Titel: Neuere Regulirvorrichtungen an Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 31–37)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284009

Neuere Regulirvorrichtungen an Dampfmaschinen.

Mit Abbildungen.

Der beispiellose Unfall, welcher am 25. April 1890 die Maschine des Schiffes City of Paris betroffen (1891 278 * 213), lenkte die Aufmerksamkeit der Constructeure mehr als bisher auf diejenigen Vorrichtungen, welche dazu bestimmt sind, die Geschwindigkeit der Dampfmaschinen den Widerständen entsprechend zu regeln bezieh. ein Durchgehen derselben zu verhüten, und veranlasste namentlich die Schiffbauingenieure, selbsthätig wirkende Regulirvorrichtungen zu construiren, welche im Stande sind, den bei Wellenbrüchen in Folge Durchgehens der Maschinen entstehenden Zerstörungen vorzubeugen. Doch auch bei stationären Dampfmaschinen wurde eine sichere und augenblickliche Wirkung des Regulators auf die Steuerung bezieh. die zum Drosseln und Absperren des Einströmdampfes dienenden Organe immer mehr angestrebt, und es kann auch hier über beachtenswerte Neuerungen auf diesem Gebiete berichtet werden.

Textabbildung Bd. 284, S. 31
Die von dem Mitinhaber der Firma Brown Brothers und Co. in Edinburgh, dem Ingenieur A. B. Brown erfundene selbsthätig wirkende Regulirvorrichtung für Schiffsmaschinen veranschaulicht Fig. 1. Dieselbe besteht nach Mittheilungen in Engineering vom 10. Juli 1891 und Invention vom 10. October 1891, S. 1124, aus einer oscillirenden Maschine, welche mit einem Dampfcylinder A und Wassercylinder B |32| arbeitet; das obere Ende der gemeinschaftlichen Kolbenstange beider Cylinder ist mit einem Hebel versehen, welcher die Umsteuerungscoulissen der Schiffsmaschine bethätigt. Der Regulator besteht aus einem einfachen pendelnden Hebel, welcher von der Hauptmaschine aus bewegt wird und ein Gewicht trägt, welches sich auf eine Feder stützt, die derart regulirt ist, dass der Hebel bei normaler Geschwindigkeit der Schiffsmaschine nur unbedeutende, beim Wachsen derselben dagegen immer grösser werdende Bewegungen ausführt, wodurch schliesslich die Umsteuerungscoulissen der Schiffsmaschine in ihre Mittelstellung gebracht werden.

Der Umsteuerungshebel ist hier nicht um einen Zapfen drehbar angeordnet, sondern greift am Ende des Hebels C an und umschliesst mit seinem kurzen Arme D die zum Dampfcylinder A führende Schieberstange bei E; der Hebel C ist um F drehbar und mit der Kolbenstange G1 des kleinen Cylinders H verbunden, dessen Steuerschieber, solange die Schiffsmaschine mit einer zulässigen Geschwindigkeit läuft, eine solche Lage einnimmt, dass auf dem Kolben G ein constanter Dampfdruck lastet. Unmittelbar über dem Hebel C befindet sich ein zweiter Hebel I, der unter Zwischenschaltung der mit irgend welchem gangbaren Theile der Schiffsmaschine verbundenen Stange j eine schwingende Bewegung von ungefähr 50 mm Ausschlag erhält und um den Zapfen K drehbar ist; an seinem äussersten gegabelten Ende befindet sich ein Gewicht L, welches durch eine in dem Bügel M liegende Spiralfeder gestützt wird und auf seinem unteren Theile mit einer ringförmigen Nuth versehen ist, in welche ein Winkelhebel N eingreift, dessen anderer Arm bei Ueberschreitung einer bestimmten Geschwindigkeit der Schiffsmaschine die Schieberstange O nach aufwärts bewegt. Die Spannung der Spiralfeder ist nämlich derart geregelt, dass, wenn die Schiffsmaschine mit normaler Geschwindigkeit läuft, der Winkelhebel N ausser Berührung mit der Schieberstange O bleibt; überschreitet indess die Geschwindigkeit eine zulässige Grenze, so kommt das hakenförmige Ende des genannten Winkelhebels, da das Gewicht L die Feder jetzt mehr als vorher zusammendrückt, mit der Schieberstange O in Eingriff und es tritt bei der Aufwärtsbewegung des Schiebers Dampf unter den Kolben G, während der über demselben befindliche Dampf ins Freie entweicht. Die aufsteigende Kolbenstange G1 veranlasst nun eine Drehbewegung des Hebels C, und der nach unten gehende Umsteuerungshebel bringt den Schieber der Umsteuerungsmaschine in eine solche Lage, dass Dampf über den Kolben derselben tritt und die Coulissen der Schiffsmaschine durch die abwärtsgehende Kolbenstange in ihre Mittelstellung oder etwas darüber hinaus gebracht werden. Hierdurch tritt eine augenblickliche Hemmung der Bewegung in sämmtlichen Cylindern der Schiffsmaschine gleichzeitig ein, was durch Schliessen eines Dampfabsperrventiles nie erreicht werden kann, auch wenn dasselbe noch so schnell bewerkstelligt wird. Nach erfolgtem Stillstande der Maschine kann der zum kleinen Cylinder H gehörige Schieber durch den Handhebel P wieder in seine ursprüngliche Stellung zurückgebracht werden.

Bemerkenswerth ist an der Umsteuerungsmaschine noch die bequeme Zugänglichkeit der Stopfbüchsen beider Cylinder, welche aus je zwei Hälften bestehen und leicht entfernt werden können.

G. P. Spooner in Portmadoc, North Wales, schlägt zur Regulirung der Geschwindigkeit von Schiffsmaschinen vor, zwischen der treibenden und getriebenen Welle mehrere Spiralfedern einzuschalten, welche, solange die von der Maschine entwickelte Arbeit den Widerständen proportional ist, zusammengedrückt bleiben, wobei der Dampf ohne Drosselung in die Cylinder gelangt, bei einer plötzlichen Verminderung der Widerstände dagegen, wie dies z.B. beim Bruche der Schrauben welle auf offener See vorkommen kann, sich ausdehnen und eine Drosselklappe bethätigen, welche die Zufuhr frischen Dampfes in die Cylinder abschneidet bezieh. den Durchgangsquerschnitt des Einströmrohres derart verengt, dass ein Durchgehen der Maschine nicht mehr stattfinden kann.

Textabbildung Bd. 284, S. 32
Wie die den Industries, 1891, entnommenen Abbildungen Fig. 2 bis 4 erkennen lassen, ist zu dem Zwecke auf der treibenden Welle B eine Scheibe A und auf der Schraubenwelle D eine zweite Scheibe C festgekeilt, welche je drei durch Platten G gegen Längsverschiebungen gesicherte Bolzen E bezieh. F tragen, die in Aussparungen der Scheiben liegende und auf ihrem unteren Theile mit vorstehenden Rändern versehene Kloben tragen. Zwischen je zwei von Bolzen E der Scheibe A bezieh. Bolzen F der Scheibe C getragenen Kloben liegen Spiralfedern. Die Bolzen F sind ferner durch Hebel H mit einer Scheibe I verbunden, die, mit einer umlaufenden Rinne versehen, sich längs der Treibwelle B verschieben lässt.

Bei normalem Widerstände bleiben die Spiralfedern; wie bereits oben bemerkt, zusammengedrückt; ändert sich derselbe jedoch, so tritt in Folge Ausdehnung der Federn bezieh. Verschiebung der auf den Bolzen F sitzenden Kloben durch die Hebel H eine Verschiebung der Scheibe I auf der Welle B ein, welche in folgender Weise zur Geschwindigkeitsregulirung der Maschine benutzt wird.

In dem kleinen Cylinder J (Fig. 2) bewegt sich ein Kolben K, dessen Stange mit einer Drosselklappe in Verbindung steht, und im Schieberkasten desselben liegen zwei zur Steuerung des Einströmdampfes dienende Schieber L und M; ersterer ist durch eine Stange mit einem in der Rinne der Scheibe I liegenden Hebel und letzterer durch einen zweiten Hebel und Stangen in der auf der Abbildung |33| ersichtlichen Weise mit der Kolbenstange verbunden. Bewegt sich die Scheibe I längs der Treibwelle B, so führt auch der Schieber L eine entsprechende Bewegung aus und es tritt in Folge dessen Dampf vor oder hinter den Kolben K, wodurch eine Verstellung der Drosselklappe bewirkt wird; gleichzeitig verändert aber auch der Schieber M seine Stellung und schliesst den vordem frei gewordenen Kanal im Grundschieber wieder, so dass eine weitere Dampfeinströmung in den Cylinder nicht stattfinden kann.

Eine andere Regulirvorrichtung für Schiffsmaschinen von J. D. Churchill in London veranschaulichen die den Industries vom 15. Mai 1891 entnommenen Abbildungen Fig. 5 und 6.

Textabbildung Bd. 284, S. 33
Es sind, wie auch Engineering vom 8. Mai 1891 berichtet, A, B und C die Cylinder (Hoch-, Mittel- und Niederdruckcylinder) einer Dreifach-Expansionsmaschine, D und E zwei durch ein Rohr F mit einander verbundene Ventile, welche am Niederdruckcylinder angebracht sind und im geöffneten Zustande das obere und untere Ende desselben mit einander in Verbindung bringen, so dass der Niederdruckkolben in diesem Falle vollständig entlastet ist.

G ist ein verbesserter Regulator nach Durham's1) System, welcher durch Stange G1 einen dreiarmigen Hebel H bethätigt, an dessen zweitem Arm eine nach der Drosselklappe bei J führende Stange I und an dem dritten Arme eine in Lagern O geführte Stange K angreift, welche letztere durch einen Hebel M mit der senkrechten Welle L verbunden ist, die zur Regulirung der beiden Ventile D und E dient. Fig. 6 lässt erkennen, dass das eine Ende der Stange K mit einem kleinen Zapfen versehen ist, der sich in einem Schlitze des Hebels M führt, wodurch verhindert werden soll, dass der Regulator, wenn er mittels Stange I die Drosselklappe bethätigt, nicht auch gleichzeitig auf die Ventile D und E einwirkt, sondern erst dann, wenn die Drosselklappe den Durchgangsquerschnitt des Einströmdampfes um einen bestimmten Betrag verengt hat; es verrichtet demnach der in den Niederdruckcylinder strömende Dampf erst in dem Falle keine Arbeit mehr, wenn die Geschwindigkeit der Maschine aussergewöhnlich ansteigt, was nur selten vorkommen wird. Geht der Regulator in seine ursprüngliche Stellung wieder zurück, so werden die geöffneten Ventile D und E durch die Stange K sofort geschlossen, da sich der an dem Ende der letzteren befindliche Zapfen in eine cylindrische Erweiterung im oberen Theile des Schlitzes vom Hebel M legt, so dass der Niederdruckcylinder gleichzeitig mit dem Hochdruckcylinder wieder in Wirksamkeit tritt und die Maschine einen ruhigen Gang annimmt.

Auch andere Einrichtungen lassen sich behufs Bethätigung der beiden Ventile am Niederdruckcylinder treffen.

Fig. 7 zeigt einen Hebel N, dessen daumenartiges Ende auf einer konischen Muffe O ruht, welche auf der Stange K befestigt ist; der Hebel N dreht sich um einen am Maschinengestelle befestigten Zapfen und wirkt bei genügender Verschiebung der Stange K wieder auf die Ventile D und E ein. Die Muffe O kann durch Zug an einer Schnur P ausgelöst werden. Die Construction der am Niederdruckcylinder sitzenden Ventile D und E geht aus Fig. 8 hervor. Q ist eine mit Durchbrechungen versehene, mit dem Flansche B zwischen oberen und unteren Theil des Ventilgehäuses S festgeklemmte konische Büchse, in welcher sich ein ebenso gestaltetes, auf der Spindel V befestigtes Ventil T bewegt.

Ueber einen mit Differentialgeschwindigkeit arbeitenden Regulirungsapparat von G. H. Firth in Manchester berichten Industries, 1891 S. 191.

Textabbildung Bd. 284, S. 33
Der Apparat ist, wie Fig. 9 und 10 ersichtlich, auf einer mit röhrenförmigem Ansätze A1 versehenen Grundplatte A montirt, welche in geeigneter Weise unterstützt ist; zwei mit der Platte A zusammengegossene Lager B1 tragen eine Welle B, auf welcher die mit dem Schneckenrade C in Eingriff stehende Schnecke B2 aufgekeilt ist. Die Welle B wird von der Schwungradwelle der Maschine aus betrieben und das mit verminderter Geschwindigkeit rotirende Schneckenrad C stützt sich auf eine Flansche D1 der hohlen Büchse D, welche mittels einer in dem röhrenförmigen Ansätze der Grundplatte A sitzenden Schraubenmutter D2 (Fig. 9) auf der letzteren befestigt ist. Das konische Rad E ist mit dem Schneckenrade C zusammengegossen und ferner am oberen Ende der Büchse D ein zweites konisches Rad F lose drehbar angeordnet, welches |34| mit Vorsprüngen F1 versehen ist, zwischen welche sich entsprechend geformte Vorsprünge G1 der beweglichen Muffe G legen. Durch die hohle Büchse D geht eine Welle H, deren oberes Ende mit einem Querstücke I verbunden ist, welches sich mittels Bolzen I1, sowie Träger M auf die Grundplatte stützt und eine ebenfalls mit Vorsprüngen versehene Scheibe H1 trägt, welche in derselben Weise wie vordem mit der Muffe G in Eingriff ist, wenn letztere durch die in einer Nuth Ns der Muffe G liegenden Schrauben N1 des gegabelten Hebels N in die auf der Abbildung (Fig. 9) ersichtliche Lage kommt. Die Welle H empfängt ihre gleichförmige Bewegung von einem besonderen Motor aus, der unabhängig von der Maschine, deren Regulirung mittels des Apparates bewirkt werden soll, arbeitet, und ertheilt durch die Klauenkuppelung G1, G2 dem konischen Rade F eine in Bezug auf das Rad E entgegengesetzt gerichtete Drehbewegung mit einer constanten Geschwindigkeit, übereinstimmend mit derjenigen des Rades E, wenn die Maschine mit normaler Umdrehungszahl läuft. Zwischen den Rädern E und F befindet sich auf der Büchse D noch ein drittes Rad L, welches mit einer Oeffnung und zwei Lagern für ein in demselben laufendes Rad L1 versehen ist; letzteres steht, wie die Abbildungen erkennen lassen, mit den beiden Rädern E und F in Eingriff und dreht sich einfach um seine Achse, solange die Räder E und F bei entgegengesetzter Drehbewegung mit gleicher Geschwindigkeit rotiren, d.h. es veranlasst in diesem Falle keine Ortsveränderung des Rades L. Wenn jedoch die Geschwindigkeit der Maschine und des Rades E wächst, so rollt das Rad L1 auf F und das Rad L bewegt sich in Folge dessen in demselben Sinne wie F, während bei abnehmender Geschwindigkeit der Maschine L1 auf E rollt und L sich in demselben Drehsinne wie E bewegt. Diese Bewegungen werden durch das in einer Nabe der Stütze M laufende Rad K und die Kuppelung K1 K2 auf die Welle O übertragen, welche eine Drosselklappe oder selbsthätige Expansionssteuerung bethätigt, so dass der Dampf beim Wachsen der Geschwindigkeit der Maschine entweder mit geringerer Spannung oder grösserer Expansion im Cylinder zur Wirkung kommt. Um eine Drehbewegung der Welle O bezieh. ein Abbrechen derselben beim Stillstande der Maschine zu verhüten, ist das Rad K auf der Welle O lose drehbar angeordnet und mit einer gezähnten Scheibe K1 verbunden, gegen welche eine zweite ähnliche Scheibe K2, die auf der Welle O gleitet ohne zu rotiren, durch eine Feder O1 gepresst ist. Wenn demnach O stehen bleibt und K sich ununterbrochen fortbewegt, werden K1 und K2 ausser Eingriff sein. Um die Maschine von irgend welchem Punkte der Fabrik aus plötzlich abstellen zu können, ist noch ein Elektromagnet P angeordnet, der auf einer Unterstützung P1 ruht und beim Passiren des Stromes den Anker R anzieht; letzterer stützt den um N2 drehbaren Hebel N, dessen anderes Ende auf dem Rade F liegt und von einer kräftigen Feder S nach abwärts gedrückt wird. Sobald der Hebel N nach dem Anziehen des Ankers B frei wird, drückt die Feder S die mit dem Hebel N verbundene Muffe G nach unten, so dass diese ausser Eingriff mit der Scheibe H1 und damit auch das Rad F zum Stillstande kommt.

Bei der Regulirvorrichtung von Schäffer und Budenberg in Magdeburg-Buckau (D. R. P. Nr. 54449) wird durch die Wirkung einer in den Steuerungsmechanismus eingeschalteten Pendelmasse eine selbsthätige Regulirung des Einströmdampfes durch Drosselung oder Expansion erreicht.

Textabbildung Bd. 284, S. 34
Von irgend einem hin und her gehenden Theile der Maschine aus (Excenter) wird der in Fig. 12 und 13 mit a bezeichnete Doppelhebel in eine schwingende Bewegung versetzt und diese auf den Vertheilungsschieber b übertragen, welchem der Dampf indess nicht direct aus dem Schieberkasten, sondern erst nach Passiren eines entlasteten Schiebers c zuströmt.

Beide Schieber sind unter sich durch die Feder o elastisch verbunden und ferner ist c noch mit einer trägen Masse d versehen, welche der die Bewegung übertragenden Feder e bei zunehmender Geschwindigkeit einen wachsenden Widerstand entgegensetzt und so den Ausschlag des Schiebers c verkleinert; hierdurch wird für grössere Geschwindigkeiten ein früheres bezieh. für geringere Geschwindigkeiten ein späteres Dampf abschneiden erzielt und damit die Geschwindigkeit der Maschine geregelt.

Fig. 12 und 13 zeigen beide Schieber in einem Gehäuse vereinigt, doch lässt sich der Schieber c auch getrennt vom Vertheilungsschieber b und die ganze Vorrichtung bei bereits vorhandenen Maschinen anordnen, ohne dass es nothwendig ist, deren Steuerungen deshalb umzuändern.

E. C. Mills in Manchester benutzt zur Regulirung von Dampfmaschinen einen unter Mitwirkung gespannten Dampfes functionirenden pneumatischen Apparat, welcher mit Hilfe des Regulators ein Regulirventil oder das Absperrventil der Maschine bethätigt.

Textabbildung Bd. 284, S. 34
Nach den Industries vom 14. November 1890 entnommenen Abbildungen Fig. 14 und 15 ist A der pneumatische Cylinder mit Kolben B; ersterer ist auf seinem oberen Ende von einem ringförmigen Gefässe C umgeben, welches zur Aufnahme und Abgabe der Flüssigkeit in den Cylinder dient. Der untere Theil des Cylinders A steht zu dem Zwecke durch ein Rohr F mit dem Gefässe C in Verbindung, und zwar wird der Zu- und Abfluss der Flüssigkeit durch einen im Gehäuse E gleitenden Schieber D geregelt, welcher den Eintrittskanal G des Rohres F abwechselnd |35| öffnet oder schliesst, so dass durch den Kanal H Flüssigkeit aus und in den Cylinder treten kann oder aber das Austreten derselben verhindert wird. Der Schieber D ist mit krummlinigen Oeffnungen D1 (Fig. 16) versehen und wird von einer Spindel I bewegt, welche in geeigneter Weise mit dem Regulator der Maschine in Verbindung steht; durch die Vertiefungen D2 wird eine ungezwungene Verbindung der Räume des Schieberkastens ober- und unterhalb des Schiebers erreicht. Der Cylinder A unterhalb des Kolbens, der Schieberkasten E, die Oeffnungen G und H, das Rohr F, sowie endlich das Gefäss C sind sämmtlich mit Flüssigkeit angefüllt. Irgend welcher Quelle entnommener gespannter Dampf drückt nun auf die Oberfläche der in C enthaltenen Flüssigkeit und wirkt so durch Fortpflanzung auf die untere Fläche oder aber auch direct auf die obere Fläche des Kolbens B; die Ein- und Ausströmung dieses Dampfes regeln Kolbenschieber J, J1, welche durch die im Schieberkasten K liegenden Hebel M und Spindeln N gesteuert werden. Der Schieberkasten K ist mit einer Zwischenwand versehen, durch welche zwei Abtheilungen K1 bezieh. K2 gebildet werden (Fig. 15); in ersterer mündet das Dampfeintrittsrohr L, in letzterer das Ausströmrohr. Die Spindeln N sind durch einen ausserhalb ihrer Stopfbüchsen angreifenden kräftigen Bügel mit einander verbunden und werden durch den vom Regulator der Maschine bethätigten Hebel O hin und her bewegt. Die Kolbenschieber gestatten dem Dampfe, je nach dem Sinne, in welchem sich der Regulator beim Verlassen seiner normalen Stellung bewegt, entweder den Eintritt in das Gefäss C oder in den oberen Theil des Cylinders A durch die Kanäle P, P1 bezieh. den Austritt desselben durch die Kanäle Q, Q1, d.h. der Kolben B bewegt sich durch den Dampfdruck beim Fallen des Regulators in dem einen, beim Steigen desselben im entgegengesetzten Sinne, und, da diese Bewegungen augenscheinlich von der Grösse der Oeffnung im Schieber D abhängen, wird durch diese auch die Entfernung des Regulators aus seiner normalen Lage überhaupt bestimmt, wobei indess zufolge der krummlinigen Oeffnungen D1 im Schieber D ein beliebiges Zunehmen der Regulatorbewegung erreicht werden kann. Die Bewegung des Kolbens B lässt sich mittels Stange und Hebel auf ein Drosselventil (Drosselklappe) übertragen oder zur Regulirung des Absperrventiles einer mit Meyer'scher Expansionssteuerung arbeitenden Maschine benutzen.

Textabbildung Bd. 284, S. 35
T. Sullivan, W. Hughes, W. Chemery und S. Brown in London ist nach Engineering vom 16. October 1891 in England unter Nr. 15464 die in der Abbildung (Fig. 17) ersichtliche Vorrichtung zur Regulirung der Geschwindigkeit grösserer Dampfmaschinen patentirt worden.

Eine mit zwei gleichen Cylindern arbeitende Hilfsmaschine ist mit einem Regulator A versehen, der unter Zwischenschaltung von Hebel und Stange einen Vierwegehahn B so bethätigt, dass derselbe, wenn die Hauptmaschine still steht, nach vorherigem Oeffnen des Absperrventiles den Eintritt von Dampf in die Schieberkasten der Hilfsmaschine zulässt, wodurch dieselbe in Gang kommt; letztere steht durch konische Räder E mit einer Drosselklappe D in Verbindung und gestattet nach erfolgtem Oeffnen derselben dem Kesseldampfe Zutritt zur Hauptmaschine. Wenn die letztere ihre normale Geschwindigkeit erreicht hat, stellt der mittels Riemen Q von der Hauptmaschine betriebene Regulator A den Hahn B so ein, dass die Dampfeinströmung in die Schieberkasten der Hilfsmaschine aufhört und diese stehen bleibt; tritt nun in Folge der Ab- oder Zunahme von Widerständen eine Vermehrung oder Verminderung der Geschwindigkeit der Hauptmaschine ein; so kommt durch die veränderte Stellung des Regulators A auch der Hahn B sofort in eine solche Lage, dass eine abermalige Dampfeinströmung in die Schieberkasten der Hilfsmaschine stattfinden kann und diese je nach dem Fallen oder Steigen der Regulatorkugeln ihre Bewegung in dem einen oder anderen Sinne wieder aufnimmt, wodurch eine Vergrösserung oder Verringerung des Durchgangsquerschnittes im Dampfeinströmrohre durch die Drosselklappe erreicht wird.

Einen durch Whitmore und Binyon, Wickham Market, in England eingeführten selbsthätig wirkenden Expansionsregulator amerikanischen Ursprunges (System Nordberg) veranschaulicht die, Engineer vom 18. September 1891 S. 229 entnommene Abbildung (Fig. 18).

Derselbe besteht aus einem Doppelsitzventile A, welches vor Beginn des Kolbenhubes um einen gewissen Betrag geöffnet ist und unter Mitwirkung einer Spiralfeder B, sowie eines Luftpuffers C schnell und geräuschlos auf seinen Sitz zurückfällt. Der Kolben D des Luftbuffers wird durch die Hebel E und E1, welche unabhängig von einander auf den Spindeln F und F1 frei beweglich sind, abwechselnd angehoben, und zwar erfolgt dies durch Knaggen G und G1, sobald dieselben mit ihren unteren, durch Stahlplatten armirten Enden gegen die in Einschnitten der Hebel E, E1 liegenden Mitnehmer treffen. Die Knaggen schwingen um denselben Mittelpunkt wie die letztgenannten Hebel und sind um die in den oberen Armen der Vertheiler J und J1 sitzenden Bolzen H und H1 drehbar; die Vertheiler sind auf den Spindeln F, F1 befestigt, durch kurze Glieder gelenkig mit einander verbunden und werden mittels Excenter, Stange und Kurbelarm von der Kurbelwelle der Dampfmaschine aus bewegt. Um die Berührung der Knaggen G, G1 mit den Hebeln E, E1 zu sichern, werden die Enden derselben durch kleine Spiralfedern K und K1 beständig nach unten gedrückt. Treffen die Knaggen bei ihrer Bewegung mit den Mitnehmern der Hebel E, E1 zusammen, so werden die letzteren so lange um ihre Achsen gedreht; bis eine Berührung der oberen Knaggenenden mit der Auslösscheibe M erfolgt, welche letztere mit der Regulatorspindel O durch ein Gleitstück N verbunden ist und sich je nach dem Fallen oder Steigen der Regulatorkugeln der Geschwindigkeit der Maschine entsprechend einstellt, so dass durch ein früheres oder späteres Auslösen der Klappen ein veränderlicher Füllungsgrad erreicht wird. Die zusammengedrückte Spiralfeder B |36| bewegt nach erfolgtem Auslösen die Hebel E, E1 wieder nach unten, und zwar wird deren Mitnahme durch die Schrauben L und L1 begrenzt.

Die Regulatorspindel O stützt sich auf das Gleitstück N und trägt auf ihrem oberen Ende das Kopfstück P, welches mit einem Oelcylinder und seitlichen Oeffnungen für die kurzen Hebel der Kugelarme des Regulators versehen ist, so dass, wenn die Kugeln steigen, die Regulatorspindel, das Gleitstück und die Auslösscheibe nach unten gedrückt werden. Q ist ein kleiner Kolben, welcher in dem beweglichen Oelcylinder liegt und wie ein Oelbuffer wirkt. Das Gleitstück N wird von einem Hebel V, auf dem sich behufs Regelung der Geschwindigkeit der Maschine ein Gegengewicht S verschieben lässt, nach oben gepresst gehalten.

Auch beim Gleiten und Reissen des Regulatortreibriemens bietet dieser Expansionsregulator eine genügende Sicherheit und verhütet in diesen Fällen ein etwaiges Durchgehen der Dampfmaschine.

Textabbildung Bd. 284, S. 36
Solange der Treibriemen nämlich mit der nöthigen Spannung auf der Antriebscheibe des Regulators aufliegt, befindet Sich der Gegengewichtshebel V mit einem zweiten durch ein Gewicht T belasteten Hebel im Gleichgewichte; reisst oder gleitet indess der Riemen auf der Scheibe, so sinkt das Gewicht T nach unten, während der mit dem Gewichte S belastete Hebel V sich aufwärts bewegt und das innere Ende desselben das Gleitstück N so weit nach unten drückt, dass eine Bethätigung der Hebel E, E1 durch die Knaggen nicht mehr stattfinden kann und die Maschine in Folge dessen zum Stillstande kommt.

Die bedeutenden Reibungen, welche bei den in der Regel vom Regulator direct beeinflussten Doppelschiebersteuerungen zwischen den beiden Schiebern auftreten, verringern die Genauigkeit der Regulirung, sowie die Empfindlichkeit des Regulators nicht unwesentlich und veranlassten G. Jalsoviczky in Budapest, eine Expansionsregulirvorrichtung zu construiren, welche die genannten Uebelstände vollständig beseitigen soll; dieselbe bewirkt an Stelle des zweiten Schiebers die Dampfvertheilung selbsthätig und ohne nennenswerthe Reibung.

Textabbildung Bd. 284, S. 36
Die in Fig. 19 ersichtliche Regulirvorrichtung besteht nach Mittheilungen in Industries vom 26. Juni 1891 bezieh. Engineering vom 19. Juni 1891 aus einem Vertheilungsschieber A und einem als cylindrischer Rundschieber ausgebildeten, mit vier dreieckigen Oeffnungen versehenen Abschlusschieber D, der sich in dem mit einem Metallcylinder G ausgebüchsten Gehäuse B bewegt. Der Metallcylinder besitzt ebenfalls vier Oeffnungen, welche denjenigen im Schieber D entsprechen; letzterer ist mit der Stange E verbunden und wird vom Regulator in eine drehende Bewegung versetzt, sowie auch gleichzeitig sammt der Stange E in einer Hohlwelle längs der Achse des Cylinders C verschoben, und zwar erfolgt diese Verschiebung durch ein mit der Regulatormuffe in Verbindung gebrachtes Gestänge der Geschwindigkeit der Maschine entsprechend, so dass die dreieckigen Oeffnungen sich bald ganz, bald mehr oder weniger nur mit den Spitzen decken und dadurch der Füllungsgrad bestimmt wird. Bei den vier Oeffnungen im Schieber D muss das mit der Hauptwelle der Maschine in gleichem Sinne drehende Regulatorgetriebe bei zwei Doppelhüben des Kolbens eine Umdrehung vollführen oder sich mit der halben Geschwindigkeit der Hauptwelle drehen. Damit dies genau geschieht, ist die zur Bewegung des Vertheilungsschiebers A dienende Schieberstange mit einer senkrechten Stange versehen, welche ihre Bewegung durch eine Pleuelstange der Kurbel G mittheilt. Die Umdrehung der Kurbel überträgt sich dann mittels konischer Räder auf den Regulator in der Weise, dass die Spindel E halb so viel Umdrehungen macht, als die Kurbel. Zum Ausgleiche der todten Punkte der Kurbel dient übrigens noch die Riemenscheibe H.

Die Grundidee dieser Anordnung ist nicht neu, denn bereits die in Paris 1889 ausgestellt gewesenen Dampfmaschinen von Sautter, Lemonnier und Co. und Olry, Granddemange und Coulanghon (vgl. 1890 276 * 242) besassen ähnliche Regulirvorrichtungen.

Um das stossweise Functioniren der auf ein Drosselorgan arbeitenden Regulatoren bei plötzlicher Zu- oder Abnahme von Widerständen, welche die Dampfmaschinen zu überwinden haben, in Fortfall zu bringen und eine möglichst sichere und augenblickliche Wirkung derselben zu erzielen, gab Raffard demselben nach Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'industrie nationale, 1891 S. 63, die in der Abbildung (Fig. 20) ersichtliche Gestalt einer entlasteten Hülse B, welche in der Büchse eines entsprechend gehaltenen Gehäuses genau eingepasst und ebenso wie diese mit mehreren Bohrungen a für den durch die Oeffnungen AA des Gehäuses ein und aus tretenden Dampf versehen ist. Die Hülse ist durch die Hebel FF mit dem Regulator E verbunden und ändert seine Stellung in der Büchse derart, dass die Durchgangsöffnungen für den in den Schieberkasten tretenden Dampf mehr oder weniger verengt werden. Behufs Beseitigung schädlicher Reibungen |37| befestigt Raffard auf der zur Hülse B gehörigen Spindel C ausserhalb der Stopfbüchse eine kleine mit Spurrinne versehene Scheibe D, welche mittels Schnur von der Schwungradwelle aus beständig in schnelle Umdrehungen versetzt wird, so dass nur noch durch eine zur Spindel normal gerichtete unbedeutende Einzelkraft geringe Reibungen hervorgerufen werden und sich die Hülse auch bei der kleinsten vom Regulator ausgehenden Kraft sofort einstellt.

Textabbildung Bd. 284, S. 37
Auch diese Anordnung ist nicht neu, sondern wurde vor längerer Zeit bereits von Eugen Bourdon, dem Erfinder des nach ihm benannten Röhrenmanometers, an einer Maschine zur Ausführung gebracht, welche er zum Zwecke der Prüfung der für hohe Drucke bestimmten Manometer construirte. In dieser Maschine wird die Spannung mit Hilfe des auf den Kolbenkopf einer hydraulischen Presse ausgeübten Druckes gemessen, und um die hierbei auftretende Reibung der Manschettenliderung zu vernichten, bewirkte Bourdon mit Hilfe von Zahnrädern eine Drehbewegung der Presse um ihre Achse.

Eine derartige, zur Berichtigung von Manometern bis zu 1000 k für 1 qc und darüber dienende Maschine war auf der Pariser Weltausstellung 1889 vertreten und erregte allgemeine Bewunderung.

Textabbildung Bd. 284, S. 37
Bei dem Regulator von W. H. Knowles in Burnley, Lancaster (Englisches Patent Nr. 11931 vom 27. Juli 1889), dreht nach Mittheilung in Uhland's Technischer Rundschau, 1890 Nr. 8 S. 63, die mit Riemenscheibe d (Fig. 21) versehene Antriebswelle mittels konischen Getriebes eine Hülse c, die oben eine halbkreisförmige Rinne c1 trägt, in welcher zwei Kugeln liegen, die je nach der Umfangsgeschwindigkeit der Hülse bezieh. der Maschine mehr oder weniger in der Rinne emporsteigen und dadurch den auf ihnen liegenden Teller e mehr oder weniger anheben; letzterer ist mit der Verlängerung a der Drosselventilspindel a1 verbunden und bethätigt auf diese Weise das Ventil a2 derart, dass nur entsprechende Dampfmengen durch b nach b1 gelangen können. Der Regulator soll besonders bei schnell laufenden Maschinen Verwendung finden.

Freytag.

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S. Busley, Die Schiffsmaschinen, 1886 S. 276 und Taf. 150, sowie Engineering vom 12. Juni 1891, S. 715.

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