Titel: Die Papiermaschine und die beim Arbeiten mit derselben zu beachtenden Punkte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 131–134)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281051

Die Papiermaschine und die beim Arbeiten mit derselben zu beachtenden Punkte.

(Fortsetzung des Berichtes S. 104 d. Bd.)

B. Nasspressen.

Nachdem die Papierbahn durch die Gautschpresse von dem anhaftenden Wasser so viel als möglich befreit ist, wird dieselbe, wie angegeben, auf den Nassfilz übergeführt. Zweck des Nassfilzes ist, die Papierbahn, bevor solche nochmals gepresst wird, auf dem Filz oder an der Luft etwas abzutrocknen. Die Papierbahn hat immer noch solchen Feuchtigkeitsgehalt, dass sie nicht im Stande ist, bei der Vorwärtsbewegung sich frei zu tragen, der Filz dient deshalb auch noch als Unterlage. Die Filze werden aus Wolle angefertigt, auf deren Oberfläche lange Haare liegen. Die Weite des Gewebes ist verschieden, je nach der Art des zu verarbeitenden Papiers, auch sind die an einer Maschine befindlichen Filze verschieden, je nachdem sie für Nass- oder Steigefilze dienen. Es wurde der Versuch gemacht, wie bei den Trockenfilzen auch Nassfilze aus Baumwolle zu fertigen, der Erfolg war insofern ungünstig, als diese nicht genügend Feuchtigkeit aufnahmen, somit die Entwässerung des Papiers nicht genügend war. Für die Führung des Nassfilzes ist Haupterforderniss, dass dieser auf der ganzen Breite gleichmässig gespannt ist. Derselbe läuft über die untere Presswalze, wird durch Filzleitwalzen geführt und durch verschiedene Lagerung dieser Walzen gespannt. Die Art, Filze mit Riemen und Leitrollen zu versehen und so zu spannen, dass sie ohne Falten zu fähren sind, ist veraltet. Eine, von der Mitte ausgehende spiralförmig mit fester Trommelschnur umwickelte Walze streicht den Filz nach beiden Seiten auswärts, so dass derselbe ohne Falten läuft. Es ist dieses deshalb dringend nöthig, weil, wenn der Filz in Falten durch die Presse geht, der Druck so gross ist, dass diese Stelle des Filzes durchbricht und der Filz gestopft werden muss. Die Lagerung der beiden Presswalzen, zwischen denen der Filz mit der Papierbahn geht und ausgepresst wird, war früher derart, dass die Zapfen beider Walzen senkrecht über einander lagen; jetzt ist die Lagerung so, dass die obere Walze etwas zurück nach dem Siebe zu liegt; hierdurch ist der Ablauf des Wassers erleichtert, indem die Maschen des Gewebes oder Siebes nicht durch die Walze geschlossen werden. Die gleiche Lagerung hat auch auf die Gautschpresse Anwendung gefunden.

Wie für die Gautschpresse ist es auch für die verschiedenen Nasspressen nöthig, dass die Zapfen der Walzen kurz und sehr stark genommen werden; denn werden diese verbogen, so federn die Walzen, und die Papierbahn wird an den Seiten mehr als in der Mitte gepresst. Beide Presswalzen wurden früher aus Hartguss gearbeitet und auf einander geschliffen. Dieses ist deshalb nöthig, damit die Walzen auf der ganzen Breite gleichmässig auf einander liegen und die Papierbahn auf der ganzen Maschinenbreite gleich gepresst und entwässert wird. Die untere Walze, über welche der Filz läuft und welche von diesem umgeben ist, wird weniger der Luft ausgesetzt, und wird der Ansatz von Rost an dieser begünstigt. Befördert wird die Rostbildung ausserdem dadurch, dass an Stelle des früher verwendeten und neutralen Alauns jetzt fast allgemein schwefelsaure Thonerde genommen wird, die in Folge des vorhandenen sauren Salzes immer etwas sauer reagirt. Wird berücksichtigt, dass von schwefelsaurer Thonerde immer etwas im Ueberschuss vorhanden, da solches für die sichere Leimung des Papiers nöthig ist, so erklärt sich auch die vermehrte Rostbildung und die damit im Zusammenhang stehende rauhere Oberfläche der unteren Presswalze. Wenn auch der zwischen Papier und Walze laufende Filz die Unebenheiten etwas ausgleicht und das Papier noch ausdrückt, so macht sich der Misstand doch immer mehr geltend und die Walzen müssen abgeschliffen werden, eine Arbeit, die bei dem grossen Gewichte der Walze nicht nur schwierig, sondern auch zeitraubend ist. An Stelle der Stahlwalzen sind deshalb für die unteren Presswalzen vielfach mit Gummi bezogene Walzen im Gebrauch. Diese haben den Misstand des Röstens nicht, haben elastische Unterlagen, wodurch das Auspressen der Papierbahn vollkommener ist, selbst wenn die Walzen sich an den Zapfen etwas durchgebogen haben. Auch werden die Filze hierbei weit mehr geschont. Die Walzen bleiben immer glatt und blank und was die Haltbarkeit derselben betrifft, so muss diese immerhin eine grosse sein, da von einigen Stellen Garantie bis zu 3 Jahren gegeben wird. Nur ist darauf zu achten, dass der Gummi wenigstens 5 bis 6 cm stark sein muss, wenn derselbe halten soll. Eine weitere Verwendung ist diejenige der Filzwickelwalzen, welche an Stelle der unteren Press walze genommen werden. Für besagten Zweck sind diese Walzen sehr geeignet, indem sie weich und elastisch sind. Filzstreifen werden um die Walze gelegt und wenn die ganze Länge umrollt ist, wird die Walze grossem Druck ausgesetzt und der Filz zusammengepresst. Dieses wird so lange wiederholt, bis die ganze Walze umwickelt ist, worauf die beiden Seitenköpfe mit Scheiben oder Ringen geschlossen werden. Demnächst werden die Walzen abgedreht und haben eine ähnliche Härte wie die Papierwalzen der Kalander. Es handelt sich hierbei hauptsächlich darum, dass die einzelnen Stellen, an welche die neuen Auflagen kommen, sich nicht in der Walze bemerkbar machen. Nach dem Abdrehen muss die Walze so hart sein, dass sie, sowohl nass wie trocken, von dem Nagel keinen Eindruck annimmt. Beim Filz ist zu beachten, dass nur solcher von genau gleicher Stärke genommen wird, da verschiedene Stärke sich dadurch bemerkbar macht, dass Ringe in den Walzen hervortreten, besonders wenn sie feucht werden und diese Ringe markiren im Papier. Eine solche sehr festgepresste Walze war über 3 Jahre in ständigem Betriebe, ohne dass irgend eine Reparatur oder Aenderung nöthig wurde. Dieselbe würde auch noch weiter benutzt worden sein, wenn nicht eine Schraube mit durchgegangen wäre. Vor den Stahlwalzen und Gummiwalzen haben die Filzwalzen den Vorzug, dass Sandkörner, welche sich in Stahl- oder Gummiwalzen festsetzen und bei jeder Umdrehung in der Papierbahn Löcher geben, |132| sich in die Filzwalzen eindrücken, so dass die Sandkörner im Papier nicht markiren. Für Maschinen, welche Packpapier arbeiten, deren Material sandhaltig ist, sind diese Walzen besonders zu empfehlen. Das Abdrehen derselben soll erleichtert werden, wenn sie einige Zeit in heissem Wasser gelegen haben; die Oberfläche wird nach dem Trocknen hart und glänzend. Was die Lagerung der Presssowie Glättwalzen in der Stuhlung der Maschine betrifft, so ist bei beiden Walzenarten dafür zu sorgen, dass die Seitentheile der Stuhlung herausnehmbar sind, damit die schweren Walzen nicht durch Flaschenzüge oder Aufbauen von Gestellen ausgewechselt werden, sondern einfach durch Herausziehen. Bei den neuen Maschinen ist hierauf Rücksicht genommen und dadurch vielen Gefahren, sowie unbequemem Hantiren vorgebeugt.

Als Presse auf die starken kurzen Zapfen lässt man am besten die Hand- oder Spindelpresse wirken, welche durch Anziehen der Pressschraube wirkt. Hier bekommt der Maschinenführer den Druck nach und nach ins Gefühl, so dass die Pressung immer dem Wunsche entsprechend geregelt werden kann, was bei den Hebelpressen nicht der Fall ist. Um jede Seite der Papierbahn an der glatten Presswalze und an dem Filze durch die Presse gehen zu lassen, wird die Papierbahn gewendet, indem dieselbe auf den zweiten Nassfilz oder Steigefilz übergeführt wird und mit diesem durch die Presse geht, und zwar diejenige Seite oben, welche zuvor auf dem Nassfilze lag. Hierdurch wird angestrebt etwaige Eindrücke auszugleichen, welche im Papier beim Durchgehen zwischen der ersten Presse entstanden. Für die zweite Presse oder diejenige des Steigfilzes gilt genau das Gleiche, was bei der ersten Presse gesagt wurde. In den meisten Fällen werden nur zwei, höchstens drei Pressen verwendet; der Versuch, vier Pressen zu benutzen und diese weniger wirken zu lassen, hat sich nicht bewährt; ihr Zweck kann nur sein, die Markirung der vorhergehenden Presse durch die nachfolgende auszugleichen.

Um das Sitzenbleiben der Papierbahn an den Walzen zu verhindern, dienen die Schaber. Diese haben den Zweck, die Papierbahn von der oberen Walze abzustreichen; das Abnehmen der Papierbahn von den Presswalzen geschieht mit der Hand. Um die Papierbahn abzunehmen, wird an der Seite ein spitzes Ende zu fassen gesucht, dieses nach der Mitte zu gerissen und auf dem Filz weiter geführt, bis der Gehilfe von der anderen Seite der Maschine das Gleiche ausgeführt hat und seine Hälfte auch auf dem im Gange befindlichen Filz liegt, so dass beide Theile zusammen treffen und die ganze Papierbahn selbsthätig von der Walze abgenommen und auf den Filz gelegt wird. Wenn die feuchte Papierbahn einreisst oder an der Walze sitzen bleibt, so kann der Grund darin liegen, dass der Filz unrein und beim Durchgehen zwischen der Presse diese verdrückt wird, da der Filz das Wasser nicht ablaufen lässt, ein Misstand, der sehr häufig beobachtet wird, wenn breites Format gearbeitet wird, nachdem vorher schmal gearbeitet war. Hier sind nicht nur der Filz, sondern auch die Walzen verunreinigt. Die Reinigung des Filzes kommt später zur Sprache; um die Walze an den Seiten zu reinigen, wird häufig Terpentinöl genommen oder die unreinen Stellen werden mit einem damit befeuchteten Lappen gerieben. Für den Anfang hilft dieses ganz gut, aber nach einiger Zeit, wenn das Oel verharzt ist, bleibt das Papier weit mehr sitzen und alles Reiben hilft nicht. Abwaschen mit einem Schwamm, der mit caustischer Lauge befeuchtet ist, hilft am besten; doch kann dieses nur vor Beginn der Arbeit geschehen und ist darauf zu achten, dass von der Lauge nichts auf den Filz kommt, indem dieser sonst beschädigt wird. Wird, so weit die unreine Stelle der Presswalze geht, etwas nasses Papier an der Walze wie an den Schaber angedrückt und hierauf etwas gepulverte schwefelsaure Thonerde gestreut, so zerfliesst diese, das aufgelegte feuchte Papier wird damit durchdrungen, so dass nach kurzer Zeit die Papierbahn nicht mehr an der Walze haften bleibt. Das Mittel wird von praktischen Maschinenführern verwendet, die Erklärung seiner Wirkungsweise fehlt, es ist mit diesem wie mit einer Reihe anderer Verfahren, bei welchen „Probiren über Studiren“ geht. Bei unreinem Filz oder wenn die Papierbahn in der Gautschpresse nicht genügend entwässert wurde, kann das Sitzenbleiben der Papierbahn an der Presswalze auch dadurch verhindert werden, dass dieselbe etwas weniger gepresst, die Walze hoch genommen wird. Häufig bleibt auch die Papierbahn haften, wenn die Ränder unegal oder beschädigt sind, dieses ist jedoch meist schon an der Gautschwalze der Fall. Hier hilft man sich ausser mit dem Mittel, welches bei den Schaumhaltern angegeben wurde, auch dadurch, dass die Ränder verstärkt werden durch ein Spritzrohr, welches zwischen dem ersten und zweiten Sauger angebracht ist und die Ränder nach innen zu spritzt. Hierdurch wird der Rand glatt und dicker, so dass sowohl an der Gautschwalze, als auch an der Presswalze sich das Papier leichter abnimmt. Haltloses Papier, zu welchem todt gemahlener Stoff verarbeitet werden muss, lässt sich durch die angegebenen Verfahren nicht weiter führen; hier lässt man einen Wollfaden oder Leinenstreifen mit der Papierbahn an den Rändern derselben mit durch die Presse gehen, der Faden gibt der Papierbahn Halt und ist diese erst trocken, so trägt sie sich ohne einzureissen.

Bei sehr dünnen Papieren ist das Abnehmen der Papierbahn mit der Hand nicht möglich, hier geschieht dieses, indem über die obere Gautschwalze der Nassfilz geführt wird. Der Filz presst gegen die auf dem Sieb befindliche Papierbahn, nimmt diese ab und führt sie selbsthätig durch die Pressen und über die Trocknung. Auch hier ist erforderlich, dass die einzelnen Theile der Papiermaschine, deren jeder seinen besonderen Antrieb hat, genau geregelt werden; das Wie und Warum kommt zur Sprache bei dem „Antriebe“ der Maschine.

Der Schaber, welcher ausser dem Abstreichen des Papiers auch den Zweck hat, kleine an der Walze sitzen bleibende Stofftheilchen, bei scheebigem Papier die grösseren Scheeben abzustreichen, liegt an der nach rückwärts laufenden Walze. Ein weiterer Zweck des Schabers ist, die Sandkörner, welche sich bei mangelhaft gereinigtem Stoff in die Walze eindrücken, abzustreichen und zu entfernen, eine Bedingung, welche freilich nur mangelhaft erfüllt wird, indem diese sich häufig zwischen Schaber und Walze einklemmen und Riefen in die Walze einschleifen. Wenn das Vorkommen nicht sofort gefunden wird, können die Riefen so stark werden, dass sich die Eindrücke der Walze im Papier markiren. Dieses erhält auf der Oberfläche sichtbare Linien, die so stark werden können, dass die Walze dadurch unbrauchbar wird und abgedreht werden muss. Es ist nöthig, dass der Schaber überall dicht und gleichmässig |133| an der Walze anliegt, und dennoch gibt derselbe häufig den Anlass zu vielem Ausschuss, indem er bei aller Sorgfalt nicht auf der ganzen Walzenbreite so angeschliffen wird, dass er an allen Stellen gleich anliegt und die Oberfläche der Walze blank hält. Der Schaber erhält ausserdem durch Sandkörner schadhafte Stellen, an welchen sich Rost auf der Walze ansetzt, welcher solange unschädlich ist, als die Lage des Schabers nicht geändert wird. Wenn dieses jedoch nöthig wird, sei es beim Einziehen eines neuen Filzes oder aus sonstigen Ursachen, so verschiebt sich beim Neuanlegen auch der Schaber, er liegt an anderen Stellen an. Von diesen wird jetzt der Rost der Walze abgeschliffen, überträgt sich auf das Papier und dieses erhält so lange Roststreifen und Flecken, bis der Schaber denselben von der Walze abgeschliffen hat. Aeltere Walzen und solche, die weniger hart sind, zeigen diesen Fehler mehr als neue aus polirtem Hartguss. Jedenfalls ist darauf zu achten, dass beim Stillstande die Walze nicht zu lange auf dem nassen Filze aufliegt; auch wenn die Walze hoch genommen ist, begünstigt der nasse Filz die Rostbildung. Ein Stück doppelt gelegter Nassfilz wird besonders für jede Nasspresse gehalten, und dieser zwischen Walze und Filz gelegt. Hierdurch wird der Filz geschont, die unangenehmen Rostflecken im Filz bleiben weg, ebenso auch der Rostansatz an der Presswalze. Die Schaber, welche gewöhnlich aus hartem bestem Stahl gefertigt werden, wurden auch versuchsweise aus Bronze oder Hartem Gummi hergestellt; beide Stoffe erwiesen sich jedoch zu weich oder zu spröde, die Schneide wurde zu rasch abgenutzt oder sprang aus, so dass dann Stellen entstanden waren, welche nicht an der Walze anlagen, weshalb der früher verwendete Stahl beibehalten wurde.

Die Nassfilze sowohl wie auch die Steigefilze haben lange Haare, welche mit dem Laufe der Filze liegen; für die Herstellung gleichmässig aussehenden Papieres sind diese unbedingt nöthig, dieselben verdecken die Maschen des Gewebes, so dass diese nicht in das Papier eingepresst werden. Häufig findet man Papier, bei welchem sich die Gewebemaschen zeigen; hier hat entweder der Schlauch der Gautschwalze oder auch der Filz die Haare verloren, der Stoff war ausserdem sehr schmierig gemahlen, gab das Wasser schwerer ab, so dass die Papierbahn zu feucht war und die Eindrücke des Gewebes annahm. Harzleim und Stärke sind der Anlass, dass die langen Haare am Filz eintrocknen oder festgeleimt werden. Es müssen deshalb vor Beginn der Arbeit, wenn die Filze laufen, diese ausgeklopft werden, wodurch die Haare wieder abstehen; bürsten oder kämmen ist nicht zu empfehlen, da hierdurch die Haare ausgerissen werden. Schon das Ausklopfen trägt dazu bei, dass der Filz Haare verliert, weshalb das Klopfen mit Vorsicht geschehen soll. Wie bei der Gautschwalze beschrieben, sind die langen Haare der Anlass, dass die Papierbahn vom Filz abgestossen wird, wenn diese durch die Presse geht; die Haare wirken federnd, so dass sich die Papierbahn leichter abnehmen lässt. Die Filze der ersten Presse müssen leicht und weniger dicht gewebt sein, da diese die Aufgabe haben, das meiste Wasser aufzunehmen und auch rasch abzugeben. Diejenigen der zweiten Presse werden stärker gepresst, sie haben mehr Druck auszuhallen, welchem sie Widerstand leisten müssen, weshalb auch das Gewebe feinmaschiger. Der Zweck der zweiten Presse ist ausserdem, die erste Pressung zu egalisiren. Da durch die zweite Presse, auch Steigepresse genannt, der Filz in die Höhe geführt wird, theils um das Papier zu wenden, sowie auch um Raum zu sparen, so liegt die Presse in dem Filze. Das abgepresste Wasser würde also auf den Filz laufen und dieser immer zu nass sein. Es ist deshalb bei der Steigepresse die Vorrichtung getroffen, dass unter der Presse eine leichte aus Kupfer gefertigte Rinne angebracht ist, in welche das abgepresste Wasser tropft. Zum Ablaufen des Wassers aus der Rinne ist seitlich ein kleiner Stutzen angebracht, über welchen ein Blechrohr gestreift ist. Hier ist darauf zu achten, dass dieses sich nicht verstopft, damit die Flüssigkeit immer abläuft und Verunreinigung des Filzes verhindert wird. Das Laufen der Filze ist für die Haltbarkeit derselben von grossem Werthe. Haupterforderniss ist für dieselben, dass alle Walzen, über welche die Filze laufen, einander genau parallel liegen, ausgenommen die Leitwalze, welche gegen die anderen etwas schief liegt, damit der Filz etwas nach rechts oder links geführt werden kann, je nachdem es der Lauf desselben nöthig macht. Parallele Lagerung der Walzen ist deshalb nöthig, da der Filz, wenn dieses nicht der Fall, auf der einen Seite mehr in die Länge gezogen wird als auf der anderen. Es entstehen Falten, und wenn diese durch die Presse gehen, wird der Filz beschädigt, ja unbrauchbar. Alle Filze erhalten von der Fabrik aus auf ihre ganze Breite einen blauen oder schwarzen Strich; beim Einlegen muss darauf geachtet werden, dass dieser Strich beim Laufen in gerader Linie läuft, d.h. dass nicht die eine Seite etwas mehr vorläuft und die andere zurück bleibt. Ist dieses der Fall, so wird der Filz auf der einen Seite mehr gespannt als auf der anderen. Wird der Fehler sofort bemerkt und der Filz auf der vorauslaufenden Seite mehr gespannt oder die zurück bleibende Seite wird nachgelassen, so hebt sich die Verlängerung auf beiden Seiten des Filzes wieder auf. Der Antrieb des ersten Nassfilzes geschieht durch die untere Presswalze, hierdurch wird das Gewebe nahe beim Eintritt in die Presse durch den ausgeübten Zug dichter, indem die Längsfäden sich enger an einander legen, so dass das Wasser weniger ablaufen kann. Es wird deshalb an manchen Maschinen die Einrichtung getroffen, dass der Antrieb des Filzes durch besondere unter der Presse liegende Walzen geschieht. Der Antrieb wird in diesem Falle durch einen auf der unteren Walze liegenden Riemen übertragen und diese Vorrichtung hat den weiteren Zweck, dass sie als Filzwäsche gebraucht wird.

Durch den Leim, das Harz, Stärkemehl u.s.w. verlieren die Filze ihre Weiche, die Maschen werden verstopft, so dass sie beim Durchgang zwischen den Walzen das Wasser nicht mehr aufnehmen und das Papier wird zerdrückt. Es handelt sich also darum, der Wolle wieder die Weiche zu geben und die Gewebemaschen zu öffnen die Filze wieder für das Wasser aufnahmefähig zu machen. Dieses geschieht durch Waschen mit Wasser, indem solches während des Ganges durch Spritzrohre auf den Filz kommt, während es beim Durchgang zwischen zwei, auch drei Walzen wieder ausgepresst wird, so dass der Filz hierdurch ausgewaschen und ausgepresst für die Aufnahme des Papiers vorbereitet ist. Diese Filzwäschen sind die continuirlichen und bleiben so lange brauchbar als der Filz nicht durch Löcher oder sonstige grobe Beschädigung ausgewechselt werden muss. Die Vorrichtung ist neuer und wird nur an wenigen Maschinen getroffen. Am gebrauchlichsten |134| ist die Filzwäsche, welche getrennt von der Maschine ist, bei welcher der Filz über eine aus hartem Holz gefertigte Walze gelegt wird, auf welcher eine zweite gleich grosse Walze liegt und presst. Die Walzen liegen über einem aus Holz gearbeiteten Troge, in welchem auch der Filz hängt und welcher mit Wasser gefüllt ist. Statt der glatten Walzen sind auch cannelirte und mit starkem Kupferblech überzogene Holzwalzen im Betriebe. Dadurch dass das Kupferblech eine Menge erbsengrosser Löcher hat, dringt das Wasser in die Rinne und das Entwässern des Filzes wird besser und vollständiger. Indem die Walzen durch Vorgelege entgegengesetzte Bewegung erhalten, wird der Filz auf der einen Seite der Walze heraufgezogen und fällt ausgepresst auf der anderen Seite wieder ins Wasser, was so lange fortgesetzt wird, bis er seine Reinheit und Weiche wieder hat. Es wird empfohlen, zum Waschen heisses Wasser mit Soda- oder Seifezusatz zu nehmen. Gegen die letzteren Stoffe lässt sich wenig sagen, das Waschen mit heissem Wasser ist aber entschieden zu verwerfen, indem hierdurch gerade das Gegentheil erreicht wird, was man anstrebt. Durch das heisse Wasser zieht sich der Filz mehr zusammen, die Fäden werden dicker und die Maschen des Gewebes enger. Wenn ein so behandelter Filz wieder auf die Maschine kommt, wird er ebenso undurchlässig sein als zuvor. Für das Waschen der Filze eignet sich am besten der blaue fette Thon, wenn von diesem so viel in den Trog der Filzwäsche genommen wird, dass das Wasser dunkel gefärbt ist und seine Dünnflüssigkeit behält. Der Thon kommt feucht, in einem Eimer kalten Wassers zerdrückt, mit dem Waschwasser zusammen; er muss frei von Sand und Feldspathstückchen sein, denn wenn diese mit durch die Walzen gehen, bekommt der Filz Löcher. Die fettige Beschaffenheit des Thones nimmt das Fett, sowie Harz leicht auf, und diese werden mit dem Wasser aus dem Filz gepresst. Die Wirkung des blauen Thones als Zusatz zum Waschwasser zeigt sich bei einem mit grossem Schmierölflecken beschädigten Filz am besten. Nachdem der Filz sofort nach dem Unfall 8 bis 10 Stunden gewaschen war, bemerkte man von dem Schmierflecken nichts mehr. Hier muss jedoch ein Unterschied gemacht werden zwischen frischer und verharzter Schmiere; veraltete verharzte Flecken erfordern längere Behandlung.

Als früher noch mehr dunkler Cattun gearbeitet wurde, war Gummi eine höchst unangenehme Zugabe im Stoffe. Durch das Kochen wurde derselbe weich und wenn das meiste Wasser von der Papierbahn entfernt war, klebten die Gummistückchen an dem Nass- und Steigefilze. Das Entfernen war sehr schwierig und nöthig, da die Papierbahn, wenn ein solches Stückchen mit durch die Presse ging, am Filz kleben blieb und Ausschuss entstand. Auch dieser Gummi wurde durch das Thonwasser leicht vom Filz entfernt. Wenn, wie bei den feinsten Papieren, nur immer neue oder wenig abgearbeitete Filze benutzt werden müssen, so lässt sich durch richtiges Waschen der Filze sehr viel ersparen. Auf beschriebene Art behandelte Filze erhielten ihre Weichheit, so dass die Entwässerung des Papiers eine möglichst vollkommene ist und die Filze im Papier nicht markiren.

Beim Einlegen neuer Filze oder auch getrockneter nach dem Waschen ist es für das gerade Laufen der Filze nöthig, dass diese vor Beginn der Arbeit einige Zeit leer laufen, wobei dieselben aus einem Sprengfass gleichmässig mit Wasser befeuchtet werden so lange, bis sie vom Wasser durchdrungen sind. Der Lauf der Filze wird beobachtet und dabei gesehen, ob dieselben beim Waschen nicht einseitig geweitet sind und die Marke auf beiden Seiten gleich steht. Von dem angefeuchteten Filze lässt sich ausserdem die nasse Papierbahn leichter abnehmen, als von dem nicht gleichmässig befeuchteten Gewebe. Beim Ueberführen der Papierbahn auf den Nassfilz kommt es häufig vor, besonders wenn der Stoff sehr schmierig gemahlen ist und auch der Filz schon einige Zeit im Gebrauch ist, dass die Papierbahn zu fest aufliegt, wodurch die Luft zwischen Filz und Papierbahn nicht entweichen kann. Dieselbe wird auf einen immer kleineren Raum zusammen gedrängt, übt einen Druck auf die weiche Papiermasse aus, wodurch diese ausgedehnt wird, und im Papier entstehen Blasen und Beulen, welche beim Trocknen nicht verschwinden. Beseitigt wird der Fehler durch weiche Filze, bei denen das Gewebe offen ist, so dass die Luft durch die Filzmaschen entweichen kann. Weiter werden die Blasen verhindert, wenn eine schwache Holzwalze mit einem Streifen Nassfilz überzogen so auf den Nassfilz mit der Papierbahn gelegt wird, dass die Holzwalze auf den Filz angedrückt wird. Dadurch, dass die Walze die ganze Breite des Nassfilzes hat, also auf beiden Seiten über die Papierbahn reicht, wird dieselbe von dem Nassfilze mitgenommen, ohne dass die Papierbahn einreisst.

Als Filzleitwalzen findet man an älteren Maschinen noch solche aus Holz; hier ist darauf zu achten, dass das Holz möglichst frei von Aesten ist, denn das feuchte Holz schleift sich bei der Bewegung ab, während die Aeste stehen bleiben. Treten diese zu weit vor, so geben die Aeste im Filze Löcher, wenn dieser etwas stark gespannt wird. Es ist dieses um so leichter möglich, da die Walzen durch die Filze verdeckt sind. Nachdem die Papierbahn durch die beschriebenen Manipulationen so weit entwässert und getrocknet ist, dass sie sich selbst zu tragen vermag, erfolgt die Ueberführung auf die Trockenpartie.

(Fortsetzung folgt.)

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