Titel: Melhuish, Telegraphiren ohne isolirten Leiter durch Flüsse in Indien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1891, Band 281/Miszelle 2 (S. 47–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj281/mi281mi02_2

Melhuish, Telegraphiren ohne isolirten Leiter durch Flüsse in Indien.

In D. p. J. 1891 279 144 ist über die Versuche berichtet worden, welche W. F. Melhuish in Calcutta angestellt hat, um ohne isolirten Leiter durch einen Fluss zu telegraphiren. Melhuish theilt in dem Journal of the Institution of Electrical Engineers, Mai 1891 Bd. 20 * S. 347, über praktisch werthvolle Ergebnisse seiner Untersuchungen Folgendes mit.

In dem 11 km breiten Pudda liegen an zwei 19,2 km von einander entfernten Stellen Kabel. Am 8. September 1890 traten in zwei der fünf Kabel Unterbrechungen ein, und die Untersuchungen ergaben: Bruch der Leiter unter theilweisem Erdschluss. Eine Ausbesserung war unthunlich, weil der Fluss damals ganz hohen Wasserstand hatte. Beförderung der Telegramme von Ufer zu Ufer wäre wohl möglich, jedoch theuer und zeitraubend gewesen. Man versuchte daher Cardews' schwingenden Klopfer anzuwenden.

Die ältere Kreuzung des Flusses enthielt ein gutes Kabel und ein fehlerhaftes in Bereitschaft gehaltenes Kabel; das eine Kabelhaus war mit dem 9,6 km entfernten Rajbari durch zwei Landlinien verbunden, das andere bei Seallo durch zwei Landlinien mit dem 24 km entfernten Manickgunge. Die neuere, östliche Kreuzung enthielt zwei gute und zwei fehlerhafte Kabel; das Kabelhaus bei Nasirpur war durch vier Landlinien mit dem 21,6 km entfernten Rajbari, das andere Kabelhaus bei Kurmachar mit dem 25,6 km entfernten Manickgunge ebenfalls durch vier Landlinien verbunden. Von Rajbari führten 235 km lange Leitungen nach Calcutta, von Manickgunge war Dacca nur 54,4 km entfernt.

Bei dem ersten Versuche sollten die Schutzdrähte der Kabel an der alten und der Kabel an der neuen Kreuzung als Linie bezieh. als Erde benutzt werden; während des Versuchs aber trat eine Berührung der Landleitungen zwischen Manickgunge und dem Seallo-Kabelhause ein und unterbrach den Versuch, |48| doch liessen die wenigen gegebenen Signale darauf schliessen, dass der Versuch sonst gelungen sein würde.

Beim zweiten Versuche sollten die Schutzdrähte irgend eines der Kabel an der östlichen Kreuzung als Linie benutzt werden, während die Landlinien beiderseits, in Dacca und in Rajbari, an Erde gelegt wurden; die Klopfer waren in den beiden Kabelhäusern. Obgleich dabei ein geschlossener metallischer Stromkreis nicht vorhanden war, gelang der Versuch dennoch vollkommen; die Zeichen waren ganz deutlich und lesbar bei einer Entfernung des Ohres von 0,1 m. Dieser Versuch bildet also einen wichtigen und werthvollen Fortschritt im Vergleiche mit allen übrigen Bemühungen, quer über die Flüsse in Indien zu telegraphiren.

Bei dem letzteren Versuche wurden ferner die Klopfer auch einmal durch den unterbrochenen Leiter des in Bereitschaft gehaltenen Kabels der westlichen Kreuzung verbunden; auch da waren die Zeichen laut und deutlich.

Es haben sich sonach die schwingenden Klopfer an einem der breitesten Flüsse Indiens als ganz brauchbar erwiesen, zu einer Zeit, wo kein anderes Aushilfsmittel hätte angewendet werden können; sie haben der indischen Telegraphenverwaltung es möglich gemacht, trotz der Kabelbrüche den telegraphischen Verkehr zwischen Calcutta und Ober- und Niederburma aufrecht zu erhalten.

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