Titel: Egger's selbsthätiger elektrischer Anzeiger schlagender Wetter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 186–187)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281068

B. Egger's selbsthätiger elektrischer Anzeiger schlagender Wetter.

Mit Abbildungen.

Im Folgenden wird ein neuer Grubengasanzeiger erläutert, den die Firma B. Egger und Co. in Wien, Fabrik für elektrische Beleuchtung und Kraftübertragung, hergestellt hat und dessen praktischer Werth demnächst durch Versuche in einigen Gruben erprobt werden soll. Fig. 1 zeigt die Einrichtung in der Grube, Fig. 2 jene im Maschinenhause.

Textabbildung Bd. 281, S. 186
Auf dem einen Arm einer Wage ist ein Topf T aufgehängt, der durch einen Messingcylinder G auf der anderen Seite im Gleichgewichte erhalten wird. Das verlängerte rechte Ende des Wagebalkens trägt eine Reihe von Platinstiften S von verschiedener Länge, die in mit Quecksilber gefüllte Näpfchen N tauchen. Die letzteren stehen wieder durch eine elektrische Leitung D1 D2 mit dem Maschinenhause in Verbindung. Die Platinstifte sind der Deutlichkeit wegen in die Ebene der Zeichnung gedreht; in Wirklichkeit befinden sie sich in einer zur Ebene des Wagebalkens senkrechten Ebene. Der Topf T, welcher atmosphärische Luft enthält, ist mit einem Deckel versehen, welcher mit Oel abgedichtet wird, wodurch sich der Topf stets den jeweiligen Temperatur- und Druckverhältnissen entsprechend ausdehnen kann.

Textabbildung Bd. 281, S. 186
Ist der Apparat von reiner Luft umgeben, so steht der Wagebalken wagerecht. Treten nun schlagende Wetter auf, so bildet sich ein Gemisch von Luft und Kohlenwasserstoff, welches specifisch leichter ist als die Luft, in Folge des verschiedenen Auftriebes, welchen Topf und Messingcylinder erleiden, sinkt der linke Arm mit dem Topfe und es treten der Reihe nach die Platinstifte aus den Quecksilbernäpfchen nach Maassgabe der Zunahme der schlagenden Wetter. Dadurch werden die Ströme, die bisher durch die Elektromagnete des Anzeigers A von der Batterie B gesendet wurden, unterbrochen und die betreffenden Nummern des letzteren fallen vor. Gleichzeitig ertönt auch eine Klingel K, durch deren Elektromagnet der Strom der Batterie B mittels der Drähte n und q jetzt durch die vorgefallenen Nummern geschlossen ist. Die Anzeigernummern sind mit den Zahlen der Volumenprocente der anwesenden Grubengase beschrieben. Der abgebildete Apparat zeigt bereits die Anwesenheit von 1 Vol.-Proc. schlagender Wetter an. In Fig. 2 ist bloss die innere Einrichtung des Anzeigers A sichtbar gemacht; das Ganze befindet sich, ähnlich wie bei den Nummerkästen der Haustelegraphen, in einem Kästchen, durch dessen Fenster die Nummern sichtbar werden, wenn sie – wie 1 in Fig. 2 – zufolge der Stromunterbrechung in ihrem Elektromagnete vorfallen.

Ist nun t das wahre Gewicht des Topfes T, V sein Volumen, g das wahre Gewicht des Messingcylinders G und v dessen Volumen, endlich s das specifische Gewicht der Luft, so sind die Belastungen der beiden Seiten des Wagebalkens im Ruhezustande:

einerseits tVs und andererseits g – v s.

Diese Belastungen ändern sich in dem Momente, in welchem sich das specifische Gewicht des die Wage umgebenden Gasgemenges ändert. Wenn schlagende Wetter auftreten und das specifische Gewicht des Gemenges von Luft und Kohlenwasserstoff auf s' = s – ϕ herabgeht, so sind die Belastungen:

t – V (s – ϕ) und g – v (s – ϕ)

t – Vs + V ϕ und g – v s + v ϕ.

Die Mehrbelastungen auf beiden Seiten des Wagebalkens in Folge des Auftretens der schlagenden Wetter betragen also:

V ϕ und v ϕ.

Wäre V = 2,80 l, v = 0,07 l, s = 1,293, und das specifische Gewicht der schlagenden Wetter 0,715 und treten nur 1 Vol.-Proc. schlagende Wetter auf, dann ist das specifische Gewicht des Gemenges:

ϕ = s – s' = 1,293 – 1,287 = 0,006

= 0,0168 Gramm und v ϕ = 0,00042 Gramm.

Die Wage muss also bereits einen bedeutenden Ausschlag |187| geben; derselbe reicht hin, den kleinsten Platinstift aus dem Quecksilbernäpfchen zu ziehen, wodurch im Anzeiger die Nummer 1 vorfällt und die Anwesenheit von 1 Vol.-Proc. schlagender Wetter anzeigt.

Der skizzirte Apparat ist für einen Anzeiger mit vier Nummern eingerichtet, welche die Bezeichnung 1 bis 4 tragen. Man wird in der Praxis mehr Nummern anwenden oder dieselben sprungweise bezeichnen, etwa wie 1, 3, 5, 7 u.s.w. Der von dem längsten Platinstifte kommende fünfte Draht dient zum Stromschluss für die vier anderen, noch in D1 D2 vorhandenen Drähte; er setzt sich dazu als d d durch die Batterie B hindurch bis in den Anzeiger A fort. Der Maschinenwärter kann, wenn der Anzeiger das Vorhandensein von schlagenden Wettern meldet, gleich bezüglich der Ventilation der Grube das Geeignete veranlassen.

Zur Controle befindet sich auch ein Anzeiger mit Signalglocke im Bergwerksbureau und zu diesem führen die fünf Drähte D3; von. dort kann dann auch – z.B. mittels eines Magnetinductors – ein Alarmsignal in die Grube gegeben werden.

Während die Ventilation fortschreitet, verschwinden die Nummern des Anzeigers der Keine nach sämmtlich, worauf die Signalglocke K wieder zur Ruhe kommt, die jedoch auch längst vorher durch Herausziehen der Stöpsel aus einem Stöpselumschalter U ausgeschaltet werden kann.

Endlich ist in die Leitung D3 ein Registrirapparat eingeschaltet, welcher mittels vier zwischen die Drähte D3 eingeschalteter, vier Zeichenstifte bewegender Elektromagnete den ganzen Verlauf der Ansammlung und der Entfernung des Gases in Curven darstellt, welche die vier Stifte auf den auf einer umlaufenden Trommel befestigten, auswechselbaren Papierstreifen aufzeichnen, auf welchem die Stunden des Tages vorgedruckt sind.

Der in der Grube befindliche Theil des Apparates, die Wage, ist zum Schütze vor Beschädigung mit einem Gitterkasten umgeben, der zur Hintanhaltung des Staubes mit Gaze überzogen ist, die den Zutritt der Gase zum Apparate nicht hindert.

Da der Apparat oft transportirt wird, indem er immer vor Ort gebracht werden muss, so wäre das Wagerechtstellen schwierig und zeitraubend. Er ist daher mit einer Aufhängevorrichtung versehen, an welcher er vollkommen wagerecht hängt, wenn er zur Ruhe gekommen ist. Will man mit ihm Versuche vorführen, so wird er nach Art der chemischen Wagen mit einem Glasgehäuse umgeben und statt schlagender Wetter Leuchtgas eingeführt. Die Erbauer dieser Vorrichtung sind auch bemüht, dieselbe den Zwecken der Gasanalyse dienstbar zu machen.

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