Titel: Ueber Fabrikschornsteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283 (S. 267–272)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/ar283074

Ueber Fabrikschornsteine.

(Schluss des Berichtes S. 245 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Einige Mittheilungen über runde Dampfschornsteine aus radialen Formsteinen, die in Glaser's Annalen vom 1. April 1891 gebracht wurden, mögen hier Erwähnung |268| finden. Wenngleich sie, dem Anscheine nach, von etwas interessirter Seite ausgegangen sind, so ist denselben die innere Berechtigung doch nicht abzusprechen; und so mag denn nur erwähnt werden, dass gleiche Form und Güte auch bei anderen Firmen, als der erwähnten, zu finden sind. Der erwähnte Artikel lautet:

Die Erfahrungen, welche innerhalb der letzten Jahrzehnte bezüglich Kaminbauten im allgemeinen gesammelt wurden, stellen unbestreitbar fest, dass hierbei die Anwendung der radialen Façonsteine jeder anderen Bauart vorzuziehen ist und zwar aus folgenden Gründen:

Runde Kamine haben vor den viereckigen und achteckigen zunächst den wesentlichen Vorzug, dass sie dem Andränge des Sturmes besser widerstehen und dass die gleichmässige Aussenfläche die Verwitterung weniger zulässt; um so mehr ist dieses bei denjenigen runden Kaminen der Fall, welche aus Steinen erbaut wurden, von denen jeder für seine Lage zugeschnitten ist. Es folgt hieraus zunächst der Vortheil, dass die Mörtelfugen bedeutend enger werden und das Auswittern bezieh. Ausbrennen derselben kaum zu befürchten ist. Bei denjenigen Kaminen, welche aus gewöhnlichen Mauerziegeln errichtet werden, muss ein grosser Theil der Steine behauen werden. Es ist nun eine bekannte Thatsache, dass der Maurer sich dieser beschwerlichen Arbeit möglichst zu entziehen sucht, indem er die grösseren Zwischenräume durch Mörtel ausfüllt. Wiederholt ist es bei grösseren und sehr massiv gebauten Kaminen vorgekommen, dass dieselben baufällig wurden bezieh. umstürzten, weil an einzelnen Stellen das Bindematerial vollständig ausgebrannt war. Dieser Umstand tritt bei den Dampfschornsteinen der Firma Alphons Custodis in Düsseldorf niemals ein. Die Façonsteine haben eine durchaus regelmässige Lage, der Maurer hat kein Interesse, die Fugen gross zu machen, vielmehr werden dieselben durch die glatten Flächen der Custodis'schen Steine sehr eng. Ausserdem beträgt auch die Zahl der äusseren Fugen um das Dreifache weniger, da die Façonsteine grösser sind, als gewöhnliche Mauersteine.

Die Bedingungen, welche diese Façonsteine zu erfüllen haben, sind in vielen Fällen nicht genügend berücksichtigt worden, indem sie der Billigkeit wegen aus gewöhnlichem Ziegellehm anstatt aus reinem Thonmateriale verfertigt wurden. Der hieraus erwachsende Nachtheil zeigte sich namentlich in den Industriegegenden Westfalens in der Weise, dass sehr viele Kamine, welche zeitweise unbenutzt bleiben mussten, an der Wetterseite zu viel Feuchtigkeit anzogen und sich in Folge dessen der entgegengesetzten Seite zuneigten.

Die gewöhnlichen Lehmziegel sind mit Sand und Handstrich geformt, und sowohl die an sich poröse Masse wie auch die rauhe Aussenfläche der Steine gestatten in erheblichem Maasse das Eindringen der Feuchtigkeit. Werden die Façonsteine aus reinem, durchaus consistentem Thonmateriale verfertigt und mit einem geringen Wassergehalte gepresst, so wird eine glatte Oberfläche erzielt, welche den Regen mehr abfliessen lässt, abgesehen davon, dass auch die Masse der Steine weit weniger porös ist. Ausgehend von dem Grundsatze, dass beim Kaminbau nur die vorzüglichsten Materialien zulässig sind, stellte sich Custodis die Aufgabe, nur Bauten aus solchen Steinen zu errichten, deren Material durchaus rein und frei von groben, durch die Hitze sprengbaren Kieseln ist, und welche durch genauen Zuschnitt und glatte Aussenflächen einen durchaus tadellosen Bau gestatten.

Die Steine, welche Custodis verwendet, sind durch die Lagerflächen gelocht. Durch diese Eigenschaft wird einestheils das zu schnelle Erwärmen und Erkalten der Schornsteinröhre verhindert, anderentheils drücken sich die Steine fester in den Mörtel ein und durch die Masse der eindringenden Mörtelzapfen wird die Haltbarkeit im seitlichen Verband eine derartige, wie sie besser nicht durch eiserne Verankerung erzielt werden kann. Vor Allem aber wird durch die Lochung der Formsteine und das vorzügliche Material, woraus dieselben gefertigt sind, die Standfestigkeit der Kaminsäule in ganz ausserordentlicher Weise erhöht.

Wenn der Sturm gegen eine Kaminsäule andringt, so gibt es zwei Momente, welche vereint der biegenden Kraft desselben Widerstand leisten müssen. Erstens muss das angewandte Material eine genügende Druckfestigkeit besitzen, um dem gewaltigen Drucke zu widerstehen, der sich in diesem Falle nach einer Seite concentrirt, zweitens muss an der anderen Seite das angewandte Mörtelmaterial unbedingt anhaften. Diese letztere Bedingung ist die wesentlichste, weil die Möglichkeit des allzustarken Druckes auf der einen Seite um so geringer wird, je besser auf der anderen Seite der Mörtel anhaftet. Custodis hat durch die königl. Prüfungsstation für Baumaterialien in Berlin vergleichende Proben zwischen gelochten und ungelochten Kaminsteinen anstellen lassen, deren Ergebnisse nachstehend vorgeführt werden:

Die Prüfung von zehn Stück Formsteinen ohne Lochung für runde Kamine, 27,5 cm lang, 8,6 cm dick, 12 bezieh. 18,5 cm breit, aus den vereinigten Thonwerken zu Ratingen und Satzvey, welche auf Druckfestigkeit gegen 418,37 qc Fläche geprüft wurden, ergab als Durchschnittsresultate für den Eintritt der Risse 2650,3 : 10 = 265 k für 1 qc; für die Zerstörung 3499,0 : 10 = 350 k für 1 qc; für das Gewicht der Steine 71,120 : 10 = 7,112 k.

Bei der Prüfung von Formsteinen ohne Lochung für runde Kamine auf das Adhäsionsvermögen des Mörtels betrug die Fugenfläche 200 qc, die Mörtelfuge war 28 Tage alt. Die Zerstörung der Fugen erfolgte im Mittel aus fünf Versuchen bei 1,534 k Zugbeanspruchung auf 1 qc.

Zehn Stück Formsteine mit senkrechter – 12 – Lochung für runde Kamine aus den vereinigten Thonwerken zu Ratingen und Satzvey mit den nebenstehenden Centimeterabmessungen wurden auf Druckfestigkeit gegen 398,25 qc Fläche geprüft. Die Durchschnittsresultate betragen: für den Eintritt der Risse 2609,1 : 10 = 261 k auf 1 qc; für die Zerstörung 3535,9 : 10 = 354 k auf 1 qc; für das Gewicht der Steine 57,530 : 10 = 5,753 k.

Bei der Prüfung von Formsteinen mit senkrechter – 12 – Lochung für runde Kamine auf das Adhäsionsvermögen des Mörtels betrug die Fugenfläche 200 qc; die Mörtelfuge war 28 Tage alt.

Die Zerstörung der Fuge erfolgte im Mittel aus fünf Versuchen bei 4,333 k Zugbeanspruchung auf 1 qc.

Hieraus ergibt sich Folgendes:

1) Das Material der vereinigten Thonwerke zu Ratingen und Satzvey besitzt die ausserordentliche Druckfestigkeit von 350 k auf 1 qc bei ungelochten Steinen.

2) Bei gelochten Steinen ist die Druckfestigkeit sogar noch etwas grösser als bei ungelochten, nämlich 354 k |269| auf 1 qc, obschon der Querschnitt der Löcher mit als Fläche eingemessen ist.

3) Die Adhäsion im Cementmörtel betrug bei nicht gelochten Steinen 1,53 k/qc, während dieselbe beigelochten Steinen 4,33 k betrug, also beinahe das Dreifache.

Aus diesen einfachen und deutlichen Zahlen dürfte mit Leichtigkeit zu ersehen sein, von wie grosser Bedeutung die gelochten Formsteine für den Kaminbau sind. –

Ueber den 140 m hohen Halsbrückener Schornstein haben wir 1890 275 382 kurz berichtet, nähere Mittheilungen entnehmen wir der Oesterreichischen Zeitschrift vom Jahre 1891. Ende October 1889 wurde der Bau der Esse der Halsbrückener Hütte beendet. Die Inbetriebsetzung der neuen Anlage erfolgte Ende April 1890. Ueber die Erbauung der Esse, welche 5 m höher ausgeführt wurde, als geplant war, hat Hüttenbaumeister O. Hüppner, welcher den Plan zu diesem seltenen Bauwerke lieferte, im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, 1890, einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, in welchem auch einige beachtenswerthe Betrachtungen über Schwingungen hoher Bauobjecte mitgetheilt werden.

Die hohe Esse der Halsbrückener Hütte hat den Zweck, die schädlichen Gase, insbesondere der Rost- und Hochöfen, so hoch in die Luft zu leiten, dass sie die Umgegend nicht belästigen. Auf Grund anderorts gemachter Erfahrungen wurde die Esse so hoch gebaut, dass der Austritt der Essengase gegen 100 m über den Nachbarhöhen erfolge. Der Aufstellungspunkt wurde mit Rücksicht auf die Baukosten der Esse und des Zuleitungskanals an einem Bergabhange des Muldethales gewählt, und liegt an 12 m tiefer als der Gipfel des Berges, welcher als Aufstellungspunkt einen um 450 m längeren Zuleitungskanal erfordert hätte. Unter diesen Verhältnissen hat sich die Höhe der Esse mit 140 m über dem Terrain ergeben. Ihre obere Mündung liegt 200 m über der Hüttensohle.

Die im Querschnitte kreisrunde Esse wurde nach den folgenden Maassen ausgeführt:

Gesammthöhe 140 m
Höhe des Sockels 9 m
Lichter Durchmesser an der oberen
Mündung

2,5 m
Lichter Durchmesser an der Basis des
Schaftes

5,25 m
Wandstärke an der Mündung 0,25 m
„ „ „ Basis des Schaftes 1,50 m
Mittlere (durchschnittliche) Wandstärke
des Schaftes

0,837 m
Haftfläche an der Basis des Schaftes. 31,8 qm
Aeusserer Anlauf 1/50
Basisbreite des quadratischen, nach oben
verjüngten Sockels

10 m
Basisbreite des 3,1 m hohen Fundament-
pfeilers

12 m

Für die definitive Bestimmung der Wandstärken der Esse wurden folgende Annahmen gemacht:

Winddruck =150 k/qm auf die volle Projectionsfläche des Schaftes zur Hälfte wirksam;

Stabilitätscoefficient = 4,31);

Gewicht des fertigen Mauerwerkes = 2000 k/cbm.

Unter diesen Voraussetzungen ergeben sich bei der ausgeführten Esse die grössten Pressungen bei 150 k/qm Winddruck:

im Schaft und Sockel 17 k/qc
im Fundament 9 „
auf den Grund (Felsen) 5,1 „

Die durch ruhende Last herbeigeführten grössten Pressungen betragen:

an der Basis des Schaftes 11,3 k
Sockels gegen 6 k
auf den Grund 3,8 k

Damit an der Basis des Schaftes die grösste Pressung unter Berücksichtigung des Winddruckes 17 k/qc nicht überschreite, war es nöthig, die Wandstärken des Schaftes von 94,3 m unter der Mündung angefangen grösser zu nehmen, als es die blossen Rücksichten auf Standfestigkeit erheischen.

Der 131 m hohe Schaft wurde in 26 Absätzen ausgeführt, bei welchen die Mauerstärke immer um 5 cm zunimmt. Von der Mündung der Esse an reihen sich die ungleich hohen Absätze, mit 25 cm Wanddicke beginnend, wie folgt:

7 Absätze mit je 4 m Höhe
3 „ „ 4,3 m
1 Absatz mit 8,3 m
2 Absätze mit je 12,6 m
1 Absatz mit 18,5 m
1 3,5 m
11 Absätze mit je 3,1 m

Die aussergewöhnlich hohe Bewerthung des Gewichtes des Mauerwerkes (2000 k/cbm) für die Stabilitätsberechnung entspricht vollkommen den thatsächlichen Verhältnissen des verwendeten ausgezeichneten Baumaterials. Dasselbe besteht ausschliesslich aus gepressten, hartgebrannten gelben Thonziegeln der Ziegelei Ilse bei Senftenberg. Das specifische Gewicht beträgt im Mittel 2,05, die Druckfestigkeit weit über 400 k/qc, Gewichtszunahme im Wasser 4,8 Proc., im Säurebad 4,5 Proc. Bei einem so vorzüglichen Materiale erscheint auch die etwas knappe Bemessung der Wanddicke des obersten Absatzes, nämlich 25 cm (nach dem Muster des Mechernicher 135 m hohen Schornsteines), wohl zulässig.

Die Zusammensetzung des vorgeschlagenen Normalbaumörtels war: 1 (Raum-) Th. Cement, 9 Th. böhmischer hydraulischer Kalk und 20 Th. Dresdener Bausand. Für die oberen 90 m des Schaftes wurde wegen Beschleunigung des Baues der Cementzusatz verdoppelt, und bei Herstellung des Essenkopfes wurden 4 Th. Cement verwendet. Die gesammte Aussenfläche der Esse wurde mit einem Mörtel aus 1 Th. Cement und 1 Th. Sand ausgefugt.

Um das Eintreten der Essengase in das Mauerwerk zu verhüten, wurden bei allen Innenziegeln die Ansichtsflächen getheert und die Fugen mit Theermörtel ausgestrichen. Das Theeren wurde auf der Ziegelhütte gleich nach dem Brande ausgeführt, wobei die Ziegel mit ihren Köpfen 4 Stunden lang in kochendem Theer standen. Zum Ausfugen des Innenmantels wurde eine Masse aus 4 Th. Dresdener Sand und 1 Th. Kieselguhr, welche in Theer gekocht wurden, verwendet. Die Masse wurde warm verstrichen.

Zum Schütze gegen das Aufreissen des Mauerwerkes wurde der ganze Schaft mit viertheiligen, eisernen Ringen (70 × 12 mm im Querschnitte) armirt. Der gegenseitige Abstand der Ringe wurde gleich ⅔ des jeweiligen Schaftdurchmessers |270| genommen, so dass zweckentsprechender Weise die Ringe oben dichter an einander liegen als unten.

Sehr zweckmässig wurde auch die Bekrönung des Essenkopfes ausgeführt. Dieselbe besteht aus 16 im Querschnitte U-förmigen Segmentgusstücken, welche den Mauerrand beiderseits umfassen. Die Stossränder der Segmente sind mit vorstehenden Leisten versehen, über welche besondere, die Stossfugen einhüllende, gusseiserne Kappen aufgesetzt sind. Dadurch wurde erreicht, dass sich die einzelnen Krönungstheile unabhängig von dem Mauerwerke ausdehnen und zusammenziehen können.

Steigeisen wurden sowohl innen, als auch aussen angebracht. Die inneren sind doppelt, und zwar diametral gegenüberliegend angeordnet. Sie dienten während des Baues zum Pesthalten der Tragsäulen des oberen Scheibengerüstes. Um die äusseren Steigeisen sind in Entfernungen von 54 cm noch besondere Schutzbügel eingemauert, welche dem Aufsteigenden zum Schütze und als Rückenstütze beim Ausruhen dienen. Links und rechts von den äusseren Steigeisen sind innerhalb der Schutzbügel zwei 10 mm starke kupferne Blitzableiterleitungen geführt, von welchen jede ihre eigene, ebenfalls kupferne Erdplatte von 2 qm Grösse besitzt. Letztere sind 90 m weit von der Esse eingebettet, und zwar die eine in stets feuchtem Grunde, die andere in einer Cisterne, in welche regelmässig Abflusswasser zufliesst. Oben sind beide Leitungen mittels eines schmiedeeisernen Ringes mit den sämmtlichen Krönungstheilen, und die eine derselben mit sämmtlichen Armirungsringen solid leitend verbunden.

Die Durchführung des Baues wurde im Offertwege an H. R. Heinicke in Chemnitz vergeben, und es wurde am 25. September 1888 mit der Ausmauerung des Fundamentkörpers begonnen. Die Bausohle wurde in festem Gneissfels ausgeschlagen. Zur Ausgleichung derselben wurde eine 10 cm dicke Betonschicht aufgetragen, auf welcher das Fundamentmauerwerk aus Ziegeln aufgebaut wurde. In 52 Tagen war der Fundamentpfeiler und die Hälfte des Sockels fertig, wobei 650 cbm Mauerwerk ausgeführt wurden. Zur Beförderung raschen Austrocknens des Mauerwerkes wurde die Baugrube künstlich entwässert. Im nächsten Frühjahre wurde erst im April der Weiterbau wieder in Angriff genommen, und es wurde am 4. Mai mit dem Aufbau des Schaftes, und zwar ohne äusseres Gerüst, begonnen. Zum Hinaufschaffen der Baumaterialien wurde Ende Mai ein Aufzugsapparat aufgestellt, zu dessen Betriebe eine Locomobile diente. Beim Baue des Schaftes waren anfänglich acht, dann sechs und zuletzt nur vier Maurer beschäftigt. Bei günstiger Witterung wurde auch in den Nächten bei elektrischer Beleuchtung gearbeitet. Trotz öfterer Unterbrechungen durch Regen und Stürme wurde schon am 28. October desselben Jahres die Bekrönung aufgesetzt, mit welcher Arbeit der eigentliche Aufbau der Esse beendet war.

Für den Essenbau wurden mit Ausschluss der Metalltheile, welche 15260 k ausmachten, 540 Waggonladungen zu 10000 k an Baumaterialien angeliefert. Die Gesammtkosten der Esse betragen 130000 M.

Ueber einen weiteren Riesenschornstein für die Elektricitätswerke der Narragansett Electric Lighting Co., der vor kurzer Zeit vollendet wurde, berichtet der Gastechniker nach dem Scientific American vom 31. October 1891. Seine Höhe im Mauerwerke beträgt 253' und 9''. Das Fundament besteht aus einem pilotirten Rost und misst 44' im Quadrat. Der Fundirungsblock, aus Concret hergestellt, erhielt eine Höhe von 6' 9'' und war während des Winters 1888 auf 1889 dem Ausfrieren ausgesetzt. Im Mai 1889 begann die Aufmauerung des Sockels von 36' Seitenlänge. Beim Aufbaue wurde je in 20' Höhe des Schaftes die Achse des Schornsteines verificirt bezieh. hergestellt. Die auf dem Sockel ruhende Basis von 28' 6'' Seitenlänge besteht aus dreifacher Mauer, und zwar einer äusseren quadratischen Mauer von 28'' Stärke, einer mittleren achteckigen Mauer von 12' und der Schaftmauer von kreisförmigem Querschnitt von 16'' Stärke. Der lichte Durchmesser beträgt 14' und erhält der Schaft bis zu einer Höhe von 78' 2''. 16'' Stärke, von diesem Niveau bis zu einer Höhe von 193' 2'' wurde diese Stärke auf 12'' gebracht und bis zum weiteren Niveau von 249' 9'' auf 8'' gehalten. Die den Sockel bildende Aussenmauer wurde bis zur Höhe von 38' 2'' aufgeführt und dann die Sockelbekrönung angebracht beim Uebergange zum achteckigen Querschnitt des Aussenschaftes.

Der ganze Schornstein wurde ohne äussere Gerüstung ausgeführt. Seit April 1890 wurde Tag und Nacht gearbeitet bis zum Beginne der Herstellung des Schornsteinabscblusses. Im Februar 1891 wurde die 22000 Pfund schwere Gusseisenkappe aufgesetzt.

Für den Schaft der Esse wurden verwendet: 1332921 Ziegel, 695 Fass Kalk, 1025 Fass Cement, 17 Fass Portland, 3858 Fass Sand, 22000 Pfund Gusseisen, 7215 Pfund anderes Eisen, 250 Pfund Kupferbolzen und für den Blitzableiter 326 Pfund.

In Chicago wird nach Iron vom 11. September 1891 zur Zeit ein stählerner Schornstein von etwa 76 m Höhe und 2,87 m äusserem Durchmesser ausgeführt. Die verwendeten Stahlplatten haben zwischen ⅜ und 5/22 Zoll engl. Stärke. Der untere, 22,8 m hohe Theil wird inwendig mit feuerfesten Steinen in 204 mm Stärke verkleidet, der darüber liegende Theil mit Hohlziegeln. Diese Verkleidung wird in Höhenabständen von 7,6 m durch an die Stahlplatten genietete Winkeleisen getragen. Das Fundament besteht aus einer Cementschicht, auf welcher zwei Lagen von in Cement gebetteten Eisenbahnschienen ruhen, dann kommt eine Lage von I-Eisen; auf dieser liegen die gusseisernen Schuhe, die den Schornsteinkörper tragen. Der Schornstein ist für eine aus zwölf Kesseln von 1,53 m Durchmesser und 6,10 m Länge bestehende Feuerungsanlage bestimmt. Mögen die Essen noch so sorgfältig gebaut sein, so erleiden sie doch häufig grössere oder geringere Beschädigungen, die der Nachhilfe bedürfen. Entweder zeigen die Schornsteine Risse, oder sie biegen oder senken sich. Die Nacharbeiten erfordern grosse Vorsicht und Umsicht, und es ist in Folge dessen zu empfehlen, dergleichen Arbeiten an Unternehmer zu übertragen, die auf derartige Arbeiten besonders eingerichtet sind. Ueber diese Arbeiten äussert sich die Berg- und Hüttenmännische Zeitung an der angeführten Stelle:

Reparaturen im Innern führt man aus, wenn die Esse ausser Thätigkeit kommen kann; die äusseren sind des nothwendigen Gerüstes wegen schwierig. Das Gerüst Broussas' gestattet äussere Reparaturen bei vollem Betriebe; es besteht aus einer Leitung und beweglichen Stücken, die man mittels Schraubenwinden handhabt. Das Gerüst von Brown und Porter hingegen beruht auf dem |271| Anhaften durch Reibung von vier wagerechten Stücken an den Ziegeln, welche man durch Schrauben bewirkt. Hier fehlen Leitung und Sicherheitsapparate.

Auf deutschen Werken verfährt man bei äusseren Reparaturen summarischer und verwegener. Man bringt der Esse entlang einfach Leitern an, die mit einander verbunden sind und von in der Esse eingemauerten Klammern getragen werden. Die Leitern werden gelegt, je nachdem man emporsteigt.

Das Geraderichten einer Esse zu Binglen, welche sich im Grunde gesenkt hatte, erfolgte dadurch, dass man in dem Sockelgrunde eine Bresche von drei Ziegellagen herstellte und die Masse mittels Schraubenwinden unterstützte. Blind benutzt das folgende Verfahren: Im Esseninneren sägt er an der Stelle, wo die Neigung beginnt, die Stärke der ersten Ziegelfuge bis auf ⅔ des Durchmessers heraus und fährt so bei jeder Schicht fort oder auch in verschiedenen Höhen, je nach der Biegung der Esse.

In Salem (Massachusetts) wurde eine 27 m hohe und 130 t schwere Esse von einer Stelle an eine andere transportirt. Rund um den Sockel construirte man ein Gerüst aus wagerechten Bohlen und Streben bis auf 7 m Höhe; in das Ziegelmauerwerk stiess man Löcher, brachte Bohlen hinein und unter diese 24 Schraubenwinden. So konnte man die Essenmauer mit dem Gerüste hoch genug heben, um darunter einen Boden mit Rollen herzustellen; ohne Hinderniss gelang es, die in Bewegung gebrachte Masse auf den neuen Grund zu stellen. Dieses Verfahren ist aber weniger praktisch, als eigenthümlich.

Der Ingenieur Cordier hat, wie nach den Comptes rendus de la Société de l'Industrie minérale die Deutsche Bauzeitung vom 6. October 1888 berichtet, eine Einrichtung beschrieben, welche zur Wiederherstellung eines 67 m hohen Schornsteines gedient hat. Diese Einrichtung ermöglicht Schornsteinausbesserungen aller Art, ohne dass dabei eine Betriebsstörung stattfindet. Sie besteht, wie Fig. 2 bis 4 zeigen, aus einer Führung, welche von den Endpunkten eines Durchmessers ausgeht, einem Gerüste, welches längs dieser Führungen bewegt werden kann, und einem Erahne, um Arbeiter und Baustoffe zu fördern.

Die Führungen bestehen aus 160 × 70 mm starken Fichtenbalken a, welche senkrecht an den Schornstein gestellt werden. In dieselben sind U-Eisen eingelassen, welche eine Nuth bilden und mittels Bolzen mit versenkten Köpfen befestigt sind. An einer Seite sind die Balken in Abständen von 0,4 m mit 3 cm tiefen Einkerbungen versehen. Die unterste Führung wird am Fusse mit Bolzen an einem, in dem Schornsteine oberhalb des Sockels eingemauerten Eisen b befestigt; die anderen Führungen werden auf jede 3 m durch Ketten c befestigt, welche einerseits von der Führung und andererseits von kleinen, eingemauerten Platten gehalten werden. In dem Maasse, als man höher steigt, werden die Führungen zu gleicher Zeit an beiden Seiten des Schornsteines aufgestellt.

Das bewegliche Gerüst besteht aus vier wagerechten Rahmstücken d, welche je zwei und zwei symmetrisch zu beiden Seiten des Schornsteines angeordnet sind und mittels vier Schrauben f auf und nieder bewegt werden und auch zugleich den Krahn aufnehmen. Die einzelnen Rahmstücke bestehen aus Hölzern, die von einem I-Eisen und einem Flacheisen eingefasst sind. Die dem Schornsteine zugekehrte Seite ist mit einem Einschnitte versehen, welcher die Führung umfasst. Eine viereckige Stange, 0,40 m lang, welche sich in der Führung bewegt und ausserdem eine Sperrklinke, welche in die seitwärts liegenden Einkerbungen eingreift, bilden das Gegengewicht. An dem Gerüste sind eiserne Augen angebracht, welche zur Aufnahme und zur Befestigung des Krahnes e dienen. Jedes Paar wagerechter Rahmstücke ist von einander durch Schrauben getrennt, welche unten und oben an den Rahmstücken befestigt sind. Eiserne Consolen gestatten das Legen eines durchgehenden hölzernen Fussbodens, wie auch das Anbringen eines Geländers zum Schütze der Arbeiter.

Die Handhabung des Gerüstes ist sehr einfach: Die Sperr klinken, welche in die Einkerbungen der Führungen greifen, verhindern eine Bewegung abwärts, gestatten dagegen eine Bewegung aufwärts.Setzt man nun die Schrauben f in Bewegung, so steigt das obere Rahmstück, während das untere in seiner Lage verbleibt; eine Drehung der Schrauben in entgegengesetzter Richtung hat ein Steigen des unteren Rahmstückes zur Folge, während das obere seine Lage behält; auf solche Weise kann man jedesmal den Rahmen um 0,40 m in die Höhe bringen.

Textabbildung Bd. 283, S. 271
Der Krahn e (Ausleger) folgt dem Gerüste in dessen Bewegungen. Er besteht aus einem eisernen Rohr und ist in eisernen, an zwei Punkten mit dem Rahmen verbundenen Augen nach allen Richtungen hin drehbar. Das Tau mit einem daran befestigten Kübel wird durch eine unten stehende Winde in Bewegung gesetzt. Unten an dem Rohre sind zwei Reibrollen angebracht; zwischen welchen das Tau läuft. –

Die Schornsteine sind, als hoch in die Lüfte ragende Gegenstände, vom Blitzschlage sehr gefährdet. Da das meist trockene Mauerwerk die Elektricität schlecht leitet, so ist der von einem Blitzschlage angerichtete Schaden meist sehr bedeutend. Ein Blitzschlag, welcher in Berlin einen sich etwa 30 m über das Fabrikgebäude erhebenden |272| Schornstein getroffen hat, hat denselben schräg aus einander geschnitten, so dass der obere Theil von etwa 15 m Länge zusammenstürzte. Die furchtbare Last – der Schornstein hatte einen Durchmesser von 1,5 m – fiel auf das Dach des Fabrikgebäudes, welches gleichzeitig die Decke der oberen Säle desselben bildet, schlug dasselbe durch und warf Schutt, Steine und Balken in die Fabrikräume. Durch den gewaltigen Luftdruck wurden Arbeiter zu Boden geschleudert und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert.

Man sollte deshalb stets an den Schornsteinen einen Blitzableiter vorsehen, um so mehr, als die Anlage eines solchen, wenn sie beim Bau schon berücksichtigt wird, wenig Kosten verursacht und der Blitzableiter wegen seiner Höhe nebenbei einen grossen Umkreis schützen wird.

|269|

Für eine 140 m hohe Esse liefert die in der Abhandlung „Berechnung der Festigkeitsdimensionen von gemauerten Fabriksschornsteinen“ (Oesterreichische Zeitschrift, Jahrg. 36) aufgestellte empirische Formel zur Berechnung des Stabilitätscoefficienten:

welches Ergebniss mit der obigen Annahme nahezu vollkommen übereinstimmt. Auch die obige Annahme über den Winddruck stimmt mit der dort gemachten ganz überein.

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