Titel: Neuere Drehbänke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283 (S. 141–147)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/ar283035

Neuere Drehbänke.

Mit Abbildungen.

Jones und Lamson's Drehbank mit drehbarer Stichelplatte.

Die Jones und Lamson Machine Comp. in Springfield, Nordamerika, hat nach American Machinist, 1891 Bd. 14 Nr. 19 * S. 1, eine von der gebräuchlichen Anordnung wesentlich verschieden gestaltete Drehbank ausgeführt, die in Fig. 1 bis 10 dargestellt ist, wobei einige Einzelheiten ähnlicher Maschinen derselben Firma ergänzend beigegeben sind (vgl. Neuere Drehbänke für Massenerzeugung, 1891 279 * 200).

Textabbildung Bd. 283, S. 141
Der mit einer um den Lagerzapfen a schwingenden Steuerwelle b geschaltete Schlitten c trägt eine drehbare Kreisscheibe d, welche vier bis sechs verschieden ausgebildete Stahlhalter e besitzt, die in radialen Spannschlitzen festgeschraubt werden.

Textabbildung Bd. 283, S. 141
Diese Kreisscheibe d, kann in jeder Stellung des Schlittens c gedreht und festgestellt werden, während der Schlitten c selbst für jedes Werkzeug eine besondere Hubbegrenzung erhält. Es sind daher zu diesem Zweck vier Ausrückschienen f vorgesehen, welche verschiedene selbständige Einstellungen erhalten und den Hub des Schlittens durch Einwirkung auf eine Daumenwelle g in der Weise begrenzen, dass der die Triebschnecke stützende Hebel h seinen Halt verliert, wodurch die Steuerwelle niederschwingt und den Eingriff der Triebschnecke mit dem Schneckenrade am Schlittenschild i aufhebt.

Die mit dem Handkreuz k bewirkte Rücklage des Schlittens c wird durch einen stellbaren Anschlagstab l begrenzt. Geführt wird aber der Schlitten an zwei oberen Dachleisten m der Wange n und an den winkelrechten Seitenleisten o derselben, während zwei angeschraubte Führungsplättchen p jederseits an der unteren Wangenleiste den Schlitten gegen das Ausheben versichern.

Am Spindelstock verdienen drei Theile besondere Erwähnung, nämlich der Antrieb der Hohlspindel vermöge eines Wendetriebwerkes für Rechts- und Linksdrehung bezieh. Ruhelage derselben, wozu der Handhebel q dient, ferner der selbstspannende Kopf r, welcher durch den Hebel s bethätigt wird und welcher zugleich vermöge einer Anschlagnase t eine Stange u verschiebt, wodurch eine am hinteren Spindelende vorgesehene selbsthätig wirkende Speisevorrichtung v eingerückt wird, vermöge welcher der Rohstab erfasst und vorgestellt wird.

Soweit es aus den Fig. 1 und 2 zu ersehen, ist an der lose umlaufenden Stufenscheibe w ein Getriebe x angesetzt, welches eine unterhalb gelagerte Vorgelegewelle treibt. Nun kann, je nach Bedarf durch Einschaltung eines Zwischenrades oder durch unmittelbaren Eingriff in das auf der Spindel lose laufende Rad y (Fig. 3) entweder einfach, bloss eine Uebersetzung bei gleichbleibender Drehungsrichtung, oder wie vorerwähnt, hiermit noch eine Umkehrung der Drehbewegung der Spindel hervorgerufen werden. Zu diesem Behufe ist zwischen Stufenscheibe und grossem Spindelrad am Vorderlager eine auf Keil laufende Verschiebungsmuffe z eingeschaltet, welche durch den bereits erwähnten Handhebel eingestellt wird. Nun wirkt die linke Seite dieser Verschiebungsmuffe vermöge eines Reibungskegels in die Stufenscheibe und durch eine Zahnkuppelung mit dem grossen Zahnrade kuppelnd ein.

Textabbildung Bd. 283, S. 141
Aus Rücksicht für die Sicherheit des Arbeiters ist das grosse Zahnrad in Fig. 1 verdeckt.

Zum besseren Verständniss ist ein Spindelstock in Fig. 3 dargestellt, an welchem noch eine Nebenspindel A vorgesehen ist, um an derselben die Bearbeitung der Endflächen der bearbeiteten Theile nach der Abtrennung vom Rohstab zu vollenden, wozu besondere Führungstheile für das Werkzeug bestimmt sind, die aber hier nicht weitere Erwähnung finden (American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 30 * S. 1).

Interessant sind zwei in Fig. 4 und 5 bezieh. 6 und 7 |142| dargestellte Spannschlösser oder selbstspannende Spindelköpfe, bestimmt den Rohstab zu klemmen. Auf die Drehbankspindel ist eine Hülse A geschraubt, in deren Löcher C zwei halbmondförmige Keilklötzchen D einsetzen, welche durch die Keilbahnen einer Verschiebungsmuffe B gegen die Achse des Schlosstheiles gestellt oder davon entfernt werden.

Textabbildung Bd. 283, S. 142

Diese Keilklötzchen D drücken gleichmässig gegen eine geschlitzte, federnde und axial geführte Spannbüchse E, in deren Kegelbohrung vier Spannbacken F liegen, die, vermöge der Kingmutter G gegen eine axiale Verschiebung gesichert, nur radiale Bewegung erhalten, welche ein Festspannen des Rohstabes bedingt. Es scheint aber, dass dieses Schloss nicht ganz den gestellten Anforderungen entsprochen haben mag, denn nach Jahresfrist wird eine neue Bauart desselben empfohlen, die in Fig. 6 und 7 abgebildet ist (American Machinist, 1890 Bd. 13, und derselbe 1891 Bd. 14, wie angegeben). Der Kopf a wird auf die Drehbankspindel geschraubt, in dessen Bohrung die vier Spannbacken b eingesetzt sind.

Textabbildung Bd. 283, S. 142
Textabbildung Bd. 283, S. 142
Diese werden vermöge einer Bordbüchse c in den Kopf a durch gegensätzliche Verschiebung hineingedrückt, wodurch der Klemmvorgang erfolgt. Sechs Flügelkeile d, welche am Kopf a drehbar angesetzt sind und durch Schlitze der Bordbüchse c reichen, stemmen sich mit ihren Endflächen an einen auf c geschraubten Stützring e, während dieselben durch eine entsprechend ausgestaltete Verschiebungsmuffe f niedergedrückt werden, worauf die Relativverschiebung von c gegen a eintritt.

Wie bereits vorerwähnt, ist mit der durch den Handhebel s (Fig. 1) bewirkten öffnenden Muffen Verschiebung gleichzeitig die Einrückung eines selbsthätig wirkenden Speisekopfes v (Fig. 1) verbunden, welcher am hinteren Spindelende angebracht ist.

Textabbildung Bd. 283, S. 142
Auch davon sind zwei Ausführungen vorhanden, welche in den Fig. 8 und 9 vorgeführt werden.

Am hinteren freien Spindelende sitzt lose ein Zahnkranz mit angesetztem Ring, an dessen Umfang entweder vorstehende Rippen oder Rinnen vorgesehen sind, in welchen ein an der Spindelstockrückwand geführter Schieber u1 einsetzen kann und dadurch die Ruhelage dieses Zahnkranzes herbeiführt.

Textabbildung Bd. 283, S. 142
In diesen Zahnkranz (Fig. 8) greifen zwei Getriebe ein, die in einer auf der Drehbankspindel gekeilten Scheibe v drehbar lagern und am anderen Ende Schnecken a tragen, in welche natürlich kleine Schneckenrädchen b eingreifen. Diese lagern aber in einem um die Schneckenspindel schwingenden Arm c und tragen je eine Keilnuthrolle d, welche durch Blattfeder e gegen die Spindelachse zu gepresst wird.

Da nun zwischen beiden Keilnuthrollen d der Rohstab etwas klemmend durchgeführt ist, so wird bei einer gegensätzlichen Drehung dieser Rollen d derselbe eine axial gerichtete Bewegung nach vorn annehmen, die bis zur Auslösung des Speisewerkes bezieh. bis zum darauf erfolgenden Klemmschluss im vorderen Spannkopf r andauert.

Es scheint auch dieser Kopf (Fig. 8) verbesserungsbedürftig befunden worden zu sein, denn an einer zweiten Ausführung (Fig. 9) sind die Keilnuthrollen durch Flachrollen f, die Kreisung derselben durch Schneckenräder g ersetzt, welche durch Rechts- und Linksgangschnecken h von einem mittleren Schrägzahnrad l auf gemeinschaftlicher Spindelwelle k durch eine Aufsatzbüchse l betrieben werden, in dessen Rand die Schrägzähne, |143| in der Mantelfläche aber die Riffen für die Festlage durch den Schieber u1 vorgesehen sind.

Dieser ganze Speisemechanismus wird durch einen Deckel abgeschlossen, der Umfang dieses Gehäuses aber als Betriebsscheibe für die Schaltbewegung des Schlittens benutzt.

Der Betriebsriemen dazu wird auf eine, auf festem Bolzen kreisende Scheibe m (Fig. 2) geleitet, während der Steuerungsriemen von der angesetzten Stufenscheibe n auf jene o1 der Steuerspindel b (Fig. 1) geführt ist.

Textabbildung Bd. 283, S. 143
Zum Schluss sei nach Iron, 1890 Bd. 36 * S. 377, noch ein Fräsekopf erwähnt, dessen Einzelheiten aus dem Schaubild (Fig. 10) ohne weiteres verständlich sind.

Garvin's Schraubendrehbank.

Bei kleineren Schraubendrehbänken erscheint es vortheilhafter, die kurze Wange anstatt auf zwei seitlichen Füssen nur in der Mitte auf eine einzige hohle Standsäule zu stützen. Es soll dadurch nebst einer grösseren Standfestigkeit auch die Zugänglichkeit erweitert werden, Was namentlich dann erwünscht ist, wenn der Arbeiter Während der Arbeit auf einem Schemel sitzt oder reitet.

Textabbildung Bd. 283, S. 143
Von der Garvin Machine Comp. New York wird nach American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 34 * S. 4, die in Fig. 11 abgebildete Schraubendrehbank ausgeführt, welche mit selbstverdrehbarem Stichelsatz, Abstechsupport, sicher wirkendem Klemmschloss und Selbstvorschub des Drahtes ausgerüstet ist.

Sponholz-Wrede's Drehbank (Fig. 12).

Bemerkt zu werden verdient bei dieser Drehbank die reihenweise Anordnung der Arbeitsstähle in einem Gleitstück, welches mittels seines Unterschlittens gegen das mit der Spindel kreisende Werkstück geführt wird. Der durch eine Handradspindel geschaltete Tisch gleitet auf einem festen Winkel, welcher an den hohlen Standfuss angeschraubt ist.

Textabbildung Bd. 283, S. 143

Hulse's Schraubendrehbank (Fig. 13).

Abweichend von der üblichen Anordnung ist die Schraubendrehbank von Hulse und Comp. in Manchester ausgebildet. Nach The Engineer, 1889 Bd. 68 * S. 92, ist ein gewöhnlicher Spindelstock nach Drehbanksart mit Rädervorgelege auf einem Bettkasten aufgeschraubt, an dessen Winkelfortsatz die Schlittenbahn angebracht ist.

Textabbildung Bd. 283, S. 143
Der Schlitten selbst trägt auf seiner Querwange einen Drehsupport mit Prismaführung, auf welchem erst ein kleiner Schlitten mit dem drehverstellbaren Stichelkopf |144| gleitet, während in einem Lager an der Schlittenplatte ein Schneidkopf hebelartig schwingt.

Der Schlitten selbst erhält durch ein Zahnstangentriebwerk Handeinstellung bezieh. Selbsteuerung durch eine mittels Versatztriebwerke bethätigte Leitspindel.

Butterfield's Schraubendrehhank (Fig. 14).

F. und J. Butterfield in Keighley bauen eine kräftige und verhältnissmässig einfache Schraubendrehbank.

Textabbildung Bd. 283, S. 144
Die Spindelstocklager sind an der kurzen Wange angegossen, auf der hohlen Spindel ist nur eine vierläufige Stufenscheibe für den Antrieb vorgesehen, während ein stark übersetzendes Räderpaar den Betrieb der vierläufigen Stufenscheiben vermittelt, durch welche der Stahlhalterschlitten vermöge einer Leitspindel gesteuert wird. Die Rücklage des Schlittens wird bei ausgerückter Spindelmutter durch Handkreuz und Zahnstangengetrieb bewirkt. Zum Gewindschneiden wird nur der in der Ansicht stehende Schneidkopf am drehbaren Stichelhalter in Anwendung gebracht.

Brown-Sharpe's Drehbank (Fig. 15).

Besondere Eigenthümlichkeiten an dieser Drehbank für Schraubenherstellung sind in der Anordnung des Rädervorgeleges und in einer dementsprechenden Ausbildung des Spindelstockkörpers vorhanden. Ebenso ist ein Wechsel der Schaltbewegung, welcher ohne Verlegung des Riemens einfach durch Hebelbewegung erhalten wird, als neue Einrichtung an Schraubendrehbänken anzusehen.

Die nach American Machinist, 1891 Bd. 13 Nr. 17 * S. 11, in Fig. 15 dargestellte Schraubendrehbank von der Brown and Sharpe Manufacturing Company in Providence, R. I., zeigt besondere Erweiterungen am vorderen und hinteren Spindelstocklager, in welchen die durch Schutzhelme verdeckten Stirnräder liegen, die mit jenen an der unteren Vorgelegewelle angebrachten im Eingriff stehen.

Zwischen der Stufenscheibe und dem grossen Spindelrade, welches lose auf der Spindel geht, ist eine Kuppelungshülse eingeschaltet, die durch den vorderen Handhebel eingestellt wird. Dieselbe greift in die Stufenscheibe durch einen Reibungskegel und in das grosse Zahnrad vermöge einer Zahnkuppelung ein, so dass ein fortdauernder Eingriff mit den Rädern des Vorgeleges möglich bleibt. Mit der am hinteren freien Spindelende angebrachten vierläufigen Stufenscheibe wird die Steuerwelle für die Schaltung des oberen Hauptschlittens bethätigt. Soweit aus der Quelle zu entnehmen geht, wird eine Verdoppelung dieser Schaltbewegung für langsamen und raschen Schnittgang dadurch hervorgebracht, dass an der im Unterschlitten lagernden Querwelle lose zwei verschieden grosse Zahnstangengetriebe vorhanden sind, die ebenfalls in zwei Zahnstangen des Oberschlittens eingreifen, während ein zwischen den Getrieben auf der Querwelle vorgesehener Zahnkuppelungsmuff durch einen Hebel verstellbar ist.

Diese 810 k schwere Schraubendrehbank besitzt eine Spitzenhöhe von 172 mm über Wangenfläche und 80 mm Höhe über den Stahlhalterschlitten, hat eine Bettlänge von 1422 mm, einen Stahlhalterkopf von 241 mm Durchmesser mit sieben 32 mm starken Bohrungen, welche 245 mm Längsverschiebung und 813 mm grössten Abstand von dem Spindelkopf. Die grösste Werkstückslänge, welche ohne Verlegung des Unterschlittens gebohrt oder gefräst werden kann, beträgt 152 mm.

Die stählerne Drehbankspindel hat eine 40 mm weite durchgehende Bohrung, die Lagerköpfe 71 und 57 mm Durchmesser, die stählernen Lagerbüchsen hierzu 100 und 75 mm Länge. Angetrieben wird dieselbe durch eine dreiläufige Stufenscheibe von 152, 216 und 279 mm Durchmesser, während das Rädervorgelege (4,63 : 1) Uebersetzung besitzt.

Textabbildung Bd. 283, S. 144

Gisholt's Schraubendrehbank (Fig. 16).

An Eigenthümlichkeiten und Verbesserungen ist diese von der Gisholt Machine Comp. in Madison, Wisc., gebaute Schraubendrehbank reichlich versehen.

Spindellager, Wange und Auflage sind aus einem Stück gegossen, während zwischen Fuss und Obertheil eine Wanne eingeschlossen ist.

Nach American Machinist, 1891 Bd. 14 Nr. 45 * S. 1, besitzt die 406 mm breite Wange eine vordere Dachleiste |145| von 89 mm Breite und eine hintere Flachleiste. Die gussstählerne Spindel hat 89 mm Durchmesser im vorderen Spindelkopf und eine 46 mm weite durchgehende Bohrung. Zwischen Stufenscheibe und grossem Spindelrad ist eine doppelte Reibungskuppelung für unmittelbaren Geschwindigkeitswechsel vorgesehen, während ohne Unterbrechung des Ganges der 90 mm breite Antriebriemen durch eine zwangläufige Riemengabel von einer Stufe auf die anderen verlegt werden kann.

Textabbildung Bd. 283, S. 145
Der Stichelthurm dreht sich um eine Achse, die nach hinten zu etwas geneigt ist, eine Anordnung, die das Vorbeidrehen der Werkzeuge freier gestaltet. Bei jeder einzelnen Einstellung des Stichelkopfes wird gleichzeitig eine wagerecht liegende lange prismatische Walze gedreht, die ebenso viel Flächen besitzt, als der Stichelkopf Werkzeuge, und an welchen ebenso viel Anschlagstellschrauben vorhanden sind, welche bei der Verschiebung des Stichelkopfes zur Wirkung kommen. Die Anschlagklötzchen für diese Stellschrauben greifen in einen axialen Rundstab ein, welcher wieder auf einen Hebel wirkt und durch eine Hebelknagge zur Auslösung kommt.

Dadurch wird eine Bremse frei, welche sonst eine in Lagern rundlaufende 760 mm lange Rohrmutter mit dem Thurmschlitten verkuppelt.

Hört diese Verkuppelung plötzlich auf, so dreht sich diese Rohrmutter mit der kreisenden Leitspindel einfach in ihren Lagern, ohne irgend eine Verschiebung auf den Thurmschlitten auszuüben.

Auch der Schlitten mit dem Quersupport für die Abstechstähle zeigt in der Ansicht die Prismawalze mit den Anschlagschrauben für jeden einzelnen der vier Abstech- oder Formstähle, welche ihre Anstellung durch Handrädchen erhalten.

Drehbank der Britannia Company (Fig. 17).

Eine eigenthümliche Anordnung mit fliegender Stufenscheibe auf durchbrochener Hohlspindel ist nicht nur von der Britannia Company in Colchester, sondern auch von Smith und Coventry, sowie auch von Kendall und Gent, beide in Manchester, bei ihren Schraubendrehbänken angewendet worden.

Nach Iron, 1890 Bd. 35 * S. 27, wird das Vorderlager der stählernen Hohlspindel an das Hinterlager angeschoben und mit diesem verschraubt, hiermit aber die abgesetzte Spindel eingeschlossen. Durch diese Aussparung der Spindel wird das Vorschieben des Rohstabes mit der Hand und das Einführen von Kopf bolzen zum Gewindeschneiden ermöglicht, wobei ein Nasenhebel dieselbe währenddessen gegen eine unbeabsichtigte Drehung versichert.

Textabbildung Bd. 283, S. 145
Am Schlitten ist ein Querschlitten mit dem drehbaren Stichelkopf für fünf Werkzeuge und ein Lager für den schwingenden Schneidkopf angebracht. Gesteuert wird der Schlitten durch eine kurze Leitspindel, welche gerade bis zum Schlittenschild reicht und die von einem Stufenscheibenpaar bethätigt wird, die durch Vermittelung eines Zwischenriemens von der Spindel angetrieben werden.

|146|

Ein durch Handkurbel bethätigtes Zahnstangengetrieb dient zum Anstellen des Schlittens, während ein am Spindelstock vorgesehener Stellstift die Ausrückung der Leitspindelmuttern beim selbsthätigen Gewindeschneiden besorgt.

Textabbildung Bd. 283, S. 146
Wie bei allen Schraubenbänken sind auch bei dieser an den Standfüssen Winkelarme für das Tischbrett angegossen, während zur Aufnahme der Kühlflüssigkeit entweder die Wange kastenförmig ausgebildet oder eine Wanne zwischen den Standfüssen unter der Wange eingelegt ist. Erwähnt muss noch werden, dass neun kegelförmige Spannschlösser für die Spindel von ¼- bis 1 zölligen Rohstäben vorhanden sind.

Fetu-Defize's Schraubendrehhank (Fig. 18).

Viel Aehnliches in der Anlage zeigt diese vollkommene Schraubendrehbank mit der von Smith und Coventry gebauten (vgl. 1887 265 * 7), welche auch wie die vorbenannte in Paris ausgestellt war.

Auch hier ist die Spindel in drei Lagern geführt wobei das Vorderlager axiale Anstellung an den kegelförmig verlaufenden durchbrochenen vorderen Spindeltheil erhält.

Die Schaltung des Supportschlittens geschieht durch Versatzräderwerke und eine Steuerwelle bei eingerücktem Schneckenrade durch ein Zahnstangentriebwerk. Nicht ohne Vortheil sind die kastenförmigen Standfüsse für die Verstärkung der Wange, denn damit wird die Zugänglichkeit weit weniger beeinträchtigt als durch drei schmale Standfüsse in Rippenform. Diese 1,62 t schwere Bank ist für die Bearbeitung von 20 bis 50 mm starken Bolzen bestimmt.

Textabbildung Bd. 283, S. 146

G. Gage's Drehbank (Fig. 19).

Für die Bearbeitung von Rothgusstheilen sind Drehbänke mit drehbarem Stichelkopf vortheilhaft. Bei der von Gage Machine Works in Waterford, N. Y., gebauten Drehbank schwingt ausserdem der Spindelstock um einen lothrechten Bolzen (vgl. Sweet, 1889 274 * 337), so dass Schräglagen der Spindelachse gegen die Wangenkante möglich werden.

Zu diesem Behufe ist nach American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 45 * S. 7, auf die Wange eine Platte aufgeschraubt, auf welcher der Spindelstock glatte Auflage erhält. Entsprechende Befestigung findet der Spindelstock durch eine in einem Bogenschlitz spielende Schraube am Hinterlager und eine einfache Schraube am Vorderlager.

An diesem zweigt mittels Winkelräder ein stehendes Wellenstück ab, welches die Schwingungsachse des Spindelstockkörpers ist und von der mittels eines Kegelradwendetriebwerkes eine wagerechte Welle durch die Wange zum Betrieb des Versatzräderwerkes geführt ist. Weil aber diese wagerechte Steuerwelle genau die Umlaufszahl der Spindel macht, und weil ferner für die Einrückung zum Arbeitsgang bloss ein Zahn in der Kuppelung vorgesehen ist, so kann nach beendeter selbsthätiger Rücklage des Schneidstahlsupportes durch die Leitspindel auch wieder die genaue Einstellung des Gewindschneidstahles zum Schnitt vorgenommen werden, ohne erst eine Umkehrung der Hauptbewegung vornehmen zu müssen.

Textabbildung Bd. 283, S. 146
Es ist das beim Anschneiden verhältnissmässig kurzer Gewinde ein nicht zu unterschätzender Vortheil gegenüber der Umkehrung der Spindelbewegung.

Darling und Sellers' Drehbank.

Darling und Sellers in Keighley, Yorkshire, ertheilen dem Supportschlitten eine zweifache Schaltbewegung, indem zwischen Versatzräderwerk und Leitspindel eine kurze parallele Vorgelegewelle zwischengeschaltet wird, die vermöge zweier Radpaare mit den vorerwähnten Theilen in Verbindung steht (Fig. 20).

Da nun zwischen dem Antrieb- und dem Leitspindelrad eine Zahnkuppelungsmuffe eingeschaltet ist, die mittels |147| Längskeil auf dem Leitspindelfortsatz läuft, so ist die Aus- und Umschaltung verständlich, wenn diese Zahnkuppelung mittels Handhebel in Eingriff mit dem Antrieb- oder Leitspindelrade gebracht wird.

Dass die in die kurze Antrieb welle frei einsetzende Leitspindel vom rechten Wangenende eingeschoben wird, ist leicht erklärlich.

Devoll-Howl's Drehbank (Fig. 21).

Textabbildung Bd. 283, S. 147
Nach dem englischen Patent Nr. 13 785 vom Jahre 1884 hat diese Drehbank für Rothgusstheile weder Vorgelegeräder am Spindelstock, noch Versatzräder, sondern für den Betrieb der kurzen im Schlitten festgelegten Leitspindel nur drei Zwischenräder, mit welchen die Mutterhülse in Drehung versetzt und beim Eingriff der Leitspindel in dieselbe der Schlitten gesteuert wird. Für gewöhnliche Arbeiten mit dem drehbaren Stichelkopf wird der im Querschlitten geführte Oberschlitten gebraucht, für grössere Einstellungen aber der Unterschlitten mittels Zahnstangentrieb werk verlegt, nur beim Schneiden von Gewinde wird die selbsthätige Schaltwirkung durch die Schraubenleitspindel eingeleitet.

Pr.

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