Titel: Ueber das Waschen, Bleichen, Färben u.s.w. von Gespinnstfasern, Garnen u. dgl.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 97–105)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284025

Ueber das Waschen, Bleichen, Färben u.s.w. von Gespinnstfasern, Garnen u. dgl.

Von H. Glafey, Ingenieur, Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 25 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

In vielen Fällen ist für die Aufstellung der Behälter G und L ein höher gelegenes Stockwerk nicht vorhanden und erhält dann die ganze Anlage die in Fig. 19 und 20 angegebene Anordnung. Die Kessel GG1G2.. sowie L bleiben dieselben. Der letztere ist derart versenkt, dass der Dampfabschluss leicht zugängig ist, während die ersteren mit dem Kessel A auf gleicher Höhe stehen. Hinzugefügt ist noch der Cylinder X, welcher den Flüssigkeitsdruck bestimmt. Die Flotte gelangt aus dem Behälter G mittels des Ventils a in den Cylinder L und wird von hier aus durch Dampfdruck mittels des Rohres Y in das Reservoir X getrieben, von wo aus sie mittels der Hähne R und S von oben oder unten in den Kessel A eintritt und ihn durch die Hähne R1S1 wieder verlässt, um durch das Rohr Qb1 nach dem Behälter G zurück zu gelangen.

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Zu denjenigen Vorrichtungen zum Färben u.s.w., bei welchen die Flotte in Folge ihrer eigenen Schwere durch das Material hindurchgeht, lassen sich endlich auch noch diejenigen zählen, welche nach Art der sogen. Uebergussapparate wirken. Fig. 21 stellt die Ausführungsform einer solchen Vorrichtung dar, sie ist Gegenstand des englischen Patentes Nr. 7911 A. D. 1887 und rührt von Rudolf Perzina in Aachen her (vgl. auch Centralblatt für Textilindustrie, Nr. 6 S. 128).

Der Färbekessel besteht aus den beiden Behältern A und B, von denen der erstere zur Aufnahme der Farbflotte dient, der letztere dagegen die zu behandelnden Gespinnstfasern u. dgl. aufnimmt. Der Kessel A ist an seinem oberen Umfange derart eingezogen und umgebogen, dass der hierdurch entstehende schräge Rand e eine Auflagefläche für den schrägen Rand d des inneren Kessels B bildet, so dass der letztere also frei in dem Flottenbehälter A hängt. Der Kessel B wird durch die concentrisch in demselben eingesetzte, unten offene Röhre C in einen ringförmigen und einen cylindrischen Raum getheilt, von denen der erstere das zu behandelnde Gut aufnimmt, der letztere dagegen der Flotte als Kanal dient. Das Rohr C sowohl als auch der Kessel B sind oben durchlocht und der letztere ausserdem am Boden. In das Rohr C ist ausserdem eine Kappe bc eingesetzt, deren Zweck sich aus Nachstehendem ergibt.

Die Wirkungsweise des automatischen Färbekessels ist folgende: Das zu behandelnde Gut wird in den Behälter B, nachdem derselbe in den Kessel eingehängt ist, eingeführt und hierauf durch das Rohr D die Farbflotte zugegeben, sowie die Kappe bc derart in den Cylinder C eingeführt, dass aus dem letzteren noch die Flotte entweichen kann. Wird jetzt der Kessel A erhitzt, was durch directe Feuerung oder eine in denselben eingelegte Dampfschlange erfolgen kann, so wird die Farbflotte im Cylinder C und zwischen den Wandungen des Kessels A und B emporsteigen und einestheils durch die Bohrungen f, anderentheils durch die Bohrungen f1 sich über das zu behandelnde Gut ergiessen, dasselbe durchdringen und wieder nach unten sinken, um den Kreislauf wieder zu beginnen.

Ist der Färbeprocess beendet, so wird der Behälter B mit Hilfe des Krahnes E aus dem Kessel A gehoben, entleert, neu gefüllt und wieder eingesetzt.

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In vielen Fällen reicht ein einfaches Durchfliessen der Flotte durch das Material, auch wenn dasselbe öfter wiederholt wird, für eine vollständige Behandlung des letzteren nicht aus und man ist dann gezwungen, Vorrichtungen zu verwenden, bei welchen Flotte und Material in innigere Berührung gebracht werden. Erreicht kann das letztere erstens dadurch werden, dass die Flotte unter Druck durch das Material hindurchgepresst oder hindurchgesaugt wird; zweitens kann man aber auch die Fliehkraft zur Anwendung bringen, wie es z.B. bei Schleudermaschinen der Fall ist; drittens endlich können auch beide Hilfsmittel Anwendung finden.

Sobald die Flotte lediglich durch Druck oder nur durch eine Saugwirkung durch das Material gelangt, ist der Kreislauf derselben kein vollständig geschlossener und ihre Bewegungsrichtung wird für gewöhnlich nicht geändert. Anders verhält es sich, wenn Druck- und Saugwirkung gleichzeitig auftreten, der Kreislauf der Flotte ist dann ein geschlossener und ihre Bewegungsrichtung kann jederzeit geändert werden, so dass dieselbe abwechselnd von der einen und anderen Seite in das Material gelangt.

Die Hilfsmittel, die Flotte unter Druck durch das Material hindurchzutreiben, können verschiedener Art sein, am einfachsten geschieht dies durch geeignete Pumpen. Für die Kammzugfärberei sind in neuerer Zeit derartige Apparate in grosser Zahl in den Verkehr gekommen, die sich in der Hauptsache dadurch unterscheiden, dass einige das Färben des Kammzuges in Bandform, andere dagegen in Bobinenform, also in aufgewickeltem Zustande vornehmen. Die letzteren haben eine ausgebreitetere Verwendung gefunden.

Der Textil-Manufacturer bringt in der Januar-Nummer des Jahrganges 1888 die Beschreibung eines Apparates zum Färben von Kammzug, der in Fig. 22 wiedergegeben ist und von Lewis und Co. in Bradford herrührt. Dieser Apparat, welcher nach Angabe der genannten Zeitschrift in Paris, Sedan, Leipzig, Meerane u.s.w. in Betrieb ist, besteht, wie die Figur erkennen lässt, aus einem oberen, das Material enthaltenden Gefäss und einem unter diesem angeordneten Flottenhälter. Aus diesem gelangt die Flotte in eine Flügelpumpe und wird durch diese in die im oberen Behälter angeordneten, das Material tragenden durchlochten Rohre gepresst, von welchen aus sie, das Vorgespinnst durchdringend, in den Bottich fliesst und schliesslich wieder in den tiefer liegenden Flottenbehälter abläuft, aus welchem die Pumpe sie von neuem absaugt und nach oben treibt. Um eine Verzögerung durch die Beschickung zu umgehen, ist die ganze Anlage doppelt ausgeführt, so dass die eine Hälfte in Thätigkeit ist, während die andere beschickt wird und umgekehrt.

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Eine vielseitigere Anwendung als der vorstehend beschriebene Apparat hat in Folge seiner vortheilhaften Construction der Apparat von Schulze und Co. in Schmölln, S.-A., |99| gefunden, welcher Gegenstand des Patentes Kl. 8 Nr. 36981 ist. Derselbe hat zwar in D. p. J. 1887 263 273 bereits eine Besprechung erfahren, soll jedoch hier mit den Worten des „Deutschen Wollengewerbes“ einer nochmaligen Betrachtung unterzogen werden, da er ein gutes Beispiel für diejenigen Apparate ist, welche ein Probenehmen jederzeit gestatten, ohne gänzlich abgestellt werden zu müssen.

Die Vorrichtung besteht, wie Fig. 23 erkennen lässt, aus zwei freistehenden Säulen, welche zu beiden Seiten mit je einem U-Träger verbunden sind. An diesen Trägern sind zu beiden Seiten in entsprechender Entfernung 6 bis 12 Gelenkhähne angeschraubt, welche die zur Aufnahme der Bobinen bestimmten Cylinder tragen. Die Gelenkhähne, welche einen wesentlichen Bestandtheil des Apparates bilden, sind durch ein gemeinsames Zuleitungsrohr verbunden, welch letzteres zu der unter dem Apparate befindlichen rotirenden Pumpe führt. Diese Pumpe bewirkt die Circulation der Farbflotte aus der dabei stehenden Farbkufe, mit welcher dieselbe durch Rohr und Dreiwegehahn verbunden ist. Ferner befindet sich unterhalb der Cylinder eine mit Kupfer ausgeschlagene Holzrinne, welche den durch die Cylinder ablaufenden Farbstoff aufnimmt und nach der Farbkufe zur weiteren Circulation fliessen lässt. Die einzelnen Cylinder hierbei haben 350 mm Durchmesser und 310 mm Tiefe. Sämmtliche Theile eines Apparates, welche mit der Farbflotte in Berührung kommen, sind aus Kupfer bezieh. aus Rothmetall hergestellt. Soll die zur Anwendung kommende Pumpe nicht aus Rothmetall, sondern aus Eisen hergestellt werden, so ermässigt sich der Preis um etwa 10 Proc. des Gesammtpreises des betreffenden Färbeapparates.

Zur Bedienung eines Apparates, z.B. von zwölf Cylindern, ist nur ein Arbeiter nöthig, und ist derselbe im Stande, die Füllung und Entleerung eines solchen Apparates in der kurzen Zeit von 10 Minuten zu bewerkstelligen. Zur Füllung werden sämmtliche Cylinder mittels einer an jedem Cylinder befindlichen Kette, welche oberhalb über eine Rolle führt, in eine wagerechte Lage gebracht, in welcher Stellung die Kette von einem am Cylinder befindlichen Haken festgehalten wird. Hierauf werden die Verschlussdeckel der einzelnen Cylinder abgenommen, die Bobinen, welche die Cylinder gut ausfüllen müssen, mittels eines Fülltrichters in diese hineingebracht. Sind auf diese Weise alle Cylinder beschickt, so werden die Verschlussdeckel, welche durchlocht sind und durch einfache, seitlich an den Cylindern befindliche Haken festgehalten werden, angelegt und die Cylinder mittels der Kette in senkrechte Stellung gebracht, worauf nach Einschaltung der rotirenden Pumpe der Färbeprocess beginnen kann.

Das Mustern kann während des Betriebes, ohne denselben in seiner Gesammtwirkung zu unterbrechen, dadurch erfolgen, dass man einen Cylinder mittels der Kette wieder wagerecht legt, wodurch die Ausflussöffnung des Hahnkegels des Gelenkhahnes, an dem sich der Cylinder befindet, geschlossen und dadurch der Flottenzufluss abgesperrt wird. In dem Verschlussdeckel des Cylinders befinden sich ausser vielen kleinen auch einige grössere Löcher, durch welche leicht Muster gezogen werden können, wonach dann der betreffende Cylinder wieder in seine senkrechte Stellung gebracht wird. Dies Musterziehen nimmt kaum ¼ Minute Zeit in Anspruch, was dem Farbtone keinesfalls schadet. In so einfacher Weise wie die Füllung des Apparates, die Inbetriebsetzung, das Mustern u.s.w. zu bewerkstelligen ist, so leicht und schnell ist auch die Entleerung desselben vorzunehmen.

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Nach Erreichung des richtigen Farbtones, welcher bei allen Bobinen stets gleichmässig erfolgt, wird die rotirende Pumpe abgestellt, sämmtliche Cylinder werden wagerecht gelegt und die noch am Boden der Cylinder befindlichen kleinen Hähne geöffnet. Durch diese und die Verschlussdeckel läuft die noch in und hinter den Bobinen befindliche Flotte ab. Ist dieses zur Genüge geschehen, so werden die Verschlussdeckel abgenommen und das Entfernen der Bobinen kann beginnen. Es können nun die Bobinen ohne jede Berührung mit den Händen herausgebracht werden, und zwar indem man mittels der Kette den Cylindern eine schräge Lage nach unten gibt, wodurch die in ihrer Form gut erhaltenen Bobinen auf ein darunter gehaltenes Brett fallen. Dies ist ein Vorzug vor anderen Apparaten, bei denen die kochend heissen Bobinen mit den Händen aus ihrem Behälter herausgenommen werden müssen.

Sind auf diese Weise sämmtliche Cylinder entleert, so kann die Füllung derselben, wie zuerst angegeben, sofort wieder beginnen. Werden verschiedene Bäder zu einer Färbung benutzt, so ist es ermöglicht, durch geeignete Verstellung der an der Pumpe befindlichen Dreiwegehähne die betreffende Farbflotte durch die Pumpe selbst zu wechseln, so dass hiernach der Färbeprocess von neuem sofort beginnen kann. Ist der Dreiwegehahn zwischen Pumpe und Kufe ausserdem noch mit einem Wasserreservoir in Verbindung gebracht, so ist der Apparat dann in allen seinen Theilen auf die leichteste Art gründlich auszuspülen, was ebenfalls in wenigen Minuten zu bewerkstelligen ist. Da die Pumpe, das Zuleitungsrohr, die Gelenkhähne |100| und die Cylinder nur innerlich mit der Farbflotte in Berührung kommen, und da diese sämmtlichen Apparattheile innerlich nur glatte Wandungen haben, so ist die Reinigung derselben schnell und sicher bei einem Färb Wechsel vorzunehmen.

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Ebenso wie bei dem Schulze'schen Apparate sind auch bei dem durch das englische Patent Nr. 12358 A. D. 1887 geschützten Apparate von Thomas Sampson und Francis Hugh Jealons in Lawrence, Mass., Nordamerika (Fig. 24), die Bobinen in einzelnen Behältern untergebracht; können jedoch nach Beendigung des Färbeprocesses mit diesen behufs Trocknens in eine Schleudermaschine überführt werden. Jeder der genannten Behälter oder Kessel a1 besitzt auf seinem Boden eine kreisförmige Oeffnung, die durch einen von einem Riegel gehaltenen Roste geschlossen wird und nach innen von einem leistenartigen Kranze eingefasst ist, auf dem das gewöhnlich in ein Gewebe o. dgl. eingeschlagene Material aufruht. Auf der Oberfläche des letzteren ruht mit Hilfe eines Kranzes b6 ein Deckel b5, von denen ein jeder ebenso wie der Boden seines Kessels eine mit Aussparung versehene Oeffnung für den Durchgang der Flotte hat, die durch einen mittels Schrauben b13 befestigten Ring b12 gehalten wird. Die Verbindung des Deckels selbst mit dem Materialträger erfolgt durch an demselben befestigte Bügelfedern, welche unter Nasen b10 an der Aussenwandung des Behälters greifen. Die solcherart gestalteten und mit Material gefüllten Behälter werden in Aussparungen des Zwischenbodens a des Flottenbehälters A3A4 eingesetzt und ruhen auf diesen mittels geeignet gestalteter Flansche a2a3 auf. Sobald dies geschehen ist, wird die zur Behandlung erforderliche Flotte in den Theil A3 des Färbebottichs eingeführt und von da mittels der von den Riemenscheiben dc3 in Umdrehung versetzten rotirenden Pumpe c1 durch das Rohr c in den Theil A1 befördert, wie es die Pfeile 20 erkennen lassen. Ist dies geschehen, so wird durch Oeffnen des Hahnes c5 dem Dampfe oder gepresster Luft der Zutritt zu A4 gestattet und dies hat zur Folge, dass die Flotte, das Material durchdringend, wieder in den Behälter A3 gelangt, von wo es die Pumpe wieder nach abwärts saugt und so einen Kreislauf herstellt. Damit der Druck der durch das Material gehenden Flotte hierbei bei etwaigen Verstopfungen nicht zu gross wird, sind die Rohre a4 angeordnet, durch die die Flotte in diesem Falle entweicht und nach dem Behälter e5 gelangt, welcher sie wieder an den Behälter A3 abgibt.

Sobald es sich erforderlich macht, von Zeit zu Zeit aus dem einen oder anderen Kessel a1 eine Probe zu nehmen bezieh. sich von dem Fortgange der Färbung zu vergewissern, schliesst man den Hahn c5, um den Druck wegzunehmen, lässt die noch in A4 befindliche Flotte durch Rohr d1d in den Behälter d2 und öffnet den entsprechenden Deckel b5. Ist die richtige Färbung erreicht; so stellt man nach Schluss des Hahnes c5 und nach Oeffnung des Hahnes d die Pumpe c1 ab und entleert die Kessel a1 oder hebt sie aus und übergibt sie als Einsatzkästen einer Schleudermaschine. Ist die Maschine wieder aufs neue beschickt, so treibt man durch Dampfdruck in Folge Oeffnens des Hahnes ee1 die Flotte aus dem Bottich d2 durch Rohr d1 und die Kessel a1 in die Abtheilung A3 des Kessels und die Arbeit kann aufs neue beginnen. Macht sich neue Flotte erforderlich, so wird die verbrauchte durch Rohr ff1 abgelassen.

Die am Boden und Deckel eines jeden Kessels a1 vorgesehenen Flansche b pressen das Material in der Mitte aus einander und somit gegen die Wandungen b, verhindern also die Flotte, an den Seiten zu entweichen, zwingen sie vielmehr, durch die Mitte des Materials ein- und auszutreten.

Anstatt das Material von unten durch die Flotte zu behandeln, kann man die letztere auch durch die Pumpe nach oben heben und durch das Material noch hindurchsaugen; die Maschine bekommt dann eine Einrichtung, wie sie in punktirten Linien 10 bis 16 angedeutet ist. Durch geeignete Stellung der Hähne kann dann nach Belieben der Kreislauf der Flotte geändert werden.

Eine Maschine zum Färben von Kammzug u. dgl., bei welcher der letztere nicht in Form von Bobinen der Wirkung der Flotte ausgesetzt, sondern in Bandform mittels eines Drehtopfes auf einen durchlochten Cylinder aufgewickelt wird und so in den Apparat gelangt, ist in den Fig. 26, 27 und 28 wiedergegeben und rührt von Elly Sutcliffe und G. A. Sutcliffe in Halifax her. Die constructive Ausführung der durch das englische Patent Nr. 8270 A. D. 1890 geschützten Einrichtung ist nach der Textil-Zeitung folgende:

Das zu behandelnde Material a ist auf die durchlochten Rohre a1 aufgewickelt, welche in radialer Richtung auf dem Hohlkörper b sitzen. Das Umwickeln der durchlochten Rohre a1 kann in der gleichen Weise geschehen, wie es in der englischen Patentschrift Nr. 4971 A. D. 1886 angegeben ist, d.h. dieselben werden in einen Drehtopf eingesetzt, mit dem Faserband umlegt und dann an den beiden Enden mit das letztere haltenden Druckscheiben |101| ausgestattet. Der Hohlkörper b ist mit Zapfen b1, b2 versehen, welche in Lagerstühlen ruhen, die von den Gestellwänden cc1 getragen werden. Auf dem Zapfen b1 sitzt ein Schneckenrad d, welches von einer Schnecke e in Umdrehung versetzt wird, die sich auf der wagerechten Vorgelegewelle f befindet. Die letztere trägt ausserdem ein zweites Schneckenrad g, das von der mit Fest- und Losscheibe j ausgestatteten Treibwelle i mittels der Schnecke h seine Bewegung empfängt. Der Zapfen b2 ist hohl, läuft in einer Stopfbüchse k1 und steht in dieser mit einem nach einer rotirenden Pumpe l laufenden Rohr h in Verbindung. Das Saugrohr l1 der genannten Pumpe mündet in eine in dem zur Aufnahme der Flotte bestimmten Bottiche vorgesehene Ablaufrinne m1. Ihren Antrieb empfängt die Pumpe durch die Riemenscheiben l2. Auf dem Hohlkörper b sitzen die beiden Achsenkreuze b3, welche unter sich wieder durch die acht Querriegel n in Verbindung gebracht sind. Jeder der letzteren trägt etwa vier Bügel o mit Druckschrauben p, die auf kegelförmig gestaltete, in den Riegeln n geführte Druckstücke einwirken. Mit Hilfe dieser Druckstücke o werden die mit Vorgespinnstgarnen o. dgl. umwundenen Materialträger o1 auf die in den Hohlcylinder b eingesetzten kegelförmigen Aufsatzstücke b4 aufgepresst und so eine wasserdichte Verbindung hergestellt, welche die Flotte zwingt, aus dem Cylinder b in die Rohre a1 einzudringen und von da durch das Material zu gehen.

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Sobald die Maschine ganz beschickt ist und in Bewegung gesetzt wird, befinden sich gleichzeitig 32 Materialträger in Behandlung, und zwar werden, da dieselben sich drehen, sämmtliche Theile derselben gleichmässig mit Flotte behandelt, denn bei denjenigen Wickeln, die oben stehen, dringt die Flotte aus dem untersten Theil und bei den untersten ebenfalls aus dem untersten, d.h. also den zuvor oben gelegenen Hälften. In gleicher Weise verhält es sich mit den rechts und links der Träger a1 gelegenen Materialmengen (Fig. 27). Es ändert sich also die Bewegungsrichtung der Flotte in dem Material fortwährend und dies bedingt eine gleichmässige Behandlung. Noch vortheilhafter ist es, wenn die Maschine von Zeit zu Zeit angehalten wird und die Materialträger eine Drehung um ihre Achse erfahren, damit auch die in dem Mittelbaume gelegenen Partien nicht ohne Einfluss für die Flotte bleiben. Diese Schaltung der Materialträger kann auch mechanisch erfolgen, wenn die Maschine nicht zu complicirt wird.

Bei der in Fig. 28 dargestellten Ausführungsform der Maschine sitzen die durchlochten Rohre r fest auf dem Hohlcylinder b und sind durch Scheidewände b5 von einander getrennt, welche ebenso wie die die letzteren verbindende Umhüllung b6 perforirt sind. Die auf diese Weise gebildeten Kammern werden nach Oeffnung der in denselben vorgesehenen Zuführthüren mit loser Wolle o. dgl. gefüllt und diese von Zeit zu Zeit gewendet. Die Wirkungsweise der Maschine bleibt die gleiche, die Flotte strömt durch Rohr b in die Rohre r und durchdringt dann die diese umgebenden Materialien.

Ein Beispiel dafür, dass das Material während des Durchtreibens der Flotte durch dasselbe gleichzeitig auch einer mechanischen Bearbeitung unterzogen werden kann, liefert die Vorrichtung zur Vorbearbeitung von Kettengarnen von White, Child und Co. in London, welche Gegenstand des D. R. P. Kl. 8 Nr. 41068 vom 30. Januar 1887 ist. Die zu behandelnden Kettengarne werden auf einen Kettenbaum A aufgewickelt, welcher, wie die Fig. 29 und 30 erkennen lassen, mit Oeffnungen a von geeigneter Gestalt und Grösse versehen ist. Die Stirnseiten des Baumes sind geschlossen und dienen nur zur Anbringung von Zuführrohren B, welche, je nachdem das Garn gedämpft, getränkt, gefärbt oder geschlichtet u.s.w. werden soll, mit den geeigneten Behältern in Verbindung gebracht werden. Aus diesen treibt eine Pumpe die Flotte o. dgl. in das Innere des Kettenbaumes und presst sie durch die Garnschichten. In besonderen Fällen kann der Kettenbaum, wie z.B. Fig. 29 zeigt, in eine Kufe D oder einen sonstigen Behälter eingesetzt werden, wobei die in dem letzteren enthaltene Flüssigkeit mittels Pumpe E durch den Kettenbaum gedrückt wird und somit ein Kreislauf stattfindet.

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Für gewisse Garne und bei dichter Wickelung derselben auf dem Kettenbaume ist es erforderlich, das Durchführen der zur Verwendung gelangenden Flüssigkeit zu beschleunigen oder vollständiger zu machen. Hierzu ist es erforderlich, dass das aufgewickelte Garn einer Pressung von aussen her unterworfen wird, und zwar kann diese Pressung durch Stösse oder Walzendruck hervorgebracht werden. Die Fig. 31 veranschaulicht eine Vorrichtung, bei welcher ein Schlagen des aufgewundenen Garnes stattfindet. Ueber dem Kettenbaum A sind die Hämmer F, welche auch als Stampfer ausgebildet sein können, angeordnet, die periodisch auf den Umfang des mit Garn bedeckten Kettenbaumes mehr oder weniger heftig niederschlagen |102| und dadurch ein inniges, gleichmässiges und vollständiges Eindringen der Flüssigkeit in die Faser bedingen. Der Kettenbaum A findet hierbei seine Gegenlage durch eine Walze G, welche gleichzeitig dazu dient, die Umdrehung des ersteren hervorzubringen.

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Um die Flotte immer auf der gleichen Temperatur zu erhalten, kann zwischen Behälter D und Pumpe oder der letzteren und dem Baume eine Vorrichtung zum Erwärmen derselben eingeschaltet werden, wie es z.B. Fig. 30 erkennen lässt.

Um das Hindurchpressen der Flotte durch das Material von beiden Seiten wechselweise zu ermöglichen, also eine gleichmässigere Färbung o. dgl. herbeizuführen, ohne dass die Bewegungsrichtung der Flüssigkeit geändert wird, wie es z.B. bei der Betrachtung des Apparates von Sampson und Jealons erwähnt wurde, hat Charles Vandermeirsche in Paris einen Apparat zum Färben u. dgl. von Gespinnstfasern in zwei Ausführungsformen construirt, welche Gegenstand des D. R. P. Kl. 8 Nr. 46852 vom 20. Juni 1888 und Nr. 47438 vom 7. November 1888 sind.

Bei der ersteren, welche in den Fig. 32 und 33 wiedergegeben ist, sind die Bobinen in Töpfen untergebracht, die an den beiden Enden durchlochte Böden tragen und mit Gewinde ausgestattet sind, welche ein beliebiges Aufsetzen derselben auf einen in dem Flottenbehälter sich drehenden Hohlcylinder ermöglichen, durch den die Flotte hindurchgetrieben wird. Die beiden Zapfen der hohlen Achse A laufen zu diesem Zwecke in Stopfbüchsen, welche in die Seitenwände des Behälters eingelassen sind. Ein Achsenende c ist voll und trägt ein Zahnrad, welches in eine Schnecke eingreift, die ihren Antrieb von einer Stufenscheibe erhält, so dass es möglich ist, die Drehungsgeschwindigkeit des Cylinders A nach Belieben zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Das Achsenende d ist hohl und schliesst sich an das Zuführrohr QR an.

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Auf seiner Mantelfläche trägt der Cylinder A mehrere mit Muttergewinde versehene offene Stutzen B, in deren jeden ein Gefäss C eingeschraubt ist. Die Töpfe C bestehen aus zwei Theilen, und zwar erstens aus dem eigentlichen Topfe mit durchlochtem Boden und mit Gewinde am Fusstheile, so dass sich jeder einzelne Topf an den zugehörigen Stutzen B schrauben lässt; zweitens aus dem in den Topf sich einlegenden Deckel D, welcher ebenfalls durchlocht auf die Bobine C1 oder auf den im Topfe C befindlichen Textilstoff einen gewissen Druck ausübt. Dieser Druck ist mittels der Schraubenbolzen s regulirbar. Der obere Theil F1 dieses Deckels ist gleichfalls mit Schraubengewinde versehen, welches zu dem Muttergewinde im Stutzen B passt. Je nach der zu bauenden Grösse der Maschine wird sich auch die Zahl der Töpfe und die Anzahl der Reihen derselben ändern. In Fig. 32 und 33 sind nur drei Töpfe in jeder der drei Reihen dargestellt.

Die auf die Stutzen B aufgeschraubten Töpfe C sammt den beispielsweise darin befindlichen Bobinen folgen der drehenden Bewegung des Cylinders A um dessen Achse und tauchen auf der einen Längsseite der Maschine einer nach dem anderen in das Färbebad und erheben sich auf der anderen wieder in derselben Reihenfolge aus der Flotte. Die Bewegung ist eine in ununterbrochener Folge stetige. Das Bad wird stets auf einem solchen Stande erhalten, dass die Bobinen bis in ihr Innerstes getränkt werden.

Eine Centrifugalpumpe P saugt die Flüssigkeit aus |103| dem Farbebehälter T durch das Rohr Q an, welches sich an Ventil q anschliesst, und drückt sie durch das Rohr QR wieder in den Cylinder A zurück.

Mittels des durch die Pumpe erzeugten Druckes wird die Flüssigkeit durch die zu färbenden Bobinen gepresst. Nach diesem ersten Durchdringen erfolgt dann durch das Emporsteigen der Topfreihen aus dem Bade (dieses Emporsteigen ist durch die Rotation des Cylinders A veranlasst) ein erneutes Tränken mit Farbstoff, denn wenn die Töpfe die durch die Achse gelegt gedachte Vertikalebene oben passiren, dann wird die im Deckel D mitgenommene Flüssigkeit einen der Pumpe entgegengesetzten Druck ausüben. Die Färbeflüssigkeit wird niederdringen und so von den Rändern der Bobinen gegen das Innere verlaufen, auf welche Weise offenbar eine vollkommene Färbung der Bobinenränder erzielt werden dürfte.

Die Töpfe C besitzen ausserhalb in der halben Höhe zwei Zapfen t. Hat nun der Färbeprocess begonnen, so wird in einem durch die Erfahrung festgesetzten Moment jeder der Töpfe C abgeschraubt, umgekippt und mittels des Schraubengewindes F1 des Deckels D wieder auf den Stutzen B aufgeschraubt, der Process dann fortgesetzt und beendet.

Zur Förderung dieses Umkippens der Töpfe ist folgende Einrichtung getroffen: Auf einer über der Maschine befindlichen Schiene K bewegt sich ein Laufkrahn J. An der mit J verbundenen Laststange K1 desselben hängt die Schraubenspindel H mit Rechts- und Linksgewinde, welche Gewinde in die entsprechenden Kuppelungsmuttern M und M1 eingreifen. M1 ist mit dem Haken G versehen, dieser nimmt den Bügel E auf, dessen Arme die Zapfen t umfassen. Das Abheben der Töpfe C von dem Stutzen B nach dem Abschrauben und deren Wiederaufsetzen nach erfolgtem Umkippen wird durch entsprechendes Drehen am Handrade I bewirkt.

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Dieses Umkippen während des Färbeprocesses ersetzt vortheilhaft jene gebräuchlichen Methoden, bei welchen durch Erzeugung von Druck und Luftleere ein Wechsel in der Circulation der Flüssigkeit angestrebt wird. Die Textilmaterialien werden bei vorliegender Maschine wenig in Anspruch genommen und die bestmögliche Einförmigkeit der Färberei erzielt.

Des Weiteren unterscheidet sich die vorliegende Construction vortheilhaft von den Einrichtungen, wie sie z.B. in den Patentschriften Nr. 29345 und Nr. 40047 gegeben sind. Ein Umwechseln der Töpfe, um den Flüssigkeitsstrom unter Druck nach beiden Richtungen durch die Waare zu treiben, ist bei beiden letztgenannten Maschinen nicht möglich.

Um die Arbeit zu fördern, werden zwei Färbemaschinen mit einander verbunden (wie in der Zeichnung angedeutet), so dass, während die eine Maschine sich in Thätigkeit befindet, die Bobinen u.s.w. der anderen Maschine abgenommen und wieder durch neue ersetzt werden können. Es wird also ohne Unterbrechung gearbeitet und die Production ist eine stetige und unaufhörliche. Dieselbe Maschine kann auch für andere Vorbereitungsprocesse, wie sie bei der Färberei vorkommen, Anwendung finden, so z.B. für die Entfettung, die Waschung, für das Beizen, Spülen, Reinigen, Carbonisiren der Wolle u.s.w. Will man das System erweitern, können auch doppelte und mehrfache Cylinder A in einem Bottich angeordnet sein.

Textabbildung Bd. 284, S. 103
Das Umsetzen der Materialträger zum Zwecke, den Flottendurchgang durch das Material zu ändern, erfordert ziemlich viel Zeit. Vandermeirsche hat deshalb den vorstehend beschriebenen Apparat dahin abgeändert, dass er die das Material enthaltenden Töpfe nicht auf eine Drehachse aufsetzt, sondern derart in eine solche einsetzt und mit ihr wendet, dass Boden und Deckel derselben wechselweise unter die Flottenzuleitungen gelangen. Die besondere Ausführungsform der ganzen Anlage ergibt sich aus den Fig. 34 bis 37.

In dem das Färbebad enthaltenden Bottich A sind auf Achsen C sitzend eine Anzahl Töpfe bezieh. Gefässe B angeordnet, welche die zu färbenden Materialien enthalten. Die Deckel und Böden dieser Töpfe sind durchlocht, um der Flotte den Durchtritt zu gestatten. Die Achsen C stehen unter sich durch Zahnräder D in Verbindung und empfangen von der Hauptwelle aus mittels des Getriebes RR1 eine derartige periodische Drehbewegung, dass stets die |104| Töpfe eine Zeitlang stehen bleiben, sobald sie die lothrechte Lage einnehmen. Während des Stillstandes der Töpfe wird mittels der Centrifugalpumpe P, welche die Flotte aus dem Behälter A saugt, diese durch das Röhrenwerk T mit den glockenförmigen Ausläufen T1 von oben in die Töpfe eingeführt und durch das in denselben enthaltene Material gepresst. Die durch den im Behälter A herrschenden Flüssigkeitsdruck in die Töpfe B eingetriebene Farbflüssigkeit wird dabei verdrängt und durch die aus der Leitung TT1 eindringende ersetzt. Sobald dies eine genügende Zeitlang erfolgt ist, hört die Pumpe P auf zu arbeiten und die Töpfe B setzen ihre Drehbewegung fort, bis nach einer Wendung von 180° der geschilderte Vorgang sich wiederholt. Bei dem Aufhören der Pumpenthätigkeit dringt die Flüssigkeit des Bottichs A von neuem von unten nach oben in die Töpfe ein und drängt das Textilmaterial in einen dem früheren entgegengesetzt gerichteten Flüssigkeitsstrom. Es sind somit zweierlei Kraftwirkungen vertreten, welche den Färbeprocess vollziehen. Aus der Aufeinanderfolge dieser Einwirkungen resultirt eine Tongleichheit und die bestmöglichste Einförmigkeit in der Färbung. Bei der in Fig. 34 dargestellten Maschine wird die absatzweise Drehung der Töpfe B auf folgende Weise hervorgebracht.

Auf der mittleren Welle C ist ein Zahnrad R befestigt, in welches ein auf der Antriebwelle sitzendes Zahnrad R1 eingreift, letzteres besitzt aber nur zwei gezahnte Sectoren r und zwei Bogentheile v (Fig. 35). Die Zahnungen bewirken die Drehung der Töpfe, während beim Passiren der ungezahnten Theile v die Töpfe stillstehen. Die Hauptwelle empfängt ihren Antrieb durch Stufenscheiben. Die Zuführung der Flotte erfolgt durch das hufeisenförmig gestaltete Rohr T, an welchem die Glocken T1 sitzen, welche sich mit dem ganzen Leitungskörper so auf und ab bewegen, dass sie sich, sobald die Töpfe in Stillstand gekommen sind, auf dieselben senken, dagegen heben, sobald die Wellen C ihre Drehung fortsetzen sollen; hervorgebracht wird diese Bewegung durch geeignet gestaltete Hubdaumen GG1.

Nach Angabe der Zeitschrift Industrie Textile kann eine in solcher Weise arbeitende Maschine mit sechs Töpfen 2,5 bis 3,00 Centner gekämmte Wolle in einem Tage bei einmaliger Behandlung färben und in directen Wollfarben in einem Topfe 80 bis 95 Pfund bezieh. Beizfarben 50 bis 60 Pfund in 12 Arbeitsstunden liefern.

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Für die Behandlung von Geweben mit Farb- o. dgl. Flotten hat man zum Durchtreiben der letzteren Walzen in Vorschlag gebracht, welche auf ihrem Umfange mit radial verlaufenden Scheidewänden ausgestattet sind, die bei dem Herumführen des Gewebes um die in der Flotte liegende Walze ihre Lage derart ändern, dass die zwischen je zwei Scheidewände und das dieselbe überdeckende Gewebe eingeschlossene Flotte durch das letztere hindurchgepresst wird.

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Nach der in den Fig. 38 bis 41 wiedergegebenen Ausführungsform stellt William Birch in Lawer Broughton (Manchester, Grafschaft Lancaster, England) die genannten Scheidewände aus einem zusammendrückbaren und nach |105| dem Aufhören des Druckes in die ursprüngliche Gestalt zurückgehenden Material her. Der Walzenkörper a ist auf seinem Umfange mit parallel zur Achse und dann rechtwinklig zu derselben verlaufenden Nuthen ausgestattet, in denen mittels eines geeigneten Kittes oder in sonst passender Weise Streifen b aus Kautschuk, Filz o. dgl. so befestigt sind, dass die ganze Cylinderfläche von Zellen bedeckt erscheint. Da die Walze in der Flotte untergetaucht ist, sind diese Zellen beständig gefüllt. Sobald nun bei der Umdrehung der Walze Zellen vom Gewebe bedeckt werden, werden sie von der äusseren Flüssigkeit abgeschlossen und unter dem vom Gewebe ausgeübten Drucke zusammengepresst (Fig. 38). In Folge dessen wird die in den Zellen eingeschlossene Flüssigkeit durch das Gewebe hindurch nach aussen getrieben und beide in innige Berührung mit einander gebracht. Nach den Fig. 40 und 41 sind auf dem Cylinder in der Aussenrichtung Kautschukstreifen d gelegt und über diese Kupferstreifen c von niedriger trogartiger Gestalt eng an einander durch Aufnageln befestigt. Die Böden dieser Tröge sind mit Querschlitzen versehen. Durch letztere wird der Kautschukstreifen nach oben gezogen, so dass Wände von schleifen artigem Querschnitte entstehen. Auch legt man kurze Streifen d1 auf, deren zugekehrte Enden durch die besagten Schlitze hindurchgezogen werden. Die Theile d bezieh. d1 bilden die Querwände der Zellen, deren Längswände durch lange, zwischen die Kupfertröge eingeschobene und daselbst befestigte Kautschukstreifen gebildet werden.

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Die Zellen können anstatt der rechteckigen Form auch jede andere erhalten.

Bei der Verwendung in solcher Weise ausgestatteter Walzen zum Durchführen der Gewebe durch die Flotte hat sich herausgestellt, dass die aus nachgiebigem Material hergestellten Scheidewände von Säuren und der heissen Flotte stark angegriffen werden und in Folge dessen ihre Elasticität verlieren. Der Erfinder hat deshalb diese Wandungen bei seiner durch D. R. P. Kl. 8 Nr. 41463 geschützten Walze, welche in den Fig. 42, 43 und 45 in verschiedenen Ausführungsformen, sowie in der Fig. 42 in ihrer Verwendung dargestellt ist, durch geeignet gestaltete Schienen aus Holz, Metall u.s.w. ersetzt, welche in besonderen Führungen gehalten werden. Diese Führungen b sind in den Umfang der aus Holz hergestellten, nötigenfalls mit Kupfer o. dgl. beschlagenen Walze a eingeschnitten. Die Enden der Schienen c ragen über die Enden der Walze hinaus und sind mit Nuthen d zur Aufnahme eines metallenen Ringes e versehen, welcher alle Schienen c verbindet. In den Fig. 42, 43 und 44 der Zeichnung sind die erwähnten Schienen oval hohl und mit vierkantigen, vollen Enden gezeichnet, mit denen sie in der mit radialen Aussparungen g versehenen Endplatte f, welche an der Walze a befestigt ist, geführt werden. Die Ringe e haben einen solchen Durchmesser, dass wenn eine Schiene auf einer Seite der Walze in die entsprechende Aussparung so weit hineingedrückt ist, dass ihre Oberfläche bündig mit dem Walzenkörper a liegt, die Schiene auf der entgegengesetzten Seite durch den Ring e ganz ausserhalb der Aussparung gebracht wird, wie die Fig. 42 und 44 zeigen. Durch diese Radialbewegung der Schienen werden die durch jene gebildeten Zellen abwechselnd ausgedehnt und zusammengedrückt und dadurch das Wasser aus diesen sowohl, wie aus den Aussparungen des Walzenkörpers durch das Gewebe gepresst. Um zu verhindern, dass die Flotte aus den grossen Zellen, die durch die Schienen c gebildet werden, leicht nach der Seite hin ausfliesst, falls die Zelle nicht mehr ganz in die Flotte eingetaucht sein sollte, kann man Querscheidewände anordnen, welche ebenfalls in entsprechende Aussparungen des Walzenkörpers bei der Abwärtsbewegung der Schiene greifen. Jene Querscheidewände sind zweckmässig so anzuordnen, dass die Zellen abwechselnd versetzt sind, so dass die Scheidewand in der einen Zelle der Mitte der nebenliegenden Zelle gegenüber liegt.

Anstatt den Schienen die in den Fig. 42 und 44 dargestellte Form zu geben, kann man dieselben auch so gestalten, wie es Fig. 45 erkennen lässt. Zum Zwecke des leichten Austrittes des Wassers o. dgl. sind die Bohrungen h vorgesehen.

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Die Verwendung der im Vorstehenden beschriebenen und der diesen ähnlichen Apparate zum Waschen, Färben u.s.w. hat ergeben, dass der in dem Material enthaltenen Luft das Entweichen erschwert wird, so dass, besonders bei dicken Materialschichten, eine zuverlässige Färbung nicht immer gesichert ist. Zur Beseitigung dieses Uebelstandes hat man deshalb versucht, die Flotte durch das Material hindurchzusaugen und hierbei gleichzeitig die in demselben vorhandene Luft zu entfernen.

(Fortsetzung folgt.)

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