Titel: Die Selbstreinigung der Flüsse
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 2 (S. 115–116)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi05_2

Die Selbstreinigung der Flüsse

führt Professor v. Pettenkofer in einem jüngst erschienenen Aufsatz „Zur Schwemmkanalisation in München“ (12. Heft der Münchener medicinischen Abhandlungen) vorwiegend auf die Einwirkungen des Pflanzenlebens in den Flüssen zurück, während als Ursachen derselben bisher die Ablagerung der Sinkstoffe und die Oxydation der organischen Bestandtheile durch den Sauerstoff des Wassers galten. Nach Beobachtungen des Botanikers v. Nägeli vermögen nämlich die im Flusse befindlichen Algen, Diatomeen u.s.w. abgeschwemmte organische Stoffe als Nahrung aufzunehmen und damit dem Wasserlaufe zu entziehen; auch die in jedem, selbst dem reinsten Wasser |116| vorkommenden Wasserbakterien sind bei der Reinigung des Flusses in der Weise betheiligt, dass sie die schwimmenden schädlichen Bakterien vernichten. Als Bedingung hierfür gilt nur, dass eine gewisse Verdünnung der abgeschwemmten organischen Stoffe im Flusse stattfinden muss, da in einer zu starken Nährlösung die Algen nicht mehr gedeihen. Die selbstreinigende Kraft eines Flusses muss hiernach in dem Maasse abnehmen, als. der Bestand an Pflanzen in den Flüssen vermindert oder zerstört wird. Dies findet besonders bei Zuführung von ätzenden und giftigen Abfällen aus Fabriken statt, welche ein Absterben des Pflanzenlebens im Flusse verursachen kann. Umfangreiche zusammenhängende organische Stoffe sind die Algen nicht im Stande als Nahrung aufzunehmen. Es empfiehlt sich deshalb, die Einführung derartiger Stoffe in den Fluss durch Anbringung von Gittern an den Einmündungsstellen von Abzugskanälen zu verhüten.

Aus den bisherigen Betrachtungen ergibt sich, dass die Einführung nicht geklärter Abwässer in einen Wasserlauf in den Fällen stets bedenklich erscheint, wo der letztere nur eine geringe Geschwindigkeit besitzt und in Folge dessen die erforderliche Verdünnung der abgeschwemmten organischen Stoffe für die Aufnahme derselben durch die Flusspflanzen nicht bewirken kann, oder wo durch Einführung schädlicher Fabrikabgänge das Pflanzenleben bereits vermindert und damit zugleich die Selbstreinigungskraft des Flusses beeinträchtigt ist. (Durch Centralblatt der Baurerwaltung Nr. 481891.)

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