Titel: Die Angreifbarkeit und Abnutzung des Aluminiums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 283/Miszelle 3 (S. 284)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj283/mi283mi12_3

Die Angreifbarkeit und Abnutzung des Aluminiums.

Aus Veranlassung der Lübbert'schen Ausstellungen gegen die Haltbarkeit des Aluminiums ist, wie der Metallarbeiter mittheilt, Prof. C. Winkler in Freiberg auf einen Versuch zurückgekommen, den er vor längerer Zeit zur Feststellung der Angreifbarkeit des Aluminiums vorgenommen hat. Winkler suchte die Abnutzung des Aluminiums im Vergleiche mit derjenigen anderer Metalle und Legirungen dadurch festzustellen, dass er Speiselöffel aus Aluminium, aus Silber und aus Neusilber in gleich massigen täglichen Gebrauch und auch im Uebrigen in gleiche Behandlung nehmen liess und den Gewichtsverlust feststellte, den sie nach längerem Gebrauche erlitten hatten. Es ergab sich dabei, dass die mittlere jährliche Abnutzung betragen hatte beim:

12 löth. Silber 0,403 Proc.
Aluminium 0,630
Neusilber 1,006

Dieselben Löffel sind weiterhin 16 Jahre hindurch in Gebrauch gewesen, ohne dass jedoch auf einen gleichmässigen Gebrauch gehalten worden wäre. Es sei jedoch erwähnt, dass die Abnutzung beim Neusilberlöffel 5,62 Proc. betrug, eine Zahl, die sich nicht wohl in Vergleich stellen lässt, weil sie entschieden beträchtlich zu niedrig ist, da bei dem grau gewordenen Löffel das scharfe Putzen unterlassen worden ist; der Silberlöffel hatte einen Gewichtsverlust von 8,78 Proc. erlitten und dieser Betrag ist wieder in Rücksicht auf das häufige Putzen als wesentlich zu hoch anzusehen; der Aluminiumlöffel endlich war um 5,85 Proc. leichter geworden und diese Zahl allein darf als ein der Wahrheit nahekommendes Versuchsergebniss betrachtet werden, weil der fragliche Löffel regelmässig benutzt und gereinigt, nicht aber durch unnützes Putzen mechanisch abgeführt worden ist.

Auf Grund dieser Erfahrungen wird man annehmen können, dass Speisegeräthschaften aus Aluminium sich nicht viel stärker abnutzen, als solche aus legirtem Silber, dagegen weniger als solche aus Neusilber. In derselben Nummer des Metallarbeiter werden nach Chemiker-Zeitung Repert. Versuche von N. Wender über den Einfluss der Kohlensäure auf Aluminium mitgetheilt, durch welche festgestellt wurde: 1) Reine, trockene Kohlensäure übt nicht den geringsten Einfluss auf gewalztes oder gegossenes Aluminiumblech aus. 2) Auch feuchte Kohlensäure verhielt sich ebenso. 3) Der Einfluss von kohlesäurehaltigem Wasser auf Aluminium ist selbst bei hohem Druck so gering, dass er kaum berücksichtigt werden kann. Nur an den scharfen Bruchstellen der zu den Versuchen dienenden Aluminiumstangen und an den Rändern der Bleche zeigte sich im letzteren Falle eine äusserst geringe Einwirkung. In dem Versuchswasser selbst konnte nach dem Austreiben, der Kohlensäure Aluminium nicht nachgewiesen werden.

Ausführliche Untersuchungen, welche Lunge und Schmidt angestellt und in der Zeitschrift für angewandte Chemie veröffentlicht haben, haben zu demselben Ergebniss geführt, welches Rupp im laufenden Bande (S. 19) veröffentlicht hat. Die Angaben von Lübbert und Roscher erweisen sich nach den bisherigen wissenschaftlichen und praktischen Ermittelungen als völlig haltlos.

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