Titel: Der Bergwerksbetrieb Oesterreichs im Jahre 1889.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 134–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281052

Der Bergwerksbetrieb Oesterreichs im Jahre 1889.1

A) Die Bergwerksproduction.

a) Gold und Silber. In ganz Oesterreich wurden 330,6 t Golderze (Böhmen 265,6 t, Salzburg 56 t) im Werthe von 10277 fl. erzeugt. An Silbererzen wurden 13956,6 t im Werthe von 3130016 fl. gewonnen. Die ganze Production fand in Böhmen statt. Die Golderzeugung betrug 13,162 k im Werthe von 17673 fl. und die Silbererzeugung 35435,350 k im Werthe von 3157153 fl. An der Goldgewinnung participirt Böhmen mit 1,684 k und Salzburg mit 11,478 k, an der Silbererzeugung Böhnen mit 35056 k, Steiermark mit 32,489 k und Krain mit 346,861 k.

b) Quecksilber. An Quecksilbererzen wurden 73395,2 t im Werthe von 850052 fl. erzeugt. An metallischem Quecksilber wurden 566,618 t im Werthe von 1537015 fl. erzeugt.

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Eine Production von Quecksilbererzen und Quecksilber hat wie im Vorjahre nur in Krain stattgefunden.

c) Kupfer. An Kupfererzen wurden 7141,8 t im Werthe von 313699 fl. erzeugt. (Salzburg 5533,7 t, Tirol 1608,1 t.)

An Kupfer wurden 862,9 t im Werthe von 583638 fl. erzeugt, wonach der Mittelpreis in Folge des Sinkens der Kupferpreise nur 676 fl. 40 kr. (– 133 fl. 70 kr.) für 1 t betrug. An dieser Production ist Salzburg mit 62,00 Proc., Tirol mit 26,90 Proc. und Mähren mit 11,10 Proc. betheiligt.

In Böhmen, Salzburg und Mähren wurden als Nebenproduct 157,8 t Kupfervitriol im Werthe von 42620 fl. gewonnen.

d) Eisen. An Eisenerzen wurden 1115153,4 t im Werthe von 2487873 fl. erzeugt. Der Mittelpreis für 1 t am Erzeugungsorte betrug 2 fl. 23,1 kr. (+ 0,1 kr.). Für die einzelnen Kronländer ergaben sich folgende Quoten: Böhmen 376,3 t, Steiermark 222,6 t, Kärnten 145,7 t, Salzburg 127,1 t, Niederösterreich 124,4 t, Schlesien 107 t, Tirol 98,1 t, Mähren 89,5 t, Galizien 70,6 t und Krain 33,1 t.

Zur Erzeugung von Roheisen bestanden 91 Unternehmungen, von welchen 50 im Betriebe waren. Die Zahl der bei denselben befindlichen Hochöfen betrug 125, wovon 74 durch 3052 Wochen betrieben wurden.

Die Production betrug 555508 t Frischroheisen im Werthe von 20796815 fl. und 61503,8 t Gussroheisen im Werthe von 2780639 fl. An dieser Erzeugung participirte Böhmen mit 26,06 Proc., Niederösterreich mit 9,02 Proc., Salzburg mit 0,40 Proc., Mähren mit 26,93 Proc., Schlesien mit 6,54 Proc., Steiermark mit 23,08 Proc., Kärnten mit 6,38 Proc., Tirol mit 0,26 Proc., Krain mit 0,80 Proc. und Galizien mit 0,53 Proc. Die Roheisenproduction hat im J. 1889 in Böhmen, Niederösterreich, Mähren, Krain und Galizien zugenommen, dagegen in Salzburg, Schlesien, Steiermark, Kärnten und Tirol abgenommen. Der Mittelpreis für 1 t betrug für Frischroheisen 37 fl. 49 kr. und für Gussroheisen 45 fl. 20 kr.

e) Blei. Es wurden 12835,7 t Bleierze im Werthe von 1137547 fl. erzeugt. Die Bleigewinnung betrug 8217,8 t im Werthe von 1402765 fl. Der Mittelpreis für 1 t war 170 fl. 70 kr. An Glätte wurden 2301,95 t im Werthe von 367238 fl. gewonnen. Nach den Kronländern entfallen von der Bleiproduction auf Kärnten 66,51 Proc., Böhmen 21,96 Proc., Krain 11,01 Proc., Steiermark 0,48 Proc. und Galizien 0,04 Proc.

f) Nickel und Kobalt. In ganz Oesterreich bestanden wie im Vorjahre vier Nickel- und Kobalterzbergbaue, doch hat bei keinem derselben eine Erzproduction stattgefunden.

g) Zink. Es wurden 30096 t Zinkerze im Werthe von 432910 fl. erzeugt. Von dieser Production entfallen auf Steiermark 1027 t, Kärnten 9429 t, Tirol 2727,2 t, Krain 43,4 t und Galizien 16869,4 t. Die Zinkerzeugung betrug 4840,2 t im Werthe von 1101028 fl.; davon entfallen 4477,2 t auf metallisches Zink und 363 t auf Zinkstaub. Der Mittelpreis betrug für metallisches Zink 231 fl. 20 kr. und für Zinkstaub 181 fl. 20 kr. für 1 t. Nach den einzelnen Ländern entfallen von der Zinkproduction auf Galizien 38,87 Proc., Steiermark 35,75 Proc. und Krain 25,38 Proc.

h) Zinn. Die Gesammtproduction an Zinnerzen und Zinnmetall (nur in Böhmen) betrug 549 t Zinnerze im Werthe von 7275 fl. und 56,6 t Zinnmetall im Werthe von 70298 fl. Der Mittelpreis von 1 t Zinn betrug 1242 fl (– 202 fl. 50 kr.).

i) Wismuth. Auf Wismutherze bestanden sechs Unternehmungen, von welchen vier im Betriebe waren. Es wurden (nur in Böhmen) 773,2 t Wismutherze im Werthe von 21374 fl. erzeugt. Nur 21,9 t blieben im Inlande, das übrige Erzquantum wurde nach Sachsen abgesetzt. An Wismuthmetall wurde 0,111 t im Werthe von 1049 fl. zum Durchschnittspreise von 9454 fl. 50 kr. aus 1,9 t Erzen der privaten Einigkeitszeche bei Joachimsthal und auf Rechnung derselben in der k. k. Uranhütte zu Joachimsthal erzeugt. Die gesammte Erzeugung wurde seitens der Einigkeitszeche nach Hannover abgesetzt.

k) Antimon. In ganz Oesterreich wurden wie im Vorjahre nur in Böhmen Antimonerze und Antimon gewonnen, und zwar haben vier Unternehmungen 343,5 t Antimonerze im Gesammtwerthe von 39313 fl. erzeugt. Die gesammte Antimonerzeugung betrug 221,159 t im Werthe von 75792 fl., und zwar wurden erzeugt 57,573 t Antimon. crudum, 90,98 t Antimon Regulus, 4,3 t Antimonglas, 30,633 t Antimonoxyd und 37,673 t Antimonerzmehl. Der Mittelpreis betrug für Antimon, crudum 266 fl. 70 kr., für Antimon Regulus 483 fl. 70 kr., für Antimonoxyd 337 fl. 10 kr., für Antimonglas 630 fl. und für Antimonerzmehl 90 fl. für 1 t.

Sämmtliches Antimonoxyd und Antimonglas wurde nach Deutschland ausgeführt; die übrigen Producte fanden in Prag Absatz.

l) Arsenik. Bei den drei Unternehmungen fand weder ein Bergbau, noch ein Hüttenbetrieb statt.

m) Uranerz. In Böhmen wurden in drei Unternehmungen 16,83 t Uranerze im Werthe von 53178 fl. erzeugt.

An Uranpräparaten erzeugte die ärarische Hütte Joachimsthal 3,820 t im Werthe von 79605 fl. zum Mittelpreise von 20839 fl. für 1 t. Die Präparate fanden im In- und Auslande Absatz.

n) Wolframerz. Bei einer Unternehmung in Böhmen wurden 17 t Wolframerze im Werthe von 6820 fl. erzeugt. Davon wurden 4,2 t im Inlande und 12,8 t nach Dresden, Leipzig, Berlin abgesetzt.

Auf der Maria-Schönfeldzeche bei Schönfeld-Schlaggenwald wurden (unter Zinnerz ausgewiesen) 3 t Wolframerze im Werthe von 843 fl. als Nebenproduct gewonnen und hiervon 2 t nach Sachsen abgesetzt.

o) Chromerz. Die einzige Unternehmung zu Kraubath in Steiermark war ausser Betrieb.

p) Schwefelerz, Alaun- und Vitriolschiefer nebst den daraus erzeugten Producten. Es wurden 9785,3 t Schwefelerze im Werthe von 120444 fl. erzeugt. Von dieser Production entfallen auf Tirol 40,19 Proc., Böhmen 32,56 Proc., Steiermark 23,00 Proc., Schlesien 4,15 Proc. und Mähren 0,10 Proc.

An Schwefel wurden 40,3 t im Werthe von 2855 fl., an Alaun- und Vitriolschiefer 65204,3 t im Werthe von 42323 fl., Eisenvitriol 1082,3 t im Werthe von 34041 fl., ferner 3539,1 t Vitriolstein im Werthe von 68799 fl., 9731,9 t Schwefelsäure und Oleum im Werthe von 522356 fl. und 1547,5 t Alaun im Werthe von 112646 fl. erzeugt. Alle diese Producte wurden in Böhmen erzeugt bis auf 2,8 t Eisenvitriol, die auf Kärnten entfallen.

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q) Manganerz. In ganz Oesterreich betrug die Erzeugung 3926,1 t Manganerze im Werthe von 68318 fl.

An dieser Production sind betheiligt: Die Bukowina mit 59,53 Proc., Steiermark mit 26,36 Proc., Krain mit 13,59 Proc., Böhmen mit 0,27 Proc. und Kärnten mit 0,25 Proc.

r) Graphit. Es wurden erzeugt: 22336,1 t im Werthe von 702123 fl. (Böhmen 55,91 Proc., Mähren 22,50 Proc., Steiermark 15,98 Proc. und Niederösterreich 5,61 Proc.).

Der Hauptexport erstreckte sich auf Ungarn, Deutschland, England, Belgien und Amerika.

s) Asphaltstein. Gewonnen wurden 369,5 t im Werthe von 6375 fl. (Tirol 98,51 Proc. und Dalmatien 1,49 Proc.).

t) Mineralfarben. Ausser der bereits erwähnten Erzeugung von Uranpräparaten in Joachimsthal wurden in Böhmen 773 t Mineralfarben im Werthe von 22005 fl. erzeugt, darunter waren 628 t Pottée (Polirroth).

u) Braunkohle. Von 949 Unternehmungen waren 285 im Betriebe, welche 13845862,9 t Braunkohlen im Werthe von 22861112 fl. bei einem Durchschnittspreise von 1,651 fl. für 1 t erzeugten. Die Preise für 1 t schwankten zwischen 1,343 fl. und 5,722 fl. Von der gesammten Production entfielen in Procenten: auf Böhmen 79,06, Steiermark 15,33, Oberösterreich 2,64, Krain 0,80, Mähren 0,71, Istrien 0,52, Kärnten 0,43, Dalmatien 0,28, Tirol 0,19, Galizien 0,02, Niederösterreich 0,01 und auf Schlesien 0,01. Die Ausfuhr von Braunkohlen in das Ausland, und zwar hauptsächlich nach Deutschland und in die Länder der ungarischen Krone, ferner nach Italien, in geringerem Maasse auch nach Frankreich und in die Schweiz, betrug 5970985,6 t, darunter 18930 t Briquettes.

Auf Böhmen allein entfiel ein Export von 5754184,9 t, das sind 96,37 Proc. der gesammten Ausfuhr.

v) Steinkohle. Von den 327 Unternehmungen waren 134 im Betriebe und erzeugten 8592876 t Steinkohlen im Werthe von 26647937 fl. 1 t kostete 1,501 fl. bis 6,606 fl., im Durchschnitte 3,101 fl.

Von der gesammten Steinkohlenproduction entfielen in Procenten: auf Böhmen 43,06, Schlesien 37,60, Mähren 12,70, Galizien 6,05, Niederösterreich 0,59 und auf Steiermark 0,00 Proc.

Verkokt wurden 989693,1 t Steinkohlen, woraus 601950,7 t Koks im Werthe von 4346796 fl. gewonnen wurden. Das Ausbringen betrug sonach 60,82 Proc. und der Durchschnittspreis 7,271 fl. für 1 t. Von der gesammten Koksproduction entfielen auf Schlesien 371190,2 t, auf Mähren 179836,3 t und auf Böhmen 50924,2 t.

Die Briquetteserzeugung belief sich auf 27055,8 t, wozu 16693 t Steinkohle verwendet wurden.

Exportirt wurden 678469,8 t Steinkohlen und 68240 t Koks, zusammen 746709,8 t (– 343139,1 t), nach Ungarn, Deutschland, Russland, Italien, Serbien, Rumänien und in die Schweiz.

In ganz Oesterreich betrug der Werth der Bergbauproducte 58939809 fl. (+ 4976028 fl.), jener der Hüttenproducte 32748497 fl. (+ 2169090 fl.).

Der Gesammtwerth der Bergwerksproduction (d.h. der Bergbau- und Hüttenproduction) nach Abzug des Werthes der verhütteten Erze betrug in ganz Oesterreich 78806679 fl. (+ 6544300 fl.).

Von diesem Gesammtwerthe entfielen in Procenten: auf Böhmen 46,68, Niederösterreich 2,15, Oberösterreich 1,08, Salzburg 0,62, Mähren 9,10, Schlesien 14,35, Bukowina 0,06, Steiermark 14,98, Kärnten 4,76, Tirol 0,75, Vorarlberg 0,00, Dalmatien 0,19, Istrien 0,68 und Galizien 1,68.

Salinenbetrieb.

Die österreichischen Salinen haben 39855,2 t Steinsalz, 164536,6 t Sudsalz, 33995,7 t Seesalz und 44575 t Industriesalz erzeugt. Der Gesammtwerth der Production der Salinen betrug 21575855 fl. (– 127236 fl.).

Hiervon entfallen in Procenten: auf Galizien 36,62, Oberösterreich 29,78, Salzburg 9,55, Istrien 9,22, Steiermark 7,90, Tirol 4,92, Bukowina 1,15 und Dalmatien 0,86.

B) Räumliche Ausdehnung des Bergbaues, Betriebseinrichtungen, Arbeiterstand, Verunglückungen, Bruderladen, Bergwerksabgaben, Naphtabetrieb in Galizien im J. 1889, Mortalitäts- und Invaliditätsverhältnisse im Erhebungsjahre 1888.

I. Räumliche Ausdehnung des Bergbaues.

a) Freischürfe. In ganz Oesterreich bestanden am Jahresschlusse von 1889 27299 Freischürfe, von welchen 751 auf Gold- und Silbererze, 2608 auf Eisenerze, 20547 auf Mineralkohlen und 3393 auf andere Mineralien entfielen.

b) Bergwerksmaasse. Die Gesammtfläche der verliehenen Bergwerksmaasse betrug in ganz Oesterreich 170830,6 ha; hiervon waren 167033,5 ha Grubenmaasse und 3797,1 ha Tagmaasse. Von der verliehenen Maassenfläche entfielen auf Gold- und Silbererze 2332,4 ha, auf Eisenerze 17334 ha, auf Mineralkohlen 136625,5 ha und auf andere Mineralien 14538,7 ha.

II. Die wichtigsten Betriebseinrichtungen beim Bergbaue.

An Eisenbahnen bestanden im Ganzen 3069527 m, an Holzbahnen 141284 m. Zur Förderung und Wasserhaltung dienten 1158 Maschinen (1088 Dampfmaschinen und 70 mit comprimirter Luft betrieben) mit zusammen 58814 . Weiters wurden noch 579 Dampfmaschinen mit zusammen 12230 ausgewiesen, welche zum Betriebe von Ventilatoren, Aufbereitungs-, Luftcompressions- und anderen Hilfsmaschinen dienten, und bei den Hüttenwerken 83 Gebläsedampfmaschinen mit zusammen 13565 .

Von Neuerungen, Aenderungen bezieh. Verbesserungen in den Betriebseinrichtungen sind hervorzuheben:

Im Allgemeinen wurde wieder in der Berichtsperiode bei vielen Werken die elektrische Beleuchtung der Tagesanlagen, unterirdischen Maschinenlocale und Füllörter eingeführt, ferner telephonische Verbindungen zwischen den Werksanlagen, dann zwischen letzteren und den Kanzleien und endlich zwischen diesen und den Bahnhöfen.

In Böhmen wurde auf dem Bergbaue des Brunno Woller in Lubna eine neue Kohlenaufbereitung, System Karlik's Pendelrätter, in Betrieb gesetzt und dasselbe System kam auch auf dem Ferdinandschachte der a. priv. Buschtehrader Eisenbahn und bei der Dionys- und Laurenzigewerkschaft zur Anwendung. Auf dem neuen gemauerten Kunstschachte der Actiengesellschaft Montan- und Industrialwerke vormals J. D. Stark in Haselbach kam eine Wasserhaltungsmaschine mit 300 (Verbund-Receiver-Maschine, System Regnier mit Rittingersätzen) zur Aufstellung, ausserdem wurde ein Ventilator (System Kley) eingebaut und eine Kettenförderung zur Verladerampe in Davidsthal eingerichtet.

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Auf dem Werke der Zieditz-Haberspirker Gewerkschaft in Zieditz wurde ein 1200 m langer Förderstollen unter schwierigen Verhältnissen, stellenweise in brennenden Flözpartien, aufgefahren und die Einrichtung einer neuen Separation mit Laue'schen Schwingsieben in Angriff genommen. Auf der Radler'schen Bergbaugesellschaft in Unterreichenau wurde eine unterirdische Kettenförderung von 1000 m Länge eingerichtet. Im Mathildenschachte der Brüxer Kohlenbergbaugesellschaft bei Tschausch wurde ebenso wie im Victoriaschachte der Osseger Kohlengewerkschaft eine wagerechte Seilförderung mit Oberseil eingeführt. Auf dem Nelsonschachte des William Refeen bei Osseg kam bei der Ausrichtung des Flözes eine Stanley-Bohr- bezieh. Schlitzmaschine mit comprimirter Luft in Anwendung und erzielte man mit derselben eine durchschnittliche Leistung von 12 m in 24 Stunden, während die grösste Leistung durch Menschen in 24 Stunden 5 m betrug.

Bei dem k. k. und mitgewerkschaftlichen Hauptwerke in Pribram fanden die mit comprimirter Luft betriebenen Bohrmaschinen, System Fröhlich und Schramm, sowohl beim Schachtabsinken und Uebersichbrechen, sowie auch beim Querschlags- und Feldortsbetriebe vermehrte, wegen raschen und ökonomischen Vertriebes immer ausgedehntere Verwendung.

Auf dem fürstlich Schwarzenberg'schen Graphitbergbaue nächst Schwarzbach wurden beim Hauptstreckenbetriebe zwei Jarolimek'sche Handbohrmaschinen mit sehr zufriedenstellendem Erfolge angewendet.

In den Krumauer Graphitwerken der Gebr. Porak fand die Erbauung eines neuen Trockengebäudes mit Kanalheizung und einem Ventilator zur Ableitung der Wasserdämpfe statt und sind drei Filterpressen nebst zwei Druckpumpen und einem Schlammröhrenwerke behufs Pressung des Graphitschlammes zu Kuchen, welche auf den Trockenöfen vollständig abgetrocknet werden, aufgestellt worden. Bei der Goldaufbereitungsanlage des Anton Srüt in Mileschau wurde zur Goldgewinnung aus den Quarzen des Mariaschachtes bei Schönberg ein Pochwerk mit 10 Eisen- und 4 Salzburger Stossherden hergerichtet.

Salzburg. Als Neuerung ist hervorzuheben bei der Mitterberger Kupfergewerkschaft die Verarbeitung der Kupferraffinirgekrätze mit Kupfervitriol und Nickel; ersteres ist bereits in den Handel gekommen, während die Erzeugung des letzteren noch im Stadium der Versuche steht.

Mähren. Bei dem Eisenwerke der Zöptauer Gewerkschaft in Stefan an wurde der neue Hochofen mit allen der modernen Hüttentechnik entsprechenden Einrichtungen versehen und für den ausschliesslichen Koksbetrieb eingerichtet. Bei der Sophienhütte der Witkowitzer Gewerkschaft in Mährisch-Ostrau wurde der mit vier Cowper-Winderhitzungsapparaten und einer 1000pferdigen Gebläsemaschine versehene neue Hochofen angeblasen.

Schlesien. Bei dem Bergbaus der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn in Polnisch-Ostrau stand in Folge der bezüglich der Hintanhaltung der Schlagwetterentzündungen durch die Sprengladung mit dem Wetterdynamite erzielten günstigen Resultate dieses Sprengmittel unter Anwendung der Lauer'schen Frictionszünder ausschliesslich in Verwendung und bei dem gräflich Wilczek'schen Bergbaue in Polnisch-Ostrau bewährte sich bei der Sprengarbeit die Methode der Hohlladung gleichfalls unter Anwendung der Frictionszündung. Beim Abteufen eines neuen Wetterschachtes bei der Gabrielenzeche des Erzherzogs Albrecht in Karwin wurden Sprengkeilapparate mit Handbohrmaschinen nach dem System Elliot und Canquerow mit dem besten Erfolge verwendet.

Steiermark. Hier ist die Inbetriebsetzung der mit dem Carl August-Schachte durch eine 2000 m lange Kettenbahn in Verbindung stehende Centralaufbereitungsanstalt bei dem Bergbaue Fohnsdorf, der der österr.-alpinen Montangesellschaft gehört, hervorzuheben.

Am Annaschachte des Bergbaues Münzenberg bei Leoben derselben Gesellschaft wurde eine 100pferdige Verbundwasserhaltungsmaschine System Regnier aufgestellt. Bei dem Radwerke Nr. VII, Friedauwerk, sowie bei den Eisenschmelzwerken Hieflau und Neuberg der eben genannten Gesellschaft sind Schlackenziegeleien eingerichtet worden. Bei dem ersteren Werke dienen hierzu eine Schlackenmühle, zwei Mischmaschinen und eine Pressmaschine nebst einer 12pferdigen Locomobile als Motor. Der durch Granulation erhaltene Schlackensand wird in entsprechender Korngrösse mit Weisskalk gemengt und in der Pressmaschine zu Ziegeln geformt. In 3 Monaten wurden mit 12 Arbeitern 340000 Stück Schlackenziegel erzeugt.

Kärnten. Die zwei amerikanischen Bossin-Gebläseöfen in Kreuth erhielten einen Condensationsapparat mit acht Flugstaubkammern, in welchen durch zerstäubtes Wasser die Hüttengase niedergeschlagen werden. Nach Untersuchungen eines Experten der Chemie werden täglich 214,4 k (35 Proc.) des mit den Gasen entweichenden Bleies in den Condensationskammern niedergeschlagen, während 397 k (65 Proc.) noch immer ins Freie gelangen, daher eine Vermehrung der Kammern angeordnet werden musste. Zur Bewetterung des 62 m Teufenhorizontes unter dem Erbstollen wurde das Abwasser eines obertägigen Brunnens mit 0,5 l in der Secunde in die Grube geleitet und mit diesem eine kleine Turbine unter 100 m Druck in Verbindung mit einem Ventilator in Betrieb gesetzt.

Krain. Beim Quecksilberbergbaue zu St. Anna wurde an Stelle der nassen Aufbereitung die trockene eingeführt. Um bei den sämmtlichen Oefen in der Hütte einen constanten und genügenden Zug zu gewinnen, wurde beim Werke Idria ein Centralexhaustor aufgestellt, welche Anlage sich sehr gut bewährt und auch auf die sanitären Verhältnisse der Hüttenarbeiter einen sehr günstigen Einfluss nimmt. An der Seilfahrung des Josephschachtes wurden solche Verbesserungen vorgenommen, dass die behördliche Bewilligung zur Seilfahrt erfolgte.

III. Arbeiterstand.

In ganz Oesterreich waren im J. 1889 642 Bergbau- und 107 Hüttenunternehmungen im Betriebe, wobei die Salzbergbaue und Sudsalzwerke nicht eingerechnet sind. Beim Bergbaue waren 100497, beim Hüttenbetriebe 13461, zusammen 113958 Arbeiter beschäftigt (101694 Männer, 6683 Weiber, 5330 jugendliche Arbeiter und 251 Kinder).

Beim Salinenbetriebe waren im Ganzen 10003 Arbeiter in Verwendung.

IV. Verunglückungen.

In ganz Oesterreich wurden 260 männliche Arbeiter schwer, 186 tödtlich verletzt. Ausserdem wurden noch 6 Arbeiterinnen tödtlich und 2 schwer verletzt.

Beim Hüttenbetriebe ereigneten sich 6 tödtliche und |138| 10 schwere Verunglückungen, und zwar sämmtliche beim Eisenhüttenbetriebe.

V. Bruderladen.

Im Ganzen bestanden 334 Bruderladen mit einem Gesammtvermögen von 15127869 fl., mit 131275 beitragleistenden Mitgliedern, 201810 anspruchsberechtigten Weibern und Kindern. Im Provisionsbezuge standen 33443 Personen. An Beiträgen wurden 2535117 fl. entrichtet; hiervon zahlten 668115 fl. die Werksbesitzer (d. s. 35,79 Proc. der Arbeiterbeiträge). An dauernden Unterstützungen erhielt durchschnittlich ein arbeitsunfähiges Mitglied 83,52 fl., eine Wittwe 34,29 fl. und eine Waise 12,35 fl.

VI. Bergwerksabgaben.

Diese betrugen 1887232 fl. 2½ kr., d. s. 3,20 Proc. vom Werthe der Bergwerksproduction.

VII. Der Naphtabetrieb in Galizien.

a) Erdöl. Es bestanden 289 Unternehmungen (204 davon im Betriebe), die 7165,95 t im Werthe von 2483408 fl. erzeugten. Die Arbeiterzahl betrug 3191. Es standen 49 Bohrmaschinen mit Handbetrieb und 145 mit Dampfbetrieb (1797 ) in Verwendung, ferner 209 Handpumpen, 69 Dampfmaschinen (692 ), 71 Ventilatoren mit Handbetrieb.

b) Erdwachs. Von 142 Unternehmungen waren 84 im Betriebe, die 7560,02 t Erdwachs im Werthe von 1796434 fl. erzeugten. Die Arbeiterzahl betrug 6004. Es bestanden 14 Förder- und Wasserhebemaschinen mit einer Dampfkraft von zusammen 195 , ferner 6 Ventilatoren, 2 Saugpumpen, 2 Pulsometer, 1 Dampfstrahlelevator und 314 Handventilatoren.

Verunglückungen fanden beim Naphtabetrieb 52 statt, und zwar 25 tödtliche und 27 schwere. Bruderladen bestanden 12 mit einem Vermögen von 32337 fl.

VIII. Mortalitäts- und Invaliditätsverhältnisse im Erhebungsjahre 1888.

Die Invaliditätswahrscheinlichkeit überhaupt betrug 0,01463, die durch Verunglückung im Dienste 0,00118, im Durchschnitte der letzten 3 Jahre bezieh. 0,01338 und 0,00110.

Die Sterbenswahrscheinlichkeit überhaupt betrug 0,01267, die durch Verunglückung im Dienste 0,00158, im Durchschnitte der letzten 3 Jahre bezieh. 0,01184 und 0,00140.

Was die Mortalität der invaliden Bergarbeiter betrifft, so ist ihre Sterbenswahrscheinlichkeit 0,08278 und im Durchschnitte der letzten 3 Jahre 0,07512.

Auf je 58 Frauen und auf je 24 Kinder kam ein Todesfall.

F. K.

Statistisches Jahrbuch des k. k. Ackerbauministeriums für 1889 3. Heft. Der Bergwerksbetrieb Oesterreichs 1. und 2. Lieferung. Wien, Druck, und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei.

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