Titel: C. Cuttriss' Kohlenmikrophon ohne Contactflächen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284/Miszelle 4 (S. 47–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/mi284mi02_4

C. Cuttriss' Kohlenmikrophon ohne Contactflächen.

In dem New Yorker Electrical Engineer; 1891 Bd. 12 * S. 646, hat Charles Cuttriss ein neues, eigenthümliches Kohlenmikrophon beschrieben, worin nicht verschiedene, sich berührende Kohlenstücke benutzt werden. Etwas mehr als ein Jahr früher hatte er bei Versuchen über das Verhalten von Kohlencontactspitzen unter verschiedenem Druck und bei verschiedenen Stromstärken beobachtet, dass Kohlencontacte, welche bei Anlegung der |48| Batterie gute Berührungsflächen besassen, sich zufolge der Erwärmung allmählich ausdehnten und die Berührungsstelle schliesslich so klein wurde, dass sie einen Augenblick zum Glühen kam; von da an wurde der Contact wieder gut; die Wechsel traten etwa alle 30 Secunden ein und währten 20 Minuten und noch länger, bis die Kohlenspitzen sich so sehr verändert hatten, dass die Wirkung aufhörte.

Bei den dann angestellten Versuchen mit Kohlenscheiben merkte Cuttriss, dass diese bei dem von ihm angewendeten schwachen Drucke nicht wieder ihren früheren Zustand annehmen wollten, wenn der Druck beseitigt worden war. Zur Vermeidung dieser beiden Schwierigkeiten kam Cuttriss darauf, die Anordnung so zu treffen, dass jeder Contact das Streben besässe, sich federnd zu öffnen, und dass so zugleich der Schliessungskreis ununterbrochen erhalten würde. Nach langer Bemühung gelang ihm endlich die Herstellung von spiralförmig gewundenen Kohlenstücken; dieselben haben in ihrem natürlichen Zustande etwa 10 Ohm Widerstand, ganz ausgedehnt aber über 500 Ohm und eine Bewegung von 0,01 Zoll (= 0,25 mm) zum Auseinanderziehen der Windungen verursacht eine Widerstandsänderung von 100 bis 200 Ohm. Ein Ueberspringen von Funken zwischen den Windungen konnte nicht bemerkt werden, bevor die Batterie so verstärkt worden war, dass die ganze Schraube auf etwa 300 bis 400° F. (= 149 bis 205° C.) erhitzt wurde.

Gerade dieses Fehlen des Funkenüberspringens liess Cuttriss die Anordnung als für Mikrophone werthvoll erscheinen, um so mehr, als auch jenes ohrzerreissende Knacken, welches so oft gehört wird, wenn am sprechenden Ende Ungeduld zum Durchbruch kommt, hier nicht auftreten kann, weil ja in keinem Falle eine Unterbrechung des Stromkreises eintritt.

Bei der Verwerthung seiner Beobachtung für die Herstellung von Kohlenmikrophonen kittete Cuttriss die schraubenförmige Kohle mit dem einen Ende dauernd an der schwingenden Platte fest, mit dem anderen Ende aber verband er sie ebenfalls dauernd mit einer Stellschraube, durch welche ihre Spannung regulirt werden kann, indem ihre Windungen einander nach Bedarf genähert oder von einander entfernt werden. Die mit solchen Mikrophonen angestellten Versuche haben gezeigt, dass dieselben nicht nur die Sprache sehr laut wiedergeben, sondern auch auffällig deutlich. Den Grund von letzterem sucht Cuttriss in der äussersten Leichtigkeit der Kohlenschraube und in der unbedingten Stetigkeit des Stromkreises, d.h. in dem Nichtvorhandensein von Contactflächen, endlich darin, dass jeder Anlass zu Klemmungen und Sperrungen an den Flachen fehlt, weil jeder Theil der Schraube sich nach aussen zu dehnen und zu öffnen strebt.

Die im Electrician gebrachte Mittheilung über dieses neue Mikrophon hat A. A. C. Swinton veranlasst, ebenda 1892 Bd. 28 S. 285 darauf hinzuweisen, dass bereits auf S. 545 der 1879 erschienenen Ausgabe von Prescott's Buch über das Telephon von einem Kurzschluss-Telephon die Rede ist, in welchem eine Spiralfeder um einen Cylinder gewickelt sein und die schwingende Platte an deren letzten Windung befestigt werden soll; beim Schwingen der Platte kämen dann, entsprechend der Amplitude, mehr oder weniger Windungen mit einander in Berührung. Es heisst daselbst weiter: „Der Draht (wire) wird in den Stromkreis der primären Rolle eines Inductors eingeschaltet u.s.w.“. Mit Unrecht scheint daher Swinton zu vermuthen, hier könne auch an Kohle gedacht worden sein, da diese ja damals schon als das beste mikrophonische Material gekannt worden sei. Uebrigens deutet doch schon der Name „Kurzschluss-Telephon“ daraufhin, dass hier die Wirkung eine andere war, als in dem Mikrophon von Cuttriss.

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