Titel: Neuerungen in der Gasindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 65–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281029

Neuerungen in der Gasindustrie.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 280 S. 277.)

Mit Abbildungen.

Wassergas zur Beleuchtung sonst und jetzt.

Von Fr. H. Shelton.

In einem Vortrag auf der Versammlung der American Gaslight Association zu Baltimore bespricht Verfasser die hauptsächlichen Wassergasapparate und deren Vervollkommnung bis zur jetzigen Zeit. Nach seiner Ansicht ist die Entwickelung der Wassergasindustrie jetzt zu einem gewissen Abschluss gelangt.

Die Wassergasapparate werden in zwei Klassen getheilt: I. Systeme mit Retorten, bei welchen der Dampf in mit Kohle gefüllte Betörten geleitet wird, deren Temperatur durch äussere Erhitzung erhalten wird, und II. Systeme mit Generator, d.h. solche, bei welchen der Dampf in Retorten oder Generatorschächte mit Kohle geleitet wird, wobei die Erhitzung innerlich durch theilweise Verbrennung des Kohlenmaterials geschieht.

Klasse I umfasst hauptsächlich vier Systeme:

Textabbildung Bd. 281, S. 65
1) J. Milton Sander's Apparat (Fig. 1). Die L-förmige gusseiserne Retorte A sitzt in einer gewöhnlichen Ofenfeuerung; sie wurde mit Holzkohle gefüllt und auf hohe Temperatur gebracht. Nun wurde überhitzter Dampf am oberen Ende, bei E, eingeblasen; derselbe wird beim Abwärtssteigen zerlegt und es bildet sich unter Vereinigung mit Kohlenstoff ein nicht leuchtendes Wassergas, zugleich wurde geschmolzenes Harz in die Retorte eingeführt zur Carburirung des Gases; das erhaltene Gasgemisch stieg durch das Steigrohr F in die Vorlage und gelangte zu Reinigungsapparaten. Ein Fixiren des Gases fand nicht statt, so dass die flüchtigen Oele sieb in den Rohrleitungen leicht wieder niederschlugen. Die hierdurch veranlasste Verringerung der Leuchtkraft sowie die starke Abnutzung der eisernen Retorten liessen das System nicht in die Höhe kommen.

2) Allen-Harris-Apparat. Von den Retortenprocessen erregte dieses System allein Aufsehen, bis der Generatorprocess entstand. Mit einigen Verbesserungen ist es in Fig. 2 dargestellt. A ist ein Ofen mit senkrecht stehenden Retorten aus feuerfestem Thon; jede Retorte ist mit Kohle gefüllt, der Dampf wird an der Vorderseite durch fein vertheilte Röhrchen eingeblasen. In der senkrechten Retorte wird er zerlegt; das Gas passirt noch den Ofen B mit wagerecht liegenden doppelten Retorten, welche zur Zerlegung von Oel sowie zur Fixirung der entstandenen Gase dienen. Nachdem diese etwa 11 m in den Retorten mit immer steigender Temperatur passirt haben, gelangen sie in das Steigrohr.

Textabbildung Bd. 281, S. 65
3) Salisbury's Apparat (Fig. 3). Das System beruht auf der Einführung von überhitztem Dampf mit einem feinen Strahl von Naphta durch das Mundstück in eine der unteren Retorten, welche im gewöhnlichen Gasofen sitzen. Die Dämpfe werden durch ein feuerfestes Thonrohr am Boden der Retorte bis zu deren hinterem Ende geleitet, von wo sie in die obere Retorte und von da zum Steigrohr gelangen. Eine oder zwei Retorten im Ofen werden zur Darstellung von gewöhnlichem Kohlengas benutzt, um Koks zur Heizung zu beschaffen. Eine spätere Veränderung des Verfahrens war die, das Wassergas aus der unteren Retorte aufwärts durch die Retorte für Kohlengas zu führen. Mit dem Oel trat etwas Luft in die Retorten, so dass eine constante theilweise Verbrennung unterhalten wurde, wobei allerdings der zurückbleibende Stickstoff dem Gase beigemengt blieb.

Textabbildung Bd. 281, S. 65
4) Jerzmanowski's (Baby-) Apparat (Fig. 4). Dieses System besteht aus L-förmigen Retorten, im üblichen Gasofen befindlich. Der senkrechte Theil derselben ist mit gebrannten Kalksteinen gefüllt, welche auf Rothglut erhalten werden. Am unteren Retortendeckel wird Dampf und Naphta eingeblasen, welche beide sich zerlegen und permanente Gase bilden. Der Kalk wirkt nicht durch |66| eigenthümliche Zersetzungen, wie ihm früher zugeschrieben wurde, sondern einfach wie feuerfeste Steine.

Textabbildung Bd. 281, S. 66
Klasse II, die Generatorprocesse, zerfällt in zwei Abtheilungen: A) Generatorprocesse, bei welchen ein nicht leuchtendes Gas erzeugt wird mit nachfolgender Carburation; letztere geschieht gewöhnlich in einem besonderen Apparat mit eigener Feuerung. B) Generatorprocesse, bei welchen ein leuchtendes Wassergas, carburirt und permanent gemacht, in einer Operation in einem einzigen Apparat hergestellt wird. Nur eine Feuerung ist vorhanden, und es wird gewöhnlich das Hilfsmittel des Ueberhitzens angewendet.

Abtheilung A) enthält neun hauptsächliche Systeme:

Apparat von Tessie du Motay (Fig. 5). A ist der Generator, bestehend aus einem einfachen Schacht aus feuerfesten Steinen, mit Kohlenfüllung. Luftgebläse und Dampfeinlass. Nachdem die nöthige Hitze erreicht ist, wird das Gebläse ausgeschaltet und Dampf unter den Rost geblasen; derselbe zerlegt sich beim Passiren der glühenden Kohlenschicht; das Gas gelangt zum Behälter. Von hier geht es erst zum Carburator X; derselbe besteht aus einer Anzahl flacher Pfannen oder Schalen mit Naphta, welche von aussen mit Dampf erhitzt werden. Das angereicherte Gas gelangt zu den Retorten Z und die Kohlenwasserstoffe werden hier fixirt, d.h. in permanente Gase umgewandelt. Von hier gelangt das Gas in die Reinigungsapparate. Die beim Heissblasen des Apparats entstehenden Generatorgase entweichen unbenutzt durch den Kamin.

Textabbildung Bd. 281, S. 66
Apparat von Wilkinson (Fig. 6). Der Dampf wird im Generator zerlegt und nach dem Passiren eines Scrubbers das Gas in einen Behälter geleitet. Von hier gelangt es durch einen Stationsgasmesser zum Carburator, wo es Naphtadämpfe aufnimmt; letztere werden durch Dampf von 115 bis 125° C. verflüchtigt. Die Fixirung derselben geschieht in einem eigenen Ofen, in welchem die Gase Retorten von der doppelten üblichen Länge passiren.

Textabbildung Bd. 281, S. 66
Textabbildung Bd. 281, S. 66
Apparat von Jerzmanowski (Fig. 7). Neben dem Kohlenschacht liegt eine zweite Kammer, gefüllt mit gebrannten Kalksteinen. Letztere werden durch die Generatorgase unter Luftzutritt geheizt. Beim Gasmachen wird der Dampf im Kohlenschacht zerlegt und nimmt am oberen Ende Kohlenwasserstoffe auf. Beim Passiren des Kalkschachtes wirkt dieser als Ueberhitzer; es bildet sich ein 15-Kerzen-Gas, welches nachträglich noch durch einen Carburator und folgendes Durchleiten durch glühende Retorten auf jede beliebige Leuchtkraft gebracht werden kann, wie bei dem vorigen Apparat.

Textabbildung Bd. 281, S. 66
Apparat von Harkness (Fig. 8). Ein nicht leuchtendes Gas wird in den drei Generatoren hergestellt, mit Naphta carburirt und in Retorten fixirt. Der Generator ist klein, schwer zu heizen und schwer in Glut zu erhalten; die Kohle wird auf Glühhitze gebracht durch geringen Kaminzug, welcher sehr schwach ist gegenüber den sonst angewendeten Gebläsen. Es hat dies eine sehr geringe Gasproduction zur Folge: um dies auszugleichen, sind mehrere Generatoren zugleich in Thätigkeit. Das Gas gelangt vom Generator ohne Behälter direct zu den Carburirretorten. |67| Von dieser Construction wurde nur eine Anlage errichtet, welche auch nicht lange in Gebrauch blieb.

Textabbildung Bd. 281, S. 67
Apparat von Hanlon und Johnson (Fig. 9). A ist der übliche Generator für die Herstellung von nicht leuchtendem Wassergas, welches in einem Behälter aufgefangen wird. B ist Hanlon's Ofen für die Erzeugung von Oelgas, Welches in einen eigenen Behälter gelangt. Ein Exhaustor X entnimmt Gas aus jedem Behälter und mischt beide in den Röhren; durch Stellung der Schieber kann das Verhältniss beider geregelt und so eine bestimmte Leuchtkraft erzielt werden. Die einfache Mischung hat häufig Abscheidung der leuchtenden Oele zur Folge; auch hat die Flamme nicht die nöthige Steifigkeit und Ruhe.

Textabbildung Bd. 281, S. 67
Edgerton's Apparat (Fig. 10). A A sind Generatoren wie sonst üblich; B B sind Retorten für die Herstellung von Oelgas. Die Verbesserung besteht darin, dass hier die Generatorgase, welche in allen bisher erwähnten Systemen vollständig verloren gehen, hier bis zu einem gewissen Betrag ausgenutzt werden, indem sie die Oelgasretorten heizen. Eine continuirliche Erzeugung von Gas wird durch die Anwendung von zwei Generatoren erreicht. Während der eine Gas liefert, wird der andere heiss geblasen. Das getrennt hergestellte Wassergas und Oelgas wird durch Exhaustoren in Gasmesser gedrückt und in bestimmtem Verhältniss gemischt wie bei dem vorigen Verfahren, kalt und nur auf mechanischem Weg. Von hier gelangt das Gasgemisch durch Reinigungsapparat in einen Behälter.

Apparat von Mackenzie (Fig. 11). Auch dieses System hat eigenen Generator und Carburirapparat; es ist hier der Versuch gemacht, die Gasproduction im Generator ständig zu betreiben durch gleichzeitiges Einblasen von Luft und Dampf, hierbei bleibt aber natürlich ein grosses Quantum Stickstoff in dem erhaltenen Generatorgas.

Letzteres wird in einen Retortenofen geführt und dort unter Zusatz von Naphta carburirt. In einer oder zwei Retorten wird Kohlengas hergestellt, um Koks zur Heizung zu erlangen. Das Kohlengas gelangt in die gemeinschaftliche Vorlage und mischt sich hier mit dem Generatorgas. Die erbauten Anlagen wurden stets bald wieder eingestellt.

Textabbildung Bd. 281, S. 67
Textabbildung Bd. 281, S. 67
Apparat von F. Egner (Fig. 12). Auch hier wird ständig Gas erzeugt, indem Dampf eingeblasen und Luft durch ein Dampfstrahlgebläse durch den Generator gesaugt wird. A ist der Generator, C ein Carburator, d.h. einfach ein Flüssigkeitsabschluss mit Naphta. B ist die Fixirkammer, von welcher das Gas in die Vorlage und zu den Reinigungsapparaten gelangt.

Textabbildung Bd. 281, S. 67
Apparat von A. G. Meeze (Fig. 13). Derselbe besteht hauptsächlich aus Thonretorten im gewöhnlichen Gasofen. In jeder Retorte steckt ein doppeltes Schlangenrohr zur Vorwärmung des eingeleiteten Oeles und Dampfes. Das Gemisch geht durch ein mitten in der Retorte angebrachtes Rohr zu deren hinterem Theil und von da durch durchlöcherte Platten wieder vorwärts, dann zum Steigrohr A und in die Vorlage. Das so gebildete Oelgas wird nachfolgend mit Wassergas, nach irgend einem Generatorsystem hergestellt, verdünnt. Es kann dies schon in der |68| Retorte, in der Vorlage oder erst nach geschehener Reinigung geschehen.

Bei den bisher beschriebenen Apparaten waren stets drei Operationen nöthig, um ein dauerhaftes, permanent carburirtes Wassergas zu erhalten: die Herstellung des Wassergases, dann das Carburiren und Fixiren. Es folgt nun Klasse B) d.h. Generatorprocesse, bei welchen die Erzeugung und Carburirung in einem Apparat, einem Feuer geschieht. Alle stimmen darin überein, dass mittels eines Regenerators die überschüssige Wärme aus dem Generator aufgespeichert und zum Fixiren des Gemisches von Gas und Oeldämpfen dient.

Textabbildung Bd. 281, S. 68
Apparat von Prof. T. S. C. Lowe. Derselbe enthält einen Ueberhitzer, welcher beim Heissblasen des Generators mit den entstandenen Heizgasen erhitzt wird; dem Wassergas wird über dem Generator Oel zugeführt und dieser beim Passiren des Ueberhitzers in permanente Gase verwandelt. Letzterer kann, wenn gewünscht, auch zum Ueberhitzen des eingeführten Dampfes dienen statt zum Fixiren des Gases. Fig. 14 zeigt die älteste Construction des Apparates. A ist der Generator, eine aus feuerfesten Steinen erbaute Kammer; dieselbe enthält Koks oder Anthracit, welche durch ein unter dem Roste eingeführtes Luftgebläse auf Glühhitze gebracht werden. Die Heizgase werden durch Rohr C an die Basis des Ueberhitzers B gebracht und verbrennen dort unter Zutritt von Secundärluft. Hierdurch werden die feuerfesten Steine im Ueberhitzer zum Glühen gebracht. Ist die nöthige Hitze im Generator erreicht, so wird die Gebläseluft abgestellt, das Auslassventil am Ueberhitzer geschlossen und Dampf unter den Rost des Generators geblasen. Derselbe zerlegt sich beim Aufsteigen und bildet nicht leuchtendes Wassergas; es nimmt oben die Oeldämpfe auf, welche aus dem an der Spitze des Generators eingeführten Oel entstehen. Das Gemisch passirt den Ueberhitzer und wird hier an den glühenden Steinen fixirt zu einem permanenten Leuchtgas. Der Apparat enthält einen Wasserabschluss, welcher durch eine Zwischenwand das Gas einige Zeit unter Wasser hält und so wäscht; dabei wird aber ein Theil der lichtgebenden Bestandtheile wieder aus dem Gase herausgenommen.

Fig. 15 zeigt die neueste oder „Doppelüberhitzer“-Construction des Lowe'schen Apparates. Die hauptsächlichen Aenderungen bestehen in der Vergrösserung des Generatordurchmessers und in dem Ausbau des früheren Ableitungsrohres C in einen vollständigen Ueberhitzer. Die Steinfüllung in demselben ist so eingerichtet, dass Zwischenräume vom Boden bis zur Spitze bleiben; das Oel wird meist an der Spitze dieses Ueberhitzers eingeführt. Bei Anwendung rohen Oeles können die schweren Verunreinigungen leicht auf den Grund des Ofens bis zu den Putzthüren laufen. – Eine sehr wirksame Form des doppelten Ueberhitzers ist die von Humphrey angegebene Einrichtung, bei welcher zwei vollständige Reihen von Apparaten durch eine Leitung an den Generatoren verbunden sind; beide werden zugleich heiss geblasen. Beim Gasmachen wird der Dampf in einem System von Ueberhitzern erhitzt, passirt die Generatoren und wird im anderen Ueberhitzersystem carburirt und fixirt. Bei dem nächsten Run wird der Gang des Dampfes entgegengesetzt gerichtet, in das andere Regenerativsystem eingeblasen. Diese Einrichtung ist hauptsächlich bei sehr grossen Anlagen angebracht. – Im Lowe'schen Apparat kann man Anthracit, Gaskoks oder Hüttenkoks verwenden; ein weiterer Vortheil ist die Aufspeicherung der abziehenden Hitze, starke Erwärmung des Oeles und die Möglichkeit, Rohöle oder Destillate zu verwenden. Die grosse Menge aufgespeicherter Wärme im Regenerator gibt den Vortheil, das Gas bei massiger Wärme zu fixiren, so dass sich weder Russ noch Naphtalin absetzen kann.

Textabbildung Bd. 281, S. 68
Granger's Apparat. Bei dem Bau Lowe'scher Apparate ergaben sich verschiedene Verbesserungen, welche schliesslich in dem Patent auf den umgeänderten Apparat von Granger zusammengefasst wurden. Das Verbindungsrohr der sogen. Schwanenhals, ist durch Verlegung des Generators in die Tiefe verschwunden und eine kurze Verbindung zwischen diesem und dem Ueberhitzer hergestellt. Alle nöthigen Manipulationen sind in eine Flur gelegt. Das Oel wird bei hoher Temperatur in Form von Staub oder Dampf an der Basis des Ueberhitzers eingeblasen. Die Patentansprüche geben an, dass es in dieser Form leichter vom Wassergas aufgenommen wird, als wenn es auf die Generatorfüllung oder die Ueberhitzersteine läuft. Eine Anlage dieser Art baute Granger mit etwa 4 m Generatordurchmesser; dieselbe lieferte sehr viel Gas, arbeitete aber doch nicht zufriedenstellend, weil sie zu schwer, zu handhaben war. Lowe's und Granger's Apparat als die weitest verbreiteten und wichtigsten werden von der United Gas Improvement Co., Philadelphia, ausgeführt.

Springer's Apparat (Fig. 16 und 17). Der Apparat hat als besondere Eigenthümlichkeit den Generator und Ueberhitzer in einem Gehäuse über einander. A ist die ältere Form, B eine neuere Construction. Der Generator wird auf dem üblichen Wege heiss geblasen; bei A gehen die |69| Gase direct in die Höbe, mit Luft gemischt, bei B geben sie durch das Rohr L um die Scheidewand aussen herum. Beim Gasmachen wird L geschlossen und der Dampf bei M eingelassen; derselbe geht abwärts durch die Koksschicht und durch das äussere Rohr N zur Spitze des Ueberhitzers; bei O verlässt das Gas denselben. Eine spätere Construction gestattet, die Dampf- und Gasströme von oben nach unten oder umgekehrt gehen zu lassen.

Textabbildung Bd. 281, S. 69
Textabbildung Bd. 281, S. 69
Hanlon-Leadly's Apparat (Fig. 18). Auf einer gemeinschaftlichen Basis stehen zwei oder drei Generatoren. Dieselben werden zugleich heiss geblasen; ein Theil der Generatorgase dient zur Heizung der zwei kleinen Ueberhitzer B; der grössere Theil aber passirt die drei Rohre K und erhitzt die zwei Ueberhitzer P, welche ebenfalls auf gemeinschaftlicher Basis stehen. Sind die Generatoren auf genügende Hitze gebracht, so werden die Ventile O geschlossen und der Dampf an der Spitze der zwei kleinen Ueberhitzer B eingelassen, im Herabgehen überhitzt; er geht dann nach unten durch die beiden äusseren Generatoren. Beide Gasströme vereinigen sich unten am mittleren Generator und durchstreichen ihn nach oben. An dessen Spitze wird Oel zugegeben; die Gase gehen durch das mittlere Rohr K zum Ueberhitzen und werden dort fixirt.

Textabbildung Bd. 281, S. 69
Apparat von J. Flannery (Fig. 19). Dem Ansehen nach unterscheidet er sich von den üblichen cylindrischen nur durch das viereckig gebaute Gehäuse; er wird gewöhnlich zu zweien neben einander gebaut, die einzelnen Apparate werden aber unabhängig von einander betrieben. Der Hauptunterschied gegen andere ist die Art der Einführung des Oeles.

Der Generator liefert Wassergas wie gewöhnlich; beim Verlassen desselben gelangt das Gas in einen D-formigen Kanal, welcher auf drei Seiten im Obertheil des Ueberhitzers liegt. In diesen Kanal wird das Oel eingeführt und verdampft, Gas und Oeldampf gehen rund um den Ofen bis fast zur Eintrittsstelle herum, wo sie das senkrechte Rohr hinabsteigen bis zur Basis des Ueberhitzers; in diesem werden sie wie üblich fixirt.

Textabbildung Bd. 281, S. 69
Mac Kay-Critchlow's Apparat (Fig. 20) besteht aus einem Wassergasgenerator im einfachen Gehäuse mit dem einzigen Unterschied des festen Bogens, welcher den Generator vom Ueberhitzer trennt. Das Gas geht um denselben herum, statt dass der Bogen wie üblich durchlöchert ist. Eine wesentliche Verbesserung gegen andere Apparate ist dies nicht.

Textabbildung Bd. 281, S. 69
Martin's Apparat (Fig. 21) unterscheidet sich von anderen Apparaten nur durch die Einführungsart des |70| Oeles. Die Verbindung zwischen Generator und Ueberhitzer ist breit ausgedehnt; im obern Theil des Kanals ist eine Steinplatte, auf welche die carburirende Naphta aus oben eintretenden Einlaufröhren tropft. Das Oel wird durch das heisse Wassergas verdampft und gelangt mit diesem in den Ueberhitzer zur Fixirung.

Textabbildung Bd. 281, S. 70
Pratt und Ryan's Apparat (Fig. 22) unterscheidet sich von anderen durch die Füllung des Ueberhitzers; statt der üblichen viereckigen Steine ist eine Reihe von Bögen aus feuerfesten Steinen eingemauert. Jeder derselben dient als Oeleinlauf, die Bögen sind hohl und durchbrochen. Das Oel läuft zur Mitte des Bogens, vertheilt sich in Arme und fliesst in die Kammern aus jedem Arm aus, wird vom heissen Wassergas aufgenommen und mitgeführt. Jeder Bogen kann einzeln gebraucht oder abgestellt werden.

Textabbildung Bd. 281, S. 70
Van Steenburgh's Apparat (Fig. 23). Generator und Ueberhitzer sind in einer Kammer. Die Ueberhitzerfüllung besteht aus Platten von feuerfesten Steinen; dieselben werden nur durch die Generatorgase erhitzt, nehmen also nicht die volle darin enthaltene Wärme auf, da Secundärluft nicht zugeführt wird. In Folge der geringen Ueberhitzungsfähigkeit können nur die leichtesten Kohlenwasserstoffe wie Naphta zur Herstellung eines wirklich permanenten Gases benutzt werden.

Loomis' Apparat (Fig. 24) ist meist zur Fabrikation von nicht leuchtendem Heizgas eingerichtet; eine Anlage aber wurde zu Beleuchtungszwecken erbaut. Es wird hier gewöhnliche Kohle im Generator verwendet. In dem Ueberhitzer sind statt der üblichen Steine dünne Wände in Reihen, so dass an keiner Stelle Verstopfungen durch Asche oder Russ auftreten können. Jeder Absatz fällt zu Boden und kann durch Handlöcher entfernt werden. Die Gebläseluft passirt die Kohlenschicht im Generator von oben nach unten statt wie gewöhnlich von unten nach oben. Auch der Dampf wird von oben eingeblasen, zersetzt sich in der Kohlenschicht und nimmt in einer Zwischenkammer das eingeführte Oel mit in den Ueberhitzer.

Textabbildung Bd. 281, S. 70
Bezüglich der Wirksamkeit der Apparate gibt wohl am besten die Zahl derselben Aufschluss. In den Vereinigten Staaten von Amerika bestehen:

nach dem Retortenprocess 9 Anlagen
Generatorprocess Abtheilung A) 46
„ „ Abtheilung B) 312
–––––––––––
zusammen 367 Anlagen.

Von diesen 367 Anlagen fallen auf die Processe von Lowe 120, Granger 49, Springer 45, Mac Kay-Critchlow 39, Flannery 12, Hanlon-Leadly 13, Hanlon-Johnson 9, Loomis 8, Jerzmanowski 10, auf die übrigen Systeme nur einzelne Apparate. Von den 1100 Städten in Amerika, welche Gasbeleuchtung besitzen, haben 305 Wassergasanlagen mit 367 Apparaten. (Nach eingesandtem Separatabzug aus American Gas Light Journal.)

Zur Beleuchtung von Paris.

Von M. H. Fontaine.1

Die bei der Beleuchtung der Stadt Paris in Frage kommenden Systeme sind: 1) Wachs-, Talg- und Stearinkerzen; 2) pflanzliche Oele; 3) Mineralöle; 4) Gas aus der allgemeinen Rohrleitung und comprimirtes (portatives) Gas; 5) elektrische Beleuchtung. Verfasser gibt einzeln die verbrauchten Mengen Beleuchtungsmaterial, sowie die erzeugte Lichtmenge an in den Jahren 1872, 1877, 1883, 1889.

1) Kerzen aus Wachs, Talg, Stearin u. dgl. Solche wurden in Paris eingeführt nach den Zolleinnahmen in den in folgender Tabelle angegebenen Mengen. Im Durchschnitt müssen 10 g (mit Ablaufen und Verlusten) verbrannt werden, um 1 Decimalkerze2 an Licht zu erzeugen. Danach berechnet ist die erzeugte Lichtmenge in Decimalkerzenstunden auf den Einwohner und das Jahr ebenfalls in der Tabelle angegeben.


Jahr
Verbrauch an
Einwohnerzahl
Decimalkerzen-
stunden auf den
Einwohner und
1 Jahr

Talg
Wachs
und Stearin
k k
1855 1299572 1288213 1174346 220
1872 874445 3805940 1851792 250
1877 670560 3599671 2044819 210
1883 448800 4557446 2299193 217
1889 307880 4145263 2389705 190
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Die Beleuchtung mit Kerzen bleibt demnach ziemlich gleich mit geringer Abnahme. Bemerkenswerth ist, dass vor 30 Jahren fast gleiche Mengen Wachs und Talg verbraucht wurden, 1889 nur mehr an Talg der 30. Theil von Wachs und Stearin.

2) Vegetabilische und thierische Oele. In einer guten Carcellampe wird die Helligkeit von einer Decimalkerze durch 4,2 g Oel erlangt; da aber der grösste Theil der Lampen weniger sparsam ist, so kann man 5 g auf die Kerzenstunde rechnen. Danach liefert das in der Tabelle angegebene für Beleuchtungszwecke in Paris eingeführte Oelquantum folgende Helligkeit auf den Einwohner:


Jahr

Verbrauch an Oel

Decimalkerzen-
stunden
Decimalkerzen-
stunden auf die Ein-
wohner und das Jahr
k
1855 6894654 1378920800 1174,2
1872 8951064 1790212800 966,8
1877 7871721 1574344200 769,9
1883 7451523 1490304600 648,6
1889 6180339 1236067800 517,2

Die Tabelle zeigt, dass vegetabilisches Oel vor der Entdeckung der Erdölquellen die grösste künstliche Lichtmenge lieferte, während seine Wichtigkeit nunmehr in bedeutendem Abnehmen begriffen ist.

3) Erdöl und Erdölessenz. Erst gegen 1865 wurden Mineralöle auf brauchbare Weise zu Beleuchtungszwecken verwendet. Von dem in Paris eingeführten Quantum werden 95 Proc. zur Beleuchtung gebraucht, der Best zum Heizen, Schmieren u. dgl. Im Mittel braucht eine Lampe zur Herstellung einer Decimalkerze Helligkeit in der Stunde etwa 4 g. Mit dieser Zahl berechnet, liefert das eingeführte Erdöl etwa folgende Lichtmengen:


Jahr
Erdöl und Naphta
zur Beleuchtung
dienend
Decimalkerzen-
stunden auf die Ein-
wohner und das Jahr
1855
1872 3759556 503,1
1877 5919716 722,0
1883 11456620 1244,0
1889 19084664 1995,0

Danach wächst die Erdölbeleuchtung ausserordentlich; in wenigen Jahren ist die erzeugte Lichtmenge zehn Mal so gross geworden als durch Kerzen und fünf Mal so gross als mit vegetabilischem Oel. Dieser Zunahme entspricht natürlich die Abnahme an vegetabilischem Oel; sie gründet sich auf sparsameren und bequemeren Verbrauch.

4) Gasbeleuchtung ist die am meisten verbreitete Beleuchtung in Paris. Dieselbe ist Monopol der Compagnie Parisienne du Gaz, welche den Cubikmeter an die Abnehmer zu 0,30 Frcs., an die Stadt zur öffentlichen Beleuchtung für 0,15 Frcs. abgibt. Der Gasverbrauch in



Jahr
Production
in Millionen
cbm
Gasverbrauch in Paris nach Millionen cbm
Erzeugte Deci-
malkerzen-
stunden
Kerzen-
stunden
auf 1 Einw.

Verlust
ausser-
halb
Paris
Beleuchtung
Hei-
zung
Kraft-
ma-
schine
öffent-
liche

private
1855 40,8 6,0 7,2 27,6 2784000000 2371
1872 140,7 15,6 6,6 14,6 84,3 26,6 7912000000 4272
1877 191,2 15,7 10,0 16,5 105,0 42,5 0,9 9768000000 4776
1883 283,9 16,0 18,0 22,5 152,4 72,0 3,0 13992000000 6087
1889 312,2 17,0 19,9 30,1 159,9 81,8 3,5 15200000000 6470

Paris betrug die in beistehender Tabelle angegebenen Zahlen, und das zur Beleuchtung dienende Quantum lieferte die dabei angegebene Helligkeit, wobei gerechnet wurde, dass 1 cbm Gras im Mittel 80 Kerzen in der Stunde liefert.

Die Gasbeleuchtung nimmt also trotz Erdöl und Elektricität nicht ab. Das Jahr 1889 ist aber (wegen der Ausstellung) ein abnormes und deshalb auch die Zahl 6470 nicht normal. Unter gewöhnlichen Verhältnissen dürfte sie die vorige Zahl, 6087, nicht überschritten haben. – Das „gaz portatif“, welches in Charonne aus bituminösem Schiefer dargestellt und, auf 10 bis 12 at comprimirt, den Abnehmern ins Haus gebracht wird, kommt den grossen Zahlen der allgemeinen Gasversorgung gegenüber gar nicht in Betracht.

5) Elektrische Beleuchtung erschien in Paris zuerst 1873, eine Dynamomaschine mit Gleichstrom bei M. Gramme; 1877 waren 22 Anwendungen mit 230 , 1883 schon 900 , welche 360000 Kerzen lieferten. Gegen Ende 1889 dagegen, als die Beleuchtung der Ausstellung weggenommen war, lieferte eine Betriebskraft von 17400 elektrisches Licht, welche von 322 Dampfmaschinen, 97 Gasmotoren, 65 Motoren mit verdünnter Luft und 43 mit Druckluft geleistet wurden. Für 1891 oder 1892 kann man 32000 in Aussicht nehmen. Folgende Tabelle gibt die Betriebskraft in ff an, welche 1890 in Paris zur Erzeugung des Stromes dienten.

im
Betrieb
in Aus-
führung

projectirt
Industrielle Anlagen 1900 200 600
Centralstationen 5325 9100 3000
Magazine 2750 300
Bahnhöfe 700 280
Hotels 700
Theater 3000
Plätze und Strassen 1215 800
Druckereien 290
Installationen mit Gasmaschinen
oder Druckluft

924



Verschiedene Installationen mit
Dampfmaschinen

620

200


––––––––––––––––––––––––––
Gesammt 17424 10580 3900

Diese 17424 liefern Strom für 6800 Bogenlampen und 118000 Glühlampen; deren Gesammtleuchtkraft beträgt 3484000 Decimalkerzen, so dass eine etwa 200 Kerzen entwickelt. Dabei sind 70 Proc. der Kraft als Ausbeute der Dynamomaschine angesehen. Als tägliche Brennzeit sind 4 Stunden gerechnet. Die erzeugte Gesammthelligkeit beträgt:


Jahr

Kerzenstunden
im Jahr
Kerzenstunden
auf 1 Einwohner
und Jahr
1855
1872
1877 134220000 65
1883 525560000 230
1889 50878080000 2130

Alle diese Beleuchtungsarten zusammen umfasst die auf S. 72 folgende Tabelle in Decimalkerzenstunden im Jahr auf den Einwohner.

Paris hatte also 1889 eine künstliche Beleuchtung von 11300 Kerzenstunden auf den Einwohner und das Jahr, also etwa 30 auf den Tag. Davon fallen 1,6 Proc. auf Wachs, Talg, Stearin; 4,5 Proc. auf |72| vegetabilische Oele; 17,7 Proc. auf Erdöl, 18,9 Proc. auf Elektricität und 57,3 Proc. auf Gas.

(Vgl. den Text auf S. 71.)


Jahr

Kerzen
Vegetabi-
lische Oele

Mineralöl

Gas

Elektricität

Gesammt
1855 220 1174 2376 3765
1872 250 967 503 4272 5992
1877 210 770 722 4776 65 6543
1883 217 649 1244 6087 230 8427
1889 190 517 1995 6470 2130 11302

Fontaine zieht folgende Schlüsse aus seinen Untersuchungen: Die gegenwärtige Beleuchtung von Paris ist drei Mal grösser als vor 30 Jahren. Pflanzliche Oele, Wachs, Stearin und Talg ergeben zusammen nur 6 Proc. der Gesammthelligkeit; diese Menge verringert sich jedes Jahr. Die hauptsächlichsten Lichtquellen sind Gas, Elektricität und Erdöl. Die Anwendung von Gas bleibt fast gleich-massig, Erdöl steigt bedeutend. Wenn die jetzt in Ausführung begriffenen elektrischen Stationen fertig gestellt sind, mit täglich 12 Stunden Gang, so werden an elektrischer Beleuchtung auf den Einwohner etwa 11760 Kerzenstunden treffen, d.h. mehr als die Zahl, welche jetzt alle Beleuchtungsarten zusammen liefern. (Journal des usines à gaz, 1890 Bd. 14 S. 212.)

W. Leyhold.

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Vortrag, gehalten auf der internationalen Elektrikerversammlung 1890 zu Paris.

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Der 20. Theil der Violle'schen Platinlichteinheit, welche von der internationalen Elektrikerconferenz 1884 als Normallicht angenommen wurde, etwa 1/10 Carcel.

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