Titel: Neuerungen in der Gasindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 282 (S. 161–168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj282/ar282058

Neuerungen in der Gasindustrie.

Mit Abbildungen.

Ueber den Einfluss der Luftveränderung auf die Leuchtkraft der Flammen von H. Bunte.

In den letzten Jahren wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Leuchtkraft von Flammen durch Veränderung bezieh. Verschlechterung der Luftbeschaffenheit, durch Gehalt an Kohlensäure oder Wasserdampf oder Mindergehalt der Luft an Sauerstoff wesentlich beeinträchtigt wird. Eine Flamme, in einem Glasballon abgesperrt, erlischt bei etwa 6 Proc. Kohlensäure. Dabei ist der Sauerstoffgehalt der Luft auf fast 11 Proc. gesunken. Ein geringerer Gehalt an Kohlensäure, wie ihn z.B. die Verbrennungs- und Athmungsprocesse hervorbringen, machen die Flamme zwar nicht erlöschen, üben aber einen merkbaren Einfluss auf ihre Leuchtkraft, welcher bei feineren photometrischen Versuchen in Betracht kommt. – Die am häufigsten vorkommenden Veränderungen der Luft beziehen sich auf ihren Gehalt an Kohlensäure und Wasserdampf; erstlich kann eine directe Zumischung von Kohlensäure zur Luft stattfinden, so dass das Verhältniss der Luftbestandtheile sich nicht ändert; zweitens kann die Kohlensäure durch Verbrennen von Kohlenstoff gebildet werden, wobei Sauerstoff verzehrt wird. In diesem Falle ist die Zunahme an Kohlensäure mit Abnahme des Sauerstoffes verbunden. Dieselben Verhältnisse können beim Wasserdampf vorkommen; je nachdem die Luft mehr oder weniger mit Feuchtigkeit gesättigt ist, oder der Wasserdampf durch Verbrennen von Wasserstoff oder wasserstoffhaltigen Substanzen entstanden ist. In diesem Falle tritt ebenfalls die Verminderung des Sauerstoffgehaltes ein. In den meisten Fällen kommen Kohlensäure und Wasserdampf neben einander in Betracht.

An Leuchtflammen wurde ein Schnittbrenner, sowie ein Argandbrenner mit Steinkohlengas versucht, ferner einige Versuche mit der Hefnerlampe1) angestellt. Die Versuchsanordnung war diese, dass an beiden Enden der Photometerbank zwei Flammen angebracht waren, deren eine, die Vergleichsflamme, in reiner Luft brannte, während die andere, in einem Glascylinder von 1,2 m Höhe und 0,33 m Durchmesser eingeschlossen, in einer beliebig veränderten Luft sich befand. Der Cylinder war oben und unten mit Blechdeckel geschlossen, mit Oeffnungen für Lufteintritt und -austritt; es war so möglich, die Flammen ebenfalls wie die offenen in gewöhnlicher Weise brennen zu lassen. Der Vergleich beider Flammen ergab so einen sehr geringen Unterschied in der Leuchtkraft. Der geringe Unterschied wurde bei allen Versuchen berücksichtigt. Durch ein im Boden des Cylinders angebrachtes Rohr konnte Kohlensäure oder Wasserdampf eingeblasen werden; die Mischung mit der Luft geschah durch eingesetzte Bleche. Die Zusammensetzung der die Versuchsflamme speisenden Luft wurde bei jedem Versuche untersucht, indem unterhalb der Flamme ständig eine Gasprobe abgesaugt wurde zur Wasser- und Kohlensäurebestimmung.

Um den Einfluss des Wasserdampfes auf Flammen zu prüfen, wurde im Cylinder ein Hygrometer aufgehängt, das in der Luft des Photometerraumes 40 Proc. relative Feuchtigkeit bei 16° C. (0,72 Vol.-Proc.) zeigte. Nun wurde Luft durch kochendes Wasser in den Cylinder eingeblasen, so dass sich der Feuchtigkeitsgehalt auf 60 und 80 Proc. (letzteres 2,3 Vol.-Proc.) erhöhte; bis dahin wurde keine merkliche Schwächung der Leuchtkraft bemerkt. Erst bei 90 Proc., bei 24° C., wurde eine geringe Abnahme gefunden, welche bis 12 Proc. stieg, als bereits starke Nebelbildung im Cylinder eintrat. Nach diesem Versuche ist der Einfluss des Wasserdampfes auf die Leuchtkraft der Flamme innerhalb der gewöhnlichen Grenzen sehr gering.

Der Einfluss der Kohlensäure wurde in der Weise geprüft, dass in den Cylinder ein constanter Strom dieses Gases geblasen wurde, nach und nach steigend von 1 bis 5 Proc. Diese Zahlen sind zwar sehr hoch, wie sie in bewohnten und beleuchteten Räumen selten vorkommen, ergeben aber doch in weiten Grenzen den Einfluss der Luftverschlechterung. Eine Grenze nach oben war dadurch gegeben, dass die Flammen nicht mehr normal brannten. Bei von 1,1 bis 5,1 Proc. zunehmendem Kohlensäuregehalt nahm die Leuchtkraft des Schnittbrenners von 7,2 bis 36,6 Proc. ab, der Argandbrenner bei 2,2 bis 4,3 Proc. Kohlensäure um 12,4 bis 25,2 Proc. Derselbe Versuch wurde mit der Hefnerlampe wiederholt. Nach längerem Brennen der Flammen erhöhte sich die Temperatur im Cylinder, was auf die Gasflamme ohne Einfluss blieb; die Flamme der Hefnerlampe dagegen wurde länger wegen vermehrter Verdampfung des Amylacetats. Dagegen verkürzte sie sich, sobald Kohlensäure eingeleitet wurde, weil durch die geringere Wärmeentwickelung weniger Amylacetat verdampfte. Um die beobachtete Leuchtkraft mit der normalen, 40 mm, vergleichen zu können, wurde mit Hilfe der Liebenthal'schen Correction2) (3 Proc. für 1 mm Flammenhöhe) auf 40 mm Höhe umgerechnet. Da die Schwankungen bis – 6 mm betrugen und diese Correction auf so grosse Differenzen nicht ganz zutreffend ist, so sind die Resultate nicht genau. Ueber 3,5 Proc. Kohlensäure hinaus war eine Messung nicht mehr möglich. Die Abnahme der Leuchtkraft betrug bei von 1,2 bis 3,5 Proc. zunehmender Kohlensäure 10,8 bis 35,0 Proc.

Der Einfluss der Sauerstoffverminderung wurde in der Weise festgestellt, dass in der Zuführungsluft ein kleines Wasserstoffflammchen brannte, welches derselben Sauerstoff entzog; nach den vorherigen Versuchen ist der gebildete Wasserdampf fast ohne Einfluss auf die Leuchtkraft der Flammen. Die genaue Bestimmung des entzogenen Sauerstoffes wurde in der Weise angestellt, dass in der zutretenden Zimmerluft der Feuchtigkeitsgehalt bestimmt wurde und ebenso in der Luft unter dem Brenner; aus der Zunahme des Wassers Hess sich die Abnahme an Sauerstoff berechnen. Beim Schnittbrenner verursachte eine Abnahme von 0,4 bis 1,3 Proc. Sauerstoff eine Verringerung der Leuchtkraft um 5,2 bis 30,4 Proc., beim Argandbrenner betrug dieselbe von 0,5 bis 1,7 Proc. Abnahme an Sauerstoff 7,0 bis 32,4 Proc.

Der Einfluss der Verbrennungsproducte von Leuchtgas |162| wurde ebenso wie vorher bestimmt, nur brannte statt Wasserstoff ein Leuchtgasflämmchen im Einlochbrenner. Hier kommt ausser der Zunahme von Kohlensäure und Wasserdampf auch die Abnahme von Sauerstoff in Betracht; bestimmt wurden erstere beiden bei jedem Versuche. Da es üblich ist, als Maasstab für die Verschlechterung der Luft den Kohlensäuregehalt allein in Betracht zu ziehen, so gibt Verf. in der Tabelle nur diesen an. Die Zahlen hierfür bewegen sich in Grenzen, wie sie nicht selten in geschlossenen, schlecht ventilirten Räumen vorkommen; sie verursachen eine verhältnissmässig grosse Abnahme der Leuchtkraft der Flammen, wie sie bei genauen photometrischen Messungen wohl in Betracht kommen müssen. Beim Schnittbrenner betrug die Abnahme der Leuchtkraft 5,7 bis 20,0 Proc. bei steigendem Kohlensäuregehalt von 0,26 bis 0,65 Proc; beim Argandbrenner 3,5 bis 22,7 Proc. bei 0,18 bis 0,68 Proc. Kohlensäure.

Aus allen Versuchen ergibt sich, dass die durch den Kohlen Säuregehalt ausgedrückte Verschlechterung der Luft durch die Verbrennungsproducte des Gases die Leuchtkraft der Flammen am empfindlichsten beeinflusst; demnächst folgt die Verminderung des Sauerstoffgehaltes durch Wasserstoff-Verbrennung und weiter zeigt sich, dass erheblich grössere Mengen Kohlensäure der Luft direct zugeführt werden können, ehe die Leuchtkraft der Flammen wesentlich geschädigt wird. Schnittbrenner und Argandbrenner verhalten sich ungleich, im ersten Fall wurde der Argand mehr geschädigt, in letzteren beiden zeigte sich derselbe widerstandsfähiger. – Fasst man die der Luft beigefügten Gase nur als Verdünnungsmittel, ohne eigene Wirkung, auf, und construirt aus dem verminderten Sauerstoffgehalt und der abnehmenden Leuchtkraft Curven, so ist deutlich zu sehen, dass jedem der Verdünnungsmittel ein besonderer Einfluss zukommt, und zwar ist dieser bei gleichem Sauerstoffgehalt am grössten durch zugesetzte Kohlensäure, geringer durch Verbrennung von Leuchtgas und am geringsten durch Verbrennung von Wasserstoff. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 310.)

Einfluss der Kohlensäure auf Licht und Leben von Brookmann.

Ueber diesen Gegenstand finden sich in der Literatur sehr widersprechende Angaben; ferner fehlen bei allen Notizen, sowohl über die physiologischen Erscheinungen auf den menschlichen Organismus, als auch über den Einfluss der Kohlensäure auf eine Flamme Angaben über die Ventilation der Räume, oder Angaben, ob die Beobachtungsräume abgesperrt waren. Weiter fehlen deren Grössenverhältnisse, ebenso Angaben, ob die Kohlensäure durch Athmungs- oder Verbrennungsprocess erzeugt oder als reines Gas der Luft zugemischt war. Im ersten Falle (durch Verbrennung von Kohlenstoff erzeugt) wäre die Zusammensetzung einer Luft mit 5 Proc. Kohlensäure wie folgt: 5 Proc. Kohlensäure, 16 Proc. Sauerstoff, 79 Proc. Stickstoff; für jedes verbrannte Volumen Sauerstoff bildet sich dasselbe Volumen Kohlensäure. Ist die Kohlensäure (5 Proc.) der Luft beigemischt, so ist die Zusammensetzung dagegen: 5 Proc. Kohlensäure, 20 Proc. Sauerstoff, 75 Proc. Stickstoff.

Um diese Verschiedenheiten direct im Versuche nachzuweisen, wurde einerseits eine Flamme in einem luftdicht geschlossenen Raume zum Erlöschen gebracht, andererseits einer Flamme mit Kohlensäure in immer steigendem Maasse gemischte Luft zugeführt bis zum Erlöschen. Zu ersterem Versuche dienten Bechergläser und grosse Glashäfen von verschiedenen Dimensionen über Quecksilber; in dieselbe wurde eine Kerze gebracht und nach dem Erlöschen die Luft im Gefässe untersucht. Es ergab sich, dass die Grössenverhältnisse der Gefässe erhebliche Verschiedenheiten im Kohlensäuregehalt ergeben. So erlosch die Flamme in einem Gefäss von 0,15 l Volum bei 6,6 Proc. Kohlensäure, bei 10 l Volum bei 3,0 Proc., bei 60 l bei 2,9 Proc. Selbst die Form der Gefässe war von Einfluss auf diese Verhältnisse. In einem kleinen Raume bewirkt die Flamme sofort eine wirbelnde Bewegung und die Luft wird immer wieder zur Flamme getrieben, so dass ihr viel Sauerstoff entzogen und viel Kohlensäure dafür gebildet wird. Im grösseren Gefässe dagegen ist nur Bewegung in einem verhältnissmässig kleinen Theile desselben, so dass ein grosser Theil der Luft gar nicht zur Flamme gelangt; es bildet sich daher nur ein geringerer Gehalt der Luft an Kohlensäure als im kleineren Raume. – Auf diesem Wege war es somit nicht möglich, die Luftart zu ermitteln, welche eine Flamme zum Ersticken bringt, und wurde deshalb ein weiterer Versuch angestellt. In einem Holzkasten mit 7 l Inhalt wurde ein offenes Licht aufgestellt und mit Kohlensäure gut gemischte Luft von unten eingeblasen; nach dem Erlöschen der Flamme wurde eine Probe entnommen und untersucht. Von den 15 Versuchsreihen seien einige angeführt:

In der Minute zu-
geführte Luftmenge
(sammt Kohlensäure)
Zusammensetzung der Luftart, welche die
Flamme zum Erlöschen brachte
Kohlensäure Sauerstoff Stickstoff
3,3 l 10,0 18,9 71,1 Vol.-Proc.
10,1 l 12,0 18,5 69,5
19,8 l 13,0 18,3 68,7
30,8 l 15,0 17,9 67,1

Das Verhältniss zwischen Sauerstoff und der Summe von Kohlensäure und Stickstoff ändert sich in allen Fällen nur wenig, bei der geringsten Geschwindigkeit ist es 1 : 4,3, bei der grössten 1 : 4,6. – Das Erlöschen einer Flamme ist abhängig von der Wärmeentwickelung des Brennstoffes und dem Wärmeverluste, welchen die Flamme durch die abkühlenden Gase Stickstoff und Kohlensäure erleidet. Da nun aber die specifische Wärme des Stickstoffes und der Kohlensäure verschieden (Luft: 1, Stickstoff: 0,996, Kohlensäure: 1,55), diejenige der Kohlensäure grösser als die des Stickstoffes ist, die Kohlensäure demnach eine grössere abkühlende Wirkung besitzt, so muss dies in Betracht gezogen werden. Sieht man die zugeführte Sauerstoffmenge (als Wärmeerzeuger), andererseits die zugeführten anderen Gase (als Wärmeverluste), multiplicirt mit ihren specifischen Wärmen, als vergleichbare Grössen an und berechnet aus diesen ein Wirkungsverhältniss, so ergibt sich für die geringste Geschwindigkeit 1 : 4,6, für die grösste 1 : 5,1. Demnach ist bei grösseren Geschwindigkeiten, d.h. bei grösserer Wärmeentwickelung durch Zuleiten einer grösseren Menge Sauerstoff in der Zeiteinheit ein grösseres Verhältniss der abkühlenden Gase zum Sauerstoffe erforderlich, um eine Flamme zum Erlöschen zu bringen, als dies bei geringen Geschwindigkeiten stattfindet. Man ersieht aus diesen Versuchen, dass die Angabe irgend eines Theiles eines Luftgemisches keinen Anhalt gewähren kann, um über die Wirkung desselben auf eine Flamme ein Urtheil zu fällen. Es müssen stets auch die anderen Bestandtheile des Luftgemisches |163| angegeben sein, vor allen Dingen muss die Geschwindigkeit des Luftstromes dabei berücksichtigt werden. Bei weitem verwickelter sind die Verhältnisse mit Gasgemischen, wie sie sich thatsächlich in Gruben finden. Zwei durch Grubenbrand verdorbene Luftarten enthielten: Sauerstoff 15,9 und 11,9 Proc., Kohlensäure 2,6 und 5,4 Proc., Stickstoff 81,5 und 82,7 Proc. Die Geschwindigkeit für beide betrug 70 cbm in der Minute bei 3 qm Querschnitt der Strecke (0,4 m in der Secunde); in beiden Luftarten erloschen Lichter sogleich. Wollte man hier nur den Kohlensäuregehalt in Betracht ziehen, so wäre nicht zu begreifen, wie die Flamme erlöschen kann; aber das Verhältniss des Sauerstoffes zu den Irrespirabilien beträgt im ersten Fall 1 : 5,3, im anderen Fall sogar 1 : 7,4, also weit ungünstiger als irgend ein für bewegte Luftgemische aufgefundenes Verhältniss. (Zeitschrift für Berg-, Hütten -und Salinenwesen im preussischen Staate, 1887 Bd. 35 S. 55.)

Vergleichende Versuche mit Steinkohlen- und Wassergas von D. Coglievina.

Verf. war veranlasst, Versuche über die Verwendbarkeit der üblichen Kochapparate mit Wassergas anzustellen; er begann des Vergleichs wegen damit, deren Nutzeffect mit Steinkohlengas zu messen. In Verwendung kamen: 1) drei Kocher mit zwei Flammenreihen, französischen Modellen nachgebildet, 2) Kocher Nr. 14, 15 und 16 aus der Centralwerkstatt der deutschen Continental-Gasgesellschaft in Dessau und 3) ein Kochapparat mit dreieckförmiger Schlitzöffnung, österreichischen Ursprunges. Zu jedem Versuche diente unter denselben Verhältnissen 1 l Wasser bei 14° C. Zimmertemperatur und 20 mm Gasdruck. Bei Steinkohlengas war es möglich,

mittels des besten französischen Kochers 16,90 c
Dessauer 18,80 c
österreichischen 14,28 c
––––––
im Mittel 16,66 c in der
Minute zu entwickeln; oder
mittels des besten französischen Kochers 2186 c
Dessauer 2384,6 c
österreichischen 2093,0 c
––––––
im Mittel 2221,2 c auf das
Cubikmeter Gas.

Nimmt man den theoretischen Heizeffect von 1 cbm Steinkohlengas zu 5150 c an, so ergibt sich ein Nutzeffect von 43,13 Proc. im Mittel.

Für Wassergas war es nöthig, die Querschnitte der einzelnen Gaszuführungsdüsen zu erweitern, bis dieselben den Flammenöffnungen gegenüber in ein richtiges Verhäitniss gebracht waren, um eine vollständige Verbrennung zu erzielen. Die Lufteinströmungsöffnungen mussten dicht geschlossen werden, um Zurückschlagen zu verhüten, der Gasdruck wurde auf 60 mm Wassersäule erhöht.

Es war möglich, bei Benutzung von Wassergas

mittels des besten französischen Kochers 12,13 c
Dessauer 13,14 c
österreichischen 10,00 c
––––––
im Mittel 11,76 c in der
Minute nutzbar zu machen; oder
mittels des besten französischen Kochers 942,0 c
Dessauer 1081,4 c
österreichischen 1036,4 c
––––––
im Mittel 1019,9 c auf das
Cubikmeter Gas.

Den theoretischen Heizwerth von 1 cbm Wassergas zu 2813 c angenommen, ergibt sich im Mittel ein Nutzeffect von 36,25 Proc.

Die üblichen Kochapparate leiden alle an dem Uebelstande, dass sie eine gleich massige Ausbreitung der Flammen über den Boden des Kochgefässes nicht gestatten, sondern dieselbe bloss an einzelnen Stellen voll zur Wirkung gelangen lassen. Für die zweckdienliche Construction eines sowohl für Steinkohlengas als auch Wassergas verwendbaren Kochers wären hinsichtlich der Grösse des angestrebten Heizeffectes die darauf Bezug habenden Dimensionen des Dessauer Brenners Nr. 14, in Bezug auf Beschleunigung der Leistung die darauf Einfluss übenden Maasse des Dessauer Kochers Nr. 15 zu Grunde zu legen. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 334.)

Eine Bemerkung zum Photometriren mit der Amylacetatlampe von A. Voller.

Bei den Untersuchungen über die Leuchtkraft der Hefnerlampe fanden verschiedene Beobachter ziemlich verschiedene Resultate und schreibt Verf. diese Unterschiede dem Brennmaterial zu. Bei der Photometrirung von Glühlampen benutzt Verf. als Zwischenlichtquelle eine Erdöllampe von constanter Flammenhöhe, die vor und nach jeder Messungsreihe mit der Hefnerlampe gemessen wird. Bei einer Reihe von Versuchen war das Amylacetat neu bezogen worden; es brannte merklich dunkler als sonst und einige Messungen ergaben, dass die Lampe kaum die Hälfte Leuchtkraft einer englischen oder deutschen Normalkerze besass. Einziehen eines neuen Dochtes änderte nichts, und es blieb nichts übrig, als an eine Verunreinigung des Brennstoffes zu denken. Der Siedepunkt des reinen Amylacetats soll 138° C, das spec. Gewicht 0,88 sein; ein Sieden trat aber schon bei 80° ein und das spec. Gewicht war 0,84. Eine Notiz in Roscoe-Schorlemmer's Lehrbuch der organischen Chemie, Bd. 3 S. 545, machte aufmerksam, dass für den Handel Mischungen des reinen Amylacetats mit feinem Sprit und etwas Essigäther hergestellt werden. Solche Mischungen werden als Birnäther, Birnessenz für die Parfümerie und Conditorei fabrikmässig erzeugt. Eine Anfrage bei der Bezugsquelle ergab, dass diese alkoholischen Mischungen auch kurzweg als „Amylacetat“ verkauft würden.

Verf. hält es für angezeigt, in jedem Falle die Reinheit des Materials zu untersuchen, und zwar am besten durch Ermittelung des Siedepunktes, der 138° C. sein soll gegen 78° C. bei absolutem Alkohol. Die Bestimmung des specifischen Gewichtes ist weniger zu empfehlen, weil die Unterschiede der beiden Substanzen und der Mischungen zu gering sind, um Beimengungen erkennen zu lassen. (Elektrotechnische Zeitschrift, 1891 Bd. 12 S. 122.)

Ueber das Verhalten von verunreinigtem Brennstoff in der Amylacetatlampe von F. v. Hefner-Alteneck.

Nachdem in letzter Zeit Bedenken über den Einfluss verunreinigender Bestandtheile des Amylacetats auf die Leuchtkraft der Lampe laut geworden sind, wurden absichtlich verunreinigte Proben, wie sie im Handel vorkommen könnten, der Untersuchung unterzogen. Es wurde zunächst versucht, ob durch den veränderten Consum eine Verunreinigung nachgewiesen werden könne; es ist aber nicht leicht, den Verbrauch an Brennmaterial bei normaler |164| Flammenhöhe festzustellen. Einerseits ist die Wägung der brennenden Lampe unsicher, andererseits steigt die Flamme nach dem Anzünden nur langsam zur normalen Höhe auf. Um also für eine Gewichtsbestimmung des Verbrauches an Brennstoff ein brauchbares Maass zu gewinnen, führt Verf. nicht den Consum bei normaler Flammenhöhe, sondern bei Einstellung der Flamme auf diese Höhe in der ersten halben Stunde nach dem Anzünden ein. Dieser Consum ist etwas kleiner als ersterer. Eine Lampe wird gefüllt, an einem von Luftbewegungen freien Orte angezündet, auf normale Brennhöhe regulirt und 15 Minuten gebrannt, so dass in der Einstellung Sicherheit eingetreten ist. Dann wird die Lampe gelöscht und auf einer Wage genau tarirt, an dem gleichen Orte wie vorher ohne Aenderung der Einstellung entzündet. Nach genau einer halben Stunde wird ausgelöscht und wieder durch Zulegen von Gewichten zur Wage ins Gleichgewicht gebracht. Während des Brennens beobachtet man die Flamme, ob sie, ungefähr von der fünften Minute an, auf normaler Höhe brennt. – Für die Einstellung der Flammenhöhe gilt die Regel, dass der helle Kern der Flamme von unten an das Visir anspielen soll; man kann in diesem Falle noch einen leisen Schimmer von der Spitze des halbleuchtenden Saumes, etwa bis 0,5 mm über dem Visir, erkennen. Jede Ausbiegung der Flamme verkürzt ihre Länge.

Die untersuchten Mischungen zeigten folgende Eigenschaften; dabei sei bemerkt, dass Probe III den Zusatz von Alkohol und Ricinusöl erfuhr, um gleiches specifisches Gewicht wie bei VI, reiner Substanz, herzustellen:




Zusammen-
setzung
Amylacetat 80 G.-Proc.
Fuselöl 20 „
Amylacetat 98 G.-Proc.
Diamylen 2 „
Amylacetat 91 G.-Proc.
Alkohol 5 „
Ricinusö l 4 „
Amylacetat 80 G.-Proc.
Isobutylacetat 10 „
Amylalkohol 10 „
Amylacetat 50 G.-Proc.
Alkohol 50 „
Amylacetat rein
Specifisches Gewicht
bei 15° C

0,8645

0,8725

0,8745

0,869

0,8408

0,8735
Siedepunkt mit Rück-
flusskühler, Grad C

106,5

139,5

120

133

81

139,5
Consum ½ Stunde
nach dem Anzün-
den, g


4,98


4,62


4,94


4,64


6,46


4,659
Abweichung vom
normalen Consum,
Proc.


+ 6,9


– 0,8


+ 6,0

– 0,4


+ 39


Abweichung der
Leuchtkraft, Proc.

– 2

0

–*

+ 0,4

– 40**

* unsicher, weil Docht fortwährend höher geschraubt werden musste, bis 2,5 mm über normaler Stellung.

** Flamme zuckt stark.

Sämmtliche Proben wurden auch fractionirt destillirt und die verunreinigten ausser II so deutlich erkannt. Das Ergebniss der Untersuchung ist folgendes: Aus der Prüfung der Probe I, II und IV wird bestätigt, dass die Lichteinheit der Amylacetatlampen gegen die am häufigsten vorkommenden Beimischungen des Amylacetats für praktische Zwecke hinreichend unempfindlich ist. Mit Beimischungen, die einen erheblichen Unterschied in der Leuchtkraft verursachen, ist auch eine bedeutende Aenderung des Consums an Brennstoff verbunden. Es kann jedoch eine verminderte Leuchtkraft mit einem vermehrten Consum verbunden sein und umgekehrt. Der normale Consum in der ersten halben Stunde nach dem Anzünden, obiger Vorschrift entsprechend gemessen, beträgt 4,66 g. Die Bestimmung des Consums bietet neben dem specifischen Gewicht und Siedepunktsbestimmungen ein Erkennungszeichen für die Anwesenheit von Beimengungen. Die stärker verunreinigten Proben I, III und V sind schon am Gerüche leicht kenntlich, IV beim Vergleiche mit reinem Amylacetat. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 349.)

Verstopfung eines trockenen Gasmessers von E. Baumert.

Ein fünfflammiger Gasmesser versagte den Dienst und wurde deshalb geöffnet; ein graubraunes mehlfeines Pulver von etwa 0,5 k Gewicht bedeckte alle Metalltheile und Bälge, füllte auch den Boden der Kammern aus, so dass der Gasmesser nicht mehr anzeigen konnte. Die Untersuchung des Pulvers ergab 12,6 Proc. in Aether lösliche Stoffe, Kohlenwasserstoffe, 5,6 Proc. hauptsächlich Schwefel, in Schwefelkohlenstoff löslich; 36,5 Proc. beim Glühen flüchtige Ammoniakverbindungen, Cyanverbindungen, 45,3 Proc. mineralische Substanzen. Letztere bestanden aus 29,60 Proc. Eisenoxyd, 6,57 Proc. Sand, 1,63 Proc. gebundene Schwefelsäure, 3,60 Proc. Bleioxyd, 3,70 Proc. Zinnoxyd, 0,20 Proc. Kupferoxyd. Verf. glaubt, dass das durch den Gasmesser gegangene Gas schlecht gereinigt gewesen sei. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 7.)

Lademaschine von Runge. D. R. P. Nr. 48109 Kl. 26. (Fig. 1 bis 4.)

Textabbildung Bd. 282, S. 164
Dieselbe ermöglicht es, die gefüllte Mulde leicht auf die Höhen der verschiedenen Retorten zu bringen, lässt auch das Einbringen der Mulde in die Retorte, das Entleeren und Herausbringen auf so einfache Weise bewerkstelligen, dass ein Arbeiter im Stande ist, die erforderliche Arbeit zu leisten. Die Mulde fasst 150 bis 160 k Kohlen, die Retorte wird also auf einmal gefüllt; das Füllen dauert vom Einschieben bis zum Schliessen des Deckels nur 35 Secunden.

|165|

Textabbildung Bd. 282, S. 165
Die zwei durch die Bügel a und die Rückwand b verbundenen Seitenwände c der Mulde M ruhen lose auf dem Boden d, welcher selbst in dem Rahmen R auf den Rollen e ruht. Der Boden d macht nun beim Vorschieben der gefüllten Mulde in die Retorte die Vorwärtsbewegung nur so lange mit, bis der vordere Theil d1 in die Retorte eingetreten ist und der an demselben befindliche Vorsprung f gegen den Rand der Retortenmündung stösst, so dass die Rückwand b oder die verstellbare Wand b1 den von den Seitenwänden c gehaltenen Kohlenstrang auf der unteren Retortenfläche vorwärts schiebt (Fig. 4).

Textabbildung Bd. 282, S. 165

Beim Zurückziehen der Mulde macht der Boden d die Rückwärtsbewegung mit, bis die an demselben festgenieteten Vorsprünge g gegen den Rahmen. R stossen, wonach dann die Mulde sich allein zurückbewegt, bis sie die zu ihrer Füllung erforderliche Lage wieder eingenommen hat.

Die in den Fig. 1, 2 und 3 in Verbindung mit der Mulde dargestellte Hebemaschine, deren Räder und Ketten in strichpunktirten Linien angedeutet sind, ruht mit ihrem Obertheile mittels eines Zapfens h (Fig. 2 und 3) und zweier Stützrollen i (Fig. 1 und 2) auf einem auf zwei Schienen laufenden Wagengestelle A, sowie ferner, um ein Kippen der Maschine zu verhüten, auf der bei Drehung der Maschine um den Zapfen h sich auf der Schiene k bewegenden Rolle l.

Nachdem die Mulde gefüllt ist, wird dieselbe auf die erforderliche Höhe gehoben, indem das Handrad D in der in Fig. 1 angedeuteten Pfeilrichtung gedreht wird, wodurch die Mulde mittels der Kettenräder m und m1 und der Gall'schen Kette m2, der Kettenräder n und w1 mit den über diese und die Rollen o und o1 laufenden und an dem die Mulde tragenden Rahmen R befestigten Ketten n2 und n3 gehoben wird. Die anderen Enden der Ketten n2 und n3 tragen die Gegengewichte G und G1, die das Eigengewicht der Mulde und Rahmen ausgleichen.

Die an den Rahmen angeschraubten Böcke B und B1 tragen die Rollen p und q, welche die Mulde durch die Führungen F und H in wagerechter Lage halten. Durch Eingriff der Sperrklinke r in das Sperrad s wird die Mulde auf der gewünschten Höhe festgehalten. Mittels des Wagens wird nun die Mulde mit der Hebemaschine durch Drehung der Kurbel C1 des auf der Kurbelachse befindlichen Kettenrades E und des auf der mittleren durchgehenden Wagenachse t sitzenden Kettenrades E1 und der Gall'schen Kette E2 vor die zu füllende Retorte gebracht.

Jetzt wird das Handrad J in der in Fig. 2 angedeuteten Pfeilrichtung gedreht, wodurch mittels der Kettenräder K und K1 und der Gall'schen Kette K2, der Kettenräder L und L1 und der Gall'schen Kette K3, der Kettenräder u und v und der über diese laufenden endlosen Kette K4 die bei w mit dieser verbundene Mulde M in die Retorte, unter Zurücklassung des Bodens d vor der Retortenmündung, wie im Anfange erwähnt, hineingeschoben wird.

Durch Drehen des Handrades J in einer der in Fig. 2 angedeuteten entgegengesetzten Richtung wird die Mulde unter Zurücklassung der Kohlen aus der Retorte zurückgezogen und nimmt hierbei in Bezug auf den Boden d ihre frühere Lage ein.

Nun wird, nach Lösung des Gesperres rs, das Handrad D in entgegengesetzter Richtung, wie in Fig. 1 angedeutet, gedreht, wodurch dann auch in Bezug auf die Hebemaschine die Mulde in ihre frühere Lage gebracht wird.

Runge's Lademaschinen sind im Gebrauche in der Gasanstalt |166| Stolberg bei Aachen, Neuweissensee bei Berlin und Hanau.

Ueber selbsthätiges Laden und Entleeren der Retorten durch geneigte Stellung von van Vestraut.

Eine der mühsamsten Arbeiten in der Gasanstalt ist das Laden und Entleeren der Retorten. Statt der Handarbeit wurden Lademaschinen mit Ketten-, Seil-, Luft-, Wasser- und Dampfbetrieb angewandt; indessen haben diese Maschinen den Nachtheil, dass nach und nach ein exactes Arbeiten derselben unmöglich wird, weil die Graphitansätze das Laden und Entleeren erschweren. Es wurde versucht, durch Retorten von grösserem Querschnitte diesem Uebelstande abzuhelfen; dadurch wurde aber der leere Raum über den Kohlen zu gross und in Folge dessen trat eine stärkere Zersetzung der schweren Kohlenwasserstoffe, also Abnahme der Leuchtkraft, ein.

Textabbildung Bd. 282, S. 166
Coze in Rbeims gab den Retorten eine geneigte Stellung3), um das Laden und Entladen zu erleichtern, und zwar einen Winkel von 30°. Theoretisch müsste für jede Kohle ein anderer, ausprobirter Winkel gewählt werden, um sie auf der schrägen Fläche zum Gleiten zu bringen. Aber um 30° herum liegt der Winkel, bei welchem alle Kohlen eben noch liegen bleiben, bei leisem Anstosse aber nach unten abfliessen. Hemmt man unten den Strom, so bleiben die Kohlen liegen.

Coze's System wurde zuerst von Mr. Morris in Southhall, Station der Brentford-Gasgesellschaft, eingeführt (vier Oefen), dann von Mr. Trewby in der der Gaslight and Coke Company gehörigen Gasanstalt Kensal Green (Kensal Rise) eine Anlage von 52 Oefen erbaut. Auch andere Gasanstalten haben seitdem das Ofensystem eingeführt.

Die Ofenanlage ist im Allgemeinen etwas theurer als die in England üblichen Systeme und beläuft sich auf etwa 900 M. die Retorte. Zieht man aber die bedeutend geringeren Betriebskosten dieser Oefen in Betracht, so sind diese Mehrausgaben mehr als ausgeglichen. Das Laden dauert nur 5 Secunden, das Ziehen etwa 30 Secunden, so dass die ganze Charge kaum 1 Minute Zeit in Anspruch nimmt. Nach einem von Morris und van Vestraut abgeänderten Verfahren ist das System noch vereinfacht. Während Coze die oberen Theile der Retorten mit eingemauerten gekrümmten Ansätzen aus Gusseisen versieht, durch welche die Kohlen mittels Wagen mit umkippender Mulde geladen werden, verwenden Morris und van Vestraut die schief liegende Retorte beiderseits aus dem Ofen herausragend mit den Retortenköpfen. Die Ladung geschieht nur mittels eines fahrbaren, teleskopisch aus einander ziehbaren Fülltrichters. Diese Anordnung trägt dazu bei, dass ein Theil Mauerwerk wegfällt und dass dadurch die Oefen nicht theurer werden als die früheren mit wagerechten Retorten. Zu berücksichtigen ist auch, dass vor den Oefen keine schwere Arbeit zu verrichten ist, auch keine Kohlen dort zu fahren und zu lagern sind; es kann daher das Podium leichter construirt und billiger hergestellt werden als früher. Benutzt man zum Abfahren des Koks eine Rollbahn, so kann man leicht eine doppelte Ofenreihe da anbringen, wo früher eine einfache Platz hatte. In manchen Fällen ist eine Erhöhung des Daches nöthig, da die Höhe des Ofens 14 engl. Fuss, und darüber noch 6 Fuss für die Füllvorrichtung, zusammen also 20 Fuss (etwa 6 m) über dem Podium beträgt. Die Kostenersparniss durch verringerte Arbeit beträgt nach Angaben des Verf. auf 100 cbm Gas 60 bis 95 Pf.4)

Bei der dem Vortrage folgenden Discussion bemerkt Carpeuter (Sheerness), dass er in langjährigen Versuchen ebenfalls den Winkel von 30° am geeignetsten fand. Aber doch bildeten sich manchmal in den Retorten unten Anhäufungen von Kohlen; auch sammelte sich am unteren Ende 1 bis 1⅓ l Theer an. Das Gas wurde anfangs unten abgesaugt; es zeigten sich hierbei Schwierigkeiten im Drucke, auch setzte sich unten viel Graphit ab. Er liess deshalb das Gas oben absaugen. Peterson (Birkenhead) gibt an, dass er den Process in Rheims gesehen und die Kohle stets gleich gelagert gefunden habe. Es war Yorkshirekohle ohne vorherige Brechung durch Maschinen. Den Koks fand er vollständig trocken und theerfrei. Van Vertraut bemerkt, dass die Kohlen mit einer gewissen Geschwindigkeit eingeschüttet werden müssen, so dass immer die vorausgehende Kohlenmenge von der folgenden geschoben wird, wie sich auf einem Brette leicht zeigen lässt. Die Abwärtsbewegung des Gases in den Retorten beträgt nur 5 Fuss, was einem Drucke von 15 mm entspricht. Anschoppungen der Kohlen sind weder in Sheerness noch in Rheims vorgekommen. Die Bedienung der Oefen sei derart, dass in Southhall nunmehr drei Leute 112 Retorten (vier Oefen zu sieben Retorten zu 4- bis 6stündiger Ladung) in 24 Stunden laden statt 72 bei gewöhnlichen Ofensystemen. (Journal of Gaslighting vom 8. Juli 1890.)

Der Siphon Gibault von Kellner.

Mittels des Wassersammlers nach Gibault lassen sich leicht die Gasverluste an Rohrstrecken feststellen. Der Siphon (Fig. 5 und 6) besteht, wie jeder gewöhnliche Siphon, aus einem Wasseransammler a und dem Wasserauspumprohre b; ferner aus einer oder mehreren Scheidewänden e, welche etwa 15 cm unter dem Hauptgasrohre enden, in Folge dessen das Gas im Siphon einen U-förmigen Lauf nehmen muss. Diese Scheidewände bilden Kammern d und d1, wovon jede ein Gasrohr von 2 Zoll aufnimmt und welche dann bis zum Niveau der Strasse reichen. Solche Siphons müssen an verschiedenen Plätzen Aufstellung finden, so dass man stets eine bestimmte Länge vom Gasrohre abstellen und probiren kann. Die Siphons wird man am geeignetsten gleich in die tiefsten Stellen der Gasleitung oder an. den Kreuzungspunkt der Strassen |167| stellen. Will man eine beliebige Strecke eines Gasrohres auf seine Dichtigkeit probiren, so wird man zunächst auf dieser zu untersuchenden Strecke sämmtliche Hähne der Gasuhren u. dgl. zu schliessen haben, damit keine Gasabgabe während des Versuches stattfinden kann. Man fülle die zwei nächstliegenden Siphons mit Wasser, und zwar bis zur Unterkante des Hauptgasrohres; auf diese Weise wird die Gaszuströmung abgeschnitten, man verbinde dann die Gasaufsteigröhren f und f1 durch eine eingeschaltete Experimentirgasuhr. Man wird dann in wenigen Minuten den Verlust des Gasrohres direct an der Uhr ablesen können. Nach Beendigung dieses Versuches pumpt man das Wasser aus dem Siphon wieder heraus, nimmt die Experimentiruhr wieder fort und schliesst die beiden Gasaufsteigröhren. – Man kann auf diese Weise bestimmte Rohrnetze jährlich probiren und so ein Bild über den Gasverlust erhalten. In der Regel schaltet man an grossen Gasröhren Gasschieber ein, um Reparaturen an den Rohren ausführen zu können. Diese Schieber sind aber meist nur dicht, solange sie neu sind, ausserdem auch nicht immer gangbar zu halten. Man umgeht sie bei Anwendung der Siphons Gibault ganz, indem man diese mit Wasser füllt. – Um zu verhindern, dass der Siphon sich von selbst mit Wasser auffüllt und abschliesst, ist es vortheilhaft, die nächste Laterne einige Centimeter unter der Unterkante der Scheidewand abzunehmen. Der Laternenanzünder weiss dann sofort, wenn der Siphon gefüllt ist, so dass durch Auspumpen geholfen werden kann. Ein kleiner Nachtheil des Siphons ist der, dass durch die Scheidewand, welche das Gas zwingt, einen U-förmigen Weg zurückzulegen, einige Millimeter Druck verloren gehen. Diesem Uebelstande, der sich aber nur zeigt, wo die Gasabgabe sehr gross und die Schnelligkeit des Gases eine dementsprechende ist, kann dadurch abgeholfen werden, dass man dem Wasseransammler grössere Dimensionen gibt. (Journal für Gasbeleuchtung, 1890 Bd. 33 S. 600.)

Textabbildung Bd. 282, S. 167

Apparat zur Erhöhung des Gasdruckes von W. Parkinson. und Co. in London.

In gegen die Gasanstalt niedrig gelegenen Gegenden ist häufig der Gasdruck sehr gering. Mittels Parkinson's Gasuhr lässt sich derselbe in der Hausleitung beliebig vergrössern; ein am Flaschenzuge hängendes Gewicht dreht die Trommel der Uhr durch Räderübersetzung vorwärts, so dass Gas aus der Leitung gesaugt und vorwärts gedrückt wird zu den Verbrauchsstellen. Der Apparat bleibt mehrere Stunden in Thätigkeit, wenn nur das Gewicht tief genug sinken kann; ausgeführt ist derselbe in Grössen von 5 bis 200 Flammen. Der Apparat ist u.a. in Thätigkeit bei der Tower Subway Co. in London im Themse-Tunnel, sowie bei tief liegenden Consumenten der Gasanstalt Cork, und zwar mit gutem Erfolge.

Untersuchung der Standardwäscher auf dem Gaswerke in Elberfeld von S. Bueb.

Verfasser untersuchte zwei Standardwäscher für je 18000 cbm Maximalproduction in 24 Stunden auf ihre Wirkungsweise in Bezug auf Aufnahme des Ammoniaks aus dem Rohgase. Das Gas gelangt aus der Vorlage, in welcher bei ⅔ des Betriebes die Tauchung aufgehoben ist, in Kühler, durch die Exhaustoren und den Drory'schen Theerwäscher nach den Standard Wäschern. Die Gesammtproduction an Gas (30000 cbm) wurde I. durch zwei Wäscher, dann II. durch einen, darauf die Maximalleistung an Gas, für welche dieselben gebaut sind, 18000 cbm, III. durch einen Wäscher geleitet. Es wurde ohne Rücksicht auf die Stärke des producirten Gaswassers nur auf möglichst vollständige Entfernung des Ammoniaks gearbeitet.

Die erhaltenen Resultate sind folgende:

I.
30000 cbm Pro-
duction. Beide
Wäscher im Be-
trieb
II.
30000 cbm Pro-
duction Ein
Wäscher allein
im Betrieb
III.
18000 cbm Durch-
lass. Ein
Wäscher allein
im Betrieb
A B A B A B
Gasdurchlass in
24 Stunden, cbm

30000

30000

30000

30000

18000

18000
Ammoniakgehalt
vor dem Waschen

525

530

520

535,5

500

506
nach „ „ 1,91 4,5 2,84 12,0 3,03 7,6
(g in 100 cbm)
Gewonnenes Ammo-
niak, Proc.

99,6

99,2

99,4

97,7

99,2

98,5
Stärke des ablaufen-
den Ammoniak-
wassers, Grad B


1,2


2,8


1,2


2,8


2,7


3,8
Gehalt des Abwassers
an Ammoniak, g in
1 l


10,1


23,97


10,14


22,8


20,4


28,1
Druck widerstand in
mm Wassersäule

6

6

20

20

4

4

Bei normalem Betriebe, d. i. Theilung der 30000 cbm auf zwei Wäscher, s. I., war die Stärke und der Gehalt des Wassers. in den einzelnen Kammern des Wäschers wie folgt:

Kammer: 1 2 3 4 5 6 7
Stärke des Wassers in
Grad B

2,8

2,0

1,6

1,2

0,8

0,5

0,3
Gehalt des Ammoniak-
wassers, g in 1 l

23,97

17,59

12,49

8,50

5,44

3,23

1,17

Das aus dem Wascher hierbei ablaufende Wasser von 2,8° B. enthielt:

Gesammt-Ammoniak 2,397 Proc.
Davon flüchtig 2,363
Nicht flüchtig 0,034
Kohlensäure 2,090
Gesammt-Schwefel 1,200
Chlor 0,054
Sulfate Spur

Auf 100 cbm Gas sind erforderlich 29,1 l Wasser, welche beim Ablaufen enthalten 525,5 g Ammoniak, |168| 457,7 g Kohlensäure, 262,8 g Schwefel. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 267.)

Ueber Vergasung von Fleisch von v. Corswant.

Verf. kam, wie kleinere Gasanstalten öfters, in die Lage, ungeniessbares Fleisch vernichten zu müssen; es geschah dies, indem in Gasanstalt Gumbinnen zwei Retorten in einem Viererofen mit dem Fleische gefüllt wurden. Der Ofen war vorher leer gestanden und war dadurch sehr heiss geworden. In kurzer Zeit entwickelte sich Gas, und zwar gelangte dies so heiss in den ersten Kühler, dass dieser nicht mit der Hand' anzufassen war. Es ist jedenfalls dies Verfahren mit Vorsicht anzuwenden, weil nicht alle kleinen Gasanstalten im Besitze der nöthigen Kühlung hierzu sind. Andererseits hat dies Verfahren den Vortheil, dass es etwaige Theerverdickungen in der Vorlage und der Kühlung löst. Kunath (Danzig) bemerkt hierzu, dass die hohe Temperatur im Kühler hauptsächlich von dem in bedeutender Menge erzeugten Wasserdampfe herrührt, der als Träger der Wärme auch lösend auf den verdickten Theer wirkt. Er empfiehlt zur Vernichtung von Fleisch, dasselbe in kleinen Stücken zur Verhütung von Missbrauch mit Gaswasser zu begiessen, mit Kohlenstaub zu bestreuen und in kleinen Portionen mit den Kohlen gemischt zu vergasen.

Merkens (Insterburg) hält die Vergasung von Fleisch nicht für zweckmässig, weil die Gasausbeute sehr gering sei und das Fleisch 4 bis 5 Stunden in der Retorte liegen müsse, um zu verkoken. Er verbrennt dasselbe in den Generatoren, was schneller und ohne jede Gefahr vor sich geht. Gellendien (Elbing) berichtet, dass im J. 1888 während der Nogat-Ueberschwemmung eine grössere Menge Viehcadaver in den Retorten vergast worden seien. Dadurch wäre aber das Gas so in der Leuchtkraft geschädigt worden, dass man es in die Luft blasen musste. Seitdem wird das Fleisch in den Retorten bei offenen Steigrohren verbrannt. Die grosse Menge Wasserdampf wurde auch dort bemerkt, zumal das Fleisch schon längere Zeit im Wasser gelegen und sich damit vollgesogen hatte. (Besprechung im Verein Baltischer Gasfachmänner 1890; Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 188.)

Leybold.

|161|

Vgl. 1884 252 468.

|161|

Vgl. 1888 267 126.

|166|

Vgl. 1889 274 268.

|166|

Ref. sah die neuen Ofensysteme in Southhall und Kensal Green im Betriebe und kann denselben gegenüber dem bisherigen Systeme der wagerechten Lagerung der Retorten nur Vortheile zusprechen.

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