Titel: Maschine zur Herstellung prismatischer Bandgebilde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 208–211)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281078

Maschine zur Herstellung prismatischer Bandgebilde.

Von Alfred George Brookes in London.

Mit Abbildungen.

Die Maschine erzeugt prismatische Bandgebilde in der Weise, dass sie drei oder mehr bandförmige Elemente mit Hilfe von Hohlnadeln, die je mittels einer zugehörigen Blattfeder das zuzuführende Band in offener Schleife halten, dergestalt mit einander verkettet, dass diese Nadeln mittels radialer Verschiebung der Keine nach die von ihnen getragenen Bandschleifen je durch die Schleife ihrer Nachbarnadel hindurch führen und beim Rückgang festziehen.

Das auf der vorliegenden durch das D. R. P. Kl. 25 Nr. 55613 geschützten Maschine hergestellte Bandgebilde (Flechtwerk) ist im Querschnitt viereckig und erfordert zu seiner Herstellung vier Bänder, von denen zwei schmaler sind als die anderen beiden. Bei Anwendung von nur |209| drei Nadeln lässt sich ebenso gut ein dreieckiges Flechtwerk oder bei Anwendung von mehr als vier Nadeln ein längliches Gebilde hervorbringen.

Die Maschine wird von einer Grundplatte A getragen, welche zweckmässig kreuzförmig gestaltet sein kann und ein Lager A1 trägt (Fig. 7), in welchem die Nabe A2 einer Curvenscheibe A3 ruht; in der Curvennuth A4 dieser Scheibe gleiten die Zapfen oder Rollen a der Platten a2, von denen jede mit einem Schlitten b verbunden ist. Die Drehung der Curvenscheibe A3 bewirkt die Hin- und Herbewegung dieser Schlitten in radialer Richtung vom Mittelpunkt der Maschine nach aussen hin und wieder zurück.

Textabbildung Bd. 281, S. 209
Auf der Grundplatte sind ferner Führungen A5 errichtet, von denen hier beispielsweise vier vorhanden sind; in diesen Führungen gleiten die Schlitten b; die Beschreibung einer dieser vier Führungen mit den von ihr abhängigen Theilen genügt zum Verständniss der übrigen, und es sind die gleichen Theile der vier Gruppen mit gleichen Buchstaben bezeichnet.

Die Führung oder Bahn A5 nimmt einen Schlitten b auf, der mittels einer geeigneten, durch Schrauben befestigten Festhaltung b1 niedergehalten wird.

Die Unterseite des Schlittens hat schwalbenschwanzförmige Ansätze b2 (Fig. 2 und 3), zwischen denen die schwalbenschwanzförmige Platte a2 geführt wird; diese Platte a2 hat an einer Seite eine Klemmvorrichtung (Fig. 2), bestehend aus einem Schraubenbolzen b3 und einer Schwalbenschwanznuth; eine auf den Bolzen aufgeschraubte Mutter b4 wirkt auf eine Querrippe des Schlittens. Der Bolzen dient zur festen Aufklemmung des Schlittens b auf die Platte a2 in jeder gewünschten Stellung, so dass der Schlitten allen Bewegungen der Platte folgt; eine Stellvorrichtung hat den Zweck, die Vor- und Rückwärtsbewegung des Schlittens gegenüber dem Drehpunkt der Platte A3 nach Bedarf zu begrenzen, je nachdem die Art der Arbeit es verlangt.

Diese Stellbarkeit des Schlittens auf der Platte a2 wird bewirkt durch eine Schraube b6, deren Absatz gegen eine Rippe b7 des Schlittens wirkt; die Schraube dreht sich lose in dieser Rippe, ohne in der Längsrichtung fortzuschreiten, indem der Gewindetheil der Schraube in einen mit Muttergewinde versehenen Ansatz b8 der Platte a2 eingreift; die Drehung der Schraube b6 zieht demnach den Schlitten auf der Platte a2 vor- oder rückwärts.

Jeder Schlitten b hat nahe an seinem inneren Ende einen oder mehrere Ansätze b9, welche mit entsprechenden Federn b10 am Schlitten C in Wirkung treten, so dass letzterer Schlitten nach Bedarf an den Schiit- ten b leicht herangestellt oder davon entfernt werden kann.

Textabbildung Bd. 281, S. 209
Die Schlitten C bestehen aus einer Grundplatte c und Ständern c1 c2 c3 und haben einen Ansatz c4, auf welchem der Nadelhalter D aufliegt oder gehalten wird; dieser Nadelhalter ist auf dem Schlitten durch eine Schraube c5 befestigt, welche von unten durch die Grundplatte des Schlittens eingeschraubt wird und in den Halter D eingreift (Fig. 5 und 7).

Textabbildung Bd. 281, S. 209
Die Nadelhalter D sind zur Aufnahme der unter sich gleichen Nadeln oder Materialträger e e1 e2 e3 eingerichtet und haben einen Schlitz d und einen Einschnitt dx, die Nadel wird für gewöhnlich in der Arbeitsstellung durch eine Feder d2 niedergehalten, welche mit ihrem hinteren Ende am Halter befestigt ist (Fig. 7). Der Halter, welcher beliebige Form haben kann, ist mit Lagern für eine Schaukel welle d3 versehen, welche einen Klemmhebel d4 trägt, durch den das Band 12, von einer Spule f ausgehend, geführt wird; das untere Ende der Klemme drückt, wie aus Fig. 4 ersichtlich, auf das Band, das von der Spule zunächst über eine Führung 18 und dann durch eine Oese am oberen Ende des Klemmhebels d4 hindurchgeht.

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Vom unteren Hebelende d4 geht das Material, welches, wie angegeben, flach oder auch rund (Schnur) sein kann, über einen Aufnehmer, welcher hier als Rolle m am unteren Ende eines Hebels m1 gestaltet ist, der bei 20 zwischen den Ständern c2 c3 seinen Drehzapfen hat; von der Unterseite dieser Rolle m läuft das Band direct durch die hohle Nadel e.

An jedem Klemmhebel d4 ist mittels Nietstiftes oder Schraube 25 eine Feder 24 befestigt, deren freies Ende unter Wirkung einer Stellschraube 26 steht; die Feder hat das Bestreben, das untere Ende des Klemmhebels auf das Band zu drücken, welches zwischen ihm und dem senkrechten Theil 27 des Halters hindurchgeht.

Die hohlen Nadeln sind unter einander gleich, bis auf ihre Grösse; die Abstufung der Grösse ist nur dargestellt, um zu zeigen, wie die Nadeln den verschiedenen Breiten des Materials angepasst werden.

Jede Nadel hat einen Ansatz 22, welcher in einen Einschnitt dx am Halter D eingreift; dieser Ansatz und Einschnitt bilden eine Art Gelenk, welches ein Heben und Senken des vorderen Nadelendes gestattet. Die Nadel geht durch einen Schlitz d in einem Rand oder einer Leiste d10 des Halters D hindurch, so dass sie sich während der Arbeit heben und senken kann.

Die Nadeln e e1 e2 e3 sind an ihrem Vorderende, etwas rückwärts von der Spitze, nach unten umgebogen und mit Federn h h1 h2 h3 in Verbindung gebracht, deren freie Enden sich von unten gegen je eine der Nadeln anlegen, während durch den Zwischenraum zwischen Feder und Nadel eine der anderen Nadeln nebst ihrer zugehörigen Feder hindurchgehen kann, wenn die Bänder in einander geschlungen werden; das von einer Nadel getragene Band liegt gegen die Feder dieser Nadel an, wenn die Nadel sich in vorgeschobener Stellung befindet.

Der Nadelhalter D kann aus zwei Stücken zusammengesetzt sein; aber dies hat nur den Zweck, den oberen Theil auswechseln zu können, um zwei oder mehrere Schlitze d im Rande d10 anbringen zu können, wenn zwei oder mehrere Nadeln Anwendung finden. Bei Benutzung nur einer Nadel kann der Halter D aus einem Stück bestehen, wie in Fig. 5.

Wenn die Leiste d10 mehrere Schlitze d erhält, so kann man mehr als eine Nadel in einem Schlitten anwenden; der Halter D hat dann auch je einen Klemmhebel für jedes Band bezieh. jede Nadel.

Der Bandaufnehmer steht unter Wirkung einer Feder m2, welche an einem Ende des Halters befestigt ist; um die Verbindung dieser Feder mit dem Hebel m1 des Aufnehmers zu erleichtern und um den letzteren mit grösserer oder geringerer Kraft in Wirkung zu setzen, ist das eine Ende der Feder m2 mit einer Klinke m3 verbunden, die mehrere Einschnitte hat (Fig. 7) und eine Stellvorrichtung bildet, indem die Klinke mit dem kurzen Arm des Aufnehmehebels m1 in Eingriff gebracht wird. Doch kann auch das Ende der Feder m2 direct mit dem Aufnehmehebel m1 oder mit einem anderen als Stellvorrichtung für die Feder dienenden Zwischengliede in Verbindung gebracht sein.

Auf der einen Seite der Grundplatte A ist ein Ständer F mit einem Querträger F1 errichtet, auf dem mittels der Stifte oder Spindeln F2 die Spulen f befestigt sind, von denen die Bänder oder Litzen 12, 13, 14, 15 (Fig. 8 bis 10), die zur Herstellung des Flechtwerks dienen, ablaufen; jede dieser Spulen versorgt eine der Nadeln mit dem Material.

Textabbildung Bd. 281, S. 210
Textabbildung Bd. 281, S. 210
Textabbildung Bd. 281, S. 210
Textabbildung Bd. 281, S. 210
Textabbildung Bd. 281, S. 210
Textabbildung Bd. 281, S. 210
Jede der Führungen oder Bahnen kann mit federnden Armen g mit Curvenflächen g1 versehen sein; in der Zeichnung sind nur zwei der Führungen, nämlich für die Nadeln e3 und e1, mit solchen Curvenflächen versehen dargestellt. Die Arme g sind mittels Schrauben 34 befestigt und werden bei der Vorwärtsbewegung eines Schlittens mittels eines an letzterem befindlichen Vorsprungs g2 in Wirkung gesetzt; dieser Vorsprung ist hier an einem der Ständer c3 angebracht. An den inneren Enden der Arme g sind Finger g4, zweckmässig mittels Schrauben g5, stellbar befestigt; diese Finger werden zur geeigneten Zeit unmittelbar über das Band herabgedrückt, um die Schleife desselben bei der Ausgabe vom inneren Ende der Nadel und unmittelbar unter derselben niederzuhalten. In Fig. 9 und 10 hält beispielsweise der Finger g4 das aus der Nadel e1 hervortretende Band nieder und verhindert die Aufwärtsbewegung der Schleife, während, eine der anderen Nadeln darüber hinweggeht.

Das obere Ende des Lagers A1 ist mit einem am oberen Ende gebogenen Träger n versehen, der mittels eines Ringes oder Kopfes einen Kern oder eine Spindel n1 trägt, die mittels Schraube n2 stellbar ist.

Das Geflecht wird um das untere Ende dieses Kernes herum gebildet und alsdann vom unteren Ende abgestreift.

Der Kern oder die Spindel kann beliebige Form haben und je nach der Zahl der anzuwendenden Nadeln jedes Halters und der Weite und Form des herzustellenden Flechtwerks ausgewechselt werden.

In Fig. 1 ist angenommen, dass vier Nadeln benutzt werden und jede ihr eigenes Band empfängt; es sind aber nicht sämmtliche Vorrichtungen zum Betriebe dieser Nadeln gezeichnet, weil sie unter sich gleich sind. Bei Beginn der Arbeit ist vorausgesetzt, dass alle Nadeln gehörig mit Material versehen und die Enden desselben mit einander verbunden sind, sowie durch ein Gewicht oder eine sonst |211| geeignete Zugvorrichtung in Spannung gehalten werden, wie bei Strick- und anderen dergleichen Flechtmaschinen gebräuchlich ist.

Die Fig. 1 und 8 zeigen dieselbe Stellung der Nadeln. In Fig. 1 und 8 hat das Band 13 eine Schleife uni die Nadel e2 geformt; die Nadel e3 ist vorwärts geschoben und zwischen die Nadel e2 und die zugehörige Feder h2, sowie durch eine Schleife des Bandes gegangen, welche von der Nadel e2 ausgeht; das vordere Ende der Nadel e3 ist über das Band 12 der Nadel e hinweggegangen, welch letztere zu dieser Zeit völlig zurückgezogen ist, indem eine Schleife des Bandes 12 um das Band 13 gezogen ist.

In Fig. 8 bis 12 nimmt der Kern oder die Spindel n1 eine Stellung zwischen den Bändern ein.

Der Finger g4 wirkt mit dem Bande 13 zusammen, um es niederzuhalten; in Fig. 8 ist derselbe als über das Band erhoben dargestellt, aber in Fig. 9 ist dieser Finger auf das Band herabgedrückt.

Bei Drehung der Curvenscheibe A3 werden nun die Nadeln e e1 e2 e3 in der durch Pfeile angegebenen Richtung aus den in Fig. 8 angegebenen Stellungen in diejenigen der Fig. 9 bewegt. Wie ersichtlich, ist die Nadel e vorgerückt und zwischen die Feder h3 und die zugehörige Nadel e3 eingetreten, wobei sie in eine Schleife des Bandes 15 gelangt, welche von der Nadel e1 ein wenig zurückgezogen wurde, während die Nadel e3 sich aus der Schleife des Bandes 13 herauszieht. Die Bewegung der Nadel e1 reicht hin, um das Band 13 um das Band 14 herumzuziehen, wie aus Fig. 9 ersichtlich, und der Finger g4 drückt auf das Band 13 herab, indem er es festhält, so dass bei der Wiedervorwärtsbewegung der Nadel e deren Spitze das Band 13 kreuzt.

Die dritte Stellung der Nadel ist aus Fig. 10 ersichtlich, die Nadel e ist hier vollends durch die Schleife des Bandes 15 der Nadel e3 hindurchgegangen, die Nadel e1 ist vorgeschoben und in eine Schleife des Bandes 12 der Nadel e eingetreten. Durch das Eindringen der Nadel e1 zwischen die Feder h und die Nadel e geht die Spitze dieser Nadel e1 über das Band 14 hinweg. Bei Fortsetzung der Drehung arbeiten die Nadeln e e1 und e2 e3 paarweise, die Nadeln jeder dieser Paare bewegen sich in gleicher Richtung und gleichzeitig, insofern als die Nadel des Paares, welche zurückgezogen wird, durch die Curvennuth zuerst in Bewegung gesetzt wird und die andere Nadel des Paares nachfolgt und sich noch etwas fortbewegt, nachdem die erstere zum Stillstand gekommen ist. Auf diese Weise werden eine Anzahl Schleifen in den Bändern gebildet und derart verschlungen, dass sich das aus Fig. 10 ersichtliche Geflecht bildet, aus dem zu erkennen ist, dass die einzelnen Schleifen winkelig zu einander liegen.

Fig. 11a und 11b zeigen, wie die Bänder rückwärts und vorwärts in regelmässigen Lagen von einem Ende zum anderen des Flechtwerks umgelegt werden, ohne eine Drehung zu erhalten; auf diese Weise wird es möglich, ein schmaleres Flechtwerk in ein breiteres überzuführen ohne Drehung der Bänder.

Die Nadeln kreuzen sich bei der Arbeit in einem Winkel und legen ihre Bänder in Schleifen, welche von den Bändern anderer Nadeln erfasst werden.

Bei der Herstellung des beschriebenen Flechtwerks wird eine Schleife nach der anderen in der Längenrichtung der Arbeit gebildet und da vier Nadeln vorhanden sind, so werden die Schleifen thatsächlich nach einander und über einander gelegt, je eine auf den vier Seiten des Flechtwerks, indem die Schleifenbildung Schleife um Schleife auf den vier Seiten des Flechtwerks vor sich geht.

In Fig. 12 ist eine Ausführungsform dargestellt, welche dadurch gekennzeichnet wird, dass ein besonderer Kern n1x und eine besondere Nadel e1x angewendet und noch ein zweiter Kern n1x hinzugefügt ist. Aus dieser Figur ist ersichtlich, wie das Flechtwerk mit den Nadeln in Zusammenhang gebracht und dass es in der Breite die Dicke übersteigt, sowie auch, dass die Kerne mit ihren unteren Enden leicht gegen einander gebogen sind.

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