Titel: Kabel und Drähte mit Papier und mit Cellulose als Isolator.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 5 (S. 188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi08_5

Kabel und Drähte mit Papier und mit Cellulose als Isolator.

Die Norwich Insulated Wire Company in New York fabricirt Kabel für hochgespannte Lichtströme und für Telephonnetze und verwendet in denselben als Isolator Papier. Diese Kabel sollen allen Anforderungen entsprechen, und die Gesellschaft hat daher sehr viele Auftrage.

Die Fabrikation dieser Kabel ist sehr einfach, erfordert aber viel Sorgfalt und Aufsicht. Nach dem Journal télégraphique, Bd. 15 S. 248, wird das Papier der Gesellschaft besonders von einer der grössten Papierfabriken geliefert. Das in Rollen von einer halben bis fünf Meilen angefertigte Papier wird zuerst mittels Kreissägen in Streifen geschnitten. Die Streifen werden auf Maschinen mit 60 bis 500 Umdrehungen in der Minute spiralförmig auf den Leiter gewickelt. Da das Kabel nach dem Aufbringen jeder Spirale durch eine sehr enge Form geht, so ist der Ueberzug sehr hart, dicht, fest und biegsam, schwer zu beschädigen und zu entfernen; die verschiedenen Lagen weiden in entgegengesetztem Sinne gewickelt; der Durchmesser ist äusserst gleichmässig. Hat die Hülle die erforderliche Dicke, so wird das Kabel auf Eisenspulen gewickelt und in Oefen bei 250° F. vollständig getrocknet; darauf kommt es in eine 270 bis 280° warme Mischung auf eine von der Dicke der Isolirschicht und anderen elektrischen Bedingungen abhängige Zeit. Die Bestandtheile dieser Mischung sind ein strenges Geheimniss. Aus den Behältern kommt es gleich in die hydraulische Presse, welche ihm die Bleihülle gibt; diese Maschine ist von dem Ingenieur der Gesellschaft entworfen und ihm patentirt. Darauf wird das Kabel geprüft, nach Erfordern mit einer Spannung von 2500 Volt. Die Isolirung beträgt stets mehr als 2000 Megohm bei 75° F.

1000 Fuss lange Stücke solcher Kabel hat man zu zerstören versucht. Bei einer Spannung von 10000 Volt sind sie unversehrt geblieben. Dann hat man sie 48 Stunden in kochendes Wasser gelegt und noch im Behälter widerstanden sie einer Spannung von 8000 Volt, bevor sie nachgaben.

Ein grosser Vorzug dieser Kabel ist, dass der Leiter selbst bei der schlechtesten Behandlung des Kabels, bei der Zerstörung des Bleies und der Verletzung der Isolirung doch völlig in der Mitte bleibt. Die Isolirung ist ja ringsum überall ganz gleich.

Die Gesellschaft hat auch eine grosse Menge Telephonkabel geliefert. In New York allein liegen mehr als 5000 Meilen davon. Die Capacität derselben ist im letzten Jahre von 0,22 auf weniger als 0,08 Mikrofarad für 1 Meile herabgebracht worden.

Perci und Schacherer in Budapest sowie Hungaria isoliren ihren Draht mit Cellulose; sie geben ihm nach der Revue Industrielle vom 1. August 1891 S. 312 vier Isolirschichten; zwei derselben sind aus Cellulose in Form von Papier, zwei aus einer mit einem isolirenden Stoffe getränkten Baumwolle. Diese Drähte sind billig und besitzen eine hohe Isolation, welche theils von dem Stoffe an sich, theils von der grossen Dichte der in Form von Papier verwendeten Cellulose herrührt; die Dicke der Schichten und deshalb der äussere Durchmesser des Drahtes ist sehr klein; ihr Widerstand gegen Abnutzung ist gross und äussere Einflüsse können ihnen nicht schaden.

Eine von der elektrotechnischen Versuchsanstalt des technologischen Gewerbemuseums in Wien untersuchte Probe besass eine 1,2 mm dicke Isolirschicht, während diese bei Wachsdraht 2 mm dick war. Gleichwohl war der Celluloseisolator widerstandsfähiger gegen äussere Einflüsse. 100 m Cellulosedraht und 74 m Wachsdraht wogen 1 k. Beide Sorten hatten gleichen Preis. Gleich günstig fielen andere in Wien, Budapest und München vorgenommene Prüfungen aus. (Vgl. hierüber auch den Elektrotechniker, 1889 Bd. 8 S. 301.)

Der mit Wachs überzogene und mit Längsbaumwollstreifen bedeckte Telegraphen- und Telephondraht besitzt eine verhältnissmässig geringe Isolation; zudem bedecken die Bandstreifen den Draht manchmal nur unvollständig, was weder bei der Herstellung, noch am fertigen Drahte leicht zu erkennen ist. Nicht selten enthält das Wachs eine Säure, welche den Draht angreift, ebenso oxydirt eine der Farbe des gewöhnlich farbigen Kattuns beigesetzte Säure den Draht, wo er schlecht isolirt ist. besonders bei feuchtem und regnerischem Wetter.

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