zu gering, um zuverlässige Schlussfolgerungen aus denselben zu ziehen, und Devillez musste bei veränderlicher Spannung des Luftstromes in der Leitung beobachten. Die genauen und ausführlichen Versuche Arson's kommen ebenfalls ausser Betracht, da sie mit viel zu geringer Pressung ausgeführt wurden. Die Beobachtungen der Pariser Druckluftleitung machten schon früher wahrscheinlich, dass die Druckverluste wesentlich geringer sein müssen, als sie Stockalper und Devillez angeben. Zur Richtigstellung blieb nichts

Tabelle X.

Versuche über Dichtheit der gesammten städtischen Leitung.



Nr.

Untersuchte Strecke
Pressung in der
Leitung

Spannungsabfall
Luftverlust
in cbm


Bemerkungen

Länge
m

am
Anfang

am
Ende
währ.
des Ver-
suchs

in einer
Stunde

stünd-
lich
in Proc.
der Luft-
erzeug.
des Versuchs




I




Südliche Leitung
Usine-Concorde




9142




6,5




6,0




0,5




1,5




970




3
Während der Versuche I
und II und IV bestanden
bedeutende Undichtheiten
in St. Fargeau und in der
Rue Belleville.
Bei den Versuchen II,
sowie IV ist der grössere
Verlust durch den Luft-
verbrauch der pneuma-
tischen Uhren und son-
stigen nicht abgestellten
Betriebe bedingt.
II Ganze städtische
Leitung
17160 6,9 5,9 1,0 1,5 1900 6,3 II und IV einschliesslich
Abzweigungen.
III Usine-Pl. d. l. Conc. 9142 7,0 6,43 0,57 0,75 368 2,16 Als Lufterzeugung sind
gleichmässig 30000 cbm in
1 Stunde angenommen.
IV Ganze städtische
Leitung
17160 6,7 5,82 0,88 1,32 1669 5,5
V Nördl. Leitung Usine-
Rue de Bellevile
1400 6,0 5,0 1,0 0,6 59,4 2,3 In allen Fällen ist Luft-
verlust in Procenten der
Lufterzeugung auf ganze
Leitungslänge bezogen.
VI Usine I-Rue des
Pyrénées
550 6,1 3,7 2,4 0,56 22,15 2,2
|27|

Anderes übrig, als sehr ausgedehnte genaue Versuche mit der Pariser Leitung vorzunehmen und diese sind durch Gutermuth und Riedler in einem Umfange, wie nie bisher, durchgeführt worden. Die Pariser Verwaltung ermöglichte es, diese Versuche zu bestimmten Nachtzeiten und Sonntags mit einem grossen Theil und schliesslich mit dem gesammten Rohrnetz und wiederholt vorzunehmen, so dass die gewonnenen Resultate frei von zufälligen Beobachtungsfehlern sein dürften.

Die Vorversuche ergaben zunächst Aufklärung, dass einzelne Theile der Rohrleitung ungewöhnlichen Widerstand verursachen und zwar Theile, welche nicht zur eigentlichen laufenden Rohrleitung gehören. Die Pariser Hauptleitung ist auf dem 16,5 km langen Hauptstrang mit eingeschalteten grossen Entwässerungsbehältern und mit einer sehr grossen Zahl Entwässerungsvorrichtungen (Siphons) und zahlreichen Absperrschiebern versehen. Die Vorversuche ergaben übereinstimmend, dass die erwähnten grossen Entwässerungsbehälter wegen plötzlicher Geschwindigkeits- und Richtungsänderungen einen ungewöhnlichen, hohen Widerstand verursachen.

Dies gab Veranlassung, diese Behälter einzeln und dann die einzelnen Rohrstrecken zwischen den Behältern getrennt zu untersuchen. Auszug aus den diesbezüglichen Gutermuth'schen Versuchen ist in folgender Tabelle XI enthalten.

Tabelle XI.

Spannungsverluste durch einen Entwässerungsbehälter.

Luftspannung
Spannungs-
abfall
Secundliche
mittlere Luft-
geschwindigkeit
vor hinter
dem Behälter
6,316 6,250 0,066 5,97
6,283 6,216 0,067 5,80
4,880 4,710 0,170 8,70
6,480 6,330 0,150 7,40
6,13 6,06 0,07 5,58

Die Versuche zeigen, dass der Spannungsverlust durch einen einzigen Behälter, bei Ueberschreitung von 7 m Luftgeschwindigkeit, schon 0,15 at Druckverlust, bei 9 m Geschwindigkeit fast 0,2 at Druckverlust verursacht. Fünf solcher Behälter würden demnach schon 1 at Druckverlust veranlassen. Es ist deshalb zu beachten, dass der Widerstand dieser Behälter in den folgenden Versuchen theils inbegriffen, theils ausgeschlossen ist, so wie näher angegeben. Als eigentlicher Leitungswiderstand darf dieser Verlust nicht angesehen werden, da die Entwässerung durch andere Einrichtungen ohne grossen Widerstand möglich ist. So z.B. haben die in der Hauptleitung eingeschalteten 23 Entwässerungssiphons einzeln keinen erheblichen Widerstand nachweisen lassen. Der Widerstand aller 23 Siphons ist in den folgenden Angaben über die Gesammtleitung einbegriffen.

Zahl und Ort der bisher von Gutermuth durchgeführten Leitungsversuche zeigt Tabelle XII.

Die Versuche mit der gesammten städtischen Leitung wurden derart durchgeführt, dass bei eingestelltem städtischen Betrieb (Sonntags oder Montags früh Morgens) alle Luft von der Centralstation in der Rue St. Fargeau, durch die südliche Rohrleitung hindurch, bis zur Madeleine und durch die nördliche Rohrleitung wieder zurück in die genannte Centralstation gedrückt und dort ausgeblasen wurde. Die Länge der so untersuchten Leitung betrug 16,5 km.

Hierzu ist zu bemerken, dass in die untersuchte 16,5 km lange Rohrleitung eingeschaltet sind: 4 Entwässerungsbehälter mit grossem Widerstand, 23 Entwässerungsapparate (Siphons), 42 Absperrschieber. Die Widerstände dieser Apparate sind in den Leitungswiderständen einbegriffen.

Tabelle XII.

Zahl der Versuche mit einzelnen Leitungsstrecken zur Ermittelung des Leitungswiderstandes.

Untersuchte Leitungsstrecke
Zähl der
Versuche
Länge
m
Ganze Länge von Centrale St. Fargeau
nach der Stadt und wieder zurück
zur Centrale


16502


7
Centrale-Rue Font. au Roi 13162 3
„ -Rue d. l. Charonne 12098 4
Place d. l. Conc. – Centr. St. Farg. 9142 5
Rue d. l. Charonne – Rue Font, au Roi 8759 3
„ „ „ „ – Centr. St. Farg. 4403 8
Centrale-Rue Fontaine au Roi 3340 3
Centrale St. Fargeau-Avenue de la
République

1715

2
Einzelversuche mit Strecken ver-
schiedener Länge

716–7360

11

Als praktisches Ergebniss ist aus den Versuchen hervorzuheben, dass z.B. die Leitungsstrecke St. Fargeau-Fontaine au Roi, in welcher Strecke keine Wasserbehälter vorkommen, wohl aber 3 Siphons und 8 Absperrschieber, bei einer mittleren Luftgeschwindigkeit von 6½ m ergeben hat: einen Druckverlust von 0,05 at für jedes Kilometer Leitungslänge.

Es würde somit für die Luftgeschwindigkeit von 6½ m der Spannungsverlust von 1 at einer Leitungslänge von 20 km entsprechen bezieh. ein Versorgungsgebiet von 20 km Radius zulassen.

Weiter ist als praktisches Ergebniss aus den Versuchsreihen der Untersuchung der gesammten Pariser Luftleitung zu erwähnen, dass bei 16,5 km untersuchter Leitungslänge, bei 6 m mittlerer Luftgeschwindigkeit, der Druckverlust 0,07 at für jedes Kilometer Leitungslänge betrug. Es folgt daraus, dass selbst einschliesslich der Widerstände der in der ganzen Pariser Leitung liegenden: 42 Schieber, 23 Siphons und 4 Entwässerungsbehälter u.s.w., welche zur currenten Fernleitung nicht gehören, der Leitungsverlust ein so geringer ist, dass 1 at gesammter Druckverlust ein Versorgungsgebiet von 14 km Radius zulässt, um an der äussersten Grenze dieses Versorgungsgebietes den früher angegebenen Luftverbrauch und Wirkungsgrad der Luftmaschinen zu erhalten.

Weiter ist zu erwägen, dass es keineswegs erwiesen ist, dass mit zunehmender Dichte der Luft die Widerstünde proportional wachsen; die bisherigen Versuche in Paris lassen vermuthen, dass der Widerstand mit der Dichte innerhalb der untersuchten 4 at Spannungsunterschied nicht zunimmt; auch die Stokalper'schen Versuchszahlen zeigen dasselbe.

Soll der Fernbetrieb mit geringen Anlagekosten für die Rohrleitung durchgeführt werden, dann ist für die Fernleitung hochgespannte Druckluft zu verwenden. Langjährige Erfahrungen in der Erzeugung der Druckluft von 30 bis 50, selbst über 100 at Spannung liegen vor, die Erhöhung des Luftdruckes auf höhere Spannung erfordert nur einen verhältnissmässig geringen Arbeitsaufwand. Beispielsweise wenn Druckluft von 10 at auf 30 at verdichtet |28| werden soll, so ist hierfür nur 30 Proc. der gesammten Arbeit erforderlich.

Dieser geringe Arbeitsaufwand gestattet, Druckluft von höherer Spannung, d.h. von geringem Volumen für Fernleitungen zu erzeugen, auf grosse Entfernungen fortzuleiten, mit einem Druckverlust, der geringer ist, als bei irgend einer anderen Kraftübertragung.

Im Anschluss an diese allgemeinen Erwägungen seien einige neue constructive Vorschläge für den Bau von Luftmaschinen mitgetheilt.

Die in D. p. J. 1890 278 * 341 besprochene Gasdruckluftmaschine von Pröll und Kummer ist nunmehr auch patentirt (* D. R. P. Nr. 54979 vom 19. Juni 1890).

Textabbildung Bd. 281, S. 28
Eine andere Anordnung einer Gasdruckluftmaschine nach der Construction von Dr. Pröll, O. L. Kummer und Co. und E. Fischinger in Dresden (* D. R. P. Nr. 55690 vom 4. Mai 1890) ist in Fig. 1 dargestellt.

Es ist A der Cylinder einer Gasmaschine, B der Cylinder einer Luftmaschine, welche in irgend einer Weise gesteuert wird. Die Druckluft gelangt aus der Rohrleitung zuvörderst in den Mantel C der Gasmaschine, nimmt unter gleichzeitiger Kühlung des Cylinders die Wärme des letzteren auf und gelangt, durch die Steuerung s vertheilt, in den Cylinder B, in demselben durch Expansion wirkend.

Wenn der Kolben sich in der Richtung des eingezeichneten Pfeiles bewegt und die Druckluft sich bei der Expansion stark abkühlt, so erfolgt ein Wärmeübergang von dem heissen Kolben des Gascylinders auf die expandirende Luft, wodurch eine zusätzliche Verwandlung von Wärme in Arbeit entsteht und gleichzeitig der Kolben entsprechend gekühlt wird.

Inzwischen erfolgt durch das geöffnete Ventil v ein Uebertritt der Explosionsrückstände nach dem Luftcylinder, wobei auch auf der anderen Seite des Kolbens die Luft während der Expansion Wärme zugeführt erhält. Wegen des Ausgleiches des Druckes wirkt die Luft hier nur mit der Differenz der Kolbenflächen.

Wegen der beträchtlichen Metallmassen, in denen sich die Wärme aufspeichern kann, ist es gleichgültig, ob die Gasmaschine im Vier- oder Zweitact arbeitet.

Der Process wird principiell keine Störung erleiden, auch wenn nur bei jeder zweiten Kurbelumdrehung eine Explosion bezieh. ein Uebertritt der Verbrennungsproducte nach dem Luftcylinder erfolgt.

Die Construction kann noch in folgender Weise verändert werden. Eine von der Maschine getriebene Gaspumpe comprimirt das Gas auf den Druck der Druckluft. Das comprimirte Gas mischt sich mit Druckluft in einem bestimmten Verhältniss und gelangt dann das Gemisch beim Beginn des neuen Kolbenhubes durch einen elektrischen Funken zur Entzündung. In Folge des ursprünglichen hohen Druckes, in welchem sich das Gemisch befand, wird ein höherer Explosionsdruck entstehen, der im Zusammenhange mit der darauf folgenden Expansion ein Diagramm gibt, welches über demjenigen der Druckluft liegt, in ähnlicher Weise wie das Diagramm des Hochdruckcylinders einer Verbundmaschine über dem Diagramm des Niederdruckcylinders. Der Abstoss der Verbrennungsproducte des Gascylinders nach dem Luftcylinder geschieht dann noch unter Ueberdruck, welcher dem Arbeitsprocess der Luftmaschine zu gute kommt.

Der Wärmeaustausch würde in derselben Weise wie früher erfolgen.

Die zum Betriebe eines Druckluftmotors erforderliche Vorwärmung der Druckluft kann durch einen Vorwärmeofen erfolgen. Bei grösseren Leistungen nehmen aber die Vorwärmer den Umfang und die Kosten von Dampfkesseln an, die dann auch einer besonderen Wartung bedürfen, abgesehen von dem erforderlichen Schornstein und den baulichen Anlagen.

Die Combination der Gasmaschine mit der Luftmaschine verlegt die erforderliche Vorwärmung der Druckluft in die Maschine, in der die Wärmebildung entsprechend dem Aufwände an Druckluft und der zu leistenden Arbeit selbsthätig vor sich geht.

Man kann die wechselweise Einwirkung der Fluida auch in der Weise eintreten lassen, dass man die Druckluft durch die Explosionsproducte der Gasmaschine vorwärmt und die Kälte der expandirten Druckluft zur Kühlung des Gascylinders benutzt.

Textabbildung Bd. 281, S. 28
Bei der in Fig. 2 dargestellten Maschine von A. Schmid und J. C. Beckfeld in Alleghany, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 54720 vom 18. Februar 1890), soll die Maschine während ihrer Arbeit selbst wieder eine gewisse Luftmenge nutzbar verdichten und die hierbei frei werdende Wärme entweder auf diejenigen Theile der Maschine einwirken lassen, welche bei der Expansion der Luft der Abkühlung am meisten unterworfen sind, oder diese Wärme zum Anwärmen der Luft auf ihrem Wege nach den Arbeitscylindern nutzbar machen.

Als Beispiel der Ausführung ist eine Verbundmaschine dargestellt, bei welcher zur Vereinfachung der Ausführung, wie zur Vermeidung eines Kraftverlustes und um die Wärme theilweise unmittelbar in dem Arbeitscylinder nutzbar zu machen, der Niederdruckcylinder und Kolben |29| derselben derart ausgebildet sind, dass letzterer bei jedem Ausschub eine gewisse, zuvor aufgesaugte Luftmenge in einem besonderen Raum verdichtet und bei jedem darauf folgenden Hub (Einschub) mit der Luft gleichzeitig einen feinen Wasserregen aufsaugt, welcher in Folge der sodann bei der Verdichtung frei werdenden Wärme verdampft und dadurch einen Kraftüberschuss hervorbringt.

Die Kolben B und D des Hochdruckcylinders A und Niederdruckcylinders C sind durch Pleuelstangen gelenkartig und unmittelbar mit den gegen einander um 180° versetzten Kurbeln A1 A1 der wagerechten Welle B1 verbunden, welche an ihrem einen freien Ende das Schwungrad G2 und ein den Schieber F durch Vermittelung eines Winkelhebels D1 bethätigendes Excenter E1 trägt.

Der gleichzeitig den Luftzutritt in den Hochdruckcylinder A, die Vertheilung der Luft zu dem Niederdruckcylinder C und endlich den Austritt der expandirten Luft regulirende Kolbenschieber F ist oberhalb der Cylinder A und C in dem Schieberkasten F1 geführt; welcher mit entsprechenden Kanälen versehen und mit einem Mantel G umgeben ist.

In der entsprechenden Stellung des Schiebers F tritt die Luft aus dem Rohre E durch den Schlitz h, die mittlere Aussparung des Schiebers F und den Kanal i bei einem der Länge des Schlitzes h entsprechenden Füllungsgrad in den Hochdruckcylinder A, expandirt in demselben bis zu der gezeichneten mittleren Schieberstellung und wirkt dann bei weiterer Expansion, indem sie jetzt durch den Kanal i, die Schieberaussparung und den Kanal h treten kann, auf den Niederdruckkolben D, bis sie endlich während der Aufwärtsbewegung des Kolbens D durch den Kanal n, die Schieberaussparung, die Schlitze o im Schieberkasten und das Ausblaserohr P ausströmt, worauf derselbe Vorgang von neuem beginnt.

Der Kolben D im Niederdruckcylinder ist ein Doppel- oder Differentialkolben, dessen unterer Theil H von geringerem Durchmesser sich in einem zweiten, in den Cylinder C eingesetzten engeren Cylinder J während seiner ganzen Bewegung schliessend führt. Auf diese Weise entsteht zwischen den beiden Cylindern der ringförmige Compressionsraum J, welcher durch einen Kanal K und ein Ventil b mit der Aussenluft und ein Rückschlagventil L und Rohr M mit der Schieberkastenummantelung N und von dieser aus durch eine Zweigleitung O mit der Hauptleitung E der Pressluft verbunden ist.

Unter das Ventil b mündet ein enges, von der Hauptleitung E ausgehendes Rohr f, an welchem in der Nähe seiner Mündung ein kurzer, in einen Wasserbehälter c tauchender Rohrstutzen g derart angebracht ist, dass die durchströmende Luft das in dem Rohrstutzen g aufsteigende, durch einen Zufluss d und Ueberlauf e auf constantem Niveau erhaltene Wasser mitreisst und fein zerstäubt gegen das Ventil b bläst.

Bei der Aufwärtsbewegung des Kolbens D saugt derselbe durch das Ventil b das fein zerstäubte Wasser mit Luft vermengt an, um die letztere bei seiner Abwärtsbewegung in dem ringförmigen Raum J zu verdichten, wobei das Wasser in seiner feinen Vertheilung durch die frei werdende Wärme, wie erwähnt, verdampft, das Gemenge von verdichteter Luft und Wasserdampf durch das Rückschlagventil L und das Rohr M in die Ummantelung N und von dieser durch das Rohr O in die Hauptleitung E gedrückt wird, um es dann zum Betrieb der Maschine wieder nutzbar zu machen. Die Luft tritt hierdurch bereits entsprechend angewärmt in die Maschine, in welcher alsdann die Expansion der Wasserdämpfe zur Arbeitsleistung benutzt wird. Die Dämpfe halten einen grossen Theil der Wärme zurück, welche bei ausschliesslicher Anwendung der verdichteten Luft durch Strahlung verloren ginge, und verhindern überdies vermöge ihrer freien und gebundenen Wärme eine zu starke Abkühlung des Schiebers und Schiebergehäuses durch die bei der Expansion frei werdende Kälte.

Die Verhältnisse der Cylinder C und J müssen selbstredend so gewählt werden, dass die zur Verdichtung erforderliche Kraft ein gewisses Maass nicht übersteigt. Die Welle B1 kann in einem geschlossenen, theilweise mit Wasser und Oel angefüllten Behälter G1 gelagert sein, welcher gleichzeitig die Cylinder A und C trägt, so dass diese durch das von den Kurbeln aufgeworfene Wasser reichlich geschmiert werden.

Textabbildung Bd. 281, S. 29
Bei der in Fig. 3 theilweise dargestellten Druckluftmaschine von J. Alexander in Bromberg (* D. R. P. Nr. 54934 vom 19. Juli 1890) wird ein Doppelkolben in einem durch Scheidewand abgetheilten Cylinder verwendet, wobei die Verbindungsstange des Doppelkolbens diese Scheidewand durchdringt und zur Aufnahme der Zu- und Abführkanäle für die Druckluft bezieh. Druckflüssigkeit dient, während andererseits die Scheidewand zur Aufnahme der Ab- bezieh. Zuführkanäle für das motorische Fluidum dient. Es ist durch diese Anordnung ein sehr einfacher Motor ohne jegliche Ventile oder sonstige umständliche Abschlussorgane, Schieber u.s.w. erzielt und die denkbar einfachste Anordnung geschaffen, welche nie zu Betriebsstörungen Veranlassung geben kann.

Der Motor besteht aus einem Gehäuse c, welches entweder aus Rothguss, Gusseisen oder sonstigem passenden Material hergestellt werden kann, und besitzt die Scheidewand b, welche die Verbindungsstange s der Kolben k1 k2 aufnimmt, welche in dem cylindrischen Raum p1 p2 des Gehäuses c sich hin und her bewegen. Die Kolben können in bekannter Weise für grössere Ausführungen durch federnde Einlagringe abgedichtet werden. Die Abdichtung der Verbindungsstange s kann ebenfalls in der im Maschinenbau üblichen Weise entweder durch Einschleifen oder durch besondere Dichtungsringe erfolgen.

Die Scheidewand des Cylinders enthält Durchbohrungen und Kanäle, welche den Ein- und Austritt der Druckflüssigkeit bezieh. der Druckgase oder Druckluft automatisch regeln, e ist der Einlasskanal, welcher in der Stellung Fig. 3 die Druckluft durch die Kanäle 1, 2 und 3 der Verbindungsstange s in den Raum p1 führt, in welchem sie treibend auf den Kolben k1 wirkt. Nach der entsprechenden Vorbewegung des Kolbens schliesst der Kanal 1 |30| gegen e ab und es findet nun Expansion im Cylinder p1 statt, bis gegen Ende des Hubes der Kanal 1 mit dem in der Scheidewand b angeordneten Austrittskanal a1 in Verbindung tritt. Es erfolgt dann der Auspuff, bis durch die Rückbewegung der Abschluss und die Oeffnung in entgegengesetzter Reihenfolge wieder eintreten. Auf der anderen Seite der Maschine ist die Wirkung durch die Anordnung der Kanäle a2, 4, 5 und 6 auf dem Cylinderraum p2 die gleiche.

Fig. 4 zeigt zwei Querschnitte durch die Maschine.

Es ist in der Zeichnung der Cylinder c an beiden Enden offen gezeichnet und kann an einem der Kolben eine Pleuelstange zur Uebertragung auf die Schwungradwelle angebracht werden. Andererseits kann der Motor direct als Pumpe Verwendung finden, derart, dass der Cylinder c endseitig geschlossen und zum Einlass und zur Abführung des Saug- bezieh. Druckwassers eingerichtet wird. Man würde dann durch endseitige Schliessung beider Cylinder eine doppelt und direct wirkende Pumpe erhalten.

Ebenso kann man den Motor weiter in der Weise ausbilden, dass man an den einen der Kolben die Pleuelstange angreifen lässt und das andere Ende des Cylinders schliesst, wobei die an den Innenseiten der Kolben p1 p2 expandirte Druckluft oder der Dampf in den geschlossenen Aussenraum übertritt und auf die grössere Aussenfläche des Kolbens nochmals bei weiterer Expansion des Dampfes oder der Luft wirkt. Man kann in dieser Weise Maschinen mit mehrfacher Expansion herstellen, wobei man durch Verlängerung der Kolbenstange die beispielsweise in dem Raum p2 gewirkthabende Druckluft durch die hohle Kolbenstange nach der Aussenseite des Kolbens k2 und unter Anbringung entsprechender Kanäle führen kann, eine Sache, welche eine reine Constructionssache sein würde.

Heizapparat für Druckluftmaschinen der Internationalen Druckluft- und Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin (* D. R. P. Nr. 54978 vom 29. Mai 1890).

Um Druckluftmotoren mit Luft von höherer Spannung arbeiten zu lassen und der Druckluft eine möglichst grosse Menge von Energie in Form von Warme zuführen zu können, erscheint es von Vortheil, die Expansion in zwei oder mehreren Cylindern nach einander sich vollziehen zu lassen. Man kann dann der Luft vor ihrem Eintritt in jeden Cylinder eine verhältnissmässig grosse Wärmemenge zuführen, ohne befürchten zu müssen, durch hohe Temperaturen der Maschine Nachtheile zuzufügen, wie dieses der Fall sein würde, wenn man der Druckluft vor ihrem Eintritte in die Maschine die gesammte Wärmemenge auf einmal zuführte, abgesehen davon, dass die starke Temperaturerniedrigung an und für sich directe Wärme-Verluste im Gefolge haben würde.

Es ist auch ohne weiteres ersichtlich, dass es zur Erzielung der jeweiligen günstigsten Arbeitsleistung eines mehrcylindrigen Motors bei verschiedenen Beanspruchungen desselben erforderlich ist, die der Druckluft vor ihrem Eintritt in die einzelnen Cylinder zuzuführenden Wärmemengen sowohl bezüglich ihres Verhältnisses zu einander, als auch in Bezug auf ihre Gesammtmenge je nach Bedarf ändern zu können.

Der beabsichtigte Zweck wird nach vorliegendem Verfahren mittels zusammengesetzter Vorwärmeöfen entweder ganz oder theilweise erreicht durch Aenderung des Verhältnisses der Heizflächen der betreffenden Heizkörper oder durch Aenderung des Mengenverhältnisses der Heizgase, welche für die einzelnen Heizkörper bestimmt sind, oder durch gleichzeitige Aenderung beider Verhältnisse.

Für den zu verfolgenden Zweck ist es gleichgültig, ob der Motor als Verbundmaschine mit versetzten Kurbeln oder als Woolf'sche Maschine oder einfach oder doppelt wirkend ausgeführt wird.

Textabbildung Bd. 281, S. 30
Fig. 5 zeigt schematisch die Anordnung eines zweicylindrigen Motors mit getrennter Vorwärmung der Druckluft vor ihrem Eintritt in die Cylinder, Fig. 6 und 7 in Seitenansicht und senkrechtem Schnitt bezieh. in Oberansicht und in wagerechtem Schnitt einen zusammengesetzten Vorwärmofen und Fig. 8 eine Abart des Ofens. Man kann entweder zwei von einander getrennte Vorwärmeöfen A verwenden oder die Vorwärmung in einem einzigen zusammengesetzten Ofen B vor sich gehen lassen. Die letztere Art dürfte bezüglich ihrer praktischen Verwendung jederzeit vorzuziehen sein, sowohl der leichteren Bedienung wegen, als auch der geringeren Rauminanspruchnahme halber, und nicht zuletzt deswegen, weil sie gestattet, einmal als richtig erkannte Verhältnisse leicht innezuhalten. In Fig. 5 zeigen die gestrichelten Linien die Verwendung zweier getrennter Oefen, während die Anordnung eines zusammengesetzten Ofens in ausgezogenen Linien dargestellt ist. Der Weg, den die Druckluft in beiden Fällen nimmt, ist durch eingezeichnete Pfeile angedeutet.

C bezeichnet den Hochdruckcylinder, D den Niederdruckcylinder und E den Auspufftopf des Motors.

Bei dem in Fig. 6 und 7 dargestellten zusammengesetzten Vorwärmeofen kann das Verhältniss der Heizflächen auf einfache Weise geändert werden. Derselbe besteht aus einem gewöhnlichen Füllofen F mit Mantel f, der das Röhrensystem H H1, das von der Druckluft durchstrichen wird, umschliesst. Die Heizgase gehen nach ihrem Entweichen aus dem Schachte des Ofens, durch die Scheidewand g veranlasst, nach unten, indem sie das innere Röhrensystem H umspülen, bestreichen dann, nach oben steigend, das äussere Röhrensystem H1 und entweichen schliesslich durch das Abzugsrohr f1. Die in dem oberen Abdeckringe P enthaltene Füllöffnung des Ofens wird durch den Deckel i geschlossen.

Die Druckluft beschreibt in den beiden concentrischen Röhrensystemen einen zickzackförmigen Weg; wenn sie |31| beispielsweise durch die Oeffnung K1 (Fig. 7) eintritt, so steigt sie zunächst in dem Rohre h1 hoch, gelangt oben durch eine Kappe in das Rohr h2 und fällt durch dieses in den ringförmigen Unterkasten N, der durch eingegossene Scheidewände derart eingetheilt ist, dass immer je zwei Rohre des äusseren und des inneren Systems durch den Kasten N mit einander verbunden sind. Die Druckluft steigt dann im Rohre h3 wieder hoch, fällt im Rohre h4 u.s.f.

Textabbildung Bd. 281, S. 31
In derselben Weise beschreibt die Luft ihren Weg in dem inneren Systeme H. Beide Systeme können nun durch einfache Umstellung einer zwei Rohre des äusseren und zwei Rohre des inneren Systems überdeckenden und mit einem Scheidesteg versehenen Kappe, z.B. M4 (Fig. 6 und 7), derart mit einander verbunden werden, dass die Luft gezwungen wird, für ihren Hingang das eine und für ihren Rückgang das andere System zu durchstreichen. Wird nun z.B. die für den Hochdruckcylinder bestimmte Luft durch die Oeffnung k1 in das äussere Röhrensystem H1 eingeführt, so wird sie dasselbe bis zur Kappe M4 durchströmen, dort aber in das innere Rohrsystem H eintreten, um dasselbe vorgewärmt durch die Oeffnung K2 (Fig. 7) wieder zu verlassen. Gleichzeitig tritt aber die aus dem Hochdruckcylinder C (Fig. 5) kommende Luft durch Oeffnung K3 in den anderen Theil des inneren Röhrensystems H, geht auf der anderen Seite desselben ebenfalls bis zur Kappe M4 und von hier durch das äussere Röhrensystem H1 zurück bis zur Mündung K4, um in den Niederdruckcylinder D geleitet zu werden.

Je nachdem nun die eine oder die andere Kappe M M4 . . . umgestellt wird, ändert sich das Verhältniss der von der in den Hochdruck- bezieh. Niederdruckcylinder geleiteten Luft durchströmten Rohre und damit also auch der Heizflächen.

In Fig. 7 werden z.B. zunächst 14 und dann 18 Rohre durchströmt; wird aber die Kappe M3 umgestellt, so durchströmt die nach dem Hochdruckcylinder geleitete Luft nur 10 und die nach dem Niederdruckcylinder geleitete Luft 22 Rohre. Die Aenderung der Gesammtwärmemenge erfolgt durch entsprechende Regelung der Verbrennung im Ofen.

Die einzelnen Röhren h1 h2 . . ., welche luftdicht in den Unterkasten N eingepasst sind, werden oben zunächst durch einen Ring P, der zugleich als oberer Abschluss des Ofens dient, in ihrer Lage erhalten und Ring P stützt sich auf die Stehbolzenschrauben p, die durch den Unterkasten N gehen.

Je vier Röhren sind durch eine der Kappen M verbunden, welche durch die Schrauben p fest auf die Röhren h1 h2 . . . gezogen werden können. Wie schon angegeben, können je nach Stellung der betreffenden Kappe je zwei äussere und zwei innere Rohre mit einander verbunden, oder es kann die Verbindung je eines äusseren mit je einem inneren Rohre hergestellt werden.

Textabbildung Bd. 281, S. 31
Fig. 8 zeigt einen Vorwärmeofen mit Feuerung Q, bei dem das Verhältniss der Mengen der Heizgase veränderlich ist. Die Heizgase entweichen durch einen Kanal q, der durch eine drehbare Zunge R getheilt ist, in die eigentlichen Heizkörper SS1, durch deren Heizschlangen TT1 die Druckluft streicht. Zu jedem Cylinder des Druckluftmotors gehört ein Heizkörper. Das Mengenverhältniss der durch die Heizkörper strömenden Verbrennungsgase wird durch Einstellen der Zunge R regulirt.

Diese Einstellung kann auch vom Regulator der Maschine aus automatisch erfolgen.

Es bedarf keiner näheren Erläuterung, dass man es in der Hand hat, bei dieser Anordnung auch die Grössen der Heizflächen zu ändern, wenn man je zwei Röhren mit einer umstellbaren Klappe U versieht. Fig. 8 rechts zeigt eine der Kappen eingestellt. An Stelle des in den Figuren angedeuteten Füllofens kann auch irgend eine andere Feuerungs- oder Wärmequelle treten: Gasfeuerung, Ofen für flüssige Brennstoffe, Dampf u.s.w. Die Einrichtung der Oefen für Motoren mit mehr als zwei Cylindern ergibt sich nach dem Angeführten von selbst.

Ueber die Bedeutung der Kraftversorgung in Städten hat Riedler (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1891 S. 189) einige Bemerkungen gemacht, welche die Sache in bündigster Form treffen und deshalb hier ihren Platz finden mögen.

Maassgebend für die wirthschaftliche Thätigkeit ist die Erzeugung von Werthen. Diese kann nur erfolgen durch das Zusammenwirken von drei Factoren: Stoff und Kraft und eines Vermittlers, des Geldes. Stoff allein ist kein Werth ohne die Kraft, die ihn gewinnt, verarbeitet. Eines Vermittlers hat es in alter Zeit nicht bedurft. Stoff und Kraft waren das Eigenthum Weniger. Später ward die Kraft zwar frei, nicht aber der Stoff. Gegenwärtig ist die Thätigkeit der Menschen zwar frei, aber der Vermittler ist zu grosser Bedeutung angewachsen und in hohem Maasse bevorrechtet, weil nach den bestehenden Einrichtungen das Arbeitsproduct bezieh. dessen jeweiliger Werth mit dem Gelde nicht gleichberechtigt und gleichbefähigt ist. Wo ein Vorrecht, ist ein Minderrecht und dieses drängt stets auf Veränderung des Bestehenden.

Gleiche Vertheilung des Stoffes kann niemals lebensfähige Veränderung schaffen; sie widerspricht Naturgesetzen: |32| dem Kampf ums Dasein, sowie berechtigtem Eigennutz, die nicht aus der Welt zu schaffen sind. Bestrebungen nach gleicher Vertheilung des Stoffes, gleichgültig ob in der schroffen communistischen Form oder in der blendenden Bellamy's, können niemals dauernden Erfolg erzielen.

Den Factor Geld und seine Vorrechte zu besprechen, gehört nur theilweise zur vorliegenden Sache. Das heutige Geld ist Werthmesser, gleichzeitig aber auch Ware und als solche von veränderlichem Werthe; es sollte Vermittlungs-, insbesondere Umlaufform sein, die erzeugten Werthe mobilisiren. In Wirklichkeit aber ist es oft erstberechtigter Factor, welcher Sicherheit und Zins verlangt und selbst ohne Wertherzeugung und ohne Risico doch erwerben kann.

Jede Schuldbildung, wenn auch nur zur Mobilisirung bestehender Werthe, schafft die ungeheuere Nachfrage nach dem einzig gültigen Werthmesser, nach dem Gold. Zahlpflichten, die nie aus Gold hervorgegangen, müssen gleichwohl in Gold geleistet werden; kurz, das heutige Geldwesen schafft eine künstliche, ins Ungemessene gesteigerte Nachfrage nach dem einen bevorrechteten Werthmesser, während es doch denkbar ist, für den Umlauf und Austausch von Werthen eine Form zu schaffen, welche solcher Vorrechte entbehren kann.

Ich möchte nicht zu den zahlreichen modernen Weltverbesserern gezählt werden und begnüge mich, zu erklären, dass ich die Zweckmässigkeit des heutigen Geldwesens nicht verstehe, und erwähne letzteres nur, um dem Vorwurfe zu begegnen, ich hätte einseitig nur die wirthschaftliche Bedeutung der Kraft hervorgehoben.

Mit der Kraft als Factor der Wertherzeugung liegen die Verhältnisse sehr einfach. Aller Erwägung ist die Thatsache voranzustellen, dass heute die Maschinenkraft unter uns thätig ist.

Die Maschinenkraft ist wirthschaftlich nichts anderes als ein ungeheures Angebot von Arbeitskraft, neben welchem die Menschenkraft keine erhebliche Rolle spielen kann und überwiegend zum Aufseher der Maschine geworden ist. Die Maschinenkraft übersteigt heute schon alle Menschenkraft der Erde, sie treibt die hochentwickelten Werkzeugs- und Hilfsmaschinen, welche eine einzige Verrichtung des Menschen tausendfach ausführen, sie beeinflusst vor Allem die in Kulturländern Lebenden. Dies berücksichtigt, ergibt die Statistik ungefähr, dass neben jeder einzelnen Menschenkraft gegenwärtig mehr als hundert gleichwerthige Maschinenkräfte thätig sind, so dass jede wirthschaftliche Thätigkeit hierdurch beherrscht werden muss. – Nachdenken auf solchen Gebieten gehört nicht zu den Erfordernissen unserer modernen Bildung; alle Leistungen der angewandten Naturwissenschaften werden ja als etwas ganz Selbstverständliches hingenommen, was weitere Ueberlegung nicht lohnt.

Die Grösse der Sache wird aber gemeinverständlicher, wenn der Maschinenkraft menschliche Form gegeben wird, etwa die Form von Chinesen, die zu je 100 im Wettbewerbe neben jedem von uns thätig sind; Chinesen, welche aber noch weit anspruchsloser sind als lebendige, welche keiner Wohnstätten, nur Arbeitsstätten bedürfen, von Kohlen leben, nicht striken, keine persönlichen Bedürfnisse kennen, bei Dienstuntauglichkeit reparirt oder zerschlagen werden. Hierdurch wird der gewaltige Einfluss anschaulicher und Niemand wird zweifeln, dass dieser unheimliche Zustand schleunigst zu regeln ist, um so mehr, als die Statistik lehrt, dass 80 Proc. der Maschinenkraft erst in den letzten 25 Jahren entstanden ist!

Die Maschinenkraft lässt sich jedoch in keiner Weise aus der Welt schaffen, mit ihr würde auch unsere materielle Kultur aufhören; denn nur die Maschinenkraft hat auch dem Geringsten Werthe zugänglich gemacht, welche früher nur Bevorzugten erreichbar waren; Niemand vermöchte ihren Einfluss zu beschränken und nichts ihn zu beseitigen, als die Rückkehr in unseren Urzustand.

Unter solchen Umständen gibt es nur einen Ausweg: die Maschinenkraft muss Allen gleich zur Verfügung stehen. Dies ist aber nicht der Fall: der Grossbetrieb gebietet nicht nur über die vollkommensten Kraft- und Werkzeugmaschinen, er bezahlt auch für die Maschinenkraft kaum den 7. Theil dessen, was der Kleinbetrieb dafür zu bezahlen hat. Dem Kleinbetriebe ist die Benutzung der Maschinenkraft ausserordentlich erschwert, innerhalb von Städten theilweise unmöglich gemacht und wenn er sie überhaupt benutzen kann, so muss er sie vielfach theuer bezahlen. Wo die Maschinenkraft fehlt, fehlen auch die leistungsfähigen Werkzeuge. Die grossen Verbesserungen auf technischem Gebiete können dem Kleingewerbe keine Hilfe bringen, ohne die für den Betrieb der Werkzeuge unerlässliche Maschinenkraft.

Der Kleinbetrieb muss und kann gegenüber dem Grossbetriebe stets lebensfähig bleiben, weil der Kleinbetrieb mit geringeren allgemeinen Auslagen arbeitet; weil der Kleingewerbetreibende sein eigener Director, Ingenieur, Reisender u.s.w. ist, und sein Absatzgebiet auf den zahllosen kleinen Wegen neben dem Grossbetriebe findet. Unerlässliche Bedingung ist aber für den Kleinbetrieb der Boden der Stadt, wo er auch seine Absatzstelle findet. Ausserhalb von Städten kann der Kleinbetrieb niemals neben den grossartigen Mitteln des Grossbetriebes bestehen.

Lebensbedingung für das Gewerbe innerhalb der Städte ist aber Maschinenkraft unter möglichst gleichwerthigen Verhältnissen, denn nur dann können Grossbetrieb und Kleinbetrieb gleichwerthig arbeiten.

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