Titel: Die Telegraphie auf der elektrischen Ausstellung in Frankfurt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 282 (S. 110–116)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj282/ar282040

Die Telegraphie auf der elektrischen Ausstellung in Frankfurt.

(Fortsetzung des Berichtes S. 37 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

III.

Vor der Besprechung der Telegraphen für besondere Zwecke ein paar Worte über die ausgestellten Nebenapparate. Solche finden sich fast ausschliesslich in der Halle für Telegraphie und Telephonie auf den Tischen des Reichspostamts, hier aber in ziemlich grosser Zahl und aus sehr verschiedenen Zeiten. Es sind namentlich sehr viel Relais, Umschalter und Blitzableiter, ebenso Galvanoskope und zwar ausser den im gewöhnlichen Dienste zu benutzenden Galvanoskopen auch die verschiedenen Messinstrumente und unter diesen neben dem einfachen Batterieprüfer Untersuchungsgalvanoskope, Differentialgalvanoskope und selbst ein Kabelmessapparat mit Spiegelgalvanoskop. In der bayerischen Abtheilung steht ferner eine neuere Form des Läutewerks oder Stationsrufers von Wittwer und Wetzer (vgl. 1880 236 * 220), mittels dessen man von einer Anzahl in dieselbe Telegraphenleitung eingeschalteter Aemter jedes beliebige einzeln zu rufen vermag; ihre Beschreibung soll später folgen. Endlich könnte hier nachträglich noch erwähnt werden, dass auf einem am westlichen Ende der Halle in der Mitte stehenden, mit den verschiedenartigsten Apparaten mehrerer Aussteller besetzten runden Tische von Heller in Nürnberg eine Anzahl Proben der neuen und jedenfalls sehr beachtenswerthen Drahtbünde ausgestellt worden sind, bei denen die beiden mit einander zu verbindenden Drahtadern in eine Bronzehülle gesteckt und in und zugleich mit dieser einfach um einander herum gedreht sind, so dass sie ohne Löthung doch ganz innig mit einander vereinigt sind. Diese Bünde sind durch das an Heinrich Arld in Nürnberg ertheilte D. R. P. Nr. 56710 Kl. 49 vom 14. September 1890 geschützt; Arld war wegen der Patentirung und Verwendung derselben in Amerika mit einer amerikanischen Firma in Verbindung getreten und so wird es gekommen sein, dass sie von dort aus unter dem Namen von Giles und Hunt (vgl. 1891 280 * 179) bekannt geworden sind.

Zunächst Haustelegraphen der älteren Einrichtung nun, namentlich Hoteltelegraphen, sind von vielen Ausstellern |111| zur Schau gestellt. Es handelt sich bei ihnen fast ausschliesslich um einfache Läutewerke, mit denen häufig Fallscheibenkästchen verschiedener Einrichtung verbunden sind. Die elektrischen Klingeln derselben zeigen wenig Neues, zum Theil aber werden sie zur Hervorbringung weithin hörbarer Schläge in entsprechender Grösse verwendet und schlagen dann meist nur langsam. Beides ist z.B. bei der sich an die bereits 1879 patentirte (vgl. 1890 276 237) anschliessenden, in Fig. 7 abgebildeten Glocke von C. Th. Wagner in Wiesbaden der Fall, deren Kelchglocke 55 bis 105 mm Durchmesser hat und gleich der mit einer Schalenglocke von 170 mm ausgerüsteten grösseren Sorte u.a. auch für Eisenbahnsignalzwecke benutzt wird. In ihnen unterbricht die vom Elektromagnetanker angestossene Unruhe den Strom und schliesst ihn zwei Secunden später wieder, so dass die Glocke langsam schlägt, so lange der Strom entsendet wird. Es lassen sich diese Läutewerke mit einer selbsthätig wirkenden Einrichtung ausrüsten, so dass sie nach einmaligem Stromschluss eine bestimmte Anzahl von Glockenschlägen ertönen lassen und sich dann von selbst wieder abstellen; so gibt ein ausgestelltes für Eisenbahnen bestimmtes derartiges Läutewerk nach kurzem Niederdrücken seines Tasters stets fünf einzelne Schläge.

Textabbildung Bd. 282, S. 111
Textabbildung Bd. 282, S. 111
Hier ist auch noch eine eigenthümliche Anordnung zu erwähnen, welche von der Fabrik elektrischer Uhren und Apparate, C. Bohmeyer in Hanau, nach dem D. R. P. Kl. 21 Nr. 56810 vom 23. August 1890 an mehreren Klingeln und in verschiedenen Schaltungen angebracht und ausgestellt worden ist. Mittels derselben lassen sich polarisirte Klingeln und Wecker durch einen Gleichstrom in Thätigkeit setzen. Die Vorgänge sind dabei ganz ähnlich, wie in manchen Wechselstromtastern, lassen sich aber, weil sie hier in Empfängern auftreten, noch mehr der von mir 1880 in Vorschlag gebrachten Einrichtung für Distanzsignale (vgl. 1880 238 * 405. 1890 275 * 116) an die Seite stellen. Der polarisirte zweiarmige Anker a (Fig. 8) spielt über den beiden freien Enden der Kerne des Elektromagnetes m, m; beide Enden sind gleichnamig und dem Anker a entgegengesetzt magnetisch. Die beiden freien Enden der Rollen sind an zwei Contactfedern f und g geführt und ein am Anker befestigter Messingarm drückt, je nach der Lage des Ankers, stets die eine Feder von einem über y mit dem einen Batteriepole verbundenen Contactstücke c hinweg, lässt dagegen die zweite Feder am Contactstücke liegen. Wird die sammt der Batterie zwischen die Drähte x und y eingeschaltete Läutetaste niedergedrückt, so schliesst sie den Stromkreis von dem Messingarme zu dem zweiten Batteriepole; der Strom verstärkt nun den Magnetismus des einen Kerns und schwächt zugleich den des anderen, der Anker a ändert deshalb seine Stellung, kehrt aber dabei die Richtung des Stromes um und veranlasst dadurch eine neue Umstellung des Ankers u.s.w. Natürlich kann man den Anker ebenso gut auch zwischen den beiden Kernenden spielen lassen, welche Anordnung C. Bohmeyer namentlich bei Apparaten wählt, mittels deren die physiologische Wirkung von Wechselstrom-Inductionsströmen ausgenutzt werden soll.

Textabbildung Bd. 282, S. 111
An die Haus- und Hoteltelegraphen sind in jüngster Zeit merklich höhere Anforderungen gestellt worden, besonders in den grössten Gasthäusern der Badestädte Wiesbaden, Ems, Homburg u.s.w.; in Folge dessen hat namentlich C. Th. Wagner in Wiesbaden den für Gasthäuser, Krankenhäuser, Badeanstalten u. dgl. bestimmten |112| eine besondere Einrichtung gegeben, durch welche nicht nur den auf Bequemlichkeit und Zuverlässigkeit gerichteten Wünschen Rechnung getragen, sondern auch eine genaue Controle über das mit der Bedienung beauftragte Personal ermöglicht wird. In der Ausstellung befindet sich ein solcher Telegraph nebst Controlapparat für ein Gasthaus mit vier Stockwerken. Den letzteren zeigt Fig. 9 in einfacher Ausstattung; in ihm vereinigt sich ein Fallscheibenkästchen mit vier Controlnummern für elektrische Abstellung, ein langsam schlagendes Läutewerk (Fig. 7), für jedes Stockwerk ein Relais und ein Generalumschalter für Tag und Nacht. In jedem Stockwerke ist noch ein Nummernkästchen vorhanden. Durch Niederdrücken eines Tasters in irgend einem Zimmer kommt auf dem Nummernkästchen des betreffenden Stockwerks die Nummer des Zimmers und auf dem Controlkästchen die Nummer des Stockwerks zum Vorschein, die Stockwerksglocke ertönt oder schlägt in ähnlicher Weise wie eine Uhr, wenn ein elektrisches Läutewerk für Einzelschläge vorhanden ist, und das elektrische Controlläutewerk für Einzelschläge fängt an zu schlagen. Wird die Nummer des betreffenden Zimmers auf dem Stockwerkskästchen mittels des Abstellknopfes zum Verschwinden gebracht, so hört auch das Schlagen des Controlläutewerkes auf, indem der Strom durch das betreffende Relais unterbrochen wird. Für jedes Stockwerk ist deshalb ein besonderes Relais angeordnet, damit das Controlläutewerk nicht aufhört zu schlagen, wenn gleichzeitig in mehreren Stockwerken eine Nummer vorliegt und dieselbe in einem Stockwerke früher abgestellt wird als in dem anderen. In der Nacht werden die Stockwerksglocken, damit ihr Läuten nicht störe, mittels des Generalumschalters ausgeschaltet und dafür nur eine Glocke in der Pförtnerstube eingeschaltet. Der Controlapparat wird gewöhnlich in einem Schreibzimmer aufgestellt.

Textabbildung Bd. 282, S. 112
Auch die in Betreff der Leistungsfähigkeit so vortheilhafte Verwendung des Telephons in den telegraphischen Einrichtungen für den Hausgebrauch führt die Ausstellung vor Augen und lässt zunächst erkennen, dass eine ganze Reihe von Firmen, z.B. Fein (vgl. 1888 269 * 122), Mix und Genest (vgl. 1889 273 * 363), Naglo, Wagner, Berliner, Heller, es sich angelegen sein lässt, den für Haustelephonanlagen bestimmten Einrichtungsstücken neben der Bequemlichkeit beim Gebrauch und zugleich mit der inneren Verbesserung auch äusserlich eine Form und Beschaffenheit zu geben, dass sie anstandslos auch in den am feinsten ausgestatteten Zimmern Verwendung finden können, sei es nun, dass sie mittels reich verzierter Platten (wie in Fig. 10 von C. und E. Fein für Mikrotelephon), oder als geschmackvolle Kästchen (wie etwa das von C. Th. Wagner, Fig. 11) an der Wand aufgehängt werden sollen, sei es, dass ihnen gleich auf einem Arbeitstische ein Platz angewiesen werden soll, wie dem in Fig. 12 abgebildeten von C. und E. Fein ebenfalls für Mikrotelephon, sowie dem Tischapparate mit Ruf-Magnetinductor von J. Berliner (Fig. 13).

Textabbildung Bd. 282, S. 112
Fein zieht es vor, das Mikrotelephon nur zum Theil von dem selbsthätigen Umschalter tragen zu lassen, und gibt ihm deshalb nach bewirkter Umschaltung unten eine weitere Stütze auf einem festen Haken.

In diesen Haustelephon anlagen haben gewöhnlich eine grössere Anzahl von Sprechstellen mit einander zu verkehren, und es fehlt in der Ausstellung nicht an Einrichtungsstücken, welche einen solchen Verkehr zu ermöglichen und zu erleichtern bestimmt sind. Für das Sprechen von bloss einer Stelle aus nach und mit mehreren anderen Stellen ist der von C. und E. Fein in Stuttgart ausgestellte Umschalter (vgl. 1888 269 * 123) entworfen und anscheinend auch der im Schranke von Czeija und Nissl in Wien enthaltene Linien Wähler des Adjunkten der österreichischen Staatsbahnen R. Bauer. Sollen bei einer nicht |113| zu grossen Anzahl von Sprechstellen je zwei Beliebige mit einander sprechen können, ohne dass jedoch eine besondere Centralstelle mit einem durch einen Beamten zu bedienenden, oder einem von den Sprechstellen aus in Thätigkeit zu versetzenden (vgl. 1882 245 434. 1891 281 * 162) Umschalter eingerichtet werden soll, so lassen sich dazu die Liniekwähler von Mix und Genest (vgl. 1891 279 * 85) gebrauchen. Auch ein von Groos und Graf in Berlin ausgestellter Linienumschalter macht die Anlage einer Centralstelle unnöthig.

Textabbildung Bd. 282, S. 113
Auch die Einrichtungen für städtische Telephonnetze sind in der Ausstellung vertreten. Das Reichspostamt hat die in den zum Theil höchst umfangreichen städtischen Anlagen seines Verwaltungsgebietes benutzten Apparate, Apparatgehäuse, Klappenschränke u.s.w. in der Halle für Telegraphie und Telephonie vorgeführt, darunter auch einen der seit ein Paar Jahren benutzten Vielfachumschalter (Multiplexumschalter), welcher von der Telegraphenapparatfabrik E. R. Welles in Berlin (vgl. auch D. R. P. Kl. 21 Nr. 53869 vom 13. Juni 1889) ausgeführt, jedoch amerikanischen Ursprunges ist. Die Actiengesellschaft Mix und Genest hat ebenfalls einen Vielfachumschalter ausgestellt, welcher als eine Fortbildung desjenigen von Oesterreich (vgl. 1889 271 * 407 und * 579) anzusehen ist und später eingehender beschrieben werden soll. In gleicher Weise hat die Direction der bayerischen Posten und Telegraphen ihre in vielen Stücken eigenartigen Telephoneinrichtungen zur Schau gebracht und es zieht unter diesen namentlich der Telephonumschalter von Reiner für einfache und doppelte Telephonleitungen, welche zwei Städte mit einander verbinden, die Aufmerksamkeit auf sich; bei demselben werden für den Empfang des Schlusszeichens eigenthümliche, solenoidartige, mit zwei Quecksilbercontacten ausgerüstete Relais von geringem Widerstände, geringer Selbstinduction und hoher Empfindlichkeit angewendet, mittels deren ein Localstromkreis durch eine Signalklappe geschlossen wird; die Schaltungsskizze dieses Umschalters hängt an der Wand. Ferner ist von dieser Direction eine Telephonstation mit den von F. van Rysselberghe (vgl. 1884 254 182. 1887 263 586. 264 * 269. 1890 276 528) angegebenen, in Bayern zwischen Nürnberg und Bamberg benutzten Einrichtungen zur Schau gestellt worden, welche gestatten, denselben Leitungsdraht gleichzeitig zum Telegraphiren und Telephoniren zu benutzen.

Mix und Genest haben auch ihren erst in jüngster Zeit entstandenen Telephonautomat an 10Stellen innerhalb der Ausstellung zur Benutzung bereitgestellt, mittels dessen die Musikübertragung vom Frankfurter Opernhause und den zwei Musikpavillons des Ausstellungsraumes genossen werden kann. Auf die Einrichtung dieses Apparates, der dazu bestimmt ist, an öffentlichen Fernsprechstellen den Telephonverkehr ohne Beihilfe einer dritten Person gegen das Einwerfen eines bestimmten Geldstückes zu gestatten, gedenken wir später zurückzukommen.

Textabbildung Bd. 282, S. 113
Endlich bietet die Ausstellung auch noch Gelegenheit, die telephonischen Fernwirkungen kennen zu lernen. Bei den dazu hergestellten Anlagen handelt es sich um die Beschaffung musikalischer Genüsse aus der Ferne. Es liegt ja zwar ein grosser Zauber in solchen Genüssen aus der Ferne, doch geht meist durch die telephonische Uebermittelung ein grösserer oder kleinerer Theil des eigentlichen Zaubers in dem an Ort und Stelle Dargebotenen verloren. Die das Mithören der an fernen Orten stattfindenden musikalischen Aufführungen ermöglichenden telephonischen Empfänger befinden sich in besonderen, dazu eingerichteten Räumen in der Halle für Telegraphie und Telephonie; für jeden Hörer wird in diesen Räumen ein Telephonpaar bereitgehalten und setzt die ihm von den im Aufführungsraume aufgestellten Sendern zugeführten elektrischen Wirkungen wieder in Tonwirkungen um. Unter den in der Ausstellung vorhandenen Anlagen steht obenan die von J. Berliner, welche eine 450 km lange staatliche Telephonleitung benutzt, um aus München die Klänge der Hofoper und der dortigen Löwenbräu-Militärconcerte in Frankfurt wiederertönen zu lassen. Deckert-Homolka lassen mit Hilfe ihres unter Nr. 49938 in Deutschland patentirten Spitzenmikrophons die Musik aus Wiesbaden und Bockenheim in Frankfurt wiedererklingen, Mix und Genest aber machen, wie bereits erwähnt wurde, die Frankfurter Oper in der Ausstellung hörbar. Hieran wäre noch die Erwähnung des lautsprechenden Telephons anzuschliessen, mittels dessen Siemens und Halske in einem geschlossenen Raume auf der anderen Seite der Halle für Telegraphie und Telephonie einer Anzahl von in massiger Entfernung von dem Telephon sitzenden Personen das hörbar machen, was in einem anderen, entfernten Raume gesprochen, gesungen oder gepfiffen wird.

|114|

In Bezug auf die Ausführungsweise der telephonischen Apparate selbst muss noch auf eine Neuerung hingewiesen werden, welche J. Berliner in Hannover an seinen Mikrophonen (vgl. 1887 266 * 245) zur Anwendung bringt. Das Mikrophon, dessen schwingende Platte aus Kohle und Glimmer hergestellt ist, enthält in einer Büchse in den ringförmigen Vertiefungen eines Kohlenblockes Kohlenpulver; die Befestigungsschraube, an welcher zugleich die Batteriezuführungen angebracht sind, wird so angeordnet, dass sie ganz bequem ein Drehen des Mikrophons um diese Schraube in einer lothrechten Ebene gestattet, wodurch verhütet werden soll, dass sich das Pulver mit der Zeit in den Vertiefungen festpacke. Bei den Berliner'schen Mikrophonen wird übrigens das Mundstück gewöhnlich nicht aus Hartgummi, sondern aus Weichgummi hergestellt, da ja auch das menschliche Ohr weich ist.

C. Th. Wagner in Wiesbaden hat seinen ausgestellten, beim Telephoniren zum Rufen zu benutzenden Magnetinductoren eine Einrichtung zu geben gewusst, dass dieselben in Stromkreisen mit 2500 Ohm noch kräftig läuten.

Und schliesslich seien von den telephonischen Ausstellungsgegenständen noch die einen eigenthümlichen Eindruck machenden Telephon-Ausrüstungsstücke erwähnt, welche J. Lechner aus Frankfurt a. M. in ziemlich reicher Anzahl und grosser Mannigfaltigkeit in einem Wandschranke ausgestellt hat; dieselben sind anscheinend als Schaustücke und vielleicht als Unterrichtsmittel zu dienen bestimmt und sind ganz sauber ausgeführt, zum Theil aber doch etwas zu niedlich ausgefallen.

IV.

An die Telegraphenanlagen für häusliche und städtische Zwecke schliesst sich naturgemäss die Feuerwehrtelegraphie an. Die aus diesem höchst wichtigen Gebiete in der Ausstellung – u.a. von Siemens und Halske, Mix und Genest, Naglo, J. Neher Söhne in München, O. Schöppe in Leipzig, Heller in Nürnberg, Zander in Frankfurt a. M. – vorgeführten Gegenstände sind sehr zahlreich; sie vertreten zwar ganz ausgiebig die verschiedenen Arten sowohl der selbsthätigen, wie auch der nicht selbsthätigen Feuermelder, viel Neues findet sich aber in ihnen nicht. Bei den neueren Feuermeldern1) von C. und F. Fein in Stuttgart (vgl. auch 1877 226 427) wird der Meldende nicht bloss durch den Ausschlag einer Galvanometernadel, sondern auch durch ein Glockensignal von der Feuerwache her benachrichtigt, dass sein Ruf und seine Meldung dort verstanden worden ist. Ferner soll in der Feuerwache durch eine Hochdruckturbine eine mit letzterer unmittelbar gekuppelte Dynamo in Umdrehung versetzt werden, welche den Strom für eine beliebige Anzahl von Elektromotoren liefern kann und durch deren Räderwerk auf den Dächern der Häuser aufgestellte (vgl. 1880 237 * 41) Läutewerke mit Glocken von 500 mm Durchmesser in Thätigkeit versetzt. Die Feuermelder sind in zuverlässigen gusseisernen Gehäusen untergebracht, so dass sie ohne Bedenken im Freien aufgestellt werden können. Der in Fig. 14 abgebildete trägt oben eine durch ein Glühlicht zu erhellende rothe Glaskugel mit der schwarzen Inschrift „Feuermelder“. Zur Oeffnung der Thüren der Feuermelder bei einer nothwendig werdenden Meldung werden numerirte Schlüssel vertheilt, die jedoch nach dem Oeffnen der Thür nicht mehr ohne weiteres aus dem Schlosse herausgezogen werden können, sondern nur mit Hilfe eines in den Händen der Feuerwehr oder Polizei befindlichen zweiten Schlüssels. Da man so stets erfährt, wer die Meldung gemacht hat, ist ein Missbrauch des Melders wenig zu befürchten. Zum Alarmiren der Führer und Hornisten der Feuerwehr dienen Wechselstromglocken von 12, 16 und 25 cm Durchmesser; die beiden ersteren sind mit Zeichenscheiben versehen und lassen bei der Bewegung des Klöppels das Wort „Feuer“ Sichtbarwerden, das beim Ziehen an einer seitlich angebrachten Schnur wieder verschwindet. Die schon aus dem Jahr 1875 stammende u.a. auch für Feuerwehrzwecke verwendbare Lärmkanone mit elektrischer Auslösung hatte Fein ebenfalls ausgestellt; das Rohr derselben ist um eine wagerechte Achse drehbar und mit dem hinteren Ende schräg nach oben gerichtet, fällt aber nach erfolgter Auslösung durch einen elektrischen Strom herab und dabei feuert das auf einen Stift aufschlagende Zündhütchen den Schuss ab.

Textabbildung Bd. 282, S. 114
Nun mögen einige Bemerkungen über die Nothsignaleinrichtungen für Maschinenanlagen folgen und der elektrischen Abstellvorrichtungen gedacht werden. Bei den meisten der ausgestellten Apparate – wie z.B. bei dem von Mix und Genest in Berlin (vgl. 1888 267 256) und bei dem von Fein (vgl. 1888 270 * 256) – werden eine Anzahl von Druckknöpfen in den verschiedenen Fabrikräumen aufgestellt und von diesen wird bei Eintritt eines Unfalls der nächstliegende zur Entsendung eines Signalstromes nach dem Maschinenraume benutzt. Von diesen Apparaten unterscheidet sich wesentlich und zwar durch das Vorhandensein einer selbsthätigen Contactmachung der in Fig. 15 abgebildete sehr einfache Apparat, welchen J. Berliner in Hannover und auch Stöcker und Co. in |115| Leipzig-Plagwitz in der Halle für Telegraphie und Telephonie zur Schau gestellt haben. Berliner liefert solche Apparate schon seit 1885. hat aber deren Zuverlässigkeit neuerdings durch Hinzufügung einer Controlvorrichtung zur Prüfung der Leitungen erhöht. Die mit „Nothsignal“ beschriebene Büchse ist durch einen Glasdeckel abgeschlossen, welcher einfach mit dem an der Büchse hängenden Hammer durchzuschlagen ist, wenn eine rasche Abstellung der Dampfmaschine sich nöthig macht. Beim Zerschlagen der Glasplatte wird der Stift frei, der bisher von der Glasplatte zurückgehalten wurde und nun den Stromweg zu einem Lärmapparate schliesst. Die Contacttheile sind so massig ausgeführt, dass eine Beschädigung derselben durch den Schlag nicht zu befürchten ist. Wird ein Controlschlüssel auf einen Dorn in der Büchse gesteckt, so lässt sich durch ihn ein in der Büchse angebrachter Contactflügel so weit drehen, dass er ebenfalls die Leitung schliesst und bei guter Leitung also die Lärmglocke ertönen muss.

Es wird nicht überflüssig sein, wiederholt auf die Vorzüge des Ruhestrombetriebes bei allen derartigen Einrichtungen hinzuweisen; man erkauft bei demselben durch den grösseren Batterie aufwand eine erhöhte Zuverlässigkeit der Anlage, weil sich gewisse Leitungsstörungen sofort bei ihrem Auftreten selbsthätig kund geben. In der Ausstellung waren ferner auch mehrere elektrische Einrichtungen (z.B. von Schöppe in Leipzig, die Frederking's) zur Anschauung gebracht, mittels deren von irgend einem Fabriksraume aus im Falle des Bedarfs die Transmission abgekuppelt bezieh. die Dampfmaschine selbst zum Stillstand gebracht werden soll.

Textabbildung Bd. 282, S. 115
Eine ganz eigenartige Aufgabe ist dem Schiffs-Commando-Telegraphen von Siemens und Halske gestellt, welcher aus dem Capitänsapparate, dem Steuermannsapparate und einer selbsthätigen Contactvorrichtung besteht und welcher seinen Platz in der Mainausstellung angewiesen erhalten hat. Mittels dieses Telegraphen soll der Capitän eines grossen Schiffes befähigt werden, dem Steuermann telegraphisch Weisungen über die Steuerung zu ertheilen, jenem aber zugleich auch darüber Auskunft überbracht werden, ob der Steuermann wirklich diesen Weisungen nachkommt. Demgemäss bildet dieser Telegraph eine Verwachsung zweier von einander unabhängiger Telegraphen und es tritt zu den eben zuerst genannten beiden Theilen noch der selbsthätig und im Verborgenen arbeitende dritte hinzu. Der Capitänsapparat wird auf der Commandobrücke aufgestellt und enthält in einer Büchse den Geber des die Befehle übermittelnden Telegraphen und zugleich einen Empfänger des Antworttelegraphen. Der Steuermannsapparat enthält in einer gemeinschaftlichen Büchse den Empfänger des Befehlstelegraphen und ebenfalls einen Empfänger des Antworttelegraphen, der Geber des letzteren aber ist durch eine Kette ohne Ende so mit dem Steuerruder verbunden, dass er bei jeder Drehung des Ruders von selbst in Thätigkeit tritt. Will der Capitän den Steuermann zu einer Aenderung der Steuerstellung veranlassen und ihm vorschreiben, unter wie viel Grad er von jetzt ab steuern soll, so dreht er mittels einer Kurbel einen schwarzen Zeiger in seinem Apparate in der einen oder in der anderen Richtung so lange, bis der Zeiger auf den betreffenden Grad zu stehen kommt. Dabei werden nun zugleich mittels eines geeigneten Contactmachers Ströme der Reihe nach in vier verschiedene nach dem Steuermannsapparate laufende und mit einem gemeinschaftlichen Rückleiter versehene Drähte entsendet und jeder Strom durchläuft in dem Empfänger einen besonderen Elektromagnet; in welcher Reihenfolge aber diese Ströme den vier Elektromagneten aus den vier Leitungen zugeführt werden, das hängt von der Richtung ab, in welcher der Capitän seinen schwarzen Zeiger dreht, und bedingt zugleich auch die Drehungsrichtung eines schwarzen Zeigers im Empfänger. Jeder der vier Elektromagnete wirkt nämlich bei dem durch den Strom veranlassten Anziehen seines Ankers mit einem Sperrkegel auf die Zähne eines Sperrrades, und es sind die vier Elektromagnete gegen das auf seiner Achse den erwähnten schwarzen Zeiger tragende Sperrad so gestellt, dass stets einer der vier Sperrkegel voll in einer Zahnlücke liegt, der ihm gegenüber befindliche aber gerade auf der Spitze eines Zahnes. Der zuerst genannte Sperrkegel ist es, dessen Elektromagnet zuletzt von einem Strome durchlaufen worden ist; der nächste Strom ferner wird seinen Weg durch den Elektromagnet entweder des dritten oder des vierten Sperrkegels nehmen, welche in den Zwischenräumen zwischen den beiden ersteren angeordnet sind und zur Zeit auf den Flanken zweier Zähne des Sperrades aufliegen und zwar so, dass der eine beim Durchströmen seines Elektromagnetes das Sperrad und den schwarzen Zeiger des Empfängers nach links herum, der andere dagegen nach rechts herum dreht. Bei jedem vom Capitän gegebenen Befehl ertönt zugleich beim Steuermann eine Glocke, welche dessen Aufmerksamkeit auf den Telegraphen lenkt.

Sieht nun der Steuermann das Fortschreiten des schwarzen Zeigers, so dreht er dementsprechend sofort das Steuerruder und dabei entsendet zugleich der durch die Kettenübertragung mit dem Steuerruder verbundene Geber des Antworttelegraphen selbsthätig eine entsprechende Folge von Strömen von einer zweiten Batterie in einem zweiten nach dem Steuermannsapparate und nach der Commandobrücke laufenden Satz von vier Drähten, welche ebenfalls eine gemeinschaftliche Rückleitung besitzen. Diese Ströme nun veranlassen in ähnlicher Weise das der Steuerbewegung angepasste Fortrücken eines gelben Zeigers in den beiden Empfängern des Steuermanns und des Capitäns. Diese beiden. Zeiger bewegen sich auf dem Zifferblatte etwas oberhalb der schwarzen Zeiger; ihre Drehachse fällt mit derjenigen der schwarzen zusammen. Nähert sich der gelbe Zeiger dem schwarzen, langt er schliesslich wieder über demselben an und verdeckt ihn, so erkennen Steuermann und Capitän, dass der gegebene Befehl richtig ausgeführt wird bezieh. ausgeführt worden ist. Wie die vom Capitän entsendeten Ströme ausser dem Glockenelektromagnete |116| noch einen Empfängerelektromagnet durchlaufen, so gehen die Antwortströme stets durch je einen Elektromagnet ihrer beiden Empfänger.

(Schluss folgt.)

|114|

Ueber die ebenfalls ausgestellten älteren Fein'schen Feuermelder von 1875 und 1879 vgl. * S. 99, * 182 und * 189 des 1888 267 48 erwähnten Buches.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: