Titel: Die elektrische Eisenbahn Florenz-Fiesole.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 2 (S. 211–212)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi09_2

Die elektrische Eisenbahn Florenz-Fiesole.

Nach einem in der Institution of Civil Engineers von Dr. Charles Preller Scheibner gehaltenen Vortrage hat das Telegraphic Journal, 1891 Bd. 29 S. 370, ausführliche Mittheilungen über die 7,3 km lange, mit Steigungen bis zu 8 Proc. behaftete elektrische Bahn von Florenz nach Fiesole gebracht, welche nach einer verbesserten Anordnung von Sprague gebaut ist und daher von anderen festländischen wesentlich abweicht. Die Bahn wurde im September 1890 eröffnet, wurde von der Behörde wegen eines schweren Unfalles, welcher sich am 29. jenes Monats ereignete, wieder ausser Betrieb gesetzt und erst im April 1891 von neuem eröffnet, da die Untersuchung gezeigt hatte, dass jener Unfall nicht durch irgend eine Schwäche der Bahn, sondern lediglich durch den Bremser verschuldet war. Fiesole liegt 292 m über Meer, oder etwa 243 m über Florenz; zwischen beiden Städten sind sechs Zwischenstationen angelegt, mit selbsthätigen Weichen.

Die Bahn lässt sich in drei Theile zerlegen:

  • 1) Flacher Theil 2,6 km, 20 Min. Fahrzeit, 14 km Geschw. in der Stunde,
  • 2) Steigung mit 5 Proc. 2,1 km, 20 Min. Fahrzeit, 10 km Geschw. in der Stunde,
  • 3) Steigung mit 8 Proc. 2,6 km, 40 Min. Fahrzeit, 8 km Geschw. in der Stunde.
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Die elektrische Bahn kreuzt bei 1,3 km die Rom-Florenz-Bologna-Eisenbahn unter rechtem Winkel und die Apenniner-Florens-Faenza-Bahn unter 76°, beide in der Geleishöhe; beide Bahnen sind durch Thore und von dem Signalwärter der Hauptlinie gestellte Signale geschützt.

Am Ende des flachen Theiles, bei S. Gervasio, liegt die Kraftstation. Drei Verbunddampfmaschinen mit stehendem Cylinder von je 80 treiben drei Edison-Dynamo (Nr. 20) mit gemischter Wickelung, welche bei 900 Umdrehungen in der Minute 110 Ampère bei 500 Volt geben; jede Dynamo gibt 75 effective , d.h. 93 Proc. der Dampfmaschinenkraft.

Die Zuleitung ist oberirdisch; der 5 mm dicke kupferne Hauptleiter, von 0,8 Ohm Widerstand auf 1 km, gibt den Strom an den 5 mm dicken Zuführungsdraht aus Siliciumbronze ab, dessen Abschnitte 40 m lang sind und welcher in der Mitte des Geleises 6 m über den Schienen hängt; gegen letztere stemmt sich von unten die im Durchmesser 5 cm messende Rolle des Zuleitungsstabes, einer Röhre von 4,5 m Länge und 5 cm mittlerem Durchmesser mit 0,9 m seitlichem und 3 m lothrechtem Spiel, welche am Wagendache befestigt ist und beim Fortlaufen des Wagens sich in der dem Laufe entgegengesetzten Richtung unter etwa 40° neigt, bis über das hintere Trittbrett hinausreicht und mittels einer von ihm lose herabhängenden Schnur in die Hand des Schaffners gegeben ist. Jeder Wagen hat zwei Motoren, deren Anker 28 Windungen von je 0,64 Ohm Widerstand besitzt; sie hängen zwischen den Achsen und einem Quereisen, das am Rahmen verbolzt ist; die Bewegung wird durch Zahnräder übertragen. Der Wagen hat 24 Sitze und 4,4 m Länge, mit den Trittbrettern 6 m, der Achsenabstand ist 1,8 m, der Wagen ruht aber nicht unmittelbar auf dem Gestelle, sondern auf vier besonderen Längsträgern, die von Spiralfedern getragen werden, und das halbe Gewicht des 5 t schweren leeren Wagens liegt unter dem Boden.

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