Titel: Quantitative Bestimmung von Silber und Gold mittels salzsaurem Hydroxylamin.
Autor: Lainer, Alexander
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 17–19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284005

Quantitative Bestimmung von Silber und Gold mittels salzsaurem Hydroxylamin.

Von Prof. Alexander Lainer.

Wie Verf. in den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien mittheilte1), eignet sich das salzsaure Hydroxylamin in vortrefflicher Weise zur analytischen quantitativen Bestimmung des Silbers aus Silbernitrat-, Silbernatriumthiosulfat- und Kaliumsilbercyanid-Lösungen, sowie zur vollständigen Reduction von Chlor-, Brom- und Jodsilber.

Die Methode der Abscheidung des Silbers mittels salzsaurem Hydroxylamin eignet sich nicht nur zur quantitativen Bestimmung des Silbers, sondern auch zur Wiedergewinnung des Silbers aus den silberhaltigen Abfällen in der Photographie. Im letzteren Falle verwendet man nicht das reine salzsaure Hydroxylamin, sondern das von der badischen Anilin- und Sodafabrik gelieferte hydroxylaminhaltige Reducirsalz2), welches in Verein mit Laugensteinlösungen ebenfalls sehr kräftig reducirend wirkt.3)4)

Die Bestimmung des Silbers aus dessen Lösungen wurde seit der ersten Publication dieser Methode wiederholt und auch von den Frequentanten der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie- und Reproductionsverfahren in Wien durchgeführt und ergab durchschnittlich genauere Resultate als die quantitative Bestimmung des Silbers als Chlorsilber; dies ist darauf zurückzuführen, dass die Behandlung des gewaschenen Silberniederschlages nach dem Trocknen im Filter sich bedeutend einfacher gestaltet als beim Chlorsilber; es wird nämlich das Filter sammt dem Niederschlage verascht und geglüht; ausserdem geht auch die Filtration des Silberniederschlages besser vor sich, während beim Chlorsilber häufig eine opalisirende Trübung des Filtrates auftritt. Diesbezüglich ist zu bemerken, dass die stark alkalische Lösung, aus der Silber bereits mittels Hydroxylamin ausgeschieden wurde, nicht allzulange digerirt werden darf, da sonst das geballte Silber zum Theil in Pulverform übergeht und trübe Filtrate resultiren.

Bei der Trennung des Silbers von anderen schweren Metallen ist eine vorhergehende Abscheidung des Silbers als Chlorsilber und darauffolgende Reduction zu Silber zu empfehlen. Verf. setzt zu dem im Becherglase befindlichen und durch Decantation ausgewaschenen Niederschlag von Chlorsilber ein Stückchen Aetzkali und einige Krystalle salzsaures Hydroxylamin. Das Becherglas ist mit einem |18| Uhrglase zu bedecken, da ein ziemlich starkes Aufschäumen stattfindet; sodann wird bis zum Aufkochen erhitzt. Die Fällung des Silbers aus Cyanlösungen geht am schwierigsten vor sich; sie verlangt einen bedeutenden Aetzkaliüberschuss; am besten ist es, das erste Filtrat nach erneutem Zusatz von etwas Hydroxylamin abzudampfen; die zurückbleibende Masse mit Wasser aufzulösen und die letzten Spuren abgeschiedenen Silbers abzufiltriren.

Um zu sehen, ob eine organische Säure wie z.B. die Citronensäure dem Processe irgendwie hinderlich sei, wurde zuerst aus einem Silbernitrate das Silber mit salzsaurem Hydroxylamin und Aetzkali bestimmt.

0,8444 g Silbernitrat ergaben 0,5368 g Silber oder 63,58 Proc.

Berechnet 63,53 Proc. Silber
Gefunden 63,58

Nun wurden 0,9632 g Silbernitrat in citronensaures Silber übergeführt und das Silber wie vorher bestimmt; es wurden 0,6118 g oder 63,52 Proc. Silber gefunden.

Berechnet 63,53 Proc. Silber
Gefunden 63,52

Wie diese Analyse zeigt, war ein störender Einfluss der Citronensäure nicht zu bemerken.

Quantitative Bestimmung des Goldes aus verschiedenen Goldsalzen mittels salzsaurem Hydroxylamin.

Die Versuche der Fällung des Goldes mit salzsaurem Hydroxylamin wurden mit einer Goldchloridlösung durchgeführt, welche in 15 cc bei der Fällung mit Eisenvitriol einen Goldgehalt von 0,1275 g ergab; ferner wurde die neue Methode der Fällung des Goldes bei der quantitativen Analyse chemisch reiner Goldsalze wiederholt erprobt und für sehr gut verwendbar befunden.

Ausser aus Goldchloridlösungen und den Lösungen gewöhnlicher Goldchloriddoppelsalze wurde auch aus Natriumgoldthiosulfatlösungen das Gold mittels salzsaurem Hydroxylamin und Aetzkali quantitativ gefällt, während Kaliumgoldcyanidlösungen der Reduction widerstanden.

In Folgendem werden die Resultate der Analysen mitgetheilt:

a) 15 cc der sauer reagirenden Lösung des Goldchlorides wurden mit salzsaurem Hydroxylamin versetzt und Kalilauge zugefügt. Es entstand ein pulveriger Niederschlag. Die Reduction wird durch Erwärmen der Lösung beschleunigt. Während des Umrührens mit dem Glasstabe klärte sich die Lösung allmählich und der Niederschlag ballte sich zu braunen Massen zusammen; nachdem keine weitere Fällung zu erzielen war, wurde der Niederschlag durch Decantation mit heissem Wasser ausgewaschen und der Niederschlag schliesslich auf ein Filter gebracht; die an der Wandung der Schale und am Glasstabe hängenden Partikelchen wurden mittels eines kleinen Filterpapierstreifens gesammelt und ebenfalls auf das Filter gebracht.5) Die Wägung des Niederschlages ergab nach dem Verbrennen des Filters und Glühen der Masse im Tiegel:

0,1277 g.

Der Niederschlag bestand also nach dem Glühen desselben aus reinem Golde.

Diese Methode der Fällung des Goldes lässt sich trefflich zur Wiedergewinnung des Goldes aus den gewöhnlichen Tonbädern der Photographen verwerthen. Man versetzt das alte, nicht mehr weiter verwendbare Goldbad mit etwas Laugensteinlösung und hierauf mit wenig Reducirsalzlösung, bis kein Niederschlag mehr entsteht. Die überstehende klare Lösung wird abgegossen und der Rückstand nach Ansammlung einer entsprechenden Menge auf reine Goldsalze verarbeitet.

b) Die Goldbestimmung wurde in derselben Weise wie nach a) wiederholt, jedoch zu der Lösung von 15 cc Goldchlorid etwas Salpetersäure zugefügt. Die Wägung des Goldes ergab:

0,1274 g.

Bei Zusatz von 2 cc Salpetersäure und 1 cc Salzsäure zu 15 cc der Lösung ergab die Goldbestimmung einen Verlust von 0,0021 g. Das erhaltene Filtrat erschien im zerstreuten Lichte vollständig klar, während es, im directen Sonnenlichte betrachtet, einen röthlichen Schimmer zeigte.

c) Das Gold ist aus den Lösungen des Goldchlorides und der Goldsalze auch ohne Zusatz von Aetznatron oder Aetzkali mit salzsaurem Hydroxylamin allein unter Anwendung von Wärme quantitativ fällbar, wie folgende Analysen zeigen.

Die Fällung von 50 cc einer Goldchloridlösung mit salzsaurem Hydroxylamin und Aetzkali ergab:

0,1677 g Gold;

die Fällung von 50 cc derselben Lösung ohne Aetznatron, nur mit salzsaurem Hydroxylamin allein, ergab:

0,1679 g Gold.

Das auf diese Weise ausgeschiedene Gold zeigt eine hellgelbe Färbung und bildet bei Einhaltung gewisser Temperaturen und Concentrationen auch glänzende Goldflimmerchen.

Die Thatsache, dass das Gold aus den Lösungen der Goldsalze durch reines salzsaures Hydroxylamin ohne Zusatz von Aetzkali gefällt wird, gibt dieser Methode der quantitativen Goldabscheidung eine erhöhte Verwendbarkeit. Sowohl die Fällung des Goldes, als auch die nachfolgende Bestimmung der Alkalichloride ist mit grosser Genauigkeit bei geringem Zeitaufwande durchführbar.

Aus einer Reihe von Analysen, welche zum Zwecke des Studiums photographischer Goldsalze angestellt wurden, theile ich hier das Resultat einer Analyse des wasserfreien Goldchloridkaliums6) mit.

0,4012 g krystallisirtes Goldchloridkalium (AuCl3KCl) (wasserfrei) wurden in einer Porzellanschale in wenig Wasser gelöst und ein Krystall salzsaures Hydroxylamin zugesetzt. Die Lösung entfärbte sich innerhalb einiger Secunden und allmählich schieden sich Goldflimmerchen aus; die Reduction wurde durch Erwärmen beschleunigt. Das abgeschiedene Gold wurde durch Decantation mit heissem Wasser, sowie durch Auskochen mit Wasser von den Chloriden befreit und schliesslich nach dem Trocknen am Filter mit diesem im Porzellantiegel verascht, geglüht und gewogen. Das Gewicht des Goldes betrug 0,2086 g oder 51,99 Proc. Das Filtrat wurde in einer abgewogenen Porzellanschale verdampft, der Rückstand schwach geglüht und gewogen; das Kaliumchlorid betrug 0,0801 g oder |19| 19,96 Proc. Nach der Berechnung enthält das chemisch reine Salz der Formel AuCl3KCl 52,05 Proc. Gold und 19,73 Proc. Kaliumchlorid.

d) Die neutrale Goldsalzlösung, mit salzsaurem Hydroxylamin versetzt, scheidet nach einiger Zeit selbst bei gewöhnlicher Temperatur und auch im Dunkeln Gold ab; jedoch wird die Fällung des Goldes im Sonnenlichte sehr beschleunigt,

e) Eine Goldchloridlösung wurde mit Cyankalium versetzt, bis die Lösung farblos war. Mit salzsaurem Hydroxylamin und Aetznatron war selbst in der Kochhitze keine Fällung zu erzielen.

f) 2 g unterschwefligsaures Natrium wurden in wenig Wasser gelöst und 15 cc Goldchloridlösung mit einem Goldgehalte von 0,1275 g zugesetzt. Die Lösung von Auronatriumthiosulfat ist weder durch Eisenvitriol, noch durch Oxalsäure zersetzbar. Mit salzsaurem Hydroxylamin und Aetznatron geht die Abscheidung des Goldes aus obiger Lösung quantitativ genau vor sich. Es wurden gefunden:

0,1276 g Gold.

Auch diese Fällungsmethode ist für die photographische Praxis zur Abscheidung des Goldes und Silbers aus den gebrauchten Ton- und Fixirbädern verwendbar, wenn statt des reinen salzsauren Hydroxylamins das Reducirsalz im Vereine mit Laugenstein verwendet wird.

Chemisches Laboratorium der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie- und Reproductions verfahren in Wien.

Wien, November 1891.

|17|

Bd. XCVII Abthlg. b. J. 1888.

|17|

Al. Lainer, Mittheilungen über das salzsaure Hydroxylamin, das Reducirsalz und die Reducirlösung. (Phot. Corresp. 1890.)

|17|

Wiedergewinnung des Silbers aus den photographischen Rückständen mittels Reducirsalz. (Phot. Corresp. 1890.)

|17|

Zur Reduction der Silberrückstände, D. p. J. 276 565.

|18|

Verf. zieht diese Art der Sammlung der letzten Reste von Niederschlägen, wo sie angeht, der Benutzung der Federfahne weitaus vor und können derart die letzten Spuren anhaftender Niederschläge rasch und sicher gewonnen werden.

|18|

Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie, Bd. XCIX Abth. II c. 16. Mai 1890. Al. Lainer, „Ein neues wasserfreies Goldchloridkalium.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: