Titel: Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283 (S. 21–24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/ar283008

Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.

(Patentklasse 6 Fortsetzung des Berichtes Bd. 281 S. 300.)

I. Rohmaterialien und Malz.

Ueber die Verarbeitung von Erbsen in der Brennerei zur Gewinnung von Spiritus, und Futter berichtet G. Heinzelmann in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14 S. 141, nach Versuchen, welche er in einer Brennerei ausgeführt hat. Danach ist die Verarbeitung der Erbsen eine sehr leichte. Man schüttet am Tage zuvor das erforderliche Quantum Erbsen und Wasser (140 l pro 100 k Erbsen) in den Henzedämpfer, lässt die Nacht über stehen und kocht am anderen Morgen mit Dampf, anfänglich bei offenem Mannloch, eine halbe Stunde, dünn schliesst man das letztere und lässt nun langsam den Druck auf 3,5 bis 3,75 at steigen, während oben wie beim Maisdämpfen etwas Dampf abgelassen wird. Die Erbsen sind in etwa 1,5 Stunden vollständig weich gekocht und bilden eine gleichförmige Masse, die ausgeblasen und mit Malz verzuckert wird, Ein längeres Kochen der Erbsen bei hohem Druck, etwa 4 at, ist zu vermeiden, da die Erbsen sich stark bräunen, ein Theil des in ihnen enthaltenen Zuckers verloren geht und auch vielleicht der Futterwerth der Schlampe, beeinträchtigt wird. Die. Aufschliessung war eine gute. Die Consistenz der fertigen Maischen war die einer recht dicken Kartoffelmaische, sie zeigten 19 bis 19,5° Sacch., gebrauchten bei der Angährung etwa 14 cm Steigraum bei einer Bottichhöhe von 104 cm und mussten dennoch bis zum Durchbruch der Gährung gerührt werden, um ein Uebersteigen zu verhüten. Die Maische liess nämlich keine Kohlensäurebläschen bei der. Angährung aufsteigen, erst beim Rühren entwichen diese. Während der Gährung wurden die Maischen bald, dünnflüssiger und erforderten dann höchstens 6 cm, zuweilen auch noch weniger Steigraum. Die Gährung glich fast derjenigen von Maismaischen. Zusätze von Soda, Schwefelsäure oder schwefligsaurem Natrium, um den anfänglich so bedeutenden Steigraum zu verhindern, waren ohne Erfolg. Die Ausbeute veranschlagt Verfasser auf über 170 Literproc. pro k Stärkmehl. Bei der Bestimmung des Alkohols durch Destillation zeigte es sich, dass in der Praxis etwa 20 l mehr gewonnen wurden als berechnet war. Der Verfasser nimmt an, dass die vergohrenen Erbsenmaischen vielleicht flüchtige Stoffe enthalten, welche die Alkoholometeranzeige bei der analytischen Bestimmung des Alkohols in der Maische beeinflussen. Die Erbsen verwerteten sich bei diesen Versuchen bei freiem Futter nur zu 5,44 Mark pro 100 k, doch ist zu bemerken, dass es schlechte, dumpfig gewordene Erbsen waren. (Die Verarbeitung eines derartigen schlechten Materials dürfte durch Anwendung von Flussäure sehr erleichtert und |22| verbessert werden können. Der Ref.) Der Alkohol zeigte einen angenehmeren Geschmack und Geruch als Mais- und Kartoffelspiritus. Auch als Zumaischmaterial zu Mais oder Kartoffeln liessen sich die Erbsen gut verarbeiten. Der Verfasser macht auf den hohen Futterwerth der Erbsenschlämpe aufmerksam und hält die Verarbeitung schlechter, zum Verkauf nicht mehr geeigneter Erbsen für lohnend.

Ueber denselben Gegenstand berichtet B. an derselben Stelle S. 176. Er hat schon im Jahre 1882 versucht, Erbsen als Maischmaterial zu verwenden. Die Aufschliessung war vorzüglich, die Maischen waren dünnflüssig, die Ausbeute sehr gut, jedoch trat so starke Schaumgährung ein, dass sie durch kein Mittel zu bekämpfen war. Als Zumaischmaterial bis zu 75 Proc. hielt sich dagegen die Schaumbildung in so engen Grenzen, dass keine Gefahr eintreten konnte. Ferner zeigten diejenigen Maischen, welchen die Erbsen als Schrot im Vormaischbottich zugesetzt worden waren, eine viel geringere Neigung zur Schaumbildung als da, wo das ganze Material gemeinsam im Henzedämpfer gedämpft wurde. Der Spiritus zeigte ein eigenartiges Aroma, welches bei den Kennern richtige Würdigung fand.

Gute verkäufliche und sogenannte magere Maiskörner untersuchte Charles Wood und fand im Mittel folgende Zusammensetzung der Trockensubstanz:

Guter Mais Magerer Mais
Proteїn 10,99 12,50 Proc.
Fett 5,40 4,97
Stickstofffreie Extractstoffe 80,52 79,14
Rohfaser 1,60 1,68
Asche 1,49 1,71

Der gute Mais war also ärmer an Proteїn, Rohfaser und Asche, dagegen reicher an Fett und stickstoffreien Stoffen. (Third Annual Report of the storrs School Agricultural Experiment Station, Stoors Connecticut 1890, S. 26.)

Bericht über Kartoffelanbauversuche im Jahre 1890. Von Holdefleiss. (Landwirth, Bd. 27 S. 139 und 145.)

Ueber die Frühcultur der Kartoffeln von F. W. Gross. (Gartenflora, 1891 S. 25.)

Ueber den Schorf der Kartoffeln schreibt R. Thaxter im Annual Report of the Connecticut Agricultural Experiment Station für 1890 S. 80.

Untersuchungen über die Bekämpfung der Kartoffelkrankheit führte A. Petermann aus. (Bulletin de la Station Agronomique de l'Etat à Gembloux, 1891 S. 1.) Der Verfasser gelangte zu folgenden Resultaten: 1. Die Kupferkalkmischung stellt ein wirksames Mittel gegen die von der Peronospora infestans verursachte Erkrankung der Kartoffeln dar. 2. Die Erträge an kranken Knollen sehr stark vermindernd, wirkt die Kupferkalklösung weder nachtheilig auf die Gesammternte, noch auf den Stärkemehlgehalt ein. 3. Der geeignetste Zeitpunkt für die Behandlung ist gekommen, wenn sich die ersten Anzeichen der Krankheit bemerkbar machen. Gegeben werden vortheilhaft pro Hektar 50 k Kupfervitriol und 25 k Kalk in 15 hl Wasser gelöst. 4. Es ist wahrscheinlich, dass eine Lösung, welche an Stelle des Kupfervitriols die gleiche Menge an schwefelsaurem Eisen enthält, ein ebenso wirksames und wesentlich billigeres Mittel gegen die Kartoffelfäule darstellt.

Ueber günstige Wirkung der Kartoffelbesprengung mit Kupferlösung berichtet auch J. Ehrensperger im Badischen Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins, 1890 S. 647.

Bakteriologische Untersuchungen über die Nassfäule der Kartoffelknollen veröffentlicht Ernst Krämer in dem Oesterreichischen landwirthschaftlichen Centralblatt 1891 S. 11. Saare bespricht die Arbeit in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14 S. 167 und hebt daraus als besonders wichtig die folgenden Punkte hervor: 1. Die Nassfäule der Kartoffel verdankt ihre Entstehung einem einzigen Pilz, einem Bacillus, der zu der Klasse der Buttersäuregährung hervorrufenden gehört und zu den luftliebenden, aeroben, Bakterien zählt. In der Praxis wird Umstechen und Lüften der Kartoffeln für nützlich gegen die Fäule gehalten zur Begünstigung der Trockenfäule. 2. Der Eintritt in die Kartoffel findet nur durch die Rindenporen statt, deren Vermehrung durch Nässe begünstigt wird. Je nässer also die eingefahrenen Kartoffeln sind und bleiben, um so schneller und grösser wird die Infection sein. 3. Zuckerreiche Kartoffeln werden früher und stärker angegriffen als stärkereichere. Zuckerreich sind z.B. Seed, Richters Imperator, Juno, immer zuckerarm die Daber'sche Kartoffel.

II. Dämpfen und Maischen.

Verfahren zum Dämpfen des Rohmaterials für die Spiritus- und Presshefefabrikation. Von Leopold Mandl in Budapest. Patentschrift Nr. 57424, patentirt im Deutschen Reiche vom 9. November 1890 ab. Der Patentanspruch lautet: „Ein Verfahren zum Dämpfen des Rohmaterials für die Spiritus- und Presshefefabrikation, dadurch gekennzeichnet, dass das Rohmaterial unter eventuellem Zusatz von Wasser mittels Wasserdampfes bis zu einer dem Druck der Atmosphäre entsprechenden Temperatur erhitzt bezieh. gedämpft und darauf mittels gespannter Luft unter Druck gestellt und eventuell aus dem Dämpfer ausgeblasen wird.“ Die Vorzüge des Verfahrens sollen nach einer Mittheilung in der Zeitschrift für Spiritusindustrie Bd. 14. S. 192 ausser in der Ersparniss an Heizmaterial hauptsächlich darin bestehen, dass durch den Ersatz des Dampfdruckes durch Luftdruck die Temperaturerhöhung, welche bei dem alten Verfahren die Karamelisirung der Stärke, sowie schädliche Nebengährung hervorbrachte, gänzlich vermieden wird, ebenso wie die Zersetzung der in den verschiedenen Fruchtarten enthaltenen Mengen von Zucker und Dextrin nicht mehr stattfinden kann, wodurch eine bessere Ausnutzung des Rohmaterials erzielt wird. Das neue Verfahren gestattet ferner die Verwendung des Henzedämpfers, des Dämpfers von Hollefreund, Böhm u.s.w. bezieh. die Ausführung des Hochdruckverfahrens mit ungeschrotenem Korn, also die Anwendung des Verfahrens auch für die Presshefeerzeugung, wobei das Schroten der Fruchtgattungen wegfällt und eine grössere Hefeausbeute erzielt wird.

Bemerkungen zum Hefelüftungsverfahren bringt die Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14 S. 246. Der Verfasser erläutert die verschiedenen Verfahren zur Gewinnung der Hefe aus der gelüfteten Maische und weist darauf hin, dass die Qualität der Hefe nach der jetzt erreichten Vervollkommnung des Verfahrens die gleich gute ist wie diejenige der nach dem alten Verfahren gewonnenen. Da das Lüftungsverfahren die Ausbeute fast verdoppelt, die Qualität der Hefe aber um so besser ist, je stickstoffreicher sie ist, hohe Ausbeute jedoch gewöhnlich auf Kosten des Stickstoffgehaltes der Hefe, d.h. ihrer Gährkraft, aufzutreten |23| pflegen, so darf, soll dieses vermieden werden, eben nur eine stickstoffreiche Gährflüssigkeit verwandt werden. Vom Standpunkt der Technik aus ist das Lüftungsverfahren entschieden als ein Fortschritt zu begrüssen.

III. Gährung und Hefe.

Ueber die Anwendung der Flussäure und der schwefligsauren Salze, insbesondere des doppelt schwefligsauren Kalkes, liegen mehrere Arbeiten in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14 S. 133, 154, 159, 101 vor. Dams hat bei Anwendung des Kalksalzes bei gutem Material keinen Erfolg beobachtet. Bei Anwendung grösserer Mengen trat der Geruch nach Schwefelwasserstoff auf. Brauer hält die Anwendung des Kalksalzes bei Verarbeitung von schlechtem Material für empfehlenswerth, jedoch ist durch dieselbe ein normaler Betrieb nicht zu erzielen. Das Auftreten von Schwefelwasserstoff ist bei Anwendung des Kalksalzes geringer als bei dem Natriumsalz, jedoch werden durch das Kalksalz die Gefässe stark angegriffen. Diese letztere Beobachtung bestätigt Tietze, welcher bei schlechtem Material durch die Anwendung des Kalksalzes eine etwas höhere Ausbeute erzielte. Derselbe empfiehlt auch die Flussäure und zwar zum Ausstreichen der Räume und ist der Ansicht, dass eine derartige Anwendung keine Verletzung des Patentes sei. (Nach Märcker genügt das Ausstreichen mit Flussäure nicht.) Gegen diese Ansicht Tietze's wendet sich die Société Générale de Maltose, ebenso gegen die von Tietze ausgesprochene Vermuthung, dass auch die Flussäure die Gefässe angreifen wird, was natürlich bei der geringen Menge, in der diese Säure zur Anwendung gelangt, nicht der Fall sein kann. Endlich wird in zwei Protokollen von Sectionsversammlungen des Vereins Bayerischer Spiritus- und Branntweinproducenten sehr günstig über das Flussäureverfahren berichtet.

Wir beschränken uns auf diese kurzen Angaben, da die neuen Arbeiten von Märcker, Cluss und Schuppan über diesen Gegenstand, welche Märcker in dem soeben bei Paul Parey in Berlin erschienenen Werk „Das Flusssäureverfahren in der Spiritusfabrikation. Nach Untersuchungen von Dr. Cluss und Dr. Schuppan, wie nach den Erfolgen der Praxis kritisch bearbeitet von Dr. M. Märcker, Geh. Regierungsrath und Professor in Halle a. S., mit in den Text gedruckten Abbildungen“ veröffentlicht, zu einem abschliessenden Urtheil sowohl über den Werth der Flussäure, wie über die Ueberlegenheit derselben gegenüber den schwefligsauren Salzen geführt haben. Das genannte Werk enthält drei gesonderte Abtheilungen, nämlich: I. Kritische Darstellung der vorliegenden Beobachtungen über die Anwendung der Flussäure und der Fluoride im Vergleich zu anderen Antisepticis, von M. Märcker. II. Untersuchungen über den Werth und die Wirkung von Antisepticis, insbesondere der Flussäure, der Fluoride und der schwefligsauren Salze zur Förderung und Sicherung der Gährung, ausgeführt im chemischen Laboratorium der Versuchsstation Halle a. S. von Dr. A. Cluss. III. Mikroskopische Beobachtungen über die Einwirkung der Flussäure, der Fluoride und der schwefligsauren Salze auf die Entwickelung der Hefe und der Nebenfermente, ausgeführt im botanischen Laboratorium der Versuchsstation Halle a. S. von Dr. P. Schuppan. Mit 16 Hefebildern.

Ueber die Arbeiten von Cluss sowie über die mikroskopischen Beobachtungen von Schuppan haben wir das Hauptsächlichste bereits an dieser Stelle berichtet. (Vgl. 1891. 281. 260.) Den Ausführungen Märcker's entnehmen wir hier das Folgende.

Die Wirkung der Flussäure und der Fluoride ist eine dreifache:

1. Sie wirken als Antiseptica durch Unterdrückung der gährungsstörenden Organismen. Diese Wirkung ist eine unfehlbare und zwar ist es nach den Beobachtungen von Schuppan vorzüglich der Buttersäurepilz, Clostridium butyricum, welcher durch Anwendung der Flussäure vollständig unterdrückt wird.

2. Sie bewirken eine Kräftigung und Sicherung der Diastasewirkung während der Gährung, theils dadurch, dass sie die der Diastase feindliche Säurung unterdrücken, theils aber auch noch auf andere, vorläufig noch unaufgeklärte Weise. Jedoch wird mit Sicherheit durch die von Cluss ausgeführten Versuche die von Effront behauptete diastaseschützende Wirkung der Flussäure und der Fluoride bestätigt und diese Beobachtung ist für die Praxis von grosser Bedeutung, denn man ist nun durch Anwendung der Flussäure in der Lage, die seiner Zeit von Schuster zwecks Malzersparniss vorgeschlagene günstigste Temperatur von 50 bis 56° bei der Zuckerbildung einzuhalten und dadurch erheblich an Malz zu sparen, während man ohne die Anwendung der Flussäure zu einer höheren, die Diastase bereits in ihrer Wirkung schädigenden Temperatur gezwungen war, um die schädlichen Nebenfermente abzutödten. Cluss hat durch seine Versuche gezeigt, dass man Dickmaischen durch sehr geringe Diastasemengen normal vergähren kann, wenn man die Diastase durch Flusssäure schützte, während ohne den Zusatz von Flussäure dieselben Diastasemengen durchaus nicht zur normalen Vergährung genügten. Auch gibt die Anwendung der Flussäure die Möglichkeit, ein geringwerthiges Malz zu verarbeiten, indem durch dieselbe die solchem Malz anhaftenden schädlichen Organismen zerstört werden. Man wendet daher auch bereits die Flussäure mit Vortheil auf der Malztenne an, indem man diese mit einer Lösung von 100 g Flussäure auf 25 l Wasser ausscheuert. Ueberhaupt werden durch die in Folge ihrer grossen Flüchtigkeit eintretende Verbreitung der Flussäure alle Räume der Brennerei desinficirt. Der Zusatz der Flussäure erfolgt am wirksamsten zu der mit Hefe versetzten süssen Maische.

3. Die directe Einwirkung der Flussäure auf die Hefe durch die Heranzüchtung einer besonders gährkräftigen Hefe und vielleicht sogar durch die Consolidirung einer bestimmten gährkräftigen Heferasse. Durch geringe Mengen Flussäure wird nach Schuppan's Untersuchungen die Hefevermehrung begünstigt, durch grössere Mengen jedoch vermindert. Trotzdem vermag aber die mit höherem Flussäurezusatz gewonnene geringere Hefemenge viel bessere Gährungserfolge zu erzielen, als die nur mit einem kleinen oder ganz ohne Flussäurezusatz gewonnene grössere Hefemenge. An der Richtigkeit dieser von Effront gemachten Beobachtung ist nach den Untersuchungen von Cluss nicht im geringsten mehr zu zweifeln. Wahrscheinlich wird diese Wirkung dadurch bedingt, dass unter dem Einfluss der Flussäure eine besonders gährkräftige Heferasse ausgebildet wird, eine Annahme, welche von Effront ausgesprochen, von Büchler und auch von Schuppan als wahrscheinlich bezeichnet wird, jedoch der Bestätigung |24| durch weitere Versuche, welche von Schuppan in Aussicht genommen sind, noch bedarf.

Die Flussäure ist nicht nur von grossem Werth als sicheres Mittel zur Beseitigung von zeitweise auftretenden Gährungsstörungen, sondern mehr noch dadurch, dass durch die regelmässige Anwendung derselben eine solche Sicherheit des Betriebes erreicht wird, wie sie bisher niemals zu erreichen möglich war. Dieses geht sowohl aus den Beobachtungen der Praxis hervor, wie auch aus den Versuchen von Cluss, aus denen Märcker die Ueberzeugung gewonnen hat, dass die Flussäure, so zu sagen als Regulator des Betriebes, eine grosse Zukunft hat.

Von grosser Wichtigkeit und Bedeutung für die Landwirthschaft ist ferner die durch die Flussäure bedingte Haltbarkeit der Schlampe, wodurch dieselbe zu einem gesundheitsgemässeren Futtermittel gemacht wird und die bisher bei der Schlämpefütterung so vielfach beobachteten Gesundheitsstörungen vermieden werden. In der aus mit Flussäurezusatz behandelten Maischen gewonnenen Schlampe konnte, auch wenn man dieselbe bei den günstigsten Gährungstemperaturen stehen liess, die Entwickelung von Mikroorganismen nicht beobachtet werden.

Die auch von Cluss und Schuppan ausgeführten Versuche mit schwefligsaurem Natrium und doppeltschwefligsaurem Kalk führten zu dem Resultat, dass auch diese Mittel eine gewisse antiseptische Wirkung besitzen, jedoch lange nicht in dem Maasse auf die Unterdrückung der Säurebildung und auf die Erhöhung der Alkoholausbeute einzuwirken vermögen wie die Flussäure. Dieses ist auch sehr erklärlich, da diese Stoffe lediglich als Antiseptica wirken, dagegen nicht im stände sind, die Diastasewirkung zu sichern und eine besonders gährkräftige Heferasse zu erzeugen, wie dieses die Flussäure und Fluoride vermögen. Ausserdem haben die Sulfite den grossen Nachtheil, dass durch dieselben ein im höchsten Grade widerwärtig nach Schwefelverbindungen riechender Spiritus gewonnen wird, während durch die Anwendung der Flussäure ein sehr reiner Spiritus erzeugt wird. Dieser Uebelstand der Sulfite tritt nach den Versuchen von Cluss auch bei Anwendung des Kalksalzes ein, sobald man dasselbe in so grossen Mengen gibt, wie sie zur Erzeugung einer antiseptischen Wirkung eben erforderlich sind. Märcker ist daher auf Grund dieser Beobachtung der Ansicht; dass auch die Anwendung des doppeltschwefligsauren Kalkes keine Zukunft in der Brennerei haben wird.

Märcker schliesst das Vorwort zu seiner Schrift mit folgendem Satz. „Wir können nicht umhin, an dieser Stelle auszusprechen, dass Effront's Beobachtungen durch unsere Ergebnisse in jeder Beziehung bestätigt worden sind und dass sich uns, die wir beim Beginne unserer Arbeiten der Frage ziemlich skeptisch gegenüberstanden, bei jedem weiteren Schritt die Ueberzeugung von dem hohen Werth der Flussäure und ihrer Ueberlegenheit über andere Antiseptica aufgedrängt hat. Dies rückhaltlos auszusprechen und Effront unsere volle Anerkennung für seine exacten Arbeiten auszudrücken, nehmen wir hiermit gern Veranlassung.“

Wir müssen uns mit dieser kurzen Skizzirung der umfangreichen Arbeit der Verfasser begnügen und wollen nur noch darauf hinweisen, dass Märcker in einem Abschnitt auch eingehende Belehrung über die praktische Anwendung der Flussäure und Fluoride gibt.

Ueber den Gomolka'schen Hefekühl- und Maischbewegungsapparat liegen mehrere Mittheilungen in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14. S. 147, 154 und 167 von Koser, Lugschütz und Bast vor, welche sämmtlich sehr günstig lauten. Der Verbrauch an Wasser ist nicht bedeutend. Der Apparat macht sich in kurzer Zeit bezahlt dadurch, dass durch die in Folge der mechanischen Maischbewegung bewirkte Entfernung der Kohlensäure ein grösseres Quantum eingemaischt und dadurch bedeutend an Steuer gespart werden kann. Der Steigraum vermindert sich von 15 bis 16 auf 9 bis 10 cm; die mechanische Bewegung hat sich auch zur Zerstörung des Schaumes bei Verarbeitung von Seedkartoffeln sehr nützlich erwiesen. Diese Angaben Koser's bestätigt Lugschütz durch seine Beobachtungen. Rast gibt die Verminderung des Steigraumes von 15 bis 18 auf 6 bis 8 cm an. Der Wasserverbrauch kommt bei den angewandten Kühlschlangen gar nicht in Betracht, indem das Wasser zur Bewegung des Rades vollkommen genügt. Bei nicht eingesetzten Kühlschlangen genügen pro Minute 8 bis 10 l, auch weniger, dies richte sich ganz nach der Bewegung der Kühlsterne. – Auch der Hefekühlapparat wird von Rast sehr gelobt.

Wie muss die Anlage der mechanischen Gährbottichkühlung sein, insonderheit, welche Form müssen die Kühlschlangen haben, um die grösste Steigraumersparniss herbeizuführen? Joh. Ernst Brauer beantwortet diese Frage in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14 S. 192 dahin, dass die Windungen der Kühlschlangen in einer Ebene liegen und dass die Schlangen beim Aufwärtsbewegen vollständig aus der Maische herausgehoben werden müssen, um die Maischdecke zu durchbrechen.

Ein Verfahren zur Vergährung von Maischen, Teigen, Würzen u. dgl. und zur Verhinderung von Spaltpilzgährungen in denselben, gekennzeichnet durch den Zusatz von Glycerinphosphorsäure, ist Carl Funk in Charlottenburg und Nicolaus von Balogh in Moskau patentirt; Patentschrift Nr. 57865, patentirt im Deutschen Reich vom 9. November 1890 ab.

(Fortsetzung folgt.)

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