Titel: Flusseisen im Dampfkesselbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 2 (S. 259)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi11_2

Flusseisen im Dampfkesselbau.

Bei Friedr. Krupp in Essen gelten bezüglich der Verarbeitung von Flusseisen für den Dampfkesselbau und ähnliche Zwecke folgende Vorschriften:

„Nach hiesigen Erfahrungen können Bleche aus dem heutigen weichen Martin-Flusseisen unbedenklich, ohne ein grösseres Risiko als bei solchen aus Schweisseisen einzugehen, für Dampfkessel und ähnliche Zwecke verwendet werden.“

„Für Feuer- und gewisse Bördelbleche ist Martin-Flusseisen von 34 bis 40 k Festigkeit lang und quer und 25 Proc. Minimaldehnung zu wählen, für Mantelbleche solches von 36 bis 42 k lang und quer und 22 Proc. Minimaldehnung. Werden die Bleche von Feuergasen nicht bestrichen, so kann Martin-Flusseisen bei Blechen bis zu 24 mm Dicke von 39 bis 45 k, über 24 mm von 38 bis 44 k Festigkeit lang und quer und 20 Proc. Minimaldehnung genommen werden. Bleche von 36 bis 42 k Festigkeit eignen sich in den meisten Fällen auch für Bördelungen und sonstige Façons.“

„Bezüglich der Bearbeitung dergleichen Bleche ist Nachstehendes zu beachten: Falls die Bleche von den Walzwerken nicht ausgeglüht geliefert werden, sind dieselben vor dem Bearbeiten auszuglühen. Nietlöcher und sonstige Aussparungen sind, wenn thunlich, zu bohren. Werden die Nietlöcher u.s.w. gelocht, so müssen die Bleche nach dem Lochen ausgeglüht werden. Bei Blechdicken bis 13 mm wird auf Maass gelocht. Zwischen 13 bis 24 mm sind gelochte Nietlöcher etwa 8 Proc. kleiner als der zugehörige Nietdurchmesser herzustellen und dieselben möglichst im montirten Zustande der Bleche auf richtiges Maass aufzureiben oder aufzubohren; das Ausglühen wird hierdurch nicht aufgehoben. Bleche von mehr als 24 mm Dicke sollen nur gebohrt werden. Ausschnitte der Kesselwandungen, besonders wenn sie in der Nähe der Feuerung liegen, dürfen keine Kerben auf der Stemmfläche zeigen, sollen vielmehr daselbst glatt sein und müssen die verschiedenen Curven durch Schweifung in einander übergehen. Das Hobeln oder Fräsen von Stemm- oder sonstigen Kanten ist zu empfehlen.“

„Sind Bleche zu bördeln, so sollen die Kanten der un-gebohrten bezieh. ungelochten Tafeln in Radien von etwa ⅓ der Blechdicke abgerundet werden. Das Bördeln, Stauchen, Pressen u.s.w. geschieht am besten aus Glühöfen an im Ganzen rothwarm gemachten Stücken; für partielle Bördelungen genügt das sogen. Bördelfeuer, indessen ist auch hier auf Erwärmung möglichst grosser Strecken zu achten und die Bearbeitung thunlichst rasch zu bewirken. Bei allen Bearbeitungen, welche im angewärmten Zustande des Bleches erfolgen, muss die sogen. blaue Hitze vermieden werden.“

„Ist die nöthige Form eines Stückes erreicht, so muss es vor dem Erkalten in einem Glühofen zur Aufhebung etwa bei der Bearbeitung eingetretener Spannungen ausgeglüht werden. Vorgekommene Formveränderungen sind in roth warmem Zustande rasch durch Richten, Nachbördeln u.s.w. zu beseitigen. Sind die Façons complicirt, so ist etwaiges Nacharbeiten nicht in einem Zuge, sondern nach und nach auszuführen. Benutzung des Glühofens ist hierbei zu empfehlen. Unbedeutende Richtarbeiten dürfen im kalten, also nicht angewärmten Zustande vorgenommen werden.“

„Das Blech ist verhältnissmässig leicht und sicher schweissbar. Die Schweissung ist bei etwas niedrigerer Hitze auszuführen, als bei Blechen aus Schweisseisen, da das Ueberhitzen vermieden werden muss und Flusseisen bei dieser geringen Temperatur schon sicher schweisst. Durch Probeschweissungen wird sich der Schmied bald in erfolgreicher Weise mit den Eigenschaften des Materials bekannt machen und dann leicht die richtige Temperatur herausfinden.“

„Nach dem Schweisson sind die Stücke in einem Glühofen rothwarm auszuglühen und vorsichtig erkalten zu lassen. Biegungen auf grosse Radien lassen sich ohne Gefahr für das Material in kaltem Zustande ausführen: bei kleinen Radien oder sehr dicken Blechen ist Bearbeitung im warmen Zustande zu empfehlen.“

„Nebenher sei noch erwähnt, dass alle Nietungen mittels schweisseiserner Niete grau sehnigen Gefüges von 38 k Festigkeit und 20 Proc. Dehnung hergestellt werden.“

(Mittheilungen aus der Praxis des Dampfkessel- und Dampfmaschinen-Betriebes, 1892 Nr. 1.)

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