Titel: Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283 (S. 65–68)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/ar283018

Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.

Von Dr. J. M. Eder und E. Valenta in Wien.

(Fortsetzung.)

Photographische Schmelzfarbenbilder.

Das bekannte Einstaubverfahren wird in einer Brochüre von Garin und Aymard „Photographie vitrifiée sur émail“ (Paris 1890) beschrieben.

Die Verfasser verwenden eine Lösung von Wasser (100 ccm), Gummiarabicum (5 g) und Zucker (10 g), mit einer gesättigten Lösung von Ammoniumbichromat (25 ccm) versetzt. Bei sehr feuchter Witterung setzt man etwas Fruchtzucker zu, bei sehr trockener Witterung wird statt der concentrirten Ammoniumbichromatlösung ein Gemenge von 10 ccm Ammoniumbichromatlösung und 10 ccm Kaliumbichromatlösung (beide gesättigt) verwendet. Mit dem obigen Gemische werden die Platten überzogen, getrocknet, unter einem Diapositive exponirt, in der bekannten Weise mit Emailstaub eingestaubt und übertragen. (Photogr. Arch. 1890 S. 333 im Auszuge.)

Lichtdruck.

Eine neue „Handschnellpresse für Lichtdruck“ erzeugt auf Veranlassung der Firma Creifelds (Köln) die Maschinenfabrik Fr. Pemsel in Nürnberg in zwei Grossen für 45 : 36 cm (2000 Mk.) und für 55 : 60 cm (2400 Mk.) Die Presse wird als leistungsfähig gelobt.

Lichtdruckschichten mit Bromsilbergehalt. Balagny machte die Wahrnehmung, dass ein Gehalt an Bromsilber in der Druckschicht einer Lichtdruckplatte den Druck sehr erleichtere. Er verwendete Negativfolien mit Bromsilbergelatine (von Lumière in Lyon), welche in 3 procentiger Kaliumbichromatlösung sensibilisirt und sonst wie Lichtdruckplatten behandelt werden. (Photogr. Nachr. 1890 S. 772.)

(Die Methode ist für die Praxis zu kostspielig und dürfte auch sonst keine Vortheile bieten. Anm. d. Ref.)

Ueber den gegenwärtigen Stand des Lichtdruckverfahrens in Frankreich berichtet Prof. L. Vidal in Eder's Jahrbuch für Photographie (für 1891). Nach diesem Berichte hat der Lichtdruck heute in Frankreich noch immer nicht jene Verbreitung gefunden, welche demselben, nach den vorzüglichen Resultaten, welche das Verfahren bei geschickter Handhabung gibt, gebühren würde.

In Paris gab es im Jahre 1890 5 bis 6 Ateliers, welche das Verfahren mit Erfolg ausübten, in der Provinz etwa noch ein Dutzend weiterer Firmen, und diese Firmen befassen sich im Allgemeinen nur mit dem Lichtdrucke allein!

Als Hinderniss der Verbreitung des Lichtdruckes führt Prof. Vidal in erster Linie die Abneigung der Herausgeber von illustrirten Werken dagegen an, welche dem Lichtdrucke die Photogravüre stets vorziehen. Er hegt jedoch keinen Zweifel dass sich das Verfahren bald Bahn brechen wird.

Die französische Fachzeitung „L'Imprimerie“ bespricht in einem Artikel „Die Zukunft des Lichtdruckes“ dieses Verfahren und betont ebenfalls den bedauerlichen Umstand, dass dasselbe in Frankreich so geringe Verbreitung gefunden hat, indem doch so vorzügliche Resultate damit zu erzielen sind.

Das Journal bespricht schliesslich die Voirin'sche Presse für Lichtdruck, ferner eine Schnellpresse des Genannten, welche vorzügliche Resultate gibt und sich besonders für grössere Etablissements eignet.

Diese Presse, welche Voirin mit dem Namen „Nouvelle machine phototypique à double touche et arrêt facultatif du cylindre“ bezeichnet, hat den Vortheil, dass die doppelte Einschwärzung und das beliebige Einstellen des Druckcylinders derart combinirt sind, dass man in jeder Stellung der Presse, ohne Gefahr die Platte zu zerbrechen, mit einer einzigen Bewegung von der doppelten zur einfachen Einschwärzung übergehen kann und umgekehrt. Durch das beliebige Aufhalten des Cylinders kann der Arbeiter beim Anfang des Druckes einschwärzen, ohne Makulatur zu gebrauchen. Der Schablonenrahmen kann sofort abgenommen und ausgewechselt werden. Das Fundament der Druckplatte und die Schablone heben sich automatisch. Die Lichtdruckplatte wird mittels Klammern befestigt. Mittels weniger Requisiten kann man diese Lichtdruckpresse als Steindruckpresse und für chromolithographische Drucke verwenden. Lichtdruckproben, auf dieser Schnellpresse gedruckt, wurden seinerzeit der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie- und Reproductionsverfahren in Wien eingesendet und erwiesen sich als sehr schön. (Eder's Jahrb. für Photogr. für 1891 S. 245.)

Photographisches Umdruckverfahren auf Stein oder Zink etc.

Ueber verschiedene Chromirungsbäder für gelatinirte photolithographische Umdruckpapiere machte C. Kampmann Versuche. Hiernach ergab sich die grösste Lichtempfindlichkeit bei Anwendung von Chrombädern, welche Ammoniumbichromat |66| enthalten, die Empfindlichkeit der Kaliumbichromat enthaltenden Bäder ist um ein Drittel geringer.

Die Bilder entwickeln sich sämmtlich schön und leicht und geben brauchbare Copien. Von Interesse ist das Verhalten des Kaliumbichromatbades mit oder ohne Zusatz von Mangansulfat; das Bad mit diesem Zusätze gibt bei starker Lichteinwirkung bessere Resultate als das ohne Mangansulfat. Der Grund dieses Verhaltens dürfte in dem Umstände gelegen sein, dass bei starker Lichtwirkung die Zerlegung des manganhaltigen Chromates durchgreifender zu erfolgen scheint, als bei Verwendung von reinem Kaliumbichromat und deshalb die Kraft des belichteten Bildes bei zunehmender Lichtstärke bei ersterem rascher wächst als bei letzterem.

Ad. Franz empfiehlt folgenden Vorgang bei photolithographischen Uebertragungen: Zur Sensibilisirung des Papieres wird eine Lösung, bestehend aus 40 g Kaliumbichromat, 5 g Mangansulfat und 1000 g Wasser, verwendet. Der Zusatz von Mangansulfat bewirkt eine Steigerung der Lichtempfindlichkeit des trockenen Papieres (siehe Kampmann) und das unangenehme Wegwaschen der fetten Farbe von den exponirten Stellen der Copie wird behoben, auch zeigen die Copien ein sehr schönes Relief.

Die Bogen werden behufs Sensibilisirung in obiges Bad eingetaucht und so lange darinnen belassen, bis das Papier ganz geschmeidig geworden ist. Nach dem Trocknen werden die Papiere exponirt. Die Exponirung geht rasch vor sich und hat der Zusatz von Mangansulfat zum Bade den Vortheil, dass man selbst mit verschleierten Negativen gute Copien erhält.

Nach dem Exponiren legt man die Copie auf reines Fliesspapier und feuchtet die Rückseite etwas an, legt sie dann mit der angefeuchteten Rückseite auf eine Glasplatte und färbt nun ein. Man bringt von der Ueberdruckfarbe nur so viel auf das Papier, dass dieses Quantum gerade hinreicht, die Copie dünn und gleichmässig zu bedecken. Dann bereitet man sich eine Flüssigkeit aus 1 Theil Terpentinöl und 1 Theil Benzin und tröpfelt davon so viel zur Farbe, dass man mit einem Pinsel im Stande ist, die Copie dünn zu überstreichen. Etwaige Schlieren und Striche werden mittels eines Sammtballens durch Betupfen ausgeglichen. Die gleichmässig eingefärbten Copien werden nun in reines Wasser gebracht und das nicht belichtete Chromsalz ausgewaschen. Die ausgewässerte Copie wird alsdann auf eine Glasplatte gelegt und mit einem weissen feuchten Schwämmchen in kreisförmiger Bewegung überfahren, worauf sich das Bild entwickelt.

Man erhält bei richtigem Vorgange sehr gute Copien. (Eder's Jahrbuch für Photographie für 1891 S. 9.)

Ueber eine Verbesserung im Umdruck des photolithographischen Uebertragungspapieres schreibt Prof. J. Husnik in Prag. Das neue Emailpapier, welches A. Moll für photographische Uebertragung fetter Bilder auf Zink oder Stein führt, beseitigt den Uebelstand, dass bei schlechter Manipulation etc. oft nur einzelne Theile der Zeichnung auf das Zink übergehen, dadurch, dass man die Copien sammt der Zinkplatte in ein Bad von 40° C. Temperatur bringen kann, wodurch ein vollkommener Umdruck aller Theile der Zeichnung gesichert erscheint und ein leichtes Abheben des Papieres vom Zink ermöglicht wird. (Eder's Jahrbuch für Photographie für 1891 S. 192.)

Zinkographie.

Directer photozinkographischer Process für Farbendruck von Waterhouse.

Waterhouse verwendet zur Herstellung genau übereinstimmender Farbplatten für den Druck von Karten dünne Platten von Zinkblech, welches nach der gewöhnlichen Körnung mit einer Lösung von Gummi und Galläpfelextrat geätzt wird.

Die Aetzlösung wird hergestellt, indem man zerkleinerte Galläpfel 24 Stunden im 20 fachen Gewichte Wasser weichen lässt und dann die Flüssigkeit auf die Hälfte des Volumens eindampft. Zu dieser Lösung wird sodann ein 100 tel Volumen concentrirte Phosphorsäurelösung gegeben und mit gleichen Theilen Gummiwasser gemischt. Die Aetzlösung wird auf den Platten gut eintrocknen gelassen.

Die vorbereiteten Platten werden dünn mit einer Chromatlösung übergossen und getrocknet.

Die Chromatlösung erhält man, indem man 40 Thl. einer Lösung aus: Arrowroot (20 Thl.), Kaliumbichromat (9 Thl.), Wasser (700 Thl.) mit 5 Thl. doppeltchromsaurem Kali und 15 Thl. einer Lösung von Albumin in Wasser (1 : 1) mischt.

Copirt wird unter einem verkehrten Negativ etwa 5 Minuten in der Sonne. Dann lässt man abkühlen, wässert mit kaltem Wasser ungefähr ½ Stunde aus und reinigt die Platte von etwa noch anhaftenden löslichen Theilen mit Hilfe eines Schwammes, spült ab und lässt trocknen. Man schwärzt mit Uebertragungsfarbe ein und wäscht nach 15 Minuten mit Terpentinöl ab. Vor dem Einwalzen mit der Druckfarbe wird die Platte mit Wasser benetzt. Ein nochmaliges Aetzen ist nicht nöthig, höchstens zur Reinigung der Ränder. (Amer. Ann. of Photogr. 1890 S. 124.)

Ueber Reactionsdruck auf Zink in der lithographischen Presse (Zinkflachdruck) schrieb Kampmann einige interessante Artikel in der Phot. Correspondenz 1890. Auch in Eder's Jahrbuch für Photogr. (für 1891 S. 193) findet sich von dem Genannten ein Aufsatz über diesen Gegenstand, in welchem derselbe einen kurzen Ueberblick über die Geschichte des Zinkflachdruckes und über die heute gebräuchlichen Methoden desselben gibt.

Wilkinson schrieb ein Buch über Die Photozinkotypie mittels des Chromeiweissverfahrens (Photo-Etching and Collotype, London 1890).

Er empfiehlt:

Geschlagenes Eiweiss 10 Unzen
Wasser 10
Gesättigte Ammoniumbichromatlösung 1 Unze

Das Uebergiessen der Zinkplatten mit der Eiweisslösung nimmt Verfasser auf einer horizontalen Drehschreibe vor. Die Zinkplatten werden vor der Präparation mit der Lösung mit Hilfe von schwacher Salpetersäure und Alaunlösung gekörnt.

Die Chromalbumincopie wird in kaltem Wasser entwickelt, nachdem vorher mit der Leim walze verdünnte Umdruckfarbe aufgetragen wurde und nach dem Entwickeln mit Gummiarabicumlösung übergossen.

Ueber eine neue Methode zur Erhöhung der Lichtempfindlichkeit des Asphaltes schrieb E. Valenta. Die Asphaltmethode in der Zinkotypie liefert sehr schöne Resultate, hat aber den Nachtheil, dass die verschiedenen natürlichen Asphaltsorten eine verhältnissmässig geringe Lichtempfindlichkeit |67| besitzen. Diesem Uebelstande zu steuern wurden bereits von verschiedenen Seiten Versuche gemacht, welche auch eine Steigerung der Lichtempfindlichkeit des Asphaltes zur Folge hatten. Der syrische Asphalt, welcher sich am besten für die Zwecke der Zinkographie eignet, besteht nach Kayser aus 3 Harzen, welche sämmtlich schwefelhaltig sind, und von denen das eine am schwefelreichsten und auch am lichtempfindlichsten ist. Die Harze zeigen eine verschiedene Löslichkeit gegenüber Lösungsmitteln. Dies benutzte R. Kayser zur Trennung derselben und Abscheidung des lichtempfindlichsten derselben (des γ-Harzes), Dieses letztere Harz wird in Benzol gelöst als lichtempfindliches Asphaltpräparat in den Handel gebracht und in der Zinkographie verwendet. Verfasser behandelt zur Herstellung seines lichtempfindlichen Präparates den Asphalt mit Schwefel bei höherer Temperatur wodurch die einzelnen Harze Schwefel aufnehmen und in schwefelreiche lichtempfindlichere Körper umgewandelt werden.

Der chemische Vorgang bei Einwirkung des Schwefels auf den Asphalt während des Erhitzens dürfte folgender sein: Das α-Harz geht in das β-Harz über nach der Gleichung:

2 (C32 H46 S) + 2 S = C64 H92 S3,

welche Reaction schon beim Erhitzen auf 100° C. einzutreten scheint, da der Asphalt hierbei bereits lichtempfindlicher wird. Das β-Harz geht bei weiterer Behandlung und höherer Temperatur unter Schwefelwasserstoffentwicklung in das γ-Harz über nach der Gleichung:

C64 H92 S2 + 5 S = 2 (C32 H42 S2) + 4 H2 S.

Es scheint aber auch das γ-Harz noch Schwefel aufzunehmen und lichtempfindlicher zu werden, weil das Product des richtig geleiteten Processes lichtempfindlicher als das y-Harz (Präparat nach Kayser) ist, wie die vergleichenden Versuche zeigten.

Bezüglich Herstellung und Verwendung des Präparates gibt Verfasser folgende Daten:

1. Man löst 10 g Schwefel in einer genügenden Menge Schwefelkohlenstoff und fügt 100 g gepulverten syrischen Asphalt zu. Die Lösung wird sodann vom Schwefelkohlenstoffe befreit und am besten in einer Reibschale unter öfterem Durcharbeiten mit dem Pistill auf 100° C. einige Zeit (eine Stunde) erwärmt, sodann in einem geräumigen Luftbade langsam bis zum Entweichen von Schwefelwasserstoff erhitzt und bei einer Temperatur, welche etwa 180° bis über 200° C. beträgt, 5–6 Stunden erhalten. Bildung von brenzlichen Producten, welche auf eine Zersetzung des Asphaltes schliessen lässt, rührt von zu hoher Temperatur her und ist zu vermeiden. Der so präparirte Asphalt, welcher nur mehr schwach nach Schwefelwasserstoff riecht, wird in einem gut verschlossenen Glase im Dunkeln aufbewahrt.

2. Für Arbeiten im zerstreuten Tageslichte und wenn besonders hohe Empfindlichkeit gewünscht wird, empfiehlt es sich, diesen Asphalt von etwa noch vorhandenem γ-Harze und von Spuren brenzlicher Producte durch Pulvern und Behandeln des Pulvers mit Aether unter Umschütteln zu befreien, was in einer weithalsigen Glasflasche mit Korkstöpsel geschehen kann. Nach genügender Einwirkung (2–3 Stunden) wird der Aether abgegossen und der ungelöste Theil getrocknet, indem man ihn auf einige Lagen Filtrirpapier in dünner Schicht ausbreitet.

3. Zum Gebrauche werden 4 Theile sulfurirter Asphalt (nach Punkt 1 oder 2) in 100 ccm Benzol (nicht Benzin) gelöst, die Lösung filtrirt und eventuell so weit verdünnt, dass die Schicht, welche beim Aufgiessen auf der Zinkplatte entsteht, goldgelb gefärbt erscheint. (Eine ½- bis 1 stündige Belichtung der Lösung des Asphaltes in offener Flasche und im directen Sonnenlichte ist empfehlenswerth.)

4. Zur Entwickelung der Asphaltbilder verwendet man säurefreies rectificirtes Terpentinöl, am besten französisches oder österreichisches Terpentinöl. Als Beschleuniger der Entwickelung bei starker Ueberexposition oder Verwendung von nach Punkt 2 behandeltem Asphalt kann zu den vorhin genannten Oelen ein Zusatz von sogenanntem ungarischen oder russischen Terpentinöl gemacht werden, welche Oele, für sich allein verwendet, das Asphaltbild angreifen würden. Als Verzögerer der Entwickelung dient ein Zusatz von Ligroin, Benzin (Petroleumbenzin) oder Baumöl zum Terpentinöl.

5. Das Entwickeln geschieht am besten durch blosses Schwenken in der Tasse ohne Zuhilfenahme eines Baumwollebausches oder dergleichen. Nachdem das Bild klar entwickelt ist, spült man mit einem Wasserstrahl gut ab, lässt abtropfen und trocknen. Vortheilhaft ist es, vor dem Gummiren die Platte nochmals zu belichten, weil dadurch das Bild besser haftet.

Die Firma Angerer und Göschl in Wien sowie Riffarth in Berlin vernickeln ihre Zinkclichés, wodurch dieselben widerstandsfähiger werden und sich nicht oxydiren, welche Neuerung zu empfehlen ist, da sie bei leichter Durchführung (auf galvanischem Wege) wesentliche Vortheile bietet.

Verfahren von J. Bartos zur Herstellung von Photolithographien und Phototypien in Kornmanier mit Halbtönen.

Das Bartos'sche Verfahren gehört in die Reihe derjenigen, bei denen die Zerlegung der Mitteltöne nicht bei der photographischen Aufnahme, sondern nachträglich durch mechanische Einwirkung geschieht.

Bartos verwendet das wie gewöhnlich hergestellte Negativ zunächst zur Herstellung eines Pigmentpositives; dieses wird für die Photolithographie auf den Stein, für die Zinkographie auf die Zinkplatte, welche vorher mit einer Lackschichte versehen war, übertragen. Die Herstellung des Kornes erfolgt nun mittels eines Sandstrahlgebläses.

Zur Ausführung des Verfahrens wird (nach der Patentschrift) ein gut geschliffener lithographischer Stein oder eine Zinkplatte mit einer dünnen Lackschicht, welche aus 300 g Chloroform, 5 g Mastix, 10 g Asphalt, 300 g Benzin und 2 g Leinöl besteht, überzogen.

Man überträgt nun das im Halbton hergestellte Pigmentbild und präparirt das Pigmenthäutchen, nachdem es vollkommen trocken geworden ist, mit einer Lösung von 25 Thl. Glycerin, 25 Thl. Wasser und 2 Thl. Alaun. Die Lösung wird 5 Minuten darauf stehen gelassen und sodann mittels Fliesspapier die überstehende Flüssigkeit entfernt. Durch diese Behandlung erhält die Pigmentschichte die Eigenschaft, sich leicht zerstören zu lassen.

Setzt man nun das Pigmentbild der Einwirkung des Sandstrahlgebläses aus, so wird es stufenweise durch das Anschlagen des Sandes zerstört und die darunter liegende Lackschicht desgleichen stufenweise beschädigt. Nach |68| Entfernung des zerstörten Pigmenthäutchens zeigt sich das Bild in allen Details in Korn auf dem Lacküberzuge des Steines oder der Platte.

Das Bild kann nun geätzt weiden. Die Aetzung geschieht am Stein mit schwacher Phosphorsäure (4 procentig), nach 4 Minuten wird der Stein abgewaschen, mit einer 5 procentigen Gummilösung bestrichen und trocknen gelassen.

Die Entfernung der Lackschicht geschieht mit Hilfe eines mit Terpentinöl getränkten Baumwollenbäuschchens, der trockene Stein wird mit Steindruckfarbe angewalzt, eingefeuchtet und die überflüssige Farbe abgewalzt, worauf das Bild sich druckfähig am Steine zeigt.

Behufs Herstellung einer Hochdruckplatte wird die Lackschicht als Schutz für die erste Aetzung benutzt, dann eingewalzt und in der bekannten Weise fertig geätzt.

Behufs Herstellung grösserer Bilder auf dem Stein oder der Metallplatte, wobei ein bestimmtes Korn nach Bedarf grösser sein muss als bei kleinen Bildern, wird das vollkommen entwickelte, noch feuchte Pigmentbild mit Glas- ödes Harzpulver eingestaubt und das auf der Pigmentschichte haftende Pulver mit derselben trocknen gelassen.

Das behandelte Bild wird in der beschriebenen Weise mit der Glycerinalaunmischung behandelt, der Wirkung des Sandstrahlgebläses ausgesetzt und endlich mit Phosphor resp. Salpetersäure geätzt. Das Verfahren ist wie bemerkt patentirt. Ob es im praktischen Gebrauche jene Sicherheit bietet, welche die Autotypie gibt, muss vorläufig noch dahingestellt bleiben.

Heliogravüre und photographische Aetzung in Kupfer.

R. Maschek, Vorstand der heliographischen Abtheilung am k. k. militärgeographischen Institute in Wien, macht über Heliogravüre interessante und belangreiche Mittheilungen in der Photographischen Correspondenz (1890 S. 245).

Der Autor erwähnt zunächst die Arbeit von Kiewning1) und geht dann auf die Einzelheiten des Aetzprocesses ein.

Maschek bedient sich des Pigmentpapieres, wie solches von Braun in Dornach geliefert wird, zu Positivübertragungen, während er zur Herstellung des Reliefnegatives die Papiere der Autotype Compagnie in London verwendet.

Zur Herstellung der Aetzbäder löst er 10 k Eisenchlorid in so viel destillirtem Wasser auf, dass die Dichte der Flüssigkeit = 1,5 ist. Aus dieser Lösung werden durch Verdünnen mit destillirtem Wasser die einzelnen Bäder, deren Dichte 1,420, 1,375, 1,330 und 1,285 beträgt, hergestellt, welche der Reihe nach zu den Aetzungen verwendet werden.

Das Einstäuben der Kupferplatten mit feinst pulverisirtem Asphalt ist einer jener Factoren, von denen das Gelingen der Aetzung wesentlich abhängt. Der hierzu verwendete Staubkasten besitzt einen Querschnitt von 1,2 m im Quadrat, bei einer Höhe von 2½ m. Das Aufwirbeln des Asphaltstaubes geschieht mittels eines Gebläses, welches kräftig genug ist, den Staub bis zur Decke des Kastens zu werfen. Da zuerst die schwereren und dann erst die leichteren Staubtheilchen niedersinken werden, hat man es in der Hand, je nach dem man die Platte früher oder später in den Staubkasten bringt, ein gröberes oder feineres Korn auf derselben zu erzeugen.

Die Platte muss vorsichtig aus dem Kasten genommen werden, um eine Verschiebung der daraufgelagerten Staubtheilchen zu vermeiden. Der auf derselben befindliche Asphaltstaub wird nun durch Erwärmen der Platte zum Schmelzen gebracht; zu diesem Zwecke bringt man dieselbe auf zwei eiserne Plattenträger, unter welchen sich ein auf Rollen bewegliches Gasrechaud befindet und erwärmt unter Hin- und Herbewegen des Rechauds vorsichtig, wobei die Staubtheilchen schmelzen und das Korn bilden, welches der Aetzung widersteht.

Die richtige Anschmelzung erkennt man am Farbenwechsel der Platte, welche vor dem Erwärmen ein sammtartiges Aussehen hatte, während die angeschmolzene Platte etwas glänzt und oxydirt erscheint. Das Oxydhäutchen wird nun von der Platte mit Hilfe eines Bades aus Essig, Salz und Wasser entfernt, welche Procedur aber eigentlich nicht unbedingt nothwendig ist.

Zur Erzeugung des Positives sensibilisirt der Verfasser Braun'sches Diapositivpigmentpapier mit der gebräuchlichen Lösung von Kaliumbichromat in Wasser, welcher etwas Ammoniak zugesetzt wird und trocknet mittels eines Ventilators, welcher Vorgang die leichte Löslichkeit der Gelatine sichert.

Den von Kiewning empfohlenen Schlauch zur Erzielung paralleler Strahlen bei der Belichtung verwendet Verfasser nur bei Strichnegativen; für Portraits und Landschaften zieht er zerstreutes Tageslicht vor.

Die Positivcopie wird nun auf Glas übertragen, in warmem Wasser entwickelt und nach reichlichem Abspülen mit kaltem Wasser in ein Spiritusbad gebracht, in dem sie 4 bis 5 Minuten bleibt, dann wird sie herausgenommen und getrocknet.

Das Spiritusbad hat den Zweck, die sonst gewöhnlich entstehende Schlieren in der Gelatineschichte, welche sich beim Aetzen als dunkle Streifen darstellen, zu vermeiden.

(Fortsetzung folgt.)

|68|

Siehe Eder's Jahrb. f. 1889 S. 454 und die Referate in Bd. 70 d. Journ.

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