Titel: Neuere Kuppelungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 197–203)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284047

Neuere Kuppelungen.

(Schluss des Berichtes S. 177 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

D. Kuppelungen, welche die Bewegung durch Reibung einleiten und später feste Verbindung einschalten.

Diese sind in denjenigen Fällen angezeigt, bei welchen im Allgemeinen auf einen stossfreien und nicht sehr wechselnden Betrieb gerechnet werden kann.

Die Reibungskuppelung von David Hahn und Carl Treiber in Stockerau bei Wien (D. R. P. Nr. 58383 vom 6. Januar 1891) bewirkt die Ein- und Ausrückung durch federnde schiefe Flächen auch während des Betriebes, und gewährt einen elastischen Anfangsschluss mit festem Endschluss.

Textabbildung Bd. 284, S. 197
Eine Scheibe Z (Fig. 27 und 28), welche mit dem eine Schutzscheibe G aufnehmenden Hohlcylinder C ein Stück bildet, ist auf dem Ende der Welle fest aufgekeilt. Dieser gegenüber ist auf dem anderen Wellenende eine mit Schlitzen versehene Scheibe S festgekeilt. Hebel H, welche in den Lappen E auf Bolzen drehbar gelagert sind, tragen die mit angeschraubten Bremsbacken B, Stellmuttern V und Gegenmuttern V versehenen Druckschrauben D und sind am freien Ende mit Rollen N versehen. Auf der die Scheibe S tragenden Welle ist eine Muffe M in der Längsrichtung verschiebbar, gegen Verdrehen jedoch durch Federkeile gesichert und mit einer Ringnuth U zum Ein- und Ausrücken versehen. An der Muffe M befinden sich in stumpfen Winkeln gebogene Backen B, welche durch Federn F nach aussen gedrückt werden. Backen und Federn sind in durch die Rippen P gebildeten Nuthen der Muffe M gelagert. Stifte T stützen die Federn nach unten ab. Eine auf dem Rande der Muffe befestigte Schutzhülse A ist den |198| Backen B gegenüber mit abgeschrägten Führungsbacken P1 für die Rollen N versehen. Zur Einstellung der Bremsbacken R werden nach Entfernung der Schutzscheibe G und nach Einrücken der Muffe M die Stellmuttern V so weit angezogen, bis durch den Widerstand, welchen der Hohlcylinder C bietet, die Federn F durch die Hebel H und Backen B so weit herabgedrückt werden, dass sie sich auf die Stifte T legen, wodurch deren Federung begrenzt wird. Dann werden zur Sicherung die Gegenmuttern W angezogen und die Schutzscheibe G vorgeschraubt.

In ausgerücktem Zustande sind die Hebel H durch die Rippen P1 gehalten, die Bremsbacken werden vom Hohlcylinder C abgezogen, es kann daher auch keine unbeabsichtigte Einrückung durch Centrifugalkraft erfolgen. Die Backen B werden durch die Federn F gehoben. Beim Einrücken der Muffe gleiten die Rollen auf den schiefen Ebenen der Backen B, wodurch die Hebel H gehoben und die Bremsbacken angedrückt werden. Bei weiterem Einrücken der Muffe werden die Federn nach unten gedrückt. Die Mitnahme der einzurückenden Welle beginnt daher schon, während die Federn noch wirksam sind, und erst nachdem die einzurückende Welle sich schon zu drehen begonnen hat, oder auch beide Theile schon gleiche Geschwindigkeit haben, erfolgt das Abstützen der Federn F auf den Stiften T und damit auch das zur sicheren Mitnahme nothwendige feste Anpressen der Bremsbacken B an den Hohlcylinder.

L. Heller in Liebenstein theilt den Kuppelungsvorgang in der Weise (D. R. P. Nr. 49547), dass er eine mit der Hand einzurückende Reibungskuppelung so lange benutzt, bis die Geschwindigkeit bei treibender und getriebener Welle gleich ist und alsdann eine unabhängig von der ersteren wirkende feste Klauenkuppelung zum dauernden Betriebe gleichfalls mit der Hand einrückt.

Textabbildung Bd. 284, S. 198
Eine vereinigte Reibungs- und Zahnkuppelung zeigt das an Aug. Schröder in Rheydt ertheilte D. R. P. Nr. 57405 vom 22. Juli 1890 (Fig. 29). Zunächst wirken bei derselben die Flächen n1 auf Bremsung der Bremsklötze n, welche an der zur Welle senkrechten Fläche der Kuppelungsscheibe ihre Führung haben. Bei noch weiterem Andrücken treten die Zähne v der Bremsklötze mit Zähnen der Kuppelungsscheibe in Berührung, so dass die Kuppelung nunmehr nicht weiter gleiten kann. Zur Verschiebung der Bremsklötze dient die in der Figur dargestellte Hebelübertragung. Das Ende k des Hebels hat in entsprechenden Schlitzen der Kuppelungsmuffe Führung.

Die Klauenfrictionskuppelung von Pfaff (Fig. 30) ist in dem von Director Pfaff in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1888, veröffentlichten Berichte über die Wiener Jubiläums-Gewerbeausstellung als eine von der Prager Maschinenbau-Actiengesellschaft ausgestellte, neue lösbare Kuppelung beschrieben, welche ein bequemes Einrücken auch während einer raschen Drehung der Welle gestattet. Bei der gewöhnlichen Klauenkuppelung kann das Einrücken des losen Muffes während des Maschinenganges nur bei langsamer Bewegung vorgenommen werden; Stösse sind dabei unvermeidlich. Besonders unbequem ist das Einrücken, wenn die Kuppelung für beide Drehrichtungen eingerichtet ist, wobei die Kuppelungszähne beiderseits radial stehende ebene Flanken erhalten müssen. Bei der Klauenfrictionskuppelung wird vor der Einrückung der Kuppelzähne die ruhende Welle mittels einer für sich wirkenden Frictionskuppelung allmählich auf dieselbe Umdrehungszahl mit der laufenden Welle gebracht. Da sich nun die beiden mit einander zu verbindenden Theile der Klauenkuppelung mit gleicher Geschwindigkeit drehen, verursacht das Einrücken der Kuppelzähne keine Schwierigkeiten. Die Einrichtung dieser neuen Kuppelung ist folgende: An dem verschiebbaren Kuppelungstheile A ist ein konischer Kranz angegossen, sonst ist er wie gewöhnlich ausgeführt, und wird in üblicher Weise durch Hebel oder durch einen Schraubenmechanismus o. dgl. angezogen. Die auf der Welle W befestigte Kuppelungshälfte B trägt einen angeschraubten Hohlkegelkranz, in welchen der Konus der anderen Kuppelungshälfte genau hineinpasst. Soll während der Drehung der Welle eingekuppelt werden, so wird zuerst der lose Muff (A) so verrückt, dass der konische Kranz desselben in den Hohlkegel der Kuppelungshälfte B eingepresst wird, wodurch die nicht angetriebene Welle mitgenommen und unter allmählicher Beschleunigung auf die Umdrehungszahl der treibenden Welle gebracht wird. Nach beiläufiger Erreichung der gleichen Geschwindigkeit wird der lose Kuppelungstheil rasch in entgegengesetzter Richtung verschoben, wodurch die Kuppelungszähne zz zum Eingriff kommen und die dauernde Verkuppelung fortan herstellen. Die beschriebene Kuppelung wäre mit Vortheil bei Walzwerken statt der gewöhnlichen Klauenkuppelung anwendbar.

Textabbildung Bd. 284, S. 198
Textabbildung Bd. 284, S. 198
Die selbsthätige Kuppelung von Gustin wird in Le génie civil, sowie in Revue industrielle vom 22. November 1890 beschrieben und soll in solchen Fällen gute Verwendung finden, wenn von mehreren Motoren verschiedenartigen Ganges, die auf dieselbe Welle zu wirken haben, einer wegen zu langsamen Ganges auszurücken ist, was von der Kuppelung selbsthätig bewirkt wird. Auf der treibenden Welle ist nach Fig. 31 eine Scheibe B aufgekeilt, welche an der einen Seite mit geneigten Flächen H versehen ist. Ist der treibende Motor in Bewegung, so schiebt sich die geneigte Ebene H über die entsprechende Ebene H1 der Scheibe C. Hierdurch wird die Scheibe C fest an die |199| Scheibe D gepresst. Der Druck wird von der Scheibe E aufgenommen, die mit 6 bis 10 Stahlschraubenbolzen K an Scheibe B befestigt ist. Die Kraft wird alsdann übertragen. Geht einer der Motoren langsamer, so tritt die Auslösung in nunmehr leicht zu übersehender Weise ein; die dabei vorgegangene Aenderung ist in Fig. 31 dargestellt. – Es bedarf wohl nicht der Erwähnung, dass diese Kuppelung auch unmittelbar mit einer Riemenscheibe, als welche die Scheibe B ausgebildet werden kann, sich vereinigen lässt.

E. Elektrische Kuppelungen.

In der Elektrotechnischen Zeitschrift, Heft 5 von 1891 S. 49, theilt Ernst Richter über eine elektromagnetische Sicherheitskuppelung Nachstehendes mit:

Bei dem gegenwärtigen Bestreben, die Sicherheit in den Fabrikbetrieben in jeder Weise zu erhöhen, so dass Unfälle mehr und mehr verhütet werden, wird ein neuer Vorschlag in dieser Richtung nicht ohne Interesse sein.

Die Firma Siemens und Halske fabricirt seit einiger Zeit eine neue Kuppelung, welche den Zweck hat, die häufigen Unglücksfälle, welche durch Transmissionen und Treibriemen herbeigeführt werden, nach Möglichkeit einzuschränken.

Textabbildung Bd. 284, S. 199
Die Aufgabe einer solchen Vorrichtung besteht stets darin, den betreffenden Theil der Transmission, welcher durch seine Umdrehung im Begriffe ist, ein Unglück herbeizuführen, möglichst schnell zum Stehen zu bringen. Die neue Kuppelung verfolgt daher einen doppelten Zweck, nämlich einmal einen treibenden und einen getriebenen Transmissionstheil zu verbinden, zweitens aber, wenn diese Verbindung gelöst wird, den getriebenen Theil kräftig zu bremsen. Sie stützt sich auf die Eigenschaft, welche die elektrischen Kraftäusserungen auszeichnet, dass nämlich durch einfache Unterbrechung, Schliessung oder Umschaltung eines an und für sich ganz schwachen Stromes beliebig grosse Wirkungen in beliebig kurzer Zeit und aus beliebig grosser Entfernung in Thätigkeit gesetzt werden können. Bisher wurde indessen diese Eigenschaft meist so verwerthet, dass die elektrische Einrichtung nur auslösend oder einrückend auf an und für sich unabhängig vorhandene Kräfte wirkte.

Bei der neuen Kuppelung ist dagegen insofern ein Fortschritt gemacht, als die Anordnung derart getroffen worden ist, dass ein verhältnissmässig ganz schwacher elektrischer Strom im Stande ist, selbst die Uebertragung beliebig grosser Leistungen zu übernehmen. Da nun ein solcher Strom sich durch die einfachsten Mittel überall hin leiten und ohne besondere Vorsicht umschalten lässt, so erfüllt diese Einrichtung in höherem Grade als frühere ähnliche Versuche eine der wesentlichsten Bedingungen aller Sicherungsvorrichtungen, nämlich die der äussersten erreichbaren Einfachheit. Die angefügte Zeichnung Fig. 32 bis 34 zeigt, auf welche Weise dies erreicht wird. Auf die vom Motor angetriebene Welle W ist ein scheibenförmiger Elektromagnet E1, aus Gusseisen bestehend, unbeweglich aufgekeilt.

Dem Elektromagnet E1 gegenüber ist ein zweiter völlig gleichartiger Elektromagnet E2 fest an das Lager der Welle angegossen. Zwischen beiden Elektromagneten ist ferner auf der Welle die Losscheibe A aufgepasst, welche durch Riemen oder auf andere Weise die der Welle vom Motor ertheilte Umdrehung den Arbeitsmaschinen zuführt. Da der Elektromagnet E1 sich mit der Welle dreht, so muss ihm der erregende Strom durch ein Paar Schleifenringe SS zugeführt werden, welche auf seine Nabe isolirt aufgezogen sind. Die Wirkungsweise des Ganzen ist folgende: Wird der Elektromagnet E1 erregt, so legt sich die Losscheibe A, wie dies die Abbildung zeigt, mit ihren konisch ausgedrehten Innenflächen fest an die entstehenden ringförmigen Polflächen an und wird daher mitgenommen. Wird aber der Erregungsstrom vom Elektromagnet E1 auf den Elektromagnet E2 umgeschaltet, so legt sich die Losscheibe an diesen an, und die Arbeitsmaschinen werden mit derselben Kraft gebremst, mit der sie vorher angetrieben wurden, während der Motor sofort von allen durch die Kuppelung getriebenen Transmissionen unabhängig wird. Es wird also durch diese Kuppelung zweierlei erreicht. Erstens wird durch die beschriebene Umschaltung derjenige Theil der Transmissionen, welcher durch den Motor angetrieben wird, in wenigen Secunden zum Stehen gebracht; zweitens aber wird dieser Theil auch völlig von den übrigen Theilen losgelöst, so dass diese letzteren ununterbrochen im Betriebe verbleiben.

Die beschriebene Anordnung der Sicherheitskuppelung ist nicht die einzige, welche zur Ausführung gelangt, obschon sie für die meisten Fälle in Frage kommt.

Textabbildung Bd. 284, S. 199
Die Anordnung ist beispielsweise eine andere, wenn die zu treibende Welle der Maschine nur kurze Zeit zu laufen hat, wenn umgekehrt als bei der in Fig. 33 dargestellten Construction die Riemenscheibe das treibende und die Welle das getriebene Transmissionsglied ist, wenn statt der Riemenübertragung eine Zahnradübertragung in Verwendung kommt, wenn eine Welle, die in der Verlängerung der treibenden Welle liegt, bewegt werden soll, wenn einem Transmissionsglied bald die eine, bald die andere Drehrichtung ertheilt werden soll.

Da die erregende Kraft des Stromes ausser von seiner Stärke auch von der Windungszahl abhängt, so kann die erforderliche Stromstärke stets auf jedes gewünschte Maass herabgedrückt werden; indem man die Windungszahlen |200| entsprechend wählt. Ausserdem aber ist durch die ausserordentlich günstige Anordnung des magnetisch wirksamen Eisens, welche sich bei dieser Construction scheinbar von selbst ergibt, auch dafür Sorge getragen, dass die elektrische Arbeit, welche geleistet werden muss, um irgend eine gegebene Leistung sicher zu übertragen, auf ihr kleinstes erreichbares Maass beschränkt bleibt.

Da es in jedem nicht ganz kleinen Fabrikbetriebe von grosser Wichtigkeit ist, dass die Auslösung einer solchen Kuppelung von einer möglichst grossen Anzahl von Punkten aus geschehen könne, welche in den Arbeitssälen vertheilt sind, so haben die Herren Siemens und Halske eine besondere selbsthätige Vorrichtung construirt, welche es unnöthig macht, dass ein vollständiger Umschalter an jedem der genannten Punkte angebracht werde. Dies ist um so wichtiger, da die Erfahrung gezeigt hat, dass es nicht immer genügt, wenn beispielsweise die Transmission in Bewegung ist, den Elektromagneten K1 stromlos zu machen und dann den Elektromagnet E2 zu erregen. Da nämlich die Kuppelung aus Gusseisen besteht, ist der remanente Magnetismus so gross, dass die Losscheibe zuweilen an dem Elektromagnet E1 kleben bleiben kann. Diese Unsicherheit kann aber auf das einfachste dadurch vollständig vermieden werden, dass der erregende Strom, nachdem er unterbrochen worden ist, während einer kurzen Zeit einmal umgekehrt und dann erst auf den gegenüberstehenden Elektromagnet umgeschaltet wird. Durch einen solchen Stromstoss in entgegengesetzter Richtung wird der remanente Magnetismus sozusagen herausgeschüttelt. Der selbsthätige Umschalter, welcher den gekennzeichneten Zwecken dient, ist in Fig. 35 abgebildet. Das Gewicht wird von Hand in die in der Figur dargestellte Lage gebracht, wobei der Elektromagnet E1 erregt, der Elektromagnet E2 stromlos ist. Dabei ist der Anker des am Umschalter angebrachten und durch Ruhestrom erregten Elektromagnets angezogen, und der Kniehebel verhindert, dass das Gewicht herabfalle. Sobald dagegen der Ruhestrom unterbrochen wird, wird der Anker durch eine Feder abgerissen, das Gewicht wird frei und besorgt beim Herabfallen die oben beschriebenen Um Schaltungen nach der Reihe, indem die Contactbürsten, deren Enden auf der Abbildung zu sehen sind, von dem Gewichte mitgenommen, nach der Reihe die verschiedenen Contactknöpfe bestreichen, welche mit den beiden Wickelungen der Kuppelung in geeigneter Weise verbunden sind.

Zur Anlage eines Fabrikbetriebes, dessen einzelne Abtheilungen mittels der Sicherheitskuppelungen rasch aus- und eingerückt werden können, ist nur noch der erforderliche elektrische Strom zu beschaffen zur Erregung der Elektromagnete der Kuppelungen und der Bremsen und gleichzeitig für den Ruhestromkreis zur Auslösung der Umschaltvorrichtungen.

Wie schon erwähnt, ist hierzu nur eine sehr geringe elektrische Energie nöthig, so dass für eine grosse Anzahl elektrischer Sicherheitskuppelungen eine kleine elektrische Maschine ausreicht. Beispielsweise würde für 50 Sicherheitskuppelungen, von denen jede zur Uebertragung von 6 bei den üblichen Geschwindigkeiten eingerichtet ist, eine 3pferdige Dynamomaschine genügen. Es ist somit für die Erzeugung des erforderlichen Stromes im Mittel ungefähr 1 Proc. der übertragenen Leistung zu rechnen.

Die Dynamomaschine kann durch die Betriebsmaschine der Fabrik in Bewegung gesetzt werden und muss so lange im Betrieb sein wie jene. Bei Fabriken, welche elektrische Beleuchtung besitzen, kann die Stromquelle der Beleuchtung zu diesem Zwecke mitbenutzt werden.

Wird bei Arbeitspausen die Betriebsmaschine der Fabrik abgestellt, so sinkt dabei die Stromerzeugung. Die Auslöseelektromagnete der Umschaltevorrichtungen können ihre Anker nicht mehr angezogen erhalten, es werden also die Sicherheitskuppelungen ausgerückt und die Arbeitsmaschinen still gestellt, noch ehe die Betriebsmaschine ganz zum Stillstand gekommen ist. Bei dem Wiederinbetriebsetzen der Fabrik sind, da eine genügende Stromerzeugung die Auslöseelektromagnete zu erregen noch nicht vorhanden ist, sämmtliche Sicherheitskuppelungen noch ausgerückt, so dass die Betriebsmaschine sehr leicht in Gang gesetzt werden kann. Hat sie ihre normale Geschwindigkeit erreicht, so ist auch der elektrische Strom zur Verfügung und es lassen sich nun die Sicherheitskuppelungen einrücken.

Am vortheilhaftesten für die Sicherheit und Einfachheit des Betriebes gestaltet sich aber die Anlage in ausgedehnten Fabriken, welche durch elektrische Kraftübertragung betrieben werden. Die Vortheile einer solchen Anordnung sind kurz zusammengefasst folgende:

Textabbildung Bd. 284, S. 200
Es kann die Erzeugung der Kraft an einer Stelle vorgenommen werden, unter Verwendung grosser und verhältnissmässig billig arbeitender Maschinen, alle weitläufigen Transmissionen kommen in Wegfall, jede grössere Maschine (etwa über 4 ), die betrieben werden soll, erhält ihren eigenen Elektromotor. Die kleineren Maschinen werden in Gruppen bis zu etwa 6 zusammengefasst, deren jede von einer kurzen Transmission betrieben wird. Etwa zwei solcher einander benachbarter Transmissionen erhalten einen Elektromotor. Die Verbindung dieser Transmissionen mit dem Elektromotor geschieht durch Sicherheitskuppelungen, wie auch die grösseren Maschinen durch solche mit ihren Elektromotoren in Zusammenhang stehen. Durch den Wegfall der weitläufigen Transmissionen wird die ganze Anordnung viel einfacher, indem die Arbeit zur Bewegung dieser Transmissionen wegfällt, was besonders beachtenswerth ist, wenn z.B. bei Nachtschichten nur einige Werkzeugmaschinen zu arbeiten haben, und indem jede, die Fortpflanzung von Feuersgefahren so begünstigende, sonst für die Transmission nöthige Oeffnung zwischen übereinander liegenden Räumen hier vermieden wird.

Eine solche Anlage, welche seit nunmehr einem Jahre im Charlottenburger Werk der Herren Siemens und Halske |201| in Betrieb ist und deren Besichtigung allen Interessenten bereitwilligst gestattet wird, hat sich in allen Einzelheiten bisher auf das beste bewährt.

Das betreffende Gebäude, welches ausser verschiedenen kleinen Räumen und Lagerkellern sechs grosse Arbeitssäle in drei Stockwerken enthält, ist in vier dieser Säle in übereinstimmender Weise mit Betriebskraft versehen. In der Mitte des Raumes der Säle befindet sich ein Elektromotor, der durch einen Riemen eine kurze an der Decke montirte Welle betreibt. An den Enden dieser Welle sitzen Sicherheitskuppelungen, durch welche die Uebertragung der Bewegung auf zwei den Saal entlang laufende Wellen geschieht. Mittels Deckenvorgelegen werden von diesen Wellen die einzelnen Werkzeugmaschinen angetrieben. An den Säulen sind die Unterbrechungstasten angebracht und dicht bei dem Elektromotor befinden sich die Umschaltevorrichtungen, die durch Niederdrücken jener Tasten ausgelöst werden können. Die Vertheilung des elektrischen Stromes findet unter 110 Volt Spannung statt, und aus demselben Leitungsnetz, aus welchem die elektrische Beleuchtung versorgt wird, werden auch die Elektromotoren betrieben, die Sicherheitskuppelungen und die Ruhestromleitungen gespeist.

F. Verschiedene Kuppelungen.

Im Nachstehenden mögen noch einige Kuppelungen besprochen werden, die sich den vorstehenden Abtheilungen nicht wohl einordnen lassen.

Textabbildung Bd. 284, S. 201
Eine Universalkuppelung für biegsame Verbindungsstellen hat J. W. Newall in Manchester angegeben (Englisches Patent Nr. 15259 vom 28. September 1889). Wie aus den Fig. 36 bis 38 zu ersehen ist, dienen zur Kraftübertragung eine Anzahl von Zähnen, welche in die Kopffläche C und D der Wellen A und B eingeschnitten sind. Gegen Verschiebung des Durchschnittspunktes der Wellenmittel dient die Kugel E nebst dem durch dieselbe und die gezahnten Verbindungsstücke hindurchgehenden Schraubenbolzen F, dessen Kopf und Mutter G sich der Kugelfläche der Theile C und D anschliessen.

Die Max Mannesmann in Remscheid patentirte Kreuzgelenkkuppelung in Form einer Klauenkuppelung mit zwischen den Klauen liegenden Drehkörpern (D. R. P. Nr. 48235 vom 28. November 1888) ist, wie 1890 277 30 erwähnt worden ist, aus dem Bedürfnisse entstanden, für die stark beanspruchte Uebertragung des Mannesmann'schen Röhrenwalzwerkes eine geeignete Construction zu haben. Die Patentschrift erörtert die Herleitung der neuen Form aus dem Cardani'schen Gelenke und erläutert die geometrischen Bewegungsverhältnisse. Wir beschränken uns darauf, die Ausführungsformen zu beschreiben. Fig. 39 zeigt einen Durchschnitt durch eine Kreuzkuppelung, aa und cc sind die Klauen einer zweizahnigen Klauenkuppelung, welche unter einander hinreichend Spiel haben. Zur Uebertragung der Bewegung sind cylinderförmige Halbzapfen b1 eingesetzt, welche mit einer Endfläche auf der Kuppelungsfläche gleiten können. In Fig. 40 sind die Halbzapfen b als Halbkugeln oder als abgestumpfte Kegel ausgebildet. Erstere bieten den Vortheil, dass sie sich in ihren Lagern etwas drehen können, je nachdem die Kuppelung schräg steht. Auf diese Weise lässt sich ein genaues Einschleifen der reibenden Flächen und ein gleichmässiger Verschluss erzielen. Gehören, wie in Fig. 41 durch Pfeile angedeutet, die Klauen c dem treibenden Theile der Kuppelung an, so treten nur die Zapfen bb in Wirksamkeit, während die Zapfen b1b1 nur den Rückschluss sichern. Man kann letztere daher kleiner halten, wenn man nur für genügenden Rückschluss sorgt, wie dies bei Fig. 42 gezeigt ist. Wegen des Weiteren verweisen wir auf die Patentschrift, aus der wir nur noch die Patentansprüche anführen wollen: 1) Eine Kreuzgelenkkuppelung, gebildet aus einer zweizahnigen oder mehrzahnigen Klauenkuppelung, bei welcher zwischen die treibenden und getriebenen Flächen der Klauen Drehkörper eingeschaltet sind, die entweder in einer Kuppelungshälfte oder theils in der treibenden, theils in der getriebenen Kuppelungshälfte eingelagert sind, wobei die Drehachsen der Drehkörper senkrecht oder fast senkrecht zur Achse der Kuppelungshülse stehen, in welche die Drehkörper selbst eingelagert sind zum Zwecke, bei beweglichen Klauenkuppelungen die Kraft nur durch ölbare Flächen zu übertragen.

Textabbildung Bd. 284, S. 201
2) Bei der unter 1) gekennzeichneten Kuppelung die Einschaltung von Drehkörpern zwischen die Theile der Klauen, welche bei der Umkehrung der Bewegungsrichtung die Kraftübertragung zu besorgen hätten, zum Zwecke, dadurch den Rückschluss zu sichern und die Kuppelung zu einer vorwärts und rückwärts arbeitenden, sowie einer sich selbst tragenden zu machen.

Eine Ausrück- und Bremshülse für Klauenkuppelungen zeigt das D. R. P. Nr. 60098 vom 29. November 1890 des Hüttenwerkes Michelstadt in Hessen. Nach Fig. 43 bis 46 befindet sich auf der Welle w eine Klauenkuppelung, deren eine Hälfte a, welche die Bewegung einleitet, sich auf der Welle frei drehen kann. Die Kuppelungshälfte b ist auf |202| der Welle verschiebbar und wird durch eine Spiralfeder in die Kuppelungsklauen des Stückes a gedrückt. Die Kuppelung wird von einer bei i gerade abgedrehten Hülse h umgeben, die jedoch an der anderen Seite k eine in sich zurückkehrende krumme Fläche bildet, deren höchster Punkt zu einem Knaggen k1 ausgebildet ist. Die entsprechende Fläche f der Hülse b hat einen für k1 passenden Ausschnitt l1. Fig. 43 und 46 zeigen die Kuppelung im eingerückten, Fig. 44 und 45 im ausgerückten Zustande. Wird die Hülse k auf irgend eine Weise festgehalten, so gleitet der Knaggen an der schiefen Ebene vorbei, bis er in Folge der Feder Wirkung einschnappt. Die Klauenkuppelung ist dann ausgerückt und die Uebertragung unterbrochen.

Textabbildung Bd. 284, S. 202
Textabbildung Bd. 284, S. 202
Robert Wagner in Berlin hat nach D. R. P. Nr. 49947 eine Ausrückvorrichtung für Reibungskuppelungen unter Verwendung eines gesperrten Ausrückhebels vorgeschlagen. Auf der Welle (Fig. 47) ist eine Kuppelung angebracht, deren Einrückhebel durch Verschieben einer kegelförmigen Muffe die Kuppelung einrückt. Während des Ganges ist der Hebel durch einen Sperrstift gehalten. Letzterer ist von verschiedenen Stellen des Betriebes aus durch eine Ketten- oder eine Drahtleitung auslösbar. Tritt die Auslösung ein, so wirkt sofort eine kräftige Feder oder ein Gewicht auf das Ende des Ausrückhebels ein und es erfolgt die Ausrückung.

Textabbildung Bd. 284, S. 202
Die Spreizbackenkuppelung von Brandner, die nach einer Mittheilung vom Patentbureau Sack-Leipzig in mehreren Staaten patentirt ist, hat den Zweck, das Gewinde einer Spindelmutter mit demjenigen der Spindel momentan in und ausser Eingriff zu bringen. Dies zu erreichen, construirte Johann Brandner in Regensburg die Mutter aus zwei Spreizbacken, deren eine mit einem Hebel versehen ist. Hebt man letzteren empor, so kommen die beiden Backen ausser Eingriff mit dem Spindelgewinde; lässt man den Hebel wieder in seine frühere Lage zurückfallen, so umschliessen beide Backen die Spindel wieder, wobei durch die Wirkung der Schwere des Hebels das freiwillige Herausspringen der Backenmutter aus dem Spindelgewinde ausgeschlossen wird.

Textabbildung Bd. 284, S. 202
Die Brandner'sche Kuppelung lässt sich für die verschiedensten Fälle, hauptsächlich bei Druckbänken zum Bohren tiefer Löcher u.s.w., so wie auch für Schubstangen u. dergl. verwenden, wobei die Spreizbacken aus zwei Stücken bestehen, die anstatt der Gewindegänge eingedrehte Ringnuthen tragen, während die zu kuppelnde Stange selbst mit einer Ringnuth versehen ist. Auch für Transmissionen bietet die beregte Kuppelung Vortheile dar. Die Ausführung dieser Kuppelung ist von Richard Prass in Nürnberg übernommen worden.

Die Doppelflächenreibungskuppelung mit Bremsband-Ein- und Ausrückung von C. Danielowsky in Breslau (D. R. P. Nr. 47225 vom 29. Juni 1888) besteht aus der Nabe A mit Hohlkegel und Ringnuth (Fig. 51 und 52), dem Kegel B mit Schraubengewinde, der Scheibe C mit Muttergewinde und dem Kuppelungsring D mit Ringwulst. C und D sind durch Schrauben f fest verbunden. Die Kuppelung wird geschlossen, indem man die Scheibe C so dreht, dass sich der Kegel B in den Hohlkegel der Nabe A und dadurch |203| auch der Ringwulst an D sich in die Ringnuth an A fest hineindrückt. Uni die Kuppelung während des Betriebes lösen und schliessen zu können, ist der bei h drehbare Hebel G mit der bei i drehbaren Rolle K und dem endlosen Riemenbande L, der befestigten Scheibe M, sowie dem bei n befestigten Bremsband O angeordnet. Bei p ist die Handhabe Q befestigt. Ist nun das rechts gelegene Wellenende W das in der Pfeilrichtung sich bewegende treibende, links das anzukuppelnde und hält man die Handhabe Q nach oben, so verbindet das Riemenband L die Scheibe M mit C und D und bewegt diese Theile in gleicher Richtung wie W. Der mit Rechtsgewinde versehene Kegel B und der Ring D werden gegen A gepresst, so dass das getriebene Ende allmählich mitgenommen wird, bis die Kuppelung sich vollständig vollzogen hat. Das Lösen der Welle geschieht, indem man die Handhabe Q nach unten zieht, in leicht zu verfolgender Weise.

Textabbildung Bd. 284, S. 203
Textabbildung Bd. 284, S. 203
Eine Stützvorrichtung hat A. Frederking in Leipzig angegeben (D. R. P. Nr. 45481), welche bezweckt, bei ausgekuppelten, auf laufenden Wellen befindlichen Riemenscheiben den Druck des Riemens aufzunehmen. Die Vorrichtung besteht aus einem oder mehreren Stützbacken, die von einem Drehpunkte aus, von innen oder von aussen an den Scheibenrand, der Richtung des Riemenzuges entgegen, angedrückt werden können und somit den Riemenzug aufheben.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: