Titel: Prüfung von Sand- und Kalksteinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 5 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi10_5

Prüfung von Sand- und Kalksteinen.

Gelegentlich des Münsterbaues in Bern untersuchten A. Tschirch und O. Oesterle verschiedene schweizerische Sandsteine speciell auf ihre Verwendbarkeit als Bausteine.

Hierbei kommt vor allem die Verwitterungsfähigkeit in Frage, welche abhängt von dem Gehalte an Kieselsäure und Silicaten, von der Natur und Menge des Bindemittels, der Wasseraufnahme und der Dichtigkeit. Bezüglich der letzteren gilt das Gesetz, dass Gesteine mit dichtem Gefüge, grosser Härte und hohem specifischen Gewichte dauerhafter sind, als poröse, wenig feste, weiche und leichte, und dass Gesteine von feinem Korne weniger leicht verwittern als grobkörnige. Um die Wasseraufnahme zu bestimmen, haben Verfasser relativ kleine, gewogene, lufttrockene Steinstücke in Wasser gelegt und unter der Luftpumpe vollständig mit Wasser getränkt, dann äusserlich abgetrocknet und wieder gewogen. Zur Beurtheilung der Verwitterungsfähigkeit wurden die gepulverten Steine 5 Tage mit Wasser digerirt, welches unter einem Drucke von 4,5 at mit Kohlensäure gesättigt worden war. Darauf wurde filtrirt und der ungelöste Rückstand gewogen. In allen Fällen wurde ausserdem die Kieselsäure bestimmt. Die Resultate in Procenten waren:


Herkunft

Kieselsäure

Wasser-
aufnahme
Durch
Kohlen-
säure gelöst
Bern, Ostermundingen, gelb 56,28 7,77 17,56
Bern, Ostermundingen, blau 61,77 6,46 13,59
St. Gallen, St. Margarethen 62,36 4,19 11,91
Zug, Unteregeri, gelb, feinkörnig 68,34 3,39 9,51
Walchwyl 68,59 3,64 7,06
Unteregeri, gelb, grobkörnig 68,95 3,19 10,15
Unteregeri, blau 70,59 3,66 9,77
Egeri, erste Probe 71,24 4,29 9,27
Gubel, Menzigerberg, blau 71,04 3,64 8,46
Gubel, Menzigerberg, gelb 73,04 4,27 5,72
Oberkirchen, Deutschland 96,29 8,36 1,88

Aus diesen Zahlen geht hervor, abgesehen von dem quarzitartigen Oberkirchener Sandstein, dass die kieselsäurearmen Ostermundinger Steine auch viel Wasser aufnehmen und viel in kohlensäurehaltigem Wasser lösliche Substanz an dieses abgeben, die kieselsäurereichen Gubeler dagegen nur wenig Wasser aufnehmen und wenig in kohlensäurehaltigem Wasser Lösliches abgeben, also ganz übereinstimmend mit der Erfahrung über die Verwitterungsfähigkeit dieser Steine. Die schlechten Steine enthielten ausserdem die doppelte Menge Kalk und Magnesia.

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Da man die Absicht hatte, bei dem Münsterbau auch Kalksteine zu verwenden, so wurden zwei Steine, die sich im Laufe der Jahrhunderte vorzüglich bewährt hatten – dieselben entstammten Ornamenten von der Rufacker Kirche und derjenigen in Tann – untersucht, um sie mit vorliegenden neuen Mustern zu vergleichen. Nach Angaben in den Handbüchern sollte ein Kalkstein um so dauerhafter sein, je mehr kohlensaure Magnesia er enthalte. Verfasser bestimmten deshalb ausser dem Kalk und der Kohlensäure auch die Magnesia, sowie die Kieselsäure und die Wasseraufnahme. Entgegen den erwähnten Angaben fanden sie, dass die alten bewährten Kalksteine sehr arm an Magnesia waren und wenig Wasser aufnahmen, während dagegen Steine mit einem beträchtlicheren Gehalt an Magnesia bedeutend mehr Wasser aufnahmen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in nachstehender Tabelle zusammengestellt:


Herkunft

SiO2

CaO

MgO

CO2
Wasser-
auf-
nähme
Savonnière 0,526 38,88 4,95 44,82 12,55
Morley 0,89 44,50 9,07 44,65 8,80
Ravières 0,67 52,22 Spur 42,87 7,46
Euville 1,77 54,34 Spur 42,75 3,56
Morley, pierre dure 1,44 48,32 5,09 44,1 7,87
Alt und bewährt:
Kirche in Tann 12,44 46,46 Spur 37,3 3,07
Rufacker 21,08 41,62 0,251 32,56 3,53

(Nach Schweizer Wochenschrift für Pharmacie durch Chemisches Centralblatt, 1891 Bd. 2 S. 902.)

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