Titel: Magnesitplatten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 282/Miszelle 2 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj282/mi282mi04_2

Magnesitplatten.

Ein Baustoff, welcher das geringe Gewicht und das geringe Wärmeleitungsvermögen des Holzes mit der Festigkeit und Wetterbeständigkeit der verschiedenen Arten von Bausteinen in sich vereinigt, sind die von der Firma Deutsche Magnesitwerke, Frankenstein in Schlesien, mit gutem Erfolge eingeführten Magnesitplatten. Dieselben bilden harte, feste, einseitig glatte Tafeln von geringem Eigengewicht, deren fester Zusammenhalt durch mehrere im Innern eingebettete Schichten weitmaschigen Gewebes erhöht wird.

Nach den Ergebnissen einer in der königlichen Prüfungsanstalt zu Berlin-Charlottenburg angestellten Untersuchung zeigten die Platten ein specifisches Gewicht von 1,583 und einen Härtegrad, welcher zwischen Topas und Schmirgel liegt. Es wurde festgestellt, dass sie sich mit dem Löffel- und Centrumbohrer bearbeiten lassen, und dass sie gegen Hitze, Feuchtigkeit und Frost gleich widerstandsfähig sind. Die aus Magnesit aufgeführten Bauten zeigten sich wetterfest und in hohem Grade feuerbeständig. Sie brennen nicht mit Flamme, sondern fangen erst nach stundenlanger Einwirkung starken Feuers an zu glimmen.

Die Magnesitplatten fanden bisher Verwendung zum Bekleiden von Decken, zur Errichtung von Zwischenwänden und zum Bau ganzer Häuser, wie Bahnwärter-, Pförtner- und Wagehäuser, Schuppen, Kessel- und Maschinenhäuser, Baracken, Lagerhäuser und Comptoirgebäude, Villen zum Bewohnen für Sommer und Winter, ganz besonders aber von Häusern für die Tropen. Diese Bauten sind sofort nach Fertigstellung beziehbar. Sie lassen sich durch Abschrauben der Platten bequem aus einander nehmen und selbst durch ungeübte Arbeiter an anderen Orten ohne Materialverlust wieder aufstellen. Ferner bewährten sie sich bei Treppenfutterstufen, Scheuerleisten, Thür- und Fensterbekleidungen, Wandbekleidungen an feuergefährlichen Stellen, z.B. in der Nähe von Oefen und Herden. Aus Magnesitplatten hergestellte Zwischenwände sind sehr leicht und hemmen den Schall. Auch wo Absperrung gegen Feuchtigkeit bezweckt wird, sollen die Platten stets sichere Dienste leisten. Zum Zweck ihrer Anbringung werden an die nassen Wände mittels Putzhaken einfache Dachlatten befestigt und an diese die Platten angeschraubt. Schwammbildung ist in den Magnesitbauten ausgeschlossen, denn die in den Platten enthaltenen Chemikalien zerstören den Schwammpilz.

Den weitgehendsten Gebrauch von den Magnesitbauten machten bisher die Berliner Bahnverwaltungen, welche vielfach Bahnwärterhäuschen aus Magnesit an Stelle der Wellblechhäuschen errichten lassen, da erstere bei billigerem Preise im Sommer kühl und im Winter leicht zu erwärmen sind.

Die Magnesitplatten werden in Stärken von 12, 20 und 30 mm geliefert. Sie gestatten jeden Anstrich mit Oelfarbe und nehmen auch Politur an wie Holz. Vertreter der Deutschen Magnesitwerke ist Willy Kohlmetz, Berlin NO., Neue Königstrasse 92. (Papierzeitung, 1891 S. 1014.)

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