Titel: Das Barothermometer, ein einfaches Instrument zur directen Ermittelung des Normalvolumens und der Gewichte der Gase; von F. Salomon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 3 (S. 259–260)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi11_3

Das Barothermometer, ein einfaches Instrument zur directen Ermittelung des Normalvolumens und der Gewichte der Gase; von F. Salomon.1)

Die Nothwendigkeit, für bestimmte Zwecke der Krupp'schen Fabrik ein Instrument zu besitzen, welches gleich den bekannten Volumetem von Winkler, Lunge u.a. die Reduction der Gase auf Normaldruck und Temperatur gestattet, aber dabei eine recht handliche, leicht transportable Form besitzen musste, führte mich darauf, das alte bekannte Galilei'sche Luftthermometer derartig zu graduiren, dass die Scala meiner absoluten |260| Thermometerscala entsprach. Auf diese Weise habe ich ein sehr einfaches und durch entsprechende Vergrösserung der das Luftvolumen fassenden Kugel auch recht empfindliches Volumeter erhalten, das für viele praktische Zwecke brauchbar sein dürfte und überall dort Anwendung finden kann, wo die bisherigen Volumeter, sei es in Folge ihrer Grösse, Construction oder geringen Transportfähigkeit, nicht mehr benutzbar sind und die Unbequemlichkeit der jedesmaligen Einstellung fortfallen soll. Den Namen Barothermometer schlage ich vor, um einerseits den Unterschied von den bisherigen Volumetern festzustellen, andererseits, weil der Apparat im Stande ist, sowohl Druck, als auch Temperaturen zu messen.

Die einfachste Form des Instrumentes besteht aus einem Capillarrohre, an dessen einem Ende eine Glaskugel oder ein Cylinder angeblasen ist, während das andere Ende offen bleibt. Ein Quecksilberfaden von je nach Umständen verschiedener Länge bringt ein bestimmtes Volumen eines trockenen oder feuchten Gases zum Abschluss und dient als Index. An dem offenen Ende befindet sich eine Vorrichtung (Kappe, Hahn), welche gestattet, bei Nichtgebrauch und namentlich für den Transport den Eintritt der äusseren Luft abzuschliessen.

Der Unterschied von ähnlichen Instrumenten, z.B. Melde's Capillarbarometer, liegt in der Scala; dieselbe ist so gewählt, dass das eingeschlossene Gas sich bei dem Punkt 100 unter Normaldruck und Temperatur befindet und die übrigen Scalentheile dann direct die Procente der Volumenveränderung angeben.

Für die meisten Anwendungen dürfte die wagerechte Aufhängung zweckmässig sein, doch kann man ebenso gut das Rohr in lothrechter Lage, die Oeffnung nach oben oder unten gerichtet, aufstellen, nur muss dann selbstverständlich auch die Graduirung in genau derselben Lage geschehen, in welcher die Ablesung erfolgen soll.

Auch die Form des Apparates lässt sich wie bei den Thermometern beliebig verändern (Spirale, Schlange u.s.w.).

Wie aus dem Gesagten ersichtlich ist, gibt das Barothermometer direct die dem herrschenden Atmosphärendrucke und der Beobachtungstemperatur entsprechende Ausdehnung des Normalvolumens wie jedes andere Gasvolumeter. Steht z.B. der Quecksilberindex auf 107°, so heisst dieses, dass 100 Volumentheile des beobachteten Gases auf 107 Volumentheile ausgedehnt sind, und dass das Normalvolumen des beobachteten Gases beträgt. 1 cbm Luft würde unter dem herrschenden Druck und der entsprechenden Temperatur, bei welcher das Barothermometer 107° zeigt, wiegen. Soll das Instrument hauptsächlich für eine bestimmte Gasart benutzt werden, so erhält es zweckmässig neben der obigen Volumenscala noch eine Theilung, welche direct die Gewichte des betreffenden Gases abzulesen gestattet, und selbst für die leicht coërciblen Gase, wie SO2, CO2 u. dgl., wird es mit Erfolg benutzbar, wenn man diese selbst statt der Luft zur Füllung des Apparates anwendet. Besitzt man ein mit der absoluten Centesimaltheilung (Salomon-Scala, vgl. 1891 281 119) versehenes Quecksilberthermometer, so kann man das neue Instrument als Barometer benutzen, indem einfach die abgelesenen Thermometergrade durch die abgelesenen Grade des Barothermometers dividirt werden, z.B.:

Barothermometer Thermometer Salomon
= 107,7° 106,6°

Als Luftthermometer dient der Apparat ebenso gut, sobald man sich im Besitze eines Barometers befindet. Die abgelesenen Grade des Barothermometers geben, multiplicirt mit dem in 1/1000 Atmosphären ausgedrückten herrschenden Luftdruck, die Temperatur z.B.:

Barothermometer Atmosphärendruck
107,7° 0,990
0,990 × 107,7 = 106,6° Salomon = 18° C.

Schliesslich kann man auch direct das Instrument zu einem Barometer und Thermometer umwandeln, wenn man, wie seiner Zeit Melde bei seinem Capillarbarometer gezeigt hat, eine längere Quecksilbersäule zur Anwendung bringt: die neue Scala dürfte dann eine wesentliche Vereinfachung auch hier herbeiführen.

Nach den bisher von mir gemachten Erfahrungen glaube ich, dass das kleine einfache Instrument das volle Interesse aller in der Gastechnik beschäftigten Collegen verdient und dass es sich vermöge seiner Vielseitigkeit und Handlichkeit auch bald über diesen Kreis hinaus Freunde erwerben dürfte, sobald es in guter Ausführung im Handel zu beziehen ist.

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Mit gütiger Erlaubniss des Verfassers nach einem Sonderabdruck aus Zeitschrift für angewandte Chemie, 1892 Heft 2.

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