Titel: Welles' Vielfachumschalter für städtische Telephonnetze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 12–17)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284004

Fr. Welles' Vielfachumschalter für städtische Telephonnetze.

Mit Abbildungen.

Bei Gelegenheit der Frankfurter Ausstellung hatte das Reichspostamt u.a. auch einen der in seinen Vermittelungsämtern seit einigen Jahren benutzten Vielfachumschalter ausgestellt (vgl. 1891 282 113), welche von der Telephonapparatfabrik Fr. Welles in Berlin geliefert werden. Es sind diese Umschalter als eine Fortbildung der Vielfachumschalter der Western Electric Company (vgl. 1885 256 * 445, 1889 271 407; Elektrotechnische Zeitschrift, 1885 * S. 157, 1889 S. 97 * 102; Lumière électrique, 1886 Bd. 20 * S. 613) bezieh. des Vielfachumschalters von Scribner (vgl. 1889 272 * 564) anzusehen; ihre derzeitige Einrichtung weicht aber, wie die nachfolgende eingehende Beschreibung derselben erkennen lässt, sehr wesentlich von der ursprünglichen ab. Diese Umschalter gehören in die Gruppe der Einzelschnurumschalter, in welcher für jede Leitung nur eine Verbindungsschnur mit einem Stöpsel nöthig ist.

Fig. 1 und 2 zeigen einen solchen Umschalter von vorn und von der Seite gesehen in der für ein städtisches Telephonnetz mit einfachen, im Vermittelungsamte und bei den einzelnen Theilnehmern an Erde liegenden Leitungen bestimmten Anordnung.

Jede Umschaltetafel besteht aus zwei Theilen: dem Klinkenrahmen A zur Aufnahme der Klinken und Kabel und dem Untertheile C mit den Klappen, Erdumschaltern, Anruftastern, Schnüren u.s.w. Der 1,975 m lange Klinkenrahmen enthält sechs Abtheilungen; in jeder Abtheilung lassen sich 50 Klinkenabschnitte zu 20 Klinken befestigen, so dass die Tafel ein Fassungsvermögen von 6000 Klinken besitzt. Auf der Hinterseite des Klinkenrahmens sind |13| schmiedeeiserne Röhren angebracht, welche durchbohrt sind und zur Aufnahme der Kabelträgerstifte dienen. Jede Umschaltetafel hat in dem Klinkenrahmen sämmtliche beim Amte eingeführte Leitungen. In jeder Umschaltetafel sind 200 Theilnehmerklappen. Die Umschaltetafeln, welche nach anderen Vermittelungsämtern führende Verbindungsleitungen erhalten, sind des starken Betriebes wegen nur mit 50 Klappen, Erdumschaltern, Anruftastern und Stöpselschnüren versehen. Die Ansatzschränke haben keine Klappen, sondern nur Klinken, und zwar der rechte Ansatzschrank die Klinken der beiden ersten Felder der Umschaltetafeln und der linke Ansatzschrank die Klinken der beiden letzten Felder der Umschaltetafeln.

Textabbildung Bd. 284, S. 13
Die Kabel sind 43adrige ovale Baumwoll-Seiden-Kabel und die Drähte in ihnen sind immer paarweise zusammengedreht. Der um den Drähten befindliche Bleimantel ist mit der Erdleitung verbunden.

Die Kabel in den Schränken sind in gleicher Höhe mit den Klinken geführt und die Verbindungen laufen in gerader Linie von einer Reihe Stöpsellöcher nach der entsprechenden Reihe der nächsten Abtheilung. Zwischen je zwei Stiften, welche in den bereits erwähnten Röhren befestigt sind, befinden sich zwölf Kabel. Auf diese Art erzielt man eine gedrängte und gefällige Anordnung der Kabel, welch letztere bei keiner der an der Umschaltetafel nöthigen Verrichtungen im Wege stehen. Will man eine fehlerhafte Stelle an einer der Klinken erreichen, so nimmt man einige an der betreffenden Stelle befindliche Stifte ober- und unterhalb derselben heraus und erhält so eine Oeffnung, die gross genug ist, den fehlerhaften Streifen zu entfernen. Nach Beseitigung des Fehlers wird der Streifen wieder eingesetzt und die Stifte wieder zwischen den Kabeln befestigt.

Die 200 Klappen jeder Umschaltetafel sind in dem Raume C (Fig. 1) in fünf Reihen über einander untergebracht. Die zur Verwendung kommenden Klappen (Fig. 3, 4 und 5) sind immer zu 10 Stück auf einem Streifen V montirt und bestehen aus einer Eisenhülse H, in welcher der Eisenkern N angebracht ist, auf welchen die die Umwindungen tragende Spule aufgesteckt wird; diese Spule besteht aus den beiden in Fig. 3 an den Enden des Kernes sichtbaren, auf den Kern aufgeschobenen Ebonitscheiben s. Auf dem hinteren Theile der Hülse ist das Metallstück Q befestigt, welches zwischen den Schrauben den Anker a trägt. Der Anker hat in der Mitte eine Stellschraube mit Gegenmutter, um das Klebenbleiben des Ankers an den Polen zu verhindern. In der nach rückwärts liegenden Ebonitscheibe s sind zwei Messingstifte m befestigt, an welche die Drahtenden der Bewickelung der Spule gelöthet werden. An dem die 10 Klappen tragenden Eisenstreifen V ist durch die eine der beiden in Fig. 3 sichtbaren versenkten Eisenschrauben die Hülse H, durch die andere der Kern N befestigt, an seiner Vorderseite aber durch zwei Eisenschrauben ein bügelförmiges Messingstück, worauf wieder durch zwei Messingschrauben das Messingstück fest gehalten wird, welches mittels eines Neusilberstiftes die Abfallscheibe K trägt. Wenn der Anker a nicht angezogen ist, so hält das an den Anker a angenietete Häkchen h die gehobene Scheibe K fest, die durch ihr eigenes Gewicht niederfällt, sobald das Häkchen durch die Anziehung des Ankers emporgehoben wird. Der Widerstand des Elektromagnetes beträgt 150 Ohm.

Die in dem Raume A (Fig. 1) der Tafel reihenweise unter einander liegenden Klinken sind zu je 20 Stück auf einer aus zwei Theilen von verschiedener Dicke zusammengeschraubten Ebonitleiste montirt. Jede Klinke besteht aus einer oberen Feder n, welche durch eine Schraube an dem hinteren wagerechten Theile der Ebonitleiste befestigt ist, einer mittleren Feder i, welche an dem nach vorn gerichteten Ende mit einer in den vorderen, dickeren Theil der Leiste eingesteckten Metallbuchse versehen ist, und einer unteren Feder f; die letztere ist beweglich und läuft am freien Ende in einen schmäleren, nach oben und dann wieder wagerecht umgebogenen Streifen aus, mit welchem sie sich für gewöhnlich an einen Vorsprung der oberen Feder n anlegt, durch Einstecken des Stöpsels in die Metallhülse der Feder i aber vom Contacte der Feder n abgedrückt wird. Rückwärts springen die drei Federn über den wagerechten Theil der Leiste noch vor, so dass hier die Verbindungsdrähte an sie angelöthet werden können. |14| Fig. 6 mag die gegenseitige Lage der drei Federn rücksichtlich der Schaltung versinnlichen; f und n berühren sich natürlich seitwärts von der Hülse an i.

Textabbildung Bd. 284, S. 14
Textabbildung Bd. 284, S. 14
Unterhalb der wagerechten Holzplatte F (Fig. 1) sind in zwei Reihen 10 Erdumschalter für je 20 Leitungen angebracht; jeder dieser Erdumschalter besteht aus einem Rothgusstücke R, Fig. 7 (vgl. auch 1889 272 * 565 Fig. 2 und 3), an dessen unterer Seite sich ein Ebonitstück an. schliesst. Oben enthält das Gusstück R, von welchem aus ein Draht e zur Erde E geführt ist, 20 Löcher, in welche durch entsprechende Löcher in der Platte F hindurch die 20 Stöpsel S der zugehörigen 20 Leitungen eingesteckt werden können. Auf dem erwähnten Ebonitstücke sind die Federn für den Erdumschalter montirt; für jede Leitung sind drei Federn erforderlich und diese sind so angeordnet, dass, wenn ein Stöpsel S in dem Erdumschalter U steckt, die über die beiden anderen hinweggreifende untere Feder 1 mit dem Metallringe des Stöpsels und durch diesen mit dem Gusstücke H in leitender Verbindung steht. Bei dem Herausziehen des Stöpsels und dem Emporziehen der durch ein Gewicht mit Rolle gespannt erhaltenen Stöpselschnur l geht die Feder 1 in ihre Ruhelage zurück und drückt die obere Feder 2 gegen die mittlere Feder, an welcher der Prüfungsdraht p befestigt ist.

Aus der an F stossenden schrägen Fläche D (Fig. 1) stehen in zwei Reihen die 200 Riegel J, Fig. 7 (vgl. auch 1889 272 * 565 Fig. 2 und 3), der Apparatumschalter oder Umschaltetaster der 200 Leitungen hervor, welche zur Ein- und Ausschaltung der Abfrageapparate, sowie zur Stromsendung dienen. Sobald der Ebonitknopf J in Y hineingeschoben wird, greift der sein Ende bildende Isolirkloben unter die Feder q und hebt die Verbindung der Feder q mit der darunter liegenden mittleren Feder auf. Beim Rufen wird der Hebelknopf J niedergedrückt, so dass die untere Feder c das auf das Hartgummistück aufgeschraubte und mit der unter demselben liegenden Contactfeder o leitend verbundene Contactstück x verlässt und mit dem mit der Batterieschiene verbundenen Contacte j in Berührung tritt; dabei bleibt es sich gleich, in welcher Stellung sich der Knopf J im Hebelumschalter Y befindet, Durch Trennung der Feder q von der mittleren wird der Abfrageapparat von p getrennt und ausgeschaltet, während durch Berührung der Feder c mit dem Metallkörper j der Rufstrom in die vom Theilnehmer gewünschte Leitung gesandt wird.

Als Hörapparat wird ein doppelpoliges Kopftelephon benutzt, welches mit einem stählernen Bügel versehen ist und mittels desselben am Kopfe des Beamten befestigt wird; dabei bleiben dem Beamten beide Hände zum Arbeiten frei. Der etwa 200 g schwere Apparat besteht aus einer Metallkapsel, worin sich zwei auf einander liegende hufeisenförmige Magnete befinden, auf deren beide Pole unter einem rechten Winkel die Kerne mit den Spulen aufgesetzt und befestigt sind. Die Kapsel wird durch einen Deckel geschlossen, welcher auf seiner Vorderseite die aus Ebonit gefertigte Hörmuschel trägt. Zwischen der Kapsel und dem Deckel befindet sich die schwingende Platte, welche aus einem dünnen Eisenblech gefertigt ist. An der aus der Metallkapsel kommenden doppeladrigen Verbindungsschnur ist ein zweicontactiger Stöpsel befestigt, mittels dessen der Beamte im Stande ist, sich an der Umschaltetafel einzuschalten. Die Lautwirkung dieser Hörapparate kommt denen der besten Hufeisentelephone gleich.

Das Mikrophon M (Fig. 1 und 2) ist ein sogen. eincontactiges Bell-Blake-Mikrophon, welches die Form einer Taschenuhr hat. Dasselbe ist an einer Aufhängevorrichtung, welche wie ein Flaschenzug angeordnet ist, angebracht, damit der Beamte sich dasselbe in jeder Höhe einstellen kann und so in der Lage ist, stehend sowohl wie sitzend arbeiten zu können. Die zu dem Mikrophon gehörige Inductionsrolle ist hinter dem Gesims, oberhalb der Umschaltetafel angebracht. Die primäre Rolle des Inductors ist wie gewöhnlich nebst den Contacttheilen des Mikrophons in den Stromkreis einer kleinen Batterie eingeschaltet. Zu der secundären Rolle führt der Draht d1 (Fig. 7), welcher von dem mit q durch einen Draht verbundenen Knotenpunkte w kommt; das andere Ende der secundären Rolle steht durch die Rollen des Hörtelephons und dessen |15| Contactstöpsel hindurch mit dem Drahte d2 und dem Hebel des Tasters t in Verbindung, von letzterem aus aber mit der Erde E, theils mit, theils ohne Einschaltung der Batterie b.

Auf der Vorderseite der Tafel unterhalb der Klappen, und zwar mit ihren Enden aus der Platte G (Fig. 1) vorstehend, befinden sich für jeden Beamten zwei Umschaltehebel mit den zu jedem gehörigen, unterhalb an der Platte G angeordneten Batteriecontacten, welche mit Doppelschnureinrichtung versehen sind; mittels eines jeden dieser beiden Umschalter vermag man es in der später anzugebenden Weise möglich zu machen, dass ein Theilnehmer, wenn innerhalb des Amtes eine Störung seiner Leitung auftritt, auch während dieser Zeit das Amt anrufen kann. Zwischen diesen beiden Umschaltern und vor ihnen befindet sich noch der bereits erwähnte Controltaster t. Mit diesem Taster schaltet der Beamte während der Ausführung der Controle sein in dem Stromkreise des Hörapparates eingeschaltetes Element b aus.

Die Schaltung der einzelnen Theilnehmerleitungen im Vermittelungsamte ist in der Hauptsache aus den vorausgegangenen Angaben klar. Jede Leitung L ist zunächst an die untere Feder f (Fig. 6) einer Klinke geführt und durchläuft nach einander alle ihr in den einzelnen Umschaltetafeln zugewiesenen Klinken, weil von der oberen Feder n einer jeden ein Draht l1 nach der unteren Feder der nächsten geführt ist. Zuletzt kommt die Leitung zu der ihr in ihrer eigenen Umschaltetafel zugewiesenen Klinke und hier läuft nun der von n ausgehende Draht l1 durch den Elektromagnet der Klappe der Leitung und setzt sich dann als l2 bis zu der Contactfeder o im Umschalter Y fort, und – sofern der Stöpsel S im Erdumschalter U steckt – weiter über dessen Feder 1, den Metallkörper des Stöpsels S und den Metallkörper R des Erdumschalters U in dem Drahte e bis zur Erde E. Die mit der Metallhülse versehenen mittleren Federn i aller zu einer und derselben Theilnehmerleitung gehörigen Klinken sind unter einander durch einen Draht r verbunden und stehen zugleich durch den Draht r0 mit der Feder 2 des Erdumschalters U in Verbindung, welche bei im Umschalter steckendem Stöpsel S isolirt ist.

Zur Durchführung dieser Schaltung werden die vom Umschalteraum kommenden Kabel (die 22aderige Stanniolkabel sind) an die ersten der in Fig. 6 mit f bezeichneten unteren Federn der Klinken der ersten Tafel geführt. Von den letzten oberen Federn n der ersten Tafel geht wiederum ein Kabel (ein 43aderiges Baumwoll-Seiden-Kabel) nach den ersten Federn f der zweiten Tafel, von den letzten Federn n der zweiten Tafel ein ebensolches Kabel zu den ersten Federn f der dritten Tafel; von den letzten Federn n der dritten Tafel zu den ersten Federn f der vierten Tafel führt wieder ein 43aderiges Baumwoll-Seiden-Kabel, von den letzten Federn n der vierten Tafel führt nochmals ein 43aderiges Baumwoll-Seiden-Kabel zu den ersten Federn f der fünften Tafel, von den letzten Federn n der fünften Tafel geht ein Kabel zu den ersten Federn f der nächsten Tafel u.s.f. bis zu dem in der letzten Tafel befindlichen Klinkenstreifen. Von den Federn n des letzten Klinkenstreifens geht ein 44aderiges Stanniolkabel bis zu dem Untertheile derjenigen Tafel, in welcher die betreffenden Leitungen ihre Klappen liegen haben. Ausserdem gehen von der ersten Tafel Drähte, welche an die in Fig. 6 mit i bezeichneten Buchsen und Federn gelöthet sind, nach den Federn i der zweiten Tafel u.s.f. bis zur betreffenden Klinke der letzten Tafel, von hier aus in das Kabel, welches die dazu gehörigen Leitungen enthält, und auch nach dem Untertheile, wo die Leitungen endigen.1)

Der Betrieb an der Umschaltetafel für Einzelschnuranordnung gestaltet sich nun in folgender Weise: Wünscht ein Theilnehmer im Amte mit einem anderen verbunden zu werden, so sendet er in seiner Leitung L einen Rufstrom ins Amt, welcher daselbst den soeben angegebenen Weg zur Erde E nimmt und die Klappe K des rufenden Theilnehmers zum Fallen bringt. Sobald der Beamte bemerkt, dass die Klappe K gefallen ist, nimmt er den Stöpsel der betreffenden Leitung in die Höhe und meldet sich mit „Hier Amt“. Die hierbei beim Sprechen gegen das Mikrophon M durch die primäre Rolle des Inductors in dessen secundärer Rolle inducirten Ströme gehen einerseits durchlas Kopftelephon in dz und durch den Controltaster t zur Erde E, andererseits in d1 über w, q, p, die jetzt die Feder 2 berührende mittlere Feder in U, die Feder 1, o, l2, durch die Klappe und schliesslich über l1, n und f in die Leitung L des Rufenden. Darauf nennt der rufende Theilnehmer dem Beamten die gewünschte Verbindung, und der Beamte berührt nun mit dem Stöpsel der rufenden Leitung den Körper i derjenigen Klinke, welche in seiner Umschaltetafel der verlangten Leitung zugewiesen ist, um sich zu überzeugen, ob diese Leitung frei ist.

Auf alle Fälle bietet sich dabei für den Strom der Prüfungsbatterie b ein Weg über t, d2, Telephon, Inductor, d1, w, q, p, die drei Federn in U, o, x, c, l, S bis zum Metallringe i der Klinke der gewünschten Leitung; hatte diese Leitung gerufen und ist sie deshalb nicht frei, so ist ihr Stöpsel aus ihrem Erdumschalter herausgezogen und der Knopf J in Y hineingeschoben, so dass der Strom von i aus über r0, 2, 1, o, l2 und l1 in die Leitung gelangen kann; war ferner die Leitung nicht frei, weil sie von einer anderen gewünscht worden war, so steckt der Stöpsel der letzteren in der Hülse an einer der mittleren Federn i der geprüften Leitung und der Prüfungsstrom kann von dieser Feder i aus über den Stöpsel nach l, c, x, o nach l2 und in die Leitung gelangen; ist dagegen die gewünschte Leitung unbesetzt, so sind beide Wege von i aus abgebrochen, weil ihr Stöpsel in ihrem Umschalter U steckt und kein fremder Stöpsel in einer ihrer Klinken, in diesem Falle also wird das Kopftelephon schweigen, während es bei besetzter Leitung knacken wird.2)

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Nachdem der Beamte so die Gewissheit erlangt hat, dass die Leitung nicht anderweitig besetzt ist, steckt er den Stöpsel der rufenden Leitung in die betreffende Klinke der gewünschten Leitung, sagt zum rufenden Theilnehmer: „Bitte rufen“ und schiebt dann den betreffenden Umschaltehebel J der rufenden Leitung in den Umschalter Y hinein, wodurch er die Feder q empordrängt und sich mit seinem Hörapparat aus der Leitung ausschaltet. Wenn der Theilnehmer selbst den gewünschten ruft, so kommt der Rufstrom aus der Leitung L des ersteren, geht durch dessen Klappe und über l2, o, x, c, l, S zur Klinke der gewünschten Leitung und tritt von der Feder f aus in diese Leitung ein. Es kann aber auch das Amt selbst den gewünschten Theilnehmer rufen und thut dies bei herzustellenden Fernverbindungen, sowie, wenn sonst etwa die Batterie des rufenden Theilnehmers nicht kräftig genug ist; es ist dann der Hebel J niederzudrücken, damit der Strom von B über T, j, l und S in die gewünschte Leitung eintrete. Die Batterie B besteht aus 12 Kohlenelementen; für den Vorortverkehr dagegen wird durch Niederdrücken des Tasters T die Batterie B1 von 20 Elementen zum Rufen benutzt.

Das Sprechen der beiden Theilnehmer vollzieht sich unter Benutzung desselben Stromweges, welcher eben für das Rufen des gewünschten seitens des ihn wünschenden angegeben worden ist.

Will nun der Beamte einmal das Gespräch des Theilnehmers behorchen, so drückt er mit der einen Hand den bereits beschriebenen Controltaster t herunter, um die Batterie b auszuschalten, und bewegt mit der anderen Hand den Kolben J der Umschaltevorrichtung Y der rufenden Leitung in Y hinein und heraus; hört er dabei ein knackendes Geräusch, so ist dies ein Zeichen, dass die beiden Theilnehmer ihr Gespräch noch nicht beendet haben; so oft dabei die Feder q sich auf die mittlere Feder in Y auflegt, stellt sie nämlich von o aus über p und w eine Abzweigung von den beiden verbundenen Leitungen durch das Kopftelephon zur Erde her.

Haben die beiden Theilnehmer ihr Gespräch beendet, so gibt einer derselben das Schlusszeichen; da die Klappe des rufenden Theilnehmers noch in dem Stromkreise der beiden verbundenen Leitungen liegt, so kann mittels derselben auch das Schlusszeichen gegeben werden. Ist die Klappe dann gefallen, so wird der Beamte die Verbindung lösen, den Stöpsel in den Erdumschalter zurückführen und den Schieber J herausziehen.

Der Beamte hat während des Betriebes besonders darauf zu achten, dass die zu seinem Stromkreise gehörigen Umschaltehebel J, soweit auf denselben nicht eine Verbindung liegt, immer herausgezogen sind, und dass der Verbindungsstöpsel nach dem Lösen einer Verbindung wieder fest in den Erdumschalter zurück gedrückt wird, da die Schnurgewichte dieselben nur bis auf den Erdumschalter ziehen und der Beamte nicht in der Lage ist, einen Theilnehmer abzufragen, sobald sich seine Apparattheile nicht in der vorherbeschriebenen Ordnung befinden.

Das Fallen der Klappe bei einer vorhandenen Verbindung zweier Leitungen braucht nun aber nicht unbedingt ein Schlusszeichen zu sein, sondern es könnte ja auch einer der beiden verbundenen Theilnehmer das Amt rufen. Darüber kann sich der Beamte ebenfalls mittels des Controltasters t vergewissern. Drückt er nämlich diesen mit der rechten Hand nieder und schiebt er gleichzeitig den Schieber J in den Umschalter Y hinein und heraus, so schaltet er abwechselnd sein Kopftelephon in die von o aus über p, q und w hergestellte Abzweigung von den beiden verbundenen Leitungen zur Erde E ein, und dann muss sich, sobald einer der beiden Theilnehmer sein Hörtelephon noch nicht wieder an den Haken gehangen hat, das dann bei dem Theilnehmer miteingeschaltete Controlelement in dem Kopftelephon des Beamten durch wiederholtes Knacken wahrnehmbar machen.

Textabbildung Bd. 284, S. 16
Es bleibt nun noch eine für den Betrieb besonders wichtige Einrichtung zu besprechen, nämlich die Aushilfsvorrichtung, welche es einem Beamten ermöglicht, seinen Nebenmann bei Arbeitsüberhäufung zu unterstützen. Dieselbe ist an jedem Arbeitsplatze oberhalb des Stöpselbrettes an der Vorderseite der Umschaltetafel angebracht und besteht aus zwei Metallbüchsen y1 und y2 (Fig. 8), von denen die linke y1 ausgebohrt ist und dazu dient, die zum Abfragen bestimmte Schnur aufzunehmen; die rechte Büchse ist der Batteriecontact, steht mit dem Arbeitscontacte des Hilfstasters g und von diesem aus durch die Drähte v1 und u1 (Fig. 7) mit j und T in Verbindung. Mit dem Hilfstaster g, welcher zwischen den beiden Buchsen angebracht ist, kann der Beamte das bei einer Verbindung vom Theilnehmer gewünschte zweite Amt bezieh. einen zweiten Theilnehmer anrufen; der Ruhecontact des Tasters g ist durch die Drähte v2 und u2 mit dem Knotenpunkte w und über d1d2 mit der Erde E verbunden. Will der Beamte die Aushilfsvorrichtung benutzen, so nimmt er den Stöpsel der eben gefallenen Klappe, welche in dem Dienstkreise seines überlasteten Nebenmannes liegt, und steckt denselben unter gleichzeitigem Hineinschieben des Schiebers J derselben in die linke ausgebohrte Büchse y1, wodurch er die rufende Leitung vom Telephon seines Nebenmannes ablöst und über l2, o, x, c, l, y1, g, v2, u2, w auf sein eigenes Kopftelephon schaltet; er meldet sich dann mit „Hier Amt“, worauf ihm der Theilnehmer die gewünschte Verbindung nennt. Darauf nimmt der aushelfende Beamte den vor seinem Batterietaster g im Stöpselbrette steckenden, durch den Draht l3 mit der Achse des Tasters g verbundenen Stöpsel S3, führt ihn an den Klinkenkörper der gewünschten Leitung, um sich zu überzeugen, ob die betreffende Leitung nicht anderweitig innerhalb des Amtes besetzt ist; wenn sie besetzt ist, macht sich dies auch hier wieder dadurch bemerkbar, dass der Beamte durch die Entsendung des Stromes der Prüfungsbatterie b ein knackendes Geräusch in seinem Hörapparate vernimmt. Wenn die Leitung frei ist, zieht der Beamte den Stöpsel S der rufenden Leitung aus der Buchse y1 und steckt denselben |17| in die Klinke der gewünschten Leitung hinein; andernfalls theilt er dem Theilnehmer mit, dass die Leitung besetzt ist.

Zum Schluss ist mit Hilfe von Fig. 9 noch eine der beiden bereits erwähnten Doppelschnureinrichtungen zu erörtern, mittels deren es einem Theilnehmer, während in seiner Leitung innerhalb des Vermittelungsamtes eine Unterbrechung oder eine sonstige Störung vorhanden ist, möglich gemacht werden kann, das Amt zu rufen und sich mit einem anderen Theilnehmer verbinden zu lassen. Jeder der bei jedem Beamten zu diesem Zwecke vorhandenen, früher schon genannten beiden Umschaltehebel vermag in seinen zwei verschiedenen Stellungen auf zwei auf einem Ebonitstücke unterhalb der Platte G (Fig. 2) angeordnete Contactfedern k1 und k2 in verschiedener Weise zu wirken; in der einen Stellung lässt der Hebel beide Federn, wie in Fig. 9, an den beiden Ruhecontacten liegen, schiebt dagegen, wenn er nach vorn gezogen wird, beide Federn zugleich nach aussen und drückt sie an die Arbeitscontacte an. Die Arbeitscontacte der Federn k1 und k2 sind durch den Draht r3 mit dem von w (Fig. 7) ausgehenden Drahte d3, also mit dem Kopftelephon verbunden; der von den Arbeitscontacten der federnden Anruftaster Z1 und Z2 ausgehende Draht v4 dagegen schliesst sich als d4 an die Achse des Ruftasters T und somit an die Anrufsbatterien an. Solange jeder Umschaltehebel sich in seiner Ruhelage befindet, liegen seine zwei Contactfedern und für gewöhnlich natürlich auch die zwei Anruftaster, wie in Fig. 9, an ihren Ruhecontacten und stellen einen Stromweg zwischen z1 und z2 durch die zwischen die beiden Ruhecontacte eingeschaltete Aushilfsklappe K' hindurch her; die Drähte z1 und z2 führen nach zwei Stöpseln S1 und S2, welche für gewöhnlich in ihren Stöpsellöchern in zwei mit der Erde verbundenen Metallplatten stecken, so dass ihre durch Gewichte gespannten Stöpselschnuren einen Weg aus z1 und z2 zur Erde herstellen. Wird nun einer dieser beiden Stöpsel, z.B. S1, in die noch vor der Störung liegende Klinke einer gestörten Leitung eingesteckt, so wird diese Leitung von der unteren Feder f der Klinke aus über S1, z1, Z1, k1, K', k2, Z2 und z2 an Erde gelegt, kann also mittels K' das Amt rufen. Beim Einlangen eines Rufes zieht dann der Beamte den zu diesem Stöpselpaare S1, S2 gehörigen Umschaltehebel soweit nach vorn, dass derselbe die Federn k1 und k2 an die Arbeitscontacte drückt und das Kopftelephon des Beamten über w, d3, r3 an die rufende Leitung schaltet; zu gleicher Zeit muss der Beamte den zweiten Stöpsel des Paares von der Erdschiene abheben und meldet sich mit: „Hier Amt“. Hat der Beamte erfahren, welche Leitung gewünscht wird, so prüft er dieselbe, indem er nun mit dem zweiten Stöpsel S2 den Körper der mittleren Feder i der in seiner Tafel der gewünschten Leitung zugehörigen Klinke berührt. Erweist sich diese Leitung als frei, so wird der Beamte sie mit der rufenden verbinden, indem er den Stöpsel S2 in ihre Klinke einsteckt, dem Theilnehmer sagt: „Bitte rufen“, und durch Zurücklegen des Umschaltehebels in seine normale Stellung die beiden Federn k1 und k2 an die Ruhecontacte zurückbringt, um sich aus der Leitung auszuschalten. Bei zurückgelegtem Umschaltehebel ist K' als Schlussklappe in die verbundenen Leitungen eingeschaltet. Wollte der Beamte einmal horchen, so müsste er durch Vorziehen des Umschaltehebels wieder beide Federn k1 und k2 an ihre Arbeitscontacte heran bewegen. Will er dagegen in die eine oder in die andere der beiden verbundenen Leitungen einen Rufstrom senden, so müsste er mit der Hand auf den zu der betreffenden Schnur und Leitung gehörigen Contact der beiden Anruftaster Z1 und Z2 drücken, um ihn so auf seinen Arbeitscontact zu legen, und nach Befinden auch den Ruftaster T (Fig. 7) niederdrücken; natürlich könnte der Beamte auch in beide Leitungen zugleich rufen.

Ed. Z.

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Auf die Anordnung der Drähte auf der Rückseite des Schrankes bezieht sich das Fr. Welles in Berlin ertheilte * D. R. P. Kl. 21 Nr. 53869 vom 13. Juni 1889. Zur Verminderung des Raumbedarfes und der Induction sollen hiernach die Drähte, damit sie wagerecht ausgebreitet werden können, nach Art eines zusammengewebten Bandes angeordnet, zu einem flachen Leitungskabel vereinigt werden, mit in gewissen Zwischenräumen von den Drähten seitwärts hervorspringenden Schleifen, welche neben einander mit den entsprechenden Klinkenfedern verbunden werden können.

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Das * D. R. P. Kl. 21 Nr. 57927 vom 22. Juni 1890 schützt für Fr. Welles eine Einrichtung an Vielfachumschaltern für Telephonnetze, welche Schleifenleitungen und einfache Leitungen neben einander enthalten können; diese Einrichtung macht die Anwendung eines besonderen Prüfungsstöpsels entbehrlich und verhütet das Auftreten eines falschen Signales beim Prüfen mit der Spitze des einen der beiden Theilnehmer-Verbindungsstöpsel; es wird dies durch Einschalten eines Condensators und eines geeigneten Umschalters in den Telephonstromkreis des Beamten erreicht. Ueber die durch * D. R. P. Kl. 21 Nr. 59328 |16| vom 9. December 1890 ab für Fr. Welles patentirte, für Netze mit Schleifenleitungen bestimmte Schaltung zu selbsthätiger Abgabe des Schlusszeichens soll an einer anderen Stelle berichtet werden.

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