Titel: Ueber die Acidität verschiedener Fett- und Schmierstoffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 4 (S. 163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi07_4

Ueber die Acidität verschiedener Fett- und Schmierstoffe.

Gelegentlich der Untersuchung zahlreicher Schmier- und Fettmaterialien bestimmte R. Kissling bei einer Anzahl dieser Oele und Fette auch den Gehalt an freien Fettsäuren. Diese Bestimmung wurde in der Weise vorgenommen, dass bei Mineralölen je 10 g, bei Fettstoffen je 5 g in 50 cc Aether gelöst und mit einer verdünnten alkoholischen Natronlösung, welche in 1 l eine 5 g Schwefelsäuremonohydrat (H2SO1) entsprechende Natronmenge enthielt, titrirt wurden. Die hierbei erhaltenen Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle verzeichnet:



Nr.


Bezeichnung der Fett- und
Schmierstoffe

Preis
für
100 k
M.
Gehalt an orga-
nischen Säuren,
procentisch be-
rechnet als
Schwefelsäure-
monohydrat
I. Reine Mineralöle.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Filtrirte sogen. helle Cy-
linderöle amerik. Herkunft
Valve Oil
dto.
dto.
F. F. Cylinderoil
Extra filt. Cylinderoil
Valvolin-Cylinderoil
Extra filtr. Cylinderoil
Kosmos dto
Filtr. Cylinderoil C
Economic steam rel. Cylinderoil
Filtr. Cylinderoil A
Ajax Cylinderoil
39
36
36
46
25
140
30
20
19
22
22
20
0,007
0,007
0,005
0,010
0,005
0,015
0,010
0,015
0,015
0,013
0,010
0,015
13
14
amer.
Ma-
schi-
nenöle
Spindelöl
Maschinenöl

0,000
0,010
15
16
17
18
19
20
russische
Maschinenöle
Spindelöl
dünnes Maschinenöl
dickes dto.
sehr dickes dto.
Maschinenöl (Oleonaphta)
Cylinderöl





0,010
0,010
0,010
0,015
0,010
0,010
II. Mineralöle gemischt mit Fettstoffen.
21 Russisches Spindelöl 0,035
22 Valvolin-Cylinderöl (Nachahmung) 0,060
23 dto. 0,100
24 Filtrirtes amerikanisch. Cylinderöl (hell) 0,058
25 dto. 0,084
26 dto. 0,095
27 dto. 0,315
III. Pflanzliche Fette.
28 Olivenöl (frische Waare) 1,500
29 dto. (alte Waare) 1,305
30 Rohes Rüböl 0,178
31 dto. 0,200
32 dto. 0,330
33 Raffinirtes Rüböl 0,525
34 Leinöl 0,710
35 Baumwollsaatöl 1,070
36 Raffinirtes Harzöl 0,210
IV. Thierische Fette.
37 Rindstalg 1,062
38 dto. 0,255
39 dto. 0,220
40 dto. 0,150
41 dto. 0,552
42 dto. 0,180
43 Knochenöl 134 0,445
44
45
46
47
48
amerikan.
Rinder-
klauenöle
Pure white Neats foot Oil
White dto.
Extra dto.
Prime dto.
Nr. 1 dto.
90
72
68
62
58
0,940
1,915
1,950
3,630
5,780
49
50
51
52
amerikan.
Schmalz-
öle
Prime Lard Oil
* * * dto.
Extra
Nr. 1
75
72
58
60
0,820
1,930
2,940
4,000

Wie aus den vorstehenden Zahlen ersichtlich, ist die Acidität der reinen Mineralöle eine äusserst geringe, denn die Natronmenge, welche 100 g der Mineralöle zu neutralisiren vermögen, entspricht durchschnittlich nur 10 mg und höchsten Falles nur 15 mg Schwefelsäuremonohydrat. Da nun die pflanzlichen und thierischen Fette ausnahmslos eine relativ hohe Acidität besitzen, so lässt sich durch einfache Titration die Frage, ob ein reines oder ein mit Fettstollen versetztes Mineralöl vorliege, mit hinreichender Sicherheit entscheiden. Es wird dabei natürlich vorausgesetzt, dass die Mineralöle sorgfältig raffinirt seien; aber von dieser Voraussetzung scheint man heutzutage auch ausgehen zu dürfen.

Unter den pflanzlichen Fetten zeichnet sich besonders das Olivenöl (Nr. 28 und 29) und das Baumwollsaatöl durch eine hohe Acidität aus. Unter den thierischen Fetten sind die amerikanischen Rinderklauen- und Schmalzöle von besonderem Interesse, und zwar nicht nur wegen ihrer bei den geringeren Sorten geradezu colossalen Acidität und wegen der – wenigstens annähernden – umgekehrten Proportionalität zwischen Preis und Acidität, sondern auch deswegen, weil die Rinderklauenöle, und vermuthlich gerade die geringeren Sorten, vielfach als Zusatz zu Mineralmaschinenölen benutzt werden. (Nach Chemiker Zeitung, 1891 Bd. 15 Nr. 45.)

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