Titel: Die elektrischen Eisenbahneinrichtungen auf der Frankfurter Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284 (S. 265–269)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/ar284069

Die elektrischen Eisenbahneinrichtungen auf der Frankfurter Ausstellung.

Von Oberingenieur L. Kohlfürst.

(Fortsetzung des Berichtes S. 247 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

XI. Signalcontrole (Signalrückmelder, Nachahmungssignale).

Die Wichtigkeit jener Hilfsmittel, welche anzeigen, in welcher Signallage sich irgend ein bestimmtes, ausser Sehweite befindliches Signalmittel – z.B. Einfahrtsignale, Stationsdeckungssignale, Vorsignale o. dgl. – jeweilig befindet, hat sich auf der Frankfurter Ausstellung sowohl durch die Menge als durch die Mannigfaltigkeit der einschlägigen Vorrichtungen gekennzeichnet.

Die lange Reihe derselben beginnt mit dem Wecker, dem am leichtesten anbringbaren und deshalb wohl auch verbreitetsten Controlapparate, welcher in einzelnen Staaten – wie z.B. in Oesterreich-Ungarn als Ergänzung der Stationsdeckungssignale – sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Die in Frage kommenden zu controlirenden Signalzeichen sind das Halt und das Frei, und bei ersterem soll der Wecker ertönen, bei letzterem schweigen. Da nun aber die betreffenden Signalmittel in der Regel auf Halt und nur ausnahmsweise, d.h. vorübergehend auf Frei stehen, erwächst den Controlstellen durch das fortwährende langwierige Geläute eine äusserst widerwärtige Belästigung und hat man sich deshalb bestrebt, die gewöhnlichen, mit Selbstunterbrechung oder Selbstausschaltung arbeitenden Rasselwecker durch langsam schlagende zu ersetzen.

Textabbildung Bd. 284, S. 265
Eine solche von Oberinspector Gattinger construirte Weckeranordnung befand sich in der von Czeija und Nissl in Wien ausgestellten Apparatsammlung und besteht dieselbe aus dem Pendel P (Fig. 81), das mittels einer Feder f in dem an der Gestellwand V angeschraubten Klemmbacken B aufgehängt, oben gabelförmig gestaltet und mit dem Regulirgewichte G versehen ist, ferner aus dem Elektromagnet M, dessen Anker A unten das gekrümmte Contactstäbchen ki trägt. Dem Ende i genau gegenüber ist an der Pendelstange ein Contact c festgeschraubt, welcher bei der Ruhelage der Vorrichtung den Contact i berührt, so dass in diesem Falle eine leitende Verbindung von der Anschlussklemme a über B, f, p, e, i, A, d und den Elektromagnet M zur zweiten Anschlussklemme b besteht. Die weitere Einrichtung der Controlanlagen umfasst bekanntlich eine Batterie, eine Telegraphenleitung und eine Contactvorrichtung; letztere ist mit den Mechanismen des zu controlirenden Signales so verbunden, dass sie, während das Signal auf Halt steht, geschlossen und während der Lage auf Frei dauernd unterbrochen wird. Ersterenfalls ist also die Batterie wirksam und zieht im Apparate (Fig. 81) den Anker A an, wodurch der Perpendikel den Antrieb erhält, links zu schwingen. Bei dieser seitlichen Schwingung hört der Contact ie auf, und derselbe wird erst wieder hergestellt, bis das Pendel auf seiner Rückschwingung neuerlich auf i stösst, wodurch die Schwingung nach rechts theils aufgehoben, theils dem Pendel ein neuer Antrieb zur Linksschwingung ertheilt wird. Vermöge dieser Anordnung gibt die Vorrichtung Einzelschläge in beiläufig secundenlangen Pausen, so lange das zu controlirende Signal auf Halt steht; sie wird überdem, damit Beirrungen durch Linienstörungen – besonders durch Berührungen der Controlleitung mit anderen Ruhestromleitungen unschädlich gemacht werden – nicht an der Controlstelle, sondern erst hinter der Contactvorrichtung des Signals in die Leitung eingeschaltet, während an der Controlstelle ein gewöhnlicher Schleppwecker, der einfach nur mitläutet, den Dienst zu verrichten hat.

Langsam schlagende Wecker für Eisenbahnzwecke waren auch von Siemens und Halske in Berlin und von C. Th. Wagner in Wiesbaden ausgestellt. Von den letzteren gab es zwei verschiedene Formen, welche in mehreren Exemplaren sowohl in der Collection der genannten Firma, als auch in der Apparatsammlung der königl. preussischen Staatsbahnen – ausgestellt von der königl. Eisenbahndirection Frankfurt a. M. – vorhanden gewesen sind. Diese Wecker (Läutewerke) – vgl. 1890 276 237 und 1891 282 111 – bestehen aus einem Elektromagnet nebst Anker und aus einer Unruhe, die sich um eine stehende Achse dreht und durch eine um die gedachte Achse gewundene federnde Spirale in die Normallage zurückgeführt wird. Die Unruhe ist von den übrigen Theilen des Apparates vollkommen isolirt, aber mit einem Contactstifte versehen, der sich in der Ruhelage gegen die in ein Messingsäulchen eingeklemmte Contactfeder anlegt; letztere wird durch das gebogene Ende des Elektromagnetankerhebels bei stromloser Leitung stets angespannt und erst freigegeben, sobald eine Anziehung des Ankers erfolgt, wobei gleichzeitig die Unruhe den Antrieb zur Schwingung erlangt. Die Anordnung und der Stromlauf entspricht somit im Wesentlichen der in Fig. 81 dargestellten, mit dem Unterschiede, dass das schwingende, Hegende Rad – |266| die Unruhe – an die Stelle des Pendels getreten ist. Die Zeitfolge der Glockenschläge kann durch mehr oder weniger starkes Spannen der um die Achse der Unruhe gewundenen Spiralfeder geändert werden.

Optische Signalcontrolvorrichtungen ganz einfacher Construction waren von Czeija und Nissl in Wien, ferner von Siemens und Halske in Wien und von Woodhouse und Rawson in London ausgestellt. Davon hatten die ersteren die Form eines kleinen Blechkästchens, an dessen Vorderwand ein weisses oder rothes Scheibchen sichtbar wurde, je nachdem der im Kästchen angebrachte Elektromagnet unthätig oder stromdurchflossen war bezieh. je nachdem das durch die Leitung und Batterie mit dem Controlapparate verbundene Signal auf Frei oder auf Halt stand. Bei den beiden anderen angeführten Vorrichtungen wurde hingegen das Controlzeichen durch einen kleinen Semaphor bezieh. durch das Bild eines solchen gegeben, durch welches das zu controlirende Flügelsignal gleichsam nachgeahmt wird. Beim Siemens-Halske-Apparat bewegt ein in einem Blechkasten angebrachter Elektromagnet den Flügel des an der Kastenvorderwand angebrachten Semaphorbildes derart, dass der Flügel bei stromloser Linie wagerecht liegt und beim Stromschluss hingegen 45° schräg nach aufwärts zeigt.

Textabbildung Bd. 284, S. 266
Das bei Woodhouse und Rawson vorhanden gewesene original – englische Wiederholungssignal (Signal repeater) hatte zwei Elektromagnete, wovon der eine den Flügel des Semaphorbildes wagerecht, der andere dagegen 45° schräg nach abwärts bewegte und in dieser Lage festhielt. Für den Betrieb solcher Signale ist denn auch eine doppelte Leitungsverbindung zwischen dem zu controlirenden Signalmaste und dem Controlapparate nothwendig.

Aeusserst einfach waren ferner Signalcontrolvorrichtungen, welche seitens der königl. bayerischen Staatsbahnen zur Anschauung gebracht worden waren. Diese bei Alois Zeltler in München erzeugten, in Fig. 82 im Querschnitte dargestellten Apparate haben einen stehenden Elektromagnet M mit ungefähr 48 Ohm Widerstand, dann den um eine senkrechte Achse drehbaren Anker aa mit der daran befestigten Zeichenscheibe S, endlich eine am Apparatboden befestigte Blechscheibe B mit dem Bilde des auf Ruhe stehenden Signals, welches Bild hinter dem kreisrunden in der Kastenvorderwand ausgeschnittenen verglasten Fensterchen V sichtbar ist. Bei der Ruhelage wird aa durch die Abreissfeder f an einen Anschlag gelegt. Erfolgt nun eine Umstellung des zu controlirenden Signals und sonach eine Schliessung des Flügelcontactes, d.h. ein Stromschluss in der Controlleitung und demzufolge eine Anziehung des Ankers, so gelangt das Scheibchen S genau zwischen die Verglasung V und das festgemachte Zeichenscheibchen B. Es wird also S an Stelle von B sichtbar und bleibt es so lange, bis das controlirte Signal in die Ruhelage zurückgestellt, dortselbst der Flügelcontact unterbrochen und daher im Controlapparat der Anker A von f wieder abgerissen wird. Zur Ingangsetzung dieser Rückmeldevorrichtungen sind im Mittel zwei Meidinger-Elemente erforderlich. Am Stativ ist eine Blitzschutzvorrichtung P angebracht, deren oberer Theil mittels eines Knopfes zum Abheben eingerichtet ist, so dass ohne Inanspruchnahme des zu controlirenden Signals Stromschluss hergestellt und der Controlapparat für sich allein geprüft werden kann. Diese Vorrichtungen waren ursprünglich in viereckigen Holzkästchen untergebracht, werden jetzt jedoch, weil durch das Verziehen des Holzes Anstände vorgekommen sind, in broncirten Blechdosen mit eisernen Untergestellen hergestellt, genau so, wie es Fig. 79 S. 250 zeigt.

Textabbildung Bd. 284, S. 266
Eine zweite ähnliche Einrichtung, welche Fig. 83 in der Ansicht und Fig. 84 in der Draufsicht darstellt, und die gleichfalls seitens der königl. bayerischen Staatsbahnen vorgeführt war, unterschied sich von der vorgeschilderten dadurch, dass der Anker A ein Stahlmagnet ist und durch den Wechsel der Stromrichtung hin und her gestellt wird. Der Anker A trägt einen cylindrischen Mantel M aus ganz leichtem, dünnem Blech, auf welchem die vorkommenden Signalbilder an entsprechender Stelle aufgemalt sind. Die in der Ausstellung gezeigten Apparate der geschilderten Gattung waren nicht direct mit Signalen, sondern mit den dreistelligen Signalhebeln eines Centralweichen- und Signalstellwerkes in Verbindung gebracht, wurden aber in der Praxis bei den bayerischen Staatsbahnen in gleicher Art auch zur Controle der mit Einfahrtsignalen verbundenen Vorsignale angewendet. Die drei Zeichen, welche der Controlapparat zeigt, sind nachfolgende:

Textabbildung Bd. 284, S. 266
Davon entspricht das erste der Freilage des controlirten Signalstellhebels bezieh. einem positiven Strome und ist auf weissem Grunde sichtbar; das zweite entspricht der Ruhelage des Stellhebels, tritt bei stromloser Leitung vor das Fenster und ist schwarz auf blauem Grunde gemalt. Das letzte, der Haltlage des Signalstellhebels und einem negativen Strome entsprechende Zeichen hat einen rothen Hintergrund; so sind also alle drei Bilder nicht nur in der Form, sondern auch in Farbe auffällig unterschieden. |267| Die Contactvorrichtung am Signalstellhebel zeigt Fig. 85 in der Ansicht und Fig. 86 in der Draufsicht. Die isolirt am Stellbockgerüste G angebrachten vier Messingbügel n tragen die beweglichen Zungen z; letztere werden durch Federn f, f (Fig. 85, in Fig. 86 der Deutlichkeit wegen nicht eingezeichnet), die in dem Elfenbeinplättchen a eingehängt sind, dauernd nach abwärts gehalten und sind mit der Batterie B im Sinne des beigefügten Schemas in Verbindung gebracht. Bei den Umlegungen des betreffenden Signalstellhebels wird auch das zugehörige Verschlusslineal V nach links oder nach rechts mitbewegt und dabei gelangt der aus zwei von einander isolirten Messingstücken L und E bestehende, an V befestigte Backen links bezieh. rechts unter die Zungen und da L mit der zum Controlapparate führenden Leitung und E durch das Eisengestelle mit der Erde in Verbindung steht, erfolgt ersterenfalls die Entsendung eines positiven, letzterenfalls eines negativen Stromes, während bei jeder anderen Lage des Stellhebels, bei welcher der Backen keine Zungen berührt, die Controlleitung stromlos bleibt.

Textabbildung Bd. 284, S. 267
Textabbildung Bd. 284, S. 267
Für die Controleinrichtungen zu Flügelsignalen oder zu Klappscheiben benutzten die bayerischen Staatsbahnen ursprünglich Kugelcontacte nach System Henning; jetzt kommen Fink'sche Quecksilbercontacte, die auch bei den ausgestellten Anlagen mehrfach benutzt waren und später noch des Näheren zu besprechen sein werden, sowie jüngster Zeit zumeist die vom königl. Telegraphen Werkmeister August Neumayer angegebenen, bei Fr. Reiner in München erzeugten Quecksilbercontacte zur Verwendung.

Diese Vorrichtung, welche in der Collection der königl. bayerischen Staatsbahnen bei der im Kapitel X erwähnten Henning'schen Druckschiene zur Weichencontrole angewendet war, besteht aus einem Gusseisengehäuse G (Fig. 87) mit den angegossenen Befestigungsflanschen FF und dem aufschraubbaren Verschlussdeckel D. Im Hohlräume von G befindet sich die zugeschmolzene, mit Flanell umwickelte Glasröhre B, welche zum Theile mit chemisch reinem Quecksilber und sonst mit einem Gase gefüllt ist, welches die Oxydation des Quecksilbers bezieh. die Bildung von Unterbrechungsfunken hintanhalten soll. Zwei einander nicht berührende, in R eingeschmolzene Platindrähte werden an die durch je ein Gummirohr eingeführten Zuleitungsdrähte L und L1 angelöthet. Hernach wird der Deckel D mittels dreier tief versenkter Schrauben festgemacht, ferner der ganze innere Hohlraum bei der Einflussöffnung p mit flüssig gemachtem Wachskitt vollgegossen und schliesslich p gleichfalls durch eine versenkte Schraube abgeschlossen. Der auf diese Weise gegen jeden Witterungs- oder sonstigen äusseren Einfluss geschützte Contact wird mittels der Flansche und zweier Mutterschrauben an dem betreffenden, sich bewegenden Signaltheil – Scheibenhälfte, Semaphorflügel, oder im Nothfalle einem geeigneten Zwischen mechanismus – befestigt. Die Winkelbewegung der Vorrichtung soll, damit der Contact sicher wirkt, nicht weniger als 30° und nicht mehr als 60° betragen; der Leitungswiderstand des Contactes schwankt zwischen 0,3 und 0,5 Ohm.

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Weniger einfach als die bisher betrachteten Signalcontrolvorrichtungen sind natürlich jene, welche für die zwei- oder mehrflügeligen Bahnhofsabschlussignale (sogen. deutsche Einfahrtsignale) verwendbar sein sollen.

Eine solche von Fink construirte Anordnung war sowohl in der Sammlung der königl. preussischen Staatsbahnen – ausgestellt durch die königl. Eisenbahndirection Hannover – als in jener der königl. bayerischen Staatsbahnen vorhanden. Der Zeichengeber – Nachahmer – (Fig. 88), ein an der Wand zu befestigendes Blechkästchen K, hat ein Fenster, hinter welchem das Semaphorbild, die Nachahmung des am controlirenden Signal vorhandenen Signalbildes, sichtbar ist. Die innere Einrichtung, sowie nebenbei die Schaltung lässt sich aus Fig. 89 ersehen. Der olivenförmige Anker A des Elektromagnetes ist aus magnetisirtem Stahl und bewegt sich in einer senkrechten Ebene. An der Ankerachse sitzt ein kleines Winkelstück i mit zwei Krummzäpfchen und der messingene Anschlagarm m fest. Von i führen zarte Gelenkstängelchen zu den Semaphorflügeln, welche als zweiarmige Hebel angeordnet sind. Der Elektromagnet des Nachahmers steht einerseits mit der Erde E, andererseits durch die Leitung L mit zwei Batterien B1 und B2 in Verbindung, welche zunächst dem zweiflügeligen Einfahrtssignale aufgestellt sind. Die zweiten Pole der beiden Batterien stehen mit dem |268| einen Anschlusse je einer Contactvorrichtung in Verbindung, deren zweiter Anschluss schliesslich wieder zur Erde führt. Die Fink'schen Contacte, welche an den Drehpunkten der Semaphorflügel mittels eines Bügels an dem Flügel angebracht werden und dessen Bewegungen also mitmachen, bestehen aus einem dosenförmigen Metallgehäuse mit eingelegter Bodenscheibe aus Hartgummi o. dgl., an welchem eine – nach Erforderniss auch mehrere – ringförmig gebogene Glasröhre befestigt ist, in der sich eine angemessene Menge Quecksilber befindet und zwei Platin drahte eingeschmolzen sind. Letztere werden zu Anschlussklemmen verbunden, die am Dosenboden angeschraubt sind und von welchen dann isolirte, durch die Dosenwand nach aussen geführte Drähte die Verbindung zur weiteren Leitung herstellen. In Fig. 89 sind die beiden Semaphorflügel des zu controlirenden Einfahrtsignals mit F1 und F2 angedeutet und stellt ersterer den oberen, letzterer den unteren dar. In der Contactvorrichtung des F1 ist die Verbindung zwischen Batterie B1 und Erde hergestellt, wenn der Arm normal, d.h. auf Halt liegt, während der Lage auf Frei hingegen unterbrochen.

Textabbildung Bd. 284, S. 268

Bei der Contactvorrichtung von F2 besteht das verkehrte Verhältniss, da dort während der Ruhelage die Verbindung zwischen B2 und Erde unterbrochen, dagegen bei der Schrägstellung des Flügels geschlossen wird. Der Nachahmer gibt sonach die wirklichen Signalbilder

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und zwar das Signal 1 (Halt), indem die Batterie B1 einen positiven, andauernden Strom nach dem Elektromagnet des Controlapparates entsendet, wo die Apparattheile die in der Figur dargestellte Lage angenommen und behalten haben. Wurde am Einfahrtsemaphor das Signal 2 (Frei fürs Hauptgeleis) ertheilt, so ist der vorhandene Ruhestrom unterbrochen worden und A stellt sich vermöge des durch den Anschlagarm m vorhandenen geringen Uebergewichtes senkrecht mit m nach abwärts, wodurch S1 den Arm f1 hoch zieht. Beim Signal 3 (Frei für die Abzweigung) wird B2 wirksam und schickt einen negativ gerichteten Ruhestrom in den Nachahmer, demzufolge der Anker A sich mit seinem Nordpol n nun nach links hinüber stellt, so dass der Arm m gegen a2 stösst – a1 und a2 haben in erster Linie die Aufgabe, das zu weite Ueberkippen des Ankers oder längeres Herumdrehen desselben zu behindern – und der Winkel i um 180° gedreht wurde, wodurch nun f1 hoch gehoben und f2 45° gesenkt wurde. Der geschilderte Nachahmer ist also im Wesentlichen dasselbe, wie die bayerischen Rückmelder für drei Zeichen, aber es liegt ein gewisser Vortheil in dem Umstände, dass das wichtige Signal Halt an Ruhestrom gebunden wird – auch die Zettler'schen Rückmelder werden jüngster Zeit für Ruhestrom eingerichtet – und, dass die Störungen in den Stellvorrichtungen (Drahtzügen) des Signals, sowie in den elektrischen Controleinrichtungen sich durch widersprechende Signale am Nachahmer äussern, so dass der beobachtende Beamte einen solchen Anstand baldigst erkennen kann.

Textabbildung Bd. 284, S. 268

Allein es ist damit noch immer das eigentlich Wünschenswerthe nicht erreicht, denn eine unentschiedene Lage der Flügel am Einfahrtsignal oder eine Störung in der Controleinrichtung soll sich am Nachahmer nicht durch ein falsches Signalzeichen, sondern durch ein bestimmtes, von den regulären Signalen abweichendes Zeichen darstellen. In diesem Sinne hat Fink dem geschilderten Signale die durch Fig. 90 erläuterte vervollkommnete Anordnung gegeben. Es hat nunmehr jeder Flügel des Nachahmers seinen eigenen Elektromagnet, eine besondere Leitung L1 bezieh. L2 und je zwei Batterien b und B. Demgemäss können beide Signalstellungen jedes Flügels durch Ruheströme dargestellt werden, indem die Contactvorrichtungen am Einfahrtssignale doppelte Quecksilbercontacte haben, von welchen der eine immer mit der zugehörigen Batterie b, der andere mit der Batterie B in Verbindung steht. Bei den beiden Signallagen des Flügels ist immer abwechselnd der eine Quecksilbercontact geschlossen, der zweite unterbrochen. Der Krummzapfen auf der Ankerachse und das Gelenkstängelchen S1 bezieh. S2 sind nun so angeordnet, dass durch den positiv gerichteten Strom der Flügel die dem Haltsignal entsprechende Lage und durch den negativen Strom die der Freistellung entsprechende Lage erhält. Im Falle andauernder Stromlosigkeit erhält aber der betreffende Flügel eine dritte Stellung, und zwar stellt sich f1 senkrecht nach aufwärts und f2 unter der gleichen Voraussetzung wagerecht. Die Stromlosigkeit tritt in einem oder im anderen oder endlich in beiden Elektromagneten nicht allein bei Leitungsunterbrechungen oder Batteriestörungen ein, sondern auch dann, wenn der eine oder der andere oder etwa beide Flügel am controlirten Einfahrtsemaphor nicht in seiner gehörigen Signallage liegt, da in einem solchen Falle vermöge der Lage und ursprünglichen Einstellung |269| der Contactvorrichtung des Flügels entweder ein kurzer Schluss der beiden Batterien oder eine Unterbrechung beider Batterieanschlüsse statthaben wird. Ausser den früher dargestellten drei regulären Signalzeichen gibt der zuletzt geschilderte Nachahmer noch die weiteren fünf Bilder; wovon 4 und 5 „Störung oder Halbstellung im oberen Flügel“, 6 und 7 „Störung oder Halbstellung im unteren Flügel“ und 8 „Störung oder Halbstellung in beiden Flügeln“ anzeigt.

Textabbildung Bd. 284, S. 269

(Fortsetzung folgt.)

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