Titel: Organische Säuren im Rübensaft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284/Miszelle 3 (S. 168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/mi284mi07_3

Organische Säuren im Rübensaft.

Ueber die im Rübensaft enthaltenen organischen Säuren veröffentlichte O. v. Lippmann eine interessante Arbeit, aus der Nachstehendes entnommen ist: Verfasser weist zum ersten Male mit Bestimmtheit nach, dass im Rübensaft Apfel- und Weinsäure enthalten sind. Es gelang ihm, beide Säuren trotz der Gegenwart von Citronen- und Oxalsäure vollkommen rein zu erhalten aus Kalkniederschlägen, die sich in den Verdampfapparaten abzuscheiden pflegen; und zwar erwies sich die Apfelsäure als linksdrehend, die Weinsäure dagegen als rechtsdrehend. Ausserdem konnte noch Glutarsäure erhalten werden (vermöge ihrer grossen Löslichkeit in Aether), die bis jetzt noch nicht in der Pflanze nachgewiesen worden ist. Das Vorkommen der Glutarsäure ist hauptsächlich wegen ihrer Beziehungen zur Glutaminsäure, dem Glutamin und der α-Oxyglutarsäure von Interesse, welche ersteren namentlich in Rüben und Rübenproducten auftreten, während letztere in der Melasse nachgewiesen ist.

Ausser den bislang genannten Säuren finden sich noch Bernsteinsäure, Adipinsäure, Glykolsäure und vielleicht auch Glyoxal. Bernstein- und Adipinsäure isolirte Lippmann aus eigenthümlichen Absätzen, die sich zu Beginn der Campagne beim Vorwärmen der gekalkten Säfte gebildet hatten. Glykolsäure dagegen wurde erhalten aus einem Absatz, der sich wesentlich während einer Betriebsunterbrechung aus dem hierbei stark abgekühlten Safte ausgeschieden hatte und eine dünne, sehr harte Kruste strahlig-krystallinischen Gefüges darstellte.

Aus einem feinen weissen Pulver, das sich während des Betriebes bei der Filtration der Säfte abschied, konnte durch Kochen mit Wasser Glykolsäure erhalten werden, während die Analyse die Formel COH ergab. Das Molekulargewicht dieses Körpers ist jedenfalls ein höheres. Seine Zusammensetzung und Eigenschaften machen es nicht unwahrscheinlich, dass eine Analogie mit dem von Schiff beobachteten Hexaglyoxalhydrat


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COH

COH

+ H2O besteht.

Wenn somit das Vorhandensein von Glyoxal in unreifen Rüben auch noch hypothetisch ist, so konnte Verfasser doch in einem einzigen Falle Glyoxylsäure in ganz jungen Rübenpflanzen nachweisen und isoliren.

Alle diese Säuren (mit Ausnahme der Glutarsäure) sind in der Natur sehr verbreitet und finden sich, wie Brunner gezeigt hat, in vielen zuckerhaltigen Frucht- und Pflanzensäften; in den Früchten schon vor der Reife und während gewissen Entwickelungsstadien auch allgemein in den grünen Pflanzentheilen. Wenn nun bei der Bildung von Zucker im Pflanzenkörper Aldehyde die ersten Assimilationsproducte sind, was wohl kaum mehr zu bezweifeln ist, so wäre nach Lippmanns Meinung zu berücksichtigen, dass vielleicht auch solche Condensationen derselben vorkommen könnten, die zunächst zu Körpern von der Gattung des Hexaglyoxalhydrates führten, aus welchen dann durch weitere Abspaltung wieder Säuren hervorzugehen vermöchten. Ebenso müsse der Aldehyd der Glykolsäure, dazwischen dem Formaldehyd und Glycerinaldehyd in der Mitte steht, befähigt sein, wie diese, vielleicht noch leichter, sich zu Zuckerarten zu condensiren. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1891 Bd. 24 S. 3299.)

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