Titel: Neue Regulatoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 49–58)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284014

Neue Regulatoren.

Patentklasse 60. Mit Abbildungen.

Die Mehrzahl der vorliegenden Neuerungen bezieht sich auf Achsenregulatoren, deren Anwendung für die Zwecke der Regelung schnellgehender Dampfmaschinen immer mehr zunimmt. Die grundlegende Construction von Armington-Sims wird durch die vorliegenden Neuerungen zu vereinfachen bezieh. zu vervollkommnen gesucht.

Der Achsenregulator von O. Blessing in Löbtau bei Dresden (* D. R. P. Nr. 57232 vom 2. December 1890) ist in Fig. 1 und 2 dargestellt. Fig. 1 zeigt die Schwinghebel in der Ruhestellung. Der grösste Ausschlag führt die Pendel bis an den inneren Rand des Scheibengehäuses.

Textabbildung Bd. 284, S. 49
Die im Gehäuse a an den Punkten bb1 aufgehängten Fliehkrafthebel cc1 sind durch Zugstangen dd1 mit den Ansätzen einer Nabe e drehbar verbunden, welche letztere auf dem Zapfen f angeordnet ist. Der Zapfen kann durch Schraube g in bekannter Weise an dem Kopfende der Kurbelwelle des Motors befestigt sein. Auf der einen Kopffläche der Nabe e sind die kleinen Böcke h angeordnet, welche in ihren gabelförmigen Enden die Laufrollen i tragen.

Auf einer in den Zapfen f eingelegten Feder k sitzt mittels Nuth eine Nabe l, welche gegen den Druck der um den Zapfen f herumgelegten und gegen den Bund m1 anliegenden Schraubenfeder m auf dem Zapfen verschiebbar ist. Die Nabe l trägt an ihrer dem Regulator zugekehrten Kopffläche so viel Vertiefungen w, als Laufrollen von der Nabe e vorstehen. Die Vertiefungen haben eine unsymmetrische Form, indem die eine Wand der Vertiefung parallel oder nahezu parallel zur Nabenachse liegt, während die andere Wand in schräger Linie o auf die Kopffläche der Nabe l verläuft. Letztere trägt noch die ringförmige Nuth p auf ihrer Peripherie, in welche das gabelförmige Ende eines Hebels der Steuerorgane eingreift. Beim Ausschwingen der Fliehkrafthebel aus der Stellung Fig. 1 wird die Nabe e durch die Zugstangen dd1 um ihre Achse gedreht, wodurch die Laufrollen i gegen die schrägen Flächen o der Vertiefungen der Nabe l wirken und letztere demnach parallel zur Zapfenachse gegen den Druck der Feder m verschieben.

Hierdurch werden die Steuerorgane bethätigt. Nach Maassgabe der geringer werdenden Energie der Fliehkrafthebel führt die Schraubenfeder m die Nabe l ganz oder theilweise in ihre Ausgangsstellung zurück.

Durch Wahl der Abmessungen in dem Abstand der Laufrollen i von der Kopffläche der Nabe e und durch Wahl der Form der Vertiefungen in der gegenüberstehenden Kopffläche der Nabe l kann die durch den Hebelmechanismus und die Abschlussorgane der Steuerung bedingte Grösse der Verschiebung der Nabe l bestimmt werden.

Die Fliehkrafthebel cc1 können in gewöhnlicher Weise zusammengekuppelt oder auch durch eine Feder q verbunden sein.

Fig. 3 und 4 erläutern den Achsenregulator von M. Epple in München (* D. R. P. Nr. 58647 vom 24. December 1890).

Das Schieberexcenter b, welches in bekannter Weise in der richtigen Lage mit dem Voreilwinkel zur Kurbelstellung auf der Schwungradachse zu liegen kommt, ist als Hohlnabe ausgeführt, mit welcher es die Schwungradwelle umfasst. Dabei dient der Rand d zum entsprechenden Eingriff in den mit Nuth versehenen getheilten Excenterbügel, der die Verbindung mit dem Schieber vermittelt.

An die Hohlnabe b schliesst sich nach Art eines Stopfbüchsenflansches eine ebene Wand b1, welche an der Stirnwand B eines Gehäuses O gleiten kann, welch letzteres entweder direct mit seiner Nabe oder unter Vermittelung einer Flanschbüchse auf die Schwungrad welle aufgekeilt ist. Entsprechend der gewählten Excentricität e stehen die Mittelachsen des Gehäuses O und des Excenters b aus einander. Der bewegliche Anschluss des Excenters b bezieh. Excenterflansches b1 an das Gehäuse O wird nun mittels zweier excentrischer Zapfen D erreicht, die in der Entfernung ii vom Achsenmittel in das Gehäuse eingesetzt sind. Das Gehäuse selbst ist nach Art eines Kolbens ausgeführt; es besteht aus dem mit der Nabe ausgestatteten Haupttheil A, dem sich auf die Nabe stülpenden Deckel B und dem zwischen beiden durch sechs Schrauben m fest |50| eingeklemmten Cylindertheil C. Der betätigende Zapfentheil ist der Bund a, welcher sich in entsprechende Bohrungen des Excenterflansches b1 einlegt. Der Ansatz a1 dient zum Vernieten einer Scheibe h, während der Zapfenbund h1 sich in entsprechende Bohrungen des Gehäusedeckels B einsetzt.

Der in dem Gehäuse liegende Zapfentheil h2 wird beim Zusammensetzen fest in die Nabe n von Schwungarmen g eingeführt, so dass der Gewindeabsatz h3 aus dem Gehäuse O hervorragt. Nunmehr wird die Scheibe l aufgeschoben und durch Pestschrauben der Mutter l1 die Nabe des Schwungrades g fest und sicher zwischen dem Bund h1 und der Scheibe l eingeklemmt. Diese Schwungarme gg werden also von dem Gehäuse O eingekapselt, sie schwingen bei der Rotation der Schwungradwelle aus und beeinflussen hierdurch das Excenter b.

Textabbildung Bd. 284, S. 50
Jeder der beiden Schwungarme gg oscillirt demnach in den entsprechenden Ausbohrungen des Gehäuses O für den Zapfenring h1 und die Scheibe l und kann demnach leicht von aussen geschmiert werden. Die Lage der Schwungarme gg im freien Gehäuseraum ist eine symmetrische und nehmen sie in ihrer mittleren Stellung die Lage wie in Fig. 3 ein. Ihr Ausschwingen erfolgt bei der gezeigten Anordnung stets in gleichem Sinne und wird dasselbe offenbar die Grösse e der Excentricität beeinflussen, indem die Bunde h und l sich beiderseits um einen gewissen Winkel drehen und demnach den Flansch b1 der Excenterhohlnabe b an der Stirnwand bezieh. dem Deckel B des Gehäuses O verschieben und e je nach dem Sinne der Drehung grösser oder kleiner machen.

Um das Ausschwingen der Schwungarme gg, welches beim Umdrehen der Schwungradwelle erfolgen wird, entsprechend zu begrenzen; ist ein Federzug für dieselben angebracht.

An die Nabe der Schwungrad arme gg sind Scharnieraugen oo angesetzt, zwischen welchen ein Bolzen q mittels Querstiftes p befestigt ist. Die Gehäusenabe trägt zwei quer liegende schmale Fortsätze rr, die mit entsprechender Bohrung zum Durchlassen des Bolzens q versehen sind und dazu dienen, zwischen sich und den mittels Muttern s1s1 am Ende des Bolzens festgelegten Scheiben s Doppelfedern einzuspannen. Demnach muss jeder Arm g bei seinem Ausschwingen die Federn zusammendrücken. Die Spannung der letzteren kann regulirt werden.

In Fig. 3 ist eine Scala S angedeutet (die auf der Rückseite von O an dem Deckel B liegt), nach welcher bei der Montirung des Gehäuses die richtige Einstellung der Excentricität für den Schieberhub erfolgen kann, indem der Excenterbolzen D vor Anziehen der Mutter I1 entsprechend gedreht und ein Verschieben des Excenterflansches b1 auf O erfolgt. Die Strahlen S1 deuten verschiedene Lagen des Excenterbolzens D an.

Für den normalen Gang der Maschine bei der Schieberexcentricität e befinden sich die Schwungarme gg in ihrer Mittelstellung, während bei langsamerem Gang dieselben nach der Gehäusenabe zu fallen, was die Excentricität e bezieh. den Schieberhub vergrössert, während umgekehrt bei schnellerem Gang der Maschine die Schwungarme nach dem Gehäuseumfang zu schwingen und demnach die Excentricität verkleinern.

Textabbildung Bd. 284, S. 50
Bei dem Achsenregulator von R. Deissler in Treptow bei Berlin (* D. R. P. Nr. 59644 vom 28. April 1891), siehe Fig. 5, wird ein einarmiger, frei um seinen Drehpunkt schwingender Hebel an einem Ende durch Gewicht und Feder, welche nach entgegengesetzten Richtungen wirken, beeinflusst. Dieser nur an einem Punkte durch Feder- bezieh. Gewichtswirkung beeinflusste Hebel gestattet eine directe Aufnahme der Gewichtskraft durch die Federkraft ohne jedes Zwischenglied; er ergibt ferner eine äusserst einfache Anordnung der übrigen, den Regulator bildenden Elemente, und es wird bei demselben durch ein Excenter sowohl eine Veränderung in der Voreilung des Excenters wie eine Verkürzung bezieh. Verlängerung des Excenters gleichzeitig herbeigeführt.

Gewöhnlich verwendet man, um beides, Voreilungs- und Hubveränderung, zu erzielen, zwei auf einander sitzende Excenter, wie z.B. bei dem bekannten Preschen Schwungradregulator, vor welchem sich die vorliegende Neuerung noch dadurch auszeichnet, dass die zu Anfang erwähnte directe Aufnahme der Fliehkraft des Gewichtes (Pendel) durch die Federkraft bewirkt wird, eine Anordnung, welche den Gang des Regulators erleichtert und zu einem sicheren macht, weil sie vor allen Dingen eine Belastung des Pendeldrehpunktes, an welchem das Gewicht hängt, fast vollkommen ausschliesst und so die Empfindlichkeit des Regulators vermehrt.

Die verschiedenen in der Patentschrift dargestellten Formen unterscheiden sich in der Anordnung und Wirkungsweise der den Regulator bildenden Elemente in keiner Weise, sondern sollen nur zeigen, dass man den Weg für diese Veränderung der Excentricität in Verbindung mit der |51| Veränderung der Voreilung beliebig gerade oder im Bogen durch Umconstruirung bestimmen und vorschreiben kann, sowie dass man mehrere solcher Pendel unter beliebigem Winkel mit einander verbinden kann.

Fig. 5 zeigt die einfache Anordnung, s ist das auf der Achse f festgekeilte Schwungrad, an welchem im Punkte a das Pendelgewicht g mittels des Armes b befestigt ist. Die Feder m stützt sich einerseits gegen dieses Gewicht, andererseits gegen das Schwungrad s. Mit dem Pendelarm b fest verbunden ist die Gelenkstange c, an welcher im Zapfen e die Gelenkstange ldl1 hängt, die durch die im Punkt v anfassende Gelenkstange c1 wieder am Schwungrad s gelenkig drehbar befestigt ist. Auf dem Ring d der Gelenkstange ldl1, die mit der Welle f in keinem Zusammenhange steht, sitzt in bekannter Weise das Excenter w, an dem die Excenterstange t anfasst; dies ist in der Zeichnung Fig. 5 nur punktirt angedeutet.

Wird beim Rotiren der Achse f und des Schwungrades s das mitrotirende Pendel bg durch die Fliehkraft nach auswärts bewegt und der Widerstand der Feder m überwunden, so bewegt sich die Gelenkstange c mit ihrem Punkte e beispielsweise nach e1 und es wird gleichzeitig der Aufhängungspunkt v die Stellung im Punkte v1 einnehmen müssen, wobei der Mittelpunkt o des Ringes d, auf welchem das Excenter w mit Excenterstange t sitzt und angreift, nach dem Punkte o1 verlegt wird. Die Excentricität, welche bei der Ruhelage des Regulators die Grösse von fo1 besass, ist durch diese Bewegung auf die Entfernung von fo1 vermindert worden und gleichzeitig hat eine Veränderung der Voreilung um einen Winkel stattgefunden, der durch die von o und o1 nach dem Mittelpunkt der Achse f gehenden Linien eingeschlossen wird.

Je nach Ausschlag des Pendels, also je nach der Tourenzahl der Maschine werden die Grösse der Excentricität und die Voreilung sich ändern, und das sind die Bedingungen für die Regelung des Dampfzutrittes zur Maschine, die hier durch ein Excenter erfüllt werden können, und zwar ist der Weg, in dem diese Excentricitäts- und Voreilungsveränderung stattfindet, in Fig. 5 angenähert eine gerade Linie oo1.

Erweist es sich wünschenswerth, diesen Weg als Bogen verlaufen zu lassen, so kann auch dies ohne Aenderung der Wirkungsweise des Regulators erfolgen, indem die Zugstangen cc1 nicht nach entgegengesetzten Seiten, sondern nach derselben Seite hin neigen und dort die Gelenkstange ldl1 angreifen. Es ist dies das Merkmal einer zweiten Construction, bei welcher nur noch durch eine geringe Winkelveränderung in der Lage des Pendels gezeigt ist, dass es durchaus nicht Bedingung sei, dass dieses Pendel senkrecht auf den an einem Ende frei schwingenden und an dem anderen Ende durch Gewicht und Feder beeinflussten Körper ausschwinge.

In einer dritten Ausführung ist gezeigt, dass man auch Pendel mit einander kuppeln kann. Die Wirkung dieser gekuppelten Pendel ist einzeln für sich und in ihrer Aufeinanderwirkung genau dieselbe, wie in Fig. 5 dargestellt ist.

Zur Verstellung der Federn von Achsenregulatoren wird von L. Lang und G. Fuchs in Budapest (* D. R. P. Nr. 57993 vom 24. Februar 1891) folgende Einrichtung vorgeschlagen.

Um die mittlere, durch den Regulator beherrschte Umlaufzahl während des Ganges der Maschine zwischen bestimmten Grenzen leicht zu ändern, können den Schwungarmen entgegenwirkende Federn dadurch während des Ganges der Maschine verschieden stark gespannt werden, dass ein auf die Federn einwirkender Keil in der Drehachse des Regulators angeordnet ist.

Fig. 6 und 7 zeigen diese Einrichtung in Ansicht und Schnitten.

Textabbildung Bd. 284, S. 51
Die Schwungarme b sind nahe am Umfang des Gehäuses bei a drehbar gelagert. Die beiden Drehpunkte liegen einander diametral gegenüber und die längeren Schenkel der Arme tragen die Schwunggewichte c, während die kürzeren mittels der auf Schraubenspindeln stellbaren Teller d auf die Federn n drücken, die den Schwungarmen entgegenwirken und deren Richtung in eine durch den Mittelpunkt des Regulators gehende Gerade fällt.

Das andere Ende dieser Federn stützt sich auf Teller e, die durch einen breiten Keil f aus einander gehalten werden. Die Längsachse des Keiles fällt mit der Drehachse des Regulators zusammen und dadurch ist die Einstellung desselben mittels Stellschrauben g ermöglicht, so dass man während des Ganges die Teller e von einander entfernen und einander nähern kann. Durch Zugstangen h sind die Schwungarme b an passenden Stellen mit einander verbunden, so dass sie immer genau gleiche Wege beschreiben.

Auf einer zur Kurbelrichtung unter passendem Winkel liegenden Prismaführung des Regulatorgehäuses ist der den |52| Excenterkörper k tragende Schlitten l verschiebbar, und zwar je nach Stellung der Schwungarme b, von welchem der eine mittels Glieder m an den Schlitten l bei o angreift. Mittels Stange i wirkt das Excenter k auf die innere Steuerung.

Je nachdem man die Lage der Prismaführung wählt, lassen sich für das Excenter verschiedene Voreilwinkel und Excentricitäten erreichen. Das Excenter muss so gross sein, dass in ihm ein Ausschnitt angeordnet werden kann, der so gross ist, dass der Stellkeil f in allen Stellungen des Schlittens l ungehindert hindurchgeht.

Die bisherigen Schwungkugel- und Fliehkraftregulatoren wirken in der Weise auf das Steuerungsorgan ein, dass der Weg des Schwerpunktes der Schwungmassen gleichmässig auf die Füllung der Maschine vertheilt ist. Aus dieser Art der Regulirung folgt, dass in den Grenzen der grossen Füllungen grössere Pendel ausschlage zur Regulirung einer bestimmten Zunahme bezieh. bestimmten Abnahme in der Pferdestärkenleistung erforderlich sind, als in den Grenzen der kleinen Füllungen.

Textabbildung Bd. 284, S. 52
Die Curve (Fig. 8) über das Verhältniss zwischen Leistung in Pferdestärken und Füllung einer bestimmten Maschine lässt das vorher Gesagte deutlich erkennen.

Reducirt man z.B. die Füllung nach einander um je 10 Proc., bei 60 Proc. anfangend, so erhält man folgende Reduction in Effective Pferdestärken. der Leistung:

Füllung, reducirt von 60 Proc. auf 50 Proc., ergibt eine Abnahme der Leistung um 51,5 bis 45,5 = 6 ; Füllung, reducirt von 50 Proc. auf 40 Proc., ergibt eine Abnahme der Leistung um 45,5 bis 37,5 = 8 ; Füllung, reducirt von 40 Proc. auf 30 Proc., ergibt eine Abnahme der Leistung um 37,5 bis 27 = 10,5 ; Füllung, reducirt von 30 Proc. auf 20 Proc., ergibt eine Abnahme der Leistung um 27 bis 11,6 = 15,4 .

Es folgt hieraus also, dass bei gleichmässiger Abnahme der Füllungen die Leistungen ungleichmässig, und zwar schneller abnehmen.

Diese Art des Regulirens von Dampf-, Gas- oder Luftmaschinen hat den Nachtheil, dass sie bei annähernd voller Belastung der Maschine über dieselbe die Macht verliert, also nicht genau auf gleiche Umlaufzahl regulirt, während sie beim Leergang zu mächtig, d.h. zu grob regulirt und der Maschine einen unruhigen, ungleichmässig schnellen Gang gestattet.

Zweck der Ausführung von O. L. Kammer und Co., E. Fischinger und H. Leck in Niedersedlitz bei Dresden (* D. R. P. Nr. 57994 vom 28. Februar 1891) ist nun, einen Regulator zu construiren, bei weichern der Weg des Schwerpunktes der Regulatorpendel gleichmässig auf die effective Leistung, nicht aber auf die Füllung der Dampfmaschine vertheilt werden soll. Dieser Satz ist so zu verstehen, dass, wenn beispielsweise bei 102 Touren in der Minute die Maschine leer läuft, also keine Arbeit leistet, dagegen bei 98 Umläufen in der Minute beispielsweise 60 leistet, sie bei 101 Umläufen 15, bei 100 Umläufen 30 und bei 99 Umläufen 45 zu leisten im Stande sein soll. Es soll also mit anderen Worten der Abfall in der Umlaufzahl möglichst genau proportional zur Kraftleistung sein, was zur Voraussetzung hat, dass der Weg des Pendelschwerpunktes unproportional auf das Regulirungsorgan übertragen werden muss, da bekanntlich der Pendelschwerpunkt nach Maassgabe des Abfalls in der Tourenzahl sich einstellt.

Bei dieser Anordnung ist es möglich, dass der Regulator über die Maschine bei jeder Belastung derselben gleich viel Macht besitzt.

Die unproportionale Uebertragung des Pendelschwerpunktweges auf das Regulirungsorgan wird dadurch gesichert, dass bei zunehmenden Füllungsgraden das Grösserwerden des Hebelarmes eine mehr als proportionale Verschiebung des Regulirungsorganes bewirkt.

Mit einem Regulator nach vorliegender Erfindung, bei welchem der Pendelschwerpunktsweg auf die effective Leistung der Maschine gleichmässig vertheilt ist, wird eine bei allen Belastungen derselben nahezu vollkommen gleich hohe Umlaufzahl erreicht. So hat sich ergeben, dass die Umlaufzahl bei einer Dampfmaschine von 5 mit 475 Umläufen in der Minute sich nur um 3 bis 4 Umläufe in der Minute vermehrt oder vermindert, wenn die Maschine plötzlich von 5 auf 0 oder von 0 auf 5 belastet wird.

Bei den bisherigen Regulatoranordnungen konnte eine so grosse Annäherung an die Astasie des Regulators aus dem Grunde nicht erzielt werden, weil diese besonders bei kleiner Belastung der Maschine in eine periodisch hin und her gehende Bewegung gerieth und der Maschine einen, wie schon oben erwähnt, unruhigen Gang verlieh.

Ein Regulator nach vorliegender Erfindung kennzeichnet sich ferner noch dadurch, dass bei seiner Drehung der Schwerpunkt des Pendels immer vor dem Aufhängepunkt des letzteren vorauseilt. Durch diese Bewegungsrichtung der Pendel wird erreicht, dass bei plötzlicher Mehrbelastung der Maschine das Trägheitsmoment des Regulatorpendels sofort mit zur Oeffnung des Dampfzuflusses beiträgt, was bei den bisherigen Regulatoren nicht der Fall ist, da bei letzteren zufolge der Pendelmassenträgheit das Pendel sich entgegen der Centrifugalkraft erst nach aussen bewegt, den Dampfzufluss verengert, statt erweitert, um erst später dem Wellenmittelpunkt sich zu nähern bezieh. den Dampfzufluss zu vergrössern.

Um bei dem vorliegenden Regulator auch noch in anderer Weise eine möglichst grosse Annäherung an die Astasie bei möglichst grosser Arbeitsleistung bezieh. grosser Verstellkraft zu sichern, wird die Feder in der Weise an das Regulatorpendel angehängt, dass mit zunehmender Federspannung eine Verkürzung des Hebelarmes des Angriffspunktes der Feder stattfindet, wodurch es einzig und allein möglich ist, bei einem gegebenen Regulatorgehäusedurchmesser und gegebener Breite nur bei einer bestimmten Aenderung in der Tourenzahl eine grösstmögliche Verstellkraft des Regulators zu erzielen.

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Bekanntlich nimmt – abgesehen von der zugelassenen Aenderung der Tourenzahl – die in Meterkilogramm ausgedrückte Verstellkraft eines Regulators proportional mit der Schwungmasse und proportional mit dem Wege des Pendelschwerpunktes zu. Macht man nun diese beiden Factoren möglichst gross, so muss man eine Feder mit sehr vielen Meterkilogramm Verstellkraft anwenden, während man doch bei der Wahl der Feder auf den engen Raum in dem Regulatorgehäuse beschränkt ist. Die Möglichkeit nun, die Feder so aufzuhängen, dass bei zunehmender Federumspannung eine Verkürzung des Hebelarmes stattfindet, gewährt die Erfüllung der obigen drei Bedingungen, nämlich: grosse Pendelmasse, grosser Pendelschwerpunktsweg und Unterbringung der Federn in einem beschränkten Raum. Ein Regulator, welcher die vorstehend gekennzeichneten Bedingungen allenthalben erfüllt, ist in der Zeichnung dargestellt.

Fig. 9 zeigt die Stellung der Theile bei belasteter Maschine.

Textabbildung Bd. 284, S. 53
aa1 sind die Regulatorpendel, die durch die Gelenkstangen bb1 in der ersichtlichen Weise mit einander verbunden sind, cc1 sind Schraubenfedern, von denen eine jede mit dem einen Ende bei d bezieh. d1 an dem Regulirgehäuse befestigt ist, während das andere Ende bei e bezieh. e1 lose in einer Pfanne auf den Regulatorpendeln ruht. An dem einen der letzteren (in der Zeichnung an dem oberen Pendel a1) ist drehbar ein Gelenk f befestigt, welches in der nachbeschriebenen Weise das Ausschwingen der Pendel auf das Excenter g überträgt.

Die Nabe g1 des Excenters ist zu einer Coulisse g2 erweitert, die in den an der Hinterwand der Regulatorscheibe h sitzenden Führungslinealen hh2 geführt wird. An den Zapfen g3 des Excenters g ist das Gelenk f angeschlossen. Dieser Zapfen geht durch einen in dem Regulatorgehäuse h vorgesehenen Schlitz k hindurch. Beim Ausschwingen der Regulatorpendel aus der Stellung Fig. 9 geht auch das Excenter in die gezeichnete Stellung über, wobei sich in Folge der Geradführung der Mittelpunkt des Excenters auf einer Geraden als Centralcurve bewegt.

In Folge der eigenthümlichen Aufhängung der Federn wird der Angriffshebelarm bei Ausdehnung der Federn kürzer.

Der Regulator wird in der Weise auf die Maschinenwelle aufgesteckt, dass die Schwerpunkte SS1 der Pendel aa1 immer vor den Aufhängepunkten AA1 der letzteren herlaufen, demnach die Bewegungsrichtung der Regulatoren die durch den Pfeil angegebene sein muss.

Je nach Maassgabe der Verschiebung des Excenters verändert sich die Excentricität und der Voreilwinkel, und zwar in der Weise, dass der Weg der Schwerpunkte der Regulatorpendel gleichmässig auf die effective Leistung der Dampfmaschine vertheilt ist.

Textabbildung Bd. 284, S. 53
Die Ausführung des Regulators, wie er vorstehend beschrieben ist, hat sich für sehr schnell umlaufende Maschinen (z.B. 500 Umläufen in der Minute) sehr gut bewährt. Will man den Regulator bei grösseren, langsam laufenden Dampfmaschinen in annähernd oder ganz denselben Ausführungsdimensionen mit dem gleichen Erfolg und denselben Wirkungen zur Anwendung bringen, also ohne Anwendung schwererer Pendel und stärkerer Federn, für die in den gegebenen Gehäuseabmessungen der Raum fehlen würde, so hat eine Abänderung der Regulatoranordnung einzutreten. Bedingt wird die Abänderung durch den Umstand, dass bei grossen, langsam gehenden Dampfmaschinen die Rückwirkung des Excenters bei der Umkehr der Schieberbewegung eine grössere ist, wodurch die Regulatorpendel leicht in schwingende Bewegung gerathen können.

Die für diesen vorgesehenen Fall anzubringende Abänderung ist in Fig. 10 dargestellt. Anstatt die Pendel a und a1 direct durch Gelenkstangen bb1 zu verkuppeln, wird hier die Verkuppelung mittels der Gelenkstangen bb1 durch eine zu bewegende Trägheitsmasse, welche hier in Form einer auf den Zapfen g3 lose aufgesetzten Scheibe H ausgeführt ist, bewirkt. Die Verbindung der Pendel mit dieser Scheibe ist so angeordnet, dass, wenn die Pendel nach aussen schlagen, die Scheibe H eine Drehung im umgekehrten Sinne gegen die Schwungraddrehrichtung macht.

Durch die Anordnung der Scheibe und die eben angegebene Verkuppelungsweise derselben mit den Pendeln wirkt bei einer sich durch Be- oder Entlastung ergebenden Geschwindigkeitsveränderung des Schwungrades die Scheibe durch ihr Verharrungsvermögen so auf die Pendel |54| ein, dass sie die sich vermehrende oder vermindernde Centrifugalwirkung der Pendel unterstützt. Beispielsweise sei angeführt, dass bei Entlastung der Maschine, wenn also die Umlaufsgeschwindigkeit des Schwungrades zunimmt, die Scheibe zunächst ihre frühere Geschwindigkeit beibehält und sich daher – relativ zum Schwungrade – der Drehrichtung des letzteren entgegengesetzt dreht oder, mit anderen Worten, dem beschleunigteren Umlauf des Schwungrades nicht sofort folgt, wodurch die Pendel in Folge der beschriebenen Kuppelungsweise mit der Scheibe mittels der Gelenkstangen nach aussen gestossen werden; es wird also in diesem Falle der Eintritt der erforderlichen Verringerung der Füllung durch die Trägheitsmasse – Scheibe H – unterstützt.

Die Trägheitsmasse wirkt also in doppelter Beziehung günstig auf die Regulatorarbeit, indem sie die durch die Rückwirkung des Excenters bei Umkehr der Schieberbewegung eintretende hin und her schwingende Bewegung der Pendel unterdrückt und indem sie die sich vermehrende oder vermindernde Centrifugalwirkung der Pendel unterstützt.

Textabbildung Bd. 284, S. 54
Die bisherigen zwangläufigen Ventilsteuerungen kennzeichnen sich sämmtlich dadurch, dass ein auf einer senkrechten Achse rotirender, durch Riemen oder Räder angetriebener Regulator den Mechanismus beherrscht, durch welchen die Füllung verändert wird. Die Bewegungscurven im Steuerungsmechanismus, welche mehr oder weniger complicirter Natur sind, können nun aber ohne Nachtheil für eine exact wirkende zwangläufige Ventilsteuerung durch die einfache Kreisbewegung eines Excenters ersetzt werden; das verdrehbar oder in einer Coulisse verschiebbar auf der Steuerwelle angeordnet ist, während ein sogen. Achsenregulator, der sich unmittelbar auf der Steuerwelle dreht und dieselbe Tourenzahl erhält als die Maschine, das Excenter verstellt.

Eine solche Construction wird von Dr. E. Pröll in Dresden (* D. R. P. Nr. 57034 vom 24. October 1890) angegeben; dieselbe ist in Fig. 11 bis 13 dargestellt.

Parallel der Cylinderachse ist eine Steuerwelle w gelagert, welche von der Schwungrad welle mittels Räder mit gleicher Geschwindigkeit angetrieben wird. Auf ersterer sitzt, wie Fig. 12 und 13 erkennen lassen, ein Achsenregulator A, fest mit der Welle verbunden. Die in demselben befindlichen Schwunggewichte P (Fig. 13), denen Federn entgegenwirken, verstellen bei ihrem Ausschlag nach beiden Seiten hin Excenter E, von denen die Bewegung auf die an den Enden des Cylinders angebrachten Ventile v mittels der Lenkerstangen l und Hebel a und b übertrugen wird. Die Auslassorgane werden in irgend einer bekannten Weise unabhängig vom Einlass gesteuert.

Von den Schwungkörpern P1 und P2 führen kurze Verbindungsstangen nach den Zapfen c1c2 des einen Excenters E1, während auf der anderen Seite nur ein Schwungkörper P1 oder P2 mittels eines Gliedes und des Zapfens d mit dem auf der anderen Seite liegenden entgegengesetzt montirten Excenter E2 verbunden ist. Durch das Excenter E1 sind die beiden Schwungkörper P1P2 mit einander verbunden und zu gleichen oder angenähert gleichem Ausschlage genöthigt, während letzterem durch die Verbindung bei d das zweite Excenter E1 zwanglos folgt.

Textabbildung Bd. 284, S. 54
Es ist hierbei gleichgültig, ob die Excenter verdrehbar oder verschiebbar eingerichtet sind, auch ist es möglich, die Voreröffnung je nach Bedarf constant oder variabel einzurichten. Der passive Rückgang des Mechanismus wird durch die Hebelanordnung ab (Fig. 11) ermöglicht.

Die beschriebene Anordnung kann sowohl bei liegenden als stehenden, ein- oder zweikurbeligen Verbundmaschinen ohne Weiteres angewendet werden, wenn die Construction unmittelbar übertragen wird.

Das Hauptmoment bildet aber der Regulator A, der trotz der veränderten Lage in beiden Fällen in Verbindung mit den Excentern eine gleiche Wirkung ausübt. Rotirt er auf einer senkrechten Achse, so ist, um das aus dem Ueberhängen der Gewichte resultirende Moment zu beseitigen, eine Stützung derselben durch eine Rolle mit zwischengesetzter Feder anzuordnen.

Fig. 14 und 15 erläutern einen Schwungkugelregulator mit Federgelenken nach der Construction von J. H. Dales in Leeds, England (* D. R. P. Nr. 59337 vom 1. Februar 1891).

Dieser Regulator hat rechtwinklige Winkelhebel, die mit dem umlaufenden Kopf des Regulators durch Flachfedern verbunden sind, die unter Spannung in Richtung der Resultante des Kräfteparallelogramms fallen, welches |55| durch die Centrifugalkraft der Schwungkugeln des Regulators und die Feder u.s.w. gebildet wird, durch welche der Schieber des Regulators gegen die Centrifugalkraft der Schwungkugeln u.s.w. reagirt. Dabei ist durch die Lage der Federgelenke der Schwerkraft der bewegten Theile des Regulators sowie den Centrifugalkräften Rechnung getragen, welche durch die Bewegung der Theile ausser denjenigen Kräften erzeugt werden, die den Schieber haben.

Auch die Verbindungen der wagerechten Arme des Regulators mit dem Schieber sind aus Flach federn gebildet, dabei haben alle Federgelenke genügend Elasticität, um die nothwendige Bewegung der Arme für die Zwecke des Regulators zuzulassen. Die Belastung des Regulators wird durch eine oder mehrere Spiralfedern herbeigeführt, die concentrisch zu der umlaufenden Spindel des Regulators liegen.

Textabbildung Bd. 284, S. 55
In Fig. 15 veranschaulichen die strichpunktirten Linien aa das Kräfteparallelogramm aus der Centrifugalkraft der Arme und Schwungkugeln des Regulators und dem Widerstände des Schiebers und der Feder, während die Resultante dieser Kräfte durch die Linie b angedeutet ist. Eine Feder c ist zwischen einem Ansatz oder Stift d des Armes e des Regulatorkopfes aus einem ähnlichen Ansatz f auf dem Schwungkugel arm g des Regulators ausgespannt. Diese Feder liegt in Richtung der Resultante b des erwähnten Kraftparallelogramms. Aus Zweckmässigkeitsgründen tritt diese Feder auf der anderen Seite der Mittellinie des Kugelarmes g auf.

Durch den Schwungkugelarm g geht eine Spindel h, deren äussere Enden frei durch Löcher in den Armen e des Regulators reichen, ohne diese Löcher zu berühren. Es sind in der Spindel h Schlitze für die Federn c vorgesehen, durch welche die Federn reichen, ebenfalls ohne die Schlitze zu berühren. Zwischen den vorstehenden Enden der Spindel h und Ansätzen j ist ein zweiter Satz Federn k, je eine auf der äusseren Seite der Arme e, ausgespannt. Diese Federn sind in Spannung, wenn der Regulator in Thätigkeit ist, und es wirkt diese Spannung der Federn der Centrifugalkraft der Regulatorarme im Allgemeinen entgegen, zum Unterschied von der Hebel Wirkung der Regulatorarme. Die wagerechten Cylinder l der Regulatorarme sind mit dem Schieber m durch Flachfedern n verbunden.

Der Regulator wird mit einer mechanischen Vorrichtung verbunden, die aus Reibungsrädern gebildet wird, welche durch die Maschine angetrieben werden und so mit einer Differentialhebelbewegung in Verbindung gebracht sind, dass die Bewegung des Regulators nach Maassgabe des Anhebens oder Lenkens des Schiebers ein oder mehrere Reibungsräder mit dem einen oder anderen Theil der Reibungsscheiben in Berührung bringt, die mittels des Reibungsrades und des Zwischentriebwerkes eine Controlmutter nach der einen oder anderen Richtung bewegt, so dass beim Hochgehen und Fallen des Regulators eine entsprechende umgekehrte Bewegung der Controlmutter stattfindet. Auf diese Weise wird durch geeignete Verbindungen eine Bewegung des Expansions- oder Steuerschiebers der Maschine bewerkstelligt. Die Bewegung des Regulators, welcher ein Ende der Differentialhebelbewegung bethätigt, überträgt die Kraft mittels des Reibungsrades, um die Controlmutter zu bewegen, während letztere, wenn sie eine entsprechende Lage zu der des Regulatorschiebers erreicht hat, das Reibungsrad von den Reibungsscheiben dadurch abhebt, dass geeignete Verbindungen mit dem anderen Ende der Differentialhebelbewegung vorgesehen sind. Auf diese Weise können die Controlschrauben nicht zu weit bewegt werden. Jede Tendenz der Ueberbewegung wird dadurch ausgeschlossen, dass die Reibungstriebräder die Bewegung, welche der Regulator veranlasst hat, umkehren.

Aus Fig. 14 ist diese Arbeitsweise des vorbeschriebenen Regulators e ersichtlich. Der Schieber m ist durch geeignete Zapfen und Schlitzlöcher mit dem Differentialhebel o verbunden, dessen anderes Ende an dem Kopf der Controlschraube p befestigt ist, die wiederum an ihrem unteren Ende mit der zum Expansionsschieber u.s.w. führenden Stange q in Verbindung steht. Die Regulatorspindel r trägt und treibt ein Paar Reibungsscheiben ss1, mit denen die Reibungsscheibe t durch die Bewegung des Regulators mittels des Hebels o und der Stange u in Berührung gebracht wird, so dass die Spindel in Drehung gesetzt wird, welche mittels Universalgelenkes eine Spindel und dadurch die Kegelräder ww1 antreibt, in denen letzteres an dem Kopf der langen Schraubenmutter w2 der Controlmutter befestigt ist.

Nimmt man an, dass die Welle r1 in der Richtung des Pfeiles angetrieben wird, so veranlasst der Regulator ein Heben oder Senken der Spindel r und bringt sonach das Reibungsrad t in Berührung mit der Scheibe s oder s1, wodurch eine Bewegung der Schraubenmutter p in entgegengesetzter Richtung wie der Regulatorschieber m veranlasst wird. Hierdurch wird die Reibungsscheibe ausser Berührung mit dem Reibungsrade t gebracht, so dass die weitere Bewegung der Schraube p aufhört. Wenn durch irgend eine Veranlassung die Schraube zu weit bewegt wird, so wird das Reibungsrad t in Berührung mit der anderen Scheibe gebracht, so dass die Bewegung der Schraube umgekehrt wird. Die strichpunktirten Mittellinien zeigen die äussersten Lagen des Differentialhebels.

Mit diesem Regulator wird ein Kraftcylinder in Verbindung |56| gebracht, dessen Kolbenstange mit einem Flüssigkeitscylinder durch ein Querhaupt u.s.w. verbunden ist. Der Kraftcylinder ist mit einer Kolben- oder Schiebersteuerung versehen, die zweckmässig durch eine oscillirende Spindel und kleine Kurbel, bethätigt wird. Die Steuerung ist zum Zweck der Druckanwendung und Druckentlastung an jedem Ende des Kraftcylinders angebracht.

Das äussere Ende der schwingenden Spindel ist mit einem Hebel versehen, durch welche die kleine Kurbel und die Steuerung bethätigt werden kann.

Der schwingende Spindelhebel trägt einen Stift am anderen Ende, und auf diesem Stift oder Zapfen ist ein Gleichgewichtshebel in der Weise montirt, dass ein Ende mittels einer Stange u.s.w. mit dem Gehäuse des Regulators gekuppelt werden kann, während das andere Ende des Hebels mittelbar mit dem Querhaupt eines geeigneten bewegten Theiles in Verbindung steht, der mit dem Kolben des Kraftcylinders verbunden ist, wobei dieses Querhaupt eine ähnliche und proportionale Bewegung wie der Kraftkolben hat. Die Kuppelung des Balancehebels mit dem Kraftcylinder und Regulatorgehäuse ist derart angeordnet, dass, wenn eine Bewegung des Regulators den Druckzuführungsschieber des Kraftcylinders öffnet, die dadurch erzeugte Bewegung des Kolbens die Wirkung hat, den Druckschieber zu schliessen und die Druckzuführung abzustellen, so dass der Regulator den Schieber öffnet und der Kraftkolben dasselbe schliesst, indem er die Functionen der Differentialhebelbewegung vollzieht.

Textabbildung Bd. 284, S. 56
In jedem Falle der Ueberbewegung des Kraftkolbens stellt die Bewegung des Kolbens die Druckzuführung zu demselben ab.

Gegenstand des Patentes Nr. 59 332 vom 23. December 1890 von J. Rademacher in Berlin und F. Voss in Köln-Ehrenfeld bildet die in Fig. 16 dargestellte Construction eines Regulators. Dieser ist als eine Abänderung des allgemein bekannten Regulators anzusehen, der sich unter anderem an den Tremper'schen Expansionsregulirapparaten befindet.

Bei diesem letzteren sind die beiden auf den Hebeln sitzenden Schwungkugeln um Scharnierzapfen drehbar, und fest verbunden mit den Hebeln sind Zahnbogen, welche in Zahnstangenstücke der Traverse eingreifen, so dass ein Ausschlagen der Kugeln eine Abwärtsbewegung der durch die Traverse hindurchgehenden und drehbar in ihr gelagerten Regulirstange bewirkt. Umgekehrt bewegt sich beim Rückschlagen der Kugeln die Regulirstange aufwärts. An dem unteren Ende der letzteren wirkt eine durch einen Gewichtshebel oder eine Feder erzeugte, aufwärts gerichtete Kraft, von deren Grösse die Geschwindigkeit des Regulators abhängig ist.

Die auf den Regulator wirkenden Kräfte sind die Centrifugalkräfte der Kugeln C, die Schwerkräfte der Kugeln G, sowie die Stangenkraft P. Da durch die Zahnbogen nur eine dem Winkelausschlag der Kugeln proportionale Bewegung der Regulirstange möglich ist und die Stangenkraft P gewöhnlich während der Bewegung constant bleibt, während die aus Centrifugalkraft C und Schwerkraft G resultirende Gegenkraft dem Winkelausschlag der Kugeln K nicht proportional ist, so ist diese Construction des Regulators eine statische, und variiren die Geschwindigkeiten des Regulators in seiner Anfangsund Endstellung bis zu 20 Proc. und mehr.

In Fig. 16 ist nun statt des Zahnbogens und Zahnstangenstückes ein anderer Mechanismus zur Bewegung der Regulirstange L angewendet. Mit den Hebelarmen h sind verbunden die Hebelarme i zu um den Scharnierpunkt a sich drehenden Winkelhebeln. Diese Winkelhebel sind durch in den Scharnierpunkten h und c angreifende Koppelstangen mit der Traverse t verbunden.

Es ist nun durch geeignete Wahl der Scharnierpunkte b und c leicht möglich, eine derartige Proportionalität der Bewegungen der Kugeln K und der Stange L herzustellen, dass der Regulator eine beliebige Annäherung an den astatischen Zustand erhält, wie sich durch graphische und analytische Rechnung leicht ergibt.

Textabbildung Bd. 284, S. 56
Der in Fig. 17 dargestellte Pendelregulator von F. Wrede in Bielefeld (* D. R. P. 58879 vom 7. October 1890) scheint für Gasmaschinen bestimmt zu sein.

Ein Hebel A wird in geeigneter Weise durch ein Excenter, eine Kurbelscheibe u.s.w. von der Steuerwelle der Maschine aus in eine auf und ab schwingende Bewegung versetzt. An diesem Hebel ist in dem Punkt B durch die Stange F und in dem beweglichen Punkt C durch die Stange E das Gewicht D so aufgehängt, dass es mit der Stange E die Muffe C verschieben kann, also ein verschiebbares Dreieck gebildet wird. Das Gewicht D wird durch eine Spiralfeder J im Gleichgewicht gehalten. An der Muffe C ist die Stange G so befestigt, dass sie senkrecht nach unten hängt und oben in einem Scharnier beweglich ist.

Die Wirkungsweise dieses Reglers macht sich dadurch bemerkbar, dass, wenn die Maschine unter oder mit ihrer bestimmten Umdrehungszahl läuft, das Gewicht D in Folge seines Beharrungsvermögens die Muffe C verschiebt, aber nur so weit, dass die senkrechte Stange G die Ablenkungsschraube II nicht berührt; die Stange G behält ihre senkrechte Richtung bei und öffnet beim weiteren Niedergang das unter ihr angebrachte Einlassventil V, um neue Kraft der Maschine zuzuführen.

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Ueberschreitet dagegen die Maschine ihre bestimmte Tourenzahl, so wird das Beharrungsvermögen des Gewichtes D die Muffe C weiter verschieben, so dass die senkrechte Stange G an die Ablenkungsschraube H stösst, dadurch aus ihrer senkrechten Lage abgelenkt wird und das Einlassventil V geschlossen lässt.

Dieses wiederholt sich so oft, bis die Maschine die normale Tourenzahl wieder erreicht hat.

Durch das Vor- und Zurückschrauben der Ablenkungsschraube H lässt sich ein langsamerer oder schnellerer Gang der Maschine erreichen, weil dadurch dem Gewicht D und der Muffe C ein weniger weiter bezieh. ein entsprechend grösserer Ausschlag gestattet wird, bevor die Stange G von der Schraube H abgelenkt werden kann.

Eine eigenartige Achsenregulirung ist von J. Linckels und Willy, Luxemburg (* D. R. P. Nr. 57725 vom 17. December 1890), angegeben.

Textabbildung Bd. 284, S. 57
Wie Fig. 18 und 19 zeigen, sind vier Rundschieber in der Weise angeordnet, dass die beiden äusseren a und a1, mit einem auf der Welle d fest aufgekeilten Excenter e in Verbindung stehen und die Ein- und Ausströmung des Dampfes zu beiden Seiten des Cylinders unveränderlich besorgen. Die beiden anderen, inneren Schieber b und b1 sind mit einem auf der Welle d drehbaren Excenter e1 verbunden, welch letzteres von den Gewichten eines Schwungradregulators (oder sonst direct wirkenden Regulators) geführt wird. Die Verbindung der inneren Schieber b und b1 mit dem mobilen Excenter e1 wird, wie aus Fig. 18 ersichtlich, hergestellt. Die Excenterstange y mit Excenterbügel x ist einestheils auf dem Hebel y1 der aussen am Cylinder bei y2 drehbar ist, aufgehängt. Hebel y1 trägt auch einen Lagerzapfen für die Steuerstange der Schieber b und b1, bildet also das vermittelnde Glied zwischen Excenterstange y und Steuerstangen. Andererseits ruht die Excenterstange y auf einem um den Punkt v1 schwingenden Hebel v (Fig. 19).

Das bewegliche Excenter e1 besteht aus Excenterkörper K und Excenterbügel x. Ersterer ist ein einfacher Ring, mit einem Knaggen versehen. Er sitzt lose auf der Welle und steht mit dem Regulator in Verbindung.

g und g1 sind die Gewichte an den Hebeln h und h, welche auf den durchgehenden Zapfen p und p1 des Schwungrades aufgekeilt sind. Ausserhalb der Schwungradarme sind auf diesen Zapfen die Hebel h1 und h1 gekeilt, welche also der Bewegung von hh folgen müssen. An den Hebeln h und h greifen die Federn m und m1 an; sie sind beinahe radial gerichtet und stützen sich auf die Schwungradnabe.

Die Gewichte g und g1 sind durch die Stangen f bezieh. f1, s bezieh. s1 und den Ring R gekuppelt. Die Stangen ff1 greifen den Ring R in den Punkten z und z an. Von dort gehen die gebogenen Stangen s1 und s1 zu den Punkten r und r1 des Excenterkörpers K. Der Steuerungswiderstand theilt sich durch die Zapfen r1r1 und die Stangen ss1 den Zapfen r1r1 mit und überträgt sich durch die Stangen ff1 auf die Hebel h1h und somit auf die Gewichte gg1.

Der Excenterbügel x zeigt die Curven x1. Durch Drehen des Excenterkörpers mit der Welle fasst ersterer mit seinem Knaggen in die Vertiefung des Bügels und schiebt letzteren vor sich her, bis er ihn in einem gewissen Moment verlässt. Dann bleibt der Bügel und somit bleiben die Hähne b und b1 für den Rest der halben Umdrehung in Ruhe, bis der Knaggen auf dem Rückwege in die obere Vertiefung fasst und den Bügel wieder zurückschiebt. Dadurch wird zweierlei bewirkt:

1) Der Excenterkörper wird während einer Umdrehung zweimal entlastet, in welcher Zeit der ebenso entlastete Regulator zur Wirkung kommen kann. Tritt dann der Steuerungswiderstand wieder ein, so wird derselbe durch Reibung des Ringes R auf der Welle, durch die Hebelübersetzung und durch den Umstand aufgehoben, dass die Winkel, unter denen die Stangen s und s1 an den Zapfen des beweglichen Excenters angreifen, sehr spitz sind, wodurch auf die Gewichte nur ein kleiner Theil des Steuerdruckes fällt. Der Regulator ist also auch dann entlastet.

2) Kann die Excentricität (in diesem Falle der Abstand der äussersten Spitze des Knaggens vom Wellenmittel) sehr gross gewählt werden, ohne dass der (Schwingungswinkel der Hahnhebel vergrössert wird. Die Hähne schliessen also sehr rasch.

Um ein Aufschlagen von Excenterkörper und Bügel zu verhüten, fasst ersterer den Bügel mit langsam angehender Geschwindigkeit, die aber dann sehr schnell zunimmt. Dies wird durch die Form des Knaggens bewirkt.

Angenommen, die Geschwindigkeit der Maschine nimmt zu, so entfernen sich die Gewichte des Regulators vom Wellenmittelpunkt, der Voreilungswinkel des Excenterkörpers K vergrössert sich und in Folge dessen schliessen sich die Schieber b und b1 früher; sie bleiben mindestens so lange geschlossen, bis sich die Hauptschieber a und a1 |58| schliessen, öffnen sich aber immer vor denselben, so dass der Moment des Dampfeintrittes von den Schiebern a und a1 abhängt und folglich immer zu gleicher Zeit erfolgt. Die inneren Schieber b und b1 dienen also als blosse Absperrschieber.

Textabbildung Bd. 284, S. 58
Indem nun aber durch Veränderung der Lage der Gewichte (bei Schneller- oder Langsamerlaufen der Maschine) nur eine Veränderung des Voreilungswinkels des Excenterkörpers K, nicht aber eine solche des Hubes bewirkt wird, so wird die Breite der von den Schiebern b und b1 gebotenen Dampfeintrittsöffnungen vom Regulator nicht beeinflusst; ihre Grösse steht in keinem Zusammenhange mit dem Füllungsgrade und ist stets gleichbleibend, dass ein kleiner Füllungsgrad nicht eine entsprechend kleine Oeffnung der Eintrittskanäle bedingt, wodurch der Dampf gedrosselt würde.

Die in Fig. 20 dargestellte Regulirvorrichtung der Commanditgesellschaft für Popp'sche Druckluftanlagen A. Riedinger und Co. in Augsburg (* D. R. P. Nr. 58880 vom 19. December 1890) besteht im Wesentlichen aus einem Gewicht G, welches auf einer senkrechten, in ihrer Achsenrichtung hin und her bewegten Stange SS der Maschine sitzt und mittels Feder f oder Luftbuffer von derselben mitgenommen wird. Die Stange SS, welche der Einfachheit halber gleichzeitig als Steuerstange dient, trägt alsdann noch einen Arm A mit dem Mitnehmer M zur Bethätigung des Eintrittsorgans E. Dieser Mitnehmer kann nun entweder als Gleitstück auf der Oberfläche des Armes A verschiebbar oder auch in Form eines Hebels um einen Punkt des Armes A drehbar sein. In beiden Fällen entsprechen seine verschiedenen Stellungen verschiedenen Füllungsgraden der Maschine.

Textabbildung Bd. 284, S. 58
In Fig. 20 wird der Mitnehmer M vom Gewicht G durch eine Schubstange C im unteren Todtpunkte bei vergrösserter Maschinengeschwindigkeit derart verschoben; dass beim Wiederaufgehen der Stange SS mit dem Arm A der Anschlag D am Gestänge des Einlassventils E früher oder später getroffen und beim Rückgange später oder früher wieder freigegeben wird.

Beim Bruch des Antriebriemens soll die Sperrvorrichtung von F. Kupper in Oderberg i. M. (* D. R. P. Nr. 58653 vom 11. Februar 1891) in Thätigkeit treten. Die Sperrvorrichtung wirkt bei Maschinenregulatoren, welche durch Riemen, Seile oder ein anderes Zugorgan angetrieben werden, und hat den Zweck, beim Herabfallen des Antriebriemens u.s.w. den Regulatorhebel festzulegen und mit ihm auch die Stellung der Drosselklappe, des Regulirventils, des Schiebers oder einer anderen Vorrichtung, welche den Dampfzutritt zur Maschine regelt, wodurch ein völliges Oeffnen dieser Regulirtheile und ein damit womöglich eintretendes Durchgehen der Maschine verhütet wird.

Fig. 21 stellt die Anordnung einer solchen Vorrichtung an Regulatoren skizzenhaft dar.

Auf dem Antriebszugorgan (Riemen) des Regulators läuft eine Rolle a, die sich an einem Ende eines Hebels b befindet. Der letztere hat in c seinen Drehpunkt und greift mit seinem anderen Ende mittels eines Hakens oder einer Sperrklinke in ein Sperrad d ein. Das Sperrad ist mit dem Regulatorhebel e beim Drehpunkt fest verbunden, so dass es die Bewegungen desselben nach beiden Seiten mitmachen muss.

Textabbildung Bd. 284, S. 58
Sollte nun der Fall eintreten, dass das Zugorgan (Riemen, Seil, Kette u.s.w.) durch Herabfallen den Regulator ausser Betrieb setzt, so wird sich in demselben Augenblicke auch Rolle a durch das Eigengewicht senken, den Hebel b mit herabnehmen und dadurch dessen anderes Ende mit dem Haken oder der Sperrklinke in das Sperrrad d eingreifen lassen, wodurch der Regulatorhebel e und mit ihm auch die Drosselklappe, das Regulirventil, der Schieber oder eine andere Vorrichtung, welche den Zutritt des Dampfes zur Maschine regelt, in derjenigen Stellung festgehalten werden, welche durch die Inanspruchnahme der Maschine zu diesem Zeitpunkte bedingt war.

Es ist somit ein völliges Oeffnen der Drosselklappe und ein dadurch leicht bedingtes Durchgehen der Maschine verhindert.

Auch kann mit der beschriebenen Einrichtung ein elektrischer Contact verbunden werden, der eine Klingel in Bewegung setzt und dadurch die eingetretene Störung dem Wärter meldet.

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