Titel: Marès' Elektricitätszähler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281 (S. 281–282)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/ar281105

E. Marès' Elektricitätszähler.

Mit Abbildungen.

Der Grundgedanke und die Eigenthümlichkeit des in Fig. 2 und 3 nach dem Génie civil, 1890 Bd. 17 * S. 306, in der Vorderansicht und der Rückansicht abgebildeten Elektricitätszähler von Etienne Marès in Paris liegt darin, dass ein auf einem Hebel A B (Fig. 1), welcher auf einer Schneide b schwingen kann, ein Wagen D durch ein Triebwerk regelmässig hin und her bewegt wird, welcher auf seinem Wege von b nach B hin in der Richtung des Pfeiles f auf das Rad F des Zählwerkes so lange wirken, bis das Moment p × b R des Wagens selbst und des an ihm befestigten, mit Bleischrot gefüllten Behälters g dem Momente gleicht, das eine vom Strome durchlaufene Rolle mit feinem Draht besitzt, welche sich innerhalb einer anderen aus dickem Drahte gewickelten Rolle G (bezüglich nach dem D. R. P. Nr. 54523 Kl. 21 vom 18. October 1889 zwischen zwei Rollen) befindet und am Hebel A B im Abstande p A hängt. Der Wagen D läuft mit seinen beiden Rollen g1 und g2 in einer Rinne des Hebels A B (oder auch umgekehrt wie in Fig. 3); die an ihm sitzende Zahnstange r s tritt in Eingriff mit dem Rade F, sobald der Schwerpunkt von D g über die Schneide b hinweggeht; in dem Augenblicke aber, in welchem das Moment p × b R das am Hebelarme b A wirkende Moment übersteigt, senkt sich der Arm b B des Hebels A B bis auf die Schraube d herab, r s tritt deshalb ausser Eingriff mit F, das Zählwerk bleibt also stehen.

Textabbildung Bd. 281, S. 281
Das Moment, welches den Arm b A nach unten zieht, ist eine Function der Anzahl der Watt W des Stromes, also des Productes W = E J, d.h. des Productes aus Stromstärke und elektromotorischer Kraft. Dieses Moment ist proportional dem Hebelarme b R bei der Senkung des Armes b B; ferner ist der im Zählwerke zurückgelegte Weg proportional b R, also ebenfalls eine Function von W = E J.

Das Zählwerk addirt daher selbsthätig die Watt, welche in den Zeiten der einzelnen auf einander folgenden Hin- und Hergänge des Wagens vom Strome geliefert werden, und kann als Watt-Stundenmesser dienen, sobald nur die sich stets gleich bleibende Zeit bekannt ist, welche zu einem Hin- und Hergange des Wagens erforderlich ist. Diese Zeit misst in den von J. Dejardin ausgeführten Elektricitätszählern 4 Minuten.

Erforderlich ist hierzu aber noch, dass die Zahnstange des Wagens beim Rückgange desselben nicht auf das Rad F |282| wirken kann. Bei der abgebildeten Anordnung wird nun der Wagen durch eine Stange T hin und her bewegt, welche am Umfange m eines Rades O befestigt ist, das im Inneren eines doppelt so grossen Rades M umläuft; dabei beschreibt bekanntlich der Punkt m fortlaufend den Durchmesser M N hin und zurück. Hier ist nun ein in Fig. 3 sichtbarer Scheibenumschalter hinzugefügt, welcher in 4 Minuten einen vollen Umgang macht und den Strom nur 2 Minuten lang in die Messrolle eintreten lässt, und dies zwar während der Wagen sich in der Richtung des Pfeiles f bewegt. Während des Rückganges dagegen ist die Messrolle ausgeschaltet und in dieser Zeit wird der Strom dazu verwendet, um das Triebwerk wieder aufzuziehen. Dazu dient ein am Boden des Elektricitätszählers liegender Elektromagnet, dessen Pole und Anker in Fig. 2 sichtbar sind, und der bei jeder Ankeranziehung mittels eines Sperrhakens auf ein Sperrad wirkt und durch dieses die Triebfeder aufzieht. Da nun die das Triebwerk in Gang haltende Feder während jedes Hin- und Herganges des Wagens, also während eines vollen Umlaufes des Rades o im Rade M (in 4 Minuten) so viel abläuft, als fünf Zähnen des Sperrades entspricht, so muss der Umschalter während der 2 Minuten des Wagenrückganges den Strom fünfmal durch den Elektromagnet senden, damit der Sperrhaken das Sperrad um fünf Zähne dreht. Diese Anordnung hat den Vortheil, dass die Messrolle sich nicht so stark erhitzt, weil sie ja nicht beständig vom Strome durchlaufen wird, und ausserdem wirkt die Triebfeder zufolge des stetig sich wiederholenden Aufziehens fortwährend mit einer sich nur sehr wenig ändernden Spannung, so dass das als Regulator dienende conische Pendel das Triebwerk leicht in sehr gleichmässigem Gange erhalten kann.

Textabbildung Bd. 281, S. 282
Textabbildung Bd. 281, S. 282
In dem abgebildeten Elektricitätszähler wirkt übrigens die Zahnstange am Wagen nicht unmittelbar, sondern unter Vermittelung eines Zwischenräderpaares (Fig. 3) auf das Zählwerk. Das Gegengewicht e in Fig. 1 dient dazu, um in Gemeinschaft mit dem Bleischrotbehälter g den Hebel A B mit dem Wagen D und der daran hängenden Messrolle in G so auszugleichen, dass vollständiges Gleichgewicht herrscht, sobald die Zahnstange r s am Wagen D in Eingriff mit dem Rade F tritt. Herrscht zu dieser Zeit gar kein Strom in der Arbeitsleitung, so senkt sich sofort der Arm b B auf d herab und der Zähler kann nicht zählen.

Etwas anders erscheint die Anordnung nach dem D. R. P. Nr. 54523. Hier wirkt eine Kurbelscheibe mittels einer Lenkstange auf einen einarmigen Hebel, welcher bei seinen Schwingungen mittels einer zweiten Stange den Wagen hin und her bewegt. Damit aber der Wagen bei seinem Rückgange nicht mit der Zahnstange auf das Rad F wirken könne, ist hier am Arme b B des Hebels A B ein um einen Stift leicht schwingender Arm angebracht, welcher sich mit einem Stifte an dem Haken eines stellbar an einem Träger befestigten Theiles fängt, so dass der gesenkte Hebelarm b B nicht wieder emporgehen kann, während sich der Wagen rückwärts bewegt; vielmehr wirkt der erwähnte einarmige Hebel erst in dem Augenblicke, wo er den Wagen gänzlich zurückgebracht hat, auf einen zweiten Stift an dem Arme, macht denselben vom Haken frei und gestattet, dass der Arm b B nun wieder emporgehe.

Die Einschaltung des Elektricitätsschalters ist sehr einfach. Der von der Dynamo kommende Strom wird durch die aus dickem Drahte bestehende Rolle nach den Lampen u.s.w. geführt und von da kehrt die Rückleitung zur Dynamo zurück. Die feine Drahtrolle wird in eine Nebenschliessung zur dicken Rolle gelegt, welche vor letzterer nach der Rückleitung abgezweigt wird.

In Fig. 2 links und in Fig. 3 rechts ist noch ein aufrecht stehender Elektromagnet sichtbar; wenn derselbe bei Unterbrechung des Arbeitsstromes seinen Anker abfallen lässt, so tritt ein Stift, welcher an dem nach dem conischen Pendel hin gelegenen Arme des Ankerhebels sitzt, so weit vor, dass sich das Pendel an ihm fängt und dann das Laufwerk stillstehen bleibt.

Solche Elektricitätszähler besitzen die einzige Schwierigkeit, dass sie genau wagerecht aufgestellt werden müssen, wenn sie regelmässig arbeiten sollen. Sie sind probeweise in der Centralstation zu Montpellier benutzt worden und haben da, nach den Angaben des Erfinders, bis auf 1 Proc. genaue Angaben geliefert, was für die Praxis mehr als ausreichend ist.

Wie in dem D. R. P. Nr. 54523 angedeutet ist, könnte man auch leicht an dem Wagen einen Zeichenstift anbringen, welcher auf einer Schreibtrommel durch entlang der Achse derselben aufgezeichnete Striche die Länge des Weges verzeichnet, welchen der Wagen bei jedem Spiele zurücklegte, bevor der Arm b B sich senkte.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: