Titel: Ueber die Herstellung von Rohr- und Holzstäbchenmatten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 282 (S. 253–261)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj282/ar282092

Ueber die Herstellung von Rohr- und Holzstäbchenmatten.

(Schluss des Berichtes Band 282 S. 247.)

Textabbildung Bd. 282, S. 253
Auf dem mechanischen Webstuhl zur Herstellung von einfachen und doppelten Rohrgeweben von P. Stauss und H. Ruff in Cottbus (D. R. P. Kl. 86, Nr. 42847), Fig. 15 bis 17, werden alle für die Herstellung der Gewebe nöthigen Operationen in selbsthätiger Weise ausgeführt, also auch das Eintragen der Rohre in das Fach. Dies wird dadurch bewirkt, dass die in rinnenförmige, vorn trichterförmig zulaufende Behälter (28) eingelegten Rohre durch imtermittirend fortbewegte endlose Ketten, auf welchen sich die Behälter (28) befinden, den durch Seiltrieb fortgesetzt entgegengesetzt gedrehten Transportwalzen (29) und (30) zugeführt werden, Fig. 16 und 17. Diese Walzen entfernen sich im geeigneten Zeitpunkt selbsthätig von einander, so dass ein Rohr zwischen dieselben eintreten kann, welches sie nach ihrer wieder erfolgten Annäherung in die Lade M einführen. Letztere besteht aus einem trichterförmigen Gehäuse, welches nach vorn offen ist und von den Verschlussdeckeln O geschlossen gehalten wird, Fig. 15. Die Trichter M sind zu 12 oder mehreren neben einander auf einem Winkeleisen g befestigt, zwischen welchen Trichtern die Hauptdrähte a hindurchgehen, während die Verschlussdeckel O an einem anderen Eisen O1 sitzen. Bei dem Transport des Rohres in die Lade wird dieses durch eine Fangfeder und die Verschlussdeckel der Lade daran gehindert, zurückzuschnellen, bezieh. seitlich auszuweichen, und es befindet sich unter dem Hauptdraht a und oberhalb des Bindedrahtes b. Durch Hebung des Schaftes S mit den Webedrähten b und seitliche Verschiebung dieses Schaftes wird der Webedraht b über den Hauptdraht a hinweggeführt, gleichzeitig geht die Lade M nach vorn, sie öffnet sich durch Aufwärtsbewegung der Verschlussdeckel O und das lose verwebte Rohr wird fest gegen den Brustbaum gepresst, bezieh. zwischen Haupt- und Webedraht gebunden. Darauf wird die Lade M zurückgezogen, der Verschlussdeckel O wieder heruntergelassen und der Schaft S auf der anderen Seite des Hauptdrahtes gesenkt. Gleichzeitig sind die Ketten mit den Rohrbehältern weiter bewegt worden, so dass wieder ein Rohr zwischen die Transportwalzen (29) und (30) gelang ist. Dieses wird nun, wie angegeben, zwischen Haupt- und Webedraht in die Lade geschleudert und dort verwebt. Das fertige Gewebe geht hierbei über den Brustbaum zu einer Messtrommel und wird auf den Warenbaum geleitet. Das Verweben des Rohres mit dem Hauptdraht geschieht demnach durch Verschieben des Schaftes von links nach rechts, bezieh. umgekehrt; wodurch die Bindedrähte das Rohr abwechselnd links und rechts mit dem Hauptdraht verweben.

Die Hauptdrähte a befinden sich bei diesem Webstuhl auf Spulen x und führen von diesen über den Drahtbaum x1 durch die Lade hindurch zum Brustbaum, während die Webedrähte b von den Spulen y kommen und über Rolle y1 zu den Rollen y2y3 des Schaftes S geführt werden. Durch geeignete Vorrichtungen lassen sich ebenfalls Doppelrohrgewebe herstellen.

Der mechanische Webstuhl für gazebindige Rohrgewebe von C. Stauss in Berlin (D. R. P. Kl. 86, Nr. 44260), Fig. 18 bis 20, unterscheidet sich dadurch von den bisherigen Rohr Webstühlen, dass hier die starken Kettendrahte c, ohne deren Gesammtgewicht zu bewegen, zwischen den Bindedrähten c1 behufs Festbindens der Rohrstengel hindurchgeführt werden und die Spulen m mit dem Bindedraht c1 nur seitlich zu verschieben sind. Es ist bei diesem Webstuhl die meist übliche Viertelsbewegung der Bindedrahtspulen dadurch in eine einfache seitliche Bewegung übergeführt, dass die starken Drähte c in Form dreieckiger Schleifen zugeführt werden, welche selbst um eine der Arbeitsstelle entsprechende horizontale Achse schwingen.

Die Grunddrähte c gehen von Rollen c1 um die Walze x, über die Rollen ff zurück nach der Walze x, wo die Rohrstengel festgebunden werden, und gelangen dann über Messtrommel z zum Warenbaum. In der Stellung Fig. 18 wird ein Rohrstengel aus einem oberhalb der Grundkette befindlichen Rohrbehälter auf die Drähte e aufgelegt. Durch Drehung der Hauptwelle wird mittelst auf derselben sitzender Hubscheiben der in Schlittenführung gehende |254| Schieber k in die Stellung Fig. 19 gebracht. Dabei schlagen die Greifer v, welche mittelst Stangen v1 am Schieber k angreifen, herum und halten den Rohrstengel fest; gleichzeitig wird der lange Schenkel des doppelarmigen Hebels d, dessen kurzer Schenkel ebenfalls am Schieber k angreift, um seinen Drehpunkt i nach oben bewegt, so dass sich die Drähte c hinter die Spulen mit dem Bindedraht legen.

Textabbildung Bd. 282, S. 254

Darauf werden die Spulen aus ihrer Stellung rechts von den Drähten c links von denselben in die Stellung Fig. 20 gezogen, indem der Arm u, welcher an der seitlich verschiebbaren Stange n sitzt, mit dieser vom Hebel d gehoben wird und in ein Führungstück eingreift, welch letzteres und mit ihm die Stange n unter Vermittlung eines Curvenrades im geeigneten Zeitpunkt seitlich verschoben wird. Die Stange n trägt kleine Nasen o, welche in entsprechende Löcher p der Spulenkästen greifen und daher bei ihrer seitlichen Bewegung sämmtliche Spulen mitnehmen.

Textabbildung Bd. 282, S. 254

Darauf gehen die Hebel d mit dem Arme u, der Stange n mit den Nasen o, sowie auch die Greifer v in ihre Anfangsstellung zurück, und der erste Rohrstengel ist festgebunden. Nun wird der zweite Stengel aufgelegt und die Aufwärtsbewegung wie vorhin ausgeführt. Das Curvenrad schiebt aber nach wieder erfolgter Aufwärtsbewegung der Hebel d beim zweiten Stengel die Spulen wieder rechts von den Drähten c und so wiederholen sich die Spiele des Webstuhles von neuem.

2. Rohr- und Holzstäbchenmatten, bei welchen die Stäbchen durch Zusammendrehen der Ketten festgebunden sind.

Friedrich Scherrbacher und Ernst Buchheim, in Feucht bei Nürnberg zwirnen auf der Maschine zur Herstellung von Rohrmatten (D. R. P. Kl. 86, Nr. 17673)5) die Rohre zwischen Gruppen von je zwei Drähten ein; der Betrieb der Maschine erfolgt durch die Hand des Arbeiters. Zur Herstellung der Matten ist ein System von lothrechten Spindeln vorhanden, deren jede von einer horizontalen Achse gekreuzt wird, welche an beiden Enden je eine auf ihr drehbare Spule mit Bindedraht trägt. Von diesen Spulen aus gehen die Bindedrähte (von je zwei auf derselben horizontalen Achse sitzenden Spulen) über einen gemeinschaftlichen unten an der lothrechten Achse sitzenden Steg, welcher die Drähte nach Art eines Webefaches auseinander hält, worauf sich die Drähte etwas unterhalb eines Systems von Greifern wieder vereinigen, indem sie spiralförmig um einander gewunden sind, um dann nach dem Warenbaum zu gehen. Zur Erzeugung der Matten wird ein Rohr in das von den Bindedrähten gebildete Fach seitlich eingeschoben, von den Greifern festgehalten und durch Drehung der lothrechten Spindeln werden die Bindedrähte mehrmals um einander gewunden, welche dadurch den Rohrstengel umspannen und festhalten. Bei dem Einzwirnen des zweiten Rohres erfahren die lothrechten Spindeln eine Drehung im entgegengesetzten Sinne, wodurch die Drähte das Rohr in entgegengesetzten Windungen, wie zuvor, umwickeln.

Ernst Buchheim in Nürnberg und Friedrich Scherrbacher in Feucht bei Nürnberg haben bei der Maschine zur Herstellung von Rohrmatten (D. R. P. Kl. 86, Nr. 21603), Fig. 21 und 22, die zuletzt beschriebene Maschine so abgeändert, dass dieselbe sowohl zur Anfertigung von Rohrmatten, bei welchen die Rohre in Bindedrähte eingezwirnt sind, Fig. 23 und 24, als auch zur Herstellung solcher Matten benutzt werden kann, bei welchen die Rohre auf |255| Trägerdrähten durch Umwinden mit Bindedrähten festgebunden sind, Fig. 25 und 26. Die Maschine enthält ein System von hohlen, lothrechten Spindeln b, welche unten die Drahtspanner c tragen, deren Arme entsprechend gebogen und mit Drahtzuführungsrollen versehen sind. An den Naben der Drahtspanner sind diametral entgegengesetzt horizontale Achsen eingeschraubt, welche drehbare Drahtspulen d aufnehmen.

Textabbildung Bd. 282, S. 255
Bei der Herstellung von Rohrmatten nach Fig. 23 und 24 werden die Bindedrähte von je zwei zusammengehörigen Spulen d über die entsprechenden Führungsrollen an den Enden der Drahtspanner geleitet und vereinigen sich unterhalb derselben, indem sie von dort spiralförmig um einander gewunden nach dem Warenbaum e gehen. Bei der Erzeugung von Rohrmatten nach Fig. 25 und 26 wird nur von je einer Spule d auf dem Drahtspanner c ein dünner Draht zugeführt, jedoch von oben durch jede hohle Spindel b ein starker Draht zugeleitet.

Zur Anfertigung der Rohrmatten wird nach Hebung der Greifer s ein Rohrstab oberhalb der Stelle in die Konen q eingeführt, an welcher die Drähte zusammengehen. Nach dem Weitertransport der Drähte und Senkung der Greifer s behufs Erfassens des Rohres erfahren die Spindeln b durch Betrieb mittels Hand eine Drehung, durch welche, wenn eine Matte nach Art der Figur 23 und 24 hergestellt wird, sich die beiden Bindedrähte gleich massig um den eingeschobenen Rohrstengel legen und sich einige Male um einander winden. Bei der Herstellung der Matten nach Fig. 25 und 26 umfassen die schwachen Drähte den Rohrstab und winden sich dann schraubenförmig um die starken Drähte. Das darauf folgende Spiel der Festbindung eines zweiten Rohrstabes unterscheidet sich von dem beschriebenen nur dadurch, dass die Drähte den Rohrstab in entgegengesetzten Windungen umfassen.

Die Maschine von Hermann Kahls in Chemnitz (D. R. P. Kl. 86, Nr. 22033), Fig. 27 und 28, dient zur Herstellung von Holzstäbchengeweben nach D. R. P. Kl. 37, Nr. 10891, Fig. 29, bei welchen trapezförmig gestaltete Holzstäbchen auf einer Trägerdrahtkette dadurch festgehalten werden, dass die Stäbchen mit den Trägerdrähten von Bindedrähten schraubenartig nach einer Richtung umwunden sind. Das Festbinden der Stäbchen wird auf der in Fig. 27 und 28 dargestellten Maschine selbsthätig ausgeführt, indem die für den Arbeitsvorgang in Frage kommenden Mechanismen einen intermittirenden Antrieb empfangen.

Textabbildung Bd. 282, S. 255
Vier oder sechs die Trägerkette des Gewebes bildende Drähte sind auf grössere Rollen C gewickelt. Diese Rollen drehen sich um lothrecht auf der Längsschiene B befindliche Stifte a, liegen unten auf Tellern auf, die ihren Rändern entsprechen und werden durch aufgelegte Scheibengewichte entsprechend gebremst. Von jeder Spule tritt der Kettendraht durch die Bohrung einer Spindel D, die, an ihrem Kopfende verengt, dem Draht feste Führung gibt. Die Lagerböcke E der Spindeln D sind in entsprechenden Abständen auf einer zweiten Längsschiene B1 befestigt. Bis dicht vor die Köpfe der Spindeln tritt eine Lade F mit schräg aufwärtsstehendem Blatt c, welches vor den Spindeln Schlitze hat, durch welche die Kettendrähte treten. Von der Lade aus gehen die Kettendrähte über eine Brustwalze zum Warenbaum H. Auf dem viereckigen Kopf jeder Spindel D ist rechtwinklig zur Achse |256| derselben ein Stift eingeschraubt, auf welchem eine kleine Spule I mit Bindedraht sitzt.

Textabbildung Bd. 282, S. 256
Textabbildung Bd. 282, S. 256

Vor dem Spulenstift befindet sich an einem kleinen Arm eine Leitrolle t, über welche der Bindedraht geführt wird, bevor er durch die Schlitze des Blattes c der Lade F tritt. Seitlich des Spindelkopfes D sind zwei Federn angeschraubt, die an ihren Enden hakenförmige Bremsklötze tragen, welche letzteren die Spule festhalten und gleichzeitig eine regulirbare Bremsung für die Spule abgeben.

Textabbildung Bd. 282, S. 256

Die Antriebswelle W1 setzt durch Schnecke f1 die Welle W mittelst Schneckenrades f in Umdrehung. Auf Welle W befindet sich lose ein Stirnrad g, welches nach dem Rade f zu einen vorspringenden Rand g1 mit zwei diametral liegenden Ausschnitten besitzt, in welche die Nase einer am Schneckenrad f um einen Stift drehbar befestigten Klinke h greift. Die Klinke ist ein um besagten Stift drehbarer Doppelhebel, der an seinem einen Ende die Nase, an seinem anderen Ende einen Stift h1 trägt, der, durch eine grössere Oeffnung des Rades f durchtretend, nach der dem Stirnrad g abgewendeten Seite vor f vorsteht. Durch eine Feder h2, die am Rade f sitzt, wird die Nase der Klinke stets an den vorspringenden Rand von g gedrückt, so dass sie, wenn mit Rad f gedreht, auf dem Rande des feststehenden Rades g schleift und in die Ausschnitte des letzteren einspringt, wenn die Nase über diesen angelangt ist. Ist die Nase in einen der Ausschnitte eingeschnappt, so findet eine feste Kupplung zwischen Schneckenrad f und Stirnrad g statt und letzteres muss der Bewegung des ersteren folgen. Nun ist über Welle W ein Arm k an die Querschiene B angeschraubt, der dicht am Schneckenrad f eine schiefe Ebene hat. Der aus Rad f hervorragende Stift h1 der Klinke h tritt nun bei seiner Drehung mit f unter diese schiefe Ebene, wird von derselben niedergedrückt und hebt so die am anderen Ende der Klinke sitzende Nase aus dem Ausschnitt des Randes g1 aus. Die Kupplung zwischen Schnecken- und Stirnrad ist daher unterbrochen und tritt erst wieder ein, nachdem das Schneckenrad f eine halbe Umdrehung vollendet hat und die Klinkennase in den zweiten Ausschnitt tritt. Das Stirnrad g folgt so abwechselnd einer halben Umdrehung des Schneckenrades f und bleibt eine halbe Umdrehung in Ruhe.

Textabbildung Bd. 282, S. 256
In das an der Lade durch die Träger- und Bindedrähte gebildete Fach wird von der Seite her das Holzstäbchen |257| eingetragen. Durch Einrücken der Maschine wird Schneckenrad f mit Welle W in Drehung versetzt; die Klinke h greift oben in einen Ausschnitt des Randes g1 ein und nimmt auf diese Weise das Stirnrad g mit, welches seine Bewegung den Stirnrädern i der Spindeln D und damit diesen selbst mittheilt. Durch diese Drehung schlingt sich der Bindedraht der Spulen I schraubenartig um den Kettendraht und legt sich dabei um das Holzstäbchen. Gleichzeitig hat Welle W durch die konischen Räder e und e1 die unrunde Scheibe l in Drehung versetzt, welche durch Rollenhebel m2, Welle W2, Hebel m1 und Verbindungsschiene die Lade nach vorn bewegt hat, wenn die Spindel ihre Umdrehung beginnt. Beim Beginn des Umwindens hat Lade F das Holzstäbchen bereits um ihren Hub vorgeschoben, dadurch das Gebinde festgezogen und bleibt hier durch die Form der unrunden Scheibe l während 90° Umdrehung der Welle W in Ruhe. Da nun die Räder i halb so gross als g sind, so haben die Spindeln D während dieser Ruhe sich um 180° gedreht; die Spulen I stehen diametral der in Fig. 27 gezeichneten Stellung. Jetzt drehen sich die Spulen wieder nach oben, die Lade beginnt ihre Rückwärtsbewegung und beide kommen gleichzeitig in der in Fig. 27 gezeichneten Lage an. Ist die Spule in diese höchste Stellung gelangt, so tritt der Stift h1 der Klinke h unter die schiefe Ebene des Armes k und hebt die Klinke h aus. Das Schneckenrad nimmt also Stirnrad g nicht weiter mit und die Spindeln D stehen während einer Drehung der Welle W um 180° still. Auch die Rolle n des Hebels m2 ist auf einem Ruhegang der unrunden Scheibe l angelangt und bleibt während 90° Drehung der Welle W in Ruhe. Da bei Beginn dieser Ruhestellungen von Spindeln und Lade ein neues Fach gebildet wird, so hat der Arbeiter jetzt Zeit, ein neues Holzstäbchen in dieses einzutragen. Nach 90° Umdrehungsstillstand beginnt die Lade F vorzugehen, schiebt das zweite Stäbchen fest an das erste und zieht das Gebinde fest. Ist diese Manipulation beendet, so beginnen erst die Spindeln D wieder ihre Drehung, bei welcher die Lade in ihrem grössten Ausschlage nach vorn stehen bleibt; der Draht der Spulen I umwindet das neue Stäbchen und den Kettendraht, wie vorhin, worauf sich der Arbeitsvorgang wiederholt.

Die Maschine wird auch leicht so einzurichten sein, dass nach jeder Umwindung eines Stäbchens der Trägerdraht vom Bindedraht noch einmal umschlungen wird, um so eine sichere und festere Verbindung für jedes Stäbchen zu erzielen.

Textabbildung Bd. 282, S. 257
Die Maschine zur Herstellung von Rohrmatten von P. Stauss und H. Ruff in Cottbus (D. R. P., Kl. 86, Nr. 24884), Fig. 30, ermöglicht sowohl die Herstellung von einfachen Rohrmatten, Fig. 31 und 32, als auch von Doppelrohrmatten. Im ersteren Falle werden die Rohrhalme auf Trägerdrähten durch Umwinden mit Bindedrähten befestigt, und im letzteren Falle wird eine Lage Rohr unterhalb und eine zweite Lage halb so starkes Rohr als das erste oberhalb der Trägerdrahtkette mittelst der rotirenden Bindedrähte festgebunden. Die für die Anfertigung der Matten wirksamen Mechanismen sind auch hier wieder hohle Spindeln f, durch welche die Trägerdrähte d geführt sind, und auf diesen Spindeln befestigte Spulen k mit Bindedraht m. Die Spulen werden auf den Spindeln durch einen Bügel l festgehalten, welcher zugleich als Führung für den Webedraht m dient und welcher Bügel auf der Spindel festgestellt wird, so dass er mit derselben sich dreht. Die hohlen Spindeln f sind in je zwei Lagern h gelagert, welche letztere in Schlitzen der Unterlagsschienen b verschiebbar sind und durch Klemmschrauben in gewissen Entfernungen von einander festgestellt werden können. Dies hat den Zweck, die Trägerdrähte in verschiedenen Entfernungen einweben zu können. Auf den Spindeln f sind Kettenräder n befestigt, die durch eine Kette verbunden sind, so dass die Drehung der einzelnen Spindeln gleichmässig erfolgt. Eine der Spindeln, ist mit einem Kegelrad p versehen, das sämmtliche Spindeln mittelst der Kette in Bewegung setzt und seine eigene Bewegung durch das Kegelrad q erhält, welches auf der Welle r sitzt. Die Bewegung dieser Welle sowie der übrigen Mechanismen wird von der Schwingbewegung der Lade abgeleitet.

Textabbildung Bd. 282, S. 257
Die Arbeitsweise der Maschine für die Anfertigung der einfachen Rohrmatten ist folgende: Die Lade wird rückwärts bewegt, dadurch drückt die an derselben angreifende Stange u am Ende ihrer Bewegung den Hebel u1 durch Anschlag an den Stift w zurück und die Sperrklinke |258| u2 schleift auf dem Sperrad v. Wird nun die Stange u vorwärtsbewegt, so gleitet der obere Schlitz auf dem Stifte w bis zum Anschlag an die linke Ecke und bei weiterem Vorwärtsziehen wird der Hebel w1 angezogen und dadurch das Sperrad um zwei Zähne gedreht, so dass hierdurch eine Achteldrehung des Zahnrades x und eine ganze Drehung des mit letzterem in Eingriff stehenden Zahnrades z, das ⅛ Durchmesser von x besitzt und auf Welle r befestigt ist, erfolgt. Dadurch führt jeder Bügel l eine ganze Drehung mit dem Webedraht m um den Trägerdraht d aus und der in den Zwischenraum c1 gesteckte Rohrhalm ist hierdurch auf den Trägerdrähten festgewebt.

Textabbildung Bd. 282, S. 258
Die Doppelrohrmatte ist derart hergestellt, dass zwischen je zwei unten liegenden Rohren zwei obere, halb so starke, auf den Trägerdrähten festgewebt sind, dass also doppelt so viel obere als untere Rohre vorhanden sind. Zur Herstellung dieser Matten ist die Maschine in solcher Weise eingerichtet, dass die Führungsbügel l eine ganze Umdrehung zum Festweben des unteren Rohres und hierauf zwei halbe Umdrehungen zum Befestigen der beiden darauf folgenden dünnen Rohre machen. Die ganze Umdrehung wird in derselben Weise, wie mit Bezug auf das einfache Rohrgewebe beschrieben, ausgeführt. Um die halben Umdrehungen herbeizuführen, ist auf der Achse y eine Hubscheibe d1 mit daran befestigter Riemscheibe e1 lose angeordnet. Die Drehbewegung derselben wird durch die Riemscheibe f1 bewirkt, welche ihren Antrieb unter Vermittlung des Zahnradgetriebes xz erhält. Das Uebersetzungsverhältniss der Getriebe ist derart gewählt, dass die Hubscheibe eine halbe Umdrehung macht, während die Spindel f mit der Bindedrahtspule eine volle Umdrehung beschreibt. Gelangt nun die Hubscheibe nach ihrer halben Umdrehung, während welcher das untere Rohr festgebunden wurde, mit ihrer Erhöhung an die Stange w, so wird dieselbe gehoben und der Stift w gleitet nun beim Zurückschieben der Lade in den unteren Schlitz. Beim Vorschieben der Lade wird das Sperrad, da der untere Schlitz länger als der obere ist, nur um einen Zahn gedreht, wodurch auch nur eine halbe Drehung des Bügels l erfolgt. Beim nochmaligen Zurück- und Vorwärtsschwingen der Lade wird die zweite Halbdrehung bewirkt, wodurch der zweite Oberstab festgewebt wird. Die Erhöhung der Hubscheibe gleitet von der Stange u ab und es folgt nun wieder eine ganze Drehung, wie vorhin dargelegt.

Das Einschieben der Rohre in das obere und untere Fach wird dadurch erleichtert, dass auf dem Ladenklotz l1 eine Doppelbahn k1 drehbar angeordnet ist. Diese Doppelbahn ist für den Durchgang der Drähte mit Schlitzen versehen, die solchen im Webeblatt g entsprechen. In niedergeklappter Stellung bildet k1 die Bahn für das untere Fach und in aufgeklappter Stellung die Bahn für das obere Fach. Die Bewegung der Doppelbahn geschieht durch einen Tritt.

Textabbildung Bd. 282, S. 258
Auf dem Webstuhl von R. Flockenhans in Cottbus (D. R. P., Kl 86, Nr. 32881), Fig. 33 und 34, werden die Rohrstäbchen, zwischen bezieh. auf zwei Systemen lothrecht aufgespannter Trägerdrähte durch Bindedrähte dadurch festgebunden, dass die die Bindedrähte enthaltenden Spulen eine Bewegung um die Trägerdrähte ausführen.

Textabbildung Bd. 282, S. 258
Die Rohrstengel werden aus dem Behälter c, bezieh. auch c1 auf die von den Spulen i kommenden Bindedrähte zwischen, bezieh. auf die Trägerdrähte a2a3 gelegt. Darauf wird der Rahmen f mit der Prismenführung g und den Spulen i vorgezogen, so dass die Trägerkettendrähte in die Schlitze w treten. Die Spulen i werden nun in der Prismenführung g mittelst Zugschnur y, Hebels x |259| und Spulenführer mn nach rechts gezogen. Die an den Seiten der Hebel x befindlichen Federn x1 bewirken ein Zurücktreten der Spulenführer, ohne die Spulen selbst mitzunehmen, weil an der einen Seite zwischen der Spule und Führung der nöthige Zwischenraum gelassen ist. Darauf wird der Schlittenrahmen f wieder zurückgeführt, wodurch sich die Kettendrähte wieder ausserhalb der Schlitze befinden. Die jetzt gemachte halbe Schleife wird vervollständigt, indem die Spulen durch Zug an der Schnur y nach links geführt werden. Es lassen sich auf diesem Stuhl auch einfache Rohrgewebe mit einem Trägerdraht, bezieh. zwei Trägerdrähten sowie auch Doppelrohrgewebe erzeugen.

Textabbildung Bd. 282, S. 259
Der Webstuhl zur Herstellung von Rohr- und Holzstäbchengeweben von A. Stender in Riesenburg, W.-Pr. (D. R. P., Kl. 86 Nr. 41530), Fig. 35 bis 37, ist mit einer Einrichtung zur selbsthätigen Zuführung der Stäbchen von oben her versehen. Bei jedem Spiel des Stuhles wird aus einem Vorrathsbehälter p ein Stäbchen zwischen Grundkette und die von Spulen zugeführte Bindekette, welche die Grundkette umschlingt, herabfallen gelassen, worauf die Bindekettenspulen eine Drehung um die Grundkette ausführen, um das Rohr auf dieser letzteren festzubinden.

Die Spulen k mit der Bindekette befinden sich auf den hohlen Spindeln i, welche in dem verschiebbaren Schieber c drehbar angebracht sind. Mittelst Trittschemels wird dieser Schieber c mit den Spulen k aus der Stellung Fig. 35 und 37, in welcher die hohlen Spindeln i die Grundkette umfassen, von der Grundkette hinweg nach links bewegt, Fig. 36, indem die gegenüber der Grundkette mit Schlitz versehenen hohlen Spindeln frei aus derselben heraustreten können. Gleichzeitig mit dieser Bewegung wird der unten den Vorrathsbehälter p abschliessende Schieber r nach links bewegt, welcher dabei durch seine Oeffnung ein Stäbchen in die von Grund- und Bindekette gebildete Kehle fallen lässt. Damit aber nur ein Stäbchen den Vorrathsbehälter verlässt, sind auf dem Schieber r die durch Scharniere und Federn beweglichen Keile w über der Schlitzöffnung des Schiebers so angeordnet, dass diese, dem Gange des Schiebers folgend, in die in den Seitenwänden des Behälters p vorhandenen Oeffnungen q eintreten und zwischen die erste und zweite Lage der Stäbchen eingeschoben werden. Durch einen zweiten Trittschemel erfolgt darauf die Bewegung des Schiebers c nach der Grundkette zu, dadurch umgeben die Hohlräume der Spindeln i die Grundkette; auch die Greifer x haben eine Abwärtsschwingung erfahren, um das Stäbchen festzuhalten. Durch die nun folgende Umdrehung der Spindeln i mit den Bindekettenspulen erfolgt die Befestigung des Stäbchens durch Ueberspinnung. Durch Wiederholung dieses Arbeitsvorganges werden die Gewebe gebildet. Die Drehung der Spindeln i wird durch ein Zahnradgetriebe ausgeführt, welches von Hand seine Drehbewegung empfängt; die auf den Spindeln i angebrachten Zahnräder sowie auch die Lager dieser Spindeln enthalten einen Ausschnitt für den Ein- und Austritt der Grundkette.

Textabbildung Bd. 282, S. 259
Christian Johann Andreas Nielsen in Horsens benutzt bei seinem Webstuhl für Rohrgewebe (D. R. P. Kl. 86, Nr. 42836), Fig. 38, zur vollständigen Umwindung der Trägerdrähte und Rohrhalme mit den Bindedrähten nicht wie H. Janke nach D. R. P. 35649 für die Anfertigung gazebindiger Gewebe einen Schieber, sondern – zwei |260| Schieber, welche die Horizontalverschiebung der Rollenhalter mit der Bindedrahtspule bewirken. Die dazu nöthige seitliche Verschiebung dieser Rollenhalter wird auf diesem Webstuhl selbsthätig bewirkt.

Der Rahmen A, durch dessen Aussparungen n die Trägerdrähte k gehen, ist mit Führungsschienen D versehen, um welche unten die Rollenhalter E für die Bindedrahtspulen greifen. Die Verschiebung dieser Halter E wird durch die Schieber B und G ausgeführt, von denen der erstere die Halter über, der letztere die Halter unter der Trägerdrahtkette k verschiebt. Diese Verschiebung erfolgt durch eine mechanische Vorrichtung, welche durch die Auf- und Abwärtsbewegung des die Rollenhalter tragenden Rahmens A bethätigt wird. Diese Vorrichtung besteht bei dem oberen Schieber B aus zwei im Gestell gelagerten parallelen und schräg liegenden Stangen dd1, die mit ihren unteren Enden auf der oberen Fläche des Schiebers B gleiten und im geeigneten Moment einen Widerstand d2 finden, wodurch eine Linksverschiebung erfolgt, sobald der Rahmen A den Schieber B zwingt, an seiner Aufwärtsbewegung theilzunehmen. Der untere Schieber C ruht auf zwei ebensolchen Stangen ee1 und wird bei der Abwärtsbewegung des Rahmens hinab und nach rechts verschoben.

Durch Niederdrücken des Tritthebels H wird der Rahmen A so weit gehoben, dass sich die Rollenhalter E über die Trägerdrahtkette und innerhalb der Aussparungen des oberen Schiebers B befinden, der an einer zu tiefen Senkung durch Leisten C1 gehindert wird. In dieser angehobenen Stellung des Rahmens wird ein Rohrstab aus dem vor dem Arbeiter befindlichen Behälter auf die Kette k gebracht. Bei weiterer geringer Aufwärtsbewegung des Rahmens A legt sich der obere Schieber B auf das untere Querstück A1 des Rahmens A und nimmt an der weiteren Aufwärtsbewegung desselben Theil. Während dieser Bewegung wirken die Stangen dd1 gegen die auf dem Schieber B befestigten Stücke d2 und schieben diesen über die Trägerdrahtkette hinweg nach links; der Schieber nimmt dabei die in seinen Aussparungen befindlichen Rollenhalter E mit. Der untere Schieber C bleibt so lange in seiner tiefsten Stellung, bis die Rollenhalter sich so weit gehoben haben, dass sie sich ausserhalb seiner Aussparungen befinden. Durch eine über Rolle n2 laufende lose Schnur o1 ist eine der Stangen ee1 mit dem Tritthebel H so verbunden, dass, nachdem sich H zur Hebung des Rahmens A um ein gewisses Stück abwärts bewegt hat, die Schnur o1 straff gezogen wird und der untere Schieber C nach oben und links geführt wird. Wird der Tritthebel nach oben gelassen, so sinkt der Rahmen A wieder, während der untere Schieber C links durch die beiden Gewichte p in seiner höchsten Stellung balancirt wird und die Rollenhalter E in seinen Aussparungen aufnimmt. Durch sein Gewicht zwingt der Rahmen A den unteren Schieber C, an seiner Abwärtsbewegung theilzunehmen; und wegen seiner Aufhängung an den Stangen ee1 eine Rechtsbewegung zu machen, wodurch die Rollenhalter E unter der Trägerdrahtkette hinweg verschoben werden. Durch eine am unteren Schieber angebrachte Leiste v, die sich gegen den oberen Schieber legt, wird dieser aus seiner am weitesten nach links ausgelenkten Lage ebenfalls in seine ursprüngliche Stellung zurückgebracht.

Carl Schubert in Breslau stellt nach D. R. P. Kl. 37, Nr. 12980 eine Holzleistenmatte, Fig. 39 und 40, als Schalung für Zimmerdecken und Wände her, bei welcher quadratisch geschnittene Holzstäbchen in geglühte Eisendrähte in solcher Weise eingezwirnt sind, dass die Seitenflächen der Stäbchen in geneigter Lage zur Putzfläche, bezieh. zu den Verbandhölzern gehalten werden und dass zwischen den einzelnen Stäbchen Zwischenräume bleiben, durch welche der Putzmörtel hindurchdringen und sich auf beiden Seiten der Holzleistendecke ausbreiten kann, so dass derselbe daran haftet und von der Decke gehalten wird. Es umschlingen bei dieser Holzleistendecke in den erwähnten Zwischenräumen immer zwei Drähte sich gegenseitig zweimal und umschliessen die Stäbchen fest. Die Holzstäbchen der Decke sind an den Stössen in einander geschoben und werden noch durch einen über den Stoss gezogenen Draht gehalten.

Textabbildung Bd. 282, S. 260
Textabbildung Bd. 282, S. 260
Textabbildung Bd. 282, S. 260
Textabbildung Bd. 282, S. 260
Die von Paul Brüggemann & Co. in Habelschwerdt hergestellte Matte zum Halten von Wand- und Deckenputz (D. R. P. Kl. 37, Nr. 41002), Fig. 41, besteht aus zwei Lagen dreieckiger Leisten a und b, welche mit ihrer Grundfläche auf stärkere Drähte c mittelst schwächerer Bindedrähte derart festgebunden sind, dass die Zwischenräume zwischen den Leisten a von den darunter liegenden Leisten b verdeckt werden. Es soll hierbei der an die eine Reihe der Stäbe angeworfene Mörtel in den dazwischen liegenden Lücken festgehalten werden; die andere Reihe verdeckt die Lücken der ersten Reihe in solcher Weise, |261| dass der Mörtel nicht durch die Matte hindurchgeworfen werden kann.

C. O. Kliemand in Mülbitz bei Grossenhain, Sachsen, verwendet als Ersatz der Rohrmatten einen Putzträger für Deckenschalungen (D. R. P. Kl. 37, Nr. 42497), Fig. 42 und 43, welcher aus parallel unter der Decke straff angespannten Drahtseilen besteht, in welche doppeltschwalben-schwanzförmige Plättchen in solchen Abständen von einander eingezwirnt sind, die der Breite der Plättchen annähernd entsprechen. Dabei werden die Seile so angeordnet, dass die Plättchen des einen Seiles in die Lücken zwischen den Plättchen der benachbarten Seile eingreifen. Der aufgetragene Putz dringt zum Theil unter die Plättchen und wird so gehalten. An Stelle der doppeltschwalbenschwanzförmigen Plättchen sollen auch Plättchen von anderer Form oder auch Stifte verwendet werden, welche zwischen den Drähten eingezwirnt sind.

Gth.

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1882, 246, 74.

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