Titel: Die Elektromotoren für Kleingewerbe der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 39–40)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281018

Die Elektromotoren für Kleingewerbe der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft in Berlin.

Mit Abbildung.

Der Stromsammler der Dynamomaschine ist bekanntlich dem Verschleisse am meisten ausgesetzt und erfordert deshalb eine aufmerksame Wartung. Sobald sich nämlich zwischen Stromsammler und Schleifbürsten sichtbare Funken bilden, wird die Oberfläche des ersteren rauh und uneben, hierdurch wiederum die Funkenbildung verstärkt und in weiterer Folge das Metall des Stromsammlers zerstört. Beim Entwürfe muss deshalb in erster Reihe ein funkenloser Gang der Maschine erstrebt werden. Zur Erreichung dieses Zweckes fügt die Allgemeine Elektricitätsgesellschaft in Berlin bei ihren Maschinen „Modell S die Stromsammler aus einer beträchtlichen Anzahl von Abtheilungen zusammen, welche die Sprünge des Ankermagnetismus bei dem Uebergange der Bürsten von einer Abtheilung zur anderen sehr verringern. Ferner arbeiten diese Motoren mit so stark erregtem Magnetismus, dass die Ankerwindungen aufs äusserste beschränkt werden durften. Hierdurch und durch zweckmässige Gestaltung und Abmessung aller Theile ward es möglich, Maschinen von einer hohen Nutzleistung herzustellen, welche bei jeder Belastung innerhalb ihrer Leistungsfähigkeit ohne Verstellung der Bürsten funkenlos laufen. Eine solche Maschine zeigt die zugehörige Abbildung.

Textabbildung Bd. 281, S. 39
Die richtige Stellung der nur ein für alle Mal einzustellenden Bürsten ermittelt man, indem man die Maschine mit der geringsten vorkommenden Belastung, also entweder mit der leerlaufenden Transmission oder mit der leerlaufenden Arbeitsmaschine, wenn diese mit dem Motor unmittelbar gekuppelt ist, in Betrieb setzt und dabei die Bürsten so weit gegen die Drehungsrichtung verschiebt, als es ohne Auftreten von Funkenbildung möglich ist. Hat man diese Stellung einmal ermittelt, so braucht man nur die Bürsten nach jedesmaliger Reinigung wieder in sie zu versetzen; dabei ist ein leichtes Benetzen des Stromsammlers mit gutem Oel zu empfehlen. Die Bürsten sind aus fein geflochtenen Kupferdrähten so weich hergestellt, dass sie den Stromsammler mechanisch nicht angreifen, vielmehr denselben an den Schleifstellen bei richtiger Einstellung völlig poliren.

Die Bürstenhalter sind insofern gegen früher verbessert, als man die einzelnen Bürsten beim Gange der Maschine stärker oder schwächer anpressen kann, ohne dass sie dadurch eine Verschiebung auf dem Stromsammler erleiden.

Die von der Gesellschaft bei allen Modellen mit Erfolg verwendete Ringschmierung ist auch bei diesem Modelle beibehalten worden; die Lagereinrichtung wurde aber dadurch noch verbessert, dass die aus harter Bronze hergestellte Büchse eine Kugelbewegung in dem Lager erhielt, damit sie in ihrer ganzen beträchtlichen Länge die Welle unterstützt, auch wenn letztere aus ihrer genauen Achse heraustritt. Ein Warmlaufen des Lagers ist somit ausgeschlossen, solange der reichlich grosse Oelbehälter gefüllt bleibt.

Die schmiedeeisernen Magnetkerne bilden mit der |40| Rückplatte ein fugenloses Stück, welches mit einer Grundplatte von Zink auf den Grund geschraubt wird. Das eiserne Polgehäuse kann übrigens, wenn wünschenswerth, auf der Grundplatte so gedreht werden, dass der Anker über den Polen zu liegen kommt.

Diese Elektromotoren werden in sechs Grössen in den in nachfolgender Tabelle annähernd angegebenen Verhältnissen gebaut.

Grösse Spannung an
den Bürsten
in Volt
Stromverbrauch
in Ampère
Umdrehungen
in der Minute
Leistung
in HP
Riemenscheibenmaasse
in Millimeter
Magnet Anker total Durch-
messer
Breite Boh-
rung
S 1


S 2
60
105

60
105








1,75
1

3,5
2
1350
1350

1200
1200
1/16
1/16


Schnurscheibe
3läufig
50
75
100
55
80
105
10
10
10
10
10
10
8
8
8
9
9
9
S 3 60
105
0,3
0,15
4,8
2,75
5,1
2,9
2500
2370
¼
¼
85
85
30
30
10
10
S 5 60
105
0,54
0,24
8,46
4,76
9
5
2000
1900
½
½
90
90
40
40
12
12
S 10 60
105
0,7
0,3
16,3
9,5
17
9,8
1750
1650
1
1
100
100
50
50
15
15
S 15 60
105
1,4
0,65
24,1
13,85
25,5
14,5
1520
1450

115
115
60
60
20
20

Anmerkung: Die Grössen S1 und S2 sind Hauptstrommaschinen und bedürfen keines Anlasswiderstandes. Die Regulirung der Geschwindigkeit geschieht durch Einsetzen einer 10-, 16- oder 32kerzigen Glühlampe oder eines Bleistöpsels in die oben angebrachte Fassung mit Hahn. S1 und S2 sind mit Fächern (Schraubenventilator) von 360 bezieh. 540 Dm und von 1750 bezieh. 2750 bis höchstens 2400 cbm in der Stunde; beide sind geräuschlos.

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