Titel: Gewinnung des Olivenöles in Südfrankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 3 (S. 162–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi07_3

Gewinnung des Olivenöles in Südfrankreich.

Die Gewinnung des Olivenöles beginnt in Südfrankreich im November und dauert bis Ende Mai. Je nachdem man das Oel aus gefallenen, unreifen oder reifen Früchten erhält, unterscheidet man verschiedene Handelsmarken; so wird aus unreifen, gefallenen, durch Insecten beschädigten Oliven ein Oel gewonnen, das, zum Genüsse unbrauchbar, als Schmieröl Verwendung findet. Die gegen Ende December geernteten Früchte liefern schon ein geniessbares Oel, wenn auch von geringer Güte; hierher gehört auch das im Januar aus geschüttelten Früchten erhaltene, das im Handel die Bezeichnung „fine“ oder „Surfine Courante“ führt. Das wirklich feine Oel, die Marke „Extra“, wird nur aus völlig reifen und gebrochenen Oliven gepresst. Dies geschieht gewöhnlich im März bis Ende Mai. Die überreifen Früchte, welche ausnahmsweise bei reichlichen Ernten erhalten werden, liefern die „Nachlese“, „Arrière Saison“, wie es dort genannt wird, ein Oel, das dem „Extra“ an Güte nachsteht.

Die Gewinnung des Oel es geschieht auf ziemlich einfache Weise: die Oliven werden mittels Rollsteinen zu einem gleichmassigen Brei zerquetscht. Der erhaltene Brei wird in besonders dazu gefertigte Presskörbe gebracht und anfangs einem nur sehr massigen Drucke ausgesetzt. Das hierbei (freiwillig) ablaufende Oel ist das beste und wird für sich aufgefangen; nach der Filtration ist es völlig klar, von schöner lichtgelber Farbe und angenehmem mildem Geschmack. Bei Anwendung eines stärkeren Druckes fliesst eine weitere Menge Oel ab, das zwar klar und gelb erhalten werden kann, aber doch schon merklich an Reinheit des Geschmackes verloren hat. Der Rest des Oeles wird schliesslich durch sehr starkes Pressen gewonnen. Dasselbe ist meist trübe, von dunkelgrüner Farbe und zum Genuss untauglich; es findet in der Technik und Pharmacie Anwendung. Um ein höchst feines Oel zu erzielen, ist es unbedingt nöthig, dass die Oliven völlig reif, aber nicht überreif sind, und nicht zu lange gelagert haben; dass das Oel möglichst freiwillig ablaufe und nur ganz geringer Druck beim Pressen ausgeübt wird.

Das erhaltene Oel wird nach wiederholter Filtration durch Watte in grossen Cisternen oder „Untergrund-Tanks“, dort „piles“ genannt, aufbewahrt.

Auf die Güte des Oeles ist ferner die Art der Versendung von Einfluss. Dieselbe geschieht am zweckmässigsten in innen glasirten Thonkrügen; meistens jedoch findet die Versendung in Fässern statt. Metallene Gefässe sind zu vermeiden, weil der Geschmack des Oeles dadurch verschlechtert wird. Letzterer leidet überhaupt sehr leicht Noth. Man muss deshalb einem feinen Oel eine sorgfältige Behandlung bei der Aufbewahrung zu Theil werden lassen. Rascher Temperaturwechsel ist zu vermeiden: etwa durch Kälte fest gewordenes Oel muss langsam verflüssigt werden.

Beim Ankauf des Oeles ist es rathsam, denselben nicht zu früh abzuschliessen, da die Ernte der Oliven sowie die Qualität und Quantität des betreffenden Oeles höchst unsicher voraus zu bestimmen ist. In normalen Jahren stehen folgende Handelssorten |163| zu Gebote und werden exportirt: Anfang Januar „fines“ und „Mi-fines“; Mitte Januar bis Februar: „Superfines Courantes“; Ende Februar: „Superfines Courantes“; im März: „Extra“ und endlich das beste Oel im April: „vièrge“ (Jungfernöl). (Nach Wiener Drog. Ztg. durch Seifenfabrikant, 1891 Bd. 11 S. 638.)

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