Titel: Capitain Abney's Normalmaass für Farben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 282/Miszelle 2 (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj282/mi282mi06_2

Capitain Abney's Normalmaass für Farben.

Ein Normalmaass für Farben im Dienste der Wissenschaft und Industrie ist ein längst anerkanntes Bedürfniss. Aber die vielfachen Bemühungen in dieser Richtung haben bisher zu keinem vollkommen befriedigenden Resultate geführt. Viel Scharfsinn ist u.a. auf die Entdeckung von Substanzen aus dem Pflanzen- und Mineralreiche verwendet worden, deren Farbe vollkommen unveränderlich ist, so dass ihre Namen zur Bezeichnung einer gegebenen Farbe ohne weitere Probe genügten. Nach Engineering, 1891 S. 651, ist Abney der erste gewesen, welcher durch Einführung eines neuen Princips, unter Anwendung eines sinnreichen Apparates, ein wissenschaftlich correctes und praktisch nützliches Normalmaass für Farben geschaffen hat. Zur Veranschaulichung seiner sinnreichen Methode nehmen wir die nebenstehende schematische Figur zu Hilfe.

Textabbildung Bd. 282, S. 143
Die Lichtstrahlen des positiven Pols einer elektrischen Bogenlampe werden durch eine Sammellinse L1 in dem Spalte S1 eines Collimators vereinigt. Eine zweite Linse L2 macht die von S1 aus divergirenden Strahlen parallel. Diese gehen durch die Prismen P1 und P2, und die farbigen Strahlen des durch die letzteren gebildeten Spectrums werden durch die Linsen L3 und L4 auf dem Schirme F zu weissem Lichte vereinigt. Bringt man nun einen Schieber D mit einem Spalte S2 in die passende Lage, so kann man die Strahlen von irgend einem Theile des Spectrums durch den Spalt lassen, während der Rest abgeschnitten ist. In diesem Falle wird auf F statt des weissen ein farbiger Streifen m erscheinen. Enthält der Schieber D zwei oder drei parallele Spalte, so erhält man eine Mischung von zwei oder drei Farben. Sind die Spalte verstellbar, so kann man sie in beliebige Stellen des Spectrums rücken, so dass bei F eine Mischung beliebiger Spectralfarben entsteht.

Das von der Vorderfläche des Prismas P1 reflectirte Licht wird, nachdem es durch die Linse L5 gegangen, von einem Spiegel G nach F geworfen, wo es einen weissen Streifen n bildet, welcher zur Vergleichung mit dem farbigen Streifen m dient. Da beide, der weisse und der farbige, von derselben Lichtquelle herrühren, so betrifft jede Veränderung der letzteren beide gleichmässig und braucht also nicht berücksichtigt zu werden. M ist ein besonderer Mechanismus zur Verminderung der Lichtmenge des von G kommenden Strahles. Er besteht der Hauptsache nach aus einer Scheibe mit zwei bogenförmigen Einschnitten von gleichem Halbmesser, welche in einer zum Strahl senkrechten Ebene schnell umläuft. Diese Einschnitte können durch zwei Schieber von gleicher Bogenform beliebig verkleinert werden, ohne die Drehung der Scheibe unterbrechen zu müssen. Wenn es wünschenswerth erscheint, so kann eine ähnliche Vorrichtung auch in den das Spectrum bildenden Strahl gebracht werden.

Die beiden auf dem Schirm F neben einander erzeugten Lichtstreifen lassen sich direct mit einander vergleichen. Auch die von einem Stifte, wie bei dem Rumford'schen Photometer, auf den Schirm geworfenen Schatten können zu diesem Zwecke dienen. In letzterem Falle wird die Gleichmachung der Schatten durch Regulirung der erwähnten bogenförmigen Einschnitte bewerkstelligt, wobei die Grösse der letzteren ein Maass für die durchgelassene Lichtmenge abgibt.

Mit Hilfe des in Rede stehenden Apparates können nun Farben leicht mit einander verglichen werden. Bringt man z.B. irgend ein gefärbtes Medium vor dem Spalte S1 in den Lichtstrahl, so wird das von der Vorderfläche des Prismas P1 reflectirte farbige Licht durch den Spiegel G unverändert zurückgeworfen und bildet auf dem Schirm F einen farbigen Streifen n, während die Farben des Absorptionsspectrums, in einem Streifen m vereinigt, auf F sichtbar werden. Dieser Streifen ist mit dem durch das unveränderte Licht gebildeten Streifen in der Farbe identisch, wenn die Helligkeit des letzteren durch die rotirende Scheibe regulirt worden ist. Oder, wenn das absorbirende Medium zwischen P1 und L5 geschaltet wird, so können von dem die Prismen durchlaufenden Strahl unter Benutzung des Schiebers D die Spectralfarben so ausgewählt |144| werden, dass sie auf F einen Streifen von der geeigneten Farbe bilden.

Soll endlich irgend eine Farbe mit einer reinen, durch einen Procentsatz weissen Lichtes geschwächten Spectralfarbe verglichen werden, so schaltet man das absorbirende Medium wie oben ein, so dass es einen Streifen n von seiner eigenen Farbe auf F bildet, sondert den dominirenden Spectralstrahl ab und lässt ihn einen zweiten farbigen Streifen m auf F bilden, den man durch weisses, von einem Glasspiegel ohne Belegung reflectirtes Licht schwächt. Dieser Spiegel ist nämlich so angeordnet, dass er einen gewissen durch die rotirende Scheibe gemessenen Theil seines Lichtes auf den zweiten Streifen m wirft. Ist die zu untersuchende Farbe ein Pigment, so befestigt man ein Stückchen irgend eines mit der Farbe selbst bemalten Stoffes auf dem Schirm, beleuchtet es mit weissem Lichte und vergleicht es mit dem auf die beschriebene Weise erzeugten farbigen Streifen, wozu man sich der Rumford'schen Schattenprobe bedienen kann.

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