Titel: Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283 (S. 16–19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/ar283006

Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.

Von Dr. J. M. Eder und E. Valenta in Wien.

(Fortsetzung.)

Bromsilbergelatinepapierbilder und Vergrösserungen auf Papier und Leinwand.

Ueber „Bilder auf Bromsilbergelatinepapier in verschiedenen Tönen“ berichtet Dr. Stolze. Stimmen Entwickelung und Belichtung so zusammen, dass die letztere zu Ende geführt werden kann, so erhält man schwarze Bilder mit Eisenoxalat oder Hydrochinonentwickler; wird jedoch die Entwickelung vorzeitig abgebrochen so ist dies nicht der Fall. Im Allgemeinen ist jeder für Negativ brauchbare Eikonogenentwickler auch für Bromsilbergelatinepapier brauchbar. Dr. Stolze gibt folgende Vorschriften:

A) 20 Thl. Natriumsulfit
4 Eikonogen
100 Wasser
B) 50 Kaliumcarbonat
300 Wasser

für normale Negative wird gemischt:

50 Vol.-Thl. von Lösung A
20 B
120–180 Wasser,

für weiche Negative nimmt man mehr von Lösung A, für harte wird die Menge von B vermehrt und der Wasserzusatz.

Die Temperatur während des Entwickelns soll 15 bis 16° C. betragen; im Winter bringe man den fertigen Entwickler auf 20 bis 25° C.

Derselbe gibt schwarze Töne; der Ton wird bräunlich, wenn man reichlich belichtet und auf je 100 ccm Eikonogenentwickler 10 bis 15 Tropfen Bromkaliumlösung (1 : 10) zufügt. Mannigfaltige Töne erhält man, wenn man das fertige Bromsilberpapierbild mit folgender Flüssigkeit bleicht:

Kupfervitriol 1 Thl.
in Wasser 100 gelöst mit
Bromkalium 1
in Wasser 100 gelöst, vermischt.

Man wäscht gut aus und behandelt am Tageslichte mit einem sehr verdünnten Eikonogenentwickler (50 A, 50 B, 500 Wasser), wobei eine langsame Reduction und hierdurch bedingte Färbung von lebhaftem Röthelbraun durch Rothbraun, Schwarzroth in ein tiefes Violettschwarz eintritt.

Will man bei einem gewissen Farbenton bleiben, so nimmt man das Bild, wenn es denselben angenommen hat, heraus und legt es in eine Lösung von Citronensäure in Wasser (1 : 100) ein; statt derselben kann eine mit Weinsäure angesäuerte Natriumsulfitlösung benützt werden. (Photogr. Nachr. 1891 S. 4.)

Warme Töne bei Vergrösserungen auf Bromsilbergelatinepapier werden nach J. Werge erhalten, wenn man statt des Eisenoxalatentwicklers Hydrochinon verwendet: hierbei ist es aber nöthig, 5 bis 6 mal länger als für schwarze Copien mit Eisenentwickler zu belichten. Zum Hervorrufen dient der gewöhnliche Hydrochinonentwickler, wie er für Negative1) verwendet wird, mit der sechsfachen Menge Wasser verdünnt. Es werden warme röthliche oder braune Töne erhalten. (Yearbook of Photogr. 1891 S. 86.)

Tonen von Bromsilberbildern, welche beim Entwickeln mit Hydrochinon gelbe Flecken geben oder einen grünlichschwarzen Ton erhalten haben. Diese Uebelstände treten unter Umständen bei langer Entwickelung kurz exponirter Bilder auf oder auch wenn alter gefärbter Entwickler bei überexponirten Bildern angewendet wird. Roden wendet folgendes Tonbad an, um diese unangenehme Erscheinung zu beheben:

Jodkalium 20 g
Goldchlorid 1
Wasser 400 ccm.

Die dunkelbraune Lösung ist sehr beständig; bei Verwendung wird sie mit Wasser soweit verdünnt, dass sie eine schwache Sherryfarbe zeigt. Beim. Behandeln der Bilder mit der Lösung färben sich dieselben auf der Rückseite blau (Bildung von Jodstärke), die Farbe wird langsam dunkler und endlich auch auf der Vorderseite sichtbar. Die gelben Flecken der Bilder werden schwach purpurfarben. Nun nimmt man die Bilder aus dem Bade und wäscht gut mit Wasser. Nach Ansicht Roden's dürfte zum Theil Jodsilber gebildet und ein Theil des Silbers durch Gold ersetzt werden, das Jodsilber löst sich in Jodkalium. (Photogr. Corresp. 1890.)

Umwandlung von empfindlichem Albuminpapier in Brom-Silberpapier für Vergrösserungen. Graham behandelt das Albuminpapier in einem Bade von 30 g Bromkalium zu einem Liter in Wasser gelöst während einer Viertelstunde und trocknet es dann. Das Papier ist haltbar und seine Empfindlichkeit ungefähr jene des α-Papieres. (Bull. Soc. français de Photogr. 1890 S. 36.)

Legt man gewöhnliches Albuminpapier in eine 3 bis 5 procentige Lösung von Bromkalium und lässt es nach dieser Behandlung 15 Minuten im Silberbade schwimmen, so wird es sehr empfindlich und eignet sich zur Herstellung von Vergrösserungen. (Helios 1890 S. 22.)

Leinwand für Vergrösserungen mit einer empfindlichen Schicht zu überziehen. Die Leinwand wird zuerst zur Entfernung etwa vorhandener Fettspuren mit verdünntem Ammoniak sorgfältig gewaschen und sodann in folgende Lösung gebracht:

Gelatine 7 g
Bromkalium 14
Wasser 300 ccm.

Zum Sensibilisiren der trockenen Leinwand verwendet man eine 7½ procentige Silberlösung. Entwickelt wird das Bild mit:

Pyrogallussäure 1,5 g
Citronensäure 0,7
Wasser 300

Nach einem anderen Verfahren, welches noch bessere Resultate geben soll und den Vortheil hat, dass sich die vorpräparirte Leinwand vor dem Silbern auch beliebig lange hält, wird die Leinwand mittels eines weichen Schwammes mit folgender Lösung behandelt:

Jodkalium 5 g
Bromammonium 2,3
Chlorammonium 0,6
Gelatine 4
Geschlagenes Eiweiss 30 ccm
Destillirtes Wasser 300
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Das Silberbad wird ebenfalls mittels eines Schwammes aufgetragen und bestellt aus:

Silbernitrat 3 g
Eisessig 3,5
Destillirtes Wasser 56 ccm

Es wird noch nass exponirt und hierauf mit

Gallussäure 4 g
Essigsaures Bleioxyd 0,7
Destillirtes Wasser 300 ccm

entwickelt, wobei der Entwickler wieder mit dem Schwämme aufgetragen wird, welcher zum Silbern gedient hat. (Jedenfalls erscheint der Silberüberschuss, welcher ja doch in der Leinwand verbleiben muss, verdächtig für die Güte des Verfahrens. Anm. d. Ref.) (Amer. Journ. Photogr. 1890 S. 237.)

Emulsionspapier und Solarcamera. F. W. Geldmacher in Frankfurt am Main befürwortet die Verwendung der Solarcamera für Vergrösserungen mit Emulsionspapier. Als einen wesentlichen Vortheil bezeichnet er den Umstand, dass man bei der Solarcamera weniger auf hohe Empfindlichkeit des Papieres zu sehen braucht und in Folge dieses Umstandes mit Chlorsilberpapier ganz schöne Resultate erzielen könne. (Eder, Jahrbuch f. Photogr. für 1891 S. 134.)

Directe Vergrösserungsmethode unter Anwendung abziehbarer Bromsilbergelatineplatten.

E. Obernetter in München empfiehlt für jene Zwecke, wo rasch eine Vergrösserung zu machen erwünscht erscheint, schleierlose dünn gegossene abziehbare Bromsilbergelatineplatten, wie selbe von jeder Plattenfabrik erhältlich sind, zu verwenden, auf denen das Bild vergrössert wird. Die Platten werden nach dem Entwickeln mit Quecksilber verstärkt, gewaschen und die Schichte auf Kreidebarytpapier übertragen. (Eder, Jahrb. f. Photogr. und Repr. f. 1891, S. 201.)

Ueber Glasdispositive siehe Eder, Jahrb. f. Photogr. f. 1891 S. 499–505.

Bilder auf Leinwand und Seide.

Photographisch präparirte Seide. Tisseron in Paris bringt unter dem Namen „Soie photographique sensible, procède Tisseron“ ein Seidenzeug in den Handel, welches mit Silbersalzen sensibilisirt ist, so dass man darauf wie auf gesilberten Papieren photographische Copien herstellen kann. Die empfindliche Schichte auf diesen Seidenzeugen ist sehr haltbar und ist in der Weise auf der Seide aufgetragen, dass deren Structur und Weichheit in keiner Weise beeinträchtigt erscheint. (Vergl. Eder, Photogr. Corresp. 1890 S. 512.)

In England wird dicke, rauhe, weisse Seide von einer dem Zeichenpapier ähnlichen Structur hergestellt und mit einer leicht empfindlichen Silbersalzschicht versehen in den Handel gebracht. (Phot. Wochenb. 1890 S. 348.)

J. Junk legte im „Photographischen Verein“ in Berlin Bilder auf Leinwand, mittels Bromsilbergelatine und Eisenoxalatentwickler hergestellt, vor. (Phot. Wochenb. 1890 S. 69.)

Albuminpapier und Salzpapier. – Tonen von Silbercopien.

Talbot's Deltapapier ist ein haltbares, lichtempfindliches Chlorsilbergelatinepapier. Das Copiren damit geschieht wie bei Eiweisspapier, es ist etwas empfindlicher als letzteres. Die Copien dürfen nur wenig kräftiger copirt werden, als sie fertig aussehen sollen. Zum Tonen derselben bewährt sich folgendes Goldbad:

A) Wasser 800 ccm
Rhodanammonium 15 g
Alaun 15
Kohlensaures Ammonium 1
B) Wasser 600 ccm
Chlorgold 1 g

Zum Gebrauche werden 50 Theile der Lösung A mit 100 Theilen der Lösung B gemischt. Man belässt die Bilder so lange im Tonbad, bis sie purpurbräunlich geworden, nimmt sie dann heraus und bringt sie ins Fixirbad. Dieses besteht aus einer 20 procentigen Lösung von Fixirnatron in Wasser und ist die Fixirung in 10 Minuten vollendet, darauf wird gut gewaschen und werden die Bilder hängend getrocknet.

Statt des Tonbades und nachherigen Fixirbades lässt sich auch ein einziges Tonfixirbad verwenden. Dasselbe besteht aus:

Wasser 800 ccm
Unterschwefligsaures Natron 200 g
Schwefelcyanammonium 23
Essigsaures Natron 15
Gesättigte Alaunlösung 250

Man gibt ¼ Bogen von unfixirtem Silberpapier hinein, lässt einen Tag stehen, filtrirt dann und fügt folgende Lösung zu:

Wasser 200 ccm
Braunes Chlorgold 1 g
Chlorammonium 2

Das Bad erhält sich unverändert und gibt schöne braune bis bläulich braune Töne.

Bezüglich des Aufziehens der Bilder auf Carton ist zu bemerken, dass man sich behufs Entfernens der Luftblasen eines kleinen Schwammes bedienen soll und nie ein Stück Lösch- oder ähnlichen Papieres auflegen darf.

Chlorsilbercollodionemulsionspapier von Lebiedzinsky. Dieses Papier hält sich trocken aufbewahrt, in welchem Zustande es am besten copirt, ziemlich gut.

Der Grad des Uebercopierens ist bei Verwendung des Rhodangoldbades ein sehr geringer. Bei anderen Goldbädern ist er ungefähr dem von Albumincopien gleich.

Ueber die Bäder und das Fixirbad siehe Eder, Jahrb. f. Photog. f. 1891 S. 510 und 511.

Celloidinpapier. Unter diesem Namen bringt Dr. Kurz in Wernigerode ein Collodionemulsionspapier in den Handel, welches sehr schöne Drucke gibt und daher eine ungefähr dreimal so grosse Empfindlichkeit zeigt als Albuminpapier.

Nach Dr. Miethe wirkt bei diesem Papiere als bestes Tonbad folgende Lösung:

Wasser 1000 Thl.
Fixirnatron 260
Rhodanammonium 20
Alaun 10
Chlorgoldlösung (1 : 200) 80
Essigsaures Bleioxyd 5

(Photogr. Wochenbl. 1890 S. 104.)

Dr. Kurz gibt für sein Chlorsilbercelloidinpapier als Tonbad selbst folgendes Recept an:

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Wasser 2000 ccm
Fixirnatron 500 g
Rhodanammonium 55
Bleiacetat 20

Hierzu werden gesetzt:

Chlorgoldlösung (1 : 200) 150 g
pulv. Alaun 15
Citronensäure 15
Bleinitrat 20

Es tritt Trübung ein und wird das Gemisch einige Tage stehen gelassen, wobei es sich klärt; hierauf kann es abgegossen und verwendet werden.

Iridiumchloridpapier.

Das Iridiumchloridpapier, welches von C. Berthiot in Paris in den Handel gebracht wird, soll sich durch grosse Haltbarkeit (6 bis 7 Monate), warmen Ton der Bilder und besondere Weichheit derselben auszeichnen. Die Behandlung der Copien ist eine einfache. Sie werden direct aus dem Copirrahmen kommend in mehrmals zu wechselndem Wasser ausgewaschen, hierauf in einem Goldbade getont und nach dem Fixiren in einer Natronlösung gut gewaschen. Die Bilder sehen Platindrucken sehr ähnlich und lässt sich der Ton durch längere oder kürzere Behandlung im Goldbade vom saftigen Sepia bis Bläulich und Sammtbraun variiren. (Photogr. Notizen 1890 Nr. 306.)

Bühler's Mignonpapier. Dieses matte Papier enthält Chlorsilbergelatine und kommt von Mannheim aus in den Handel. Die Bilder zeichnen sich durch einen sammtartigen grauschwarzen Ton aus. (Eder, Photogr. Corresp. 1891 S. 68.)

Pyroxylinpapier (Chlorsilbercelloidinpapier). E. J. Wall gibt Recepte zur Herstellung dieses Papieres zum Copiren und zur Entwickelung und Fixirung der Copien. (Eder, Jahrb. f. Photogr. für 1891 S. 281.)

Backeland in Genf fand, dass Diapositive auf Chlorsilbergelatine eine angenehme dunkle Färbung annehmen, wenn man sie in Alaunlösung (10% ig), die zu gleichen Theilen mit einer 15% igen Fixirnatronlösung gemengt wurde, mehrere Stunden liegen lässt. (Bull. Assoc. Belge de Phot. 1890 S. 336.)

Blanchard stellt ein Chlorsilberpapier für Platinbad her, welches von Talbot (Berlin) in den Handel gebracht wird. Dasselbe copirt schneller als Aristo, muss aber stärker copirt werden, da es beim Tonen zurückgeht. (Phot. Rundsch. 1890 S. 22.)

Copirpapiere, welche kurz vor dem Gelbrauche gesilbert werden müssen.

Dunmore stellt Copien auf mattem glanzlosen Papiere her. Er präparirt Watmanpapier mit einem Bade von 1 Thl. Colophonium in 100 Thl. Alkohol, lässt trocknen und salzt mit einer Lösung von

Chlorammonium 8 Thl.
Citronensaures Natron 2
Gelatine 5
Wasser 350

Das Papier wird trocknen gelassen und mit einer 7 procentigen Silbernitratlösung, welche mit so viel Ammoniak versetzt wird, dass der entstandene Niederschlag sich löst, gesilberl. Copirt, getont und fixirt wird wie gewöhnlich. (Brit. Journ. Photogr. 1890 S. 739.)

Wilde in Görlitz empfiehlt statt des Albuminpapiers Caseїnpapier. (Phot. Wochenbl. 1890 S. 407.)

Platinbad für Silbercopien.

Silbercopien können durch Behandeln mit geeigneten Platinlösungen in grauschwarze Platinbilder überführt werden, indem ein Austausch des Silbers gegen Platin aus dem Bade erfolgt.

Alfred Willis empfiehlt zu diesem Zwecke folgendes Bad:

A) Kaliumoxalat 20 Thl.
Kaliumphosphat 10
Wasser 180
B) Kaliumplatinchlorürlösung (1 : 20).

Man mischt 6 Theile von Lösung A mit 1 Theil von Lösung B. Die Bilder sind nach 25 bis 45 Minuten getont und werden dann in Fixirnatronlösung (10 procentig) ausfixirt. (Phot. Nachr. 1889 S. 35.)

J. M. Eder verwendet ein Bad aus:

Kaliumplatinchlorür 1 g
Wasser 500 ccm bis 1 l

und 10 Tropfen Salpetersäure.

Dieses Bad gibt Silbercopien auf Just'schem gesalzenem Algein- oder Arrowrootpapier, insbesondere, wenn selbe vor dem Copiren geräuchert wurden, indem man sie Ammoniakdämpfen aussetzt, einen nach dem Ausfixiren der Bilder mit 10 procentiger Fixirnatronlösung, demjenigen von echten Platindrucken sehr ähnlichen Ton. Der Ersatz des Platinchlorides durch Kaliuraplatinchlorür erscheint aus chemichen Gründen praktisch.

Das Platinchlorid setzt sich nämlich mit dem Silber nach der Gleichung

PtCl4 + 4 Ag = 4 AgCl + Pt

um, während bei Platinchlorür die Umsetzung nach folgender Gleichung vor sich geht:

PtCl2 + 2 Ag = 2 AgCl + Pt.

Eine und dieselbe Menge von metallischem Silber scheidet daher aus einer Platinchlorürlösung die doppelte Menge Platin ab, als aus einer solchen von Platinchlorid. Dies ist Ursache, dass bei Anwendung von Platinchlorür resp. Kaliumplatinchlorür kräftigere Bilder in kürzerer Zeit erhalten werden.

Dr. Hesekiel in Berlin bringt ein direct copirendes Silberplatinpapier in den Handel, welches nach dem Copiren und Tonen im Platinbade tiefe Schwärzen, ähnlich echten Platindrucken, gibt. Die Bilder sind wesentlich billiger als Platindrucke. (Eder, Jahrb. f. Photogr. f. 1891 S. 74.)

Masse empfiehlt zum Zwecke der Platintonung ein aus einem Gemenge von Chlorplatin, Wasser, Fixirnatron und essigsaurem Natron bestehendes Bad zu verwenden.

(Phot. Nachr. 1890 S. 165 aus La Nature.)

Lyonel Clark verfasste eine Brochüre über Platintonung (Platinum borning, 1890, London), auf welche Schrift wir hier verweisen.

Aehnlich dem Platin wirken andere Metalle der Platingruppe und wurden auch eine Zeit hindurch, als das Platin im Preise bedeutend gestiegen war, als Surrogat für dasselbe empfohlen.

Rhodium und Rutheniumsalze eignen sich am schlechterten, Iridium gibt einen der Goldtonung ähnlichen Ton, während Palladiumchlorür tiefschwarze Töne gibt.

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Mercier in Paris empfiehlt Osmiumsalze statt Platinsalzen zu verwenden, er nennt sein Präparat „Virage Tricolor“, es besteht aus Chlorosmiumammonium und Essigsäure. Die gewaschenen Silberdrucke werden in diesem Tonbade anfangs braun, dann azurblau, bringt man sie dann ins Fixirbad, so erhält man Bilder, welche in den tiefsten Schatten havannabraun, in den Halbschatten azurblau sind, was einen eigenthümlichen Effect hervorbringt. (R. E. Liesegang, Phot. Archiv 1890 S. 170.)

Mercier empfiehlt zur Osmiumtonung

Ammoniakalisches Osmiumchlorür 1,5 g
Kaliumosmiat 0,10
Essigsäure 15,00
Wasser 1000 ccm

Aehnliche Bäder können mit Palladium und Iridiumsalzen hergestellt werden. (Bull. de la Soc. franç. Phot. 1890 S. 195.)

Gastein empfiehlt zur Platintonung ein Bad aus Chlornatrium (20), saurem weinsaurem Natron (10), Wasser 500, Platinchloridlösung (10 procentig) 5 bis 7 Thl. Das Ganze auf 6000 Thl. verdünnt. Das Tonen dauert 15 bis 20 Minuten.

(Bei Anwendung von Kaliumplatinchlorürlösung ist das Bild in 5 Minuten getont und erhält schönere Schwärzen. Anm. des Ref. Bull. de la Soc. franç. Phot. 1890 S. 21.)

Verschiedenes über Copirverfahren auf Papier.

Ueber Positivcopirpapiere schreibt Dr. Konkoly. (Eder, Jahrb. f. Phot. für 1891 S. 126.)

O. Schölzig hat ein Copirverfahren, nach welchem er auf Mattsilberpapier platindruckähnliche Effecte erzielen will, ohne Platinsalze anzuwenden. Er tont seine Copien, welche im directen Sonnenlichte unter Anwendung einer Grünscheibe copirt werden, mit einer Lösung bestehend aus:

Borax 5,45 g
Urannitrat 0,26
Gold 0,19
Wasser 720,00

Die erhaltenen Resultate sollen ziemlich gut sein. (Phot. Corresp. 1890 S. 583.)

Zur Abschwächung von copirten Silberdrucken auf Albuminpapier verwendet Dunmore ein Bad bestehend aus:

Bromkalium 1 Thl.
Quecksilberchlorid 1
Wasser 150

(Brit. Journ. of Phot. Dec. 1890.)

Liesegang empfiehlt Chlormagnesium an Stelle von Fixirnatron, Dr. Miethe bestätigt die Anwendbarkeit von Chlormagnesium als Fixirmittel für Chlorsilbercollodiondrucke.

Die Bilder sollen einen schön rothbraunen Ton annehmen, während sie mit Fixirnatron schmutzig gelbgrün werden. (Phot. Arch. 1890 Nr. 643.)

Ueber Haltbarkeit verschiedener Drucke in einer Ammoniakatmosphäre schreibt R. E. Liesegang. (Phot. Arch. 1890 S. 137.)

J. Williams in Middlesex erhielt ein Patent auf eine Methode, Papier durch Behandlung mit Kupferoxyd wasserdicht und geeignet für photographische Zwecke zu machen. Er lässt dasselbe auf einer Lösung von Kupferoxyd in Ammoniak, welche etwa 1½ bis 2½ Proc. Kupfer enthält, schwimmen. Die Flüssigkeit löst Cellulose und gibt nach dem Verdunsten eine structurlose Schichte, welcher das Kupfer durch Behandeln mit Säuren entzogen werden kann. (Phot. News 1890 S. 582.)

Platindruck.

Die bedeutende Preissteigerung, welche das Platin im Jahre 1890 erlitten hat, verursachte eine Vertheuerung der Platinsalze und des Platinotyppapieres. Das Platinmetall ist zwar heute billiger geworden, jedoch sind die Preise des Platinotyppapieres, speciell der englischen Fabrikate, gegenwärtig noch immer nicht zurückgegangen. Man versuchte daher den Silbercopien das Ansehen von Platindrucken zu geben, was auch sehr gut gelungen ist.

Harrison berichtet über die gegenwärtig gebräuchlichen Arten des Platindruckes; dieselben sind:

1. Platinpapier mit heisser Entwickelung mittels Ka-
liumoxalatlösung. (Willis);
2. das directe Copirverfahren ohne Hervorrufung
(Pizzighelli);
3. die Platinotypie mit kalter Hervorrufung (Willis,
neueres Verfahren).

Die beiden ersteren Verfahren sind älter; das Willis'sche neue Verfahren besteht in Folgendem: Das zu präparirende Papier wird mit einer Lösung Ton 120 g Ferridoxalat und 1 Theil Quecksilberchlorid in 160 Theilen Wasser übergossen. Man trocknet und belichtet, danach bringt man die Copie in ein kaltes Bad, bestehend aus 50 Theilen Kaliumoxalat, 10 Theilen Kaliumplatinchlorür und 480 Theilen Wasser. Die Copie wird herausgehoben; auf eine Glasplatte gelegt und, sobald das Bild vollkommen erschienen ist, in verdünnte Salzsäure getaucht und dann gut gewaschen. (Bull. Assoc. Beige de Phot. 1890 S. 523 aus: Phot. Tims.)

Um die unangenehme Erscheinung des Einschlagens bei Platindrucken zu beheben, ersetzt Lenhard den fehlenden Leim des Papieres dadurch, dass er die Platindrucke in einer warmen Alaungelatinelösung (125 Gelatine, 125 Alaun, 2 bis 3 l Wasser) badet, dann in eine Schale kalten Wassers legt und endlich trocknen lässt Die Drucke erscheinen nach dieser Behandlung auch in der Aufsicht brillant. (Phot. Corresp. 1890 S. 107.)

(Fortsetzung folgt.)

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Eder, Photogr. m. Bromsilbergelatine 4. Aufl. 1890 S. 302.

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