Titel: Neue Methoden und Apparate für chemisch-technische Untersuchungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 45–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281021

Neue Methoden und Apparate für chemisch-technische Untersuchungen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 21 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Automatischer Apparat für Gasanalysen. Bei der Arbeit mit dem Orsat'schen Apparate macht sich die Langsamkeit der Absorption von Sauerstoff und Kohlenoxyd durch die Lösungen unangenehm bemerkbar, auch ist das öftere Auf- und Abbewegen der Druckflasche unbequem. Rodolfo Namias hat diesen Uebelständen dadurch abzuhelfen gesucht, dass er die Bewegung des in Berührung mit den Absorptionsflüssigkeiten befindlichen Gases automatisch bewirkt, und zwar erzeugt er die Bewegung des Gases durch ein Gefäss, das sich abwechselnd mit Wasser füllt und wieder leert.

Textabbildung Bd. 281, S. 45
Der Haupttheil des Apparates besteht aus dem Cylinder B (Durchmesser 5 bis 6 cm, Höhe 30 bis 35 cm), dessen untere Oeffnung durch einen mit zwei Oeffnungen versehenen Kautschukstopfen verschlossen ist; durch eines der Löcher geht die Röhre D, welche einen lichten Durchmesser von 5 bis 6 mm hat. Diese Röhre reicht bis dicht unter den oberen Cylinderrand und ragt unten aus dem Stopfen um einige Centimeter hervor.

Im Innern des Cylinders ist eine andere, oben geschlossene Röhre C von 2,5 bis 3 cm Durchmesser angebracht, welche aber nicht in Berührung mit dem das untere Ende des Cylinders B verschliessenden Stopfen kommen darf; zu diesem Zweck ist oben ein Kupferdraht angebracht, an dem die Röhre auf und ab gleiten kann. Der Wasserstrahl, welcher von A herunterfällt, fällt in |46| den Cylinder B; sobald die Wasserhöhe den oberen Rand der Röhre D erreicht hat, wird das Wasser angesaugt, und das Gefäss entleert sich durch E. Der von A herunterfallende Wasserstrahl muss in der Weise geregelt werden, dass der Ausfluss bei E grösser als der Zufluss bei A ist, wenn man nicht den Fall eintreten lassen will, dass das Gefäss, einmal geleert, sich nicht mehr füllt, weil die Ansaugung fortdauert, oder es füllt sich das Gefäss zu weit, und die Flüssigkeit läuft stets über. Andererseits darf aber der Ausfluss bei A nicht zu schwach sein, denn in diesem Falle würde das Gefäss, einmal gefüllt, stets voll bleiben und ein kleiner Wasserstrahl ständig durch die Röhre D ausströmen. Das unten hervorragende Ende E der Röhre muss kurz sein; wenn es zu lang ist, verursacht es Störungen im regelmässigen Gang des Apparates, weil dann der Luftzutritt behindert ist. Wenn man das Wasser unten bei E nicht laufen lassen kann, so muss man sich einer Abflussröhre von weiterem Durchmesser bedienen. Das Gefäss B steht mittels der Röhre F mit einer Flasche G in Verbindung, welche ein wenig Wasser enthält. Im übrigen kann die Niveauhöhe beliebig sein, vorausgesetzt, dass sie stets unterhalb des in die Flasche eintauchenden Röhrenendes sich befindet. Die Flasche ist etwa 20 cm hoch bei einem Durchmesser von 13 bis 14 cm, oben ist sie mittels eines Kautschukstopfens geschlossen, durch den die gebogene Röhre H geht. In der Flasche G macht sich nun die Wirkung der Vorgänge in dem Gefäss B bemerkbar; wenn B voll ist, so erleidet die in G befindliche Luft eine Pressung, deren Grösse von dem Unterschiede der Wasserhöhe in B und G abhängig ist. Ist dagegen B leer, so wird aus G Luft angesaugt in einem Masse, das ebenfalls dem Unterschiede der Niveauhöhe des Wassers in beiden Gefässen entspricht. Die Flasche G steht weiter mittels der Röhre H mit einer Röhre I in Verbindung, welche als Sicherheitsröhre dient und deren Zweck ist, zu vermeiden, dass in Folge mangelhafter Verschlüsse das Wasser des Gefässes B nach Füllung der Flasche G in die Leitungsröhre M und von da in die Flaschen des Orsat'schen Apparates eintritt. Diese Röhre I muss in normalem Zustande bis zu einem bestimmten Punkte a Wasser enthalten, derart, dass die Entfernung von a bis b ungefähr derjenigen von a bis c gleich ist; beide Entfernungen a bis b und a bis c betragen je 12 bis 13 cm, sie müssen endlich so sein, dass die Wasserhöhe in der Röhre I die Krümmung c und das Ende E nicht überschreiten kann, entsprechend den Druck Verhältnissen. Wenn durch irgend einen. Umstand die Flüssigkeit nicht mehr unter Luftdruck steht, so würde sie in die Flasche G und von dort in die Röhre I steigen, welch letztere und ebenfalls die Röhre c sich mit Wasser füllen müssten, und ehe das Wasser in die Leitungsröhre M eindringen könnte, würde sich die Röhre mittels des Röhrchens c d in den vorgesehenen Behälter entleeren. Die Leitungsröhre M hat mehrere Abzweigungen mit Quetschhähnen, durch welche die Bewegung der Flasche des Orsat'schen Apparates hergestellt wird. Letztere muss auf einer verstellbaren Platte stehen, damit man sie in passender Höhe anbringen kann. Der Luftüber- bezieh.-Unterdruck in der Flasche G wird mittels der Röhre M allen Flaschen P mitgetheilt, und durch die Abwechselung des Druckes wird die Bewegung des mit der zur Absorption bestimmten Flüssigkeit in Berührung befindlichen Gases hervorgerufen. Nachdem der Apparat die gehörige Zeit gespielt hat, schliesst man den Quetschhahn N, nimmt den Stopfen Weg und liest ab.

Dieser Apparat ist ausserdem sehr dienlich, um die Bewegung von Gas zu vermitteln mit einer durch Elektricität glühend gemachten Platinspirale, ein Fall, der bei der Bestimmung von Kohlenwasserstoffen vorkommt. (Stahl und Eisen, 1890 S. 788.)

Nachweis geringer Mengen von Arsen unter Zuhilfenahme des Inductionsfunkenstromes. Ogier fand, dass durch die Wirkung des Inductionsfunkenstromes Arsenwasserstoff, bei gewöhnlicher Temperatur, allmählich, jedoch vollständig in seine Componenten zerlegt werden kann.

von Klobukow benutzte dieses Verhalten zur Ausarbeitung einer Methode, welche gestattet, Arsen in Mengen selbst unter 0,2 mg nachzuweisen und zwar in Form eines metallischen Spiegels. Etwaige Verunreinigungen beeinflussen das Versuchsresultat in keiner Weise.

Textabbildung Bd. 281, S. 46
Verfasser empfiehlt zur Ausführung der Versuche nachstehenden Apparat. Das Funkenröhrchen F, in dem die Zersetzung vorgenommen wird, ist an der verjungten Stelle 0,7 bis 0,8 mm weit und ist durch die Schläuche B und B1 mit den Ansatzstücken A und A1 verbunden, die bei C, C1 durch Stopfen abgeschlossen sind, während bei D und D1 das Zu- bezieh. Abströmen der Gase erfolgt. Durch die Stopfen gehen 2 mm starke Elektrodendrähte E und E1 aus Platin oder Neusilber, an deren Ende 0,5 bis 0,6 mm starke Platindrähte s und s1 angelöthet sind, deren Spitzenabstand beliebig durch Verschiebung geändert werden kann. Durch die Metallstreifen H und H1, in deren unteres, hakenförmig gebogenes Ende die Elektrodendrähte E und E1 federnd eingeklemmt sind, wird der Apparat an eine Glasstange G befestigt. Bei k, k1 sind die Elektrodendrähte mit den Polen des Inductionsapparates verbunden. Bei Ausführung des Versuches verbindet man D1 mit dem das Gas zuführenden Apparate, D mit einer gewöhnlichen Berzelius-Marsh'schen Röhre, wodurch der Versuch beliebig mit oder ohne Funkenrohrbenutzung durchzuführen oder letzteres auch erst bei einem bestimmten Versuchsstadium zu benutzen ist. Die Geschwindigkeit des Gasstromes regelt man am besten so, dass 10 bis 15 cc Gas in der Minute durch den Apparat gehen, die Länge der Funkenstrecke f1 f2 soll 3 bis 4 mm betragen. Als Inductionsapparat können die kleinsten Modelle dieser Apparate verwendet werden; Verfasser bediente sich der Ruhmkorff'schen Spirale, die durch zwei Bunsen-Elemente getrieben wurde. Mit Vortheil benutzt man zur Gasentwickelung die elektrochemische Entwickelungsmethode von Bloxam-Wolff (Pharm. Centralhalle, |47| 27609). (Zeitschrift für analytische Chemie, 1890 Bd. 29 Heft 2 S. 131.)

Die Trennung von Zinn und Antimon von H. N. Warren (Chem. News, 1890 Bd. 62 S. 216). Eine Probe eines Zinnerzes oder einer Zinnschlacke wird gehörig zerkleinert und im Nickeltiegel mit der gleichen Menge Borax und etwa der zehnfachen Menge Soda einige Zeit bei Vollrothglut über dem Gebläse erhitzt. Die Schmelze wird zweckmässig auf einer Eisenplatte ausgegossen und nach dem Erkalten sammt dem rückständigen Tiegelinhalt mit einer geringen Menge verdünnter Salzsäure übergossen und die Lösung in einem Kolben von bekanntem Inhalt bis zur Marke aufgefüllt. Ein aliquoter Theil dieser Lösung wird mit Schwefelwasserstoff gesättigt und der Niederschlag der Schwefelmetalle am besten durch Glaswolle abfiltrirt.

Diese Schwefelmetalle werden nach dem Auswaschen mit starker Natronlauge einige Zeit gekocht, wodurch Zinn und Antimon als sulfozinnsaures Natron und sulfoantimonsaures Natron in Lösung erhalten werden. Man filtrirt diese Lösung von dem zurückbleibenden Niederschlage ab und theilt sie in zwei gleiche Portionen, welche wir mit A und B bezeichnen wollen.

Zu der Portion A setzt man überschüssige Oxalsäure und erwärmt gelinde, bis sich ein orangerother Niederschlag von Schwefelantimon absetzt. Derselbe wird abfiltrirt und durch Glühen an der Luft in Sb2O4 übergeführt. Die Portion B macht man schwach salzsauer, wodurch Schwefelzinn und Schwefelantimon gefällt werden. Durch Glühen an der Luft werden diese Schwefelmetalle in SnO2 und Sb2O4 übergeführt. Das in Portion A gefundene Sb2O4 wird von dieser Summe abgezogen und die Differenz gibt SnO2.

Bestimmung von Phosphor im Eisen. (Chem. News, Bd. 62, 27.) Um den Phosphor im Eisen in einem durch Molybdänsäure fällbaren Zustande bestimmen zu können, ohne mit Salpetersäure eindampfen und den Rückstand glühen zu müssen, empfehlen Wood und Meinicke die Oxydation mit Chromsäure. 4,375 g des zu untersuchenden Eisens werden in einem überdeckten Gefässe mit 40 bis 50 cc Salpetersäure (spec. Gew. 1,3) übergössen und darin gelöst. Wenn das Eisen stark manganhaltig ist, genügen 40 cc Säure.

Wenn völlige Lösung eingetreten ist, werden 30 cc verdünnte Schwefelsäure (1 : 1) zugesetzt und die Flüssigkeit auf 15 bis 20 cc eingeengt. Dann werden 2,5 bis höchstens 3 g krystallisirte Chromsäure eingetragen und die Flüssigkeit behufs Oxydation von Kohlenstoff und phosphoriger Säure 10 Minuten gekocht. Man kühlt dann ab und setzt vorsichtig etwas Wasser zu. War die Flüssigkeit zu weit verdampft, so kann sich leicht Braunstein ausscheiden und Phosphorsäure einschliessen. Sollte dieser Fall eintreten, so setzt man phosphorsäurefreies Wasserstoffsuperoxyd hinzu, bis der Braunstein reducirt ist. Die so erhaltene Lösung enthält geringe Mengen, unlöslichen Kohlenstoffs (Graphit) und SiO2. Man füllt dieselbe auf 250 ccm auf, filtrirt einen Theil durch ein trockenes Filter und hebt 100 cc von dem Filtrate ab. Die Säure wird in dieser Flüssigkeit mit Ammoniak abgestumpft und Ammoniummolybdat (50 bis 100 cc) bei 85 bis 90° C. zugesetzt. Den auf ein Filter gebrachten Niederschlag wäscht man zuerst mit Ammoniumnitrat, dann mit Wasser aus, trocknet und glüht ihn schwach aus. Es resultirt P2O5 . Mo24O68, wovon jedes Gramm 1 Proc. Phosphor im Eisen entspricht. M. v. Reiss empfiehlt statt der Chromsäure Kaliumpermanganat für Phosphorbestimmungen in kohlenstoffreichem Gusseisen. Man löst 4,375 g Eisen in 40 cc Salpetersäure (spec. Gew. 1,3); wenn die Eisenprobe stark manganhaltig ist, so entsteht auf Zusatz von Kaliumpermanganat sofort ein Niederschlag von Braunstein. Man setzt dann 25 cc Schwefelsäure (spec. Gew. 1,4) und 5 cc einer Kaliumpermanganatlösung (15 : 1000) zu und kocht auf. Man setzt nach einiger Zeit eine zweite, gleiche Menge Permanganat, dann eine dritte und vierte unter stetem Kochen hinzu. Es wird schnell abgekühlt und phosphorsäurefreies Wasserstoffsuperoxyd zugegeben, bis der Braunstein verschwunden ist. Im Uebrigen verfährt man wie oben (vgl. auch G. L. Norris, Journal of the Franklin Institute, 1890 Bd. 129 S. 72).

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: